Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 28 übersetzt von Hunger unter Redaction von Otto
Dig. XXVIII3,
De iniusto rupto irrito facto testamento
Liber vicesimus octavus
III.

De iniusto rupto irrito facto testamento

(Von einem nicht zu Recht errichteten, umgestossenen und ungültig abgefassten Testamente1.)

1Basil. Buch 39. Titel 2. (T. V. p. 270—282. Cujac. T. I. p. 1103—1111.

1Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de­fi­ni­tio­num. Tes­ta­men­tum aut non iu­re fac­tum di­ci­tur, ubi sol­lem­nia iu­ris de­fue­runt: aut nul­lius es­se mo­men­ti, cum fi­lius qui fuit in pa­tris po­tes­ta­te prae­ter­itus est: aut rum­pi­tur alio tes­ta­men­to, ex quo he­res ex­is­te­re pot­erit, vel ad­gna­tio­ne sui he­redis: aut in ir­ri­tum con­sti­tui­tur non ad­ita he­redi­ta­te.

1Papinian. lib. I. Definit. Ein Testament, sagt man, ist nicht zu Recht errichtet, wann ihm die Rechtsformalitäten fehlten, oder es ist ohne alle Wirkung, wenn der in väterlicher Gewalt stehende Sohn darin übergangen wurde, oder es wird umgestossen; [dies geschieht] durch ein anderes Testament, aus welchem der Erbe antreten kann, auch (vel) durch die Geburt (Agnation) eines Eigenerben22Ueber die Benennung des suus heres und ob er mit Eigenerbe oder natürlicher, angeborner Erbe zu übersetzen, ist Griesinger, Geschichte und neue Theorie der Suität zu vergleichen, besonders daselbst S. 29. u. s. w. (suus heres), oder es wird vernichtet33Flor. in irrit. const. dadurch, dass die Erbschaft nicht angetreten wird.

2Ul­pia­nus li­bro se­cun­do ad Sa­binum. Tunc au­tem prius tes­ta­men­tum rum­pi­tur, cum pos­te­rius ri­te per­fec­tum est, ni­si for­te pos­te­rius vel iu­re mi­li­ta­ri sit fac­tum vel in eo scrip­tus est qui ab in­tes­ta­to venire pot­est: tunc enim et pos­te­rio­re non per­fec­to su­pe­rius rum­pi­tur.

2Ulp. lib. II. ad Sabin. Aber nur dann wird ein früheres Testament umgestossen, wenn das spätere in der gehörigen Form vollendet ist, es müsste denn etwa das spätere nach Soldatenrecht gemacht, oder darin ein Erbe ernannt sein, der auch ohne Testament (ab intestato) [die Erbschaft] erwerben kann44Ob die Worte von: vel in eo scriptus est etc. an, vom Tribonian herrühren, oder nicht, sind die Gelehrten verschiedener Meinung. S. Smallenburg a. a. O.; denn in solchen Fällen wird das frühere Testament durch das spätere, [obgleich] unvollkommen, umgestossen.

3Idem li­bro ter­tio ad Sa­binum. Pos­tu­mi per vi­ri­lem se­xum de­scen­den­tes ad si­mi­li­tu­di­nem fi­lio­rum no­mi­na­tim ex­he­redan­di sunt, ne tes­ta­men­tum ad­gnas­cen­do rum­pant. 1Pos­tu­mos au­tem di­ci­mus eos dum­ta­xat, qui post mor­tem pa­ren­tis nas­cun­tur. sed et hi, qui post tes­ta­men­tum fac­tum in vi­ta nas­cun­tur, ita de­mum per le­gem Vel­laeam11Die Großausgabe liest Vel­leam statt Vel­laeam. rum­pe­re tes­ta­men­tum pro­hi­ben­tur, si no­mi­na­tim sint ex­he­reda­ti. 2Un­de et­iam an­te he­redis in­sti­tu­tio­nem vel in­ter me­dias he­redum in­sti­tu­tio­nes vel in­ter gra­dus ex­he­re­da­ri pos­sunt: nam di­vus Mar­cus de­cre­vit idem in pos­tu­mo quod in fi­lio ser­van­dum, nec ra­tio di­ver­si­ta­tis red­di pot­est. 3Ex his ap­pa­ret aliam cau­sam es­se fi­lio­rum su­per­sti­tum, aliam pos­te­rio­rum: il­li in­ius­tum fa­ciunt, hi rum­punt, il­li sem­per, hi, si nas­can­tur nec in­ve­niant se ex­he­redatos. 4Sed et si sit an­te hoc aliud tes­ta­men­tum, a quo pos­tu­mus ex­he­redatus sit, pla­cet, si­ve post mor­tem tes­ta­to­ris nas­ca­tur si­ve vi­vo tes­ta­to­re, utrum­que rup­tum es­se et su­pe­rius per in­fe­rius et in­fe­rius per pos­tu­mum. 5No­mi­na­tim au­tem ex­he­redatus pos­tu­mus vi­de­tur, si­ve ita di­xe­rit: ‘qui­cum­que mi­hi nas­ce­re­tur’, si­ve ita: ‘ex Se­ia’, si­ve ita: ‘ven­ter ex­he­res es­to’. sed et si di­xe­rit: ‘pos­tu­mus ex­he­res es­to’, na­tus vel post mor­tem vel vi­vo tes­ta­to­re non rum­pet. 6Li­cet au­tem pos­tu­mus prae­ter­itus ad­gnas­cen­do rum­pat, ta­men in­ter­dum eve­nit, ut pars tes­ta­men­ti rum­pa­tur: ut pu­ta si pro­po­nas a pri­mo gra­du pos­tu­mum ex­he­redatum, a se­cun­do prae­ter­itum: nam hic pri­mus gra­dus va­let, se­cun­dus rup­tus est.

3Idem lib. III. ad Sabin. Nachgeborene als Abkömmlinge durch den Mannsstamm müssen nach Analogie der [lebenden] Söhne [darum] namentlich (mit Nennung ihres Namens) enterbt werden, damit sie durch ihr Geborenwerden das Testament nicht umstossen. 1Nachgeborene (posthumi) nennen wir aber nur die, welche nach dem Tode ihres Gewalthabers geboren werden. Jedoch sollen auch die, welche nach der Testamentserrichtung zur Welt kommen, nach dem Velleischen Gesetze nur unter dem Umstande nicht das Testament umstossen, wenn sie namentlich enterbt wurden. 2Aus diesem Grunde können sie auch vor der Erbeinsetzung oder mitten unter den Erbeinsetzungen, oder unter den Substitutionen enterbt werden. Denn nach der Entscheidung des höchstseligen Marcus soll bei dem Nachgebornen eben das, was bei dem Sohne, beobachtet werden, und es liesse sich auch kein Grund [irgend] einer Verschiedenheit anführen. 3Aus dem [Gesagten] geht hervor, dass lebende Söhne und nachgeborene55Die Flor. liest posteriorum. Söhne ein verschiedenes Verhältniss begründen, jene nämlich machen [durch ihre Uebergehung] das Testament zu einem nicht zu Recht errichteten, diese aber stossen [das rechtlich errichtete Testament] um; [das Dasein] jener hat immer diese Wirkung, die Geburt dieser aber nur dann, wenn sie nicht enterbt, [sondern übergangen] sich finden. 4Auch wenn ein anderes früheres Testament vorhanden ist, worin der Nachgeborne enterbt wurde, so sollen doch, mag nun das Afterkind nach dem Tode des Erblassers oder noch bei dessen Lebzeiten geboren werden, beide Testamente umgestossen sein, [nämlich] das frühere durch das spätere, und das spätere durch den Posthumus. 5Für namentlich enterbt gilt ein Nachkind, mag [der Erblasser] gesagt haben: wer mir nur immer geboren werden wird, oder so: mein Sohn von der Seja, oder so: die Leibesfrucht soll enterbt sein. Auch wenn er so sagte: mein Nachgeborener soll enterbt sein, so soll [doch], wenn die Geburt desselben vor oder nach dem Tode des Erblassers eintritt, das Testament nicht66Ipso jure, bemerkt eine Randnote, sed per querelam inoff. umgestossen werden. 6Ob aber gleich ein übergangenes Nachkind durch seine Geburt [gewöhnlich das ganze Testament] umstösst, so tritt doch bisweilen der Fall ein, dass [nur] ein Theil desselben umgestossen wird, wie wenn man sich den Nachgeborenen bei der Erbeinsetzung enterbt, bei der Substitution aber übergangen denkt; denn hier bleibt die Einsetzung bei Gültigkeit, die Substitution aber ist umgestossen.

4Idem li­bro quar­to dis­pu­ta­tio­num. De­ni­que et de­li­be­ran­ti­bus pri­mo gra­du scrip­tis he­redi­bus qui se­cun­do gra­du scrip­ti sunt he­redes op­ti­ne­re he­redi­ta­tem non pos­sunt: gra­du enim rup­to et in­fir­ma­to am­plius he­redi­tas in­de op­ti­ne­ri non pot­est.

4Idem lib. IV. Disp. Endlich können die Substituirten die Erbschaft auch dann nicht in Besitz nehmen, wenn die eingesetzten Erben noch deliberiren77Cujac. will hier defuncto posthumo einschalten.. Denn ist ein Grad der Einsetzung umgestossen und entkräftet, so kann die Erbschaft daraus nicht weiter behauptet werden.

5Idem li­bro ter­tio ad Sa­binum. Nam et si sub con­di­cio­ne sit he­res in­sti­tu­tus quis, a quo pos­tu­mus non est ex­he­redatus, ta­men pen­den­te con­di­cio­ne rum­pi­tur gra­dus, ut et Iu­lia­nus scrip­sit: sed et si sit ei sub­sti­tu­tus quis, et­iam de­fi­cien­te con­di­cio­ne pri­mi gra­dus non ad­mit­te­tur sub­sti­tu­tus, a quo sci­li­cet pos­tu­mus ex­he­redatus non est. pu­to igi­tur ex­is­ten­te qui­dem con­di­cio­ne pri­mi gra­dus pos­tu­mo po­tius lo­cum fo­re: post de­fec­tum au­tem con­di­cio­nis na­tus pos­tu­mus gra­dum non rum­pit, quia nul­lus est. rum­pen­do au­tem tes­ta­men­tum si­bi lo­cum fa­ce­re pos­tu­mus so­let, quam­vis fi­lius se­quen­tem gra­dum, a quo ex­he­redatus est, pa­tia­tur va­le­re. sed si a pri­mo gra­du prae­ter­itus, a se­cun­do ex­he­redatus sit, si eo tem­po­re nas­ca­tur pos­tu­mus, quo ali­quis ex in­sti­tu­tis vi­xit, to­tum tes­ta­men­tum rup­tum est: nam tol­len­do pri­mum gra­dum, si­bi lo­cum fa­ciet.

5Idem lib. III. ad Sabin. Denn wurde auch Jemand, bei dessen Erbernennung nicht die Enterbung des Nachgeborenen beobachtet wurde, bedingungsweise zum Erben eingesetzt, so wird doch diese Einsetzung umgestossen, wenn vor Erfüllung der Bedingung [der Posthumus] geboren wird. Dies schrieb auch Julianus. Wurde aber einem solchen Erben Jemand substituirt, so soll doch der Substitute, bei dessen Erbernennung nicht die Enterbung des Nachgeborenen beobachtet wurde, nicht daran kommen, wenn die dem zuerst Eingesetzten beigefügte Bedingung nicht eintritt. Nach meiner Meinung wird daher vielmehr der Nachgeborene Erbe sein, wenn nur die der Einsetzung beigefügte Bedingung eintritt. Trat aber die Bedingung nicht ein, so stösst der Nachgeborene die Einsetzung nicht um, weil keine vorhanden ist. Durch Umstossung des Testamentes macht sich gewöhnlich der Nachgeborene Platz, ob gleich ein [schon lebender] Sohn dem folgenden Grad, worin er enterbt wurde, seine Gültigkeit lässt. Wurde aber das Nachkind bei der Einsetzung übergangen, bei der Substitution aber enterbt, so stösst er, wenn seine Geburt in die Zeit fällt, wo noch einer von den eingesetzten Erben lebte, das ganze Testament um; denn er verschafft sich Platz dadurch, dass er den ersten Grad [der Einsetzung] umstösst.

6Idem li­bro de­ci­mo ad Sa­binum. Si quis fi­lio ex­he­redato nuru prae­gna­te re­lic­ta de­ces­se­rit et ex­tra­neum sub con­di­cio­ne in­sti­tue­rit et pen­den­te con­di­cio­ne post mor­tem pa­tris vel de­li­be­ran­te he­rede in­sti­tu­to de ad­eun­da he­redi­ta­te ex­he­redatus fi­lius de­ces­se­rit et ne­pos fue­rit na­tus, an rum­pat tes­ta­men­tum? et di­ce­mus tes­ta­men­tum non rum­pi, cum nec ex­he­re­da­ri hu­ius­mo­di ne­pos de­be­ret ab avo, quem pa­ter prae­ce­de­bat. pla­ne si for­te in­sti­tu­tus omi­se­rit he­redi­ta­tem, hunc avo suum fu­tu­rum he­redem ab in­tes­ta­to non du­bi­ta­tur. utrum­que pro­priis ra­tio­ni­bus: nam ad­gnas­cen­do qui­dem is rum­pit quem ne­mo prae­ce­de­bat mor­tis tem­po­re: ab in­tes­ta­to ve­ro is suc­ce­dit cui an­te eum alii non est de­la­ta he­redi­tas, non fuis­se au­tem fi­lio de­la­tam he­redi­ta­tem ap­pa­ret, cum de­li­be­ran­te in­sti­tu­to de­ces­se­rit. sed haec ita, si mor­tis avi tem­po­re in ute­ro ne­pos fuit. ce­te­rum si post­ea con­cep­tus est, Mar­cel­lus scri­bit ne­que ut suum ne­que ut ne­po­tem aut co­gna­tum ad he­redi­ta­tem vel ad bo­no­rum pos­ses­sio­nem pos­se ad­mit­ti. 1Sed si pa­ter eius, qui mor­tis avi tem­po­re in ute­ro fuit, apud hos­tes erat, ne­pos is­te pa­tre in ea­dem cau­sa de­ce­den­te post mor­tem avi suc­ce­den­do tes­ta­men­tum rum­pet, quia su­pra scrip­ta per­so­na ei non ob­stat: nec enim cre­di­tur in re­bus hu­ma­nis fuis­se, cum in ea cau­sa de­ce­dat, quam­quam cap­ti­vus re­ver­sus pa­tris sui in­ius­tum fa­ce­ret tes­ta­men­tum in eo prae­ter­itus. 2Si­ve au­tem in ci­vi­ta­te ne­pos fuit con­cep­tus si­ve apud hos­tes, quon­iam da­tur et par­tui post­li­mi­nium, suc­ce­den­do tes­ta­men­tum rum­pit. 3Suc­ce­den­do ita­que sui non rum­punt, si­ve fue­rint in­sti­tu­ti vel ex­he­reda­ti ab eo gra­du ad quem he­redi­tas de­fer­tur, sci­li­cet si gra­dus il­le va­leat. 4Quo­cum­que au­tem mo­do pa­ren­tes prae­ce­den­tes in po­tes­ta­te es­se de­sie­rint, suc­ce­den­tes li­be­ri, si fue­rint in­sti­tu­ti vel ex­he­reda­ti, non rum­pent tes­ta­men­tum, si­ve per cap­ti­vi­ta­tem si­ve per mor­tem vel poe­nam. 5Ir­ri­tum fit tes­ta­men­tum, quo­tiens ip­si tes­ta­to­ri ali­quid con­ti­git, pu­ta si ci­vi­ta­tem amit­tat per sub­itam ser­vi­tu­tem, ab hos­ti­bus ver­bi gra­tia cap­tus, vel si ma­ior an­nis vi­gin­ti ve­num se da­ri pas­sus sit ad ac­tum ge­ren­dum pre­tium­ve par­ti­ci­pan­dum. 6Sed et si quis fue­rit ca­pi­te dam­na­tus vel ad bes­tias vel ad gla­dium vel alia poe­na quae vi­tam ad­imit, tes­ta­men­tum eius ir­ri­tum fiet, et non tunc cum con­sump­tus est, sed cum sen­ten­tiam pas­sus est: nam poe­nae ser­vus ef­fi­ci­tur: ni­si for­te mi­les fuit ex mi­li­ta­ri de­lic­to dam­na­tus, nam huic per­mit­ti so­let tes­ta­ri, ut di­vus Ha­d­ria­nus re­scrip­sit, et cre­do iu­re mi­li­ta­ri tes­ta­bi­tur. qua ra­tio­ne igi­tur dam­na­to ei tes­ta­ri per­mit­ti­tur, num­quid et, si quod an­te ha­buit fac­tum tes­ta­men­tum, si ei per­mis­sum sit tes­ta­ri, va­leat? an ve­ro poe­na ir­ri­tum fac­tum re­fi­cien­dum est? et si mi­li­ta­ri iu­re ei tes­tan­dum sit, du­bi­ta­ri non opor­tet, quin, si vo­luit id va­le­re, fe­cis­se id cre­da­tur. 7Eius qui de­por­ta­tur non sta­tim ir­ri­tum fiet tes­ta­men­tum, sed cum prin­ceps fac­tum com­pro­ba­ve­rit: tunc enim et ca­pi­te mi­nui­tur. sed et si de de­cu­rio­ne pu­nien­do vel fi­lio ne­po­te­ve prae­ses scri­ben­dum prin­ci­pi in­ter­lo­cu­tus est, non pu­to sta­tim ser­vum poe­nae fac­tum, li­cet in car­ce­re so­leant di­li­gen­tio­ris cus­to­diae cau­sa re­ci­pi. nec hu­ius igi­tur tes­ta­men­tum ir­ri­tum fiet, prius­quam prin­ceps de eo sup­pli­cium su­men­dum re­scrip­se­rit: pro­in­de si an­te de­ces­se­rit, uti­que tes­ta­men­tum eius va­le­bit, ni­si mor­tem si­bi con­sci­vit. nam eo­rum, qui mo­ri ma­gis quam dam­na­ri ma­lue­rint ob con­scien­tiam cri­mi­nis, tes­ta­men­ta ir­ri­ta con­sti­tu­tio­nes fa­ciunt, li­cet in ci­vi­ta­te de­ce­dant: quod si quis tae­dio vi­tae vel va­le­tu­di­nis ad­ver­sae in­pa­tien­tia vel iac­ta­tio­nis, ut qui­dam phi­lo­so­phi, in ea cau­sa sunt, ut tes­ta­men­ta eo­rum va­leant. quam di­stinc­tio­nem in mi­li­tis quo­que tes­ta­men­to di­vus Ha­d­ria­nus de­dit epis­tu­la ad Pom­po­nium fal­co­nem, ut, si qui­dem ob con­scien­tiam de­lic­ti mi­li­ta­ris mo­ri ma­luit, ir­ri­tum sit eius tes­ta­men­tum: quod si tae­dio vel do­lo­re, va­le­re tes­ta­men­tum aut, si in­tes­ta­to de­ces­sit, co­gna­tis aut, si non sint, le­gio­ni is­ta sint vin­di­can­da. 8Hi au­tem om­nes, quo­rum tes­ta­men­ta ir­ri­ta dam­na­tio­ne fie­ri di­xi­mus, si pro­vo­ca­ve­rint, ca­pi­te non mi­nuun­tur at­que id­eo ne­que tes­ta­men­ta quae ant­ea fe­ce­runt in­ri­ta fient et tunc tes­ta­ri pot­erunt: hoc enim sae­pis­si­me est con­sti­tu­tum nec vi­de­bun­tur qua­si de sta­tu suo du­bi­tan­tes non ha­be­re tes­ta­men­ti fac­tio­nem: sunt enim cer­ti sta­tus nec ip­si de se in­ter­im in­cer­ti. 9Quid ta­men si ap­pel­la­tio­nem eius prae­ses non re­ce­pit, sed im­pe­ra­to­ri scri­ben­do poe­nam remo­ra­tus est? pu­to hunc quo­que suum sta­tum in­ter­im re­ti­ne­re nec tes­ta­men­tum ir­ri­tum fie­ri: nam, ut est ora­tio­ne di­vi Mar­ci ex­pres­sum, tam­et­si pro­vo­can­tis vel eius pro quo pro­vo­ca­tur ap­pel­la­tio non fue­rit re­cep­ta, poe­na ta­men sus­ti­nen­da est, quo­ad prin­ceps re­scrip­se­rit ad lit­te­ras prae­si­dis et li­bel­lum rei cum lit­te­ris mis­sum, ni­si for­te la­tro ma­ni­fes­tus vel sed­itio prae­rup­ta fac­tio­que cruen­ta vel alia ius­ta cau­sa, quam mox prae­ses lit­te­ris ex­cu­sa­bit, mo­ram non re­ci­piant, non poe­nae fes­ti­na­tio­ne, sed prae­ve­nien­di pe­ri­cu­li cau­sa: tunc enim pu­ni­re per­mit­ti­tur, de­in­de scri­be­re. 10Quid si quis fue­rit dam­na­tus il­li­ci­te poe­na non sump­ta, an tes­ta­men­tum eius ir­ri­tum fiat, vi­dea­mus: ut pu­ta de­cu­rio ad bes­tias an ca­pi­te mi­nua­tur tes­ta­men­tum­que eius ir­ri­tum fiat? et non pu­to cum sen­ten­tia eum non te­nue­rit. er­go et si quis eum, qui non erat iu­ris­dic­tio­nis suae, dam­na­ve­rit, tes­ta­men­tum eius non erit ir­ri­tum, quem­ad­mo­dum est con­sti­tu­tum. 11Sed ne eo­rum qui­dem tes­ta­men­ta ra­ta sunt, sed ir­ri­ta fient, quo­rum me­mo­ria post mor­tem dam­na­ta est, ut pu­ta ex cau­sa ma­ies­ta­tis, vel ex alia ta­li cau­sa. 12Qua­te­nus ta­men di­xi­mus ab hos­ti­bus cap­ti tes­ta­men­tum ir­ri­tum fie­ri, ad­icien­dum est post­li­mi­nio re­ver­si vi­res suas re­ci­pe­re iu­re post­li­mi­nii aut, si ibi de­ce­dat, le­ge Cor­ne­lia con­fir­ma­ri. er­go et si quis dam­na­tus ca­pi­te in in­te­grum in­dul­gen­tia prin­ci­pis sit re­sti­tu­tus, tes­ta­men­tum eius con­va­les­cet. 13Fi­lii fa­mi­lias ve­te­r­a­ni sui iu­ris mor­te pa­tris fac­ti tes­ta­men­tum ir­ri­tum non fie­ri con­stat: nam quan­tum ad tes­tan­dum de cas­tren­si pe­cu­lio pro pa­tre fa­mi­lias ha­ben­dus est, et id­eo nec em­an­ci­pa­tio­ne ir­ri­tum fie­ri mi­li­tis vel ve­te­r­a­ni tes­ta­men­tum ve­rum est.

6Idem lib. X. ad Sabin. Jemand starb mit Hinterlassung eines enterbten Sohnes und einer schwangeren Schwiegertochter. Er hatte einen Fremden bedingt zum Erben eingesetzt; während die Bedingung nach des Vaters Tode noch schwebte, oder der eingesetzte Erbe über die Antretung der Erbschaft noch deliberirte, starb der enterbte Sohn. Der Enkel [des Erblassers] war bereits geboren. [Nun fragt sichs,] ob dieser das Testament umstösst? Wir werden annehmen, das Testament werde nicht umgestossen, indem der Grossvater nicht nöthig hatte, einen solchen Enkel, welchem sein Vater voranging, zu enterben. Hat freilich der eingesetzte Erbe die Erbschaft ausgeschlagen, so wird ohne allen Zweifel [dieser Enkel] seines Grossvaters [gesetzlicher] Erbe werden. Beides hat seine eigenthümlichen Weisen. Denn durch Angeburt stösst der [Enkel] ein Testament um, welchem zur Todeszeit [seines Grossvaters] Niemand voranging. Ohne Testament (ab intestato) aber wird der Erbe88Flor. cui ante eum alii etc. Hal. ante quem alii. Brencmann cum ante eum alii., vor welchem keinem Andern die Erbschaft angetragen war. Dass aber [hier] dem Sohne die Erbschaft nicht angefallen war, ergibt sich daraus, dass er, während der eingesetzte Erbe deliberirte, starb. Aber dies verhält sich nur dann so, wenn der Enkel zur Todeszeit des Grossvaters schon empfangen war. War dies übrigens erst nachher der Fall, so soll dieser, wie Marcellus schreibt, weder als natürlicher Erbe, oder als Enkel, noch als Blutsverwandter zur Erbschaft oder dem Nachlassbesitz gelassen werden. 1War aber der Vater des Kindes, welches zur Todeszeit des Grossvaters noch im Mutterleibe war, in feindlicher Haft, so wird dieser Enkel, wenn sein Vater in diesem Verhältnisse starb, nach dem Tode des Grossvaters durch Nachrücken [in die Stelle seines Vaters] das Testament umstossen, weil ihm die oben beschriebene Person (sein Vater) nicht im Wege steht. Denn man nimmt von diesem, da er in einer solchen Lage starb, an, er wäre gar nicht mehr auf der Welt gewesen, obgleich ein Gefangener, durch seine Rückkehr, das Testament seines Vaters, als nicht zu Recht gemacht vernichtet, wenn er in demselben übergangen worden war. 2Ein Enkel, mag er nun im [Römischen] Staate oder in feindlicher Gefangenschaft empfangen worden sein, stösst immer durch sein Nachrücken [in die Stelle seines Vaters] das Testament um, weil ja auch der Embryo die Wohlthat des Heimkehrrechtes (postliminium) geniesst. 3Es stossen daher die [natürlichen] Eigenerben [das Testament] durch Nachrücken nicht um, mögen sie nun in dem Grade, welchem die Erbschaft angetragen wird (versteht sich, muss dieser Grad gültig sein), zu Erben eingesetzt, oder enterbt worden sein. 4Hörten aber die vorangehenden Eltern, auf was immer für eine Art, sei es durch Gefangenschaft, oder Tod, oder zur Strafe, auf, in der Gewalt [des Erblassers] zu sein, so werden ihre Kinder, wenn sie zu Erben eingesetzt oder enterbt wurden, das Testament durch ihr Nachrücken nicht umstossen. 5Ungültig wird ein Testament, so oft dem Erblasser selbst [ein Unglück] zustösst, wie wenn er das Bürgerrecht verliert durch Sclavwerden, z. B. als feindlicher Gefangener, oder wenn er als ein Mensch, der schon fünfundzwanzig Jahre alt ist, sich verkaufen liess, um Sachführer99Cujac. bemerkt, dies wäre die einzige Stelle, welche sage, dass Jemand, der, um Actor eines Andern zu werden, sich verkaufen liess, Sclav werde. Brencmann sagt die Worte ad actum gerendum wären in der Florentine eingeklammert. Andere lassen sie ganz weg. zu werden, oder einen Theil an dem Kaufpreis zu erhalten. 6Wenn aber auch Jemand zum Tode, oder [zum Kampf mit] den Thieren, oder zum Schwertkampf, oder zu einer andern Todesstrafe verurtheilt wurde, so wird [dadurch] sein Testament ungültig werden, und [zwar tritt diese Ungültigkeit] nicht erst zur Zeit der Urtheilsvollziehung, sondern von da an ein, wo der richterliche Ausspruch erfolgte; denn [ein solcher Mensch] wird Sclav durch die Bestrafung; wenn er nicht etwa ein Soldat war, der aus einem Militärverbrechen verurtheilt wurde. Denn dieser erhält gewöhnlich, nach einem Rescripte des höchstseligen Hadrianus, die Erlaubniss, ein Testament machen zu dürfen; und, wie ich glaube, wird er ein Soldatentestament errichten. Auf welche Weise wird ihm nun aber eine Testamentserrichtung erlaubt? etwa so, dass in Folge dieser Erlaubniss sein schon früherhin gemachtes Testament gilt? oder aber dass das durch die Strafe ungültig gewordene Testament von Neuem errichtet werden muss? Wenn er nach Soldatenrecht zu testiren hat, so darf es keinem Zweifel unterliegen, dass ein Testament, dessen Gültigkeit er wünschte, so angesehen wird, als habe er es [erst] errichtet1010Statt fecisse mit Best refecisse lesen zu wollen, ist unnöthig.. 7Das Testament eines Verwiesenen (Deportirten) wird nicht sogleich ungültig werden, sondern [erst dann], wenn der Kaiser diese [richterliche] Handlung billigte; denn alsdann hat er auch sein bürgerliches Standesrecht verloren. Wenn aber auch der Statthalter einstweilen entschied, man müsse über die Bestrafung eines Decurio, oder eines Sohnes, oder Enkels von ihm an den Kaiser berichten, so werden, nach meinem Dafürhalten, solche Personen nicht sogleich Sclaven durch die verfügte Strafe, obgleich sie, der sorgfältigeren Bewachung wegen, in das Gefängniss gethan zu werden pflegen. Und das Testament eines solchen Menschen wird nicht eher ungültig werden, als bis der Kaiser über seine Bestrafung ein Rescript erliess. Erfolgte aber sein Tod [vor dem Rescripte], so soll sein Testament volle Gültigkeit haben, wenn er [anders] nicht selbst sich das Leben nahm. Denn die Testamente derer, die, ihres Verbrechens sich bewusst, lieber sterben, als verurtheilt sein wollen, erklären die [kaiserlichen] Constitutionen für ungültig, obgleich [diese Leute] im Staate [als Bürger] sterben. Wenn aber Jemand aus Lebensüberdruss, oder weil sein krankhafter Zustand ihm unerträglich ist, oder, wie einige Philosophen es thaten, um sich dadurch zu zeigen, sich das Leben nahm1111Die Worte: mortem sibi consciverunt fehlen in der Florent., so sollen die Testamente solcher Personen dadurch nicht ungültig werden. Diesen Unterschied nahm der höchstselige Hadrian auch bei einem Soldatentestamente an, wie dies sein Brief an den Pomponius Falko zeigt, so dass, wenn der Soldat sich eines Soldatenverbrechens bewusst, einen freiwilligen Tod vorzog, sein Testament ungültig werden, entleibte er sich aber selbst aus Lebensüberdruss oder Schmerz, dieses [Testament] gültig bleiben solle. Starb er ohne ein Testament gemacht zu haben, so fällt seinen Verwandten, hat er keine Verwandten, der Legion sein Vermögen eigenthümlich zu. 8Aber alle die, von welchen wir sagten, dass ihre Testamente durch [erfolgte] Verurtheilung ungültig würden, verlieren ihre bürgerlichen Standesrechte nicht, wenn sie [gegen das Urtheil] sich beriefen, und es werden daher ihre schon früher errichteten Testamente nicht ungültig werden, ja sie werden auch [während dieser Zeit] testiren können. [Denn darüber sind viele Constitutionen vorhanden,] und sie werden auch nicht als Leute angesehen werden, die, indem sie über ihren [bürgerlichen] Zustand, im Zweifel leben, testamentsunfähig sind; denn sie sind über ihren Zustand ebenso wie inzwischen über sich selbst in Gewissheit. 9Wie ist es aber dann, wenn der Statthalter die Berufung eines solchen Menschen nicht annahm, sondern durch sein Berichten an den Kaiser die Strafe verzögerte? Wie ich glaube, soll auch ein solcher [Mensch] inzwischen seinen Zustand beibehalten, und sein Testament nicht ungültig werden. Denn es soll, wie der höchstselige Marcus in einer Rede sich ausdrückte, die Strafe, wenn auch die Appellation des sich berufenden Verurtheilten, oder dessen, für welchen appellirt wird, nicht angenommen wurde, doch so lange aufgeschoben werden, bis der Kaiser auf das Schreiben des Statthalters rescribirte, und die Appellationsschrift mit dem Schreiben [des Statthalters] zurücksandte; es müsste sich denn um einen offenbaren Räuber handeln, oder einen losgebrochenen Aufruhr, oder blutige Spaltungen, oder sonst eine gerechte Ursache, worüber sich aber bald der Statthalter schriftlich entschuldigt, vorliegen; denn dies Alles leidet keinen Aufschub, nicht etwa als ob man die Strafvollziehung nicht erwarten könnte, sondern um dadurch grösserem Unheil zuvorzukommen. Unter solchen Umständen ist es dem [Richter] erlaubt zu bestrafen, und erst nachher darüber zu berichten. 10Wie ist es aber dann, wenn Jemand zwar widerrechtlich verurtheilt, die Strafe aber nicht vollzogen wurde? Lasst uns nun sehen, ob das Testament eines solchen Menschen ungültig sei? Es wurde z. B. ein Decurio zum [Kampfe mit den] Thieren verurtheilt. Verliert er hierdurch seinen Rechtsstand, und wird sein Testament ungültig? Ich bin nicht dieser Meinung, weil das Urtheil gegen ihn ohne Wirkung war. Wenn daher ein Beamter Jemanden, der nicht seiner Gerichtsbarkeit unterworfen war, verurtheilte, so wird dessen Testament dadurch nicht ungültig werden, wie dies die Verordnungen aussprechen. 11Es sind aber die Testamente derer nicht gültig, sondern ungültig, deren Andenken nach ihrem Tode verflucht wurde, wie wenn sie Hochverräther oder sonst Verbrecher der Art waren1212Z. B. repetundarum.. 12Ad Dig. 28,3,6,12Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 563, Note 7.Insofern wir jedoch sagten, das Testament eines Menschen, der in feindlicher Gefangenschaft ist, werde ungültig, so ist diesem noch hinzuzufügen, dass wenn dieser wieder in sein Vaterland zurückkehrte, sein Testament nach dem Heimkehrrechte (postliminium) wieder Gültigkeit erhalte, oder nach dem Cornelischen Gesetze bestätigt werde, wenn er daselbst (in feindlicher Gefangenschaft) stirbt. Es wird daher auch das Testament dessen wieder Kräfte erhalten, der, zum Tode verurtheilt, durch die Gnade des Kaisers wieder in den vorigen Zustand eingesetzt wurde. 13Wenn ein altgedienter Haussohn durch den Tod seines Vaters sein eigener Herr wurde, so wird bekanntlich dadurch sein [bereits errichtetes] Testament nicht ungültig. Denn in Bezug einer Erbernennung auf sein castrensisches Sondergut muss er wie ein Hausvater angesehen werden. Und deshalb ist es wahr, dass durch die Freilassung das Testament eines Soldaten oder Altgedienten nicht ungültig werde.

7Ul­pia­nus li­bro de­ci­mo ad Sa­binum. Si mi­les iu­re ci­vi­li tes­ta­men­tum fe­ce­rit et pri­mo gra­du he­redem eum scrip­se­rit quem iu­re mi­li­ta­ri pot­erat, se­cun­do eum quem com­mu­ni iu­re pot­est, et post an­num mis­sio­nis de­ces­se­rit, pri­mus gra­dus ir­ri­tus fiet et a se­cun­do in­ci­piet tes­ta­men­tum.

7Ulp. lib. X. ad Sabin. Wenn ein Soldat nach dem bürgerlichen Rechte ein Testament machte und Jemanden, den er nur nach dem Rechte der Soldaten zum Erben machen konnte1313Vergl. Fr. 13. §. 2. D. de test. milit. 29. 2., einsetzte, diesem aber Jemanden substituirte, der auch nach dem allgemeinen Rechte Erbe sein kann, und ein Jahr nach seiner Entlassung starb, so wird die erste Einsetzung ungültig sein, und das Testament mit der Substitution anfangen.

8Idem li­bro un­de­ci­mo ad Sa­binum. Ve­rum est ad­op­tio­ne vel ad­ro­ga­tio­ne fi­lii fi­liae­ve tes­ta­men­tum rum­pi, quon­iam sui he­redis ad­gna­tio­ne so­let rum­pi. 1Fi­lia cum em­an­ci­pa­tur vel ne­pos, quia una man­ci­pa­tio­ne ex­eunt de po­tes­ta­te, tes­ta­men­tum non rum­punt.

8Idem lib. XI. ad Sabin. Es ist wahr, dass durch die Adoption oder Adrogation eines Sohnes, oder einer Tochter das Testament umgestossen wird, weil es durch die Geburt eines eigenen Erben umgestossen zu werden pflegt. 1Wird eine Tochter, oder ein Enkel emancipirt, so stossen diese [durch ihre Uebergehung] das Testament nicht um1414Manche Ausgaben haben die Negation nicht., weil sie durch eine einmalige1515Gajus II. 141. Schulting jurispr. antej. p. 646. N. 6. Emancipation aus der väterlichen Gewalt heraustreten.

9Pau­lus li­bro se­cun­do ad Sa­binum. Si pa­ter ab hos­ti­bus ca­pia­tur fi­lio ma­nen­te in ci­vi­ta­te, re­ver­so eo non rum­pi­tur tes­ta­men­tum:

9Paul. lib. II. ad Sabin. Wenn ein Vater in feindliche Gefangenschaft geräth, der Sohn aber im Staate verbleibt, so wird durch die Rückkehr des Vaters das Testament desselben1616Dass hier der Sohn nicht Testator sein könne, beweist schon Azo damit, weil der Sohn als incertus sui status nicht habe während der väterlichen Gefangenschaft testiren können. nicht umgestossen.

10Idem li­bro pri­mo ad Vi­tel­lium. sed nec fi­lius post­li­mi­nio red­iens rum­pit pa­tris tes­ta­men­tum, ut Sa­b­inus ex­is­ti­ma­vit.

10Idem lib. I. ad Vitell. Es stösst aber auch ein Sohn, der nach dem Heimkehrrechte zurückkehrt, das Testament seines Vaters nicht um, wie Sabinus der Meinung war.

11Ul­pia­nus li­bro qua­dra­ge­si­mo sex­to ad edic­tum. Si bi­nae ta­bu­lae pro­fe­ran­tur di­ver­sis tem­po­ri­bus fac­tae, unae prius, alia11Die Großausgabe liest aliae statt alia. post­ea, utrae­que ta­men sep­tem tes­tium sig­nis sig­na­tae, et aper­tae pos­te­rio­res va­cuae in­ven­tae sint, id est ni­hil scrip­tum ha­ben­tes om­ni­no, su­pe­rius tes­ta­men­tum non est rup­tum, quia se­quens nul­lum est.

11Ulp. lib. XLVI. ad Ed. Wenn zwei Testamente vorgebracht werden, die zu verschiedenen Zeiten, das eine früher, das andere später, gemacht, beide jedoch mit den Siegeln von sieben Zeugen besiegelt waren, und das letztere Testament bei seiner Eröffnung inhaltslos befunden wurde, d. i. gar nichts geschrieben enthielt, so ist das frühere Testament nicht umgestossen, weil das spätere gar kein Testament ist.

12Idem li­bro quar­to dis­pu­ta­tio­num. Pos­tu­mus prae­ter­itus vi­vo tes­ta­to­re na­tus de­ces­sit: li­cet iu­ris scru­pu­lo­si­ta­te ni­mia­que sup­ti­li­ta­te tes­ta­men­tum rup­tum vi­dea­tur, at­ta­men, si sig­na­tum fue­rit tes­ta­men­tum, bo­no­rum pos­ses­sio­nem se­cun­dum ta­bu­las ac­ci­pe­re he­res scrip­tus pot­est rem­que op­ti­ne­bit, ut et di­vus Ha­d­ria­nus et im­pe­ra­tor nos­ter re­scrip­se­runt, id­cir­co­que le­ga­ta­rii et fi­dei­com­mis­sa­rii ha­be­bunt ea, quae si­bi re­lic­ta sint, se­cu­ri. idem et cir­ca in­ius­tum et ir­ri­tum tes­ta­men­tum erit di­cen­dum, si bo­no­rum pos­ses­sio da­ta fue­rit ei, qui rem ab in­tes­ta­to au­fer­re pos­sit. 1Si pa­ga­nus, qui ha­be­bat iam fac­tum tes­ta­men­tum, aliud fe­cis­set et in eo com­pre­hen­dis­set fi­dei he­redis com­mit­te­re, ut prio­res ta­bu­lae va­le­rent, om­ni­mo­do prius tes­ta­men­tum rup­tum est: quo rup­to pot­est quae­ri, an vi­ce co­di­cil­lo­rum id va­le­re de­be­ret. et cum haec ver­ba sint fi­dei­com­mis­si, et si­ne du­bio uni­ver­sa, quae il­lic scrip­ta sunt, in cau­sa fi­dei­com­mis­si erunt, non so­lum le­ga­ta et fi­dei­com­mis­sa, sed et li­ber­ta­tes et he­redis in­sti­tu­tio.

12Idem lib. IV. Disp. Ad Dig. 28,3,12 pr.Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 563, Note 7.Ein übergangenes Afterkind wurde [noch] bei Lebzeiten des Erblassers geboren, und starb [sodann]. Obgleich nun nach der Schroffheit und allzugrossen Feinheit des Rechts das Testament umgestossen scheint, so soll doch nach der Verfügung des höchstseligen Hadrianus und unseres Kaisers der eingesetzte Erbe, wenn [nur] das Testament besiegelt war, den Nachlassbesitz und die [Erbschafts-]Sache erhalten können. Und so werden denn die Vermächtnissempfänger und fideicommissarischen Erben das, was ihnen hinterlassen wurde, ohne Sorgen erhalten. Eben dies wird man auch bei einem widerrechtlichen und ungültigen Testamente annehmen, wenn dem, welcher ohne vorhandenes Testament das Vermögen in Empfang nehmen könnte, der Nachlassbesitz ertheilt wurde. 1Ad Dig. 28,3,12,1Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 631, Note 3.Wenn Jemand (kein Soldat), der schon ein Testament [gemacht] hatte, [noch] ein anderes machte, und darin sich äusserte, er vertraue es der Gewissenhaftigkeit des Erben an, das frühere Testament bei Gültigkeit zu erhalten, so ist [doch] das frühere Testament durchaus umgestossen. Ist dies der Fall, so kann man fragen, ob es nicht [wenigstens] als Codicill gelten dürfe? Da die Worte der fideicommissarischen Bestimmung dies andeuten, so werden auch ohne Zweifel alle [in diesem Testamente enthaltenen Bestimmungen] als fideicommissarisch geschehen angesehen werden, und zwar nicht nur die Vermächtnisse und Fideicommisse [selbst], sondern auch die Freigebungen [der Sclaven] und die Erbeinsetzung.

13Gaius li­bro se­cun­do in­sti­tu­tio­num. Pos­tu­mo­rum lo­co sunt et hi, qui in sui he­redis lo­co suc­ce­den­do qua­si ad­gnas­cen­do fiunt pa­ren­ti­bus sui he­redes. ut ec­ce si fi­lium et ex eo ne­po­tem nep­tem­ve in po­tes­ta­te ha­beam, quia fi­lius gra­du prae­ce­dit, is so­lus iu­ra sui he­redis ha­bet, quam­vis ne­pos quo­que et nep­tis ex eo in ea­dem po­tes­ta­te sint: sed si fi­lius meus me vi­vo mo­rie­tur aut qua­li­bet ra­tio­ne ex­eat de po­tes­ta­te mea, in­ci­pit ne­pos nep­tis­ve in eius lo­co suc­ce­de­re et eo mo­do iu­ra suo­rum he­redum qua­si ad­gna­tio­ne nan­cis­cun­tur. ne er­go eo mo­do rum­pat mi­hi tes­ta­men­tum, sic­ut ip­sum fi­lium vel he­redem in­sti­tue­re vel ex­he­reda­re no­mi­na­tim de­beo, ne non iu­re fa­ciam tes­ta­men­tum, ita et ne­po­tem nep­tem­ve ex eo ne­ces­se est mi­hi vel he­redem in­sti­tue­re vel ex­he­reda­re, ne for­te me vi­vo fi­lio mor­tuo suc­ce­den­do in lo­cum eius ne­pos nep­tis­ve qua­si ad­gna­tio­ne rum­pat tes­ta­men­tum: id­que le­ge Iu­nia Vel­lea pro­vi­sum est.

13Gaj. lib. II. Instit. Zu den Nachgeborenen werden auch die gezählt, welche durch Nachrücken in die Stelle eines Eigenerben, gleichsam durch Agnation Eigenerben ihrer Gewalthaber werden, wie z. B. wenn ich einen Sohn und von diesem einen Enkel oder eine Enkelin in meiner Gewalt habe; weil nun der Sohn [dem Enkel] um einen Grad vorangeht, so hat dieser allein die Rechte eines Eigenerben, obgleich auch der Enkel und die Enkelin (Kinder dieses Sohnes) in derselben Gewalt (ihres Grossvaters) stehen. Stirbt aber der Sohn bei meinen Lebzeiten, oder tritt er auf irgend eine Weise aus meiner Gewalt heraus, so fängt nun der Enkel oder die Enkelin an, in dessen Stelle nachzurücken. Und auf diese Weise erhalten sie gleichsam durch Agnation die Rechte von Eigenerben. Damit mir nun eine solche Person nicht auf diese Weise mein Testament umstosse, so muss ich, um ein rechtliches Testament zu errichten, meinen Enkel oder meine Enkelin, ebenso wie ich dies bei meinem Sohn thun musste, entweder zu meinem Erben einsetzen, oder enterben, damit nicht etwa dieser Enkel oder die Enkelin, wenn mein Sohn bei meinen Lebzeiten starb, durch Nachrücken in dessen Stelle das Testament [gleichsam] durch Agnation umstossen. Dafür wurde durch das Velleische Gesetz gesorgt.

14Pau­lus li­bro sin­gu­la­ri de ad­sig­na­tio­ne li­ber­to­rum. Si ita fac­ta sit ex­he­reda­tio: ‘si fi­lius na­tus na­ta­ve sit, ex­he­res es­to’, utris­que na­tis non rum­pi­tur tes­ta­men­tum.

14Paul. lib. sing. de Adsign. libert. Wenn die Enterbung so geschah: wird mir ein Sohn oder eine Tochter1717Die Florent. liest: si filius natus natave. Brencmann schlägt vor zu lesen filius filia, was auch Aufnahme fand. geboren, so soll dies mein Kind enterbt sein; so wird durch die Geburt beider das Testament nicht1818Hal. streicht nicht ohne Beifall non weg. umgestossen.

15Ia­vo­le­nus li­bro quar­to epis­tu­la­rum. Qui uxo­rem prae­gna­tem ha­be­bat, in hos­tium po­tes­ta­tem per­ve­nit: quae­ro, fi­lio na­to quo tem­po­re tes­ta­men­tum in ci­vi­ta­te fac­tum rum­pa­tur? et si fi­lius an­te mo­ria­tur quam pa­ter, an scrip­ti he­redes he­redi­ta­tem ha­bi­tu­ri sint? re­spon­di: non pu­to du­bium es­se, quin per le­gem Cor­ne­liam, quae de con­fir­man­dis eo­rum tes­ta­men­tis, qui in hos­tium po­tes­ta­te de­ces­sis­sent, la­ta est, na­to fi­lio con­ti­nuo eius tes­ta­men­tum, qui in hos­tium po­tes­ta­te sit, rum­pa­tur: se­qui­tur er­go, ut ex eo tes­ta­men­to he­redi­tas ad ne­mi­nem per­ve­niat.

15Javol. lib. IV. Epistol. Jemand, der eine schwangere Frau hatte, kam in feindliche Gefangenschaft. Nun frage ich, zu welcher Zeit durch die Geburt eines Sohnes das Testament, welches jener noch im Staate machte, umgestossen werde? und ob, wenn dieser Sohn noch vor seinem Vater stirbt, die eingesetzten Erben die Erbschaft erhalten werden? Meine Antwort: ich glaube es sei ausser Zweifel, dass durch das Cornelische Gesetz, welches über Bestätigung von Testamenten derer, welche in feindlicher Gefangenschaft starben, gegeben wurde, das Testament Jemandes, der in feindlicher Gefangenschaft starb, durch die Geburt seines [übergangenen] Sohnes sogleich umgestossen werde. Folglich gelangt nun die Erbschaft aus diesem Testamente an Niemanden.

16Pom­po­nius li­bro se­cun­do ad Quin­tum Mu­cium. Cum in se­cun­do tes­ta­men­to he­redem eum qui vi­vit in­sti­tui­mus si­ve pu­re si­ve sub con­di­cio­ne (si ta­men con­di­cio ex­is­te­re po­tuit, li­cet non ex­sti­te­rit), su­pe­rius tes­ta­men­tum erit rup­tum. mul­tum au­tem in­ter­est, qua­lis con­di­cio po­si­ta fue­rit: nam aut in prae­ter­itum con­cep­ta po­ni­tur aut in prae­sens aut in fu­tu­rum: in prae­ter­itum con­cep­ta po­ni­tur vel­uti ‘si Ti­tius con­sul fuit’: quae con­di­cio si ve­ra est, id est si Ti­tius con­sul fuit, ita est in­sti­tu­tus he­res, ut su­pe­rius tes­ta­men­tum rum­pa­tar11Die Großausgabe liest rum­pa­tur statt rum­pa­tar.: tum enim ex hoc he­res es­set. si ve­ro Ti­tius con­sul non fuit, su­pe­rius tes­ta­men­tum non est rup­tum. quod si ad prae­sens tem­pus con­di­cio ad­scrip­ta est he­rede in­sti­tu­to, vel­uti ‘si Ti­tius con­sul est’, eun­dem ex­itum ha­bet, ut, si sit, pos­sit he­res es­se et su­pe­rius tes­ta­men­tum rum­pa­tur, si non sit, nec pos­sit he­res es­se nec su­pe­rius tes­ta­men­tum rum­pa­tur. in fu­tu­rum au­tem col­la­tae con­di­cio­nes si pos­si­bi­les sunt, ex­is­te­re po­tue­runt, li­cet non ex­sti­te­rint, ef­fi­ciunt, ut su­pe­rius tes­ta­men­tum rum­pa­tur, et­iam­si non ex­ti­te­rint: si ve­ro im­pos­si­bi­les sunt, vel­uti ‘Ti­tius si digi­to cae­lum te­ti­ge­rit, he­res es­to’, pla­cet per­in­de es­se, qua­si con­di­cio ad­scrip­ta non sit, quae est im­pos­si­bi­lis.

16Ad Dig. 28,3,16Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. I, § 89, Note 2.Pomp. lib. II. ad Quint. Muc. Wenn wir in einem zweiten Testamente Jemanden, der am Leben ist, unbedingt oder bedingt zum Erben einsetzen, so wird dadurch das frühere Testament umgestossen werden, wenn auch die Bedingung nicht eintrat, nur muss sie möglich gewesen sein. Es kommt aber viel darauf an, wie die Bedingung selbst beschaffen war. Denn es kann eine Bedingung auf die Vergangenheit, oder Gegenwart, oder Zukunft gefasst vorliegen. Für die Vergangenheit gefasst, so wird eine Bedingung gesetzt: Wenn Titius Consul war. Ist nun diese Bedingung wahr, d. i. war Titius Consul, so ist diese Erbeinsetzung von der Art, das dadurch das frühere Testament umgestossen wird. Denn hier tritt aus diesem [zweiten] Testamente ein Erbe auf. War aber Titius nicht Consul, so ist das Testament nicht ungestossen. Wenn aber für die Gegenwart eine Bedingung der Erbeinsetzung hinzugefügt wurde, z. B. wenn Titius Consul ist, so hat dies dieselbe Wirkung, so dass, wenn er [Consul] ist, der eingesetzte Erbe sein kann, und das frühere Testament umgestossen wird; ist er es nicht, so wird auch das frühere Testament nicht umgestossen. Aber auf die Zukunft bezogene Bedingungen bewirken, wenn sie möglich sind, und werden eintreten können, Umstossung des früheren Testaments, wenn sie auch nicht eintraten. Sind [diese Bedingungen] aber unmöglich, z. B. Titius soll Erbe sein, wenn er mit seinem Finger den Himmel berührt haben wird, so wurde angenommen, dies sei ebenso, als ob die Bedingung, die [ja] unmöglich ist, [gar] nicht hinzugefügt worden wäre.

17Pa­pi­nia­nus li­bro quin­to re­spon­so­rum. Fi­lio prae­terito qui fuit in pa­tris po­tes­ta­te ne­que li­ber­ta­tes com­pe­tunt ne­que le­ga­ta prae­stan­tur, si prae­ter­itus fra­tri­bus par­tem he­redi­ta­tis avo­ca­vit: quod si bo­nis se pa­tris abs­ti­nuit, li­cet sup­ti­li­tas iu­ris re­fra­ga­ri vi­de­tur, at­ta­men vo­lun­tas tes­ta­to­ris ex bo­no et ae­quo tue­bi­tur.

17Papin. lib. V. Resp. Wurde ein Sohn übergangen, der in väterlicher Gewalt stand, so sind weder die Freigebungen wirksam, noch werden die Vermächtnisse geleistet, wenn dieser Uebergangene seinen Brüdern einen Theil der Erbschaft abforderte. Wenn er sich aber von dem väterlichen Vermögen lossagte, so wird doch der Wille des Erblassers nach der Ansicht der Vernunft und Billigkeit geschützt werden1919Tueri steht hier, wie öfter, in passiver Bedeutung; und gerade aus diesem Worte mit sucht Averan. nachzuweisen, dass das Testament jure praetorio geschützt werde, wogegen Cujac. behauptet, ex aequo et bono sustinebitur voluntas patris jure civili., obgleich die Feinheit des Rechts dagegen streitet.

18Scae­vo­la li­bro quin­to quaes­tio­num. Si qui he­res in­sti­tu­tus est a tes­ta­to­re ad­ro­ge­tur, pot­est di­ci sa­tis ei fac­tum, quia et an­te­quam ad­op­te­tur, in­sti­tu­tio in ex­tra­neo lo­cum ha­be­bat.

18Scaevola lib. V. Quaest. Wenn Jemand zum Erben eingesetzt war, und [nachmals] vom Erblasser adrogirt wird, so kann man annehmen, es wäre diesem zur Genüge geschehen, weil die Erbeinsetzung desselben, die vor seiner Adoptation geschah, wie bei einer dritten Person [geschehen], angehen soll.

19Idem li­bro sex­to quaes­tio­num. Si ego et Ti­tius in­sti­tu­ti si­mus et a no­bis pos­tu­mus ex­he­redatus sit, a sub­sti­tu­tis nos­tris non sit ex­he­redatus, Ti­tio de­func­to ne ego qui­dem ad­ire pot­ero: iam enim prop­ter in­sti­tu­ti per­so­nam, a quo pos­tu­mus ex­he­redatus est, in cu­ius lo­cum sub­sti­tu­tus vo­ca­tur, a quo pos­tu­mus ex­he­redatus non est, rup­tum est tes­ta­men­tum. 1Sed si ego et Ti­tius in­vi­cem sub­sti­tu­ti si­mus, quam­vis in par­tem sub­sti­tu­tio­nis ex­he­redatus non sit, mor­tuo vel re­pu­dian­te Ti­tio me pos­se ad­ire pu­to et ex as­se he­redem es­se. 2In pri­ma ta­men spe­cie et si vi­vat Ti­tius, ne­que ego si­ne il­lo ne­que ip­se si­ne me ad­ire pot­erit, quia in­cer­tum est, an ad­huc al­te­ro omit­ten­te rum­pa­tur tes­ta­men­tum: ita­que si­mul ad­ire pos­su­mus.

19Idem lib. VI. Quaest. Wenn wir, ich und Titius, zu Erben eingesetzt wurden, ein Nachkind aber, [zwar in unserer Reihe,] nicht aber in der der Substituten enterbt wurde, so werde auch ich nicht die Erbschaft antreten können, wenn Titius starb; denn wegen der Person des eingesetzten Erben, [der starb,] von wo aus das Nachkind enterbt wurde, wird das Testament umgestossen, da in seine Stelle der Substitut gerufen wird, von welchem aus der Nachgeborene nicht enterbt wurde. 1Wurden wir aber, ich und Titius, einander gegenseitig substituirt, so kann ich, wie ich glaube, wenn Titius stirbt, oder die Erbschaft ausschlägt, die Erbschaft antreten und Erbe des ganzen Vermögens sein, obgleich das Afterkind auf den Theil der Substitution nicht enterbt wurde. 2In dem ersten Falle jedoch wird, wenn auch Titius lebt, weder ich ohne ihn, noch er ohne mich [die Erbschaft] antreten können; weil es ungewiss ist, ob [nicht,] wenn der Eine die Erbschaft ausschlägt, das Testament umgestossen wird. Deshalb können wir [nur] zugleich antreten.

20Scae­vo­la li­bro ter­tio de­ci­mo di­ges­to­rum. Lu­cius Ti­tius in­te­gra men­te et va­le­tu­di­ne tes­ta­men­tum fe­cit uti opor­tet, post­ea cum in va­le­tu­di­nem ad­ver­sam in­ci­dis­set, men­te cap­tus ta­bu­las eas­dem in­ci­dit: quae­ro, an he­redes his ta­bu­lis in­sti­tu­ti ad­ire pos­sint he­redi­ta­tem. re­spon­dit se­cun­dum ea quae pro­po­ne­ren­tur non id­eo mi­nus ad­iri pos­se.

20Idem lib. XIII. Dig. Lucius Titius machte bei gutem Verstande und bei guter Gesundheit ein Testament, wie er es sollte; nachher als er in Krankheit verfiel und am Verstande litt, zerschnitt er die Testamentstafeln. Nun frage ich, ob die in diesem Testamente eingesetzten Erben die Erbschaft antreten können? Antwort: Nach dem Vorliegenden können sie nichts desto weniger, dieses Umstandes ungeachtet, antreten2020Flor. adiri..