Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 28 übersetzt von Hunger unter Redaction von Otto
Dig. XXVIII2,
De liberis et postumis heredibus instituendis vel exheredandis
Liber vicesimus octavus
II.

De liberis et postumis heredibus instituendis vel exheredandis

(Von der Erbeinsetzung oder Enterbung der Kinder und Nachgeborenen1.)

1Basil. Buch 35. Tit. (T. IV. p. 783—793.). Cujac. T. I. p. 1078—1103. (der Pariser Ausgabe.)

1Ul­pia­nus li­bro pri­mo ad Sa­binum. Quid sit no­mi­na­tim ex­he­re­da­ri, vi­dea­mus. no­men et prae­no­men et co­gno­men eius di­cen­dum est an suf­fi­cit vel unum ex his? et con­stat suf­fi­ce­re.

1Ulp. lib. I. ad Sabin. Wir wollen nun sehen, was es heisse: namentlich enterbt werden? Muss nun wohl der Name, Vorname und Zuname des zu Enterbenden ausgedrückt werden22Nach dicendum est muss wohl das Punctum wegfallen., oder reicht einer von diesen Namen zu? Bekannter Weise reicht einer zu.

2Idem li­bro sex­to re­gu­la­rum. No­mi­na­tim ex­he­redatus fi­lius et ita vi­de­tur ‘fi­lius meus ex­he­res es­to’, si nec no­men eius ex­pres­sum sit, si mo­do uni­cus sit: nam si plu­res sunt fi­lii, be­ni­gna in­ter­pre­ta­tio­ne po­tius a ple­ris­que re­spon­de­tur nul­lum ex­he­redatum es­se.

2Idem lib. VI. Regul. Namentlich enterbt ist auch ein Sohn auf diese Art: Mein Sohn soll enterbt sein, obgleich hier der Name des Sohnes nicht ausgedrückt ist, nur muss es der einzige Sohn sein. Denn sind mehrere Söhne vorhanden, so erachten Viele nach einer milderen Auslegung, dass gar keiner enterbt worden sei.

3Idem li­bro pri­mo ad Sa­binum. Et si pe­pe­rce­rit fi­lium di­ce­re, ex Se­ia au­tem na­tum di­xit, rec­te ex­he­redat: et si cum con­vi­cio di­xe­rit ‘non no­mi­nan­dus’ vel ‘non fi­lius meus’, ‘la­tro’, ‘gla­dia­tor’, ma­gis est, ut rec­te ex­he­redatus sit, et si ex ad­ul­te­ro na­tum di­xe­rit. 1Pu­re au­tem fi­lium ex­he­re­da­ri Iu­lia­nus pu­tat, qua sen­ten­tia uti­mur. 2Fi­lius in­ter me­dias quo­que he­redum in­sti­tu­tio­nes rec­te ex­he­reda­tur et erit a to­to gra­du sum­mo­tus, ni­si for­te ab unius per­so­na eum tes­ta­tor ex­he­reda­ve­rit: nam si hoc fe­cit, vi­tio­sa erit ex­he­reda­tio. quem­ad­mo­dum si ita eum ex­he­reda­ve­rit ‘quis­quis he­res mi­hi erit, fi­lius ex­he­res es­to’: nam, ut Iu­lia­nus scri­bit, hu­ius­mo­di ex­he­reda­tio vi­tio­sa est, quon­iam post ad­itam he­redi­ta­tem vo­luit eum sum­mo­tum, quod est in­po­s­si­bi­le. 3An­te he­redis in­sti­tu­tio­nem ex­he­redatus ab om­ni­bus gra­di­bus sum­mo­tus est. 4In­ter duos au­tem gra­dus ex­he­redatus ab utro­que re­mo­tus est se­cun­dum Scae­vo­lae sen­ten­tiam, quam pu­to ve­ram. 5In eo, qui mis­cuit duos gra­dus, ex­he­reda­tio­nem va­le­re Mau­ri­cia­nus rec­te pu­tat, vel­uti: ‘Pri­mus he­res es­to ex sem­is­se. si Pri­mus he­res non erit, Se­cun­dus ex sem­is­se he­res es­to. Ter­tius ex alio sem­is­se he­res es­to. fi­lius ex­he­res es­to. si Ter­tius he­res non erit, Quar­tus he­res es­to’: nam ab utro­que gra­du sum­mo­tus est. 6Si ita tes­ta­tus sit pa­ter fa­mi­lias, ut a pri­mo qui­dem gra­du fi­lium prae­ter­iret, a se­cun­do so­lo ex­he­reda­ret, Sa­b­inus et Cas­sius et Iu­lia­nus pu­tant per­emp­to pri­mo gra­du tes­ta­men­tum ab eo gra­du ex­or­dium ca­pe­re, un­de fi­lius ex­he­redatus est: quae sen­ten­tia com­pro­ba­ta est.

3Idem lib. I. ad Sabin. Hat der Erblasser aus Schonung seinen Sohn nicht genannt, sondern gesagt, der, welchen die Seja33Des Erblassers Frau; denn sonst wäre ja von einem extraneus die Rede, der nicht enterbt zu werden braucht, wie Accurs. bemerkt. gebar, soll enterbt sein, so ist die Enterbung gültig. Wenn auch der Erblasser eine beschimpfende Aeusserung hinzufügte, z. B. der verwünschte Mensch, oder: der, welchen ich nicht mehr als meinen Sohn anerkenne, der Räuber, Klopffechter, so soll doch dies für eine gültige Enterbung angesehen werden; ja sogar auch dann, wenn er [das zu enterbende Kind] ein Ehebruchskind44Ex adultero. Andere ex adulterio. heissen sollte. 1Ein Kind muss aber unbedingt enterbt werden. Dies ist die Meinung Julianus, die auch bei uns aufgenommen ist. 2Ad Dig. 28,2,3,2Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 554, Note 18.Ein Sohn wird auch mitten unter den Erbeinsetzungen gültig enterbt, und dadurch vom ganzen Grade ausgeschlossen sein, wenn nicht etwa der Erblasser ihn blos von einem der Eingesetzten aus enterbte. Wenn er nämlich dies that, so soll die Enterbung fehlerhaft sein; wie auch dann, wenn er so ihn enterbte: Wer auch mein Erbe55Die Flor. liest: quisquis mihi erit filius, exheres esto, Hal. und die Vulg. quisquis mihi erit heres, filius exheres esto. sein wird, so soll mein Sohn enterbt sein. Denn eine solche Enterbung ist nach Julianus fehlerhaft, weil der Erblasser sein Kind erst nach der Antretung der Erbschaft von derselben ausschliessen wollte, was doch unmöglich ist. 3Der, dessen Enterbung der Erbeinsetzung vorausgeht, ist von allen Graden [derselben] ausgeschlossen. 4Der aber, welcher zwischen zwei Graden enterbt wurde, ist nach der Meinung des Scävola, die ich auch für die wahre halte, von beiden Graden entfernt. 5Marcellus ist der Meinung, und zwar mit Recht, dass eine Enterbung gültig sei, bei welcher der Erblasser zwei Grade vermengte, wie z. B. A. soll Erbe sein auf die Hälfte. Wenn A. nicht Erbe sein wird, so soll B. auf die Hälfte Erbe sein. C. soll auf die andere Hälfte Erbe sein. Mein Sohn soll enterbt sein. Wenn C. nicht Erbe sein wird, soll D. Erbe sein. In diesem Falle ist ja der Sohn in Bezug auf die beiden Grade der Einsetzung ausgeschlossen. 6Wenn ein Hausvater bei seiner Erbernennung seinen Sohn vom ersten Grade [der Einsetzung aus] überging, und von dem zweiten aus [blos] enterbte, so soll, nach der Meinung des Sabinus und Cassius und Julianus, der erste Grad weggestrichen werden, und das Testament bei dem Grade seinen Anfang haben, von welchem aus der Sohn enterbt wurde. Diese Meinung hat auch bei uns Beifall erhalten.

4Idem li­bro ter­tio ad Sa­binum. Pla­cet om­nem mas­cu­lum pos­se pos­tu­mum he­redem scri­be­re, si­ve iam ma­ri­tus sit si­ve non­dum uxo­rem du­xe­rit: nam et ma­ri­tus re­pu­dia­re uxo­rem pot­est et qui non du­xit uxo­rem, post­ea ma­ri­tus ef­fi­ci. nam et cum ma­ri­tus pos­tu­mum he­redem scri­bit, non uti­que is so­lus pos­tu­mus scrip­tus vi­de­tur, qui ex ea quam ha­bet uxo­rem ei na­tus est, vel is qui tunc in ute­ro est, ve­rum is quo­que, qui ex qua­cum­que uxo­re nas­ca­tur:

4Idem lib. III. ad Sabin. Es findet die Meinung Statt (placet), dass jeder männliche Erblasser, er sei schon verheirathet oder nicht, sein Nachkind zum Erben einsetzen könne. Denn ein Ehemann kann sich ja von seiner Frau trennen, und wer noch nicht verheirathet ist, kann nachher noch in die Ehe treten. Wenn ein Ehemann einen Nachgebornen zum Erben einsetzt, so bezieht sich dies nicht ausschliesslich auf ein Kind, das von seiner gegenwärtigen Frau ihm geboren wurde, oder auf eines, das damals sich im Mutterleibe befand, sondern auf jedes Kind, das ihm noch geboren wird, ohne alle Rücksicht auf irgend eine bestimmte Frau.

5Ia­vo­le­nus li­bro pri­mo ex Cas­sio. id­eo­que qui pos­tu­mum he­redem in­sti­tuit si post tes­ta­men­tum fac­tum mu­ta­vit ma­tri­mo­nium, is in­sti­tu­tus vi­de­tur, qui ex pos­te­rio­re ma­tri­mo­nio na­tus est.

5Javol. lib. I. ex Cassio. Deshalb wird denn auch der als eingesetzter Erbe angesehen, welcher in einer späteren Ehe erzeugt wurde, [dies ist der Fall,] wenn der Erblasser seinen Nachgebornen einsetzte, und nach der Testamentserrichtung eine andere Ehe einging.

6Ul­pia­nus li­bro ter­tio ad Sa­binum. Sed est quae­si­tum, an is, qui ge­ne­ra­re fa­ci­le non pos­sit, pos­tu­mum he­redem fa­ce­re pos­sit, et scri­bit Cas­sius et Ia­vo­le­nus pos­se: nam et uxo­rem du­ce­re et ad­op­ta­re pot­est: spa­do­nem quo­que pos­se pos­tu­mum he­redem scri­be­re et La­beo et Cas­sius scri­bunt: quon­iam nec ae­tas nec ste­ri­li­tas ei rei im­pe­d­imen­to est. 1Sed si cas­tra­tus sit, Iu­lia­nus Pro­cu­li opi­nio­nem se­cu­tus non pu­tat pos­tu­mum he­redem pos­se in­sti­tue­re, quo iu­re uti­mur. 2Her­ma­phro­di­tus pla­ne, si in eo vi­ri­lia prae­va­le­bunt, pos­tu­mum he­redem in­sti­tue­re pot­erit.

6Ulp. lib. III. ad Sabin. Es entstand aber die Frage, ob Jemand, der nicht vollkommen zeugungsfähig ist, sein Nachkind zum Erben machen könne? Cassius und Javolenus bejahen dies. Auch ein Spado kann nach Cassius und Javolenus einen Nachgeborenen zu seinem Erben machen, weil hierin weder Alter noch Unfruchtbarkeit ein Hinderniss ist. 1Handelt sich’s aber von einem Verschnittenen, so stimmt Julianus dem Proculus darin bei, dass ein solcher seinen Nachgeborenen nicht zum Erben einsetzen könne; und dies ist bei uns ein aufgenommener Rechtssatz. 2Ein Zwitter kann sein Nachkind zum Erben einsetzen, wenn nur das männliche Geschlecht bei ihm das vorherrschende ist.

7Pau­lus li­bro pri­mo ad Sa­binum. Si fi­lius qui in po­tes­ta­te est prae­ter­itus sit et vi­vo pa­tre de­ce­dat, tes­ta­men­tum non va­let nec su­pe­rius rum­pe­tur, et eo iu­re uti­mur.

7Paul. lib. I. ad Sabin. Wurde ein Sohn, der in väterlicher Gewalt stand, übergangen, und stirbt noch bei Lebzeiten des Vaters66Vergl. Gajus II. §. 123., so ist das Testament ungültig, und ein früheres wird nicht dadurch aufgehoben; und dies ist bei uns ein aufgenommener Rechtssatz.

8Pom­po­nius li­bro pri­mo ad Sa­binum. Si Pri­mo he­rede in­sti­tu­to fi­lium ex­he­reda­ve­ro, a Se­cun­do au­tem sub­sti­tu­to non ex­he­reda­ve­ro et, dum pen­det, an prior ad­itu­rus sit, fi­lius de­ces­se­rit, se­cun­dum sen­ten­tiam qua uti­mur non erit Se­cun­dus he­res, qua­si ab in­itio in­uti­li­ter in­sti­tu­tus, cum ab eo fi­lius ex­he­redatus non sit. quod si in pos­tu­mo fi­lio idem ac­ci­de­rit, ut na­tus vi­vo pa­tre a quo ex­he­redatus sit mo­ria­tur, ea­dem di­cen­da erunt de sub­sti­tu­to, quon­iam cum est na­tus fi­lius, lo­co eius est, qui su­per­stes est.

8Pompon. lib. I. ad Sabin. Wenn ich in der ersten Reihe den A. zum Erben einsetzte und meinen Sohn enterbte, dann diesem den B. substituirte, ohne meinen Sohn auch hier zu enterben, und hierauf, ehe sich der eingesetzte Erbe über die Antretung der Erbschaft erklärte, mein Sohn starb, so soll nach der bei uns angenommenen Meinung77Julians. der Substitut nicht Erbe sein; gleich als ob seine Einsetzung schon vom Anfange an ungültig gewesen wäre, da in seiner Reihe der Sohn nicht enterbt worden war. Tritt nun bei einem nachgeborenen Sohne derselbe Fall ein, nämlich dass er bei Lebzeiten des Vaters88Cujac. will hier aus mehreren Gründen statt vivo patre lesen vivo primo. Diese Verwechselung sei entstanden durch einen Abschreiber, der die Abbreviatur pre mit der pro verwechselte. Ant. Faber (Rat.) hält die ganze Stelle für das Product eines unwissenden Interpreten., der ihn enterbte, stirbt, so findet in Bezug auf den Substituten dasselbe Statt, weil ein solches Kind nach seiner Geburt jedem anderen schon geborenen gleich geachtet wird.

9Pau­lus li­bro pri­mo ad Sa­binum. Si quis pos­tu­mos, quos per ae­ta­tem aut va­le­tu­di­nem ha­be­re for­te non pot­est, he­redes in­sti­tuit, su­pe­rius tes­ta­men­tum rum­pi­tur, quod na­tu­ra ma­gis in ho­mi­ne ge­ne­ran­di et con­sue­tu­do spec­tan­da est quam tem­po­ra­le vi­tium aut va­le­tu­do, prop­ter quam ab­du­ca­tur ho­mo a ge­ne­ran­di fa­cul­ta­te. 1Sed si ex ea, quae alii nup­ta sit, pos­tu­mum quis he­redem in­sti­tue­rit, ip­so iu­re non va­let, quod tur­pis sit in­sti­tu­tio. 2Si fi­lium ex­he­reda­ve­ro ne­po­tem­que ex eo prae­ter­ie­ro et alium he­redem in­sti­tue­ro et su­per­vi­xe­rit fi­lius post mor­tem meam, li­cet an­te ad­itam he­redi­ta­tem de­ces­se­rit, non ta­men ne­po­tem rup­tu­rum tes­ta­men­tum Iu­lia­nus et Pom­po­nius et Mar­cel­lus aiunt. di­ver­sum­que est, si in hos­tium po­tes­ta­te fi­lius sit et de­ces­se­rit in eo­dem sta­tu: rum­pit enim his ca­si­bus ne­pos tes­ta­men­tum, quod mo­rien­te avo fi­li ius pe­pe­n­de­rit, non abs­ci­sum ut su­pe­rio­re ca­su fue­rit. sed et si he­res in­sti­tu­tus omi­se­rit he­redi­ta­tem, erit le­gi­ti­mus he­res, quon­iam haec ver­ba ‘si in­tes­ta­to mo­ri­tur’ ad id tem­pus re­fe­run­tur, quo tes­ta­men­tum de­sti­tui­tur, non quo mo­ri­tur. 3Sed si ex ea, quam ne­fas sit du­ce­re, pos­tu­mum he­redem in­sti­tue­ro, non pu­tat rum­pi tes­ta­men­tum Pom­po­nius. 4Sed si per ad­op­tio­nem so­ro­rem fac­tam ha­beam, pot­ero pos­tu­mum ex ea he­redem in­sti­tue­re, quia ad­op­tio­ne so­lu­ta pos­sum eam du­ce­re uxo­rem.

9Paul. lib. I. ad Sabin. Wenn Jemand, der wegen Alter oder Krankheit nicht leicht mehr Kinder hoffen kann, bestimmt, seine Nachgeborenen sollten seine Erben werden, so wird [doch] hierdurch ein früheres Testament aufgehoben, weil man bei einem Menschen mehr auf dessen natürliche Beschaffenheit und das Gewöhnliche dieser Beziehung, als auf ein zeitiges Hinderniss und auf Krankheit Rücksicht nehmen muss, weswegen vielleicht Jemand in seiner Zeugungsfähigkeit gestört wurde. 1Wenn aber Jemand ein nachgeborenes Kind, das er erst mit eines Anderen Frau erzeugen würde, zum Erben machte, so ist die Ungültigkeit einer solchen Einsetzung als einer schändlichen Handlung unmittelbar im Rechte selbst begründet. 2Wenn ich meinen Sohn enterbte, meinen Enkel (dieses Sohnes Sohn) überging, einen Andern zum Erben einsetzte und mein Sohn mich überlebte, so soll, nach der Meinung des Julianus, Pomponius und Marcellus, dieser Enkel nicht das Testament entkräften, obgleich mein Sohn noch vor dem Antritte der Erbschaft starb. Anders verhält es sich, wenn der Sohn in feindlicher Gewalt sich befindet, und in dieser Lage verstirbt; denn hier stösst der Enkel das Testament um, weil zur Todeszeit des Grossvaters das Recht des Sohnes99Flor. filiius = fili ius = filii ius. nur aufgeschoben, nicht, wie im vorigen Falle, aufgehoben war. Wenn aber auch der eingesetzte Erbe die Erbschaft ablehnt, so wird dieser (Enkel) gesetzlicher Erbe sein, weil die Worte: wenn [der Erblasser] ohne ein Testament stirbt, auf die Zeit bezogen werden, wo das Testament entkräftet wird, nicht aber auf die Zeit seines Absterbens1010Flor. quod.. 3Setze ich ein nachgeborenes Kind, das ich aus einer verbotenen Ehe zu erhalten hoffe, zum Erben ein, so wird, nach Pomponius, ein bestehendes Testament dadurch nicht umgestossen. 4Wenn ich eine Adoptivschwester habe, so kann ich mein von ihr nachgeborenes Kind zum Erben einsetzen, weil diese nach auf gelöstem Adoptionsverhältnisse meine Frau werden kann.

10Pom­po­nius li­bro pri­mo ad Sa­binum. Com­mo­dis­si­me is qui non­dum na­tus est ita he­res in­sti­tui­tur: ‘si­ve vi­vo me si­ve mor­tuo na­tus fue­rit, he­res es­to’, aut et­iam pu­re ne­utrius tem­po­ris ha­bi­ta men­tio­ne. si al­ter­uter ca­sus omis­sus fue­rit, eo ca­su qui omis­sus sit na­tus rum­pit tes­ta­men­tum, quia hic fi­lius nec sub con­di­cio­ne qui­dem scrip­tus he­res in­tel­le­gi­tur, qui in hunc ca­sum nas­ci­tur, qui non est tes­ta­men­to ad­pre­hen­sus.

10Pompon. lib. I. ad Sabin. Die bequemste Art, einen, der noch nicht geboren ist, zum Erben einzusetzen, ist diese: dies Kind soll mein Erbe sein, mag es noch bei meinen Lebzeiten, oder nach meinem Tode geboren werden. Es kann dies aber auch unbedingt, ohne Berücksichtigung irgend eines Zeitpunctes geschehen. Wurde aber nur einer von diesen zwei möglichen Fällen erwähnt, so vernichtet die Geburt des Kindes1111S. C. 4. C. h. t. und Smallenburg (Bd. V. S. 17.) bei dem nicht erwähnten Falle das Testament, weil das Kind, welches in dem im Testamente nicht enthaltenen Falle geboren wird, auch nicht einmal als ein bedingt eingesetzter Erbe1212Die Conjectur statt heres zu lesen exheres fand wenige Beifall. angesehen wird.

11Pau­lus li­bro se­cun­do ad Sa­binum. In suis he­redi­bus evi­den­tius ap­pa­ret con­ti­nua­tio­nem do­mi­nii eo rem per­du­ce­re, ut nul­la vi­dea­tur he­redi­tas fuis­se, qua­si olim hi do­mi­ni es­sent, qui et­iam vi­vo pa­tre quo­dam­mo­do do­mi­ni ex­is­ti­man­tur. un­de et­iam fi­lius fa­mi­lias ap­pel­la­tur sic­ut pa­ter fa­mi­lias, so­la no­ta hac ad­iec­ta, per quam di­stin­gui­tur ge­ni­tor ab eo qui ge­ni­tus sit. ita­que post mor­tem pa­tris non he­redi­ta­tem per­ci­pe­re vi­den­tur, sed ma­gis li­be­ram bo­no­rum ad­mi­nis­tra­tio­nem con­se­quun­tur. hac ex cau­sa li­cet non sint he­redes in­sti­tu­ti, do­mi­ni sunt: nec ob­stat, quod li­cet eos ex­he­reda­re, quod et oc­ci­de­re li­ce­bat.

11Paul. lib. II. ad Sabin. Bei den Eigenerben (sui heredes) wird die Hinterlassenschaft des Erblassers nicht [erst] zu einer Erbschaft, dies aber ist eine deutliche Wirkung der Fortsetzung des Eigenthumes; denn die Personen, welche [doch] zu Lebzeiten des Vaters nur in gewissen Beziehungen für Eigenthümer galten, sieht man an, als wären sie schon damals Eigenthümer gewesen. Daher erklärt sich auch die Benennung Haussohn und Hausvater, denn das Abweichende [dieser Benennungen] wurde nur deshalb beigefügt, um einen Unterschied zu setzen zwischen dem Erzeuger und seinem Erzeugten. Deshalb gelangt denn nach dem Tode des Vaters im eigentlichen Sinne keine Erbschaft an diese Haussöhne, sondern sie erhalten vielmehr nur das freie Verwaltungsrecht ihres Vermögens. Aus diesem Grunde sind sie auch, obgleich sie nicht zu Erben ernannt werden, dennoch Eigenthümer des Vermögens und es steht nicht entgegen, dass man sie enterben darf; denn man durfte sie1313Flor. quod. Hal. quos. ja auch [früherhin] tödten.

12Ul­pia­nus li­bro no­no ad Sa­binum. Quod di­ci­tur fi­lium na­tum rum­pe­re tes­ta­men­tum, na­tum ac­ci­pe et si ex­sec­to ven­tre edi­tus sit: nam et hic rum­pit tes­ta­men­tum, sci­li­cet si nas­ca­tur in po­tes­ta­te. 1Quid ta­men, si non in­te­grum ani­mal edi­tum sit, cum spi­ri­tu ta­men, an ad­huc tes­ta­men­tum rum­pat? et ta­men rum­pit.

12Ulp. lib. IX. ad Sabin. Wenn es heisst, die Geburt eines Sohnes mache ein Testament ungültig, so muss man für ein geborenes Kind auch das halten, was aus dem Leibe seiner Mutter herausgeschnitten wurde; denn auch ein solches Kind macht ein Testament ungültig, jedoch nur dann, wenn es durch seine Geburt der Gewalt des Erblassers unterworfen wird. 1Wie nun, wenn es nicht als ein vollkommenes menschliches Wesen zur Welt kam, jedoch athmen konnte? hebt es auch so die Gültigkeit eines Testamentes auf? Auch so hebt es ein Testament auf.

13Iu­lia­nus li­bro vi­ce­si­mo no­no di­ges­to­rum. Si ita scrip­tum sit: ‘si fi­lius mi­hi na­tus fue­rit, ex bes­se he­res es­to: ex re­li­qua par­te uxor mea he­res es­to. si ve­ro fi­lia mi­hi na­ta fue­rit, ex trien­te he­res es­to: ex re­li­qua par­te uxor he­res es­to’, et fi­lius et fi­lia na­ti es­sent, di­cen­dum est as­sem dis­tri­buen­dum es­se in sep­tem par­tes, ut ex his fi­lius quat­tuor, uxor duas, fi­lia unam par­tem ha­beat: ita enim se­cun­dum vo­lun­ta­tem tes­tan­tis fi­lius al­te­ro tan­to am­plius ha­be­bit quam uxor, item uxor al­te­ro tan­to am­plius quam fi­lia: li­cet enim sup­ti­li iu­ris re­gu­lae con­ve­nie­bat rup­tum fie­ri tes­ta­men­tum, at­ta­men cum ex utro­que na­to tes­ta­tor vo­lue­rit uxo­rem ali­quid ha­be­re, id­eo ad hu­ius­mo­di sen­ten­tiam hu­ma­ni­ta­te sug­ge­ren­te de­cur­sum est, quod et­iam Iu­ven­tio Cel­so aper­tis­si­me pla­cuit. 1Re­gu­la est iu­ris ci­vi­lis, qua con­sti­tu­tum est he­redi­ta­tem ad­imi non pos­se: prop­ter quam li­ber et he­res es­se ius­sus, quam­vis do­mi­nus ad­eme­rit eo­dem tes­ta­men­to li­ber­ta­tem, ni­hi­lo mi­nus et li­ber­ta­tem et he­redi­ta­tem ha­be­bit. 2Tes­ta­men­tum, quod hoc mo­do scri­bi­tur: ‘Ti­tius post mor­tem fi­lii mei he­res es­to: fi­lius ex­he­res es­to’ nul­lius mo­men­ti est, quia fi­lius post mor­tem suam ex­he­redatus est: qua­re et con­tra ta­bu­las pa­ter­no­rum li­ber­to­rum hu­ius­mo­di fi­lius bo­no­rum pos­ses­sio­nem ac­ci­pe­re pot­erit.

13Julian. lib. XXIX. Dig. Wenn der Erblasser so schrieb: Wenn mir ein Sohn geboren werden wird, so soll dieser auf zwei Dritttheile meines Vermögens, meine Frau aber auf den übrigen Theil Erbe sein; wird mir aber eine Tochter geboren werden, so soll diese auf ein Dritttheil, auf das Uebrige aber meine Frau Erbe sein, und ihm nun ein Sohn und eine Tochter geboren wurden, so muss man das Ganze in sieben Theile theilen, so dass von diesen der Sohn vier, die Frau zwei und die Tochter einen Theil erhält. Denn auf diese Weise wird nach dem Willen des Erblassers der Sohn noch einmal soviel erhalten, als die Frau, und die Frau noch einmal soviel, als die Tochter1414Die Tochter erhält xDie Mutter — xxDer Sohn — xxxx7 x = dem Vermögen.. Denn obgleich nach den feinen Bestimmungen des Rechts ein solches Testament umgestossen werden sollte, so verfiel man doch aus rein vernünftigen Gründen auf die [genannte] Entscheidung, da ja doch nach dem Willen des Erblassers immer die Frau Etwas erhalten soll, mag ihm ein Sohn oder eine Tochter geboren werden. Auch Juventius Celsus stimmt hiermit vollkommen überein. 1Es gibt eine Vorschrift im Civilrechte, welche bestimmt, einem Sclaven könne man die Erbschaft1515Cujac. liest hier mit Anderen libertatem statt hereditatem. Seine Gründe sind höchst scharfsinnig. nicht nehmen, wegen welcher er frei und Erbe wurde. Deshalb soll er, wenn ihm auch sein Herr in demselben Testamente die Freiheit entzog, dennoch nichts desto weniger die Freiheit und die Erbschaft erhalten. 2Ein Testament, das so errichtet ist: Titius soll nach dem Tode meines Sohnes Erbe sein, mein Sohn soll enterbt sein, ist ohne Wirkung, weil hier der Sohn [erst für die Zeit] nach seinem Tode enterbt wurde, deshalb wird denn auch ein solcher Sohn den Nachlassbesitz gegen das Testament der Freigelassenen seines Vaters erhalten können1616Vergl. Vivianus zu dieser Stelle..

14Afri­ca­nus li­bro quar­to quaes­tio­num. Si pos­tu­mus a pri­mo gra­du ex­he­redatus, a se­cun­do prae­ter­itus sit, quam­vis eo tem­po­re nas­ca­tur, quo ad he­redes pri­mo gra­du scrip­tos per­ti­neat he­redi­tas, se­cun­dum ta­men gra­dum vi­tia­ri pla­cet ad hoc, ut prae­ter­mit­ten­ti­bus in­sti­tu­tis ip­se he­res ex­is­tat. im­mo et si de­func­to eo he­redes in­sti­tu­ti omi­se­rint he­redi­ta­tem, non pos­se sub­sti­tu­tos ad­ire. ita­que et si a pri­mo gra­du ex­he­redatus, a se­cun­do prae­ter­itus, a ter­tio ex­he­redatus sit et vi­ven­ti­bus pri­mis et de­li­be­ran­ti­bus de­ce­dat, quae­ri so­let omit­ten­ti­bus pri­mis ad­itio­nem utrum ad eos, qui ter­tio gra­du scrip­ti sint, an po­tius ad le­gi­ti­mos he­redes per­ti­neat he­redi­tas. quo et ip­so ca­su rec­tius ex­is­ti­ma­ri pu­ta­vit ad le­gi­ti­mos eam per­ti­ne­re: nam et cum duo­bus he­redi­bus in­sti­tu­tis et in sin­gu­lo­rum lo­cum fac­ta sub­sti­tu­tio­ne a pri­mis ex­he­redatus pos­tu­mus, a se­cun­dis prae­ter­itus fue­rit, si al­ter ex in­sti­tu­tis omi­se­rit, quam­vis pos­tu­mus ex­clu­da­tur, non ta­men ma­gis sub­sti­tu­tum ad­mit­ti. 1Quod vul­go di­ci­tur eum gra­dum, a quo fi­lius prae­ter­itus sit, non va­le­re, non us­que­qua­que ve­rum es­se ait: nam si pri­mo gra­du he­res in­sti­tu­tus sit fi­lius, non de­be­re eum a sub­sti­tu­tis ex­he­re­da­ri: id­eo­que si fi­lio et Ti­tio he­redi­bus in­sti­tu­tis Ti­tio Mae­vius sub­sti­tu­tus sit, omit­ten­te Ti­tio he­redi­ta­tem Mae­vium eam ad­ire pos­se, quam­vis fi­lius se­cun­do gra­du ex­he­redatus non sit. 2Si quis ita scrip­se­rit: ‘il­le, quem scio ex me na­tum non es­se, ex­he­res es­to’, hanc ex­he­reda­tio­nem ita nul­lius mo­men­ti es­se ait, si pro­be­tur ex eo na­tus: non enim vi­de­ri qua­si fi­lium ex­he­redatum es­se. cum elo­gium pa­ter, cum fi­lium ex­he­reda­ret, pro­pos­uis­set et ad­ie­cis­set prop­ter eam cau­sam ex­he­reda­re, pro­ba­tur­que pa­trem cir­ca cau­sam ex­he­reda­tio­nis er­ras­se.

14African. lib. IV. Quaest. Wenn ein Nachkind in der ersten Reihe der Erbeinsetzung enterbt, in der zweiten [Substitution] aber übergangen wurde, so soll, wenn auch die Geburt in die Zeit fällt, wo die Erbschaft noch den Erben der ersten Reihe zusteht, doch die Nacherbeinsetzung dadurch so fehlerhaft werden, dass, wenn die Ersteingesetzten nicht Erben werden wollen, das nachgeborene Kind [unmittelbar] Erbe wird. Ja, wenn auch erst nach seinem (des Nachkindes) Tode die eingesetzten Erben die Erbschaft ausschlugen, so können doch die Substituten nicht Erben werden. Wenn nun in der ersten Reihe der Erbeinsetzung ein nachgeborenes Kind enterbt, in der zweiten übergangen, in der dritten enterbt wurde und dann, während die Ersteingesetzten noch leben und bei sich überlegen, ob sie antreten sollen oder nicht, stirbt, so entsteht gewöhnlich die Frage, ob, wenn diese nun (die Ersteingesetzten) die Erbschaft nicht antreten wollen, den Erben dritter Reihe, oder vielmehr den gesetzlichen Erben die Erbschaft zustehe? Auch in diesem Falle ist die richtigere Meinung, dass die gesetzlichen Erben zur Erbschaft gelangen sollen. Denn wenn auch zwei zu Erben eingesetzt sind, Jedem davon ein Substitut gegeben, und ein nachgeborenes Kind in der ersten Reihe enterbt, in der zweiten übergangen wurde, so kann, wenn Einer von den eingesetzten Erben die Erbschaft ausschlug, dennoch der Substitute nicht Erbe werden, obgleich der Nachgeborene ausgeschlossen wird. 1Die gewöhnliche Ansicht, dass die Reihe der Erbeinsetzung, in welcher ein Sohn übergangen wurde, ungültig sei, ist nicht, [wie er sagt,] durchaus für wahr anzunehmen; denn wenn in der ersten Reihe der Sohn zum Erben eingesetzt wurde, so braucht er nicht in der Reihe der Substituten enterbt zu werden, wenn deshalb ein Sohn und Titius zu Erben eingesetzt wurde, dem Titius aber Mävius substituirt wurde, so kann Mävius die Erbschaft antreten, wenn Titius nicht Erbe wird, obgleich der Sohn in der zweiten Reihe nicht enterbt worden ist. 2Wenn der Erblasser so schrieb: der, von welchem ich weiss, dass er nicht mein Sohn ist, soll enterbt sein, so ist diese Enterbung dann ohne Gültigkeit, wenn es sich erweist, dass dies Kind sein (des Erblassers) Sohn ist; denn es ist für keine Enterbung eines Kindes auszulegen, wenn der Vater beim Vorsatze, sein Kind zu enterben, einen gehässigen Enterbungsgrund hinzufügte und nachher sich es erweist, dass er in Hinsicht des Grundes der Enterbung im Irrthume war.

15Ul­pia­nus li­bro pri­mo ad Sa­binum. Idem est et si ita di­xe­rit: ‘il­le il­lius fi­lius ex­he­res es­to’, pa­trem ei ad­ul­te­rum per er­ro­rem ad­sig­nans.

15Ulp. lib. I. ad Sabin. Ebenso verhält es sich, wenn der Erblasser sagte: Jener, der Sohn Jenes [Mannes] soll enterbt sein, indem der Vater hier aus Irrthum jenen Mann eines Ehebruchs beschuldigt.

16Afri­ca­nus li­bro quar­to quaes­tio­num. Si fi­lius he­res in­sti­tu­tus sit omis­so pos­tu­mo fi­lio­que sub­sti­tu­tus ne­pos ex eo sit, si in­ter­im mo­ria­tur fi­lius, pos­tu­mo non na­to ne­po­tem tam pa­tri quam avo suum he­redem fu­tu­rum. quod si ne­mo fi­lio sub­sti­tu­tus sit et so­lus ip­se in­sti­tu­tus sit, tunc quia eo tem­po­re, quo is mo­ria­tur, cer­tum es­se in­ci­pit ne­mi­nem ex eo tes­ta­men­to he­redem fo­re, ip­se fi­lius in­tes­ta­to pa­tri he­res ex­is­tet: sic­ut eve­ni­re so­let, cum sub ea con­di­cio­ne quae in ip­sius po­tes­ta­te erit, fi­lius he­res in­sti­tu­tus, prius quam ei pa­re­ret, mo­ria­tur.

16African. lib. IV. Quaest.1717Dieses schwierige Fragment hat viele Commentatoren gefunden. Smallenburg führt die besten nur mit Auslassung des Duarenus an, und empfiehlt besonders Averan. (inter. jur. L. V. c. 30. p. 301—309). Dieser schickt zum näheren Verständniss der Stelle drei Sätze voraus: 1) Weder der necessar. noch voluntar. heres wird vor dem Erbanfall Erbe. 2) Der Act des Sterbens wird noch ins Leben gerechnet. 3) Gibt es Intestativbedingungen, welche noch im letzten Lebensmoment erfüllt werden können, und solche, welche es nicht können. Von erster Art sind die in dando consistunt (si X. dederit), von letzterer die, welche in faciendo consistunt (si Alexandriam iter fecerit). Unter beiden kann ein suus eingesetzt werden. Geschah die Einsetzung unter einer Bedingung der ersten Art, die nach dem Tode desselben deficirt, so war er nie Erbe, weil bei seinem Leben die Bedingung nicht erfüllt wurde. Die Erbschaft kommt an seinen Substitut, hat er keinen, an die Intestaterben. Geschah die Einsetzung unter einer Bedingung der zweiten Art, die noch beim Leben des Aulus deficirt, weil sie im letzten Lebensmoment nicht mehr erfüllt werden kann, so ist dadurch das Testament destituirt. Es wird der suus durchaus Intestaterbe, ist ein Substitut da, so erwirbt dieser vivo adhuc filio die Erbschaft, weil der suus sie nicht mehr erhalten kann. Dieses vorausgeschickt, wäre die Gesetzstelle leicht. Sie enthalte zweierlei: a) Ein Vater hatte einen Sohn, einen Enkel und eine schwangere Frau, setzte den Sohn zum Erben ein, substituirte ihm den Enkel, überging den Posthumus. Der Sohn stirbt vor der Geburt des Posthumus. Der Enkel wird nun seines Vaters und Grossvaters Erbe, seines Vaters, weil er als der Nächste in dessen Gewalt stand, seines Grossvaters, weil sein Vater ihm destituto testam. nicht mehr im Weg steht. b) Mit Uebergehung eines Posthumus setzt der Vater seinen lebenden Sohn, ohne ihm zu substituiren, zum Erben ein. Der Sohn stirbt vor der Geburt des Posthumus. Der Sohn trägt sein Intestaterbfolgerecht hier auf den Enkel über. Zwischen beiden Fällen ist der Unterschied, dass im ersten der Substitut das Testament aufrecht erhält, der, wenn der Posthumus nicht geboren wird, aus der Substitution Erbe wird, weil der Sohn nicht Intestaterbe noch Testamentserbe werden konnte (durch die Geburt des Posthumus würde ja das Testament rumpirt werden, und Intestaterbfolge tritt erst nach Ausfallen der Testamente ein). Im zweiten Falle, wo weder ein Substitut noch Miterbe das Testament aufrecht erhält, muss dies nothwendig vernichtet werden, und zwar durch die Geburt des Posthumus rumpirt, ohne diese irritirt. Deshalb wird der Sohn in diesem Augenblicke gesetzlicher Erbe seines Vaters. — So ungefähr Averanius. Wenn ein Sohn mit Uebergehung eines Embryo zum Erben eingesetzt, und dem Sohne sein eigener Sohn substituirt wurde, so wird, wenn inzwischen der Sohn stirbt, und der Embryo nicht zur Welt kam1818Cujac. nimmt hier gegen die Meinung der übrigen Interpreten an, der Posthumus wäre jedoch nachmals geboren worden (Obs. III. 21), anders Duarenus (p. 483)., der Enkel sowohl seines Vaters, als Grossvaters Eigenerbe (suus heres) werden. Wurde aber dem Sohne Niemand substituirt und er selbst allein zum Erben eingesetzt, dann soll, weil es zur Zeit seines Todes gewiss wird, dass Niemand aus diesem Testament wird Erbe werden, der Sohn selbst [Enkel] seines Vaters (intestato) gesetzlicher Erbe sein, wie dies gewöhnlich der Fall ist, wenn der Sohn, der unter einer Bedingung, die zu erfüllen in seiner Gewalt ist, zum Erben eingesetzt wurde, und vor dem Eintritt derselben starb.

17Flo­ren­ti­nus li­bro de­ci­mo in­sti­tu­tio­num. Fi­lii et­iam hoc mo­do ex­he­redan­tur ‘fi­lius ex­he­res sit’: ‘fi­lius ex­he­res erit’.

17Florent. lib. X. Institut. Söhne werden auch auf diese Weise enterbt: mein Sohn sei enterbt; mein Sohn wird enterbt sein.

18Ul­pia­nus li­bro quin­qua­ge­si­mo sep­ti­mo ad edic­tum. Mul­ti non no­tae cau­sa ex­he­redant fi­lios nec ut eis ob­sint, sed ut eis con­su­lant, ut pu­ta im­pu­be­ri­bus, eis­que fi­dei­com­mis­sam he­redi­ta­tem dant.

18Ulp. lib. LVII. ad Ed. Manche Leute enterben ihre Söhne, nicht um sie damit zu beschimpfen, oder ihnen Schaden zuzufügen, sondern aus Fürsorge für dieselben, wie z. B. wenn man Unmündige enterbt und ihnen die Erbschaft fideicommissarisch (nach einer gewissen Zeit zu restituiren) hinterlässt.

19Pau­lus li­bro pri­mo ad Vi­tel­lium. Cum qui­dam fi­liam ex as­se he­redem scrip­sis­set fi­lio­que, quem in po­tes­ta­te ha­be­bat, de­cem le­gas­set, ad­ie­cit ‘et in ce­te­ra par­te ex­he­res mi­hi erit’, et quae­re­re­tur, an rec­te ex­he­redatus vi­de­re­tur, Scae­vo­la re­spon­dit non vi­de­ri, et in dis­pu­tan­do ad­icie­bat id­eo non va­le­re, quon­iam nec fun­di ex­he­res es­se ius­sus rec­te ex­he­reda­re­tur, aliam­que cau­sam es­se in­sti­tu­tio­nis, quae be­ni­gne ac­ci­pe­re­tur: ex­he­reda­tio­nes au­tem non es­sent ad­iu­van­dae.

19Paul. lib. I. ad Vitell. Jemand machte seine Tochter zur Erbin seines ganzen Vermögens, seinem ... Sohne aber, der noch in seiner Gewalt stand, vermachte er zehn ... und fügte hinzu: auf den übrigen Theil soll mein Sohn enterbt sein. Es fragte sich nun, ob diese Enterbung gültig wäre? Scävola beantwortete diese Frage verneinend, und fügte in der Auseinandersetzung derselben den Grund der Ungültigkeit hinzu, weil ja auch die Enterbung ungültig wäre, wenn Jemand in Bezug auf ein Grundstück enterbt wurde: denn ein anderes Verhältniss sei es bei einer Erbeinsetzung, die immer auf eine milde Weise erklärt werden müsse, Enterbungen aber müssen nie unterstützt werden.

20Mo­des­ti­nus li­bro se­cun­do pan­dec­ta­rum. Sub con­di­cio­ne fi­lius he­res in­sti­tu­tus si pen­den­te con­di­cio­ne ad­ro­gan­dum se de­dit, ne­ces­sa­rius he­res non erit.

20Modestin. lib. II. Pandect. Wurde ein Sohn unter einer Bedingung zum Erben eingesetzt, und liess sich dieser nun vor Erfüllung der Bedingung adrogiren, so wird er kein nothwendiger Erbe sein.

21Pom­po­nius li­bro se­cun­do ad Quin­tum Mu­cium. Si fi­lium no­mi­na­tim ex­he­reda­ve­ro et eum post­ea he­redem in­sti­tue­ro, he­res erit.

21Pompon. lib. II. ad Quint. Muc. Wenn ich meinen Sohn namentlich enterbte und ihn nachher zum Erben einsetzte, so wird er Erbe sein.

22Te­ren­tius Cle­mens li­bro sep­ti­mo de­ci­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Cum pos­tu­mus sub con­di­cio­ne in­sti­tui­tur, si prius quam nas­ca­tur con­di­cio ex­sti­te­rit, non rum­pi­tur tes­ta­men­tum pos­tu­mi ad­gna­tio­ne.

22Terent. Clem. lib. XVII. ad leg. Jul. et Pap. Wenn ein Nachgeborener zum Erben bedingt eingesetzt ward und noch vor seiner Geburt die Bedingung in Erfüllung ging, so wird durch diese Agnation des Nachkindes das Testament nicht vernichtet.

23Pa­pi­nia­nus li­bro duo­de­ci­mo quaes­tio­num. Fi­lio, quem pa­ter post em­an­ci­pa­tio­nem a se fac­tam ite­rum ad­ro­ga­vit, ex­he­reda­tio­nem ant­ea scrip­tam no­ce­re di­xi: nam in om­ni fe­re iu­re sic ob­ser­va­ri con­ve­nit, ut ve­ri pa­tris ad­op­ti­vus fi­lius num­quam in­tel­le­ga­tur, ne ima­gi­ne na­tu­rae ve­ri­tas ad­um­bre­tur, vi­de­li­cet quod non trans­la­tus, sed red­di­tus vi­de­re­tur: nec mul­tum pu­to re­fer­re, quod ad pro­pos­i­tum at­ti­net, quod lo­co ne­po­tis fi­lium ex­he­redatum pa­ter ad­ro­ga­vit. 1Si Ti­tius he­res in­sti­tu­tus lo­co ne­po­tis ad­op­te­tur, de­func­to post­ea fi­lio qui pa­ter vi­de­ba­tur, ne­po­tis suc­ces­sio­ne non rum­pi­tur tes­ta­men­tum ab eo, qui he­res in­ve­ni­tur.

23Papinian. lib. XII. Quaest. Wurde ein Sohn von seinem Vater enterbt, sodann aus der väterlichen Gewalt entlassen, und hierauf von demselben Vater adrogirt, so schadet ihm, wie ich sagte, die früher geschehene Enterbung. Denn beinahe durchgehends wird es im Rechte so gehalten, dass ein [leibliches] Kind nie für ein Adoptivkind seines leiblichen Vaters angesehen wird, damit nicht durch Nachbildung natürlicher Verhältnisse die Wahrheit selbst in Schatten gestellt werde; denn das adoptirte, leibliche Kind scheint durch diese Adoptionshandlung nicht erst in die Gewalt gekommen, sondern derselben nur wiedergegeben zu sein. Und ich finde, was den vorliegenden Fall anlangt, keinen grossen Unterschied darin, wenn auch der Vater seinen enterbten Sohn [nachher] an Enkels Stelle adrogirte. 1Wenn Titius zum Erben eingesetzt und dann an Enkels Stelle adoptirt wurde, so wird durch den nachmals erfolgten Tod des [leiblichen] Sohnes, der als Vater [des adoptirten Enkels angesehen wurde,] durch das Nachrücken des [adoptirten] Enkels das Testament von dem, der als Erbe erfunden wird, nicht umgestossen.

24Pau­lus li­bro no­no quaes­tio­num. Pos­tu­ma sub con­di­cio­ne he­res in­sti­tu­ta si pen­den­te con­di­cio­ne vi­vo pa­tre nas­ca­tur, rum­pit tes­ta­men­tum.

24Paul. lib. IX. Quaest. Eine nachgeborene Tochter wurde bedingt zur Erbin eingesetzt; wenn nun diese vor Erfüllung der Bedingung noch bei Lebzeiten des Vaters geboren wird, so ist dadurch das Testament umgestossen.

25Idem li­bro duo­de­ci­mo re­spon­so­rum. Ti­tius tes­ta­men­to he­redem in­sti­tuit et fi­lium ha­bens sic ex­he­reda­tio­nem po­suit: ‘ce­te­ri om­nes fi­lii fi­liae­que meae ex­he­redes sun­to’. Pau­lus re­spon­dit fi­lium rec­te ex­he­redatum vi­de­ri. post­ea con­sul­tus, an vi­dea­tur ex­he­redatus, quem pa­ter pu­ta­vit de­ces­sis­se, re­spon­dit fi­lios et fi­lias no­mi­na­tim ex­he­redatos pro­po­ni: de er­ro­re au­tem pa­tris, qui in­ter­ces­sis­se pro­po­ni­tur, apud iu­di­cem agi opor­te­re. 1Lu­cius Ti­tius cum su­pre­ma sua or­di­na­ret in ci­vi­ta­te et ha­be­ret nep­tem ex fi­lia prae­gna­tem ru­re agen­tem, scrip­sit id quod in ute­ro ha­be­ret ex par­te he­redem: quae­ro, cum ip­sa die, qua Ti­tius or­di­na­ret tes­ta­men­tum in ci­vi­ta­te ho­ra diei sex­ta, eo­dem die al­bes­cen­te cae­lo ru­re sit eni­xa Mae­via mas­cu­lum, an in­sti­tu­tio he­redis va­leat, cum, quo tem­po­re scri­be­re­tur tes­ta­men­tum, iam edi­tus es­set par­tus. Pau­lus re­spon­dit ver­ba qui­dem tes­ta­men­ti ad eum pro­ne­po­tem di­rec­ta vi­de­ri, qui post tes­ta­men­tum fac­tum nas­ce­re­tur: sed si, ut pro­po­ni­tur, ea­dem die qua tes­ta­men­tum fac­tum est nep­tis tes­ta­to­ris an­te­quam tes­ta­men­tum scri­be­re­tur eni­xa es­set, li­cet igno­ran­te tes­ta­to­re, ta­men in­sti­tu­tio­nem iu­re fac­tum vi­de­ri rec­te re­spon­de­ri.

25Idem lib. XII. Resp. Titius ernannte einen Testamentserben und stellte die Enterbung seines Sohnes, den er hatte, so: Alle meine übrigen Söhne und Töchter sollen enterbt sein. Paulus antwortete: der Sohn wäre auf die gehörige Weise enterbt. Als dieser nachmals um Rath befragt wurde: ob denn ein Sohn für enterbt angenommen würde, den der Vater für gestorben hielt? antwortete er: Söhne und Töchter müssten namentlich enterbt werden; über den vorliegenden Irrthum des Vaters aber dürfe man beim Richter eine Klage anbringen. 1Lucius Titius, der eine schwangere Enkelin (Tochterstochter) hatte, die aber auf dem Lande sich aufhielt, setzte in seiner letztwilligen Auordnung, die er in der Stadt machte, den Embryo derselben auf einen Theil zum Erben ein. Nun frage ich, ob, da gerade früh Morgens an dem Tage, an welchem Titius zur Mittagszeit1919Hora sexta diei. das Testament in der Stadt anordnete, die Mävia auf dem Lande einen Knaben gebar, die Erbeinsetzung gültig ist, indem zur Zeit der Testamentserrichtung der Embryo schon geboren war. Paulus antwortete: die Worte des Testaments scheinen zwar auf einen Urenkel gerichtet zu sein, der erst nach der Testamentserrichtung geboren würde, allein wenn [, wie vorliegt,] die Enkelin des Erblassers an demselben2020Quia quod fit uno eodemque die, discrimen ex tempore nullum capit, Cujac. v. Glück XXXIII. S. 415. Tage, an welchem das Testament gemacht wurde, vor Errichtung desselben, gebar, so könne doch rechtlich für die Gültigkeit der Erbeinsetzung gesprochen werden, obgleich dem Erblasser [die Niederkunft] unbekannt war.

26Pau­lus li­bro ter­tio sen­ten­tia­rum. Fi­lius fa­mi­lias si mi­li­tet, ut pa­ga­nus no­mi­na­tim a pa­tre aut he­res scri­bi aut ex­he­re­da­ri de­bet, iam sub­la­to edic­to di­vi Au­gus­ti, quo cau­tum fue­rat, ne pa­ter fi­lium mi­li­tem ex­he­redet.

26Paul. lib. III. Sent. Wenn ein Haussohn Soldat ist, so muss sein Vater ihn, wie einen Nichtsoldaten, namentlich zum Erben einsetzen oder enterben; indem das Edict des höchstseligen Augustus, worin angeordnet war, ein Vater dürfe seinen Sohn als Soldat nicht enterben, bereits aufgehoben ist2121S. Schult. jurispr. antej. p. 349..

27Idem li­bro ter­tio ad Ne­ra­tium. Pos­tu­mum ex qua­li­bet vi­dua na­tum si­bi fi­lium he­redem in­sti­tue­re pot­est.

27Idem lib. II. ad Nerat. Einen, von was immer für einer Frau2222D. i. mit welcher die Ehe erlaubt ist. geboren, nachgeborenen Sohn kann man sich zum Erben einsetzen.

28Try­pho­ni­nus li­bro vi­cen­si­mo dis­pu­ta­tio­num. Fi­lius a pa­tre, cu­ius in po­tes­ta­te est, sub con­di­cio­ne, quae non est in ip­sius po­tes­ta­te, he­res in­sti­tu­tus et in de­fec­tum con­di­cio­nis ex­he­redatus de­ces­sit pen­den­te et­iam tunc con­di­cio­ne tam in­sti­tu­tio­nis quam ex­he­reda­tio­nis. di­xi he­redem eum ab in­tes­ta­to mor­tuum es­se, quia dum vi­vit, ne­que ex tes­ta­men­to he­res ne­que ex­he­redatus fuit. he­rede au­tem scrip­to ex par­te fi­lio co­he­res post mor­tem fi­lii in­sti­tui pot­est. 1Fi­lius fa­mi­lias mi­les de cas­tren­si pe­cu­lio fe­cit tes­ta­men­tum ha­bens fi­lium in eius­dem po­tes­ta­te. cum mi­li­ta­re de­sis­set, pa­tre eo­dem­que avo de­func­to quae­si­tum est, an rum­pe­tur eius tes­ta­men­tum. non qui­dem ad­op­ta­vit nec ho­die ei na­tus est fi­lius nec prio­re sub­duc­to de po­tes­ta­te suo he­rede ul­te­rior suc­ces­sit in pro­xi­mum lo­cum: sed ta­men in po­tes­ta­te sua ha­be­re coe­pit, quem non ha­be­bat si­mul­que pa­ter fa­mi­lias fac­tus est et fi­lius sub eius rec­ci­dit po­tes­ta­te: rum­pe­tur er­go tes­ta­men­tum. sed si he­res sit in­sti­tu­tus vel ex­he­redatus is­te eius fi­lius, non rum­pi­tur, quia nul­lo cir­ca eum no­vo fac­to, sed or­di­ne quo­dam na­tu­ra­li nac­tus est po­tes­ta­tem. 2Si quis ex cer­ta uxo­re na­tum scri­bit he­redem, in pe­ri­cu­lum rum­pen­di tes­ta­men­tum de­du­cit ex alia sus­cep­tis li­be­ris. 3Si quis eo tem­po­re, quo non­dum eius uxor es­se pos­set, tes­ta­tor na­tum ex ea scrip­sit he­redem, an post­ea con­trac­to li­ci­to ma­tri­mo­nio na­tus he­res ex tes­ta­men­to es­se pos­sit, quae­ri­tur: vel­uti si scri­bas ho­die he­redem, qui ti­bi ex Ti­tia na­tus erit, quan­do Ti­tia an­cil­la vel mi­nor an­nis vi­gin­ti quin­que ea, cu­ius pa­ter tuus tu­te­lam ad­mi­nis­tra­vit aut tu­tor tu ip­se fuis­ti, post­ea Ti­tia uxor ius­ta ti­bi fue­rit vel li­ber­ta­tem ad­ep­ta aut tem­po­re an­no­rum vi­gin­ti quin­que et uti­lis an­ni et ra­tio­num al­le­ga­tio­ne, an na­tus he­res es­se pos­sit? ne­mo cer­to du­bi­ta­bit ex Ti­tia, quae tunc prop­ter te­no­rem ae­ta­tis uxor du­ci non po­tuit, quan­do tes­ta­men­tum fie­bat, na­tum post­ea ea uxo­re duc­ta he­redem es­se pos­se. et ge­ne­ra­li­ter na­to post tes­ta­men­tum he­redi scrip­to ad­itus est ad he­redi­ta­tem, in qua­li­cum­que sta­tu tes­ta­men­ti fa­cien­di tem­po­re fuit quae post­ea tes­ta­to­ri ci­vi­li­ter nup­ta est. 4Quid au­tem, si fi­lium post tes­ta­men­tum na­tum ex bes­se, fi­liam au­tem post tes­ta­men­tum na­tam ex trien­te scrip­sit he­redem nec ul­lum co­he­redem de­dit nec sub­sti­tuit in­vi­cem alium? unus na­tus so­lus ex tes­ta­men­to fit he­res.

28Tryphonin. lib. XX. Disp. Ein Sohn, der von seinem Vater, in dessen Gewalt er steht, unter einer zufälligen Bedingung zum Erben eingesetzt, und [auf den Fall] des Nichteintrittes derselben enterbt wurde, starb, ehe durch den Ausgang der Bedingung für seine Erbeinsetzung oder Enterbung entschieden war. Ich sagte, der Sohn sei hier als gesetzlicher Erbe [seines Vaters] gestorben, weil er, so lange er lebte, weder Testamentserbe, noch enterbt (also übergangen) war. Setzte ich aber meinen Sohn auf einen Theil meines Vermögens zum Erben ein, so kann ich nach dem Tode desselben einen Andern zum Miterben einsetzen2323Z. B. ich setzte meinen Sohn bedingt auf die Hälfte meines Vermögens, und enterbte ihn auf den Fall des Ausfalls der Bedingung, und ernannte den A. nach dem Tode meines Sohnes zum Miterben. Zur Todeszeit des Sohnes tritt die Bedingung nicht ein. er ist enterbt — allein das Testament gilt, weil sogleich ein Erbe vorhanden ist.. 1Ein Haussohn, der einen derselben (väterlichen) Gewalt, wie er selbst, unterworfenen Sohn hatte, machte über sein castrensisches Sondergut ein Testament. Nach seinem Austritte aus dem Soldatenstand und nach dem Tode seines Vaters, der auch Grossvater seines Sohnes war, entstand die Frage, ob sein (des gewesenen Soldaten) Testament nun umgestossen2424Durch Agnation. (Cujac. führt fünf Fälle, wo Agnation entsteht, an: 1) adoptio, 2) successio, 3) in manum conventio, 4) manumissio, 5) mors avi.) wurde. Er (der gewesene Soldat) hatte zwar diesen (seinen Sohn) nicht durch Adoption erhalten, er wurde ihm auch nicht in diesem Augenblicke erst als Sohn geboren, rückte auch nicht [als ein Entfernterer] in die nächste Stelle deshalb ein, weil der ihm vorgehende Eigenerbe (suus heres) aus der Gewalt [seines Vaters] heraustrat; allein er (der gewesene Soldat) bekam nun doch erst Jemanden, der seiner Gewalt noch nicht unterworfen gewesen war, in seine väterliche Gewalt, und wird zugleich sein eigener Herr, und sein Sohn fällt unter seine Gewalt zurück. Das Testament wird daher aufgehoben werden. War aber dieser (sein Sohn) zum Erben eingesetzt oder enterbt worden, so wird das Testament nicht aufgehoben, weil er durch keine neue auf den Sohn sich beziehende [Handlung], sondern nach der natürlichen Ordnung der Dinge2525Nämlich durch den Tod des Vaters. die Gewalt über ihn erlangte. 2Wenn Jemand ein mit einer bestimmten Frau erzeugtes Kind zum Erben einsetzte, so läuft sein Testament Gefahr, ungültig zu werden, wenn er mit einer anderen Frau Kinder erzeugte. 3Wenn ein Erblasser seinen [künftigen] Sohn von einer Frau, die er damals noch nicht heirathen konnte, zum Erben einsetzte, so entsteht die Frage, ob das in dieser späterhin eingegangenen erlaubten Ehe erzeugte Kind Testamentserbe sein könne, wie wenn du heute deinen künftig mit der Titia zu erzeugenden Sohn zum Erben einsetzest. Diese Titia aber ist [noch] eine Sclavin, oder eine minderjährige Frauensperson, über welche ihr, dein Vater oder du selbst, Vormünder waret, nachher wurde sie jedoch nach ihrer Freiwerdung oder erlangter Volljährigkeit und Verlauf eines nützlich zu berechnenden Jahres2626Nach neuerem Rechte vier Jahre. und nach geschehener Rechnungsablage deine gesetzmässige Frau; kann nun der mit ihr erzeugte Sohn Erbe sein? Sicherlich wird die Erbfähigkeit des von der Titia geborenen Sohnes, welche du früherhin wegen ihrer Minderjährigkeit zur Zeit deiner Testamentserrichtung nicht heirathen konntest, die aber nachmals deine Frau wurde, Niemand bezweifeln. Und überhaupt wird ein erst nach der Testamentserrichtung [zu hoffendes] Kind, wenn es zum Erben eingesetzt wurde, zur Erbfolge gelassen, mag [die Mutter, und] nachmalige civilrechtliche Gattin des Erblassers zur Zeit der Testamentserrichtung in was immer für einem [Rechts-]Zustande sich befunden haben. 4Wie verhält sichs aber, wenn [der Erblasser] den nach der Testamentserrichtung [zu erhoffenden] Sohn auf zwei Dritttheile, eine [zu erhoffende] Tochter aber auf ein Dritttheil zu Erben einsetzte [und zwar] ohne ihnen einen Miterben oder gegenseitigen Substituten zu geben? Die Geburt eines einzigen Kindes macht dieses zum Universalerben.

29Scae­vo­la li­bro sex­to quaes­tio­num. Gal­lus sic pos­se in­sti­tui pos­tu­mos ne­po­tes in­du­xit: ‘Si fi­lius meus vi­vo me mo­rie­tur, tunc si quis mi­hi ex eo ne­pos si­ve quae nep­tis post mor­tem meam in de­cem men­si­bus pro­xi­mis, qui­bus fi­lius meus mo­re­re­tur, na­tus na­ta erit, he­redes sun­to’. 1Qui­dam rec­te ad­mit­ten­dum cre­dunt, et­iam­si non ex­pri­mat de mor­te fi­lii, sed sim­pli­ci­ter in­sti­tuat, ut eo ca­su va­leat, qui ex ver­bis con­ci­pi pos­sit. 2Idem cre­den­dum est Gal­lum ex­is­ti­mas­se et de pro­ne­po­te, ut di­cat tes­ta­tor: ‘si me vi­vo ne­pos de­ce­dat, tunc qui ex eo pro­ne­pos’ et ce­te­ra. 3Sed et si vi­vo fi­lio iam mor­tuo pro­ne­po­te cu­ius uxor prae­gnas es­set, tes­ta­men­tum fa­ce­ret, pot­est di­ce­re: ‘Si me vi­vo fi­lius de­ce­dat, tunc qui pro­ne­pos’. 4Num si et fi­lius et ne­pos vi­vat, con­ci­pe­re ‘utris­que mor­tuis vi­vo se, tunc qui pro­ne­pos nas­ce­re­tur?’ quod si­mi­li­ter ad­mit­ten­dum est, ita sa­ne, si prius ne­pos, de­in­de fi­lius de­ce­de­ret, ne suc­ces­sio­ne tes­ta­men­tum rum­pe­re­tur. 5Et quid si tan­tum in mor­tis fi­lii ca­sum con­ci­pe­ret? quid enim si aquae et ig­nis in­ter­dic­tio­nem pa­te­re­tur? quid si ne­pos, ex quo pro­ne­pos in­sti­tue­re­tur, ut os­ten­di­mus, em­an­ci­pa­tus es­set? hi enim ca­sus et om­nes, ex qui­bus suus he­res post mor­tem sci­li­cet avi nas­ce­re­tur, non per­ti­nent ad le­gem Vel­laeam11Die Großausgabe liest Vel­leam statt Vel­laeam.: sed ex sen­ten­tia le­gis Vel­laeae22Die Großausgabe liest Vel­leae statt Vel­laeae. et haec om­nia ad­mit­ten­da sunt, ut ad si­mi­li­tu­di­nem mor­tis ce­te­ri ca­sus ad­mit­ten­di sint. 6Quid si qui fi­lium apud hos­tes ha­be­bat tes­ta­re­tur? qua­re non in­du­xe­re, ut, si ant­ea quam fi­lius ab hos­ti­bus red­iret quam­vis post mor­tem pa­tris de­ce­de­ret, tunc de­in­de ne­pos vel et­iam ad­huc il­lis vi­vis post mor­tem sci­li­cet avi nas­ce­re­tur, non rum­pe­ret? nam hic ca­sus ad le­gem Vel­laeam33Die Großausgabe liest Vel­leam statt Vel­laeam. non per­ti­net. me­lius er­go est, ut in eius­mo­di uti­li­ta­te prae­ser­tim post le­gem Vel­laeam44Die Großausgabe liest Vel­leam statt Vel­laeam., quae et mul­tos ca­sus rum­pen­di abs­tu­lit, in­ter­pre­ta­tio ad­mit­ta­tur, ut in­sti­tuens ne­po­tem, qui si­bi post mor­tem suus nas­ce­re­tur, rec­te in­sti­tuis­se vi­dea­tur, qui­bus­cum­que ca­si­bus ne­pos post mor­tem na­tus suus es­set rum­pe­ret­que prae­ter­itus: at­que et­iam si ge­ne­ra­li­ter, ‘quid­quid si­bi li­be­ro­rum na­tum erit post mor­tem’ aut ‘qui­cum­que na­tus fue­rit’ sit in­sti­tu­tus, si suus nas­ce­re­tur. 7Si eius, qui fi­lium ha­beat et ne­po­tem ex eo in­sti­tuat, nu­rus prae­gnas ab hos­ti­bus cap­ta sit ibi­que vi­vo pa­riat, mox il­le post mor­tem pa­tris at­que avi red­eat, utrum hic ca­sus ad le­gem Vel­laeam55Die Großausgabe liest Vel­leam statt Vel­laeam. re­spi­ciat an ad ius an­ti­quum ap­tan­dus sit, pos­sit­que vel ex iu­re an­ti­quo vel ex Vel­laea66Die Großausgabe liest Vel­lea statt Vel­laea. in­sti­tu­tus non rum­pe­re? quod quae­ren­dum est, si iam mor­tuo fi­lio pro­ne­po­tem in­sti­tuat red­eat­que mor­tuo. sed cum tes­ta­men­tum ab eo non rum­pi­tur, ni­hil re­fert, utrum ex iu­re an­ti­quo an ex le­ge Vel­laea77Die Großausgabe liest Vel­lea statt Vel­laea. ex­clu­da­tur. 8For­si­tan ad­du­bi­tet quis, an is­tis ca­si­bus si ne­pos post tes­ta­men­tum nas­ca­tur vi­vo pa­tre suo, de­in­de ex eo con­ci­pia­tur, is­que vi­vo pa­tre de­in­de avo nas­ca­tur, an non po­tue­rit he­res in­sti­tui, quia pa­ter ip­sius non rec­te in­sti­tu­tus es­set. quod mi­ni­me est ex­pa­ves­cen­dum: hic enim suus he­res nas­ci­tur et post mor­tem nas­ci­tur. 9Er­go et si pro­ne­pos ad­mit­te­tur, qui na­tus erit ex ne­po­te post­ea vi­vo fi­lio, at­que si ex eo na­tus es­set, ad­op­ta­tur. 10In om­ni­bus his spe­cie­bus il­lud ser­van­dum est, ut fi­lius dum­ta­xat, qui est in po­tes­ta­te, ex ali­qua par­te sit he­res in­sti­tu­tus: nam frus­tra ex­he­redabi­tur post mor­tem suam: quod non es­se ne­ces­sa­rio in eo fi­lio, qui apud hos­tes est, si ibi de­ce­dat et in ne­po­te cer­te et pro­ne­po­te, quo­rum si li­be­ri he­redes in­sti­tuan­tur, in­sti­tu­tio­nem num­quam ex­ige­mus, quia pos­sunt prae­ter­iri. 11Nunc de le­ge Vel­laea88Die Großausgabe liest Vel­lea statt Vel­laea. vi­dea­mus. vo­luit vi­vis no­bis na­tos si­mi­li­ter non rum­pe­re tes­ta­men­tum. 12Et vi­de­tur pri­mum ca­put eos spec­ta­re, qui, cum nas­ce­ren­tur, sui he­redes fu­tu­ri es­sent. et ro­go, si fi­lium ha­beas et ne­po­tem non­dum na­tum tan­tum ex eo he­redem in­sti­tuas, fi­lius de­ce­dat, mox vi­vo te ne­pos nas­ca­tur? ex ver­bis di­cen­dum est non rum­pi tes­ta­men­tum, ut non so­lum il­lud pri­mo ca­pi­te no­ta­ve­rit, si ne­pos, qui eo tem­po­re in­sti­tua­tur, quo fi­lius non sit, ve­rum et si vi­vo pa­tre nas­ca­tur: quid enim ne­ces­se est tem­pus tes­ta­men­ti fa­cien­di re­spi­ci, cum sa­tis sit ob­ser­va­ri id tem­pus quo nas­ci­tur? nam et­si ita ver­ba sunt: ‘qui tes­ta­men­tum fa­ciet, is om­nis vi­ri­lis se­xus, qui ei suus he­res fu­tu­rus erit’ et ce­te­ra. 13Et­iam si vo­ven­te pa­ren­te vi­vo nas­can­tur, se­quen­ti par­te suc­ce­den­tes in lo­cum li­be­ro­rum non vult rum­pe­re tes­ta­men­tum: et ita in­ter­pre­tan­dum est, ut, si et fi­lium et ne­po­tem et pro­ne­po­tem ha­beas, mor­tuis utris­que pro­ne­pos in­sti­tu­tus suc­ce­dens in sui he­redis lo­cum non rum­pat. et be­ne ver­ba se ha­bent ‘si quis ex suis he­redi­bus suus he­res es­se de­sie­rit’ ad om­nes ca­sus per­ti­nen­tia, quos sup­plen­dos in Gal­li Aqui­li sen­ten­tia di­xi­mus: nec so­lum, si ne­pos vi­vo pa­tre de­ce­dat, nec suc­ce­dens pro­ne­pos avo mor­tuo rum­pat, sed et si su­per­vi­xit pa­tri ac de­ce­dat, dum­mo­do he­res in­sti­tu­tus sit aut ex­he­redatus. 14Vi­den­dum, num hac pos­te­rio­re par­te ‘si quis ex suis he­redi­bus suus he­res es­se de­sie­rit, li­be­ri eius’ et ce­te­ra ‘in lo­cum suo­rum sui he­redes suc­ce­dunt’, pos­sit in­ter­pre­ta­tio­ne in­du­ci, ut, si fi­lium apud hos­tes ha­bens ne­po­tem ex eo he­redem in­sti­tuas, non tan­tum si vi­vo te fi­lius de­ce­dat, sed et­iam post mor­tem, an­te­quam ab hos­ti­bus re­ver­sus fue­rit, suc­ce­den­do non rum­pet: ni­hil enim ad­di­dit, quo sig­ni­fi­ca­ret tem­pus: ni­si quod, li­cet au­den­ter, pos­sis di­ce­re vi­vo pa­tre hunc suum he­redem es­se de­sis­se, li­cet post mor­tem de­ce­dat, quia nec red­it nec pot­est red­ire. 15Il­le ca­sus in dif­fi­ci­li est, si fi­lium ha­beas et ne­po­tem non­dum na­tum in­sti­tuas is­que nas­ca­tur vi­vo pa­tre suo ac mox pa­ter de­ce­dat: non enim suus he­res est tem­po­re quo nas­ca­tur nec pos­te­rio­ri alii suc­ce­den­do pro­hi­be­ri vi­de­tur rum­pe­re quam qui iam na­tus erit. de­ni­que et su­pe­rio­re ca­pi­te ut li­ceat in­sti­tui non­dum na­tos, qui cum nas­cen­tur sui erunt, per­mit­ti, pos­te­rio­re ca­pi­te non per­mit­tit in­sti­tui, sed ve­tat rum­pi ne­ve ob eam rem mi­nus ra­tum es­set, quod suc­ce­dit. por­ro pro­ce­de­re de­bet, ut uti­li­ter sit in­sti­tu­tus: quod nul­lo iu­re po­tuit qui non­dum na­tus erat. Iu­lia­no ta­men vi­de­re­tur duo­bus qua­si ca­pi­ti­bus le­gis com­mix­tis in hoc quo­que in­du­ce­re le­gem, ne rum­pan­tur tes­ta­men­ta. 16Quae­re­mus ta­men, cum re­cep­ta est Iu­lia­ni sen­ten­tia, an, si nas­ca­tur ne­pos vi­vo pa­tre suo, de­in­de em­an­ci­pe­tur, spon­te ad­ire pos­sit he­redi­ta­tem. quod ma­gis pro­ban­dum est: nam em­an­ci­pa­tio­ne suus he­res fie­ri non po­tuit.

29Ad Dig. 28,2,29Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 576, Note 7.Scaevola lib. VI. Quaest.2727Ich gestehe mit Blurtschli, dass ich kein Gesetz kenne, das so viele Interpreten und Commentatoren fand, als diese sogenannte lex damnata. Die vorzüglichsten sind bei Smallenburg zu finden. Jedoch verdienen Vivianus und die Glosse, Cujac. und Duaren besondere Berücksichtigung, auf welche ich hiermit verwiesen haben will. Gallus führte ein, dass nachgeborene Enkel so können zu Erben eingesetzt2828Dies gilt auch vom Enterben. werden: wenn mein Sohn noch bei meinen Lebzeiten sterben wird, so sollen, wenn mir von ihm ein Enkel, oder eine Enkelin nach meinem Tode in den zehn ersten Monaten, von der Todeszeit meines Sohnes an, hinterlassen wird, [diese Enkel] meine Erben sein. 1Einige glauben mit Recht, es sei auch dann die Einsetzung zulässig, wenn sie schlechthin, ohne den Tod des Sohnes zu erwähnen, geschah, so dass sie auf den Fall, welcher aus den2929Manche lesen sex verbis. Besonders s. Aver. interpr. jur. IV. 1. 19. Worten kann entnommen werden, gelte. 2Ebenso muss man glauben, dass Gallus auch an den Urenkel gedacht habe, so dass der Erblasser sagen kann: Wenn noch bei meinen Lebzeiten mein Enkel stirbt, sodann soll mein Urenkel von ihm (sein Kind) mein Erbe sein u. s. w. 3Wenn aber auch noch bei Lebzeiten des Sohnes, nach dem Tode des Enkels3030Nach Hal., Cuj. und Duarenus nepote statt pronepote., dessen Frau schwanger war, der Erblasser ein Testament machte, so kann er auch hier sagen: Wenn bei meinen Lebzeiten mein Sohn stirbt, dann soll der Urenkel, welcher u. s. w. 4Wenn aber Sohn und Enkel leben, kann da der Erblasser auf den noch bei seinen Lebzeiten erfolgten Tod Beider hin seinen Urenkel, der ihm wird geboren werden, zum Erben ernennen? Dies ist auf ähnliche Weise zulässig, jedoch nur so, wenn zuerst der Enkel, sodann erst der Sohn starb, [und zwar aus dem Grunde] zulässig, damit durch Nachrücken nicht das Testament umgestossen würde3131Dies erläutert Vivianus durch einen Fall sehr klar.. 5Ad Dig. 28,2,29,5Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 557, Note 5.Wie aber [verhält sichs], wenn sich [der Erblasser] nur für den Todesfall des Sohnes äusserte? Wie, wenn dieser verbannt wurde3232Aq. et ign. interd. peteretur statt plecteretur — Andere wollen pateretur lesen.? Wie, wenn der Enkel, dessen Sohn (Urenkel), wie wir zeigten, zum Erben eingesetzt wurde, aus der väterlichen Gewalt durch Emancipation heraustrat? Diese Fälle nämlich, und alle jene, nach welchen ein Eigenerbe (suus heres) nach dem Tode des Grossvaters geboren wurde, gehören nicht [buchstäblich] unter das Velleische Gesetz. Aber nach dem Sinne des Velleischen Gesetzes haben nach Aehnlichkeit des Falles, wenn der Sohn stirbt, auch alle übrigen Fälle [wodurch er aufhört, in väterlicher Gewalt zu sein,] die Wirkung [, das Testament zu erhalten]. 6Wie [ist es], wenn Jemand, der einen Sohn in feindlicher Gefangenschaft hatte, ein Testament machte? Warum führte er (Gallus) nicht [eine Formel] ein, mittelst welcher, wenn der Sohn, obgleich nach dem Tode seines Vaters, jedoch vor seiner Rückkehr aus feindlicher Gefangenschaft stürbe, dann ein Enkel noch bei Lebzeiten Jenes3333Cujac. lobt hier den Bartolus, der richtig bemerkt, es stehe, wie so oft der Plur. (illis vivis) statt des Sing. (illo — patre — vivo). (seines Vaters) [aber] nach dem Tod seines Grossvaters geboren wurde, dieser das Testament nicht umstosse, denn dieser Fall gehört nicht unter das Velleische Gesetz? Es ist daher gut, um einen Vortheil von dieser Art zu erhalten, die Auslegung eintreten zu lassen, und dies um so mehr, da bereits durch das Velleische Gesetz viele Arten, Testamente umzustossen, aufgehoben wurden, [die Auslegung eintreten zu lassen,] damit der, welcher einen Enkel, der ihm erst nach seinem Tode als Eigenerbe geboren wird, zum Erben einsetzt, diesen recht eingesetzt habe, unter was immer für Umständen auch der nach seinem Tode geborene Enkel sein Eigenerbe werden, und als übergangen [das Testament] umstossen würde, und dies auch sogar dann, wenn die Einsetzung des Eigenerben, wenn einer geboren wurde, im Allgemeinen so geschah: Alles was [dem Erblasser] nach seinem Tode als Kind, oder welches Kind ihm geboren werden wird u. s. w. 7Jemand, der einen Sohn hatte, setzte den Enkel zum Erben ein; wenn nun die Schwiegertochter desselben im Zustande der Schwangerschaft in feindliche Gefangenschaft geräth, und daselbst bei des Erblassers Lebzeiten gebiert und der [Enkel] bald nach dem Tode seines Vaters und Grossvaters [in seine Heimath] zurückkehrt, [so fragt sichs,] ob dieser Fall unter das Velleische Gesetz gehöre, oder ob er unter das ältere Recht passe, und ob der Eingesetzte nach dem älteren Rechte oder nach dem Velleischen Gesetze [das Testament] nicht umzustossen vermöge3434Siehe hier Cujac.? Dies kommt zur Frage, wenn [der Erblasser] nach bereits erfolgtem Tode seines Sohnes seinen Urenkel [zum Erben] einsetzt, und dieser (Urenkel) nach dem Tode [seines Urgrossvaters] aus der feindlichen Gefangenschaft zurückkehrt. Da jedoch das Testament von diesem nicht umgestossen wird, so kommt nichts darauf an, ob dies nach dem älteren Rechte geschieht, oder eine Wirkung des Velleischen Gesetzes ist. 8Vielleicht ist Jemand im Zweifel, ob in folgenden Fällen, [nämlich] wenn ein Enkel nach der Testamentserrichtung [noch] bei Lebzeiten seines Vaters geboren wird, sodann wieder ein Kind erzeugt, und dieses [hierauf] nach dem Tode seines3535Ich lese hier nach Cujac. und Pothier: mortuo patre, statt vivo patre. Vaters, dann auch des Grossvaters geboren wird: [ob] dieser [Urenkel deswegen] nicht konnte zum Erben eingesetzt werden? weil sein Vater nicht vorschriftsmässig war eingesetzt worden3636Man denke sich die Einsetzung so: mein Sohn soll Erbe sein, wenn mir nach meinem Tode ein Enkel oder Urkenkel geboren wird, so setze ich ihn zum Erben ein. — Der Enkel wird nach der Testamentsverordnung bei Leibzeiten seines Vaters, also nicht als suus geboren, weil ihm sein Vater vorangeht — vielmehr präterirt, weil er vivo nicht mortuo testatore geboren wurde — er rumpirt aber deshalb das Testament nicht, weil noch vor seinem Vater (des Testators Sohn) starb, wäre er er erst nachher gestorben, so wäre das Verhältniss ein anderes.. Es ist hier gar nicht zu befürchten, [ob der Urenkel rechtlich sei eingesetzt worden,] denn er wird [erstens] als Eigenerbe, [dann auch erst] nach dem Tode [Aller] geboren. 9Es wird daher auch so der Urenkel, der als Sohn des Enkels geboren wird, wenn späterhin der Sohn (des Erblassers, Grossvater dieses Urenkels) noch am Leben ist, ebenso Ansprüche auf die Erbschaft haben, als wenn er der leibliche oder Adoptivsohn desselben (seines Grossvaters) wäre3737Ich richtete mich nach Charondas (Verisim. 1. 15. Thes. Ott. I. p. 726.) der so annimmt: Ergo et sich pronepos, qui natus erit ex nepote, postea vivo filio, admittetur atque si ex eo natus esset, aut adoptatus admittetur — auch sollen nach Constantin mehrere Exemplare nur mit geringerer Abänderung so lesen. Cujac. ergo et si nepos omittetur etc. Schulting lobt ihn, meint jedoch: dubito, an non aliud lateat.. 10In allen diesen Fällen3838Der Formel des Gallus. ist blos darauf zu sehen, dass nur ein Sohn, der in der Gewalt sich befindet, zu irgend einem Theil als Erbe eingesetzt wurde. Denn umsonst wird die Enterbung eines Sohnes nach seinem Tode. Dies [zum Erben Einsetzen] ist jedoch nicht nothwendig bei einem Sohne, der in feindlicher Gewalt sich befindet, und daselbst stirbt; und bei einem Enkel und Urenkel. Denn wenn ihre Kinder zu Erben eingesetzt werden, erheischen wir ihre eigene Einsetzung nicht, weil sie auch übergangen werden können. 11Jetzt wollen wir das Velleische Gesetz betrachten. Es wollte, dass die, welche noch bei unsern Lebzeiten geboren werden, ähnlicher Weise das Testament nicht umstossen. 12Das erste Capitel scheint auf die zu gehen, welche durch ihre Geburt Eigenerben sein würden. Wenn du daher einen Sohn hast und einen noch nicht geborenen Enkel (dessen Sohn) zum Erben einsetzest, der Sohn stirbt, [und] bald darauf noch bei deinen Lebzeiten der Enkel geboren wird, so wird nach den Worten [des Gesetzes] anzunehmen sein, das Testament werde hier nicht umgestossen. Es enthält also das erste Capitel nicht nur jenen Fall, wenn der Enkel zu der Zeit, wo kein Sohn vorhanden ist, eingesetzt, sondern auch [den], wenn er bei Lebzeiten des Vaters geboren wird3939Cujac.: instituatur.. Denn wozu ist es nöthig, auf die Zeit der Testamentserrichtung Rücksicht zu nehmen, da es zureicht, die Zeit zu beobachten, wo er (der Enkel) geboren wird? Denn die Worte [des Gesetzes] lauten so: Wer ein Testament machen will, der [darf] alle männlichen Geschlechtes, die ihm Eigenerben sein würden, [zu Erben] einsetzen und dies ist so, auch wenn sie noch bei Lebzeiten des Gewalthabers geboren werden. 13In dem folgenden Theile will das Gesetz, dass die, welche in die Stelle der Kinder nachrücken, nicht das Testament umstossen sollen, und dies ist so auszulegen, dass wenn man einen Sohn, einen Enkel und einen Urenkel hat, und Beide (Sohn und Enkel) mit Tod abgehen, der eingesetzte Urenkel4040Cujac.: nepos., der in die Stelle eines Eigenerben nachrückt, das Testament nicht umstosse. Die Worte: Wenn Jemand von den Eigenerben aufhörte, Eigenerbe zu sein, passen gut, und erstrecken sich auf alle Fälle, welche, wie wir sagten, in der Formel des Gallus Aquilius zu ergänzen sind, und nicht nur darauf, wenn der Enkel bei Lebzeiten des Vaters stirbt, und der nachrückende Enkel das Testament nach dem Tode des Grossvaters umstösset40, sondern auch darauf, wenn er seinen Vater überlebte und [sodann] stirbt; nur muss er zum Erben eingesetzt, oder enterbt sein. 14Jetzt wollen wir untersuchen, ob nach diesem letzten Theile [des Gesetzes]: wenn Jemand von den Eigenerben, Eigenerbe zu sein aufhörte, so sollen seine eigenen Kinder und alle anderen4141Z. B. Enkel, Urenkel u. s. w. in die Stelle der Eigenerben als Eigenerben nachrücken, sich durch die Auslegung ergeben könne, dass, wenn du einen Sohn in feindlicher Gefangenschaft hast, und den Enkel von ihm (seinen Sohn) zum Erben einsetzest, dieser das Testament nicht nur dann, wenn der Sohn bei deinen Lebzeiten, sondern auch dann, wenn er nach deinem Tode, [jedoch] bevor er vom Feinde zurückkehrte, stirbt, durch Nachrücken umstossen werde? [Das Gesetz] gab nämlich keine nähere Zeitbestimmung an, man müsste denn, jedoch gewagt, annehmen können, dieser [Sohn in feindlicher Gefangenschaft] habe noch bei Lebzeiten seines Vaters aufgehört, Eigenerbe zu sein, weil er weder zurückkehrte, noch zurückkehren kann, obgleich er [erst] nach dessen Tode starb. 15Der Fall ist schwierig, wenn man einen Sohn hat, und einen noch nicht geborenen Enkel [zum Erben] einsetzt; dieser aber noch bei Lebzeiten seines Vaters geboren wird, und bald darauf der Vater stirbt. Denn dieser [Enkel] ist zur Zeit seiner Geburt noch nicht Eigenerbe, und nach dem zweiten [Capitel des Velleischen Gesetzes] soll kein Anderer, als der schon geboren ist, verhindert werden, durch Nachrücken das Testament umzustossen. Endlich erlaubt [das Gesetz] im ersten Capitel, noch nicht Geborene, die aber, wären sie geboren, Eigenerben sein werden, einzusetzen; im letztern Capitel erlaubt es die Einsetzung [solcher Posthumi] nicht, sondern sagt nur, sie sollen das Testament nicht umstossen, und es solle das Testament deswegen, weil [der Enkel] nachrückt, nichts desto weniger [fort]bestehen. Daraus muss sich denn ergeben, die Einsetzung [dieses bei Lebzeiten seines Vaters noch nicht geborenen Enkels] sei, was kein [ausdrücklich] Recht gestattet, wenigstens analoger Weise gültig. Dem Julianus gefällt es jedoch, weil hier die beiden Capitel [des Velleischen Gesetzes] gleichsam in Vermischung4242Es gehört nämlich dieser Enkel theils unter das erste Capitel, weil er nach dem Testament noch beim Leben des Testators (jedoch nicht als suus) geboren wird, theils unter das zweite, weil er bei Lebzeiten seines Vaters geboren wird, und in seine Stelle nachrückt. gerathen, das Gesetz auch auf, den [angeführten] Fall deswegen auszudehnen, damit Testamente nicht umgestossen werden. 16Doch mögen wir fragen, ob, da die Meinung des Julianus Aufnahme fand, der Enkel, wenn er noch bei Lebzeiten seines Vaters geboren, dann aber emancipirt wird, nach eigener Willkühr die Erbschaft antreten könne? Dies verdient um so mehr Beifall, denn, weil er emancipirt wurde, konnte er unmöglich Eigenerbe werden.

30Gaius li­bro sep­ti­mo de­ci­mo ad edic­tum pro­vin­cia­le. In­ter ce­te­ra, quae ad or­di­nan­da tes­ta­men­ta ne­ces­sa­rio de­si­de­ran­tur, prin­ci­pa­le ius est de li­be­ris he­redi­bus in­sti­tuen­dis vel ex­he­redan­dis, ne prae­teritis is­tis rum­pa­tur tes­ta­men­tum: nam­que fi­lio qui in po­tes­ta­te est prae­terito in­uti­le est tes­ta­men­tum.

30Gaj. lib. XVII. ad Edict. prov. Unter den übrigen zur Anordnung eines Testamentes nothwendigen Erfordernissen ist nach den rechtlichen Bestimmungen das Vorzüglichste die Einsetzung oder Enterbung seiner Kinder; damit nicht durch Uebergehung derselben das Testament umgestossen werde. Denn wurde ein in väterlicher Gewalt stehender Sohn übergangen, so ist das Testament nutzlos.

31Pau­lus li­bro se­cun­do ad Sa­binum. Dum apud hos­tes est fi­lius, pa­ter iu­re fe­cit tes­ta­men­tum et rec­te eum prae­terit, cum, si in po­tes­ta­te es­set fi­lius, ni­hil va­li­tu­rum es­set tes­ta­men­tum.

31Paul. lib. II. ad Sabin. Während ein Sohn in feindlicher Gewalt ist, macht ein Vater sein Testament ganz nach dem Gesetze, und übergeht ihn auch mit Recht, wogegen, wenn der Sohn in seiner Gewalt wäre, das Testament ungültig sein würde.

32Mar­cia­nus li­bro se­cun­do re­gu­la­rum. Si fi­lio em­an­ci­pa­to ex­he­redato is qui in po­tes­ta­te est prae­ter­itus sit, ip­se qui­dem em­an­ci­pa­tus si con­tra ta­bu­las pe­tat, ni­hil agit, ab in­tes­ta­to au­tem et suus et em­an­ci­pa­tus ve­nient.

32Marcian. lib. II. Regul. Wenn ein emancipirter Sohn enterbt, ein in väterlicher Gewalt stehender übergangen wurde, so ist das Bestreben des Emancipirten, wenn er um den Nachlassbesitz gegen das Testament nachsucht, ohne Wirkung, allein als Intestaterben werden Beide, der Eigenerbe und der Emancipirte, zur Erbschaft gelangen.