Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Tert.
Tertulliani Opera

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Index

2.
Quaestionum libri (2 fragmenta)

De castrensi peculio liber singularis

Dig. 29,1,23Ter­tul­lia­nus li­bro sin­gu­la­ri de cas­tren­si pe­cu­lio. Idem et si pa­ter fa­mi­lias mi­les de cas­tren­si­bus re­bus dum­ta­xat tes­ta­tus ad­ro­gan­dum se de­de­rit: si ve­ro mis­sus iam hoc fe­ce­rat, non va­let tes­ta­men­tum.

Tertull. lib. sing. de Castr. pec. Ebenso ist es, wenn ein Hausvater als Soldat nur über sein castrensisches Vermögen testirte, und sich sodann adrogiren liess. Hat er aber nach seiner bereits erfolgten Entlassung dies gethan11D. i. sich adrogiren lassen nach Accurs., so ist sein Testament ungültig22Vergl. Fr. 1. §. 8. D. de bon. p. s. t. 37. 11..

Dig. 29,1,33Ter­tul­lia­nus li­bro sin­gu­la­ri de cas­tren­si pe­cu­lio. Si fi­lius fa­mi­lias mi­les fe­cis­set tes­ta­men­tum mo­re mi­li­tiae, de­in­de post mor­tem pa­tris pos­tu­mus ei nas­ce­re­tur, uti­que rum­pi­tur eius tes­ta­men­tum. ve­rum si per­se­ve­ras­set in ea vo­lun­ta­te, ut vel­let ad­huc il­lud tes­ta­men­tum va­le­re, va­li­tu­rum il­lud, qua­si rur­sum aliud fac­tum, si mo­do mi­li­ta­ret ad­huc eo tem­po­re quo nas­ce­re­tur il­li pos­tu­mus. 1Sed si fi­lius fa­mi­lias mi­les fe­cis­set tes­ta­men­tum, de­in­de post­ea vi­vo eo et ad­huc avo quo­que su­per­sti­te nas­ce­re­tur ei pos­tu­mus, non rum­pi­tur eius tes­ta­men­tum, quia cum id quod nas­ce­re­tur in po­tes­ta­te eius non per­ve­ni­ret, non vi­de­tur suus he­res ad­gnas­ci: ac ne avo qui­dem suo hunc ne­po­tem pos­tu­mum, cum vi­vo fi­lio nas­ce­re­tur, suum he­redem pro­ti­nus ad­gnas­ci et id­eo nec avi tes­ta­men­tum rum­pi, quon­iam, li­cet in po­tes­ta­te avi pro­ti­nus es­se in­ci­pe­ret, ta­men an­te­ce­de­ret eum fi­lius. 2Se­cun­dum quae si fi­lius fa­mi­lias mi­les tes­ta­men­tum fe­ce­rit et omi­se­rit pos­tu­mum per er­ro­rem, non quod vo­le­bat ex­he­redatum, de­in­de pos­tu­mus post mor­tem avi vi­vo ad­huc fi­lio, id est pa­tre suo na­tus fue­rit, om­ni­mo­do rum­pet il­lius tes­ta­men­tum. sed si qui­dem pa­ga­no iam il­lo fac­to na­tus sit, nec con­va­les­cet rup­tum: si ve­ro mi­li­tan­te ad­huc na­tus fue­rit, rum­pe­tur, de­in­de, si vo­lue­rit ra­tum il­lud es­se pa­ter, con­va­les­cet sic qua­si de­nuo fac­tum. 3Sed et si vi­vo avo nas­ca­tur pos­tu­mus, hic non rum­pet con­ti­nuo pa­tris tes­ta­men­tum: si su­per­vi­xe­rit post mor­tem avi vi­vo ad­huc pa­tre, rum­pet, quod no­vus il­li nunc pri­mum he­res ad­gnas­ci­tur: ita ta­men, ut num­quam pos­sit duo­rum si­mul tes­ta­men­ta rum­pe­re et avi et pa­tris.

Tertull. lib. sing. de Castr. pecul. Wenn ein Haussohn als Soldat nach Soldatenbrauch ein Testament gemacht hat und ihm sodann nach seines Vaters Tod ein Afterkind geboren wurde, so wird dadurch jeden Falls sein Testament umgestossen. Wenn er aber bei diesem Willen beharrte, so dass er jenes Testament noch gültig wissen wollte, so wird es, gleich als wäre es von Neuem errichtet worden, Gültigkeit haben. Nur muss [der Erblasser] noch im Kriegsdienst zu der Zeit gestanden sein, wo ihm ein Afterkind geboren wurde. 1Wenn aber ein Haussohn als Soldat ein Testament machte und hierauf ihm noch bei seinen und auch des Grossvaters33Des Posthumus. Lebzeiten ein Afterkind geboren wurde, so wird dadurch sein Testament nicht umgestossen, weil das Kind, was geboren wurde, ihm nicht als [natürlicher] Eigenerbe agnascirt, da es ja [durch die Geburt] nicht in seine Gewalt kam. Auch nicht einmal seinem Grossvater agnascirt sofort dieser nachgeborene Enkel als Eigenerbe, da er bei Lebzeiten des Sohns44Nämlich des Grossvaters, oder des Vaters von Seiten des Posthumus. geboren wurde, und es wird deshalb auch nicht das Testament des Grossvaters umgestossen, weil diesem [nachgeborenen Enkel], wenn er auch sofort in der Gewalt seines Grossvaters sich befände, doch der Sohn55Nämlich des Grossvaters, Vater des nepos posthumus. vorgehen würde. 2Wenn nun dem gemäss der Haussohn als Soldat ein Testament machte, und sein Afterkind aus Irrthum, nicht etwa, weil er es ohne Erbe wollte ausgehen lassen, zu nennen versäumte, und dieses Afterkind sodann nach dem Tod des Grossvaters, [jedoch] noch bei Lebzeiten des Sohnes, das ist seines Vaters, geboren wurde, so wird es auf jeden Fall dessen Testament umstossen. Wurde66Nun folgt die Erklärung der Worte: jeden Falls. [dieses Kind] nämlich erst dann geboren, als sein Vater bereits nicht mehr Soldat war, so wird das Testament [, wenn es einmal umgestossen ist,] nicht wieder aufleben; wurde es aber noch, so lange sein Vater im Kriegsdienst stand, geboren, so wird das Testament eben dadurch umgestossen werden. Wollte endlich der Vater dieses Testament bestätigt wissen, so wird es ebenso wieder aufleben, als wenn es von Neuem wäre errichtet worden. 3Wenn aber das Afterkind noch bei Lebzeiten seines Grossvaters zur Welt kommt, so wird es in diesem Falle nicht sogleich das väterliche Testament umstossen; überlebte es die Todeszeit seines Grossvaters noch bei Lebzeiten des Vaters, so wird es das Testament umstossen, weil diesem nun zuerst ein neuer Erbe agnascirt. Jedoch verhält sich die Sache so, dass es niemals beide Testamente, das grossväterliche und väterliche, zugleich umstossen kann.

Dig. 49,17,4Ter­tul­lia­nus li­bro sin­gu­la­ri de cas­tren­si pe­cu­lio. Mi­les prae­ci­pua ha­be­re de­bet, quae tu­lit se­cum in cas­tra con­ce­den­te pa­tre. 1Ac­tio­nem per­se­cu­tio­nem­que cas­tren­sium re­rum sem­per fi­lius et­iam in­vi­to pa­tre ha­bet. 2Si pa­ter fa­mi­lias mi­li­tiae tem­po­re vel post mis­sio­nem ad­ro­gan­dum se prae­bue­rit, vi­den­dum erit, ne huic quo­que per­mis­sa in­tel­le­ga­tur ea­rum re­rum ad­mi­nis­tra­tio, quas an­te ad­ro­ga­tio­nem in cas­tris ad­quisie­rit, quam­vis con­sti­tu­tio­nes prin­ci­pa­les de his lo­quan­tur, qui ab in­itio cum es­sent fi­lii fa­mi­lias mi­li­ta­ve­rint. quod ad­mit­ten­dum est.

Tertullian. lib. sing. de castr. pecul. Der Soldat muss Dasjenige, was er mit Bewilligung seines Vaters mit in das Lager gebracht, zum Voraus haben. 1Dem Sohne steht immer hinsichtlich seines im Felde erworbenen Sondergutes Klage und gerichtliche Verfolgung auch wider Willen seines Vaters zu. 2Wenn ein Hausvater während seiner Dienstzeit, oder nach seiner Verabschiedung, sich adrogiren liess, so wird es die Frage sein, ob ihm auch die Verwaltung derjenigen Gegenstände als gestattet zu betrachten sei, die er vor der Adrogation im Felde erworben, obgleich die kaiserlichen Constitutionen [blos] von Denjenigen sprechen, die, als sie [noch] Haussöhne waren, in Kriegsdienste getreten sind. Es wird bejahet werden müssen.

Quaestionum libri

Ex libro I

Dig. 1,3,27Ter­tul­lia­nus li­bro I quaes­tio­num. Id­eo, quia an­ti­quio­res le­ges ad pos­te­rio­res tra­hi usi­ta­tum est, sem­per qua­si hoc le­gi­bus in­es­se cre­di opor­tet, ut ad eas quo­que per­so­nas et ad eas res per­ti­ne­rent, quae quan­do­que si­mi­les erunt.

Tertullian. lib. I. Quaest. Weil es daher gebräuchlich ist, dass ältere Gesetze auf spätere bezogen werden, so muss man auch stets annehmen, als liege in den Gesetzen die Bestimmung, dass sie auch auf solche Personen und solche Sachen gehen sollen, die dereinst [den jetzigen] ähnliche sein werden.

Dig. 41,2,28Ter­tul­lia­nus li­bro pri­mo quaes­tio­num. Si ali­quam rem pos­si­deam et ean­dem post­ea con­du­cam, an amit­tam pos­ses­sio­nem? mul­tum re­fert in his, quid aga­tur: pri­mum enim re­fert, utrum sciam me pos­si­de­re an igno­rem: et utrum qua­si non meam rem con­du­cam an qua­si meam: et sciens meam es­se, utrum qua­si pro­prie­ta­tis re­spec­tu an pos­ses­sio­nis tan­tum. nam et si rem meam tu pos­si­deas et ego emam a te pos­ses­sio­nem eius rei vel sti­pu­ler, uti­lis erit et emp­tio et sti­pu­la­tio, et se­qui­tur, ut et pre­ca­rium et con­duc­tio spe­cia­li­ter pos­ses­sio­nis so­lius con­du­cen­dae vel pre­ca­rio ro­gan­dae ani­mus in­ter­ve­niat.

Tertullian. lib. I. Quaest. Wenn ich eine Sache besitze, und77Das ut (statt et) unseres Textes ist wohl ein Druckfehler. sie nachher erpachte, verliere ich da den Besitz? Es kommt hier Alles auf die Absicht des Handelnden an; zuerst ist nemlich zu berücksichtigen, ob ich weiss, dass ich besitze, oder nicht, und ob ich die Sache als gleichsam nicht die meine erpachte, oder als gleichsam meine, und ob, wenn ich weiss, dass sie mein sei, gleichsam in Betracht der Eigenheit, oder blos des Besitzes. Denn auch, wenn du meine Sache besitzest, und ich von dir den Besitz dieser Sache kaufe, oder stipulire, wird der Kauf wie die Stipulation gültig sein, und es folgt daraus, dass sowohl ein bittweises Verhältniss, als ein Pacht, dies auch sein müsse, wenn die Absicht, den Besitz allein zu erpachten, oder bittweise um ihn nachzusuchen, besonders vorhanden ist.