Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 50 übersetzt von Treitschke (Titel 1–15) und Schneider (Titel 16/17)
Dig. L16,
De verborum significatione
Liber quinquagesimus
XVI.

De verborum significatione

(Von Bedeutung der Wörter.)

1Ul­pia­nus li­bro pri­mo ad edic­tum. Ver­bum hoc ‘si quis’ tam mas­cu­los quam fe­mi­nas com­plec­ti­tur.

1Ulp. lib. I. ad Ed. Dieser Ausdruck: Wenn Jemand, umfasst sowohl Männer als Frauen.

2Pau­lus li­bro pri­mo ad edic­tum. ‘Ur­bis’ ap­pel­la­tio mu­ris, ‘Ro­mae’ au­tem con­ti­nen­ti­bus ae­di­fi­ciis fi­ni­tur, quod la­tius pa­tet. 1‘Cu­ius­que diei ma­ior pars’ est ho­ra­rum sep­tem pri­ma­rum diei, non su­pre­ma­rum.

2Paul. lib. I. ad Ed. Die Benennung Stadt (urbs) wird durch die Mauern begrenzt, [der Name] Rom aber durch die angrenzenden Gebäude, was mehr umfasst. 1Der grössere Theil eines jeden Tages11Es ist dies auf die 12 Stunden umfassende Tageszeit zu beziehen. sind die sieben ersten, nicht die letzten Stunden des Tages.

3Ul­pia­nus li­bro se­cun­do ad edic­tum. ‘Iti­ne­re fa­cien­do vi­gin­ti mi­lia pas­suum in dies sin­gu­los per­agen­da’ sic sunt ac­ci­pien­da, ut, si post hanc di­nume­ra­tio­nem mi­nus quam vi­gin­ti mi­lia su­per­sint, in­te­grum diem oc­cu­pent. vel­uti vi­gin­ti unum mi­lia sunt pas­sus: bi­duum eis ad­tri­bue­tur. quae di­nume­ra­tio ita de­mum fa­cien­da erit, si de die non con­ve­niat. 1Eius, qui apud hos­tes de­ces­sit, di­ci he­redi­tas non pot­est, quia ser­vus de­ces­sit.

3Ulp. lib. II. ad Ed. Wenn, um einen Weg zurückzulegen, an jedem einzelnen Tage zwanzigtausend Schritte zu machen sind22Diese Stelle bezieht sich nach Cujac. Recitatt. ad tit. de v. s. ad h. l. auf die Berechnung des Weges, welche anzustellen ist, wenn ein Municipalbürger die cautio judicii sistendis causa geleistet hat und sich nun in Folge derselben in Rom vor Gericht stellen soll. S. L. 1. D. si quis caut in jud sist. 1. 2. 11., so ist das so zu verstehen, dass, wenn nach Anstellung dieser Berechnung weniger als zwanzigtausend übrig bleiben, sie einen ganzen Tag einnehmen, z. B. [wenn] es einundzwanzigtausend Schritte sind, so werden ihnen zwei Tage zugetheilt werden. Es ist jedoch diese Berechnung nur dann zu machen, wenn man nicht über einen bestimmten Tag übereinkommt. 1[Den Nachlass] eines Solchen, welcher bei den Feinden verstorben ist, kann man nicht Erbschaft nennen, weil er als Sclave verstorben ist.

4Pau­lus li­bro pri­mo ad edic­tum. ‘No­mi­nis’ ap­pel­la­tio­ne rem sig­ni­fi­ca­ri Pro­cu­lus ait.

4Paul. lib. I. ad Ed. Proculus sagt, durch die Benennung Schuldforderung (nominis) werde eine Sache bezeichnet.

5Idem li­bro se­cun­do ad edic­tum. ‘Rei’ ap­pel­la­tio la­tior est quam ‘pe­cu­niae’, quia et­iam ea, quae ex­tra com­pu­ta­tio­nem pa­tri­mo­nii nos­tri sunt, con­ti­net, cum pe­cu­niae sig­ni­fi­ca­tio ad ea re­fe­ra­tur, quae in pa­tri­mo­nio sunt. 1‘Ope­re lo­ca­to con­duc­to’: his ver­bis La­beo sig­ni­fi­ca­ri ait id opus, quod Grae­ci ἀποτέλεσμα vo­cant, non ἔργον, id est ex ope­re fac­to cor­pus ali­quod per­fec­tum.

5Idem lib. II. ad Ed. Die Benennung Sache (rei) ist weiter, als die Geld (pecuniae), weil sie auch Das, was nicht in der Berechnung unseres Vermögens enthalten ist, begreift, während der Name Geld sich [nur] auf Das bezieht, was im Vermögen ist. 1Ad Dig. 50,16,5,1ROHGE, Bd. 11 (1874), Nr. 51, S. 158: Merkmal des Werkverdingungsvertrages.Wenn ein Werk in Verding gegeben und genommen ist (opere locato conducto;) Labeo sagt, dass mit diesen Worten ein solches Wort bezeichnet werde, welches die Griechen ἀποτέλεσμα, — nicht ἔργον33D. h. ein Werk überhaupt, auch ein unvollendetes. — nennen, das heisst, eine durch die Verfertigung des Werkes entstandene vollendete Sache.

6Ul­pia­nus li­bro ter­tio ad edic­tum. ‘No­mi­nis’ et ‘rei’ ap­pel­la­tio ad om­nem con­trac­tum et ob­li­ga­tio­nem per­ti­net. 1Ver­bum ‘ex le­gi­bus’ sic ac­ci­pien­dum est: tam ex le­gum sen­ten­tia quam ex ver­bis.

6Ulp. lib. III. ad Ed. Die Benennung Schuldforderung (nominis) und Sache (rei) bezieht sich auf jeden Contract und jede Verbindlichkeit. 1Der Ausdruck: nach den Gesetzen ist so zu verstehen: sowohl nach dem Sinn, als nach den Worten der Gesetze.

7Pau­lus li­bro se­cun­do ad edic­tum. ‘Spon­sio’ ap­pel­la­tur non so­lum quae per spon­sus in­ter­ro­ga­tio­nem fit, sed om­nis sti­pu­la­tio pro­mis­sio­que.

7Paul. lib. II. ad Ed. Gelobung (sponsio) wird nicht blos das genannt, was durch Befragung mit Geloben geschieht44Quae per sponsus (Hal. Vulg. Beck sponsi) interrogationem fit, d. h. nicht blos, wenn Jemand durch die Formel: (Spondesne?) Spondeo, Etwas versprochen hat, heisst das Versprechen sponsio, sondern auch wenn es mit andern Worten geschehen ist. Eigentlich findet aber doch ein Unterschied statt. Vgl. Gaj. III. 92. sq. u. 118. sqq. — S. Cujac. l. l. ad h. l., sondern eine jede Stipulation und Versprechung.

8Idem li­bro ter­tio ad edic­tum. Ver­bum ‘opor­te­bit’ tam prae­sens quam fu­tu­rum tem­pus sig­ni­fi­cat. 1‘Ac­tio­nis’ ver­bo non con­ti­ne­tur ex­cep­tio.

8Idem lib. III. Der Ausdruck: wird müssen (oportebit) bezeichnet sowohl die gegenwärtige, als die zukünftige Zeit. 1Unter dem Wort Klage (actionis) ist die Einrede nicht begriffen55Dies bezieht sich nach Cujac. l. l. ad h. l. auf das edictum de edendo. S. L. 1. D. de edendo 2. 13. Sonst wird unter actio öfters allerdings auch die exceptio verstanden. L. 1. D. de exc. 44. 1..

9Ul­pia­nus li­bro quin­to ad edic­tum. Mar­cel­lus apud Iu­lia­num no­tat ver­bo ‘per­is­se’ et scis­sum et frac­tum con­ti­ne­ri et vi rap­tum.

9Ulp. lib. V. ad Ed. Marcellus bemerkt zum Julianus, dass unter dem Ausdruck, zu Grunde gegangen sei (perisse) auch das, was zerrissen, und zerbrochen, und was mit Gewalt geraubt sei, begriffen werde.

10Idem li­bro sex­to ad edic­tum. ‘Cre­di­to­res’ ac­ci­pien­dos es­se con­stat eos, qui­bus de­be­tur ex qua­cum­que ac­tio­ne vel per­se­cu­tio­ne, vel iu­re ci­vi­li si­ne ul­la ex­cep­tio­nis per­pe­tuae re­mo­tio­ne vel ho­no­ra­rio vel ex­tra­or­di­na­rio, si­ve pu­re si­ve in diem vel sub con­di­cio­ne. quod si na­tu­ra de­bea­tur, non sunt lo­co cre­di­to­rum. sed si non sit mu­tua pe­cu­nia, sed con­trac­tus, cre­di­to­res ac­ci­piun­tur:

10Idem lib. VI. ad Ed. Es ist bekannt, dass unter Gläubigern (creditores) Diejenigen zu verstehen sind, welchen Etwas auf irgend eine [ordentliche] oder ausserordentliche Klage66Ex quacunque actione vel persecutione. S. d. Bem. zu L. 18. §. 1. D. accept. 46. 4., entweder nach dem Civilrecht ohne irgend eine Abweisung durch eine immerwährende Eierede, oder nach dem honorarischen, oder nach ausserordentlichem Rechte77Extraordinario. Cujac. l. l. ad h. l. führt als ein solches jus extraordinarium die in factum actiones an, (was er l. l. ad l. 12. h. t. ex. noch duch die L. 42. D. de obl. et act. 44. 7. belegt,) welche dem filiusf. in Abwesenheit des Vaters oder aus anderen Gründen gegeben werden, quae sunt extraordinariae, neque jure civili neque praetorio nominatim propositae, sed accommodantur utilitatis causa. Uebrigens bezieht Cujacius diese Stelle auf den Fall der missio creditorum in bona debitoris., gleichviel ob bedingt oder unter einer Zeitbestimmung, oder ohne Nebenbestimmung geschuldet wird. Wenn ihnen aber nur natürlich88Vgl. L. 16. §. 4. D. de fidej. 46. 1. geschuldet wird, so gelten sie nicht als Gläubiger. Aber auch wenn kein Gelddarlehn, sondern ein [anderer] Contract stattfinden sollte, werden Gläubiger angenommen.

11Gaius li­bro pri­mo ad edic­tum pro­vin­cia­le. ‘cre­di­to­rum’ ap­pel­la­tio­ne non hi tan­tum ac­ci­piun­tur, qui pe­cu­niam cre­di­de­runt, sed om­nes, qui­bus ex qua­li­bet cau­sa de­be­tur:

11Gaj. lib. I. ad Ed. prov. Unter der Benennung Gläubiger werden nicht nur Diejenigen verstanden, welche Geld dargeliehen haben, sondern Alle, welchen aus irgend einem Grunde geschuldet wird,

12Ul­pia­nus li­bro sex­to ad edic­tum. ut si cui ex emp­to vel ex lo­ca­to vel ex alio ul­lo de­be­tur. sed et si ex de­lic­to de­bea­tur, mi­hi vi­de­tur pos­se cre­di­to­ris lo­co ac­ci­pi. quod si ex po­pu­la­ri cau­sa, an­te li­tis con­tes­ta­tio­nem rec­te di­ce­tur cre­di­to­ris lo­co non es­se, post­ea es­se. 1Mi­nus sol­vit, qui tar­dius sol­vit: nam et tem­po­re mi­nus sol­vi­tur.

12Ulp. lib. VI. ad Ed. z. B. wenn Jemandem in Folge eines Kaufs, oder in Folge einer Vermiethung, oder in Folge eines anderen Contracts geschuldet wird. Aber auch wenn [Jemandem] in Folge eines Vergehens geschuldet wird, so scheint er mir als Gläubiger angesehen werden zu können. Wenn aber in Folge einer Volkssache99S. d. Bem. zu L. 42. pr. D. de procur. 3. 3., so wird man richtig sagen, dass er vor der Litiscontestation nicht als Gläubiger gelte, nachher aber als solcher gelte. 1Zu wenig hat Der gezahlt, welcher zu spät gezahlt hat; denn auch rücksichtlich der Zeit kann man zu wenig zahlen.

13Idem li­bro sep­ti­mo ad edic­tum. ‘Mu­lie­ris’ ap­pel­la­tio­ne et­iam vir­go vi­ri­po­tens con­ti­ne­tur. 1Res ‘ab­es­se’ vi­den­tur (ut Sa­b­inus ait et Pe­dius pro­bat) et­iam hae, qua­rum cor­pus ma­net, for­ma mu­ta­ta est: et id­eo si cor­rup­tae red­di­tae sint vel trans­fi­gu­ra­tae, vi­de­ri ab­es­se, quon­iam ple­rum­que plus est in ma­nus pre­tio, quam in re. 2‘De­si­ne­re’ au­tem ‘ab­es­se’ res tunc vi­de­tur, cum sic red­it in po­tes­ta­tem, ne amit­te­re eius pos­ses­sio­nem pos­si­mus. 3Ob hoc, quod fur­to pri­dem sub­trac­ta est, ab­est et ea res, quae in re­bus hu­ma­nis non est.

13Idem lib. VII. ad Ed. Unter der Benennung Frau (mulieris) wird auch eine mannbare Jungfrau begriffen1010Cujac. l. l. ad h. l. sieht diese u. die folgende Lex als Erklärungen des Edicts: Si mulier ventris nomine calumniae causa in possessionem missa esse dicetur (tit. D. 25. 5. u. 6.) an und zwar in der Hinsicht, als eine solche Frau infam wurde. S. L. 5. D. de his, q. not. inf. 3. 2.. 1Es scheinen auch die Sachen zu fehlen1111Und also Gegenstand der in factum actio gegen die mulier calumniatrix sein. S. Cujac. l. l. (abesse), wie Sabinus sagt und Pedius billigt, deren Körper bleibt, deren Form aber verändert ist; und darum schienen sie auch, wenn sie verdorben, oder umgestaltet zurückgegeben seien, zu fehlen, weil gewöhnlich mehr Werth in der Kunst, als in der Sache liegt1212Plus est in manus pretio, quam in re. S. Cujac. l. l. Wenn daher die Gestalt der Sache aufgehoben ist, scheint die Sache selbst nicht mehr vorhanden zu sein.. 2Es scheint aber eine Sache dann aufzuhören, zu fehlen, wenn sie so in die Gewalt zurückgekehrt ist, dass wir ihren Besitz deshalb, weil sie vorher durch Diebstahl entzogen war, nicht verlieren können1313S. v. Savigny Besitz S. 336. f.. 3Es fehlt auch diejenige Sache, welche nicht mehr auf der Welt ist.

14Pau­lus li­bro sep­ti­mo ad edic­tum. La­beo et Sa­b­inus ex­is­ti­mant, si ves­ti­men­tum scis­sum red­da­tur vel res cor­rup­ta red­di­ta sit, vel­uti scy­phi col­li­si aut ta­bu­la ra­sa pic­tu­ra, vi­de­ri rem ‘ab­es­se’, quon­iam ea­rum re­rum pre­tium non in sub­stan­tia, sed in ar­te sit po­si­tum. item si do­mi­nus rem, quae fur­to si­bi ab­erat, igno­rans eme­rit, rec­te di­ci­tur res ab­es­se, et­iam­si post­ea id ita es­se scie­rit, quia vi­de­tur res ei ab­es­se, cui pre­tium ab­est. 1‘Rem amis­is­se’ vi­de­tur, qui ad­ver­sus nul­lum eius per­se­quen­dae ac­tio­nem ha­bet.

14Paul. lib. VII. ad Ed. Labeo und Sabinus glauben, dass, wenn ein Kleid zerrissen zurückgegeben werde, oder eine Sache verdorben zurückgegeben sei, z. B. Becher zerbrochen, oder ein Gemälde mit ausgekratzter Malerei, die Sache zu fehlen scheine, weil der Werth solcher Sachen nicht in dem Stoff, sondern in der Kunst liege. Ebenso wird man, wenn der Eigenthümer die Sache, welche ihm in Folge eines Diebstahls fehlte, ohne es zu wissen, gekauft haben wird, richtig sagen, dass die Sache fehle, auch wenn er nachher erfahren haben sollte, dass es sich so verhalte, weil Demjenigen die Sache zu fehlen scheint, welchem der Preis [derselben] fehlt. 1Der scheint eine Sache verloren zu haben (amisisse), welcher gegen Keinen eine Klage zur Verfolgung derselben hat.

15Ul­pia­nus li­bro de­ci­mo ad edic­tum. Bo­na ci­vi­ta­tis ab­usi­ve ‘pu­bli­ca’ dic­ta sunt: so­la enim ea pu­bli­ca sunt, quae po­pu­li Ro­ma­ni sunt.

15Ulp. lib. X. ad Ed. Das Vermögen einer Stadt ist uneigentlich ein öffentliches (publica) genannt worden; denn blos dasjenige ist ein öffentliches, welches dem Römischen Volk gehört.

16Gaius li­bro ter­tio ad edic­tum pro­vin­cia­le. Eum qui vec­ti­gal po­pu­li Ro­ma­ni con­duc­tum ha­bet, ‘pu­bli­ca­num’ ap­pel­la­mus. nam ‘pu­bli­ca’ ap­pel­la­tio in com­plu­ri­bus cau­sis ad po­pu­lum Ro­ma­num re­spi­cit: ci­vi­ta­tes enim pri­va­to­rum lo­co ha­ben­tur.

16Gaj. lib. III. ad Ed. prov. Demjenigen, welcher die Einkünfte des römischen Volkes gepachtet hat, nennt man publicanus (Pächter öffentlicher Abgaben). Denn die Benennung publica (öffentlich) bezieht sich in sehr vielen Fällen auf das Römische Volk; denn die Städte werden als Privatpersonen angesehen.

17Ul­pia­nus li­bro de­ci­mo ad edic­tum. In­ter ‘pu­bli­ca’ ha­be­mus non sa­cra nec re­li­gio­sa nec quae pu­bli­cis usi­bus de­sti­na­ta sunt: sed si qua sunt ci­vi­ta­tium vel­ut bo­na. sed pe­cu­lia ser­vo­rum ci­vi­ta­tium pro­cul du­bio pu­bli­ca ha­ben­tur. 1‘Pu­bli­ca’ vec­ti­ga­lia in­tel­le­ge­re de­be­mus, ex qui­bus vec­ti­gal fis­cus ca­pit: qua­le est vec­ti­gal por­tus vel ve­na­lium re­rum, item sa­li­na­rum et me­tal­lo­rum et pi­ca­ria­rum.

17Ulp. lib. X. ad Ed. Zu dem Oeffentlichen rechnen wir nicht die Heiligthümer, auch nicht die todtengeweihten Sachen (religiosa), ebenso nicht was zum öffentlichen Gebrauch bestimmt ist, sondern das Vermögen der Städte. Aber auch die Sondergüter der Sclaven der Städte gelten ohne Zweifel als öffentliches [Vermögen]. 1Unter öffentlichen Einkünften müssen wir diejenigen verstehen, welche der Fiscus bezieht, wohin der Hafen-, oder Waaren-, desgleichen der Salzwerks- und Bergwerks- und Pechhütten1414Picariarum mit der Florent. Hdsch. statt des in der Vulg., bei Hal. u. bei Beck befindlichen piscariarum. Vgl. Cujac. l. l. ad h. l. Cramer ad h. l.-Zoll gehört.

18Pau­lus li­bro no­no ad edic­tum. ‘Mu­nus’ tri­bus mo­dis di­ci­tur: uno do­num, et in­de mu­ne­ra di­ci da­ri mit­ti­ve: al­te­ro onus, quod cum re­mit­ta­tur, va­ca­tio­nem mi­li­tiae mu­ne­ris­que prae­stat in­de im­mu­ni­ta­tem ap­pel­la­ri. ter­tio of­fi­cium, un­de mu­ne­ra mi­li­ta­ria et quos­dam mi­li­tes mu­ni­fi­cos vo­ca­ri: igi­tur mu­ni­ci­pes di­ci, quod mu­ne­ra ci­vi­lia ca­piant.

18Paul. lib. IX. ad Ed. Munus wird auf dreifache Weise gebraucht; einmal heisst es ein Geschenk, und daher die Ausdrücke munera dari, oder mitti (Geschenke geben oder senden); zweitens eine Last, und wenn diese erlassen wird, so gewährt dies Befreiung vom Kriegsdienst und von öffentlichen Lasten (militiae munerisque), daher die Benennung immunitas (Lastenfreiheit); drittens ein Dienst, daher [sagt man] munera militaria (Soldatendienst), und werden einige Soldaten munifici (Dienstthuende) genannt. Daher sind auch die municipes benannt, weil sie munera civilia capiant (zu bürgerlichen Diensten fähig sind.)1515Vgl. l. 1. §. 1. D. ad municip. 50. 1. u. Niebuhr Röm. Gesch. B. 2. S. 61. ff. (2. Aufl.)

19Ul­pia­nus li­bro un­de­ci­mo ad edic­tum. La­beo li­bro pri­mo prae­to­ris ur­ba­ni de­fi­nit, quod quae­dam ‘agan­tur’, quae­dam ‘ge­ran­tur’, quae­dam ‘con­tra­han­tur’: et ac­tum qui­dem ge­ne­ra­le ver­bum es­se, si­ve ver­bis si­ve re quid aga­tur, ut in sti­pu­la­tio­ne vel nu­me­ra­tio­ne: con­trac­tum au­tem ul­tro ci­tro­que ob­li­ga­tio­nem, quod Grae­ci συνάλλαγμα vo­cant, vel­uti emp­tio­nem ven­di­tio­nem, lo­ca­tio­nem con­duc­tio­nem, so­cie­ta­tem: ges­tum rem sig­ni­fi­ca­re si­ne ver­bis fac­tam.

19Ulp. lib. XI. ad Ed.1616Diese Lex sowie l. 20. 22. u. 23. enthalten Erklärzngen der in den Edicten von der in integrum restitutio vorkommenden Ausdrücke. Cujac. l. l. ad hh. ll. Labeo unterscheidet im ersten Buch vom Praetor urbanus: Einiges werde verhandelt (agantur,) Anderes geführt (gerantur,) noch Anderes contrahirt; und zwar sei Handlung (actum) ein allgemeiner Ausdruck, möge Etwas durch Worte oder durch eine Sache verhandelt werden, wie bei der Stipulation, oder der Auszahlung [von Geld]; Contract aber sei eine gegenseitige Verbindlichkeit, was die Griechen συνάλλαγμα nennen, z. B. Kauf und Verkauf, Vermiethung und Miethe, Gesellschaft; Führung bezeichne eine ohne Worte verrichtete Sache.

20Idem li­bro duo­de­ci­mo ad edic­tum. Ver­ba ‘con­tra­xe­runt’ ‘ges­se­runt’ non per­ti­nent ad tes­tan­di ius.

20Ad Dig. 50,16,20Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 548, Note 2.Idem lib. XII. ad Ed. Die Ausdrücke: sie haben contrahirt, geführt (contraxerunt, gesserunt,) beziehen sich nicht auf das Recht, zu testiren.

21Pau­lus li­bro un­de­ci­mo ad edic­tum. Prin­ceps ‘bo­na’ con­ce­den­do vi­de­tur et­iam ob­li­ga­tio­nes con­ce­de­re.

21Paul. lib. XI. ad Ed. Wenn der Kaiser ein Vermögen zugesteht (bona concedendo)1717Es bezieht sich diese Stelle auf die vom Kaiser gegebene in int. restitutio. S. l. 3. D. de sent. pass. 48. 2. u. Cujac. l. l. ad h. l., so scheint er dadurch auch die Foderungsrechte und Verbindlichkeiten zuzugestehen.

22Gaius li­bro quar­to ad edic­tum pro­vin­cia­le. Plus est in re­sti­tu­tio­ne, quam in ex­hi­bitio­ne: nam ‘ex­hi­be­re’ est prae­sen­tiam cor­po­ris prae­be­re, ‘re­sti­tue­re’ est et­iam pos­ses­so­rem fa­ce­re fruc­tus­que red­de­re: ple­ra­que prae­ter­ea re­sti­tu­tio­nis ver­bo con­ti­nen­tur.

22Gaj. lib. IV. ad Ed. prov. In der Zurückerstattung (restitutio) ist mehr als in der Vorzeigung (exhibitio) enthalten; denn vorzeigen (exhibere) heisst die Gegenwart einer körperlichen Sache gewähren; zurückerstatten (restituere) aber auch [den Anderen] zum Besitzer machen und die Früchte zurückgeben. Ausserdem wird noch sehr Vieles unter dem Worte Zurückerstattung (restitutio) begriffen.

23Ul­pia­nus li­bro quar­to de­ci­mo ad edic­tum. ‘Rei’ ap­pel­la­tio­ne et cau­sae et iu­ra con­ti­nen­tur.

23Ulp. lib. XIV. ad Ed. Unter der Benennung Sache (rei) werden sowohl die Zubehör, als auch die Rechte begriffen.

24Gaius li­bro sex­to ad edic­tum pro­vin­cia­le. Ni­hil est aliud ‘he­redi­tas’ quam suc­ces­sio in uni­ver­sum ius quod de­func­tus ha­buit.

24Gaj. lib. VI. ad Ed. prov. Erbschaft (hereditas) ist nichts Anderes, als die Nachfolge in das gesammte Recht, welches ein Verstorbener gehabt hat.

25Pau­lus li­bro vi­cen­si­mo pri­mo ad edic­tum. Rec­te di­ci­mus eum fun­dum to­tum nos­trum es­se, et­iam cum usus fruc­tus alie­nus est, quia usus fruc­tus non do­mi­nii pars, sed ser­vi­tu­tis sit, ut via et iter: nec fal­so di­ci to­tum meum es­se, cu­ius non pot­est ul­la pars di­ci al­te­rius es­se. hoc et Iu­lia­nus, et est ve­rius. 1Quin­tus Mu­cius ait par­tis ap­pel­la­tio­ne rem pro in­di­vi­so sig­ni­fi­ca­ri: nam quod pro di­vi­so nos­trum sit, id non par­tem, sed to­tum es­se. Ser­vius non in­ele­gan­ter par­tis ap­pel­la­tio­ne utrum­que sig­ni­fi­ca­ri.

25Paul. lib. XXI. ad Ed. Wir sagen richtig1818L. 25—27. beziehen sich auf den gegenstand der rei vindicatio. Cujac. l. l. ad hh. ll., dass auch das Grundstück uns ganz gehöre (totum nostrum esse), an welchem ein Anderer den Niessbrauch hat, weil der Niessbrauch kein Theil des Eigenthums, sondern eine Dienstbarkeit ist, wie die Fahrwegs- und Fusssteigsgerechtigkeit; nun sagt man aber nicht falsch, dass das ganz mein sei, wovon man nicht sagen kann, dass irgend ein Theil einem Anderen gehöre; das [glaubt] auch Julianus, und ist richtiger. 1Quintus Mucius sagt, dass durch die Benennung Theil (partis) eine nur in Gedanken abgetheilte Sache (rem pro indiviso) bezeichnet werde; denn wenn uns etwas wirklich Abgetheiltes (pro diviso) gehöre, so sei das kein Theil, sondern ein Ganzes. Servius sagt nicht unpassend, es werde durch die Benennung Theil Beides bezeichnet.

26Ul­pia­nus li­bro sex­to de­ci­mo ad edic­tum. Par­tum non es­se par­tem rei fur­ti­vae Scae­vo­la li­bro un­de­ci­mo quaes­tio­num scri­bit.

26Ulp. lib. XVI. ad Ed. Scaevola schreibt im elften Buche der Quaestiones, dass das Junge kein Theil der gestohlenen Sache sei1919S. l. 10. §. 2. D. de usurpat. 41. 3..

27Idem li­bro sep­ti­mo de­ci­mo ad edic­tum. ‘Ager’ est lo­cus, qui si­ne vil­la est. 1‘Sti­pen­dium’ a sti­pe ap­pel­la­tum est, quod per sti­pes, id est mo­di­ca ae­ra, col­li­ga­tur. idem hoc et­iam ‘tri­bu­tum’ ap­pel­la­ri Pom­po­nius ait. et sa­ne ap­pel­la­tur ab in­tri­bu­tio­ne tri­bu­tum vel ex eo quod mi­li­ti­bus tri­bua­tur.

27Idem lib. XVII. ad Ed. Acker (ager) heisst ein [freier] Platz, welcher ohne Landhaus ist. 1Stipendium2020Eigentlich die an das Volk zu zahlende Grundsteuer. S. d. Bem. zu l. 13. D. de imp. in res dot. 25. 1. ist von stips benannt, weil es per stipes, das heisst, in kleiner Münze eingesammelt wird. Pomponius sagt, dass ebendasselbe auch tributum2121Eigentlich die an den Kaiser zu zahlende Grundsteuer. S. die cit. Bem. — Uebrigens bemerkt Cujac. l. l. ad h. l., dass Ulpianus vom stipendium u. tributum hier deshalb gesprochen habe, weil er die Frage erörtert habe, ob stipendiaria u. tributaria praedia Gegenstände der vindicatio seien. genannt werde. Und in der That wird tributum so benannt von der intributio (Steuerbeitrag), oder davon, dass es militibus tribuitur (unter die Soldaten vertheilt wird.)

28Pau­lus li­bro vi­cen­si­mo pri­mo ad edic­tum. ‘Alie­na­tio­nis’ ver­bum et­iam usu­ca­pio­nem con­ti­net: vix est enim, ut non vi­dea­tur alie­na­re, qui pa­ti­tur usu­ca­pi. eum quo­que alie­na­re di­ci­tur, qui non uten­do amis­it ser­vi­tu­tes. qui oc­ca­sio­ne ad­quiren­di non uti­tur, non in­tel­le­gi­tur alie­na­re: vel­uti qui he­redi­ta­tem omit­tit aut op­tio­nem in­tra cer­tum tem­pus da­tam non am­plec­ti­tur. 1Ora­tio, quae ne­que con­iunc­tio­nem ne­que dis­iunc­tio­nem ha­bet, ex men­te pro­nun­tian­tis vel dis­iunc­ta vel con­iunc­ta ac­ci­pi­tur.

28Paul. lib. XXI. ad Ed. Das Wort Veräusserung (alienatio) begreift auch die Ersitzung (usucapio) in sich; denn kaum kann man sagen, dass Der nicht zu veräussern scheine, welcher duldet, dass ersessen werde. Auch von Dem sagt man, er veräussere, welcher Dienstbarkeiten durch Nichtgebrauch verloren hat. Wer sich einer Gelegenheit zu erwerben nicht bedient, von dem nimmt man nicht an, dass er veräussere, z. B. wer sich von einer Erbschaft lossagt, wer die ihm innerhalb einer bestimmten Zeit gewährte Option2222S. d. Bem. zur Inscr. tit. D. de opt. v. elect. leg. 33. 5. nicht vornimmt. 1Eine Rede, welche weder eine Verbindung, noch eine Trennung enthält, wird nach der Absicht des Sprechenden entweder für getrennt oder für verbunden gehalten.

29Idem li­bro se­xa­gen­si­mo sex­to ad edic­tum. Con­iunc­tio­nem enim non­num­quam pro dis­iunc­tio­ne ac­ci­pi La­beo ait: ut in il­la sti­pu­la­tio­ne ‘mi­hi he­redi­que meo te he­redem­que tuum’.

29Idem lib. LXVI. ad Ed. Denn Labeo sagt, dass die Verbindung zuweilen als Trennung angesehen werde, wie in jener Stipulation: mir und meinem Erben, du und dein Erbe.

30Gaius li­bro sep­ti­mo ad edic­tum pro­vin­cia­le. ‘Sil­va cae­dua’ est, ut qui­dam pu­tant, quae in hoc ha­be­tur, ut cae­de­re­tur. Ser­vius eam es­se, quae suc­ci­sa rur­sus ex stir­pi­bus aut ra­di­ci­bus re­nas­ci­tur. 1‘Sti­pu­la il­lec­ta’ est spi­cae in mes­se de­iec­tae nec­dum lec­tae, quas rus­ti­ci cum va­ca­ve­rint col­li­gunt. 2‘No­va­lis’ est ter­ra prae­ci­sa, quae an­no ces­sa­vit, quam Grae­ci νέασιν vo­cant. 3‘In­te­gra’ au­tem est, in quam non­dum do­mi­nus pas­cen­di gra­tia pe­cus im­mi­sit. 4‘Glans ca­du­ca’ est, quae ex ar­bo­re ce­ci­dit. 5‘Pas­cua sil­va’ est, quae pas­tui pe­cu­dum de­sti­na­ta est.

30Gaj. lib. VII. ad Ed. prov. Silva caedua (Schlagwald)2323Diese u. die folgende Stelle bezieht sich auf die Rechte des Usufructuar. S. Cujac. l. l. ad hh. ll. u. v. Glück. IX. S. 206. ff. ist, wie Einige glauben, ein solcher Wald, welcher dazu bestimmt ist, dass er gefällt werden solle. Servius sagt, dass es ein solcher sei, welcher, nachdem er umgehauen, wieder aus den Stämmen und Wurzeln hervorwachse. 1Stipula illecta (nicht gelesene Halme) heisst bei der Ernte abgefallene und noch nicht gelesene Aehren, welche die Landleute, wenn sie Zeit haben, zusammenlesen. 2Brachfeld (novalis) ist aufgebrochenes Land, welches ein Jahr lang geruht hat, und welches die Griechen νέασιν2424Hal., Geb., Beck νέακιν. S. jedoch Cujac. l. l. ad h. l. u. Cramer ad h. l. Sehr viel Wahrscheinlichkeit hat die Conjectur von Alcatius: νέαγην. nennen. 3Integra (terra, unbetretenes Feld) heisst aber solches Land, auf welches der Eigenthümer das Vieh noch nicht zum Weiden gelassen hat. 4Glans caduca heisst eine solche Frucht, welche vom Baume abgefallen ist. 5Pascua silva heisst ein solcher Wald, welcher zur Weide für das Vieh bestimmt ist.

31Ul­pia­nus li­bro oc­ta­vo de­ci­mo ad edic­tum. ‘Pra­tum’ est, in quo ad fruc­tum per­ci­pien­dum fal­ce dum­ta­xat opus est: ex eo dic­tum, quod pa­ra­tum sit ad fruc­tum ca­pien­dum.

31Ulp. lib. XVIII. ad Ed. Pratum (Wiese) ist solches Land, auf welchem es, um die Früchte zu beziehen, nur der Sense bedarf, daher benannt, weil es zum Ziehen der Früchte paratum (bereit) ist.

32Pau­lus li­bro vi­cen­si­mo quar­to ad edic­tum. ‘Mi­nus so­lu­tum’ in­tel­le­gi­tur et­iam si ni­hil es­set so­lu­tum.

32Paul. lib. XXIV. ad Ed. Dass weniger gezahlt sei, nimmt man auch dann an, wenn nichts gezahlt ist.

33Ul­pia­nus li­bro vi­cen­si­mo pri­mo ad edic­tum. ‘Pa­lam’ est co­ram plu­ri­bus.

33Ulp. lib. XXI. ad Ed. Offen2525S. z. B. l. 1. §. 1. u. l. 38. pr. D. de aed. ed. 21. 1. Cujac. l. l. ad h. l. bezieht dies auf die responsiones in jure palam faciendas. S. tit. D. 11. 1. (palam) heisst vor Mehreren.

34Pau­lus li­bro vi­cen­si­mo quar­to ad edic­tum. ‘Ac­tio­nis’ ver­bo et­iam per­se­cu­tio con­ti­ne­tur.

34Paul. lib. XXIV. ad Ed. Unter dem Ausdruck actio (Klage) wird auch persecutio (ausserordentliche Klage) begriffen.

35Idem li­bro sep­ti­mo de­ci­mo ad edic­tum. ‘Re­sti­tue­re’ au­tem is in­tel­le­gi­tur, qui si­mul et cau­sam ac­to­ri red­dit, quam is ha­bi­tu­rus es­set, si sta­tim iu­di­cii ac­cep­ti tem­po­re res ei red­di­ta fuis­set, id est et usu­ca­pio­nis cau­sam et fruc­tuum.

35Idem lib. XVII. ad Ed. Von Dem nimmt man aber an, dass er zurückerstatte (restituere), welcher dem Kläger zugleich auch den Zubehör zurückgiebt, welchen derselbe gehabt haben würde, wenn ihm sogleich zur Zeit der Einlassung auf die Klage die Sache zurückgegeben gewesen wäre, das heisst sowohl das Ersitzungsverhältniss2626Usucapionis causam, d. h. auch Cujac. l. l. ad h. l. rem post acceptum judicium usucaptam, proinde ac si non fuisset usucapta. Vgl. l. 17. §. 1. u. l. 18. D. de rei vind. 6. 1. v. Glück. VIII. S. 220. f. Anm. 46. — Uebrigens bezieht sich diese Stelle auf die rei vindicatio., als auch die Früchte.

36Ul­pia­nus li­bro vi­cen­si­mo ter­tio ad edic­tum. ‘Li­tis’ no­men om­nem ac­tio­nem sig­ni­fi­cat, si­ve in rem si­ve in per­so­nam sit.

36Ulp. lib. XXIII. ad Ed. Der Ausdruck Rechtsstreit (lis) bezeichnet eine jede Klage, gleichviel ob sie eine dingliche, oder eine persönliche sei2727Cujac. l. l. ad h. l. sieht diese Stelle als eine Erklärung von in litem jusjurandum (tit. D. 12. 3.) an, sodass also dieser Eid bei jedem Rechtsstreit, er möge durch eine persönliche oder dingliche Klage erhoben sein, stattfinde..

37Pau­lus li­bro vi­cen­si­mo sex­to ad edic­tum. Ver­bum ‘opor­te­re’ non ad fa­cul­ta­tem iu­di­cis per­ti­net, qui pot­est vel plu­ris vel mi­no­ris con­dem­na­re, sed ad ve­ri­ta­tem re­fer­tur.

37Paul. lib. XXVI. ad Ed. Das Wort müssen (oportere)2828In der Condemnationsformel der rei vindicatio. Vgl. l. 68 de rei vind. 6. 1. u. Cujac. l. l. ad h. l. bezieht sich nicht auf die Macht des Richters, sodass er entweder in mehr, oder in weniger verurtheilen kann, sondern es wird auf die wahre Beschaffenheit bezogen.

38Ul­pia­nus li­bro vi­cen­si­mo quin­to ad edic­tum. ‘Os­ten­tum’ La­beo de­fi­nit om­ne con­tra na­tu­ram cu­ius­que rei ge­ni­tum fac­tum­que. duo ge­ne­ra au­tem sunt os­ten­to­rum: unum, quo­tiens quid con­tra na­tu­ram nas­ci­tur, tri­bus ma­ni­bus for­te aut pe­di­bus aut qua alia par­te cor­po­ris, quae na­tu­rae con­tra­ria est: al­te­rum, cum quid prod­igio­sum vi­de­tur, quae Grae­ci φαντάσματα vo­cant.

38Ulp. lib. XXV. ad Ed. Ostentum (fehlerhafte Geburt) erklärt Labeo so: Alles, was gegen die natürliche Beschaffenheit irgend einer Sache hervorgebracht und gebildet ist. Es giebt aber zwei Arten von ostenta, die eine, wenn Etwas gegen die natürliche Beschaffenheit geboren wird, etwa mit drei Händen oder Füssen, oder wenn irgend ein anderer Theil des Körpers der natürlichen Beschaffenheit zuwider ist; die andere, wenn Etwas eine Misgeburt (prodigiosum) zu sein scheint, was die Griechen φαντάσματα nennen.

39Pau­lus li­bro quin­qua­gen­si­mo ter­tio ad edic­tum. ‘Sub­sig­na­tum’ di­ci­tur, quod ab ali­quo sub­scrip­tum est: nam ve­te­res sub­sig­na­tio­nis ver­bo pro ad­scrip­tio­ne uti so­le­bant. 1‘Bo­na’ in­tel­le­gun­tur cu­ius­que, quae de­duc­to ae­re alie­no su­per­sunt. 2‘De­tes­ta­ri’ est ab­sen­ti de­nun­tia­re. 3‘In­cer­tus pos­ses­sor’ est, quem igno­ra­mus.

39Paul. lib. LIII. ad Ed.2929Diese, sowie die vorherg. Lex bezieht Cujac. l. l. ad hh. ll. auf das jus pontificium, die l. 39. insbes. auf den Uebergang der sacra. Subsignatum (unterzeichnet) heisst Das, was von Jemand unterschrieben ist; denn die Alten pflegten das Wort subsignatio (Unterzeichnung) für subscriptio (Unterschrift) zu gebrauchen. 1Das sieht man als Jemands Vermögen (bona) an, was nach Abzug der Schulden übrig ist. 2Detestari heisst einem Abwesenden Etwas ankündigen. 3Ein ungewisser (incertus) Besitzer ist derjenige, welchen wir nicht kennen.

40Ul­pia­nus li­bro quin­qua­gen­si­mo sex­to ad edic­tum. ‘De­tes­ta­tio’ est de­nun­tia­tio fac­ta cum tes­ta­tio­ne. 1‘Ser­vi’ ap­pel­la­tio et­iam ad an­cil­lam re­fer­tur. 2‘Fa­mi­liae’ ap­pel­la­tio­ne li­be­ri quo­que con­ti­nen­tur. 3Uni­cus ser­vus fa­mi­liae ap­pel­la­tio­ne non con­ti­ne­tur: ne duo qui­dem fa­mi­liam fa­ciunt.

40Ulp. lib. LVI.3030Diese lex bezieht Cujac. l. l. ad h. l. auf das edictum vi bonorum raptorum (tit. Dig. 47. 8.), die folgende aber ib. ad l. sq. auf das int. unde vi. Vgl. l. 3. §. 2. D. de vi et vi arm. 43. 16. Detestatio heisst eine mit Anrufung von Zeugen geschehene Ankündigung. 1Die Benennung Sclave wird auch auf die Sclavin bezogen. 2Unter der Benennung familia (Gesinde) werden auch Freie begriffen. 3Ein einziger Sclave wird nicht mit der Benennung familia bezeichnet. Nicht einmal zwei machen eine familia aus.

41Gaius li­bro vi­cen­si­mo pri­mo ad edic­tum pro­vin­cia­le. ‘Ar­mo­rum’ ap­pel­la­tio non uti­que scu­ta et gla­dios et ga­leas sig­ni­fi­cat, sed et fus­tes et la­pi­des.

41Gaj. lib. XXI. ad Ed. prov. Der Ausdruck Waffen (arma) bezeichnet nicht schlechterdings nur Schilde, Schwerter und Helme, sondern auch Prügel und Steine.

42Ul­pia­nus li­bro quin­qua­gen­si­mo sep­ti­mo ad edic­tum. ‘Prob­rum’ et ob­prob­ri­um idem est. prob­ra quae­dam na­tu­ra tur­pia sunt, quae­dam ci­vi­li­ter et qua­si mo­re ci­vi­ta­tis. ut pu­ta fur­tum, ad­ul­te­rium na­tu­ra tur­pe est: enim­ve­ro tu­te­lae dam­na­ri hoc non na­tu­ra prob­rum est, sed mo­re ci­vi­ta­tis: nec enim na­tu­ra prob­rum est, quod pot­est et­iam in ho­mi­nem ido­neum in­ci­de­re.

42Ulp. lib. LVII. ad Ed. Probrum und opprobrium ist dasselbe3131Id est = idem est. Eigentlich heisst probrum eine schimpfliche Handlung, eine Schandthat, opprobrium aber die aus derselben entspringende Schande. Es bezieht sich diese Stelle auf das Ed. de injuriis S. Cujac. l. l. ad h. l. u. v. Glück V. S. 135. ff., welcher die ganze Stlle ausführlich erläutert.. Einige schimpfliche Handlungen (probra) sind von Natur schändlich, einige nach dem Civilrecht und gleichsam nach der Sitte des Staates; z. B. Diebstahl, Ehebruch ist von Natur schändlich; aber auf die Vormundschaftsklage verurtheilt zu werden, ist nicht von Natur schimpflich (probrum), sondern nach der Sitte des Staates; denn es ist ja das nicht von Natur schimpflich, was auch einem rechtschaffenen Mann zustossen kann.

43Idem li­bro quin­qua­gen­si­mo oc­ta­vo ad edic­tum. Ver­bo ‘vic­tus’ con­ti­nen­tur, quae es­ui po­tui­que cul­tui­que cor­po­ris quae­que ad vi­ven­dum ho­mi­ni ne­ces­sa­ria sunt. ves­tem quo­que vic­tus ha­be­re vi­cem La­beo ait:

43Idem lib. LVIII. ad Ed.3232L. 43—48. beziehen sich auf die res judicata, insbes. l. 43 bis 45. auf die judicati u. confessi, gegen welche die Hülfe vollstreckt worden ist; l. 34. D. de re jud. 42. 1. S. Cujac. ad hh. l. l. u. ad l. 61. u. Zimmern Gesch. d. R. Pr. R. §. 45. namentlich S. 128. Unter dem Worte Lebensbedarf (victus) wird Das begriffen, was zum Essen, Trinken und zur Pflege des Körpers, und was dem Menschen zum Leben nothwendig ist. Labeo sagt, auch die Kleidung gelte als Lebensbedarf.

44Gaius li­bro vi­cen­si­mo se­cun­do ad edic­tum pro­vin­cia­le. et ce­te­ra, qui­bus tuen­di cu­ran­di­ve cor­po­ris nos­tri gra­tia uti­mur, ea ap­pel­la­tio­ne sig­ni­fi­can­tur.

44Gaj. lib. XXII. ad Ed. prov. Auch das Uebrige, dessen wir uns zur Erhaltung und Wartung unsers Körpers bedienen, wird mit jenem Ausdruck bezeichnet.

45Ul­pia­nus li­bro quin­qua­gen­si­mo oc­ta­vo ad edic­tum. In ‘stra­tu’ om­ne ves­ti­men­tum con­ti­ne­ri quod in­icia­tur La­beo ait: ne­que enim du­bium est, quin stra­gu­la ves­tis sit om­ne pal­lium, περίστρωμα. in vic­tu er­go ves­tem ac­ci­pie­mus non stra­gu­lam, in stra­tu om­nem stra­gu­lam ves­tem.

45Ulp. lib. LVIII. ad Ed. Labeo sagt, dass unter Lagerbett (stratum) eine jede Decke (vestimentum) begriffen werde, welche übergeworfen werde, und es ist nicht zweifelhaft, dass Lagerdecke eine jede Bedeckung heisse, welche die Griechen περίστρωμα nennen. Unter Lebensbedarf werden wir also ein Kleid [zum Anziehen,] nicht eine Lagerdecke, unter Lagerbett eine jede Lagerdecke verstehen3333wuin stragula vestis (Matratze) sit omne pallium περίστρωμα. In victum ergo vestem accipiemus, non stragula, in stratu omnem stragulam vestem. Vgl. über diese Stelle Cujac. l. l. ad h. l. Pothier Pand. Justin. h. t. nro. 223. u. Duker. Opp. de Latinit. ICt. vet. c. 46. p. 131. sq. u. c. 56. p. 229. Ueber die verschiedenen Lesarten s. Cramer ad h. l..

46Idem li­bro quin­qua­gen­si­mo no­no ad edic­tum. ‘Pro­nun­tia­tum’ et ‘sta­tu­tum’ idem pot­est: pro­mis­cue enim et pro­nun­tias­se et sta­tuis­se so­le­mus di­ce­re eos, qui ius ha­bent co­gnos­cen­di. 1‘Ma­trem fa­mi­lias’ ac­ci­pe­re de­be­mus eam, quae non in­ho­nes­te vi­xit: ma­trem enim fa­mi­lias a ce­te­ris fe­mi­nis mo­res dis­cer­nunt at­que se­pa­rant. pro­in­de ni­hil in­ter­erit, nup­ta sit an vi­dua, in­ge­nua sit an li­ber­ti­na: nam ne­que nup­tiae ne­que na­ta­les fa­ciunt ma­trem fa­mi­lias, sed bo­ni mo­res.

46Idem lib. LIX. ad Ed. Man kann sagen, dass Ausspruch (pronuntiatum) und Beschluss (statutum) dasselbe sei; denn wir pflegen von Denjenigen, welche das Recht zur richterlichen Untersuchung haben, ohne Unterschied sagen, dass sie ausgesprochen oder beschlossen haben. 1Unter materfamilias3434Es war nemlich die addictio bei den matresfamilias unzulässig; daher bestimmt hier Ulpian den Begriff derselben. S. Cujac. l. l. ad h. l. müssen wir eine solche Frau verstehen, welche nicht unanständig gelebt hat; die Sitten nemlich unterscheiden und trennen eine materfamilias von den übrigen Frauenspersonen. Deshalb wird es keinen Unterschied machen, ob sie verheirathet oder ledig sei, ob sie freigeboren oder freigelassen sei; denn weder die Ehe noch der Geburtsstand macht eine Frauensperson zur materfamilias, sondern die guten Sitten.

47Pau­lus li­bro quin­qua­gen­si­mo sex­to ad edic­tum. ‘Li­be­ra­tio­nis’ ver­bum ean­dem vim ha­bet quam so­lu­tio­nis.

47Paul. lib. LVI. ad Ed. Das Wort Befreiung (liberationis) hat dieselbe Bedeutung, wie das Wort Zahlung (solutionis).

48Gaius li­bro ..... ad edic­tum prae­to­ris ur­ba­ni ti­tu­lo qui ne­que se­quan­tur ne­que du­can­tur. ‘So­lu­tum’ non in­tel­le­gi­mus eum, qui, li­cet vin­cu­lis le­va­tus sit, ma­ni­bus ta­men te­ne­tur: ac ne eum qui­dem in­tel­le­gi­mus so­lu­tum, qui in pu­bli­co si­ne vin­cu­lis ser­va­tur.

48Gaj. lib. ad Ed. praet. urb. tit., qui neque sequantur, neque ducantur3535Cujac. l. l. ad h. l. u. ad l. 61. h. t. erklärt diese Stelle so: Zu Denen, welche weder vor Gericht folgen, oder geführt werden konnten, noch von ihren Gläubigern, denen sie verurtheilt waren, fortgeführt werden durften, gehörten auch die vincti. Daher erklärt Gajus hier, wer nicht solutus, also noch vinctus sei. Vgl. auch v. Glück III. §. 238. a. E. S. 411.. Denjenigen sehen wir nicht als gelöst (solutus) an, welcher, obwohl er von Fesseln befreit ist, doch an den Händen gebunden ist; und nicht einmal Den sehen wir als gelöst an, welcher in einem öffentlichen Gefängniss ohne Fesseln bewahrt wird.

49Ul­pia­nus li­bro quin­qua­gen­si­mo no­no ad edic­tum. ‘Bo­no­rum’ ap­pel­la­tio aut na­tu­ra­lis aut ci­vi­lis est. na­tu­ra­li­ter bo­na ex eo di­cun­tur, quod beant, hoc est bea­tos fa­ciunt: bea­re est prod­es­se. in bo­nis au­tem nos­tris com­pu­ta­ri scien­dum est non so­lum, quae do­mi­nii nos­tri sunt, sed et si bo­na fi­de a no­bis pos­si­dean­tur vel su­per­fi­cia­ria sint. ae­que bo­nis ad­nu­me­ra­bi­tur et­iam, si quid est in ac­tio­ni­bus pe­ti­tio­ni­bus per­se­cu­tio­ni­bus: nam haec om­nia in bo­nis es­se vi­den­tur.

49Ad Dig. 50,16,49Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. I, § 42, Note 3.Ulp. lib. LIX. ad Ed. Der Ausdruck bona (Vermögen) hat entweder eine natürliche oder eine civilrechtliche Bedeutung. Im natürlichen Sinne werden die bona daher benannt, quod beant, d. h. weil sie glücklich machen; beare heisst von Nutzen sein. Man muss aber wissen, dass zu unserem Vermögen nicht blos Das gerechnet wird, was in unserem Eigenthum ist, sondern auch was in gutem Glauben von uns besessen wird, oder Superficies3636S. d. Bem. zu l. 16. §. 2. D. de pig. act. 13. 7. ist. Auf gleiche Weise wird auch zu dem Vermögen gerechnet, was in persönlichen, dinglichen oder ausserordentlichen3737S. d. Bem. zu l. 18. §. 1. D. de accept. 46. 4. Klagen enthalten ist; denn das Alles scheint zu dem Vermögen zu gehören.

50Idem li­bro se­xa­gen­si­mo pri­mo ad edic­tum. ‘Nu­rus’ ap­pel­la­tio et­iam ad pron­u­rum et ul­tra por­ri­gen­da est.

50Idem lib. LXI. ad Ed.3838L. 50—52., l. 56. §. 1. u. l. 58. bezieht Cujac. l. l. ad h. l. auf die Lehre vom mandatum praesumtum. S. d. Bem. zu l. 3. §. 3. D. jud. solv. 46. 7. u. Klenze in d. Zeitsch. für gesch. Rw. B. 6. S. 40. ff., bes. S. 50. ff. Der Ausdruck Schwiegertochter (nurus) ist auch auf die Grossschwiegertochter (pronurus) und so weiter zu erstrecken.

51Gaius li­bro vi­cen­si­mo ter­tio ad edic­tum pro­vin­cia­le. Ap­pel­la­tio­ne ‘pa­ren­tis’ non tan­tum pa­ter, sed et­iam avus et proavus et de­in­ceps om­nes su­pe­rio­res con­ti­nen­tur: sed et ma­ter et avia et proavia.

51Gaj. lib. XXIII. ad Ed. prov. Unter dem Ausdruck Eltern (parens) werden nicht nur der Vater, sondern auch der Grossvater und Urgrossvater, und so fort alle entferntern begriffen, aber auch die Mutter und Grossmutter und Urgrossmutter.

52Ul­pia­nus li­bro se­xa­gen­si­mo pri­mo ad edic­tum. ‘Pa­tro­ni’ ap­pel­la­tio­ne et pa­tro­na con­ti­ne­tur.

52Ulp. lib. LXI. ad Ed. Unter der Benennung Patron wird auch die Patronin begriffen.

53Pau­lus li­bro quin­qua­gen­si­mo no­no ad edic­tum. Sae­pe ita com­pa­ra­tum est, ut con­iunc­ta pro dis­iunc­tis ac­ci­pian­tur et dis­iunc­ta pro con­iunc­tis, in­ter­dum so­lu­ta pro se­pa­ra­tis. nam cum di­ci­tur apud ve­te­res ‘ad­gna­to­rum gen­ti­lium­que’, pro se­pa­ra­tio­ne ac­ci­pi­tur. at cum di­ci­tur ‘su­per pe­cu­niae tu­te­lae­ve suae’, tu­tor se­pa­ra­tim si­ne pe­cu­nia da­ri non pot­est: et cum di­ci­mus ‘quod de­di aut do­na­vi’, utra­que con­ti­ne­mus. cum ve­ro di­ci­mus ‘quod eum da­re fa­ce­re opor­tet’, quod­vis eo­rum suf­fi­cit pro­ba­re. cum ve­ro di­cit prae­tor, ‘si do­num mu­nus ope­ras red­eme­rit’, si om­nia im­po­si­ta sunt, cer­tum est om­nia red­imen­da es­se, ex re er­go pro con­iunc­tis ha­ben­tur: 1si quae­dam im­po­si­ta sunt, ce­te­ra non de­si­de­ra­bun­tur. 2Item du­bi­ta­tum, il­la ver­ba ‘ope con­si­lio’ quem­ad­mo­dum ac­ci­pien­da sunt, sen­ten­tiae con­iun­gen­tium aut se­pa­ran­tium. sed ve­rius est, quod et La­beo ait, se­pa­ra­tim ac­ci­pien­da, quia aliud fac­tum est eius qui ope, aliud eius qui con­si­lio fur­tum fa­cit: sic enim alii con­di­ci pot­est, alii non pot­est. sa­ne post ve­te­rum auc­to­ri­ta­tem eo per­ven­tum est, ut ne­mo ope vi­dea­tur fe­cis­se, ni­si et con­si­lium ma­li­gnum ha­bue­rit, nec con­si­lium ha­buis­se no­ceat, ni­si et fac­tum se­cu­tum fue­rit.

53Paul. lib. LIX. ad Ed. Ein Satz ist oft so beschaffen, dass das Verbundene als getrennt, und das Getrennte als verbunden, zuweilen auch Das, was weder verbunden noch getrennt ist3939Soluta. S. Cujac. l. l. ad l. 28. et 29. h. t., als gesondert genommen wird. Denn wenn es bei den Alten heisst: der Agnaten und der Gentilen4040Agnatorum gentiliumque. Wahrscheinlich ein Bruchstück aus dem Satz der XII Taf., in welchem sie die cura furiosi und prodigi anordneten. S. Cujac. l. l. sqq., Dirksen Uebersicht d. bish. Vers. z. Krit. u. s. w. der Zw. Taf. Frag. S. 370. u. Zimmern a. a. O. B. I. §. 236. Anm. 4., so wird es als Trennnug angesehen. Aber wenn es heisst: über sein Vermögen oder die Vormundschaft4141Super pecuniae tutelaeve suae. Diese Wort gehören in die Verordnung der XII Taf. über das Recht zu testiren und einen Vormund zu ernennen. Vgl. l. 120. h. t., Dirksen a. a. O. S. 330. ff. u. Schilling Bem. üb. R. RG. S. 97. f. Anm. 228., so kann ein Vormund besonders, ohne [Anordnung über] das Vermögen, nicht bestellt werden. Und wenn wir sagen: was ich gegeben oder geschenkt habe, so begreifen wir Beides. Wenn wir aber sagen: was er geben, thun muss, so genügt es Eins von Beiden zu beweisen. Wenn aber der Prätor sagt: wenn er die Gabe, das Geschenk, die Dienstleistungen losgekauft haben wird4242Si donum, munus, operas redemerit. Dies bezieht sich auf das Edict, nach welchem der Patron dadurch, dass er das dem Freigelassenen als Bedingung der Freiheit Auferlegte (libertatis causa imposita) wirklich geltend machte, oder sich seinen Anspruch darauf abkaufen liess, die partis bonorum possessio verlieren und dagegen der Freigelassene libra testamenti factio erlangen sollte. S. l. 37. pr. D. de bon. lib. 38. 2. u. l. 4. C. de op. lib. 6. 3. u. vgl. Cujac. l. l., Zimmern a. a. O. §. 218. S. 795. f., so ist gewiss, dass, wenn dies Alles auferlegt ist, Alles loszukaufen sei. 1Es werden also [diese Worte] nach den Umständen für verbunden gehalten; [denn] wenn nur Einiges auferlegt ist, so wird das Uebrige nicht verlangt werden. 2Ad Dig. 50,16,53,2Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. II, § 453, Note 5.Ferner hat man gezweifelt, auf welche Weise jene Worte: durch Hülfe, durch Rath (ope, consilio)4343S. §. 12. I. de obl. q. ex del. 4. 1., l. 27. §. 21. D. ad L. Aquil. 9. 2. u. l. 51. §. 1. ff. D. de furt. 47. 2. u. vgl. Cujac. l. l., zu verstehen sind, ob in dem Sinne, dass man sie verbindet, oder so, dass man sie trennt. Aber es ist richtiger, was auch Labeo sagt, dass sie getrennt zu nehmen sind, weil die That Desjenigen, welcher durch Hülfe einen Diebstahl begeht, eine andere ist, als die Desjenigen, welcher durch Rath einen Diebstahl begeht; so kann man z. B. gegen den Einen, nicht aber gegen den Anderen die Condiction anstellen. Freilich ist es seit der herrschenden Meinung der alten Juristen dahin gekommen, dass Niemand durch Hülfe [den Diebstahl] begangen zu haben scheint, wenn er nicht auch einen böse Absicht, (consilium) gehabt hat, und es nicht schadet, die Absicht (consilium) gehabt zu haben, wenn nicht auch die That erfolgt ist.

54Ul­pia­nus li­bro se­xa­gen­si­mo se­cun­do ad edic­tum. ‘Con­di­cio­na­les cre­di­to­res’ di­cun­tur et hi, qui­bus non­dum com­pe­tit ac­tio, est au­tem com­pe­ti­tu­ra, vel qui spem ha­bent, ut com­pe­tat.

54Ulp. lib. LXII. ad Ed. Bedingte Gläubiger (conditionales creditores) heissen diejenigen, welchen noch keine Klage zusteht, aber zustehen wird, oder welche Hoffnung haben, dass eine solche zustehe.

55Pau­lus li­bro sex­to de­ci­mo bre­vis edic­ti. Cre­di­tor au­tem is est, qui ex­cep­tio­ne per­pe­tua sum­mo­ve­ri non pot­est: qui au­tem tem­po­ra­lem ex­cep­tio­nem ti­met, si­mi­lis est con­di­cio­na­le cre­di­to­ri.

55Paul. lib. XVI. brev. Ed. Gläubiger ist aber Derjenige, welcher durch keine immerwährende Einrede zurückgewiesen werden kann. Wer aber eine zeitliche Einrede zu befürchten hat, ist einem bedingten Gläubiger ähnlich.

56Ul­pia­nus li­bro se­xa­gen­si­mo se­cun­do ad edic­tum. ‘Co­gnos­ce­re in­stru­men­ta’ est rele­ge­re et re­co­gnos­ce­re: ‘dis­pun­ge­re’ est con­fer­re ac­cep­ta et da­ta. 1‘Li­be­ro­rum’ ap­pel­la­tio­ne con­ti­nen­tur non tan­tum qui sunt in po­tes­ta­te, sed om­nes qui sui iu­ris sunt, si­ve vi­ri­lis si­ve fe­mi­ni­ni se­xus sunt ex­ve fe­mi­ni­ni se­xus de­scen­den­tes.

56Ulp. lib. LXII. ad Ed. Urkunden untersuchen (cognoscere,) heisst sie durchlesen und wieder untersuchen, durchgehen (dispungere,) heisst die Einnahme und Ausgabe vergleichen. 1Unter dem Ausdruck Kinder werden nicht blos Die begriffen, welche sich in der Gewalt befinden, sondern auch Alle, welche eigenen Rechtens sind, mögen sie männlichen oder weiblichen Geschlechts sein, oder durch das weibliche Geschlecht abstammen.

57Pau­lus li­bro quin­qua­gen­si­mo no­no ad edic­tum. Cui prae­ci­pua cu­ra re­rum in­cum­bit et qui ma­gis quam ce­te­ri di­li­gen­tiam et sol­li­ci­tu­di­nem re­bus qui­bus prae­sunt de­bent, hi ‘ma­gis­tri’ ap­pel­lan­tur. quin et­iam ip­si ma­gis­tra­tus per de­ri­va­tio­nem a ma­gis­tris co­gno­mi­nan­tur. un­de et­iam cu­ius­li­bet dis­ci­pli­nae prae­cep­to­res ma­gis­tros ap­pel­la­ri a mo­nen­do vel mons­tran­do. 1‘Per­se­qui’ vi­de­tur et qui sa­tis ac­ce­pit.

57Paul. lib. LIX. ad Ed. Derjenige, welchem eine vorzügliche Sorgfalt für die Sachen obliegt, und Die, welche mehr, als Andere, Fleiss und Achtsamkeit auf die Sachen, welchen sie vorstehen, verwenden müssen, werden magistri (Aufseher)4444Im eigentlichen Sinne war magister Der, welcher von und in der Regel aus den Gläubigern, welche in den Besitz des Vermögens des Gemeinschuldners eingewiesen waren, zum Verkauf dieses Vermögens gewählt war. S. Stieber de bonorum emtione ap. vet. R. P. 1. §. 20. Zimmern a. a. O. B. 3. §. 79. genannt. Ja sogar die Magistrate selbst werden so durch Ableitung von magistri benannt; daher werden auch die Lehrer einer jeden Wissenschaft magistri von monere (lehren) oder monstrare (unterweisen) genannt. 1Auch Der, welcher Bürgschaft erhalten hat, scheint [sein Recht] zu verfolgen (persequi.)

58Gaius li­bro vi­cen­si­mo quar­to ad edic­tum pro­vin­cia­le. Li­cet in­ter ‘ges­ta’ et ‘fac­ta’ vi­de­tur quae­dam es­se sup­ti­lis dif­fe­ren­tia, at­ta­men καταχρηστικῶς ni­hil in­ter fac­tum et ges­tum in­ter­est. 1Pa­ter­nos li­ber­tos rec­te vi­de­mur di­ce­re nos­tros li­ber­tos: li­be­ro­rum li­ber­tos non rec­te nos­tros li­ber­tos di­ci­mus.

58Gaj. lib. XXIV. ad Ed. prov. Wenngleich zwischen geführt (gesta) und gethan (facta) ein feiner Unterschied zu sein scheint, so findet doch im uneigentlichen Sinne kein Unterschied zwischen gethan und geführt statt. 1Die väterlichen Freigelassenen scheinen wir richtig unsere Freigelassenen zu nennen; die Freigelassenen unserer Kinder nennen wir nicht richtig unsere Freigelassenen.

59Ul­pia­nus li­bro se­xa­gen­si­mo oc­ta­vo ad edic­tum. ‘Por­tus’ ap­pel­la­tus est con­clu­sus lo­cus, quo im­por­tan­tur mer­ces et in­de ex­por­tan­tur: ea­que ni­hi­lo mi­nus sta­tio est con­clu­sa at­que mu­ni­ta. in­de ‘an­gi­por­tum’ dic­tum est.

59Ulp. lib. XLVIII. ad Ed. Portus (Hafen) hat man einen verschlossenen Ort genannt, in welchen Waaren hineingebracht und aus welchem sie herausgebracht werden, und dasselbe ist nichtsdestoweniger eine verschlossene und verwahrte Auffuhrt (statio); daher ist angiportum4545Angiportum ist ein enger Weg (στενωπὸς). Unter den verschiedenen Versuchen, diese Stelle zu erklären, scheint der der richtigste zu sein, nach welchem angiportum von portus nicht in der Bedeutung, in welcher es hier erklärt ist, sondern insofern es bei den Alten auch die Bedeutung: Haus, oder vielleicht auch: Weg hatte, abgeleitet wird. S. Menagii jur. civ. Amoenitatt. c. 39. p. 261. sq. Heinecc. ad Brisson. s. h. v. benannt worden.

60Idem li­bro se­xa­gen­si­mo no­no ad edic­tum. ‘Lo­cus’ est non fun­dus, sed por­tio ali­qua fun­di: ‘fun­dus’ au­tem in­te­grum ali­quid est. et ple­rum­que si­ne vil­la ‘lo­cum’ ac­ci­pi­mus: ce­te­rum ad­eo opi­nio nos­tra et con­sti­tu­tio lo­cum a fun­do se­pa­rat, ut et mo­di­cus lo­cus pos­sit fun­dus di­ci, si fun­di ani­mo eum ha­bui­mus. non et­iam mag­ni­tu­do lo­cum a fun­do se­pa­rat, sed nos­tra af­fec­tio: et quae­li­bet por­tio fun­di pot­erit fun­dus di­ci, si iam hoc con­sti­tue­ri­mus. nec non et fun­dus lo­cus con­sti­tui pot­est: nam si eum alii ad­iun­xe­ri­mus fun­do, lo­cus fun­di ef­fi­cie­tur. 1Lo­ci ap­pel­la­tio­nem non so­lum ad rus­ti­ca, ve­rum ad ur­ba­na quo­que prae­dia per­ti­ne­re La­beo scri­bit. 2Sed fun­dus qui­dem suos ha­bet fi­nes, lo­cus ve­ro la­te­re pot­est, qua­te­nus de­ter­mi­ne­tur et de­fi­nia­tur.

60Idem lib. LXIX. ad Ed. Ein Platz (locus) ist kein Grundstück (fundus), sondern ein Theil eines Grundstücks; Grundstück aber ist etwas Ganzes, und wir verstehen gewöhnlich darunter einen Platz ohne Landhaus. Uebrigens bewirkt unsere Ansicht und Das, was wir bestimmen, so sehr den Unterschied zwischen Platz und Grundstück, dass auch ein unbedeutender Platz ein Grundstück genannt werden kann, wenn wir ihn als Grundstück betrachtet haben. Denn nicht die Grösse unterscheidet einen Platz von einem Grundstück, sondern unser Wille, und es kann jeder Theil eines Grundstücks Grundstück genannt werden, wenn wir das so bestimmt haben. Ja man kann auch ein Grundstück durch die Bestimmung zu einem Platze machen; denn wenn wir es zu einem anderen Grundstück hinzugefügt haben werden, so wird ein Platz eines Grundstücks daraus werden. 1Labeo schreibt, der Ausdruck Platz (locus) beziehe sich nicht blos auf ländliche, sondern auch auf städtische Grundstücke. 2Aber ein Grundstück hat seine bestimmten Grenzen, ein Platz hingegen kann so weit reichen, als man sein Ende festsetzen und bestimmen will.

61Pau­lus li­bro se­xa­gen­si­mo quin­to ad edic­tum. ‘Sa­tis­da­tio­nis’ ap­pel­la­tio­ne in­ter­dum et­iam re­pro­mis­sio con­ti­ne­bi­tur, qua con­ten­tus fuit is, cui sa­tis­da­tio de­be­ba­tur.

61Paul. lib. LXV. ad Ed. Unter der Benennung Bürgschaft (satisdatio) wird zuweilen auch ein blosses Versprechen begriffen werden, wenn Der, welchem Bürgschaft geleistet werden musste, damit zufrieden gewesen ist.

62Gaius li­bro vi­cen­si­mo sex­to ad edic­tum pro­vin­cia­le. ‘Tig­ni’ ap­pel­la­tio­ne in le­ge duo­de­cim ta­bu­la­rum om­ne ge­nus ma­te­riae, ex qua ae­di­fi­cia con­stant, sig­ni­fi­ca­tur.

62Gaj. lib. XXVI. ad Ed. prov. Mit der Benennung tignum4646Wörtlich: Balken. S. tit. D. de tigno juncto 47. 3. wird in dem Gesetz der zwölf Tafeln jede Art von Material bezeichnet, aus welchem Gebäude bestehen können.

63Ul­pia­nus li­bro sep­tua­gen­si­mo pri­mo ad edic­tum. ‘Pe­nes te’ am­plius est quam ‘apud te’: nam apud te est, quod qua­li­ter­qua­li­ter a te te­n­ea­tur, pe­nes te est, quod quo­dam mo­do pos­si­de­tur.

63Ulp. lib. LXXI. ad Ed. Penes te4747Im Deutschen haben wir für Beides nur eine Bezeichnung: bei dir. ist mehr als apud te47; denn apud te ist Das, was auf irgend eine Weise von dir innegehabt wird; penes te ist Das, was gewissermaassen von dir besessen wird.

64Pau­lus li­bro se­xa­gen­si­mo sep­ti­mo ad edic­tum. ‘In­tes­ta­tus’ est non tan­tum qui tes­ta­men­tum non fe­cit, sed et­iam cu­ius ex tes­ta­men­to he­redi­tas ad­ita non est.

64Paul. lib. LXVII. ad Ed. Testamentlos (intestatus) ist nicht nur Der, welcher kein Testament gemacht hat, sondern auch Der, aus dessen Testament die Erbschaft nicht angetreten worden ist.

65Ul­pia­nus li­bro sep­tua­gen­si­mo se­cun­do ad edic­tum. ‘He­redis’ ap­pel­la­tio non so­lum ad pro­xi­mum he­redem, sed et ad ul­te­rio­res re­fer­tur; nam et he­redis he­res et de­in­ceps he­redis ap­pel­la­tio­ne con­ti­ne­tur.

65Ulp. lib. LXXII. ad Ed. Die Benennung Erbe wird nicht blos auf den nächsten Erben, sondern auch auf die entfernteren bezogen; denn auch der Erbe des Erben und so fort ist unter der Benennung Erbe begriffen.

66Idem li­bro sep­tua­gen­si­mo quar­to ad edic­tum. ‘Mer­cis’ ap­pel­la­tio ad res mo­bi­les tan­tum per­ti­net.

66Idem lib. LXXIV. ad Ed. Die Benennung Waare (mercis) bezieht sich nur auf bewegliche Sachen.

67Idem li­bro sep­tua­gen­si­mo sex­to ad edic­tum. ‘Alie­na­tum’ non pro­prie di­ci­tur, quod ad­huc in do­mi­nio ven­di­to­ris ma­net: ‘ven­di­tum’ ta­men rec­te di­ce­tur. 1‘Do­na­tio­nis’ ver­bum sim­pli­ci­ter lo­quen­do om­nem do­na­tio­nem com­pre­hen­dis­se vi­de­tur, si­ve mor­tis cau­sa si­ve non mor­tis cau­sa fue­rit.

67Idem lib. LXXVI. ad Ed. Veräussert (alienatum) wird Das, was noch im Eigenthum des Verkäufers bleibt, nicht eigentlich genannt, verkauft (venditum) wird es aber richtig genannt werden. 1Wenn man schlechthin Schenkung sagt, so scheint dieses Wort eine jede Schenkung umfasst zu haben, gleichviel ob sie auf den Todesfall, oder nicht auf den Todesfall geschehen ist.

68Idem li­bro sep­tua­gen­si­mo sep­ti­mo ad edic­tum. Il­la ver­ba ‘ar­bi­tra­tu Lu­cii Ti­tii fie­ri’ ius sig­ni­fi­cant et in ser­vum non ca­dunt.

68Idem lib. LXXVII. ad Ed. Jene Worte: [dass es] nach dem Ermessen des Lucius Titius geschehen [soll,] bezeichnen ein Rechtsverhältniss, und passen nicht auf einen Sclaven.

69Idem li­bro sep­tua­gen­si­mo oc­ta­vo ad edic­tum. Haec ver­ba ‘cui rei do­lus ma­lus ab­erit afue­rit’ ge­ne­ra­li­ter com­pre­hen­dunt om­nem do­lum, qui­cum­que in hanc rem ad­mis­sus est, de qua sti­pu­la­tio est in­ter­po­si­ta.

69Idem lib. LXXVIII. ad Ed. Diese Worte: von welcher Sache die böse Absicht fern sein wird, fern gewesen ist, umfassen im Allgemeinen jede böse Absicht, welche man sich in Bezug auf diese Sache, über welche die Stipulation eingegangen ist, hat zu Schulden kommen lassen.

70Pau­lus li­bro sep­tua­gen­si­mo ter­tio ad edic­tum. Scien­dum est he­redem et­iam per mul­tas suc­ces­sio­nes ac­ci­pi. nam pau­cis spe­cie­bus ‘he­redis’ ap­pel­la­tio pro­xi­mum con­ti­net, vel­uti in sub­sti­tu­tio­ne im­pu­be­ris ‘quis­quis mi­hi he­res erit, idem fi­lio he­res es­to’, ubi he­redis he­res non con­ti­ne­tur, quia in­cer­tus est. item in le­ge Ae­lia Sen­tia fi­lius he­res pro­xi­mus pot­est li­ber­tum pa­ter­num ut in­gra­tum ac­cu­sa­re, non et­iam si he­redi he­res ex­sti­te­rit. idem di­ci­tur in ope­ra­rum ex­ac­tio­ne, ut fi­lius he­res ex­ige­re pos­sit, non ex suc­ces­sio­ne ef­fec­tus. ver­ba haec ‘is ad quem ea res per­ti­net’ sic in­tel­le­gun­tur, ut qui in uni­ver­sum do­mi­nium vel iu­re ci­vi­li vel iu­re prae­to­rio suc­ce­dit, con­ti­nea­tur.

70Paul. lib. LXXIII. ad Ed. Man muss wissen, dass man [das Wort] Erben auch durch viele Aufeinanderfolgen hindurch annimmt. Denn in wenigen Fällen bezeichnet die Benennung Erbe [nur] den nächsten, z. B. bei der für einen Unmündigen geschehenen Erbeinsetzung: wer mein Erbe sein wird, der soll auch Erbe meines Sohnes sein, wo der Erbe des Erben nicht darunter begriffen wird, weil er ungewiss ist. Ebenso kann nach dem Aelisch-Sentischen Gesetz der Sohn, als nächster Erbe, den väterlichen Freigelassenen als undankbar anklagen, nicht auch wenn Jemand Erbe des Erben geworden ist. — Dasselbe wird rücksichlich der Abforderung von Dienstleistungen gesagt, sodass sie der Sohn, als Erbe, nicht wer durch Nachrücken Erbe geworden ist, fodern kann. Diese Worte: Der, welchen diese Sache angeht, werden so verstanden, dass Der, welcher in das gesammte Eigenthum nach Civilrecht oder nach prätorischem Recht nachfolgt, darunter begriffen wird.

71Ul­pia­nus li­bro sep­tua­gen­si­mo no­no ad edic­tum. Aliud est ‘ca­pe­re’, aliud ‘ac­ci­pe­re’. ca­pe­re cum ef­fec­tu ac­ci­pi­tur: ac­ci­pe­re, et si quis non sic ac­ce­pit, ut ha­beat. id­eo­que non vi­de­tur quis ca­pe­re, quod erit re­sti­tu­tu­rus: sic­ut per­ve­nis­se pro­prie il­lud di­ci­tur, quod est re­man­su­rum. 1Haec ver­ba ‘his re­bus rec­te prae­sta­ri’ hoc sig­ni­fi­cant, ne quid pe­ri­cu­lum vel dam­num ex ea re sti­pu­la­tor sen­ti­ret.

71Ulp. lib. LXXIX. Etwas anders ist erwerben (capere) als erhalten (accipere); denn erwerben verstehen wir so, dass es Erfolg hat, erhalten [aber] sagen wir auch dann, wenn Jemand Etwas nicht so erhalten hat, dass er es behalten kann, und darum scheint man Das, was man wird zurückerstatten müssen, nicht zu erwerben, sowie eigentlich [nur] das [an Jemand] gekommen zu sein (pervenisse) scheint, was [bei ihm] verbleiben wird. 1Diese Worte: [dass] in diesen Fällen gehörig [dafür] gestanden werden solle4848His rebus recte praestari. S. z. B. l. 21. §. 2. D. de aed. ed. 21. 1., bedeuten dies: dass der Stipulator keinen Nachtheil oder Schaden aus dieser Sache leiden solle.

72Pau­lus li­bro sep­tua­gen­si­mo sex­to ad edic­tum. Ap­pel­la­tio­ne ‘rei’ pars et­iam con­ti­ne­tur.

72Paul. lib. LXXVI. ad Ed. Unter der Benennung Sache wird auch ein Theil begriffen.

73Ul­pia­nus li­bro oc­to­gen­si­mo ad edic­tum. Haec ver­ba in sti­pu­la­tio­ne po­si­ta ‘eam rem rec­te re­sti­tui’ fruc­tus con­ti­nent: ‘rec­te’ enim ver­bum pro vi­ri bo­ni ar­bi­trio est.

73Ulp. lib. LXXX. ad Ed. Diese in eine Stipalation gesetzten Worte: [dass] jene Sache gehörig wiederhergestellt werden solle (eam rem recte restitui), begreifen die Früchte in sich. Das Wort gehörig heisst nemlich: nach dem Ermessen eines redlichen Manne.

74Pau­lus li­bro se­cun­do ad edic­tum ae­di­lium cu­ru­lium. Sig­na­to­rius anu­lus ‘or­na­men­ti’ ap­pel­la­tio­ne non con­ti­ne­tur.

74Paul. lib. II. ad Ed. Aedil. cur. Ein Ring zum Siegeln wird unter der Benennung Schmuck nicht begriffen.

75Idem li­bro quin­qua­gen­si­mo ad edic­tum. ‘Re­sti­tue­re’ is vi­de­tur, qui id re­sti­tuit, quod ha­bi­tu­rus es­set ac­tor, si con­tro­ver­sia ei fac­ta non es­set.

75Idem lib. L. ad Ed. Derjenige scheint zurückzuerstatten (restituere), welcher Das zurückerstattet, was der Kläger gehabt hätte, wenn ihm Nichts streitig gemacht worden wäre.

76Idem li­bro quin­qua­gen­si­mo pri­mo ad edic­tum. ‘De­dis­se’ in­tel­le­gen­dus est et­iam is, qui per­mu­ta­vit vel com­pen­sa­vit.

76Idem lib. LI. ad Ed. Auch von Demjenigen ist anzunehmen, dass er gegeben habe, welcher vertauscht oder aufgerechnet hat.

77Idem li­bro qua­dra­gen­si­mo no­no ad edic­tum. ‘Fru­gem’ pro red­itu ap­pel­la­ri, non so­lum fru­men­tis aut le­gu­mi­ni­bus, ve­rum et ex vi­no, sil­vis cae­duis, cre­ti­fo­di­nis, la­pi­di­ci­nis ca­pi­tur, Iu­lia­nus scri­bit. ‘fru­ges’ om­nes es­se, qui­bus ho­mo ves­ca­tur, fal­sum es­se: non enim car­nem aut aves fe­ras­ve aut po­ma fru­ges di­ci. ‘fru­men­tum’ au­tem id es­se, quod aris­ta se te­n­eat, rec­te Gal­lum de­fi­nis­se: lu­pi­num ve­ro et fa­bam fru­ges po­tius di­ci, quia non aris­ta, sed si­li­qua con­ti­nen­tur. quae Ser­vius apud Al­fe­num in fru­men­to con­ti­ne­ri pu­tat.

77Idem lib. XLIX. ad Ed.4949Diese Stelle bezieht Cujac. l. l. ad h. l. auf die aquae pluviae arcendae actio. S. l. 1. §. 7. D. de aq. et aq. pl. 39. 3. u. vgl. Majans. ad XXX ICtorum frag. Comment. T. II. p. 52. sqq. [Der Ausdruck] frux werde für Ertrag gebraucht und es werde so nicht blos Das genannt, was in Getreide- und Hülsenfrüchten [bestehe,] sondern auch was aus dem Wein, den zum Schlag bestimmten Wäldern5050Silvis caeduis s. l. 30. pr. h. t., Kalkgruben, Steinbrüchen gezogen wird. Julianus schreibt: es sei falsch, dass alles Das frux sei, was der Mensch esse; denn Fleisch, oder Vögel, oder Wild, oder Obst würden nicht fruges genannt. Dass aber frumentum (Getreide) das sei, was sich in einer Aehre befinde, habe Gallus richtig bestimmt: die Lupine und die Bohne würden richtiger fruges genannt, weil sie nicht in einer Aehre, sondern in einer Hülse enthalten sind; doch glaubt Servius beim Alfenus, dass sie zum frumentum gehörten.

78Pau­lus li­bro ter­tio ad Plau­tium. In­ter­dum pro­prie­ta­tem quo­que ver­bum ‘pos­ses­sio­nis’ sig­ni­fi­cat: sic­ut in eo, qui pos­ses­sio­nes suas le­gas­set, re­spon­sum est.

78Paul. lib. III. ad Plaut. Zuweilen bezeichnet das Wort Besitz (possessio) auch das Eigenthum, wie man in Bezug auf einen Solchen zum Gutachten ertheilt hat, welcher seine Besitzungen (possessiones) vermacht hatte.

79Idem li­bro sex­to ad Plau­tium. ‘Im­pen­sae ne­ces­sa­riae’ sunt, quae si fac­tae non sint, res aut peritu­ra aut de­te­rior fu­tu­ra sit. 1‘Uti­les im­pen­sas’ es­se Ful­ci­nius ait, quae me­lio­rem do­tem fa­ciant, non de­te­rio­rem es­se non si­nant, ex qui­bus red­itus mu­lie­ri ad­quira­tur: sic­uti ar­bus­ti pas­ti­na­tio­nem ul­tra quam ne­ces­se fue­rat, item doc­tri­nam pue­ro­rum. quo­rum no­mi­ne one­ra­ri mu­lie­rem igno­ran­tem vel in­vi­tam non opor­tet, ne co­ga­tur fun­do aut man­ci­piis ca­re­re. in his im­pen­sis et pis­tri­num et hor­reum in­su­lae do­ta­li ad­iec­tum ple­rum­que di­ce­mus. 2‘Vo­lup­ta­riae’ sunt, quae spe­ciem dum­ta­xat or­nant, non et­iam fruc­tum au­gent: ut sint vi­ri­dia et aquae sa­lien­tes, in­crus­ta­tio­nes, lo­ri­ca­tio­nes, pic­tu­rae.

79Idem lib. VI. ad Plaut. Nothwendige Verwendungen (impensae necessariae) sind diejenigen, ohne welche die Sache entweder zu Grunde gegangen, oder schlechter geworden sein würde. 1Nützliche (utiles) Verwendungen, sagt Fulcinius, seien diejenigen, welche das Heirathsgut besser machten, nicht [aber] solche, welche blos verhüten sollen, dass es nicht schlechter werde5151Quae meliorem dotem faciant, non deteriorem esse non sinant., durch welche für die Frau Einkünfte erworben würden, z. B. durch eine mehr, als es nothwendig war, geschehne Umgrabung einer Baumpflanzung, desgleichen [gehöre dahin] der Unterricht der Sclavenkinder, wegen welcher die Frau wider Wissen und Willen nicht belästigt werden darf, damit sie nicht gezwungen werde, das Grundstück oder die Sclaven zu entbehren. Unter diesen Verwendungen werden wir gewöhnlich auch eine dem zum Heirathsgut gehörigen Haus hinzugefügte Stampfmühle und Scheune nennen. 2Blos verschönernde (voluptariae) Verwendungen5252S. d. Bem. zu L. 1. pr. D. de impens. in rer. dot. fact. 25. 1. — Ueber das Folgende s. v. Glück a. a. O. S. 448. sind diejenigen, welche nur das Aeussere der Sache zieren, nicht auch die Fruchtbarkeit derselben vermehren, wie da sind Gartengewächse und Springbrunnen, Marmorvertäfelungen, Ueberziehungen von Tünchwerk, Gemälde.

80Idem li­bro no­no ad Plau­tium. In ge­ne­ra­li re­pe­ti­tio­ne le­ga­to­rum et­iam da­tae li­ber­ta­tes con­ti­nen­tur ex men­te le­gis duo­de­cim ta­bu­la­rum.

80Idem lib. IX. ad Plaut. In einer allgemeinen Wiederholung5353S. L. 72. D. de leg. III. der Vermächtnisse sind nach dem Sinne des Gesetzes der zwölf Tafeln5454S. L. 120. h. t. auch die Freilassungen begriffen.

81Idem li­bro de­ci­mo ad Plau­tium. Cum prae­tor di­cat ‘ut opus fac­tum re­sti­tua­tur’, et­iam dam­num da­tum ac­tor con­se­qui de­bet: nam ver­bo ‘re­sti­tu­tio­nis’ om­nis uti­li­tas ac­to­ris con­ti­ne­tur.

81Idem lib. X. ad Plaut. Wenn der Prätor sagt, dass das unternommene Werk wiederhergestellt werde (restituatur), so muss der Kläger auch Schadensersatz erhalten; denn in dem Wort Wiederherstellung wird jeder Nutzen des Klägers begriffen.

82Idem li­bro quar­to de­ci­mo ad Plau­tium. Ver­bum ‘am­plius’ ad eum quo­que per­ti­net, cui ni­hil de­be­tur: sic­uti ex con­tra­rio ‘mi­nus’ so­lu­tum vi­de­tur et­iam, si ni­hil es­set ex­ac­tum.

82Idem lib. XIV. ad Plaut. Das Wort mehr (amplius)5555Nemlich in der Formel: amplius non peti. S. z. B. L. 15. D. rat. rem hab. 46. 8. bezieht sich auch auf Den, welchem nichts geschuldet wird, sowie umgekehrt weniger (minus) auch dann gezahlt zu scheint, wenn Nichts abgefordert worden war.

83Ia­vo­le­nus li­bro quin­to ex Plau­tio. Pro­prie ‘bo­na’ di­ci non pos­sunt, quae plus in­com­mo­di quam com­mo­di ha­bent.

83Javol. lib. VI. ex Plaut. Eigentlich kann man das nicht Güter (bona) nennen, was mehr Nachtheil, als Vortheil enthält.

84Pau­lus li­bro se­cun­do ad Vi­tel­lium. ‘Fi­lii’ ap­pel­la­tio­ne om­nes li­be­ros in­tel­le­gi­mus.

84Paul. lib. II. ad Vitell. Unter der Benennung Söhne5656Cujac. l. l. ad h. l. bezieht diese Stelle auf ein legatum servi cum suis filiis. Vgl. L. 41. §. 5. D. de leg. III. (filii) verstehen wir alle Kinder.

85Mar­cel­lus li­bro pri­mo di­ges­to­rum. Ne­ra­tius Pris­cus tres fa­ce­re ex­is­ti­mat ‘col­le­gium’, et hoc ma­gis se­quen­dum est.

85Marcell. lib. I. Dig. Neratius Priscus erachtet, dass Drei eine Gemeinheit (collegium) ausmachen, und das ist mehr zu befolgen.

86Cel­sus li­bro quin­to di­ges­to­rum. Quid aliud sunt ‘iu­ra prae­dio­rum’ quam prae­dia qua­li­ter se ha­ben­tia: ut bo­ni­tas, sal­u­bri­tas, am­pli­tu­do?

86Cels. lib. V. Dig. Was sind die Gerechtigkeiten der Grundstücke (jura praediorum) anders als Eigenschaften (Qualitäten) der Grundstücke? [eben so] wie der gute Boden, die gesunde Lage, die Grösse5757So versteht diese Stelle v. Savigny Besitz. §. 46. S. 556. Anm. 2., die Basil. II. 3. 86. (T. 1. p. 51.) aber so, als wären die am Ende der Stelle genannten Eigenschaften jura praediorum. Vgl. auch noch über diese Stelle Schilling a. a. O. S. 168. f. Anm. 449. u. die von demselben angef. Schriftsteller..

87Mar­cel­lus li­bro duo­de­ci­mo di­ges­to­rum. Ut Al­fe­nus ait, ‘urbs’ est ‘Ro­ma’, quae mu­ro cin­ge­re­tur, ‘Ro­ma’ est et­iam, qua con­ti­nen­tia ae­di­fi­cia es­sent: nam Ro­mam non mu­ro te­nus ex­is­ti­ma­ri ex con­sue­tu­di­ne co­ti­dia­na pos­se in­tel­le­gi, cum di­ce­re­mus Ro­mam nos ire, et­iam­si ex­tra ur­bem ha­bi­ta­re­mus.

87Marcell. lib. XII. Dig. Wie Alfenus sagt, bedeutet Stadt (urbs) Rom, insoweit es von Mauern umgeben ist; Rom bedeutet auch die angrenzenden Gebäude; denn dass Rom nicht blos bis an die Mauern hin angenommen werde, könne man aus der täglichen Gewohnheit abnehmen, da wir auch dann sagten, dass wir nach Rom gingen, wenn wir ausserhalb der Stadt wohnten.

88Cel­sus li­bro oc­ta­vo de­ci­mo di­ges­to­rum. Prope­mo­dum tan­tum quis­que pe­cu­niae re­lin­quit, quan­tum ex bo­nis eius re­fi­ci pot­est: sic di­ci­mus cen­ties au­reo­rum ha­be­re, qui tan­tum in prae­diis ce­te­ris­que si­mi­li­bus re­bus ha­beat. non idem est in fun­do alie­no le­ga­to, quam­quam is he­redi­ta­ria pe­cu­nia pa­ra­ri pot­est. ne­que quis­quam eum, qui pe­cu­niam nu­me­ra­tam ha­bet, ha­be­re di­cit quid­quid ex ea pa­ra­ri pot­est.

88Cels. lib. XVIII. Dig. Ein jeder hinterlässt soviel Geld, als aus seinem Vermögen gelöst werden kann; so sagen wir, dass Derjenige zehn Millionen Goldstücke habe, welcher so viel in Grundstücken und anderen ähnlichen Sachen hat. Nicht dasselbe findet bei einem legirten fremden Grundstück statt, obwohl es mit Erbschaftsgeld angeschafft werden kann; denn es sagt ja Niemand, dass Der, welcher baares Geld hat, alles Das habe, was mit demselben angeschafft werden kann.

89Pom­po­nius li­bro sex­to ad Sa­binum. ‘Bo­ves’ ma­gis ‘ar­men­to­rum’ quam ‘iu­men­to­rum’ ge­ne­ris ap­pel­lan­tur. 1Hoc ser­mo­ne ‘dum nup­ta erit’ pri­mae nup­tiae sig­ni­fi­can­tur. 2In­ter ‘ede­re’ et ‘red­di ra­tio­nes’ mul­tum in­ter­est: nec is, qui ede­re ius­sus sit, re­li­quum red­de­re de­bet: nam et ar­gen­ta­rius ede­re ra­tio­nem vi­de­tur, et­iam­si quod re­li­quum sit apud eum, non sol­vat.

89Pompon. lib. VI. ad Sabin. Die Ochsen werden mehr unter dem Pflugvieh, als unter den Lastthieren genannt. 1Mit diesem Ausdruck: wenn sie verehlicht sein wird, wird die erste Ehe bezeichnet. 2Zwischen dem Vorzeigen (edere) und dem Ablegen (reddi) von Rechnungen ist ein grosser Unterschied, denn Der, welchem geheissen worden ist, vorzuzeigen, braucht den Rückstand nicht herauszugeben, denn auch ein Wechsler scheint die Rechnung vorzuzeigen, wenn er auch das, was bei ihm noch rückständig ist, nicht zahlt.

90Ul­pia­nus li­bro vi­cen­si­mo sep­ti­mo ad Sa­binum. Qui ‘uti op­ti­mae ma­xi­mae­que sunt’ ae­des tra­dit, non hoc di­cit ser­vi­tu­tem il­lis de­be­re, sed il­lud so­lum ip­sas ae­des li­be­ras es­se, hoc est nul­li ser­vi­re.

90Ulp. lib. XXVII. ad Sabin. Wer ein Haus, in einer vorzüglich guten Beschaffenheit (uti optimae maximaeque sunt,) übergiebt, sagt nicht, dass demselben eine Dienstbarkeit zustehe, sondern blos dies, dass das Haus selbst frei, das heisst, keinem dienstbar sei.

91Pau­lus li­bro se­cun­do fi­dei­com­mis­so­rum. ‘Meo­rum’ et ‘tuo­rum’ ap­pel­la­tio­ne ac­tio­nes quo­que con­ti­ne­ri di­cen­dum est.

91Paul. lib. II. Fideicommiss. Man muss sagen, dass unter der Benennung das Meinige und das Deinige auch die Klagen begriffen seien.

92Idem li­bro sep­ti­mo quaes­tio­num. ‘Pro­xi­mus’ est, quem ne­mo an­te­ce­dit: ‘su­pre­mus’ est, quem ne­mo se­qui­tur.

92Idem lib. VII. Quaest. Der Nächste ist der, welchem Niemand vorgeht, der Letzte ist der, welchem Niemand folgt.

93Cel­sus li­bro no­no de­ci­mo di­ges­to­rum. ‘Mo­ven­tium’, item ‘mo­bi­lium’ ap­pel­la­tio­ne idem sig­ni­fi­ca­mus: si ta­men ap­pa­ret de­func­tum ani­ma­lia dum­ta­xat, quia se ip­sa mo­ve­rent, mo­ven­tia vo­cas­se. quod ve­rum est.

93Cels. lib. XIX. Dig. Durch die Benennung moventia und mobilia bezeichnen wir dasselbe, es müsste sich denn ergeben, dass der Verstorbene nur die Thiere, welche sich selbst bewegen, moventia genannt habe; was richtig ist.

94Idem li­bro vi­cen­si­mo di­ges­to­rum. Ver­bum ‘red­den­di’ quam­quam sig­ni­fi­ca­tum ha­bet re­tro dan­di, re­ci­pit ta­men et per se dan­di sig­ni­fi­ca­tio­nem.

94Idem lib. XX. Dig. Das Wort wiedergeben (reddendi) nimmt, obgleich es die Bedeutung: zurückgeben hat, doch auch die Bedeutung von Geben an sich an.

95Mar­cel­lus li­bro quar­to de­ci­mo di­ges­to­rum. Pot­est ‘re­li­quo­rum’ ap­pel­la­tio et uni­ver­sos sig­ni­fi­ca­re.

95Marcian. lib. XIV. Dig. Man kann mit der Benennung: die übrigen (reliquorum) auch alle insgesammt bezeichnen.

96Cel­sus li­bro vi­cen­si­mo quin­to di­ges­to­rum. Li­tus est, quo­us­que ma­xi­mus fluc­tus a ma­ri per­ve­nit: id­que Mar­cum Tul­lium aiunt, cum ar­bi­ter es­set, pri­mum con­sti­tuis­se. 1Prae­dia di­ci­mus ali­quo­rum es­se non uti­que com­mu­ni­ter ha­ben­tium ea, sed vel alio aliud ha­ben­te.

96Cels. lib. XXV. Dig. Das Meeresufer (litus) ist, bis wohin die grösste Fluth vom Meere reicht, und man sagt, dass dies zuerst Marcus Tullius, als er Richter war, bestimmt habe. 1Dass Grundstücke Einigen gehören, sagen wir nicht nur wenn sie dieselben gemeinschaftlich haben, sondern auch wenn jeder ein anderes hat5858Cujac. l. l. ad h. l. bezieht diese Stelle auf die Frage: wer das auf dem Meeresufer und das auf den Ufern eines Flusses Gebaute erwerbe?.

97Idem li­bro tri­gen­si­mo se­cun­do di­ges­to­rum. Cum sti­pu­la­mur ‘quan­ta pe­cu­nia ex he­redi­ta­te Ti­tii ad te per­ve­ne­rit’, res ip­sas quae per­ve­ne­runt, non pre­tia ea­rum spec­ta­re vi­de­mur.

97Idem lib. XXXII. Dig. Wenn wir stipuliren: so viel5959Quanta pecunia vgl. L. 178. pr. D. h. t., als aus der Erbschaft des Titius an dich gekommen sein wird, so scheinen wir die Sachen selbst, welche [an ihn] gekommen sind, nicht die Preise derselben zu berücksichtigen.

98Idem li­bro tri­gen­si­mo no­no di­ges­to­rum. Cum bi­sex­tum ka­len­dis est, ni­hil re­fert, utrum prio­re an pos­te­rio­re die quis na­tus sit, et de­in­ceps sex­tum ka­len­das eius na­ta­lis dies est: nam id bi­duum pro uno die ha­be­tur. sed pos­te­rior dies in­ter­ca­la­tur, non prior: id­eo quo an­no in­ter­ca­la­tum non est sex­to ka­len­das na­tus, cum bi­sex­tum ka­len­dis est, prio­rem diem na­ta­lem ha­bet. 1Ca­to pu­tat men­sem in­ter­ca­la­rem ad­di­ti­cium es­se: om­nes­que eius dies pro mo­men­to tem­po­ris ob­ser­vat ex­tre­mo­que diei men­sis Fe­brua­rii ad­tri­buit Quin­tus Mu­cius. 2Men­sis au­tem in­ter­ca­la­ris con­stat ex die­bus vi­gin­ti oc­to.

98Idem lib. XXXIX. Dig. Wenn der doppelte sechste Tag vor dem ersten [März] ist6060Quum bissextum Calendas est, d. h. wenn wir uns im Schaltjahr befinden. Bekanntlich setzte Caesar den alle 4 Jahre einzuschiebenden Schalttag zwischen Terminalia und Regifugium oder zwischen a. d. VII. und VI. Cal. Mart. d. h. nach unserer Rechnung zwischen den 23. und 25. Februar. Dadurch wurde der letztere Tag, der sechste vor dem ersten März, verdoppelt und der Schalttag, also nach unserer Rechnung der 24. Februar, wurde mit demselben für einen Tag gehalten. Beide wurden daher unter dem Namen bissexium begriffen. Das bissextum bestand demnach aus zwei natürlichen Tagen, von denen der dem ersten März nähere (dies prior), oder nach unserer Rechnung der 25. Februar, der Haupttag, der vom ersten März entferntere aber (dies posterior), bei uns der 24. Februar, der Schalttag war. Vgl. v. Glück III. S. 576. ff. Ideler Handbuch der Chronologie II. S. 129. ff. und 621. f. und Mühlenbruch Doctr. Pand. I. ed. 3. §. 86. (ed. 2. §. 98.) not. 10., so macht es nichts aus, ob Jemand am ersten (priore) oder am zweiten (posteriore) Tage geboren ist, und nachher6161Et deinceps, d. h. in den auf das Schaltjahr folgenden Gemeinjahren. ist der sechste vor dem ersten [März] sein Geburtstag. Denn jene zwei Tage werden für einen Tag gehalten und der zweite Tag, nicht der erste wird eingeschaltet. Darum hat Der, welcher in einem solchen Jahre, in welchem nicht eingeschaltet ist, am sechsten vor dem ersten [März] geboren ist, in einem Schaltjahr den ersten Tag zu seinem Geburtstag. 1Cato glaubt, dass der Schaltmonat ein Zusatzmonat sei, und er nimmt alle Tage desselben für einen Zeitaugenblick und Quintus Mucius theilt sie dem letzten Tage des Monats Februar zu6262Dieser §. ist nicht, wie das pr. der Stelle, auf den Monat, welchem nach Caesars Anordnung ein Tag eingeschaltet wird, sondern auf den alten Schaltmonat zu beziehen, welcher vor der julianischen Reform des Kalenders dem alten aus 355 (nach Plutarch aus 354) Tagen bestehenden Mondjahr am Ende desselben, d. h. dem damals letzten Monat Februar, ein Jahr ums andere hinzugefügt wurde. Er umfasste nach Censorinus und Macrobius abwechselnd 22 und 23 Tage, und dass diese von Cato und Mucius pro temporis momento gehalten worden, führt Celsus an, um dasselbe für das bissextum des Caesar geltend zu machen. S. Majans ad XXX. ICt. fr. Comm. T. I. p. 101. ff. vorzügl. p. 108. ff. und Ideler a. a. O. S. 31. ff. und 56. ff.. 2Der Schaltmonat besteht aber aus achtundzwanzig Tagen6363Dieser §. bezieht sich wieder auf den julianischen Schaltmonat, welcher in rechtlicher Hinsicht, obwohl der d. VI. Cal. Mart. verdoppelt wird und also der Monat eigentlich aus 29 Tagen besteht, doch nur 28 Tage enthält, nam id biduum pro uno die habetur. S. v. Glück III. S. 582. f..

99Ul­pia­nus li­bro pri­mo de of­fi­cio con­su­lis. ‘No­tio­nem’ ac­ci­pe­re pos­su­mus et co­gni­tio­nem et iu­ris­dic­tio­nem. 1‘Con­ti­nen­tes pro­vin­cias’ ac­ci­pe­re de­be­mus eas, quae Ita­liae iunc­tae sunt, ut pu­ta Gal­liam: sed et pro­vin­ciam Si­ci­liam ma­gis in­ter con­ti­nen­tes ac­ci­pe­re nos opor­tet, quae mo­di­co fre­to Ita­lia di­vi­di­tur. 2‘In­stru­men­to­rum’ ap­pel­la­tio­ne quae com­prae­hen­dan­tur, per­quam dif­fi­ci­le erit se­pa­ra­re: quae enim pro­prie sint in­stru­men­ta, prop­ter quae di­la­tio dan­da sit, in­de di­nos­ce­mus. 3Si in prae­sen­tiam per­so­nae, quae in­strue­re pos­sit, di­la­tio pe­ta­tur (pu­ta qui ac­tum ges­sit, li­cet in ser­vi­tu­te, vel qui ac­tor fuit con­sti­tu­tus), pu­tem vi­de­ri in­stru­men­to­rum cau­sa pe­ti di­la­tio­nem.

99Ulp. lib. I. de off. Cons.6464Diese Stelle enthält eine Erläuterung der Oratio D. Marci über die wegen der instrumenta zu ertheilenden dilationes. S. L. 7. D. de fer. et dilat. 2. 12. und. L. 1. C. de dilat. 3. 11. und vgl. Cujac. l. l. ad h. l. Unter notio (Untersuchung) können wir sowohl die richterliche Untersuchung als auch die Gerichtsbarkeit verstehen6565Vgl. die Bem. zu L. 8. D. de calumn. 3. 6. v. Glück a. a. O. S. 20. f.. 1Unter angrenzenden Provinzen (continentes provincias) müssen wir die verstehen, welche mit Italien zusammenhängen, z. B. Gallien; aber auch die Provinz Sicilien müssen wir unter den angrenzenden verstehen, da sie nur durch eine unbedeutende Meerenge von Italien getrennt wird. 2Was unter der Benennung Beweismittel6666Vgl. die Bem. zu L. 1. D. de fide instrum. 22. 4. und. v. Glück a. a. O. S. auch Heffter Instit. d. röm. und teut. Civ. Proc. S. 356. (instrumenta) begriffen werde, wird sehr schwer zu unterscheiden sein; denn welche Beweismittel es eigentlich seien, wegen welcher eine Frist (dilatio) zu geben, werden wir daran erkennen, 3wenn wegen der zu bewirkenden Gegenwart einer Person, welche ein Beweismittel abgeben (instruere) kann, um Frist gebeten wird, z. B. weil sie die Geschäfte geführt hat, wenngleich in der Sclaverei, oder weil sie zum Geschäftsführer bestellt gewesen ist; dann möchte ich glauben, dass um der Beweismittel willen um Frist gebeten zu werden scheine.

100Idem li­bro se­cun­do de of­fi­cio con­su­lis. ‘Spe­cio­sas per­so­nas’ ac­ci­pe­re de­be­mus cla­ris­si­mas per­so­nas utrius­que se­xus, item eo­rum, quae or­na­men­tis se­na­to­riis utun­tur.

100Idem lib. II. de off. Cons. Unter ansehnlichen (speciosis) Personen müssen wir die hochachtbaren Personen6767Eine freilich sehr unbestimmte Verdeutschung von clarissimas personas, d. h. Senatoren. beiderlei Geschlechts verstehen, desgleichen die, welche sich der senatorischen Ehrenzeichen bedienen können6868Cujac. l. l. ad h. l. führt als Beispiele solcher Personen an, theils die von August salva existimatione vom Senat ausgeschlossenen, theils die Tribuni militum laticlavii (L. 4. C. de test. mil. 6. 21.) Vgl. auch Brisson. Select. Antiquitatt. III. c. 16..

101Mo­des­ti­nus li­bro no­no dif­fe­ren­tia­rum. In­ter ‘stu­prum’ et ‘ad­ul­te­rium’ hoc in­ter­es­se qui­dam pu­tant, quod ad­ul­te­rium in nup­tam, stu­prum in vi­duam com­mit­ti­tur. sed lex Iu­lia de ad­ul­te­riis hoc ver­bo in­dif­fe­ren­ter uti­tur. 1‘Di­vor­tium’ in­ter vi­rum et uxo­rem fie­ri di­ci­tur, ‘re­pu­dium’ ve­ro spon­sae re­mit­ti vi­de­tur. quod et in uxo­ris per­so­nam non ab­sur­de ca­dit. 2Ve­rum est ‘mor­bum’ es­se tem­po­ra­lem cor­po­ris in­be­cil­li­ta­tem, ‘vi­tium’ ve­ro per­pe­tuum cor­po­ris im­pe­d­imen­tum, vel­uti si ta­lum ex­cus­sit: nam et lus­cus uti­que vi­tio­sus est. 3Ser­vis le­ga­tis et­iam an­cil­las de­be­ri qui­dam pu­tant, qua­si com­mu­ne no­men utrum­que se­xum con­ti­neat.

101Modestin. lib. IX. Different. Einige glauben, dass zwischen Stuprum und Adulterium6969S. d. Bem. zu L. 3. D. de concub. 25. 7., der Unterschied stattfinde, dass das Adulterium mit einer Verheiratheten, das Stuprum mit einer Ledigen begangen werde; aber das Julische Gesetz über die Adulterien gebraucht diese Ausdrücke ohne Unterschied. 1Man sagt, eine Scheidung (divortium) finde zwischen Mann und Ehefrau statt, eine Kündigung (repudium) aber scheint der Braut geschickt zu werden7070S. d. Bem. zur Inscr. tit. de div. et repud. 24. 2.; doch leidet dieses Wort nicht unschicklich auch auf die Person der Ehefrau Anwendung. 2Es ist wahr, dass Krankheit (morbum) eine zeitige Schwäche des Körpers, Gebrechen (vitium) aber ein immerwährendes Hinderniss des Körpers sei, z. B. wenn [Jemand] den Knorren ausgefallen hat; denn auch der Einäugige ist sonach gebrechlich7171Nach der Florent. Die verschiedenen Versuche, diese Stelle zu emendiren, s. bei Cramer ad h. l.. 3Einige glauben, dass, wenn Sclaven legirt sind, auch Sclavinnen geschuldet würden, gleich als ob jener Name, als ein allgemeiner, beide Geschlechter begreife.

102Idem li­bro sep­ti­mo re­gu­la­rum. ‘De­ro­ga­tur’ le­gi aut ‘ab­ro­ga­tur’. de­ro­ga­tur le­gi, cum pars de­tra­hi­tur: ab­ro­ga­tur le­gi, cum pror­sus tol­li­tur.

102Idem lib. VII. Regul. Es wird einem Gesetz entweder derogirt, oder abrogirt; dem Gesetz wird derogirt, wenn ein Theil [desselben] weggenommen wird, dem Gesetz wird abrogirt, wenn es ganz und gar aufgehoben wird.

103Idem li­bro oc­ta­vo re­gu­la­rum. Li­cet ‘ca­pi­ta­lis’ La­ti­ne lo­quen­ti­bus om­nis cau­sa ex­is­ti­ma­tio­nis vi­dea­tur, ta­men ap­pel­la­tio ca­pi­ta­lis mor­tis vel amis­sio­nis ci­vi­ta­tis in­tel­le­gen­da est.

103Idem lib. VIII. Regul. Wenngleich Denen, welche Lateinisch sprechen, eine jede die bürgerliche Ehre betreffende Rechtssache eine Capitalsache zu sein scheint, so ist doch unter der Benennung Capital[sache eigentlich] eine solche zu verstehen, welche den Tod oder den Verlust des Bürgerrechts betrifft.

104Idem li­bro se­cun­do ex­cu­sa­tio­num. Ἡ τῶν τέκνων προσηγορία καὶ ἐπὶ τοὺς ἐγγόνους ἐκτείνεται.

104Modestin. lib. II. Excusat. Die Benennung Kinder wird auch auf die Enkel7272Vom Sohn erzeugte. Es bezieht sich dies nemlich auf das jus liberorum, insofern es von der Uebernahme einer Vormundschaft befreit. S. pr. I. de excus. 1. 25. L. 2. D. eod. 27. 1. ausgedehnt.

105Idem li­bro un­de­ci­mo re­spon­so­rum. Mo­des­ti­nus re­spon­dit his ver­bis ‘li­ber­tis li­ber­ta­bus­que meis’ li­ber­tum li­ber­tae tes­ta­to­ris non con­ti­ne­ri.

105Idem lib. XI. Respons. Modestinus hat das Gutachten ertheilt, dass unter diesen Worten: meinen männlichen und weiblichen Freigelassenen, der Freigelassene einer Freigelassenen des Testators nicht begriffen werde.

106Idem li­bro sin­gu­la­ri de prae­scrip­tio­ni­bus. ‘Di­mis­so­riae lit­te­rae’ di­cun­tur, quae vol­go apos­to­li di­cun­tur. di­mis­so­riae au­tem dic­tae, quod cau­sa ad eum qui ap­pel­la­tus est di­mit­ti­tur.

106Idem lib. singul. de praescr. Dimissoriae literae (Berichtschreiben) nennt man die, welche gewöhnlich Apostel genannt werden; sie sind aber [deshalb] dimissoriae genannt worden, weil [durch sie] die Rechtssache an Den, an welchen appellirt worden ist, dimittirt (berichtet) wird.7373S. tit. D. de libellis dimiss., qui apostoli dic. 49. 6.

107Idem li­bro ter­tio pan­dec­ta­rum. ‘Ad­sig­na­re li­ber­tum’ hoc est tes­ti­fi­ca­ri, cu­ius ex li­be­ris li­ber­tum eum es­se vo­luit.

107Idem lib. III. Pandect. Einen Freigelassenen anweisen7474S. tit. D. de assig. lib. 38. 4. (assignare) heisst seinen Willen zu erkennen geben, welches von seinen Kindern den Fraglichen zum Freigelassenen haben solle.

108Idem li­bro quar­to pan­dec­ta­rum. ‘De­bi­tor’ in­tel­le­gi­tur is, a quo in­vi­to ex­igi pe­cu­nia pot­est.

108Idem lib. IV. Pandect. Als Schuldner wird Der angesehen, von welchem man das Geld wider seinen Willen fordern kann.

109Idem li­bro quin­to pan­dec­ta­rum. ‘Bo­nae fi­dei emp­tor’ es­se vi­de­tur, qui igno­ra­vit eam rem alie­nam es­se, aut pu­ta­vit eum qui ven­di­dit ius ven­den­di ha­be­re, pu­ta pro­cu­ra­to­rem aut tu­to­rem es­se.

109Idem lib. V. Pandect. Ein Besitzer guten Glaubens scheint der zu sein, welcher entweder nicht gewusst hat, dass diese Sache nicht dem Verkäufer gehöre, oder geglaubt hat, dass Der, welcher verkauft hat, das Recht zum Verkaufen habe, z. B. dass er ein Procurator oder Vormund sei.

110Idem li­bro sex­to pan­dec­ta­rum. ‘Se­ques­ter’ di­ci­tur, apud quem plu­res ean­dem rem, de qua con­tro­ver­sia est, de­po­sue­runt: dic­tus ab eo, quod oc­cur­ren­ti aut qua­si se­quen­ti eos qui con­ten­dunt com­mit­ti­tur.

110Idem lib. VI. Pandect. Sequester wird Der genannt, bei welchem Mehrere dieselbe Sache, über welche Streit ist, niedergelegt haben, daher benannt, weil sie dem anvertraut wird, welcher Denen, die im Streite sind, entgegenkommt, oder gleichsam dem sequenti eos (welcher ihnen folgt.)

111Ia­vo­le­nus li­bro sex­to ex Cas­sio. ‘Cen­se­re’ est con­sti­tue­re et prae­ci­pe­re. un­de et­iam di­ce­re so­le­mus ‘cen­seo hoc fa­cias’ et ‘se­met ali­quid cen­suis­se’. in­de cen­so­ris no­men vi­de­tur es­se trac­tum.

111Javolen. lib. VI. ex Cass. Censere heisst Etwas bestimmen und vorschreiben, weshalb wir auch zu sagen pflegen: censeo hoc facias (ich bestimme, dass du dies thun mögest) und senatum aliquid censuisse (dass der Senat etwas vorgeschrieben habe.) Daher scheint auch der Name des Censor genommen worden zu sein.

112Idem li­bro un­de­ci­mo ex Cas­sio. Li­tus pu­bli­cum est ea­te­nus, qua ma­xi­me fluc­tus ex­aes­tuat. idem­que iu­ris est in la­cu, ni­si is to­tus pri­va­tus est.

112Idem lib. XI. ex Cass. Das Meeresufer ist soweit öffentlich, als die grösste Fluth hervorkommt. Dasselbe ist bei einem See Rechtens, wenn er nicht ganz Privateigenthum ist.

113Idem li­bro quar­to de­ci­mo ex Cas­sio. ‘Mor­bus son­ti­cus’ est, qui cui­que rei no­cet.

113Idem lib. XIV. ex Cass. Morbus sonticus (Hauptkrankheit) heisst eine solche Krankheit, welche bei einer jeden Angelegenheit hinderlich ist.

114Idem li­bro quin­to de­ci­mo ex Cas­sio. Sol­ven­do es­se ne­mo in­tel­le­gi­tur, ni­si qui so­li­dum pot­est sol­ve­re.

114Idem lib. ex Cass. Für zahlungsfähig wird nur Der gehalten, welcher das Ganze zahlen kann.

115Idem li­bro quar­to epis­tu­la­rum. Quaes­tio est, fun­dus a pos­ses­sio­ne vel agro vel prae­dio quid di­stet. ‘fun­dus’ est om­ne, quid­quid so­lo te­ne­tur. ‘ager’ est, si spe­cies fun­di ad usum ho­mi­nis com­pa­ra­tur. ‘pos­ses­sio’ ab agro iu­ris pro­prie­ta­te di­stat: quid­quid enim ad­pre­hen­di­mus, cu­ius pro­prie­tas ad nos non per­ti­net aut nec pot­est per­ti­ne­re, hoc pos­ses­sio­nem ap­pel­la­mus: pos­ses­sio er­go usus, ager pro­prie­tas lo­ci est. ‘prae­dium’ utrius­que su­pra scrip­tae ge­ne­ra­le no­men est: nam et ager et pos­ses­sio hu­ius ap­pel­la­tio­nis spe­cies sunt.

115Idem lib. IV. Epist. Es ist die Frage: wie sich fundus (Grundstück) von possessio (Besitz,) oder ager (Acker) oder praedium (Grundstück) unterscheide. Fundus ist Alles, was in Grund und Boden besteht. Ein ager ist vorhanden, wenn eine Art des fundus zum Gebrauch eines Menschen zugerichtet wird. Possessio unterscheidet sich vom ager durch das Eigenthumsrecht; denn Alles, was wir ergreifen, ohne dass uns das Eigenthum daran zusteht, oder auch nicht zustehen kann, das nennen wir possessio. Possessio bezeichnet also den Gebrauch, ager das Eigenthum eines Platzes7575Vgl. über diese Stelle v. Savigny Besitz S. 178. f. wo es heisst: „— So sagt Javolenus —, ager und possessio seien juristisch verschieden: ager sei ein Grundstück im quiritarischen Eigenthum; possessio aber ein solches Grundstück, das wir entweder zufällig nur im bonitarischen Eigenthum haben (wie z. B. ein blos tradirter fundus Italicus), oder das seiner Natur nach gar nicht im quiritarischen Eigenthum sein könne.“. Praedium ist der allgemeine Name für beide obengenannte Gegenstände; denn sowohl ager als possessio sind Arten dieser Benennung.

116Idem li­bro sep­ti­mo epis­tu­la­rum. ‘Quis­quis mi­hi alius fi­lii fi­lius­ve he­res sit’: La­beo non vi­de­ri fi­liam con­ti­ne­ri, Pro­cu­lus con­tra. mi­hi La­beo vi­de­tur ver­bo­rum fi­gu­ram se­qui, Pro­cu­lus men­tem tes­tan­tis. re­spon­dit: non du­bi­to, quin La­beo­nis sen­ten­tia ve­ra non sit.

116Idem lib. VII. Epist. Wen ich sonst zu Söhnen, oder zum Sohne habe, soll mein Erbe sein7676Quisquis mihi alius filii filiusve (Vulg. Hal. Beck: filius filiive, s. Cramer ad h. l.), heres sit.. — Labeo [meint,] dass die Tochter nicht enthalten zu sein scheine, Proculus [nimmt] das Gegentheil [an.] Mir scheint Labeo den Wortverstand, Proculus die Absicht des Testirenden zu befolgen; ich habe das Gutachten ertheilt: ich zweifle nicht, dass die Meinung des Labeo nicht wahr sei.

117Idem li­bro no­no epis­tu­la­rum. Non pot­est vi­de­ri ‘mi­nus sol­vis­se’ is, in quem am­plio­ris sum­mae ac­tio non com­pe­tit.

117Idem lib. IX. Epist. Der kann nicht zu wenig gezahlt zu haben scheinen, gegen welchen keine Klage auf eine höhere Summe zusteht.

118Pom­po­nius li­bro se­cun­do ad Quin­tum Mu­cium. ‘Hos­tes’ hi sunt, qui no­bis aut qui­bus nos pu­bli­ce bel­lum de­cre­vi­mus: ce­te­ri ‘la­tro­nes’ aut ‘prae­do­nes’ sunt.

118Pompon. lib. II. ad Quint. Muc. Feinde (hostes) sind Diejenigen, welche uns, oder welchen wir öffentlich den Krieg erklärt haben; die Uebrigen sind Räuber oder Plünderer (latrones aut praedones.)

119Idem li­bro ter­tio ad Quin­tum Mu­cium. ‘He­redi­ta­tis’ ap­pel­la­tio si­ne du­bio con­ti­net et­iam dam­no­sam he­redi­ta­tem: iu­ris enim no­men est sic­uti bo­no­rum pos­ses­sio.

119Pompon. lib. III. ad Quint. Muc. Die Benennung Erbschaft begreift ohne Zweifel auch eine nachtheilige Erbschaft; denn es ist dies ein Name für ein Recht, ebenso wie Nachlassbesitz.

120Idem li­bro quin­to ad Quin­tum Mu­cium. Ver­bis le­gis duo­de­cim ta­bu­la­rum his ‘uti le­gas­sit suae rei, ita ius es­to’ la­tis­si­ma po­tes­tas tri­bu­ta vi­de­tur et he­redis in­sti­tuen­di et le­ga­ta et li­ber­ta­tes dan­di, tu­te­las quo­que con­sti­tuen­di. sed id in­ter­pre­ta­tio­ne co­an­gus­ta­tum est vel le­gum vel auc­to­ri­ta­te iu­ra con­sti­tuen­tium.

120Idem lib. V. ad Quint. Muc. Durch diese Worte des Gesetzes der zwölf Tafeln: Wie nur immer Jemand über seine Angelegenheiten letztwillig verfügt haben mag, so soll es rechtsgültig sein, scheint die umfassendste Gewalt, sowohl Erben einzusetzen, als Vermächtnisse und Freiheiten zu hinterlassen, auch Vormundschaften anzuordnen, ertheilt zu sein;7777Vgl. L. 53. pr. h. t. und die Bemerkung dazu. aber es ist dies theils durch die Bestimmungen der Gesetze, theils durch die herrschend gewordene Ansicht der Rechtsgelehrten (jura constituentium) beschränkt worden.

121Idem li­bro sex­to ad Quin­tum Mu­cium. Usu­ra pe­cu­niae, quam per­ci­pi­mus, in fruc­tu non est, quia non ex ip­so cor­po­re, sed ex alia cau­sa est, id est no­va ob­li­ga­tio­ne.

121Idem lib. VI. ad Quint. Muc. Die Zinsen von Geld, welche wir ziehen, gehören nicht zu den Früchten, weil sie nicht aus der Sache selbst, sondern aus einem anderm Grunde, das heisst einer neuen Verbindlichkeit, [herrführen.]

122Idem li­bro oc­ta­vo ad Quin­tum Mu­cium. Ser­vius ait, si ita scrip­tum sit: ‘fi­lio fi­liis­que meis hos­ce tu­to­res do’, mas­cu­lis dum­ta­xat tu­to­res da­tos, quon­iam a sin­gu­la­ri ca­su hoc ‘fi­lio’ ad plu­ra­lem vi­de­tur trans­is­se con­ti­nen­tem eun­dem se­xum, quem sin­gu­la­ris prior po­si­tus ha­buis­set. sed hoc fac­ti, non iu­ris ha­bet quaes­tio­nem: pot­est enim fie­ri, ut sin­gu­la­ri ca­su de fi­lio sen­se­rit, de­in­de ple­nius om­ni­bus li­be­ris pro­spe­xis­se in tu­to­re dan­do vo­lue­rit. quod ma­gis ra­tio­na­bi­le es­se vi­de­tur.

122Idem lib. VIII. ad Quint. Muc. Servius sagt: Wenn so geschrieben sei: meinem Sohn und meinen Söhnen (filio filiisque meis) gebe ich diese Vormünder, so seien nur den männlichen Kindern Vormünder bestellt, weil [der Testator] von diesem einzelnen Fall meinem Sohn auf die Mehrzahl übergegangen zu sein schiene, welche dasselbe Geschlecht enthalte, welches die zuerst gesetzte Einzahl enthalten hätte. Aber dies enthält eine von einer Thatsache, nicht vom Recht abhängige Frage; es kann nemlich der Fall sein, dass er in der Einzahl an den Sohn gedacht, sodann vollständiger für alle Kinder durch die Bestellung des Vormunds habe sorgen wollen; was vernünftiger zu sein scheint.

123Idem li­bro vi­cen­si­mo sex­to ad Quin­tum Mu­cium. Ver­bum ‘erit’ in­ter­dum et­iam prae­ter­itum nec so­lum fu­tu­rum tem­pus de­mons­trat. quod est no­bis ne­ces­sa­rium sci­re et cum co­di­cil­li ita con­fir­ma­ti tes­ta­men­to fue­rint: ‘quod in co­di­cil­lis scrip­tum erit’, utrum­ne fu­tu­ri tem­po­ris de­mons­tra­tio fiat an et­iam prae­ter­iti, si an­te scrip­tos co­di­cil­los quis re­lin­quat. quod qui­dem ex vo­lun­ta­te scri­ben­tis in­ter­pre­tan­dum est. quem­ad­mo­dum au­tem hoc ver­bum ‘est’ non so­lum prae­sens, sed et prae­ter­itum tem­pus sig­ni­fi­cat, ita et hoc ver­bum ‘erit’ non so­lum fu­tu­rum, sed in­ter­dum et­iam prae­ter­itum tem­pus de­mons­trat. nam cum di­ci­mus ‘Lu­cius Ti­tius so­lu­tus est ab ob­li­ga­tio­ne’, et prae­ter­itum et prae­sens sig­ni­fi­ca­mus: sic­ut hoc ‘Lu­cius Ti­tius al­li­ga­tus est’. et idem fit, cum ita lo­qui­mur ‘troia cap­ta est’: non enim ad prae­sen­tis fac­ti de­mons­tra­tio­nem re­fer­tur is ser­mo, sed ad prae­ter­itum.

123Idem lib. XXVI. ad Quint. Muc. Der Ausdruck sein wird (erit) bezeichnet zuweilen auch die vergangene, nicht blos die zukünftige Zeit. Dies müssen wir auch dann nothwendig wissen, wenn Codicille im Testament so bestätigt sein sollten: was in den Codicillen geschrieben sein wird, ob nemlich dadurch nur eine Hindeutung auf die künftige, oder ob auch auf die vergangene Zeit geschehe, wenn etwa Jemand vorher geschriebene Codicille hinterlässt? Das ist nun nach der Absicht des Schreibenden zu bestimmen. So wie aber dieses Wort: ist (est), nicht blos die gegenwärtige, sondern auch die vergangene Zeit bezeichnet, so deutet auch dieser Ausdruck: sein wird, nicht blos auf die künftige, sondern auch auf die vergangene Zeit hin. Denn wenn wir sagen: Lucius Titius ist von der Verbindlichkeit entbunden, so bezeichnen wir sowohl die vergangene, als die gegenwärtige Zeit, sowie in dem Falle: Lucius Titius ist verbunden, und dasselbe geschieht, wenn wir so sprechen: Troja ist erobert; denn dieser Ausdruck dient nicht zur Bezeichnung einer gegenwärtigen Thatsache, sondern bezieht sich auf die Vergangenheit.

124Pro­cu­lus li­bro se­cun­do epis­tu­la­rum. Haec ver­ba ‘il­le aut il­le’ non so­lum dis­iunc­ti­va, sed et­iam sub­dis­iunc­ti­vae ora­tio­nis sunt. dis­iunc­ti­vum est, vel­uti cum di­ci­mus ‘aut dies aut nox est’, quo­rum po­si­to al­te­ro ne­ces­se est tol­li al­te­rum, item sub­la­to al­te­ro po­ni al­te­rum. ita si­mi­li fi­gu­ra­tio­ne ver­bum pot­est es­se sub­dis­iunc­ti­vum. sub­dis­iunc­ti­vi au­tem ge­ne­ra sunt duo: unum, cum ex pro­pos­i­tis fi­ni­bus ita non pot­est uter­que es­se, ut pos­sit ne­uter es­se, vel­uti cum di­ci­mus ‘aut se­det aut am­bu­lat’: nam ut ne­mo pot­est utrum­que si­mul fa­ce­re, ita ali­quis pot­est ne­utrum, vel­uti is qui ac­cum­bit. al­te­rius ge­ne­ris est, cum ex pro­pos­i­tis fi­ni­bus ita non pot­est ne­uter es­se, ut pos­sit utrum­que es­se, vel­uti cum di­ci­mus ‘om­ne ani­mal aut fa­cit aut pa­ti­tur’: nul­lum est enim quod nec fa­ciat nec pa­tia­tur: at pot­est si­mul et fa­ce­re et pa­ti.

124Procul. lib. II. Epist. Diese Worte: der oder jener (ille aut ille) sind nicht blos disjunctiv,7878D. h. so entgegengesetzt, dass nur das Eine oder das Andere sein kann. Der Begriff von Subdisjunctiv wird im Folgenden erläutert. sondern enthalten auch eine subdisjunctive Rede. Disjunctiv ist es z. B. wenn wir sagen: es ist entweder Tag oder Nacht, denn wenn man das Eine annimmt, so ist nothwendig, dass das Andere aufgehoben werde, ingleichen, dass wenn das Eine aufgehoben ist, das Andere angenommen werde; so kann in einem ähnlichen Ausdruck das Wort oder subdisjunctiv sein. Es giebt aber zwei Arten des Subdisjunctiven: die eine, wenn von den angegebenen Gegensätzen beide zugleich nicht stattfinden können, jedoch so, dass auch keiner von beiden stattfinden kann, z. B. wenn wir sagen: entweder sitzt er, oder geht herum; denn so wie Niemand Beides zugleich thun kann, so kann Jemand doch Keins von Beiden thun, z. B. Der, welcher liegt. Die andere Art ist, wenn von den beiden angegebenen Gegensätzen einer stattfinden muss, jedoch so, dass auch beide zugleich stattfinden können, z. B. wenn wir sagen: ein jedes Thier thut entweder, oder leidet; denn es giebt keins, welches nicht entweder thut oder leidet, aber es kann eins zugleich sowohl thun als leiden.

125Idem li­bro quin­to epis­tu­la­rum. Ne­pos Pro­cu­lo suo sa­lu­tem. Ab eo, qui ita do­tem pro­mi­sit: ‘cum com­mo­dum erit, do­tis fi­liae meae ti­bi erunt au­rei cen­tum’, pu­tas­ne pro­ti­nus nup­tiis fac­tis do­tem pe­ti pos­se? quid si ita pro­mi­sis­set: ‘cum po­tue­ro, do­ti erunt?’ quod si ali­quam vim ha­beat pos­te­rior ob­li­ga­tio, ‘pos­sit’ ver­bum quo­mo­do in­ter­pre­ta­ris, utrum ae­re alie­no de­duc­to an ex­tan­te? Pro­cu­lus: cum do­tem quis ita pro­mi­sit: ‘cum po­tue­ro, do­ti ti­bi erunt cen­tum’, ex­is­ti­mo ad id quod ac­tum est in­ter­pre­ta­tio­nem red­igen­dam es­se: nam qui amb­igue lo­qui­tur, id lo­qui­tur, quod ex his quae sig­ni­fi­can­tur sen­sit. pro­pius est ta­men, ut hoc eum sen­sis­se ex­is­ti­mem ‘de­duc­to ae­re alie­no pot­ero’. pot­est et­iam il­la ac­ci­pi sig­ni­fi­ca­tio ‘cum sal­va dig­ni­ta­te mea pot­ero’: quae in­ter­pre­ta­tio eo ma­gis ac­ci­pien­da est, si ita pro­mis­sum est ‘cum com­mo­dum erit’, hoc est ‘cum si­ne in­com­mo­do meo pot­ero’.

125Idem lib. V. Epist. Nepos dem Proculus seinen Gruss: Glaubst du, dass man von Dem, welcher ein Heirathsgut so versprochen hat: „sobald es passend sein wird, sollst du hundert Goldstücke als Heirathsgut meiner Tochter haben,“ sogleich nach Eingehung der Ehe das Heirathsgut fodern könne? Wie, wenn er so versprochen hätte: „sobald ich kann, sollst du sie zum Heirathsgut haben?“ Und wenn die letztere Verbindlichkeit einige Kraft hat, wie erklärst du das Wort: kann? ob mit Abzug der Schulden, oder auch wenn solche noch vorhanden sind? Proculus [hat geantwortet:] wenn Jemand ein Heirathsgut so versprochen hat: sobald ich kann, sollst du hundert zum Heirathsgut haben, so glaube ich, dass die Erklärung auf Das, was beabsichtigt worden ist, zu richten sei; denn wer zweideutig spricht, spricht Das, was er von dem, was [seine Worte] bedeuten, im Sinne gehabt hat; ich möchte jedoch fast glauben, dass er dies im Sinne gehabt habe: [sobald] ich nach Abzug der Schulden können werde. Man kann auch jene Bedeutung annehmen: sobald ich unbeschadet meiner Würde können werde; welche Erklärung noch mehr dann anzunehmen ist, wenn so versprochen worden ist: sobald es vortheilhaft sein wird, d. h. sobald ich es ohne Nachtheil für mich werde thun können.

126Idem li­bro sex­to epis­tu­la­rum. Si, cum fun­dum ti­bi da­rem, le­gem ita di­xi ‘uti op­ti­mus ma­xi­mus­que es­set’ et ad­ie­ci ‘ius fun­di de­te­rius fac­tum non es­se per do­mi­num, prae­sta­bi­tur’, am­plius eo prae­sta­bi­tur ni­hil, et­iam­si prior pars, qua scrip­tum est ‘ut op­ti­mus ma­xi­mus­que sit’ li­be­rum es­se sig­ni­fi­cat eo­que, si pos­te­rior pars ad­iec­ta non es­set, li­be­rum prae­sta­re de­be­rem. ta­men in­fe­rio­re par­te sa­tis me li­be­ra­tum pu­to, quod ad iu­ra at­ti­net, ne quid aliud prae­sta­re de­beam, quam ius fun­di per do­mi­num de­te­rius fac­tum non es­se.

126Procul. lib. VI. Epist. Wenn ich, als ich dir ein Grundstück gab, als Contractsbedingung angegeben habe: wie es das vorzüglichste und vortrefflichste wäre,7979Legem ita dixi: uti optimus maximusque esset, s. die Bem. zu L. 48. D. de evict. 21. 2. und hinzugefügt habe: es wird dafür gestanden werden, dass das Rechtsverhältniss des Grundstücks durch den Eigenthifmer nicht verschlechtert worden sei, so wird ausserdem für nichts weiter gestanden werden, [denn,] wenn auch der erste Theil, in welchem geschrieben ist: so wie es das vorzüglichste und vortrefflichste sei, dies bedeutet, dass es frei [von Dienstbarkeiten] sei, und ich deshalb, wenn der letzte Theil nicht hinzugefügt worden wäre, dafür stehen müsste, dass es frei sei, so halte ich mich doch durch den letzten Theil für hinlänglich befreit, dass ich, so viel die Rechtsverhältnisse anlangt, für nichts weiter zu stehen brauche, als dass das Rechtsverhältniss des Grundstücks durch den Eigenthümer nicht verschlechtert worden sei.

127Cal­lis­tra­tus li­bro quar­to de co­gni­tio­ni­bus. ‘Ves­tis’ ap­pel­la­tio­ne tam vi­ri­lis quam mu­lie­bris et scae­ni­ca, et­iam­si tra­gi­ca aut ci­tha­roe­di­ca sit, con­ti­ne­tur.

127Callistrat lib. IV. de cognition. Unter der Benennung Kleid (vestis) wird sowohl ein männliches, als ein weibliches, auch ein theatralisches, auch wenn es für Tragiker oder Citherspieler bestimmt sein sollte, begriffen.

128Ul­pia­nus li­bro pri­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Spa­do­num ge­ne­ra­lis ap­pel­la­tio est: quo no­mi­ne tam hi, qui na­tu­ra spa­do­nes sunt, item thli­biae thla­siae, sed et si quod aliud ge­nus spa­do­num est, con­ti­nen­tur.

128Ulp. lib. I. ad leg. Jul. et Pap. Die Benennung Zeugungsunfähiger (spado) ist eine allgemeine; denn unter diesem Namen werden sowohl Die, welche von Natur zeugungsunfähig sind, als auch die thlibiae, thlasiae8080Nach der gewöhnlichen Meinung sind thlibiae, quibus autriti sunt testes, thlasiae, quibus fracti sunt testes. S. Gothofred. ad h. l. und Gruner Pand. medicae p. 26., aber auch jede andere Art von Zeugungsunfähigen begriffen.

129Pau­lus li­bro pri­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Qui mor­tui nas­cun­tur, ne­que na­ti ne­que pro­crea­ti vi­den­tur, quia num­quam li­be­ri ap­pel­la­ri po­tue­runt.

129Paul. lib. I. ad leg. Jul. et Pap. Die, welche todt geboren werden, scheinen weder geboren, noch erzeugt zu sein, weil sie niemals haben Kinder genannt werden können.

130Ul­pia­nus li­bro se­cun­do ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Le­ge ob­ve­ni­re he­redi­ta­tem non in­pro­prie quis di­xe­rit et eam, quae ex tes­ta­men­to de­fer­tur, quia le­ge duo­de­cim ta­bu­la­rum tes­ta­men­ta­riae he­redi­ta­tes con­fir­man­tur.

130Ulp. lib. II. ad leg. Jul. et Pap. Man möchte nicht uneigentlich sagen, dass auch eine solche Erbschaft in Gemässheit des Gesetzes anfalle, welche in Folge eines Testaments angetragen wird, weil die testamentarischen Erbschaften durch das Gesetz der zwölf Tafeln bestätigt werden.8181S. L. 120. h. t.

131Idem li­bro ter­tio ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Aliud ‘fraus’ est, aliud ‘poe­na’: fraus enim si­ne poe­na es­se pot­est, poe­na si­ne frau­de es­se non pot­est. poe­na est no­xae vin­dic­ta, fraus et ip­sa no­xa di­ci­tur et qua­si poe­nae quae­dam prae­pa­ra­tio. 1In­ter ‘mul­tam’ au­tem et ‘poe­nam’ mul­tum in­ter­est, cum poe­na ge­ne­ra­le sit no­men om­nium de­lic­to­rum co­er­ci­tio, mul­ta spe­cia­lis pec­ca­ti, cu­ius anim­ad­ver­sio ho­die pe­cu­nia­ria est: poe­na au­tem non tan­tum pe­cu­nia­ria, ve­rum ca­pi­tis et ex­is­ti­ma­tio­nis ir­ro­ga­ri so­let. et mul­ta qui­dem ex ar­bi­trio eius venit, qui mul­tam di­cit: poe­na non ir­ro­ga­tur, ni­si quae qua­que le­ge vel quo alio iu­re spe­cia­li­ter huic de­lic­to im­po­si­ta est: quin im­mo mul­ta ibi di­ci­tur, ubi spe­cia­lis poe­na non est im­po­si­ta. item mul­tam is di­ce­re pot­est, cui iu­di­ca­tio da­ta est: ma­gis­tra­tus so­los et prae­si­des pro­vin­cia­rum pos­se mul­tam di­ce­re man­da­tis per­mis­sum est. poe­nam au­tem unus­quis­que in­ro­ga­re pot­est, cui hu­ius cri­mi­nis si­ve de­lic­ti ex­se­cu­tio com­pe­tit.

131Idem lib. III. ad leg. Jul. et Pap. Fraus (böse That) ist etwas anderes als poena (Strafe), denn fraus kann ohne poena sein, poena aber kann nicht ohne fraus sein. Poena heisst die Rache wegen eines Verbrechens, fraus wird auch das Verbrechen selbst, und gleichsam die Vorbereitung der poena genannt.8282Vgl. L. 23. §. 2. D. de aed. ed. 21. 1. 1Zwischen Mulcta aber und poena findet ein grosser Unterschied statt, da poena ein allgemeiner Name ist, Strafe für alle Vergehen, mulcta eine besondere Strafe für einen solchen Fehltritt, dessen Bestrafung heut zu Tage in Geld besteht. Poena pflegt nicht nur als Geld-, sondern auch als Lebens- und Ehrenstrafe zugefügt zu werden. Ferner tritt mulcta nach dem Ermessen Desjenigen ein, welcher die mulcta bestimmt (dicit,) poena wird nur dann zugefügt, wenn sie durch ein Gesetz oder eine andere Rechtsvorschrift ausdrücklich für das vorliegende Vergehen festgesetzt worden ist. Ferner kann Derjenige, welchem Gerichtsbarkeit ertheilt worden ist, eine mulcta aussprechen. Dass blos die [Municipal-] Obrigkeiten8383Nach Cujac. l. l. ad h. l. — Vgl. übrigens mit dieser Stelle L. 244. h. t. und die Präsides der Provinzen eine mulcta aussprechen können, ist durch Mandate gestattet worden; eine poena kann aber ein Jeder zuerkennen, welchem die gerichtliche Verfolgung des vorliegenden Verbrechens oder Vergehens zukommt.

132Pau­lus li­bro ter­tio ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. ‘An­ni­cu­lus’ amit­ti­tur, qui ex­tre­mo an­ni die mo­ri­tur. et con­sue­tu­do lo­quen­di id ita es­se de­cla­rat: ‘an­te diem de­ci­mum ka­len­da­rum’, ‘post diem de­ci­mum ka­len­da­rum’: ne­utro enim ser­mo­ne un­de­cim dies sig­ni­fi­can­tur. 1Fal­sum est eam pe­pe­ris­se, cui mor­tuae fi­lius ex­sec­tus est.

132Paul. lib. III. ad leg. Jul. et Pap. Ad Dig. 50,16,132 pr.Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. I, § 103, Note 12.Man verliert ein einjähriges Kind (anniculus), wenn es am letzten Tage des Jahres stirbt, und dass dies sich so verhalte, zeigt der Sprachgebrauch: am zehnten Tage vor dem ersten des Monats (Kalenden), am zehnten Tage nach dem ersten; denn durch keine von beiden Redeweisen wird der elfte Tag bezeichnet.8484Vgl. über diese Stelle Reinfelder Der annus civ. des R. R. S. 36. 65. ff. u. 107. ff. 1Es ist falsch, [wenn man sagt,] dass Die geboren habe (peperisse), welcher nach dem Tode ein Kind ausgeschnitten worden ist.8585Dieser Stelle scheint die L. 141. h. t. zu widersprechen, s. darüber v. Glück II. S. 78. f. Anm. 16.

133Ul­pia­nus li­bro quar­to ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Si quis sic di­xe­rit ‘ut in­tra diem mor­tis eius ali­quid fiat’, ip­se quo­que dies, quo quis mor­tuus est, nu­me­ra­tur.

133Ulp. lib. IV. ad leg. Jul. et Pap. Wenn Jemand so gesagt haben sollte: es solle etwas innerhalb seines Todestages geschehen, so wird auch der Tag selbst, an welchem er gestorben ist, mitgezählt.

134Pau­lus li­bro se­cun­do ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. ‘An­ni­cu­lus’ non sta­tim ut na­tus est, sed tre­cen­te­si­mo se­xa­gen­si­mo quin­to die di­ci­tur, in­ci­pien­te pla­ne, non ex­ac­to die, quia an­num ci­vi­li­ter non ad mo­men­ta tem­po­rum, sed ad dies nu­me­ra­mus.

134Paul. lib. II. ad leg. Jul. et Pap. Einjährig heisst ein Kind nicht sogleich, so wie es geboren ist, sondern erst am dreihundert und fünfundsechzigsten Tage, freilich schon beim Beginn, nicht erst beim Schlusse dieses Tages, weil wir das Jahr civilrechtlich nicht nach den einzelnen Zeitmomenten, sondern nach Tagen zählen.8686Die richtige Erklärung dieser früher gewöhnlich misverstandenen Stelle s. bei Reinfelder a. a. O. S. 64. f. u. 101. ff.

135Ul­pia­nus li­bro quar­to ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Quae­ret ali­quis si por­ten­tos­um vel mons­tro­sum vel de­bi­lem mu­lier edi­de­rit vel qua­lem vi­su vel va­gi­tu no­vum, non hu­ma­nae fi­gu­rae, sed al­te­rius, ma­gis ani­ma­lis quam ho­mi­nis, par­tum, an, quia eni­xa est, prod­es­se ei de­beat? et ma­gis est, ut haec quo­que pa­ren­ti­bus pro­sint: nec enim est quod eis im­pu­te­tur, quae qua­li­ter po­tue­runt, sta­tu­tis ob­tem­pe­ra­ve­runt, ne­que id quod fa­ta­li­ter ac­ces­sit, ma­tri dam­num in­iun­ge­re de­bet.

135Ulp. lib. IV. ad leg. Jul. et Pap. Man wird fragen: wenn eine Frau eine fehlerhafte oder eine Misgeburt oder eine verstümmelte Geburt, oder ein solches Kind, welches eine ungewöhnliche Gestalt, oder Stimme hat, von nicht menschlicher Bildung ist, sondern mehr die Leibesfrucht irgend eines anderen thierischen Wesens, als eines Menschen, [zu sein scheint,] zur Welt gebracht habe, ob ihr das nützen müsse,8787In Bezug auf die Vortheile, welche nach der L. Jul. et Pap. Popp. für Eltern mit dem Vorhandensein von Kindern verknüpft waren. Vgl. Zimmern Gesch. d. R. Pr. R. B. I. §. 175. weil sie doch geboren hat. Und es ist mehr dafür, dass auch solche Kinder den Eltern nützen; denn es ist kein Grund vorhanden, ihnen das zuzurechnen, da sie, so gut als sie gekonnt haben, den gesetzlichen Bestimmungen gehorcht haben, und es darf Das, was durch ein Verhängniss geschehen ist, der Mutter keinen Nachtheil zufügen.

136Idem li­bro quin­to ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. ‘Ge­ne­ri’ ap­pel­la­tio­ne et nep­tis et pro­nep­tis tam ex fi­lio quam ex fi­lia edi­to­rum ce­te­ra­rum­que ma­ri­tos con­ti­ne­ri ma­ni­fes­tum est.

136Idem lib. V. ad leg. Jul. et Pap. Es ist augenscheinlich, dass unter der Benennung Schwiegersohn auch der Ehemann einer Enkelin, und einer Urenkelin, sowohl wenn sie von einem Sohn, als wenn sie von einer Tochter erzeugt sind, und der übrigen [weiblichen Nachkömmlinge] begriffen werde.

137Pau­lus li­bro se­cun­do ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. ‘Ter eni­xa’ vi­de­tur et­iam quae tri­ge­mi­nos pe­pe­re­rit.

137Paul. lib. II. ad leg. Jul. et Pap. Drei Mal scheint auch Diejenige geboren zu haben, welche Drillinge zur Welt gebracht hat.

138Idem li­bro quar­to ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. ‘He­redi­ta­tis’ ap­pel­la­tio­ne bo­no­rum quo­que pos­ses­sio con­ti­ne­tur.

138Idem lib. IV. ad leg. Jul. et Pap. Unter der Benennung Erbschaft wird auch der Nachlassbesitz begriffen.8888Nemlich in den Bestimmungen der L. Julia et Papia über die Erbschaften.

139Ul­pia­nus li­bro sep­ti­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Ae­di­fi­cia ‘Ro­mae’ fie­ri et­iam ea vi­den­tur, quae in con­ti­nen­ti­bus Ro­mae ae­di­fi­ciis fiant. 1‘Per­fe­cis­se’ ae­di­fi­cium is vi­de­tur, qui ita con­sum­ma­vit, ut iam in usu es­se pos­sit.

139Ulp. lib. VII. ad leg. Jul. et Pap. Auch die Gebäude scheinen zu Rom errichtet zu werden, welche unter den an Rom anstossenden Gebäuden errichtet werden. 1Derjenige scheint ein Gebäude vollendet zu haben, welcher es soweit zu Stande gebracht hat, dass es schon in Gebrauch genommen werden kann.

140Pau­lus li­bro sex­to ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. ‘Ce­pis­se’ quis in­tel­le­gi­tur, quam­vis alii ad­quisiit.

140Paul. lib. VI. ad leg. Jul. et Pap. Man sieht es so an, als ob Jemand Etwas erworben habe (cepisse,) obwohl er es für einen Andern erworben hat.8989Cujac. l. l. ad h. l. erklärt diese Stelle so: ein Legatar, welcher ein Legat zu erwerben fähig sei, scheine dasselbe erworben zu haben, wenn er es auch für einen Andern (seinen paterfamilias,) welcher selbst zur unmittelbaren Erwerbung unfähig gewesen sein würde, erworben habe. Etwas Anderes erklärt die Stelle Goeddaeus ad h. l. Vgl. Pothier Pand. Justin. h. t. nro. 15.

141Ul­pia­nus li­bro oc­ta­vo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Et­iam ea mu­lier cum mo­re­re­tur cre­di­tur fi­lium ha­be­re, quae ex­ci­so ute­ro ede­re pos­sit. nec non et­iam alio ca­su mu­lier pot­est ha­be­re fi­lium, quem mor­tis tem­po­re non ha­buit, ut pu­ta eum qui ab hos­ti­bus re­mea­bit.

141Ulp. lib. VIII. ad leg. Jul. et Pap. Man nimmt an, dass auch die Frau, da sie gestorben, ein Kind habe, welche es, nachdem die Leibesfrucht ausgeschnitten worden, geboren hat. Aber auch in einem andern Falle kann eine Frau ein Kind haben, welches sie zur Zeit ihres Todes nicht gehabt hat, z. B. wenn es von den Feinden zurückgekehrt ist.

142Pau­lus li­bro sex­to ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Tri­pli­ci mo­do con­iunc­tio in­tel­le­gi­tur: aut enim re per se con­iunc­tio con­tin­git, aut re et ver­bis, aut ver­bis tan­tum. nec du­bium est, quin con­iunc­ti sint, quos et no­mi­num et rei com­ple­xus iun­git, vel­uti ‘Ti­tius et Mae­vius ex par­te di­mi­dia he­redes sun­to’, vel ita ‘Ti­tius Mae­vius­que he­redes sun­to’, vel ‘Ti­tius cum Mae­vio ex par­te di­mi­dia he­redes sun­to’. vi­dea­mus au­tem, ne et­iam si hos ar­ti­cu­los de­tra­has ‘et’ ‘que’ ‘cum’, in­ter­dum ta­men con­iunc­tos ac­ci­pi opor­teat, vel­uti ‘Lu­cius Ti­tius, Pu­blius Mae­vius ex par­te di­mi­dia he­redes sun­to’, vel ita ‘Pu­blius Mae­vius, Lu­cius Ti­tius he­redes sun­to. Sem­pro­nius ex par­te di­mi­dia he­res es­to’, ut Ti­tius et Mae­vius ve­niant in par­tem di­mi­diam et re et ver­bis con­iunc­ti vi­dean­tur. ‘Lu­cius Ti­tius ex par­te di­mi­dia he­res es­to. Se­ius ex par­te, qua Lu­cium Ti­tium he­redem in­sti­tui, he­res es­to. Sem­pro­nius ex par­te di­mi­dia he­res es­to’. Iu­lia­nus du­bi­ta­ri pos­se, tres sem­is­ses fac­ti sint an Ti­tius in eun­dem sem­is­sem cum Gaio Se­io in­sti­tu­tus sit. sed eo, quod Sem­pro­nius quo­que ex par­te di­mi­dia scrip­tus est, ve­ri­si­mi­lius es­se in eun­dem sem­is­sem duos co­ac­tos et con­iunc­tim he­redes scrip­tos es­se.

142Paul. lib. VI. ad leg. Jul. et Pap. Man nimmt eine Verbindung auf dreifache Weise an; es findet nemlich die Verbindung entweder durch die Sache an sich, oder durch die Sache und die Worte, oder nur durch die Worte statt. Nicht zweifelhaft ist es, dass Die verbunden sind, welche die Vereinigung der Namen sowohl, als der Sache verbindet, z. B. Titius und Maevius sollen zur Hälfte Erben sein, oder so: Titius und Maevius sollen Erben sein, oder Titius soll mit Maevius zur Hälfte Erbe sein. Es möchte aber wohl auch dann, wenn wir diese Bindewörter: und, mit wegnehmen, zuweilen eine Verbindung angenommen werden müssen, z. B. Lucius Titius, Publius Maevius sollen zur Hälfte Erben sein, oder so: Publius Maevius, Lucius Titius sollen Erben sein; Sempronius soll zur Hälfte Erbe sein, sodass Titius und Maevius auf eine Hälfte kommen und durch die Sache und die Worte verbunden zu sein scheinen. — Lucius Titius soll zur Hälfte Erbe sein. Sejus soll auf den Theil, auf welchen ich den Lucius Titius zum Erben eingesetzt habe, Erbe sein. Sempronius soll zur Hälfte Erbe sein. Julianus sagt, man könne zweifeln, ob drei Hälften gemacht seien, oder Titius mit dem Cajus Sejus auf dieselbe Hälfte eingesetzt sei; aber dadurch, dass auch Sempronius auf die Hälfte eingesetzt ist, sei es wahrscheinlicher, dass [jene] Zwei auf dieselbe Hälfte beschränkt, und verbunden zu Erben eingesetzt seien.

143Ul­pia­nus li­bro no­no ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Id ‘apud se’ quis ‘ha­be­re’ vi­de­tur, de quo ha­bet ac­tio­nem: ha­be­tur enim quod pe­ti pot­est.

143Ulp. lib. IX. ad leg. Jul. et Pap. Das scheint Jemand für sich zu haben, wegen dessen er eine Klage hat; denn man hat Das, was man fodern kann.

144Pau­lus li­bro de­ci­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Li­bro me­mo­ria­lium Mas­su­rius scri­bit ‘pel­li­cem’ apud an­ti­quos eam ha­bi­tam, quae, cum uxor non es­set, cum ali­quo ta­men vi­ve­bat: quam nunc ve­ro no­mi­ne ami­cam, pau­lo ho­nes­tio­re con­cu­bi­nam ap­pel­la­ri. gra­nius Flac­cus in li­bro de iu­re Pa­pi­ria­no scri­bit pel­li­cem nunc vol­go vo­ca­ri, quae cum eo, cui uxor sit, cor­pus mis­ceat: quos­dam eam, quae uxo­ris lo­co si­ne nup­tiis in do­mo sit, quam παλλακὴν Grae­ci vo­cant.

144Paul. lib. X. ad leg. Jul. et Pap. Masurius schreibt in seinem Buche Memorabilia: für eine pellex sei bei den Alten Die gehalten worden, welche mit Jemand, obwohl sie dessen Ehefrau nicht war, doch zusammenlebte, und jetzt werde eine solche mit ihrem wahren Namen amica (Freundin), mit einem etwas ehrenvollern Concubine genannt. Granius Flaccus schreibt in dem Buche über das Papirianische Recht: pellex werde jetzt gewöhnlich Diejenige genannt, welche mit einem Solchen, welcher eine Ehefrau habe, sich fleischlich vermische; Einige nennten aber Diejenige so, welche anstatt der Ehefrau ohne eheliche Verbindung im Hause sei, welche die Griechen παλλακής nennen.

145Ul­pia­nus li­bro de­ci­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. ‘Vi­ri­lis’ ap­pel­la­tio­ne in­ter­dum et­iam to­tam he­redi­ta­tem con­ti­ne­ri di­cen­dum est.

145Ulp. lib. X. ad leg. Jul. et Pap. Man kann sagen, dass unter der Benennung Kopftheil9090Diese Stelle bezieht sich auf den Theil des Nachlasses des Freigelassenen, welchen der Patron nach der L. Papia Popp. erhielt. S. §. 2. I. de succ. lib. 3. 7. (8.) L. 3. pr. D. de suis et leg. 38. 16. u. vgl. Cujac. l. l. ad h. l. zuweilen auch die ganze Erbschaft begriffen werde.

146Te­ren­tius Cle­mens li­bro se­cun­do ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. ‘So­ce­ri’ ‘so­crus’ ap­pel­la­tio­ne avum quo­que et aviam uxo­ris vel ma­ri­ti con­ti­ne­ri re­spon­de­tur.

146Terent. Clem. lib. II. ad leg. Jul. et Pap. Man giebt zum Gutachten, dass unter der Benennung Schwiegervater und Schwiegermutter auch der Grossvater und die Grossmutter der Ehefrau oder des Ehemanns begriffen werde.9191S. L. 5. D. de test. 22. 5.

147Idem li­bro ter­tio ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Qui in con­ti­nen­ti­bus ur­bis na­ti sunt, ‘Ro­mae’ na­ti in­tel­le­gun­tur.

147Idem lib. III. ad leg. Jul. et Pap. Die, welche in den an die Stadt stossenden Gebäuden geboren sind, sieht man so an, als wären sie zu Rom geboren.

148Gaius li­bro oc­ta­vo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Non est si­ne li­be­ris, cui vel unus fi­lius una­ve fi­lia est: haec enim enun­tia­tio ‘ha­bet li­be­ros’ ‘non ha­bet li­be­ros’ sem­per plu­ra­ti­vo nu­me­ro pro­fer­tur, sic­ut et pu­gil­la­res et co­di­cil­li:

148Gaj. lib. VIII. ad leg. Jul. et Pap. Derjenige, welcher entweder nur einen Sohn, oder nur eine Tochter hat, ist nicht ohne Kinder; denn dieser Ausspruch: er hat Kinder, er hat keine Kinder, geschieht immer in der Mehrzahl, so wie auch pugillares (Schreibtafel) and codicilli.

149Idem li­bro de­ci­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. nam quem si­ne li­be­ris es­se di­ce­re non pos­su­mus, hunc ne­ces­se est di­ca­mus li­be­ros ha­be­re.

149Idem lib. X. ad leg. Jul. et Pap. Denn wenn wir von Jemandem nicht sagen können, dass er keine Kinder habe, so müssen wir nothwendig sagen, dass er Kinder habe.

150Idem li­bro no­no ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Si ita a te sti­pu­la­tus fue­ro: ‘quan­to mi­nus a Ti­tio con­se­cu­tus fue­ro, tan­tum da­re spon­des?’, non so­let du­bi­ta­ri, quin, si ni­hil a Ti­tio fue­ro con­se­cu­tus, to­tum de­beas quod Ti­tius de­bue­rit.

150Idem lib. IX. ad leg. Jul. et Pap. Wenn ich von dir so stipulirt haben werde: gelobst du so viel zu geben, als ich weniger vom Titius erlangt haben werde? so pflegt man nicht zu zweifeln, dass du, wenn ich Nichts vom Titius erhalten haben werde, das Ganze schuldest, was Titius geschuldet hat.

151Te­ren­tius Cle­mens li­bro quin­to ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. ‘De­la­ta’ he­redi­tas in­tel­le­gi­tur, quam quis pos­sit ad­eun­do con­se­qui.

151Ad Dig. 50,16,151Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 594, Note 1.Terent. Clem. lib. V. ad leg. Jul. et Pap. Als angetragen sieht man die Erbschaft an, welche Jemand durch Antretung erlangen kann.

152Gaius li­bro de­ci­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. ‘Ho­mi­nis’ ap­pel­la­tio­ne tam fe­mi­nam quam mas­cu­lum con­ti­ne­ri non du­bi­ta­tur.

152Gaj. lib. X. ad leg. Jul. et Pap. Man zweifelt nicht, dass unter der Benennung Mensch sowohl eine Frauensperson, als eine Mannsperson begriffen werde.

153Te­ren­tius Cle­mens li­bro un­de­ci­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. In­tel­le­gen­dus est mor­tis tem­po­re fuis­se, qui in ute­ro re­lic­tus est.

153Terent. Clem. lib. XI. ad leg. Jul. et Pap. Man muss annehmen, dass Der zur Zeit des Todes [seines Vaters] vorhanden gewesen sei, welcher [von demselben] im schwangeren Leibe [der Mutter] hinterlassen worden ist.

154Ma­cer li­bro pri­mo ad le­gem vi­cen­si­mam. Mil­le pas­sus non a mi­lia­rio ur­bis, sed a con­ti­nen­ti­bus ae­di­fi­ciis nu­me­ran­di sunt.

154Macer lib. I. ad leg. vices. Die tausend Schritte sind nicht von dem Meilensteine in der Stadt, sondern von den anstossenden Gebäuden an zu zählen.9292Diese Stelle bezieht sich auf die Berechnung der Zeit, binnen welcher Abwesende zur Eröffnung von Testamenten nach der L. Julia de vices. heredit. nach Rom kommen mussten. S. Paul. Sent. IV. 6. 3. u. vgl. Cujac. l. l. ad l. 3. h. t.

155Li­cin­nius Ru­fi­nus li­bro sep­ti­mo re­gu­la­rum. ‘Pro­xi­mi’ ap­pel­la­tio­ne et­iam il­le con­ti­ne­tur, qui so­lus est.

155Licin. Rufus lib. VII. Regul. Unter der Benennung der Nächste ist auch Der begriffen, welcher allein vorhanden ist.

156Idem li­bro de­ci­mo re­gu­la­rum. ‘Ma­io­re par­te an­ni’ pos­se­dis­se quis in­tel­le­gi­tur, et­iam­si duo­bus men­si­bus pos­se­de­rit, si mo­do ad­ver­sa­rius eius aut pau­cio­ri­bus die­bus aut nul­lis pos­se­de­rit.

156Idem lib. X. Regul. Dass Jemand während des grösseren Theiles des Jahres besessen habe, ist auch dann anzunehmen, wenn er zwei Monate lang besessen hat, wenn nur der Gegner desselben entweder während weniger oder an gar keinen Tagen besessen hat.9393Diese Stelle bezieht sich auf die Berechnung der Zeit beim interd. utrubi nach vorjust. Recht. S. L. 1. §. 1. D. utrubi 43. 31. u. vgl. Cujac. l. l. ad h. l., Savigny Besitz S. 445. ff. u. Unterholzner Ausf. Entw. d. ges. Verj. B. 2. S. 364. f.

157Ae­lius Gal­lus li­bro pri­mo de ver­bo­rum quae ad ius per­ti­nent sig­ni­fi­ca­tio­ne. ‘Pa­ries’ est, si­ve mu­rus si­ve ma­ce­ria est. 1Item ‘via’ est, si­ve se­mi­ta si­ve iter est.

157Ael. Gall. lib. I. de verb., quae ad jus pert., signif. Eine Wand (paries) ist vorhanden, mag nun eine Mauer (murus), oder eine Umhegung (maceria) da sein. 1Ingleichen ist ein Weg (via) vorhanden, mag nun ein schmaler (semita) oder ein breiter Weg (iter) da sein.9494Cujac. l. l. ad h. l. erklärt semita durch semis via, iter durch integra via.

158Cel­sus li­bro vi­cen­si­mo quin­to di­ges­to­rum. In usu iu­ris fre­quen­ter uti nos Cas­cel­lius ait sin­gu­la­ri ap­pel­la­tio­ne, cum plu­ra ge­ne­ris eius­dem sig­ni­fi­ca­re vel­le­mus: nam ‘mul­tum ho­mi­nem venis­se Ro­mam’ et ‘pis­cem vi­lem es­se’ di­ci­mus. item in sti­pu­lan­do sa­tis ha­be­mus de he­rede ca­ve­re ‘si ea res se­cun­dum me he­redem­ve meum iu­di­ca­ta erit’ et rur­sus ‘quod ob eam rem te he­redem­ve tuum’: nem­pe ae­que si plu­res he­redes sint, con­ti­nen­tur sti­pu­la­tio­ne.

158Cels. lib. XXV. Dig. Cascellius sagte, dass wir bei der Anwendung des Rechts häufig einer Benennung in der Einzahl uns bedienten, wenn wir mehrere Gegenstände derselben Gattung bezeichnen wollten; denn wir sagen [z. B.] der Mensch sei nach Rom in grosser Anzahl gekommen, und der Fisch sei wohlfeil.9595Multum hominem venisse Romam, et piscem vilem esse. Das Erstere ist freilich im Deutschen nicht so gebräuchlich, wie das Letztere. Ebenso genügt es uns beim Stipuliren, wenn wir uns wegen des Erben Sicherheit verschaffen, [z. B.] wenn diese Sache zu meinen oder meines Erben Gunsten durch das Urtheil entschieden sein wird, und wieder: was du oder dein Erbe wegen dieser Sache; nemlich auch wenn mehrere Erben vorhanden sein sollten, sind sie auf gleiche Weise in der Stipulation enthalten.

159Ul­pia­nus li­bro pri­mo ad Sa­binum. Et­iam au­reos num­mos ‘aes’ di­ci­mus.

159Ulp. lib. I. ad Sabin. Auch goldne Münzen nennen wir Geld (aes.)

160Idem li­bro se­cun­do ad Sa­binum. ‘Ce­te­ro­rum’ et ‘re­li­quo­rum’ ap­pel­la­tio­ne et­iam om­nes con­ti­nen­tur, ut Mar­cel­lus di­xit cir­ca eum, cui op­tio ser­vi le­ga­ta est, ce­te­ri Sem­pro­nio: nam temp­tat, si non op­tet, om­nes ad Sem­pro­nium per­ti­ne­re.

160Idem lib. II. ad Sabin. Unter der Benennung die andern (ceterorum) und die übrigen (reliquorum) werden auch alle begriffen, wie Marcellus in Bezug auf einen Solchen gesagt hat, welchem die Option9696S. d. Bem. zur Inscr. tit. D. de opt. vel. et leg. 33. 5. eines Sclaven legirt worden ist, [während] die andern dem Sempronius [hinterlassen sind;] denn er sucht [zu beweisen,] dass, wenn [jener] die Option nicht vornehme, alle dem Sempronius gehörten.

161Idem li­bro sep­ti­mo ad Sa­binum. Non est ‘pu­pil­lus’, qui in ute­ro est.

161Idem lib. VII. ad Sabin. Der ist kein Mündel, welcher sich noch im Mutterleibe befindet.

162Pom­po­nius li­bro se­cun­do ad Sa­binum. In vul­ga­ri sub­sti­tu­tio­ne, qua ei qui ‘su­pre­mus’ mo­rie­tur he­res sub­sti­tui­tur, rec­te sub­sti­tu­tus et­iam uni­co in­tel­le­gi­tur, ex­em­plo duo­de­cim ta­bu­la­rum, ex qui­bus ‘pro­xi­mus’ ad­gna­tus et so­lus ha­be­tur. 1Si quis ita in tes­ta­men­to scrip­se­rit ‘si quid fi­lio meo ac­ci­de­rit, Da­ma ser­vus meus li­ber es­to’, mor­tuo fi­lio Da­ma li­ber erit. li­cet enim ‘ac­ci­dunt’ et vi­vis, sed vul­gi ser­mo­ne et­iam mors sig­ni­fi­ca­tur.

162Pompon. lib. II. ad Sabin. Bei einer gemeinen Substitution, durch welche Dem, welcher zuletzt sterben wird, ein Erbe substituirt wird, nimmt man an, dass er auch einem einzigen richtig substituirt sei, nach dem Muster der zwölf Tafeln, nach welchen auch Der, welcher allein vorhanden ist, für den nächsten Agnaten gehalten wird. 1Wenn Jemand so in seinem Testament geschrieben haben sollte: wenn meinem Sohne irgend Etwas zugestossen sein sollte, so soll mein Sclave Damas frei sein, so wird Damas frei sein, wenn der Sohn gestorben ist; denn wenngleich auch den Lebenden Etwas zustossen kann, so wird doch nach dem Sprachgebrauch des Volks auch der Tod dadurch bezeichnet.

163Pau­lus li­bro se­cun­do ad Sa­binum. Il­la ver­ba ‘op­ti­mus ma­xi­mus­que’ vel in eum ca­de­re pos­sunt, qui so­lus est. sic et cir­ca edic­tum prae­to­ris ‘su­pre­mae ta­bu­lae’ ha­ben­tur et so­lae. 1‘Pue­ri’ ap­pel­la­tio­ne et­iam puel­la sig­ni­fi­ca­tur: nam et fe­mi­nas puer­pe­ras ap­pel­lant re­cen­tes ex par­tu et Grae­ce παιδίον com­mu­ni­ter ap­pel­la­tur.

163Paul. lib. II. ad Sabin. Jene Worte: das vorzüglichste und vortrefflichste9797S. L. 126. D. h. t. [Grundstück] können auch auf ein solches passen, welches allein vorhanden ist; so wird auch im Edict des Prätors für einen letzten Willen der gehalten, welcher allein vorhanden ist. 1Mit der Benennung pueri (Knaben) werden auch die Mädchen bezeichnet; denn man nennt auch die Frauen, welche so eben niedergekommen sind, puerperae, und im Griechischen werden παιδίον gemeinschaftlich Kinder [beiderlei Geschlechts] genannt.

164Ul­pia­nus li­bro quin­to de­ci­mo ad Sa­binum. No­men ‘fi­lia­rum’ et in pos­tu­mam ca­de­re quaes­tio­nis non est, quam­vis ‘pos­tu­mae’ non ca­de­re in eam, quae iam in re­bus hu­ma­nis sit, cer­tum sit. 1‘Par­ti­tio­nis’ no­men non sem­per di­mi­dium sig­ni­fi­cat, sed pro­ut est ad­iec­tum. pot­est enim iu­be­ri ali­quis et ma­xi­mam par­ti­ri: pos­se et vi­cen­si­mam et ter­tiam et pro­ut li­bue­rit. sed si non fue­rit por­tio ad­iec­ta, di­mi­dia pars de­be­tur. 2‘Ha­be­re’ sic­ut per­ve­ni­re cum ef­fec­tu ac­ci­pien­dum est.

164Ulp. lib. XV. ad Sabin. Dass der Name Tochter auch auf eine nachgeborene passe, ist keine Frage, obwohl es gewiss ist, dass der Name nachgeborene nicht auf eine solche passe, welche schon auf der Welt ist. 1Der Name Theil (portionis) bezeichnet nicht immer die Hälfte, sondern einen so grossen, als beigefügt ist; es kann nemlich Jemandem geheissen werden, auch den grössten Theil abzutheilen, ebenso auch den zwanzigsten, auch den dritten, und sofort, wie es gutdünkt; aber wenn der Theil nicht hinzugefügt sein sollte, so wird die Hälfte geschuldet. 2Haben ebenso, wie [an Jemand] kommen, verstehen wir so, dass es mit Erfolg bei ihm ist.

165Pom­po­nius li­bro quin­to ad Sa­binum. Venis­se ad he­redem ni­hil in­tel­le­gi­tur ni­si de­duc­to ae­re alie­no.

165Pompon. lib. V. ad Sabin Man nimmt an, dass an den Erben nur Das gekommen sei, was nach Abzug der Schulden übrig ist.

166Idem li­bro sex­to ad Sa­binum. ‘Ur­ba­na fa­mi­lia’ et ‘rus­ti­ca’ non lo­co, sed ge­ne­re di­stin­gui­tur: pot­est enim ali­quis dis­pen­sa­tor non es­se ser­vo­rum ur­ba­no­rum nu­me­ro: vel­uti is, qui rus­ti­ca­rum re­rum ra­tio­nes dis­pen­set ibi­que ha­bi­tet. non mul­tum ab­est a vi­li­co in­su­la­rius: au­tem ur­ba­no­rum nu­me­ro est. vi­den­dum ta­men est, ip­se do­mi­nus quo­rum lo­co quem­que ha­bue­rit: quod ex nu­me­ro fa­mi­liae et vi­ca­riis ap­pa­re­bit. 1‘Per­noc­ta­re ex­tra ur­bem’ in­tel­le­gen­dus est, qui nul­la par­te noc­tis in ur­be est: ‘per’ enim to­tam noc­tem sig­ni­fi­cat.

166Idem lib. VI. ad Sabin. Die städtische und die ländliche Sclavenfamilie (urbana familia et rustica) unterscheiden sich nicht durch den Ort, sondern durch die Art des Gebrauchs. Denn es kann auch ein Rechnungsführer nicht zu der Zahl der städtischen Sclaven gehören, z. B. ein solcher, welcher die Rechnungen über die ländlichen Angelegenheiten führt und auf dem Lande wohnt, unterscheidet sich nicht viel von Gutsverwalter (a villico.) Ein Hausverwalter (insularius) aber gehört zu den städtischen Sclaven. Es ist jedoch darauf zu sehen, wozu der Herr selbst einen jeden gerechnet habe, was aus dem Verzeichniss der Sclavenfamilie, und aus den Untersclaven9898Quod ex numero familiae et vicariis apparebit. Cujac. l. l. ad h. l. conjicirt mit vieler Wahrscheinlichkeit cibariis für vicariis, vgl. L. 99. pr. D. de leg. III. erhellen wird. 1Von Dem muss man annehmen, dass er ausserhalb der Stadt übernachte (pernoctare), welcher an keinem Theile der Nacht in der Stadt ist; denn über (per) bezeichnet die ganze Nacht.

167Ul­pia­nus li­bro vi­cen­si­mo quin­to ad Sa­binum. ‘Car­bo­num’ ap­pel­la­tio­ne ma­te­riam non con­ti­ne­ri: sed an ‘lig­no­rum?’ et for­tas­sis quis di­cet nec lig­no­rum: non enim lig­no­rum gra­tia ha­buit. sed et Ti­tio­nes et alia lig­na coc­ta ne fu­mum fa­ciant utrum lig­no an car­bo­ni an suo ge­ne­ri ad­nu­me­ra­bi­mus? et ma­gis est, ut pro­prium ge­nus ha­bea­tur. sul­pu­ra­ta quo­que de lig­no ae­que ean­dem ha­be­bunt de­fi­ni­tio­nem. ad fa­ces quo­que pa­ra­ta non erunt lig­no­rum ap­pel­la­tio­ne com­pre­hen­sa, ni­si haec fuit vo­lun­tas. idem et de nu­cleis oli­va­rum, sed et de ba­la­nis est, vel si qui alii nu­clei. de pi­nu au­tem in­te­gri stro­bi­li lig­ni ap­pel­la­tio­ne con­ti­ne­bun­tur.

167Ulp. lib. XXV. ad Sabin. Unter der Benennung Kohlen (carbonum) wird das Material nicht begriffen. Aber ob unter der Benennung Holz (lignorum)? Und vielleicht wird man sagen, auch nicht einmal unter der Benennung Holz; denn der Testator hat ja so Etwas nicht als Holz gehabt. Aber werden wir gebrannte Scheite oder anderes Holz, welches, damit es keinen Rauch mache, vom Feuer ausgedörrt worden ist, dem Holz, oder der Kohle, oder einer eigenen Gattung beizählen. Und es ist mehr dafür, dass es für eine eigenthümliche Gattung gehalten werde. Auch auf Schwefelholz wird sich auf gleiche Weise dieselbe Erklärung beziehen. Auch das zu Fackeln Angeschaffte wird nicht unter der Benennung: Holz begriffen sein, wenn dies nicht die Absicht [des Testators] gewesen ist. Dasselbe gilt auch von Olivenkernen, aber auch von Eicheln, oder sonst anderen Kernen. Ganze Fichtenzapfen werden aber unter der Benennung Holz begriffen werden9999Diese Stelle findet sich auch in L. 55. §. 1. u. 7. — 10. D. de leg. III. u. die folg. in L. 56. eod..

168Pau­lus li­bro quar­to ad Sa­binum. Pa­li et per­ti­cae in nu­me­rum ma­te­riae red­igen­di sunt, et id­eo ‘lig­no­rum’ ap­pel­la­tio­ne non con­ti­nen­tur.

168Paul. lib. IV. ad Sabin. Pfahle und Stangen sind zum Material zu rechnen, und darum werden sie nicht unter der Benennung Holz begriffen.

169Idem li­bro quin­to ad Sa­binum. Non tan­tum in tra­di­tio­ni­bus, sed et in emp­tio­ni­bus et sti­pu­la­tio­ni­bus et tes­ta­men­tis ad­iec­tio haec ‘uti op­ti­mus ma­xi­mus­que est’ hoc sig­ni­fi­cat, ut li­be­rum prae­ste­tur prae­dium, non ut et­iam ser­vi­tu­tes ei de­bean­tur.

169Idem lib. V. ad Sabin. Nicht nur bei Uebergaben, sondern auch bei Käufen und Stipulationen und Testamenten bedeutet dieser Zusatz: sowie es das vorzüglichste und vortrefflichste ist, dies, dass ein [von Dienstbarkeiten] freies Grundstück geleistet werde, nicht, dass demselben auch Dienstbarkeiten zustehen100100S. L. 75. D. de evict. 21. 2..

170Ul­pia­nus li­bro tri­gen­si­mo ter­tio ad Sa­binum. ‘He­redis’ ap­pel­la­tio­ne om­nes sig­ni­fi­ca­ri suc­ces­so­res cre­den­dum est, et­si ver­bis non sint ex­pres­si.

170Ulp. lib. XXXIII. ad Sabin. Man muss annehmen, dass mit der Benennung Erbe alle Nachfolger bezeichnet werden, wenngleich sie nicht durch Worte ausgedrückt sind.

171Pom­po­nius li­bro sex­to de­ci­mo ad Sa­binum. ‘Per­ve­nis­se ad te’ rec­te di­ci­tur, quod per te ad alium per­ve­ne­rit, ut in he­redi­ta­te a li­ber­to per pa­tro­num fi­lium fa­mi­lias pa­tri eius ad­op­ti­vo ad­quisi­ta re­spon­sum est.

171Pompon. lib. XVI. ad Sabin. Von Dem sagt man richtig, es sei an dich gekommen (pervenisse), was durch dich an einen Andern gekommen ist, wie man in Bezug auf eine von einem Freigelassenen hinterlassene Erbschaft, welche durch den Patron desselben, welcher Haussohn war, seinem Adoptivvater erworben worden ist, zum Gutachten ertheilt hat.

172Ul­pia­nus li­bro tri­gen­si­mo oc­ta­vo ad Sa­binum. ‘Li­ber­ti’ ap­pel­la­tio­ne et­iam li­ber­tam con­ti­ne­ri pla­cuit.

172Ulp. lib. XXXVIII. ad Sabin. Man hat angenommen, dass unter der Benennung Freigelassener auch die Freigelassene begriffen werde.

173Idem li­bro tri­gen­si­mo no­no ad Sa­binum. ‘Col­le­ga­rum’ ap­pel­la­tio­ne hi con­ti­nen­tur, qui sunt eius­dem po­tes­ta­tis. 1Qui ex­tra con­ti­nen­tia ur­bis est, ‘ab­est’: ce­te­rum us­que ad con­ti­nen­tia non ab­es­se vi­de­bi­tur.

173Idem lib. XXXIX. ad Sabin.101101Diese Lex, sowie L. 199. h. t. bezieht Cujac. l. l. ad h. l. u. Observatt. VII. c. 35. auf die Vormünder. Unter der Benennung Collegen werden Die begriffen, welche dieselbe Gewalt haben. 1Wer ausserhalb der an die Stadt stossenden Gebäude sich befindet, ist abwesend; sonst wenn man sich innerhalb der anstossenden Gebäude befindet, wird man nicht abwesend zu sein scheinen.

174Idem li­bro qua­dra­gen­si­mo se­cun­do ad Sa­binum. Aliud est pro­mit­te­re ‘fu­rem non es­se’, aliud ‘fur­to no­xa­que so­lu­tum’: qui enim di­cit fu­rem non es­se, de ho­mi­nis pro­pos­i­to lo­qui­tur, qui fur­tis no­xa­que so­lu­tum, ne­mi­ni es­se fur­ti ob­li­ga­tum pro­mit­tit.

174Idem lib. XLII. ad Sabin. Es ist etwas Anderes, wenn man verspricht, dass [ein Sclave] kein Dieb sei, als wenn man verspricht, dass er von Diebstahls- und Schädensansprüchen befreit sei; denn wer sagt, dass er kein Dieb sei, spricht von der Neigung des Sclaven, wer [aber sagt], dass er von Diebstahls- und Schädenansprüchen befreit sei, verspricht, dass er Niemandem wegen Diebstahls verbindlich sei102102Vgl. L. 17. §. 17. u. L. 52. D. de aed. ed. 21. 1. u. L. 30. 31. D. de evict. 21. 2..

175Pom­po­nius li­bro vi­cen­si­mo se­cun­do ad Sa­binum. ‘Fa­cien­di’ ver­bo red­den­di et­iam cau­sa con­ti­ne­tur.

175Pompon. lib. XXII. ad Sabin. Unter dem Worte thun (faciendi) wird auch das Zurückgeben begriffen.

176Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo quin­to ad Sa­binum. ‘So­lu­tio­nis’ ver­bo sa­tis­fac­tio­nem quo­que om­nem ac­ci­pien­dam pla­cet. ‘sol­ve­re’ di­ci­mus eum, qui fe­cit quod fa­ce­re pro­mi­sit.

176Ad Dig. 50,16,176ROHGE, Bd. 24 (1879), Nr. 20, S. 66: Begriff der Zahlung. Willensübereinstimmung.Ulp. lib. XLV. ad Sabin. Man nimmt an, dass unter dem Wort Zahlung (solutionis) auch jede Befriedigung zu verstehen sei; denn von Dem sagen wir, dass er zahle, welcher Das thut, was er zu thun versprochen hat.

177Idem li­bro qua­dra­gen­si­mo sep­ti­mo ad Sa­binum. Na­tu­ra ca­vil­la­tio­nis, quam Grae­ci σωρίτην ap­pel­la­ve­runt, haec est, ut ab evi­den­ter ve­ris per bre­vis­si­mas mu­ta­tio­nes dis­pu­ta­tio ad ea, quae evi­den­ter fal­sa sunt, per­du­ca­tur.

177Idem lib. XLVII. ad Sabin. Das Wesen des Trugschliessens (cavillationis), welches die Griechen σόφισμα103103Die Florent. hat σωρίτην. Vgl. Cramer ad h. l. genannt haben, besteht darin, dass die Unterredung von augenscheinlich Wahrem durch ganz unbedeutende Veränderungen auf Das gebracht wird, was augenscheinlich falsch ist.

178Idem li­bro qua­dra­gen­si­mo no­no ad Sa­binum. ‘Pe­cu­niae’ ver­bum non so­lum nu­me­ra­tam pe­cu­niam com­plec­ti­tur, ve­rum om­nem om­ni­no pe­cu­niam, hoc est om­nia cor­po­ra: nam cor­po­ra quo­que pe­cu­niae ap­pel­la­tio­ne con­ti­ne­ri ne­mo est qui amb­iget. 1‘He­redi­tas’ iu­ris no­men est, quod et ac­ces­sio­nem et de­ces­sio­nem in se re­ci­pit: he­redi­tas au­tem vel ma­xi­me fruc­ti­bus au­ge­tur. 2‘Ac­tio­nis’ ver­bum et spe­cia­le est et ge­ne­ra­le. nam om­nis ac­tio di­ci­tur, si­ve in per­so­nam si­ve in rem sit pe­ti­tio: sed ple­rum­que ‘ac­tio­nes’ per­so­na­les so­le­mus di­ce­re. ‘pe­ti­tio­nis’ au­tem ver­bo in rem ac­tio­nes sig­ni­fi­ca­ri vi­den­tur. ‘per­se­cu­tio­nis’ ver­bo ex­tra­or­di­na­rias per­se­cu­tio­nes pu­to con­ti­ne­ri, ut pu­ta fi­dei­com­mis­so­rum et si quae aliae sunt, quae non ha­bent iu­ris or­di­na­rii ex­se­cu­tio­nem. 3Hoc ver­bum ‘de­buit’ om­nem om­ni­no ac­tio­nem com­pre­hen­de­re in­tel­le­gi­tur, si­ve ci­vi­lis si­ve ho­no­ra­ria si­ve fi­dei­com­mis­si fuit per­se­cu­tio.

178Idem lib. XLIX. ad Sabin. Das Wort Geld (pecuniae) umfasst nicht blos baares Geld, sondern alles Geld überhaupt, das heisst, alle körperliche Sachen; denn Niemand wird zweifeln, dass auch die körperlichen Sachen unter der Benennung Geld begriffen werden. 1Erbschaft ist der Name für ein Recht, welches sowohl eine Vermehrung als eine Verminderung zulässt; es wird aber die Erbschaft vorzüglich durch die Früchte vermehrt. 2Das Wort actio ist sowohl ein besonderes, als ein allgemeines; denn es wird so jede Klage genannt, mag sie eine persönliche sein, oder mag sie eine dingliche Forderung (in rem petitio) sein. Aber gewöhnlich pflegen wir die persönlichen Klagen so zu nennen, durch das Wort petitio aber scheinen die dinglichen Klagen bezeichnet zu werden. Unter dem Wort persecutio werden, glaube ich, die ausserordentlichen Rechtsverfolgungen, z. B. der Fideicommisse, und Dessen, was etwa sonst noch keine Erledigung im ordentlichen Rechtsweg erhält, begriffen. 3Man nimmt an, dass dieses Wort: geschuldet hat (debuit), überhaupt eine jede Klage umfasse, möge sie eine civilrechtliche, oder eine honorarische, oder eine ausserordentliche Klage [z. B.] wegen eines Fideicommisses gewesen sein.

179Idem li­bro quin­qua­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. In­ter haec ver­ba ‘quan­ti ea res erit’ vel ‘quan­ti eam rem es­se pa­ret’ ni­hil in­ter­est: in utra­que enim clau­su­la pla­cet ve­ram rei aes­ti­ma­tio­nem fie­ri.

179Idem lib. LI. ad Sabin. Zwischen diesen Worten: so viel, als diese Sache betragen wird, und denen: so viel, als erhellt, dass diese Sache betrage, findet kein Unterschied statt; denn man nimmt an, dass bei beiden Clauseln eine Schätzung des wahren Werthes vorgenommen werde104104S. L. 193. D. h. t..

180Pom­po­nius li­bro tri­gen­si­mo ad Sa­binum. ‘Tu­gu­rii’ ap­pel­la­tio­ne om­ne ae­di­fi­cium, quod rus­ti­cae ma­gis cus­to­diae con­ve­nit quam ur­ba­nis ae­di­bus, sig­ni­fi­ca­tur. 1Ofi­lius ait tu­gu­rium a tec­to tam­quam te­gu­la­rium es­se dic­tum, ut to­ga, quod ea te­ga­mur.

180Pompon. lib. XXX. ad Sabin. Durch die Benennung tugurium (Hütte) wird ein jedes Gebäude bezeichnet, welches mehr zu einem Schutz auf dem Lande, als zu einem Hause in der Stadt passt. 1Ofilius sagt: tugurium sei von tectum (Dach) benannt, gleichsam ein tegularium (Bedachung), wie toga daher, quod ea tegamur (weil wir uns mit derselben bedecken.)

181Idem li­bro tri­gen­si­mo quin­to ad Sa­binum. Ver­bum il­lud ‘per­ti­ne­re’ la­tis­si­me pa­tet: nam et eis re­bus pe­ten­dis ap­tum est, quae do­mi­nii nos­tri sint, et eis, quas iu­re ali­quo pos­si­dea­mus, quam­vis non sint nos­tri do­mi­nii: per­ti­ne­re ad nos et­iam ea di­ci­mus, quae in nul­la eo­rum cau­sa sint, sed es­se pos­sint.

181Pompon. lib. XXXV. ad Sabin. Jenes Wort: gehören (pertinere) hat einen sehr weiten Umfang; denn es passt auf die Forderung sowohl solcher Sachen, welche in unserem Eigenthum sind, als auch solcher, welche wir aus irgend einem Rechte besitzen, obwohl sie nicht in unserem Eigenthum sind; wir sagen, dass auch Das uns gehöre, was in keinem von diesen Verhältnissen ist, aber darin sein kann.

182Ul­pia­nus li­bro vi­cen­si­mo sep­ti­mo ad edic­tum. Pa­ter fa­mi­lias li­ber ‘pe­cu­lium’ non pot­est ha­be­re, quem­ad­mo­dum nec ser­vus ‘bo­na’.

182Ulp. lib. XXVII. ad Ed. Ein Hausvater kann kein Sondergut haben, ebenso wie ein Sclave kein Vermögen.

183Idem li­bro vi­cen­si­mo oc­ta­vo ad edic­tum. ‘Ta­ber­nae’ ap­pel­la­tio de­cla­rat om­ne uti­le ad ha­bi­tan­dum ae­di­fi­cium, non ex eo quod ta­bu­lis clu­di­tur.

183Idem lib. XXVIII. ad Ed. Die Benennung taberna (Bude) bezeichnet jedes zum Wohnen dienliche Gebäude105105Vgl. Cujac. l. l. ad h. l. u. Brisson. s. v. taberna., nemlich daher [benannt], weil es durch tabulae (Breter) eingeschlossen wird.

184Pau­lus li­bro tri­gen­si­mo ad edic­tum. In­de ta­ber­na­cu­la et con­tu­ber­na­les dic­ti sunt.

184Paul. lib. XXX. ad Ed. Daher hat man tabernacula (Zelte) und contubernales (Zeltgenossen) benannt.

185Ul­pia­nus li­bro vi­cen­si­mo oc­ta­vo ad edic­tum. ‘In­struc­tam’ au­tem ta­ber­nam sic ac­ci­pie­mus, quae et re­bus et ho­mi­ni­bus ad neg­otia­tio­nem pa­ra­tis con­stat.

185Ulp. lib. XXVIII. ad Ed. Instructa taberna (eine eingerichtete Bude) werden wir aber so verstehen: eine solche Bude, welche sowohl mit Sachen, als auch mit Sclaven, welche zum Handel bereit sind, versehen ist.

186Idem li­bro tri­gen­si­mo ad edic­tum. ‘Com­men­da­re’ ni­hil aliud est quam de­po­ne­re.

186Idem lib. XXX. ad Ed. Anempfehlen (commendare) ist nichts anders, als niederlegen106106S. L. 24. u. 26. pr. D. depos. 16. 3..

187Idem li­bro tri­gen­si­mo se­cun­do ad edic­tum. Ver­bum ‘ex­ac­tae pe­cu­niae’ non so­lum ad so­lu­tio­nem re­fe­ren­dum est, ve­rum et­iam ad dele­ga­tio­nem.

187Ad Dig. 50,16,187Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. II, § 412, Note 17.Idem lib. XXXII. ad Ed. Der Ausdruck: eingefodertes Geld (exactae pecuniae) ist nicht blos auf die Zahlung [des Geldes] zu beziehen, sondern auch auf die Delegation107107S. d. Bem. z. Inscr. tit. de novat. et deleg. 46. 3..

188Pau­lus li­bro tri­gen­si­mo ter­tio ad edic­tum. ‘Ha­be­re’ duo­bus mo­dis di­ci­tur, al­te­ro iu­re do­mi­nii, al­te­ro op­ti­ne­re si­ne in­ter­pel­la­tio­ne id quod quis eme­rit. 1‘Cau­tum’ in­tel­le­gi­tur, si­ve per­so­nis si­ve re­bus cau­tum sit.

188Paul. lib. XXXIII. ad Ed. Haben (habere) wird auf doppelte Weise gebraucht, ein Mal mit dem Eigenthumsrecht, das andere Mal: ohne Störung Das, was man gekauft hat, behalten. 1Dass Sicherheit bestellt sei (cautum), nimmt man an, möge nun durch Personen, oder durch Sachen Sicherheit bestellt sein.

189Idem li­bro tri­gen­si­mo quar­to ad edic­tum. ‘Fa­ce­re opor­te­re’ et hanc sig­ni­fi­ca­tio­nem ha­bet, ut abs­ti­neat quis ab eo fac­to, quod con­tra con­ven­tio­nem fie­ret, et cu­ra­ret ne fiat.

189Idem lib. XXXIV. ad Ed. Thun müssen (facere oportere) hat sowohl die Bedeutung, dass man sich einer solchen That enthalte, welche gegen die Uebereinkunft unternommen würde, als auch die: dass man dafür sorge, dass es nicht geschehe.

190Ul­pia­nus li­bro tri­gen­si­mo quar­to ad edic­tum. ‘Pro­vin­cia­les’ eos ac­ci­pe­re de­be­mus, qui in pro­vin­cia do­mi­ci­lium ha­bent, non eos, qui ex pro­vin­cia ori­un­di sunt.

190Ulp. lib. XXXIV. ad Ed. Unter Provinzialen müssen wir Solche verstehen, welche in einer Provinz ihren Wohnsitz haben, nicht Solche, welche aus einer Provinz abstammen.

191Pau­lus li­bro tri­gen­si­mo quin­to ad edic­tum. In­ter ‘di­vor­tium’ et ‘re­pu­dium’ hoc in­ter­est, quod re­pu­dia­ri et­iam fu­tu­rum ma­tri­mo­nium pot­est, non rec­te au­tem spon­sa di­vor­tis­se di­ci­tur, quod di­vor­tium ex eo dic­tum est, quod in di­ver­sas par­tes eunt qui dis­ce­dunt.

191Paul. lib. XXXV. ad Ed. Zwischen Scheidung (divortium) und Kündigung (repudium) findet der Unterschied statt, dass auch eine künftige Ehe gekündigt werden kann; dass aber eine Braut sich geschieden habe, sagt man unrichtig, weil Scheidung daher benannt ist, dass die, welche [von der Ehe] zurücktreten, nach verschiedenen Seiten gehen108108S. L. 101. §. 1. h. t. u. 2. pr. D. de div. et repud. 24. 2..

192Ul­pia­nus li­bro tri­gen­si­mo sep­ti­mo ad edic­tum. Haec ad­iec­tio ‘plu­ris­ve’ non in­fi­ni­tam pe­cu­niam con­ti­net, sed mo­di­cam, ut ta­xa­tio haec ‘so­li­dos de­cem plu­ris­ve’ ad mi­nu­tu­lam sum­mam re­fe­ra­tur.

192Ulp. lib. XXXVII. ad Ed. Dieser Zusatz: oder mehr (plurisve) enthält nicht eine unbegrenzte Summe, sondern eine unbedeutende, sodass diese Schätzung: auf zehn oder mehr Goldstücke, auf eine ganz kleine Summe bezogen wird.

193Idem li­bro tri­gen­si­mo oc­ta­vo ad edic­tum. Haec ver­ba ‘quan­ti eam rem pa­ret es­se’ non ad quod in­ter­est, sed ad rei aes­ti­ma­tio­nem re­fe­run­tur.

193Idem lib. XXXVIII. ad Ed. Diese Worte: so viel, als erhellt, dass diese Sache betrage, werde nicht auf das Interesse, sondern auf den Werth der Sache bezogen109109S. L. 179. D. h. t..

194Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo ter­tio ad edic­tum. In­ter ‘do­num’ et ‘mu­nus’ hoc in­ter­est, quod in­ter ge­nus et spe­ciem: nam ge­nus es­se do­num La­beo a do­nan­do dic­tum, mu­nus spe­ciem: nam mu­nus es­se do­num cum cau­sa, ut pu­ta na­ta­li­cium, nup­ta­li­cium.

194Idem lib. XLIII. ad Ed. Zwischen donum und munus findet derselbe Unterschied statt, wie zwischen der Gattung und der Art; denn Labeo sagt, donum sei die Gattung, von donare (schenken) benannt, munus die Art; denn munus sei ein donum mit einem bestimmten Zweck, z. B. ein Geburtstags-, ein Hochzeitsgeschenk.

195Idem li­bro qua­dra­gen­si­mo sex­to ad edic­tum. Pro­nun­tia­tio ser­mo­nis in se­xu mas­cu­li­no ad utrum­que se­xum ple­rum­que por­ri­gi­tur. 1‘Fa­mi­liae’ ap­pel­la­tio qua­li­ter ac­ci­pia­tur, vi­dea­mus. et qui­dem va­rie ac­cep­ta est: nam et in res et in per­so­nas de­du­ci­tur. in res, ut pu­ta in le­ge duo­de­cim ta­bu­la­rum his ver­bis ‘ad­gna­tus pro­xi­mus fa­mi­liam ha­be­to’. ad per­so­nas au­tem re­fer­tur fa­mi­liae sig­ni­fi­ca­tio ita, cum de pa­tro­no et li­ber­to lo­qui­tur lex: ‘ex ea fa­mi­lia’, in­quit, ‘in eam fa­mi­liam’: et hic de sin­gu­la­ri­bus per­so­nis le­gem lo­qui con­stat. 2Fa­mi­liae ap­pel­la­tio re­fer­tur et ad cor­po­ris cu­ius­dam sig­ni­fi­ca­tio­nem, quod aut iu­re pro­prio ip­so­rum aut com­mu­ni uni­ver­sae co­gna­tio­nis con­ti­ne­tur. iu­re pro­prio fa­mi­liam di­ci­mus plu­res per­so­nas, quae sunt sub unius po­tes­ta­te aut na­tu­ra aut iu­re sub­iec­tae, ut pu­ta pa­trem fa­mi­lias, ma­trem fa­mi­lias, fi­lium fa­mi­lias, fi­liam fa­mi­lias qui­que de­in­ceps vi­cem eo­rum se­quun­tur, ut pu­ta ne­po­tes et nep­tes et de­in­ceps. pa­ter au­tem fa­mi­lias ap­pel­la­tur, qui in do­mo do­mi­nium ha­bet, rec­te­que hoc no­mi­ne ap­pel­la­tur, quam­vis fi­lium non ha­beat: non enim so­lam per­so­nam eius, sed et ius de­mons­tra­mus: de­ni­que et pu­pil­lum pa­trem fa­mi­lias ap­pel­la­mus. et cum pa­ter fa­mi­lias mo­ri­tur, quot­quot ca­pi­ta ei sub­iec­ta fue­rint, sin­gu­las fa­mi­lias in­ci­piunt ha­be­re: sin­gu­li enim pa­trum fa­mi­lia­rum no­men sub­eunt. idem­que eve­niet et in eo qui em­an­ci­pa­tus est: nam et hic sui iu­ris ef­fec­tus pro­priam fa­mi­liam ha­bet. com­mu­ni iu­re fa­mi­liam di­ci­mus om­nium ad­gna­to­rum: nam et­si pa­tre fa­mi­lias mor­tuo sin­gu­li sin­gu­las fa­mi­lias ha­bent, ta­men om­nes, qui sub unius po­tes­ta­te fue­runt, rec­te eius­dem fa­mi­liae ap­pel­la­bun­tur, qui ex ea­dem do­mo et gen­te pro­di­ti sunt. 3Ser­vi­tu­tium quo­que so­le­mus ap­pel­la­re fa­mi­lias, ut in edic­to prae­to­ris os­ten­di­mus sub ti­tu­lo de fur­tis, ubi prae­tor lo­qui­tur de fa­mi­lia pu­bli­ca­no­rum. sed ibi non om­nes ser­vi, sed cor­pus quod­dam ser­vo­rum de­mons­tra­tur hu­ius rei cau­sa pa­ra­tum, hoc est vec­ti­ga­lis cau­sa. alia au­tem par­te edic­ti om­nes ser­vi con­ti­nen­tur: ut de ho­mi­ni­bus co­ac­tis et vi bo­no­rum rap­to­rum, item red­hi­bi­to­ria, si de­te­rior res red­da­tur emp­to­ris ope­ra aut fa­mi­liae eius, et in­ter­dic­to un­de vi fa­mi­liae ap­pel­la­tio om­nes ser­vos com­pre­hen­dit. sed et fi­lii con­ti­nen­tur. 4Item ap­pel­la­tur fa­mi­lia plu­rium per­so­na­rum, quae ab eius­dem ul­ti­mi ge­ni­to­ris san­gui­ne pro­fi­cis­cun­tur (sic­uti di­ci­mus fa­mi­liam Iu­liam), qua­si a fon­te quo­dam me­mo­riae. 5Mu­lier au­tem fa­mi­liae suae et ca­put et fi­nis est.

195Idem lib. XLVI. ad Ed. Ein Ausspruch rücksichtlich des männlichen Geschlechts wird gewöhnlich auf beide Geschlechter erstreckt. 1Wir wollen sehen, auf welche Weise die Benennung familia gebraucht werde. Nun hat man sie auf verschiedene Weise gebraucht; denn sie wird sowohl auf Sachen, als auch auf Personen bezogen. Auf Sachen, z. B. in den zwölf Tafeln in diesen Worten: agnatus proximus familiam habeto (der nächste Agnat soll die Erbschaft haben). Auf Personen wird aber die Bedeutung von familia dann bezogen, wenn das Gesetz vom Patron und Freigelassenen spricht: ex ea familia, sagt es, in eam familiam110110Gewöhnlich sieht man diese Worte als Bruchstücke der 5ten von den 12 Tafeln an, und zwar der Stelle, in welcher angeordnet worden sei, dass das Vermögen des ohne Testament verstorbenen Freigelassenen an den Patron und dessen Familie kommen solle. S. Dirksen XII Taf. S. 380. ff. u. Schweppe’s R. R. Gesch. §. 485. S. 840. (3. Ausg.) Die Haltbarkeit dieser Vermuthung bezweifelt Hugo Gesch. d. R. R. bis auf Just. S. 265. (11. Aufl.) (aus jener Familie in diese Familie) und bekanntlich spricht das Gesetz hier von einzelnen Personen. 2Die Benennung familia111111Vgl. hiermit Huschke’s Studien des Röm. R. I. S. 102. f. wird auch zur Bezeichnung einer gewissen Gemeinschaft gebraucht, welche entweder ihr besonderes Recht hat, oder in dem gemeinsamen Recht der gesammten Verwandtschaft begriffen wird. Familia mit besonderm Recht nennen wir mehrere Personen, welche unter der Gewalt eines Einzigen stehen, [welcher sie] entweder durch die Natur, oder durch das Recht unterworfen [sind,] z. B. paterfamilias (Hausvater), materfamilias (Hausmutter), filiusfamilias (Haussohn), filiafamilias (Haustochter) und die, welche sofort auf diese folgen, Enkel und Enkelinnen, und sofort. Hausvater (paterfamilias) wird aber der genannt, welcher im Hause die Herrschaft hat, und er wird richtig mit diesem Namen benannt, wenn er auch keinen Sohn hat, denn wir bezeichnen nicht blos die Person, sondern auch das Rechtsverhältniss desselben. Sonach nennen wir auch einen Mündel Hausvater. Und wenn der Hausvater stirbt, so fangen soviel Häupter, als ihm unterworfen gewesen sind, ebenso viele einzelne Familien zu bilden an; denn jeder Einzelne nimmt den Namen Hausvater an. Und dasselbe wird sich auch rücksichtlich Desjenigen ereignen, welcher aus der väterlichen Gewalt entlassen worden ist; denn auch dieser bildet, da er eigenen Rechtens geworden ist, eine besondere Familie. Familia mit gemeinsamem Rechte nennen wir [den Inbegriff] aller Agnaten; denn wenn auch nach dem Tode des [gemeinschaftlichen] Hausvaters jeder Einzelne eine besondere Familie bildet, so werden doch Alle, welche unter der Gewalt eines Einzigen gewesen sind, richtig [Glieder] derselben Familie genannt werden, weil sie aus demselben Haus und Stamm hervorgegangen sind. 3Auch [den Inbegriff] von Sclaven pflegen wir familia zu nennen, wie wir beim Edict des Prätors unter dem Titel von den Diebstählen gezeigt haben, wo der Prätor von der familia der Pächter der öffentlichen Einkünfte spricht112112S. L. 12. §. 1. u. 2. D. de publ. 39. 4.; aber dort werden nicht alle Sclaven, sondern eine gewisse Abtheilung von Sclaven bezeichnet, welche um dieser Sache willen, das heisst, um der öffentlichen Einkünfte willen angeschafft worden ist. In einem andern Theile des Edicts werden aber alle Sclaven darunter begriffen, wie [in dem Edict] über die zusammengebrachten Sclaven, und über den Raub113113S. L. 2. pr. u. §. 14. D. vi bon. rapt. 47. 8.. Ferner umfasst bei der Klage auf Zurücknahme, wenn die Sache durch das Zuthun des Käufers oder der familia desselben schlechter gemacht wird114114S. L. 1. §. 1. u. L. 25. §. 1. 2. D. de aedil. ed. 21. 1., und bei dem Interdict: Von wo mit Gewalt (unde vi)115115S. L. 1. pr. §. 15. sqq. D. de vi et vi arm. 43. 16. die Benennung familia alle Sclaven; aber auch die Kinder werden darunter begriffen. 4Ferner wird familia [der Inbegriff] mehrerer Personen genannt, welche von dem Blute eines und desselben ersten Erzeugers abstammen, wie wenn wir familia Julia sagen, gleichsam a fonte quodam memoriae (von dem Ursprung der Erinnerung). 5Eine Frau ist aber sowohl der Anfang als das Ende ihrer Familie.

196Gaius li­bro sex­to de­ci­mo ad edic­tum pro­vin­cia­le. Fa­mi­liae ap­pel­la­tio­ne et ip­se prin­ceps fa­mi­liae con­ti­ne­tur. 1Fe­mi­na­rum li­be­ros in fa­mi­lia ea­rum non es­se pa­lam est, quia qui nas­cun­tur, pa­tris fa­mi­liam se­quun­tur.

196Gaj. lib. XVI. ad Ed. prov. Unter der Bevennung Familie wird auch das Haupt der Familie selbst begriffen. 1Dass die Kinder von Frauen sich nicht in der Familie derselben befinden, ist offenbar, weil die, welche geboren werden, der Familie des Vaters, nicht der Mutter folgen.

197Ul­pia­nus li­bro quin­qua­gen­si­mo ad edic­tum. ‘In­di­cas­se’ est de­tu­lis­se: ‘ar­guis­se’ ac­cu­sas­se et con­vi­cis­se.

197Ulp. lib. L. ad Ed. Anzeige gemacht haben (indicasse) heisst: angegeben haben; Anschuldigung gemacht haben (arguisse) heisst: angeklagt und überführt haben116116Es bezieht sich dies auf die Bestimmungen des SC. Silanianum. S. z. B. l. 3. §. 14. D. de SC. Silan. 29. 5. u. vgl. Cujac. l. l. ad h. l..

198Idem li­bro se­cun­do de om­ni­bus tri­bu­na­li­bus. ‘Ur­ba­na prae­dia’ om­nia ae­di­fi­cia ac­ci­pi­mus, non so­lum ea quae sunt in op­pi­dis, sed et si for­te sta­bu­la sunt vel alia me­ri­to­ria in vil­lis et in vi­cis, vel si prae­to­ria vo­lup­ta­ti tan­tum de­ser­vien­tia: quia ur­ba­num prae­dium non lo­cus fa­cit, sed ma­te­ria. pro­in­de hor­tos quo­que, si qui sunt in ae­di­fi­ciis con­sti­tu­ti, di­cen­dum est ur­ba­no­rum ap­pel­la­tio­ne con­ti­ne­ri. pla­ne si plu­ri­mum hor­ti in red­itu sunt, vi­nea­rii for­te vel et­iam ho­li­to­rii, ma­gis haec non sunt ur­ba­na.

198Idem lib. II. de omnib. tribun. Unter städtischen Grundstücken117117Diese Stelle enthält eine Erläuterung der oratio über die Veräusserung von Mündelsachen. S. tit. D. de reb. eor., qui sub tut. etc. 27. 9. u. vgl. Cujac. l. l. ad h. l., v. Glück Erl. d. Pand. XXXII. S. 464. f. (urbana praedia) verstehen wir alle Gebäude, nicht blos die, welche sich in Städten befinden, sondern auch wenn sich etwa Stallungen oder sonst Herbergen auf Landgütern und in Dörfern befinden, oder wenn dies mit Prachtgebäuden (praetoria), welche blos zum Vergnügen dienen, der Fall ist, weil nicht der Ort, sondern die Beschaffenheit ein Grundstück zu einem städtischen macht. Deshalb muss man sagen, dass auch Gärten, wenn sie sich bei Gebäuden befinden, unter der Benennung städtische [Grundstücke] begriffen werden. Freilich wenn Gärten grösstentheils zum Ertrag bestimmt sind, z. B. Weingärten oder auch Oelgärten, so sind solche mehr nicht städtische [Grundstücke.]

199Idem li­bro oc­ta­vo de om­ni­bus tri­bu­na­li­bus. ‘Ab­sen­tem’ ac­ci­pe­re de­be­mus eum, qui non est eo lo­ci, in quo lo­co pe­ti­tur: non enim trans ma­re ab­sen­tem de­si­de­ra­mus: et si for­te ex­tra con­ti­nen­tia ur­bis sit, ab­est. ce­te­rum us­que ad con­ti­nen­tia non ab­es­se vi­de­bi­tur, si non la­ti­tet. 1Ab­es­se non vi­de­tur, qui ab hos­ti­bus cap­tus est, sed qui a la­tro­ni­bus de­ti­ne­tur.

199Idem lib. VIII. de omnib. tribun.118118S. d. Bem. zu l. 173. h. t. Als Abwesend müssen wir Den ansehen, welcher nicht an dem Orte ist, an welchem er verlangt wird; denn damit Jemand abwesend sei, verlangen wir nicht, dass er sich über dem Meere befinde, sondern auch wenn er sich etwa ausserhalb der an die Stadt stossenden Gebäude befindet, ist er abwesend; sonst wenn er sich innerhalb der anstossenden Gebäude befindet, wird er nicht abwesend zu sein scheinen, wenn er sich nicht verborgen hält. 1Wer von den Feinden gefangen ist, scheint nicht abwesend zu sein, wohl aber wer von den Räubern zurückgehalten wird.

200Iu­lia­nus li­bro se­cun­do di­ges­to­rum. Haec sti­pu­la­tio ‘no­xis so­lu­tum prae­sta­ri’ non ex­is­ti­ma­tur ad eas no­xas per­ti­ne­re, quae pu­bli­cam ex­er­ci­tio­nem et co­er­ci­tio­nem ca­pi­ta­lem ha­bent.

200Julian. lib. II. Dig. Man hält dafür, dass diese Stipulation: dass ein von Schädenansprüchen befreiter [Sclave] geleistet werde? sich nicht auf solche Schäden beziehe, welche eine öffentliche Verfolgung und eine Capitalstrafe zur Folge haben119119S. l. 17. §. 18. D. de aed. ed. 21. 1..

201Idem li­bro octagen­si­mo pri­mo di­ges­to­rum. Ius­ta in­ter­pre­ta­tio­ne re­ci­pien­dum est, ut ap­pel­la­tio­ne ‘fi­lii’, sic­uti fi­liam fa­mi­lias con­ti­ne­ri sae­pe re­spon­de­bi­mus, ita et ne­pos vi­dea­tur com­pre­hen­di, et ‘pa­tris’ no­mi­ne avus quo­que de­mons­tra­ri in­tel­le­ga­tur.

201Idem lib. LXXXI. Dig. Nach einer richtigen Erklärung ist anzunehmen, dass, wie wir oft zum Gutachten ertheilt haben, in der Benennung Sohn die Haustochter enthalten sei, ebenso auch der Enkel darunter begriffen zu werden scheine, und dass man annehme, dass mit dem Namen Vater auch der Grossvater bezeichnet werde.

202Al­fe­nus Va­rus li­bro se­cun­do di­ges­to­rum. Cum in tes­ta­men­to scrip­tum es­set, ut he­res in fu­ne­re aut in mo­nu­men­to ‘dum­ta­xat au­reos cen­tum’ con­su­me­ret, non li­cet mi­nus con­su­me­re: si am­plius vel­let, li­cet ne­que ob eam rem con­tra tes­ta­men­tum fa­ce­re vi­de­tur.

202Alfen. Var. lib. II. Dig. Wenn in dem Testament geschrieben war, dass der Erbe bei dem Leichenbegängniss oder dem Denkmal nur hundert Goldstücke aufwenden sollte, so darf er nicht weniger aufwenden; wenn er etwa mehr [aufwenden] will, so darf er es, und scheint deshalb nicht gegen das Testament zu handeln.

203Idem li­bro sep­ti­mo di­ges­to­rum. In le­ge cen­so­ria por­tus Si­ci­liae ita scrip­tum erat: ‘ser­vos, quos do­mum quis du­cet suo usu, pro is por­to­rium ne da­to’. quae­re­ba­tur, si quis a Si­ci­lia ser­vos Ro­mam mit­te­ret fun­di in­struen­di cau­sa, utrum pro his ho­mi­ni­bus por­to­rium da­re de­be­ret nec ne. re­spon­dit duas es­se in hac scrip­tu­ra quaes­tio­nes, pri­mam quid es­set ‘do­mum du­ce­re’, al­te­ram, quid es­set ‘suo usu du­ce­re’. igi­tur quae­ri so­le­ret, utrum, ubi quis­que ha­bi­ta­ret si­ve in pro­vin­cia si­ve in Ita­lia, an dum­ta­xat in sua cu­ius­que pa­tria do­mus es­se rec­te di­ce­tur. Sed de ea re con­sti­tu­tum es­se eam do­mum uni­cui­que nos­trum de­be­re ex­is­ti­ma­ri, ubi quis­que se­des et ta­bu­las ha­be­ret sua­rum­que re­rum con­sti­tu­tio­nem fe­cis­set. quid au­tem es­set ‘usu suo’, mag­nam ha­buis­se du­bi­ta­tio­nem. et ma­gis pla­cet, quod vic­tus sui cau­sa pa­ra­tum est, tan­tum con­ti­ne­ri. item­que de ser­vis ea­dem ra­tio­ne quae­ri, qui eo­rum usus sui cau­sa pa­ra­ti es­sent? utrum dis­pen­sa­to­res, in­su­la­rii, vi­li­ci, atrien­ses, tex­to­res, ope­ra­rii quo­que rus­ti­ci, qui agro­rum co­len­do­rum cau­sa ha­be­ren­tur, ex qui­bus agris pa­ter fa­mi­lias fruc­tus ca­pe­ret, qui­bus se to­le­ra­ret, om­nes de­ni­que ser­vos, quos quis­que emis­set, ut ip­se ha­be­ret at­que eis ad ali­quam rem ute­re­tur, ne­que id­eo emis­set, ut ven­de­ret? et si­bi vi­de­ri eos de­mum usus sui cau­sa pa­trem fa­mi­lias ha­be­re, qui ad eius cor­pus tuen­dum at­que ip­sius cul­tum prae­po­si­ti de­sti­na­ti­que es­sent, quo in ge­ne­re iunc­to­res, cu­bicu­la­rii, co­ci, mi­nis­tra­to­res at­que alii, qui ad eius­mo­di usum pa­ra­ti es­sent, nu­me­ra­ren­tur.

203Idem lib. VII. Dig. In dem censorischen [Zollpacht]Vertrage (lege censoria) über den Hafen auf Sicilien stand so geschrieben: Für die Sclaven, welche Jemand zu seinem Gebrauche in sein Haus bringen will, soll er keinen Zoll geben. Man fragte: ob, wenn Jemand Sclaven aus Sicilien nach Rom schickte, um sein Landgut einzurichten, er für diese Sclaven Zoll geben müsste, oder nicht? [Alfenus] hat das Gutachten ertheilt: bei diesem Satze gäbe es zwei Fragen, die erste, was es heisse: in sein Haus bringen, die zweite, was es heisse: zu seinem Gebrauche bringen; daher pflege man zu fragen, ob man das Haus Jemands da, wo er wohnte, sei es in der Provinz, oder in Italien, oder nur in seinem Vaterlande richtig annehme; aber über diese Sache sei festgesetzt worden, dass man das für das Haus eines Jeden von uns halten müsse, wo er seinen Sitz und sein Hausbuch hätte, und die Einrichtung seiner Angelegenheiten getroffen hätte; was aber heisse: zu seinem Gebrauche, darüber habe man grossen Zweifel gehegt, und man nehme mehr an, dass nur Das darunter begriffen werde, was um seines Lebensbedarfs willen angeschafft ist; und ebenso frage es sich rücksichtlich der Sclaven auf dieselbe Weise, welche von ihnen um seines Gebrauchs willen angeschafft wären, ob die Rechnungsführer, Hausverwalter, Gutsverwalter, Hausaufseher, Weber, oder ob auch die Taglöhner auf dem Lande, welche zum Bebauen der Aecker gehalten würden, aus welchen der Hausvater Früchte ziehe, von welchen er sich erhalte, [oder ob] endlich alle Sclaven, welche Jemand gekauft hätte, um sie selbst zu behalten und zu irgend einer Sache zu gebrauchen, und nicht darum gekauft hätte, um sie zu verkaufen? Und ihm schiene der Hausvater nur die zu seinem Gebrauche zu haben, welche zur Erhaltung seines Körpers und zu seiner Pflege angeordnet und bestimmt wären, zu welcher Gattung die Anspanner120120Dieses Wort soll die Florent. Lesart: juctores wiedergeben, welche von Cujac. Obs. XIV. 3. (juctor, i. e. qui jungit mulos ad rhedam vel carrucam, qua vehitur paterfamilias) u. von Heinecc. zu Brisson. s. h. v. vertheidigt wird. Die verschiedenen Lesarten Anderer s. b. Cramer ad h. l., Kammerdiener, Köche, Aufwärter und die anderen, welche zum Gebrauche desselben angeschafft wären, gerechnet würden.

204Pau­lus li­bro se­cun­do epi­to­ma­rum Al­fe­ni. ‘Pue­ri’ ap­pel­la­tio tres sig­ni­fi­ca­tio­nes ha­bet: unam, cum om­nes ser­vos pue­ros ap­pel­la­re­mus: al­te­ram, cum pue­rum con­tra­rio no­mi­ne puel­lae di­ce­re­mus: ter­tiam, cum ae­ta­tem pue­ri­lem de­mons­tra­re­mus.

204Paul. lib. II. Epitom. Alfeni. Die Benennung puer (Knabe) hat drei Bedeutungen, da wir erstlich alle Sclaven pueri nennen, da wir zweitens puer als Gegensatz von puella (Mädchen) sagen, und da wir drittens damit das Knabenalter bezeichnen.

205Idem li­bro quar­to epi­to­ma­rum Al­fe­ni. Qui fun­dum ven­di­dit, ‘po­mum’ re­ce­pit: nu­ces et fi­cos et uvas dum­ta­xat du­ra­ci­nas et pur­pu­reas et quae eius ge­ne­ris es­sent, quas non vi­ni cau­sa ha­be­re­mus, quas Grae­ci τρωξίμους ap­pel­la­rent, re­cep­ta vi­de­ri.

205Idem lib. IV. Epitom. Alfeni. Jemand, der ein Grundstück verkauft hat, hat sich das Obst vorbehalten. Es schienen die Nüsse, Feigen und die Trauben, aber nur die härteren und die purpurnen und die, welche sonst noch von der Art wären, dass wir sie nicht um des Weines willen hätten, welche die Griechen τρωξίμους (roh essbare) nennten, vorbehalten zu sein.

206Iu­lia­nus li­bro sex­to ex Mi­n­icio. ‘Vi­na­ria’ va­sa pro­prie va­sa tor­cu­la­ria es­se pla­cet: do­lia au­tem et se­rias tam­diu in ea cau­sa es­se, quam­diu vi­num ha­be­rent, cum si­ne vi­no es­se de­si­ne­rent, in eo nu­me­ro non es­se, quon­iam ad alium usum trans­fer­ri pos­sent, vel­uti si fru­men­tum in his ad­da­tur. ean­dem cau­sam am­pho­ra­rum es­se, ut, cum vi­num ha­beant, tum in va­sis vi­na­riis, cum in­anes sint, tum ex­tra nu­me­rum vi­na­rio­rum sint, quia aliud in his ad­di pos­sit.

206Julian. lib. VI. ex Minicio. Man nimmt an, dass vinaria vasa (Weingefässe) eigentlich die Keltergefässe sind, die Fässer und Tonnen aber [nur] so lange zu jenen gehören, als sie Wein enthalten; dass sie aber, wenn sie aufhörten, Wein zu enthalten, nicht dazu gezählt würden, weil sie zu einem anderen Gebrauche verwendet werden können, z. B. wenn Getreide in ihnen aufbewahrt werde. Dasselbe Verhältniss finde rücksichtlich der Krüge statt, sodass sie dann, wenn sie Wein enthielten, zu den vasis vinariis, wenn sie leer seien, nicht zu ihnen gehörten, weil etwas Anderes in ihnen aufbewahrt werden könne.

207Afri­ca­nus li­bro ter­tio quaes­tio­num. ‘Mer­cis’ ap­pel­la­tio­ne ho­mi­nes non con­ti­ne­ri Me­la ait: et ob eam rem man­go­nes non mer­ca­to­res sed ve­na­li­cia­rios ap­pel­la­ri ait, et rec­te.

207African. lib. III. Quaest. Mela sagt, dass unter der Benennung Waare (mercis) die Sclaven nicht begriffen würden; und ebendeshalb würden, sagt er, die Sclavenverkäufer nicht Waarenhändler (mercatores), sondern Sclavenhändler (venaliciarios) genannt, und das ist richtig.

208Idem li­bro quar­to quaes­tio­num. ‘Bo­no­rum’ ap­pel­la­tio, sic­ut he­redi­ta­tis, uni­ver­si­ta­tem quan­dam ac ius suc­ces­sio­nis et non sin­gu­las res de­mons­trat.

208African. lib. IV. Quaest. Die Benennung Nachlass (bonorum) bezeichnet, ebenso wie die Erbschaft, eine Art von Gesammtheit und ein Recht der Nachfolge, und nicht einzelne Sachen.

209Flo­ren­ti­nus li­bro de­ci­mo in­sti­tu­tio­num. ‘Co­ram Ti­tio’ ali­quid fa­ce­re ius­sus non vi­de­tur prae­sen­te eo fe­cis­se, ni­si is in­tel­le­gat: ita­que si fu­rio­sus aut in­fans sit aut dor­miat, non vi­de­tur co­ram eo fe­cis­se. sci­re au­tem, non et­iam vel­le is de­bet: nam et in­vi­to eo rec­te fit quod ius­sum est.

209Florentin. lib. X. Inst. Der, welchem geheissen worden ist, Etwas vor dem Titius zu thun, scheint es nicht in dessen Gegenwart zu thun, wenn dieser es nicht versteht. Wenn daher [Titius] rasend, oder ein Kind ist, oder schläft, so scheint er es nicht vor demselben gethan zu haben. [Titius] muss es aber wissen, nicht auch braucht er es zu wollen, denn auch wider seinen Willen, geschieht Das, was geheissen worden ist, richtig.

210Mar­cia­nus li­bro sep­ti­mo in­sti­tu­tio­num. Is, qui na­tus est ex man­ci­piis ur­ba­nis et mis­sus est in vil­lam nu­trien­dus, in ur­ba­nis ser­vis con­sti­tue­tur.

210Marcian. lib. VII. Inst. Der, welcher von städtischen Sclaven geboren und auf ein Landhaus zur Ernährung geschickt worden ist, wird unter die städtischen Sclaven gehören.

211Flo­ren­ti­nus li­bro oc­ta­vo in­sti­tu­tio­num. ‘Fun­di’ ap­pel­la­tio­ne om­ne ae­di­fi­cium et om­nis ager con­ti­ne­tur. sed in usu ur­ba­na ae­di­fi­cia ‘ae­des’, rus­ti­ca ‘vil­lae’ di­cun­tur. lo­cus ve­ro si­ne ae­di­fi­cio in ur­be ‘area’, ru­re au­tem ‘ager’ ap­pel­la­tur. idem­que ager cum ae­di­fi­cio ‘fun­dus’ di­ci­tur.

211Florent. lib. VIII. Inst. Unter der Benennung fundus (Grundstück) wird jedes Gebäude und jeder Acker begriffen; aber im täglichen Verkehr nennt man die städtischen Gebäude aedes, die ländlichen villae. Ein Platz ohne Gebäude aber wird in der Stadt area, auf dem Lande ager genannt. Ferner wird ein ager mit einem Gebäude fundus (Landgut) genannt.

212Ul­pia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. ‘Prae­va­ri­ca­to­res’ eos ap­pel­la­mus, qui cau­sam ad­ver­sa­riis suis do­nant et ex par­te ac­to­ris in par­tem rei con­ce­dunt: a va­ri­can­do enim prae­va­ri­ca­to­res dic­ti sunt.

212Ulp. lib. I. de Adult. Praevaricatores nennen wir Diejenigen, welche den Prozess ihren Gegnern übergeben, und von der Seite des Klägers auf die des Beklagten treten; praevaricatores heissen sie nemlich a varicando (vom Grätscheln121121S. l. 4. §. D. de his q. not. inf. u. die Bem. dazu..

213Idem li­bro pri­mo re­gu­la­rum. ‘Ce­de­re diem’ sig­ni­fi­cat in­ci­pe­re de­be­ri pe­cu­niam: ‘venire diem’ sig­ni­fi­cat eum diem venis­se, quo pe­cu­nia pe­ti pos­sit. ubi pu­re quis sti­pu­la­tus fue­rit, et ces­sit et venit dies: ubi in diem, ces­sit dies, sed non­dum venit: ubi sub con­di­cio­ne, ne­que ces­sit ne­que venit dies pen­den­te ad­huc con­di­cio­ne. 1‘Aes alie­num’ est, quod nos aliis de­be­mus: ‘aes suum’ est, quod alii no­bis de­bent. 2‘La­ta cul­pa’ est ni­mia neg­le­gen­tia, id est non in­tel­le­ge­re quod om­nes in­tel­le­gunt.

213Idem lib. I. Regul. Der Tag läuft (cedere diem) heisst: das Geld fängt an geschuldet zu werden, der Tag kommt (venire diem) bedeutet, der Tag ist gekommen, an welchem das Geld gefodert werden kann. Wenn also Jemand ohne Nebenbestimmung stipulirt hat, so läuft sowohl der Tag, als ist er auch gekommen, wenn aber unter einem Termin122122D. h. unter einem gewissen Anfangstermin. Vgl. v. Glück a. a. O. IV. S. 456. f., so läuft zwar der Tag, aber er ist noch nicht gekommen, wenn unter einer Bedingung, so läuft weder der Tag, so lange die Bedingung schwebt, noch ist er gekommen. 1Aes alienum heisst das Geld, welches wir Anderen schulden, aes suum heisst das Geld, was Andere uns schulden. 2Grobes Verschulden (lata culpa) ist eine allzugrosse Nachlässigkeit, das heisst, nicht wissen, was Alle wissen.

214Mar­cia­nus li­bro pri­mo pu­bli­co­rum iu­di­cio­rum. ‘Mu­nus’ pro­prie est, quod ne­ces­sa­rie ob­imus le­ge mo­re im­pe­rio­ve eius, qui iu­ben­di ha­bet po­tes­ta­tem. ‘do­na’ au­tem pro­prie sunt, quae nul­la ne­ces­si­ta­te iu­ris of­fi­ciis et spon­te prae­stan­tur: quae si non prae­sten­tur, nul­la re­prae­hen­sio est et, si prae­sten­tur, ple­rum­que laus in­est. sed in sum­ma in hoc ven­tum est, ut non quod­cum­que mu­nus, id et do­num ac­ci­pia­tur, at quod do­num fue­rit, id mu­nus rec­te di­ca­tur.

214Marcian. lib. I. publ. judic. Munus123123Vgl. l. 18. u. l. 194. h. t. u. Duker. Opp. de Latinit. ICt. vet. c. 39. p. 39. sq. ist eigentlich Das, dem wir uns nothwendig unterziehen, in Folge eines Gesetzes, der Sitte, oder der Gewalt eines Solchen, welcher die Macht zu befehlen hat. Donum heisst aber eigentlich, was ohne das Vorhandensein einer durch das Recht oder eine Pflicht gebotenen Nothwendigkeit, sondern vielmehr freiwillig geleistet wird; sodass, wenn es nicht geleistet wird, kein Tadel stattfindet, und, wenn es geleistet wird, etwas Löbliches darin liegt. Es ist aber im Allgemeinen dahin gekommen, dass man zwar nicht jedes munus auch als donum nimmt, aber dass man Das, was donum gewesen ist, richtig munus nennt.

215Pau­lus li­bro sin­gu­la­ri ad le­gem Fu­fiam Ca­ni­niam. ‘Po­tes­ta­tis’ ver­bo plu­ra sig­ni­fi­can­tur: in per­so­na ma­gis­tra­tuum im­pe­rium: in per­so­na li­be­ro­rum pa­tria po­tes­tas: in per­so­na ser­vi do­mi­nium. at cum agi­mus de no­xae de­di­tio­ne cum eo qui ser­vum non de­fen­dit, prae­sen­tis cor­po­ris co­piam fa­cul­ta­tem­que sig­ni­fi­ca­mus. in le­ge Ati­nia in po­tes­ta­tem do­mi­ni rem fur­ti­vam venis­se vi­de­ri, et si eius vin­di­can­dae po­tes­ta­tem ha­bue­rit, Sa­b­inus et Cas­sius aiunt.

215Paul. lib. sing. ad leg. Fus. Canin. Mit dem Wort Gewalt (potestatis) wird Mehreres bezeichnet: in der Person der Obrigkeiten die Amtsgewalt (imperium), in der Person der Kinder die väterliche Gewalt, in der Person des Sclaven die Herrschaft. Aber wenn wir wegen der Auslieferung an Schadensstatt gegen Den klagen, welcher den Sclaven nicht vertritt, so bezeichnen wir damit die Gelegenheit und Möglichkeit, den Sclaven zu stellen124124S. l. 21. §. 2. 3. D. de noxal. act. 9. 4.. Sabinus und Cassius sagen, dass in dem Atinischen Gesetze die gestohlene Sache auch dann in die Gewalt des Eigenthümers gekommen zu sein scheine, wenn er die Gewalt, sie zu vindiciren, gehabt habe.

216Ul­pia­nus li­bro pri­mo ad le­gem Ae­liam Sen­tiam. Ve­rum est eum, qui in car­ce­re clu­sus est, non vi­de­ri ne­que ‘vinc­tum’ ne­que ‘in vin­cu­lis’ es­se, ni­si cor­po­ri eius vin­cu­la sint ad­hi­bi­ta.

216Ulp. lib. I. ad leg. Ael. Sent. Es ist richtig, dass Der, welcher in ein Gefängniss eingeschlossen ist, weder gefesselt, noch in Fesseln zu sein scheint, wenn nicht an seinen Körper Fesseln angelegt worden sind.

217Ia­vo­le­nus li­bro pri­mo ex pos­te­rio­ri­bus La­beo­nis. In­ter il­lam con­di­cio­nem ‘cum fa­ri po­tue­rit’ et ‘post­quam fa­ri po­tue­rit’ mul­tum in­ter­est: nam pos­te­rio­rem scrip­tu­ram ube­rio­rem es­se con­stat, ‘cum fa­ri po­tue­rit’ ar­tio­rem et id tan­tum­mo­do tem­pus sig­ni­fi­ca­ri, quo pri­mum fa­ri pos­sit. 1Item ita da­ta con­di­cio­ne ‘il­lud fa­ci­to in die­bus’, si ni­hil prae­ter­ea fuis­set ad­iec­tum, in bi­duo con­di­cio­nem im­ple­ri opor­tet.

217Javolen. lib. I. ex Posterior. Lab. Zwischen dieser Bedingung: wenn er wird reden können, und der: nachdem er wird reden können, findet ein grosser Unterschied statt; denn es ist bekannt, dass der letztere Satz umfassender, aber der: wenn er wird reden können, enger sei, und [durch denselben] nur die Zeit bezeichnet werde, wo er zuerst reden kann. 1Ferner muss, wenn eine Bedingung so auferlegt ist: Das sollst du innerhalb Tagen thun, dieselbe, wenn weiter nichts hinzugefügt war, innerhalb zwei Tagen erfüllt werden.

218Pa­pi­nia­nus li­bro vi­cen­si­mo sep­ti­mo quaes­tio­num. Ver­bum ‘fa­ce­re’ om­nem om­ni­no fa­cien­di cau­sam com­plec­ti­tur dan­di, sol­ven­di, nu­me­ran­di, iu­di­can­di, am­bu­lan­di.

218Papin. lib. XXVII. Quaest. Das Wort thun umfasst eine jede Art des Thuns, das Geben, das Zahlen, das Zuzählen, das Urtheilen, das Spatzierengehen.

219Idem li­bro se­cun­do re­spon­so­rum. In con­ven­tio­ni­bus con­tra­hen­tium vo­lun­ta­tem po­tius quam ver­ba spec­ta­ri pla­cuit. cum igi­tur ea le­ge fun­dum vec­ti­ga­lem mu­ni­ci­pes lo­ca­ve­rint, ut ad he­redem eius qui sus­ce­pit per­ti­ne­ret, ius he­redum ad le­ga­ta­rium quo­que trans­fer­ri po­tuit.

219Papin. lib. II. Respons. Man hat angenommen, dass man bei Uebereinkünften mehr auf die Absicht der Contrahirenden als auf die Worte sehen müsse. Da also die Municipalbürger ein Grundstück in Erbpacht gegeben haben, sodass es auf den Erben Dessen, welcher es erhalten hat, übergehen sollte, so hat das Recht der Erben auch auf einen Vermächtnissnehmer übertragen werden können.

220Cal­lis­tra­tus li­bro se­cun­do quaes­tio­num. ‘Li­be­ro­rum’ ap­pel­la­tio­ne ne­po­tes et pro­ne­po­tes ce­te­ri­que qui ex his de­scen­dunt con­ti­nen­tur: hos enim om­nes suo­rum ap­pel­la­tio­ne lex duo­de­cim ta­bu­la­rum com­pre­hen­dit. to­tiens enim le­ges ne­ces­sa­riam du­cunt co­gna­tio­nem sin­gu­lo­rum no­mi­ni­bus uti (vel­uti fi­lii, ne­po­tes, pro­ne­po­tis ce­te­ro­rum­ve qui ex his de­scen­dunt), quo­tiens non om­ni­bus, qui post eos sunt, prae­sti­tum vo­lue­rint, sed so­lis his suc­cur­rent, quos no­mi­na­tim enu­me­rent. at ubi non per­so­nis cer­tis, non qui­bus­dam gra­di­bus prae­sta­tur, sed om­ni­bus, qui ex eo­dem ge­ne­re or­ti sunt, li­be­ro­rum ap­pel­la­tio­ne com­pre­hen­dun­tur. 1Sed et Pa­pi­rius Fron­to li­bro ter­tio re­spon­so­rum ait prae­dio cum vi­li­co et con­tu­ber­na­li eius et fi­liis le­ga­to ne­po­tes quo­que ex fi­liis con­ti­ne­ri, ni­si vo­lun­tas tes­ta­to­ris ali­ter ha­beat: fi­lii enim ap­pel­la­tio­ne sae­pe et ne­po­tes ac­ci­pi mul­ti­fa­riam pla­ce­re. 2Di­vus quo­que Mar­cus re­scrip­sit non vi­de­ri si­ne li­be­ris de­func­tum, qui ne­po­tem suum he­redem re­li­quit. 3Prae­ter haec om­nia na­tu­ra nos quo­que do­cet pa­ren­tes pios, qui li­be­ro­rum pro­crean­do­rum ani­mo et vo­to uxo­res du­cunt, fi­lio­rum ap­pel­la­tio­ne om­nes qui ex no­bis de­scen­dunt con­ti­ne­re: nec enim dul­cio­re no­mi­ne pos­su­mus ne­po­tes nos­tros quam fi­lii ap­pel­la­re. et­enim id­cir­co fi­lios fi­lias­ve con­ci­pi­mus at­que edi­mus, ut ex prole eo­rum ea­rum­ve diu­tur­ni­ta­tis no­bis me­mo­riam in ae­vum re­lin­qua­mus.

220Callistrat. lib. II. Quaest. Unter der Benennung Kinder werden die Enkel und Urenkel, und die Uebrigen, welche von diesen abstammen, begriffen; denn alle diese umfasst das Gesetz der zwölf Tafeln mit der Benennung sui (Eigenerben). Denn die Gesetze halten es alle Mal dann für nothwendig, die Namen der einzelnen Verwandtschaftsverhältnisse, z. B. Sohn, Enkel, Urenkel oder der Uebrigen, welche von diesen abstammen, zu gebrauchen, wenn sie [ihre Bestimmungen] nicht Allen, welche noch auf sie folgen, zu Gute kommen lassen, sondern blos Denen zu Hülfe kommen wollen, welche sie namentlich aufzählen. Aber wenn [das durch die Gesetze Eingeführte] nicht bestimmten Personen, nicht einigen Graden, sondern Allen gewährt wird, welche aus demselben Geschlecht entsprungen sind, so werden sie unter der Benennung Kinder begriffen. 1Aber auch Papirius Fronto sagt im dritten Buche der Responsa: Dass, wenn ein Grundstück mit dem Gutsverwalter, der Schlafgenossin desselben und seinen Söhnen vermacht sei, auch die von den Söhnen erzeugten Enkel darin enthalten seien, wenn nicht die Absicht des Testators eine andere sei; denn man nehme an vielen Stellen an, dass unter der Benennung Sohn oft auch die Enkel verstanden würden. 2Auch der verewigte Marcus hat rescribirt: Dass Der nicht ohne Kinder verstorben zu sein scheine, welcher einen Enkel als Eigenerben hinterlasse. 3Ausser diesem Allen lehrt uns auch die Natur, dass zärtlichgesinnte Väter, welche mit der Absicht und dem Wunsche, Kinder zu zeugen, Ehefrauen nehmen, unter der Benennung Söhne Alle, welche von uns abstammen, begreifen; denn wir können ja unsere Enkel mit keinem zärtlicheren Namen, als mit dem Sohn, benennen; denn Söhne oder Töchter zeugen und bringen wir darum zur Welt, damit wir durch ihre Nachkommenschaft uns ein für alle Zeiten dauerndes Andenken hinterlassen.

221Pau­lus li­bro de­ci­mo re­spon­so­rum. Pau­lus re­spon­dit fal­sum tu­to­rem eum ve­re di­ci, qui tu­tor non est, si­ve ha­ben­ti tu­tor da­tus est si­ve non: sic­ut fal­sum tes­ta­men­tum, quod tes­ta­men­tum non est, et mo­dius in­iquus, qui mo­dius non est.

221Paul. lib. X. Respons. Paulus hat das Gutachten ertheilt, Derjenige werde richtig ein falscher Vormund genannt, welcher nicht Vormund ist, möge er Einem, welcher schon einen Vormund hat, bestellt sein, oder nicht, sowie ein falsches Testament das ist, welches kein Testament ist, und ein unrichtiges Maass das, welches kein Maass ist125125Vgl. die Bem. zur Inscr. tit. Quod falso tut. etc. 27. 6. u. v. Glück a. a. O. XXXII. S. 302. ff..

222Her­mo­ge­nia­nus li­bro se­cun­do iu­ris epi­to­ma­rum. ‘Pe­cu­niae’ no­mi­ne non so­lum nu­me­ra­ta pe­cu­nia, sed om­nes res tam so­li quam mo­bi­les et tam cor­po­ra quam iu­ra con­ti­nen­tur.

222Hermogen. lib. II. jur. Epitom. Unter dem Namen Geld (pecuniae) wird nicht blos baares Geld, sondern alle Sachen, sowohl unbewegliche, als bewegliche, und sowohl Körper, als Rechte begriffen.

223Pau­lus li­bro se­cun­do sen­ten­tia­rum. La­tae cul­pae fi­nis est non in­tel­le­ge­re id quod om­nes in­tel­le­gunt. 1‘Ami­cos’ ap­pel­la­re de­be­mus non le­vi no­ti­tia con­iunc­tos, sed qui­bus fue­rint in iu­ra cum pa­tre fa­mi­lias ho­nes­tis fa­mi­lia­ri­ta­tis quae­si­ta ra­tio­ni­bus.

223Paul. lib. II. Sentent.126126Diese Stelle bezog sich eigentlich auf die Lehre von der Vormundschaft, indem sie in Bezug auf dieselbe den begriff von lata culpa und von amici festsetzte, die Letztere darum, weil bei der Vormundschaft oft der amici Erwähnung geschieht. S. l. 44. D. de neg. gest. 3. 3., l. 2. D. qui pet. tut. 26. 6. u. l. 6. D. ubi pup. ed. 27. 1. Vgl. Cujac. Obs. VII. c. 8. Dirksen Versuche z. Krit. d. Ausleg. u. s. w. S. 88. ff. Dagegen will Klenze in d. Zeitsch. für gesch. RW. VI. S. 14. unter den amici hier Verwandte verstanden wissen. Das Merkmal des groben Verschuldens (latae culpae) ist, wenn man das nicht weiss, was Alle wissen. 1Nicht Die, welche durch eine leichte Bekanntschaft verbunden sind, dürfen wir Freunde (amicos) nennen, sondern Die, welche auf anständige Weise durch vertrauten Umgang erworbene Rechte gegen den Hausvater gehabt haben.

224Ve­nu­leius li­bro sep­ti­mo sti­pu­la­tio­num. ‘Vin­cu­lo­rum’ ap­pel­la­tio­ne vel pri­va­ta vel pu­bli­ca vin­cu­la sig­ni­fi­cant, ‘cus­to­diae’ ve­ro tan­tum pu­bli­cam cus­to­diam.

224Venulej. lib. VII. Stipul. Durch die Benennung Fesseln (vinculum) bezeichnet man sowohl von Privatpersonen angelegte, als öffentliche Fesseln, durch den Gewahrsam (custodia) aber nur öffentlichen Gewahrsam.

225Try­pho­ni­nus li­bro pri­mo dis­pu­ta­tio­num. ‘Fu­gi­ti­vus’ est non is, qui so­lum con­si­lium fu­gien­di a do­mi­no sus­ce­pit, li­cet id se fac­tu­rum iac­ta­ve­rit, sed qui ip­so fac­to fu­gae in­itium men­te de­du­xe­rit. nam et fu­rem ad­ul­te­rum alea­to­rem quam­quam ali­qua sig­ni­fi­ca­tio­ne ex ani­mi pro­pos­i­tio­ne cu­ius­que so­la quis di­ce­re pos­set, ut et­iam is, qui num­quam alie­nam rem in­vi­to do­mi­no sub­tra­xe­rit, num­quam alie­nam ma­trem fa­mi­lias cor­ru­pe­rit, si mo­do eius men­tis sit, ut oc­ca­sio­ne da­ta id com­mis­su­rus sit, ta­men opor­te­re ea­dem haec cri­mi­na ad­sump­to ac­tu in­tel­le­gi. et id­eo fu­gi­ti­vum quo­que et er­ro­nem non se­cun­dum pro­pos­i­tio­nem so­lam, sed cum ali­quo ac­tu in­tel­le­gi con­stat.

225Tryphon. lib. I. Disput. Ein Flüchtling127127S. l. 17. pr. §. sqq. u. l. 43. §. 1. D. de aed. ed. 21. 1. ist nicht Der, welcher blos den Entschluss gefasst hat, von seinem Herrn zu entfliehen, wenn er gleich sich hat verlauten lassen, dass er es thun wolle, sondern Der, welcher seine Absicht der Flucht durch die That selbst zur Ausführung gebracht hat128128Die Worte lauten: Qui ipso facto fugae initium mente (Vulg. Hal. Beck: vitium mentis) deduxerit. In der Uebersetzung ist mehr versucht, den Sinn derselben wiederzugeben, als wörtlich zu übersetzen.; denn obgleich man einen Dieb, einen Ehebrecher, einen Spieler in einem gewissen Sinne blos wegen des Vorsatzes auch Den nennen könnte, welcher niemals eine fremde Sache wider Willen ihres Eigenthümers weggenommen, niemals eine fremde Hausfrau verführt hat, wenn er nur die Absicht hat, dies bei dargebotener Gelegenheit thun zu wollen, so muss man doch so Etwas nur, wenn die That dazugekommen ist, als Verbrechen ansehen; und darum hält man bekanntlich [einen Sclaven] nicht in Folge seines blossen Vorsatzes, sondern wenn die That dazügekommen ist, für einen Flüchtling oder Herumstreicher.

226Pau­lus li­bro pri­mo ma­nua­lium. Mag­na neg­le­gen­tia cul­pa est: mag­na cul­pa do­lus est.

226Paul. lib. I. Manual. Eine grosse Nachlässigkeit ist Schuld, eine grosse Schuld ist böse Absicht129129S. Hasse Die Culpa des R. R. §. 64. S. 276. ff..

227Idem li­bro se­cun­do ma­nua­lium. Ex il­la par­te edic­ti ‘tum quem ei he­redem es­se opor­tet’ he­redis he­redi­bus bo­no­rum pos­ses­sio non de­fer­tur. 1Item in sub­sti­tu­tio­ne his ver­bis ‘quis­quis mi­hi he­res erit’ pro­xi­mus he­res tan­tum sig­ni­fi­ca­tur: im­mo non tan­tum pro­xi­mus he­res, sed et­iam scrip­tus.

227Idem lib. II. Manual. In Folge jenes Theiles des Edicts: denn wer sein Erbe sein muss130130S. l. 1. u. 4. D. unde legit. 38. 7. u. l. un. §. 2. D. ut. ex legib. senat. etc. 38. 14., wird den Erben des Erben der Nachlassbesitz nicht angetragen. 1Ebenso wird bei einer Substitution mit diesen Worten: wer nur immer mein Erbe sein wird, nur der nächste Erbe bezeichnet, ja nicht nur der nächste, sondern auch der eingesetzte.

228Idem li­bro sin­gu­la­ri de co­gni­tio­ni­bus. ‘Mu­ni­ci­pes’ in­tel­le­gen­di sunt et qui in eo­dem mu­ni­ci­pio na­ti sunt.

228Idem lib. sing. de cognition. Als Municipale (municipes) sind auch Die anzusehen, welche in demselben Municipium geboren sind.

229Idem li­bro sin­gu­la­ri de ta­ci­tis fi­dei­com­mis­sis. ‘Trans­ac­ta fi­ni­ta­ve’ in­tel­le­ge­re de­be­mus non so­lum qui­bus con­tro­ver­sia fuit, sed et­iam quae si­ne con­tro­ver­sia sint pos­ses­sa:

229Idem lib. sing. de tacit. fideic. Als verglichen oder beendigt131131Die Clausel: Quae judicata, transacta, finitave sunt, rata maneant, pflegte Senatsschlüssen und Gesetzen beigefügt zu werden, und namentlich war dies wahrscheinlich beim SCt. Plancianum über tacita fideicommissa (s. l. 10. pr. D. de his, q. ut ind. 34. 9. u. l. 59. §. 1. D. ad L. Falc. 35. 2.) und bestimmt beim SCt. Orphitianum (s. l. 1. §. 12. D. ad SC. Tertull. et Orph. 38. 17.) der Fall. Daher die Erklärung dieser Formel in dieser und der folgenden Stelle. Vgl. Cujac. Recitatt. ad h. l. müssen wir nicht blos Das ansehen, worüber Streit gewesen ist, sondern auch Das, was ohne Streit besessen worden ist,

230Idem li­bro sin­gu­la­ri ad se­na­tus con­sul­tum Or­fi­tia­num. ut sunt iu­di­cio ter­mi­na­ta, trans­ac­tio­ne com­po­si­ta, lon­gio­ris tem­po­ris si­len­tio fi­ni­ta.

230Idem lib. sing. ad SC. Orphitian. wie es vor Gericht festgesetzt, durch einen Vergleich beigelegt, durch Schweigen während längerer Zeit beendigt ist.

231Idem li­bro sin­gu­la­ri ad se­na­tus con­sul­tum Ter­tul­lia­num. Quod di­ci­mus eum, qui nas­ci spe­ra­tur, pro su­per­sti­te es­se, tunc ve­rum est, cum de ip­sius iu­re quae­ri­tur: aliis au­tem non prod­est ni­si na­tus.

231Idem lib. sing. ad SC. Tertull. Wenn wir sagen, dass Der, dessen Geburt gehofft wird, als vorhanden gelte, so ist dies dann richtig, wenn es sich um sein eigenes Recht handelt; Anderen aber nützt er nur dann, wenn er geboren ist.

232Gaius li­bro pri­mo de ver­bo­rum ob­li­ga­tio­ni­bus. Haec enun­tia­tio ‘quae sunt plu­ris au­reo­rum tri­gin­ta’ si­mul et quan­ti­ta­tis et aes­ti­ma­tio­nis sig­ni­fi­ca­ti­va est.

232Gaj. lib. I. de verb. obl. Dieser Ausdruck: was mehr132132S. l. 192. D. h. t. werth ist als dreissig Goldstücke, dient zur Bezeichnung sowohl des wahren Werths, als des Interesses.

233Idem li­bro pri­mo ad le­gem duo­de­cim ta­bu­la­rum. ‘Si cal­vi­tur’: et mo­re­tur et frus­tre­tur. in­de et ca­lum­nia­to­res ap­pel­la­ti sunt, quia per frau­dem et frus­tra­tio­nem alios ve­xa­rent li­ti­bus: in­de et ca­vil­la­tio dic­ta est. 1Post ka­len­das Ia­nua­rias die ter­tio pro sa­lu­te prin­ci­pis vo­ta sus­ci­piun­tur. 2‘Te­lum’ vol­go qui­dem id ap­pel­la­tur, quod ab ar­cu mit­ti­tur: sed non mi­nus om­ne sig­ni­fi­ca­tur, quod mit­ti­tur ma­nu: ita se­qui­tur, ut et la­pis et lig­num et fer­rum hoc no­mi­ne con­ti­nea­tur: dic­tum­que ab eo, quod in lon­gin­quum mit­ti­tur, Grae­ca vo­ce fi­gu­ra­tum ἀπὸ τοῦ τηλοῦ. et hanc sig­ni­fi­ca­tio­nem in­ve­ni­re pos­su­mus et in Grae­co no­mi­ne: nam quod nos te­lum ap­pel­la­mus, il­li βέλος ap­pel­lant: ἀπὸ τοῦ βάλλεσθαι. ad­mo­net nos Xe­no­phon, nam ita scri­bit: καὶ τὰ βέλη ὁμόσε ἐφέρετο, λόγχαι τοξεύματα σφενδόναι, πλεῖστοι δὲ καὶ λίθοι. et id, quod ab ar­cu mit­ti­tur, apud Grae­cos qui­dem pro­prio no­mi­ne τόξευμα vo­ca­tur, apud nos au­tem com­mu­ni no­mi­ne te­lum ap­pel­la­tur.

233Idem lib. I. ad leg. XII. Tabul. Si calvitur [das heisst] sowohl wenn er zögert, als wenn er täuscht133133Vgl. Cramer ad h. l., Dirksen XII Taf. S. 144. ff. u. Zimmern a. a. O. III. §. 108. S. 327. f.. Daher hat man auch die calumniatores (Chikaneurs) so benannt, weil sie durch Betrug und Zögerung Anderen in den Prozessen Nachtheil zufügten; daher ist auch cavillatio (Trugschliessen) benannt worden. 1Am dritten Januar werden die Wünsche für das Wohl des Kaisers ausgesprochen. 2Telum wird zwar gewöhnlich Das genannt, was vom Bogen abgeschossen wird, aber jetzt wird damit alles Das bezeichnet, was mit der Hand geworfen wird. Daraus folgt, dass auch ein Stein, ein Holz und ein Eisen unter diesem Namen begriffen wird, welches daher kommt, weil es in die Ferne geschickt wird, indem es vom griechischen Worte: ἀπὸ τοῦ τηλοῦ (Ferne) gebildet ist. Und diese Bedeutung können wir auch im griechischen Namen finden; denn was wir telum nennen, nennen sie βέλος, und mit diesem Namen wird zwar gewöhnlich Das bezeichnet, was vom Bogen abgeschossen wird, aber nicht weniger wird auch alles Das damit bezeichnet, was mit der Hand geworfen wird, ἀπὸ τοῦ βάλλεσθαι (von: geworfen werden.) Es erinnert uns Ξενοφῶν134134Anabas. V. 2. 14. ed. Schneider. Die Worte lauten bei Xenophon etwas anders. S. darüber Heinrich bei Cramer ad h. l. daran; denn er schreibt so: Καὶ τὰ βέλη ὁμόσε ἐφέρετο, λόγχαι, τοξεύματα, σφενδόναι, πλεῖστοι δὲ καὶ λίθοι (und mit einander flogen Pfeile, Wurfspiesse, Geschosse, geschleuderte und sehr viele [mit den Händen geworfene] Steine). Und Das, was vom Bogen abgeschossen wird, heisst bei den Griechen mit seinem eigentlichen Namen τόξευμα, bei uns wird es aber mit dem allgemeinen Namen telum benannt.

234Idem li­bro se­cun­do ad le­gem duo­de­cim ta­bu­la­rum. Quos nos hos­tes ap­pel­la­mus, eos ve­te­res ‘per­duel­les’ ap­pel­la­bant, per eam ad­iec­tio­nem in­di­can­tes cum qui­bus bel­lum es­set. 1‘Lo­cu­ples’ est, qui sa­tis ido­nee ha­bet pro mag­ni­tu­di­ne rei, quam ac­tor re­sti­tuen­dam es­se pe­tit. 2Ver­bum ‘vi­ve­re’ qui­dam pu­tant ad ci­bum per­ti­ne­re: sed Ofi­lius ad At­ti­cum ait his ver­bis et ves­ti­men­ta et stra­men­ta con­ti­ne­ri, si­ne his enim vi­ve­re ne­mi­nem pos­se.

234Idem lib. II. ad leg. XII Tabul. Die, welche wir hostes (Feinde) nennen, nannten die Alten perduelles, indem sie durch dieses Beiwort anzeigten, dass mit denselben bellum (Krieg) wäre. 1Reich (locuples) ist Derjenige, welcher ein nach Verhältniss der Sache, deren Ausantwortung der Kläger fodert, hinlängliches Vermögen hat, um Sicherheit gewähren zu können135135Diese Stelle soll angeben, welche Eigenschaften ein vindex haben müsse. Vgl. Dirksen XII Taf. Cap. 7. S. 218. f. u. Zimmern a. a. O. III. §. 46. Anm. 7.. 2Einige glauben, dass das Wort leben (vivere) sich auf die Speise beziehe. Aber Ofilius sagt in dem Buche an den Atticus: unter diesen Worten seien auch die Kleidungsstücke und die Decken begriffen; denn ohne diese könne Niemand leben136136Diese Stelle ist eine Erklärung der auf den Unterhalt des vom Gläubiger gefesselten Schuldners bezüglichen Worte der XII Taf.: Si volet, suo vivito, ni suo vivit etc. Vgl. Dirksen XII Taf. Cap. 8. S. 251. ff. Zimmern a. a. O. §. 46. S. 132. f..

235Idem li­bro ter­tio ad le­gem duo­de­cim ta­bu­la­rum. ‘Fer­ri’ pro­prie di­ci­mus, quae quis suo cor­po­re ba­iu­lat: ‘por­ta­ri’ ea, quae quis iu­men­to se­cum du­cit: ‘agi’ ea, quae ani­ma­lia sunt. 1‘Fa­b­ros tig­na­rios’ di­ci­mus non eos dum­ta­xat, qui tig­na do­la­rent, sed om­nes qui ae­di­fi­ca­rent.

235Idem lib. III. ad leg. XII Tabul. Ferri (tragen) sagen wir eigentlich dann, wenn Jemand Etwas mit seinem Körper trägt, portari (führen,) wenn Jemand Etwas auf einem Lastthier mit sich führt, agi (treiben) [wird in Bezug auf] Thiere [gebraucht.] 1Zimmerleute (fabros tignarios) nennen wir nicht nur die, welche Balken (tigna) behauen, sondern Alle, welche bauen.

236Idem li­bro quar­to ad le­gem duo­de­cim ta­bu­la­rum. Qui ‘ve­ne­num’ di­cit, ad­ice­re de­bet, utrum ma­lum an bo­num: nam et me­di­ca­men­ta ve­nena sunt, quia eo no­mi­ne om­ne con­ti­ne­tur, quod ad­hi­bi­tum na­tu­ram eius, cui ad­hi­bi­tum es­set, mu­tat. cum id quod nos ve­ne­num ap­pel­la­mus, Grae­ci φάρμακον di­cunt, apud il­los quo­que tam me­di­ca­men­ta quam quae no­cent, hoc no­mi­ne con­ti­nen­tur: un­de ad­iec­tio­ne al­te­rius no­mi­ne di­stinc­tio fit. ad­mo­net nos sum­mus apud eos poe­ta­rum Ho­me­rus: nam sic ait: φάρμακα, πολλὰ μὲν ἐσθλὰ μεμιγμένα, πολλὰ δὲ λυγρά. 1‘Glan­dis’ ap­pel­la­tio­ne om­nis fruc­tus con­ti­ne­tur, ut Ia­vo­le­nus ait, ex­em­plo Grae­ci ser­mo­nis, apud quos om­nes ar­bo­rum spe­cies ἀκρόδρυα ap­pel­lan­tur.

236Gaj. lib. IV. ad leg. XII. Tabul. Wer von venenum (Würze)137137Die weite Bedeutung dieses Wortes wird im Folgenden erklärt, im engeren Sinne bedeutet es Gift. Ueber die Beziehung dieser Stelle zu den XII Taf. s. Dirksen a. a. O. S. 619. ff. spricht, muss hinzufügen, ob er schädliches (Gift), oder gutes meine; denn auch die Arzneimittel sind venena, weil unter diesem Worte Alles begriffen wird, was, wenn es gebraucht wird, die natürliche Beschaffenheit Desjenigen, bei welchem es gebraucht wurde, ändert. Indem die Griechen Das, was wir venenum nennen, φάρμακον nennen, so werden auch bei ihnen sowohl Arzneimittel, als schädliche Sachen unter jenem Namen begriffen; daher wird durch die Hinzufügung eines anderen Wortes die Unterscheidung bewirkt. Es erinnert uns hieran der grösste der Dichter bei ihnen, Homerus138138Odyss. IV. 230. Die folgende Uebersetzung ist von Voss., denn er sagt so: Viel der Würze zu guter, und viel zu schädlicher Mischung. 1Unter der Benennung glans wird jede Frucht begriffen, wie Javolenus sagt, nach dem Muster der griechischen Sprache, wo alle Arten von Bäumen ἀκρόδρυα genannt werden.

237Idem li­bro quin­to ad le­gem duo­de­cim ta­bu­la­rum. Duo­bus ne­ga­ti­vis ver­bis qua­si per­mit­tit lex ma­gis quam pro­hi­buit: id­que et­iam Ser­vius anim­ad­ver­tit.

237Idem lib. V. ad leg. XII tabul. Durch zwei verneinende Worte erlaubt das Gesetz gewissermaassen mehr, als dass es verbietet; und das hat auch Servius bemerkt.

238Idem li­bro sex­to ad le­gem duo­de­cim ta­bu­la­rum. ‘Plebs’ est ce­te­ri ci­ves si­ne se­na­to­ri­bus. 1‘De­tes­ta­tum’ est tes­ta­tio­ne de­nun­tia­tum. 2‘Pig­nus’ ap­pel­la­tum a pug­no, quia res, quae pig­no­ri dan­tur, ma­nu tra­dun­tur. un­de et­iam vi­de­ri pot­est ve­rum es­se, quod qui­dam pu­tant, pig­nus pro­prie rei mo­bi­lis con­sti­tui. 3‘No­xiae’ ap­pel­la­tio­ne om­ne de­lic­tum con­ti­ne­tur.

238Idem lib. VI. ad leg. XII tabul. Plebs heissen die übrigen Bürger ohne die Senatoren. 1Detestatum heisst vor Zeugen (testatione) angekündigt. 2Pignus (Faustpfand) ist von pugnus (Faust) so benannt, weil die Sachen, welche als pignus gegeben werden, mit der Hand übergeben werden. Daher kann es auch wahr zu sein scheinen, wenn Einige glauben, ein pignus werde eigentlich [nur] an einer beweglichen Sache begründet. 3Unter der Beuennung noxa wird ein jedes Verbrechen begriffen.

239Pom­po­nius li­bro sin­gu­la­ri en­chi­ri­dii. ‘Pu­pil­lus’ est, qui, cum im­pu­bes est, de­siit in pa­tris po­tes­ta­te es­se aut mor­te aut em­an­ci­pa­tio­ne. 1‘Ser­vo­rum’ ap­pel­la­tio ex eo flu­xit, quod im­pe­ra­to­res nos­tri cap­ti­vos ven­de­re ac per hoc ser­va­re nec oc­ci­de­re so­lent. 2‘In­co­la’ est, qui ali­qua re­gio­ne do­mi­ci­lium suum con­tu­lit: quem Grae­ci πάροικον ap­pel­lant. nec tan­tum hi, qui in op­pi­do mo­ran­tur, in­co­lae sunt, sed et­iam qui ali­cu­ius op­pi­di fi­ni­bus ita agrum ha­bent, ut in eum se qua­si in ali­quam se­dem re­ci­piant. 3‘Mu­nus pu­bli­cum’ est of­fi­cium pri­va­ti ho­mi­nis, ex quo com­mo­dum ad sin­gu­los uni­ver­sos­que ci­ves rem­que eo­rum im­pe­rio ma­gis­tra­tus ex­tra­or­di­na­rium per­ve­nit. 4‘Ad­ve­na’ est, quem Grae­ci ἄποικον ap­pel­lant. 5‘De­cu­rio­nes’ qui­dam dic­tos aiunt ex eo, quod in­itio, cum co­lo­niae de­du­ce­ren­tur, de­ci­ma pars eo­rum qui du­ce­ren­tur con­si­lii pu­bli­ci gra­tia con­scri­bi so­li­ta sit. 6‘Urbs’ ab ur­bo ap­pel­la­ta est: ur­ba­re est ara­tro de­fi­ni­re. et Va­rus ait ur­bum ap­pel­la­ri cur­va­tu­ram ara­tri, quod in ur­be con­den­da ad­hi­be­ri so­let. 7‘Op­pi­dum’ ab ope di­ci­tur, quod eius rei cau­sa moe­nia sint con­sti­tu­ta. 8‘Ter­ri­to­rium’ est uni­ver­si­tas agro­rum in­tra fi­nes cu­ius­que ci­vi­ta­tis: quod ab eo dic­tum qui­dam aiunt, quod ma­gis­tra­tus eius lo­ci in­tra eos fi­nes ter­ren­di, id est sum­mo­ven­di ius ha­bent. 9Ver­bum ‘suum’ amb­iguum est, utrum de to­to an de par­te sig­ni­fi­cat. et id­eo qui iu­ret suum non es­se, ad­ice­re de­bet ne­que si­bi com­mu­nem es­se.

239Pompon. lib. sing. Enchir. Mündel ist Derjenige, welcher, während er noch unmündig ist, entweder durch den Tod seines Vaters, oder durch Entlassung aus der Gewalt desselben aufgehört hat, in der Gewalt desselben zu stehen. 1Die Benennung servi (Sclaven) ist daher gekommen, weil unsere Feldherrn die Gefangenen zu verkaufen ind sie dadurch servare (zu erhalten), nicht aber sie zu tödten pflegen. 2Einwohner (incola) heisst Derjenige, welcher in irgend einem Bezirk seinen Wohnsitz aufgeschlagen hat, welchen die Griechen πάροικος nennen. Auch sind nicht blos Die, welche sich in einer Stadt aufhalten, Einwohner, sondern auch Die, welche in den Umgebungen einer Stadt ein Grundstück haben, auf welchem sie sich, wie auf einem Sitze, aufhalten. 3Munus publicum (öffentlicher Dienst) ist das Amt einer Privatperson, durch welches ein Nutzen für die einzelnen und die gesammten Bürger, und für das Vermögen, derselben in Folge eines ausserordentlichen Befehls der Obrigkeit entsteht. 4Fremdling (advena) ist Der, welchen die Griechen ἄποικος nennen. 5Einige sagen, dass die Decurionen daher benannt seien, weil man anfänglich, als die Colonien abgeführt wurden, die decima pars (den zehnten Theil) Derjenigen, welche abgeführt wurden, zu einem öffentlichen Rath auszuheben pflegte. 6Urbs (Stadt) ist von urvum (Krümmung des Pflugs) benannt worden; urvare heisst mit dem Pflug begrenzen; and Varus sagt, urvum werde die Krümmung des Pflugs genannt, welcher bei der, Gründung einer Stadt angewendet zu werden pflegt. 7Oppidum (Stadt) wird so von ops benennt, weil um dieser Sache willen Mauern errichtet sind. 8Territorium (Gebiet, Weichbild) heisst die Gesammtheit der Aecker innerhalb der Grenzen einer Stadt; und Einige sagen, dass es daher so benannt sei, weil die Obrigkeiten eines solchen Orts innerhalb jener Grenzen das terrendi jus, das heisst das Recht, fortzuschaffen, haben. 9Das Wort sein (suum) ist zweideutig, ob es nemlich das Ganze, oder einen Theil bezeichne; and darum muss Der, welcher schwört, dass Etwas nicht sein sei, hinzufügen, dass er es auch nicht gemeinschaftlich mit einem Anderen habe.

240Pau­lus ex li­bris sex li­bro pri­mo im­per­ia­lium sen­ten­tia­rum in co­gni­tio­ni­bus pro­la­ta­rum. Cum quae­re­ba­tur, an ver­bum ‘so­lu­to ma­tri­mo­nio do­tem red­di’ non tan­tum di­vor­tium, sed et mor­tem con­ti­ne­ret, hoc est an de hoc quo­que ca­su con­tra­hen­tes sen­ti­rent, et mul­ti pu­ta­bant hoc sen­sis­se, et qui­bus­dam aliis con­tra vi­de­ba­tur: se­cun­dum: hoc mo­tus im­pe­ra­tor pro­nun­tia­vit id ac­tum eo pac­to, ut nul­lo ca­su re­ma­ne­ret dos apud ma­ri­tum.

240Paul. ex lib. sex. Imperial. sentent. in cognition. prolat. Als gefragt wurde: ob der Ausdruck: dass nach aufgelöster Ehe das Heirathsgut zurückgegeben werde, nicht nur die Scheidung, sondern auch den Tod enthalte, das heisst, ob die Contrahenten auch an den letzteren Fall gedacht hätten, und Viele glaubten, dass sie an denselben gedacht hätten, und einigen Anderen das Gegentheil stattzufinden schien, so hat der Kaiser, dadurch bewogen, ausgesprochen: durch jenes Pactum sei das beabsichtigt worden, dass das Heirathsgut in keinem Falle beim Ehemanne bleiben sollte.

241Quin­tus Mu­cius Scae­vo­la li­bro sin­gu­la­ri ὅρων. In ‘ru­tis cae­sis’ ea sunt, quae ter­ra non te­nen­tur quae­que ope­re struc­ti­li tec­to­rio­ve non con­ti­nen­tur.

241Quint. Muc. lib. sing. Ὁρῶν. Zu Dem, was ausgegraben und ausgehauen ist (in rutis caesis), gehört Das, was nicht in Grund und Boden besteht, und was nicht zu einem gemauerten Werk oder zu einer Wandbekleidung gehört.

242Ia­vo­le­nus li­bro se­cun­do ex pos­te­rio­ri­bus La­beo­nis. Ma­lum na­vis es­se par­tem, ar­te­mo­nem au­tem non es­se La­beo ait, quia ple­rae­que na­ves si­ne ma­lo in­uti­les es­sent, id­eo­que pars na­vis ha­be­tur: ar­te­mo au­tem ma­gis ad­iec­ta­men­to quam pars na­vis est. 1In­ter ‘pro­iec­tum’ et ‘im­mis­sum’ hoc in­ter­es­se ait La­beo, quod pro­iec­tum es­set id quod ita pro­ve­he­re­tur ut nus­quam re­quies­ce­ret, qua­lia mae­nia­na et sug­grun­dae es­sent: im­mis­sum au­tem, quod ita fie­ret, ut ali­quo lo­co re­quies­ce­ret, vel­uti tig­na tra­bes quae im­mit­te­re­tur. 2Plum­bum, quod te­gu­lis po­ne­re­tur, ae­di­fi­cii es­se ait La­beo: sed id, quod hy­pae­thri te­gen­di cau­sa po­ne­re­tur, con­tra es­se. 3‘Vi­duam’ non so­lum eam, quae ali­quan­do nup­ta fuis­set, sed eam quo­que mu­lie­rem, quae vi­rum non ha­buis­set, ap­pel­la­ri ait La­beo: quia vi­dua sic dic­ta est qua­si ve­cors, ve­sa­nus, qui si­ne cor­de aut sa­ni­ta­te es­set: si­mi­li­ter vi­duam dic­tam es­se si­ne dui­ta­te. 4Stra­tu­ram lo­ci ali­cu­ius ex ta­bu­lis fac­tis, quae aes­ta­te tol­le­ren­tur et hie­me po­ne­ren­tur, ae­dium es­se ait La­beo, quon­iam per­pe­tui usus pa­ra­tae es­sent: ne­que ad rem per­ti­ne­re, quod in­ter­im tol­le­ren­tur.

242Javolen. lib. II. ex Poster. Labeon. Labeo sagt, dass der Mastbaum ein Theil des Schiffes sei, das Bramsegel (artemonem) aber nicht. Und es ist dies richtiger, weil die meisten Schiffe ohne Mastbaum unnütz wären, und darum wird er für einen Theil des Schiffes gehalten. Das Bramsegel ist aber mehr eine Zugabe, als ein Theil des Schiffes. 1Labeo sagt, dass zwischen einem Vorbau (projectum) und einem Einbau (immissum) der Unterschied stattfinde, dass ein Vorbau das sei, was so hervorstehe, dass es nirgends aufruhe, von welcher Beschaffenheit die Erker und Wetterdächer wären, ein Einbau aber das, was so errichtet werde, dass es an irgend einer Stelle aufruhe, z. B. Balken (tigna, trabes), welche eingebaut würden. 2Labeo sagt, dass das Blei, welches statt der Dachziegel aufgelegt würde, zum Gebäude gehöre, aber bei dem, welches zur Bedeckung des Söllers aufgelegt würde, finde das Gegentheil statt. 3Labeo sagt, dass vidua nicht blos eine solche Frauensperson genannt werde, welche einst verheirathet gewesen wäre, sondern auch diejenige, welche noch keinen Mann gehabt hätte; weil vidua so benannt ist, wie vecors (verstandlos,) vesanus (unvernünftig,) wer ohne cor (Verstand) oder sanitas (Vernunft) ist; auf gleiche Weise sei vidua benannt, ohne duitas (ein Zweites). 4Labeo sagt, dass die aus Bretern, welche im Sommer weggenommen und im Winter hingelegt würden, gemachte Bedeckung139139Straturam nach der Florent. d. h. eine Breterdecke über die Steine und den Marmor des Fussbodens in Häusern. irgend einer Stelle zum Hause gehöre, weil sie um des beständigen Gebrauchswillen angeschafft wären; auch mache es weiter nichts aus, dass sie eine Zeitlang weggenommen würden.

243Scae­vo­la li­bro oc­ta­vo de­ci­mo di­ges­to­rum. Scae­vo­la re­spon­dit: sem­per ac­cep­tum est, ut li­ber­to­rum ap­pel­la­tio­ne et­iam hi con­ti­ne­ri in­tel­le­gan­tur, qui eo­dem tes­ta­men­to vel pos­te­rio­re lo­co ma­nu­mit­te­ren­tur, ni­si ma­ni­fes­te is, a quo pe­te­re­tur, con­tra de­func­ti vo­lun­ta­tem do­ce­ret pe­ti.

243Scaevola lib. XVIII. Dig. Scaevola hat das Gutachten ertheilt: dass man immer angenommen habe, dass unter der Benennung Freigelassene auch die begriffen sein schienen, welche in demselben Testament selbst an einer späteren Stelle140140D. h. in demselben Testament, in welchem eine die Freigelassenen betreffende Disposition des Testators (nach Cujac. l. l. ad h. l. ein Leagt von Alimenten) enthalten ist, aber in einem weiter unten stehenden Satze. Uebrigens ist im Folg. das peterentur der Florent., statt dessen Hal. Vulg. Beck peteretur haben, mit Cujac. beibehalten worden, da alimenta zu suppliren ist. freigelassen würden, wenn nicht Der, von welchem man sie fodere, augenscheinlich darthun könnte, dass sie gegen die Absicht des Verstorbenen gefodert würden.

244La­beo li­bro quar­to pi­tha­non a Pau­lo epi­to­ma­to­rum. Si qua poe­na est, mul­ta est: si qua mul­ta est, poe­na est. Paulus: utrum­que eo­rum fal­sum est. nam­que ha­rum re­rum dis­si­mi­li­tu­do ex hoc quo­que ap­pa­ret, quod de poe­na pro­vo­ca­tio non est: si­mul at­que enim vic­tus quis est eius ma­le­fi­cii, cu­ius poe­na est sta­tu­ta, sta­tim ea de­be­tur. at mul­tae pro­vo­ca­tio est, nec an­te de­be­tur, quam aut non est pro­vo­ca­tum aut pro­vo­ca­tor vic­tus est: nec ali­ter quam si is di­xit, cui di­ce­re li­cet. ex hoc quo­que ea­rum re­rum dis­si­mi­li­tu­do ap­pa­re­re pot­erit, quia poe­nae cer­tae sin­gu­lo­rum pec­ca­to­rum sunt, mul­tae con­tra, quia eius iu­di­cis po­tes­tas est, quan­tam di­cat, ni­si cum le­ge est con­sti­tu­tum quan­tam di­cat.

244Labeo lib. IV. Pithan. a Paulo epit. [Labeo sagt:] Wenn irgend eine poena (Strafe) stattfindet, so ist sie eine mulcta141141Vgl. L. 131. h. t.; wenn irgend eine mulcta stattfindet, so ist sie eine poena. Paulus [bemerkt hierzu:] Beides ist falsch. Denn die Verschiedenheit dieser Dinge erhellt auch daraus, dass wegen einer poena keine Berufung (Appellation) stattfindet; denn sowie Jemand einer solchen Missethat überführt worden ist, auf welche eine poena gesetzt ist, so gebührt sie sogleich. Aber wegen einer mulcta findet Berufung statt, und sie gebührt weder eher, als bis entweder nicht Berufung eingelegt ist, oder der Berufende besiegt worden ist, noch anders, als wenn sie Derjenige ausgesprochen hat, welchem es erlaubt ist, sie auszusprechen. Auch daraus wird der Unterschied jener Dinge erhellen können, dass für jedes einzelne Vergehen eine bestimmte poena stattfindet, bei der mulcta aber das Gegentheil stattfindet, weil der Richter es in seiner Gewalt hat, eine wie grosse er bestimmen will, ausser wenn es durch ein Gesetz bestimmt ist, eine wie grosse er aussprechen solle.

245Pom­po­nius li­bro de­ci­mo epis­tu­la­rum. Sta­tuae ad­fi­xae ba­si­bus struc­ti­li­bus aut ta­bu­lae re­li­ga­tae ca­te­nis aut er­ga pa­rie­tem ad­fi­xae aut si si­mi­li­ter co­hae­rent lych­ni, non sunt ae­dium: or­na­tus enim ae­dium cau­sa pa­ran­tur, non quo ae­des per­fi­cian­tur. idem La­beo ait. 1Pro­thy­rum, quod in ae­di­bus ite­rum qui fie­ri so­let, ae­dium est.

245Pompon. lib. X. Epist. Bildsäulen, welche auf gemauerte Gestelle befestigt sind, oder Gemälde, welche an Ketten hängen, oder an die Wand befestigt sind, oder Lampen, welche auf gleiche Weise hängen, gehören nicht zu den Häusern; denn sie werden zur Zierde eines Hauses angeschafft, nicht dazu, damit das Haus vollendet werde. 1Desgleichen sagt Labeo: dass das Vorgehänge142142Prothyrum, s. L. 12. §. 23. D. de instr. leg. 33. 7. und Cujac. l. l. ad h. l. und Obs. XIV. c. 1., welches in Häusern zuweilen angebracht zu werden pflege, zum Hause gehöre.

246Idem li­bro sex­to de­ci­mo epis­tu­la­rum. Apud La­beo­nem pi­tha­non ita scrip­tum est: ex­hi­bet, qui prae­stat eius de quo agi­tur prae­sen­tiam. nam et­iam qui sis­tit, prae­stat eius de quo agi­tur prae­sen­tiam, nec ta­men eum ex­hi­bet: et qui mu­tum aut fu­rio­sum aut in­fan­tem ex­hi­bet, non pot­est vi­de­ri eius prae­sta­re prae­sen­tiam: ne­mo enim ex eo ge­ne­re prae­sens sa­tis ap­te ap­pel­la­ri pot­est. 1Re­sti­tuit non tan­tum, qui so­lum cor­pus, sed et­iam qui om­nem rem con­di­cio­nem­que red­di­ta cau­sa prae­stet: et to­ta re­sti­tu­tio iu­ris est in­ter­pre­ta­tio.

246Idem lib. XVI. Epist. Beim Labeo in den Pithana ist so geschrieben: Derjenige zeigt vor (exhibet,) welcher die Gegenwart Dessen, weshalb geklagt wird, bewirkt.143143Hier ist zu suppliren: „Aber dies ist nicht richtig.“ Denn auch wer [Jemanden] stellt, gewährt die Gegenwart Dessen, weshalb geklagt wird, zeigt ihn aber doch nicht vor; und wer einen Stummen, oder Rasenden, oder ein Kind vorzeigt, der kann nicht die Gegenwart desselben zu gewähren scheinen, denn Niemand von solcher Art kann passend gegenwärtig genannt werden144144Die Uebersetzung ist der ohne Zweifel richtigen Interpunction von Cramer gefolgt.. 1Es erstattet zurück (restituit,) nicht wer blos den Körper, sondern wer auch die Sache mit ihrem ganzen Verhältniss und mit Zurückgabe des Zubehörs leistet, und die ganze Zurückerstattung ist Gegenstand der rechtlichen Bestimmung.