Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 33 übersetzt von Jungmeister unter Redaction von Sintenis
Dig. XXXIII6,
De tritico vino vel oleo legato
Liber trigesimus tertius
VI.

De tritico vino vel oleo legato

(Vom Vermächtniss des Getreides, Weines und Oels.)

1Ul­pia­nus li­bro vi­ce­si­mo ad Sa­binum. Vi­no le­ga­to ace­tum quo­que con­ti­ne­tur, quod pa­ter fa­mi­lias vi­ni nu­me­ro ha­buit.

1Ulp. lib. XX. ad Sabin. Ist Wein vermacht worden, so ist darin auch der Essig begriffen, welchen der Hausvater dem Weine beirechnete.

2Pom­po­nius li­bro sex­to ad Sa­binum. Cum alii pe­num, alii vi­num le­ga­tum es­set, ex­cep­to vi­no om­ne pe­num ad alium le­ga­ta­rium per­ti­ne­bit. 1Si cen­tum am­pho­rae quas vel­les ti­bi le­ga­tae sint, ex tes­ta­men­to agen­do con­se­qui potes, ut de­gus­ta­re ti­bi li­ceat: aut, quan­ti in­ter­fue­rit li­ce­re ti­bi de­gus­ta­re, ad ex­hi­ben­dum age­re potes.

2Pompon. lib. VI. ad Sabin. Wenn dem Einen der Vorrath an Speisen und Getränk, dem Andern aber der Wein vermacht worden ist, so gehört jenem Vermächtnissinhaber aller Vorrath mit Ausschluss des Weins. 1Sind dir hundert Krüge [Wein], welche dir belieben würden, vermacht worden, so kannst du mit der Klage aus dem Testamente verlangen, dass dir die Erlaubniss verstattet werde, zu kosten; oder du kannst das Interesse, was dir aus der Erlaubniss zu kosten erwächst, mit der Klage auf Auslieferung verfolgen.

3Ul­pia­nus li­bro vi­ce­si­mo ter­tio ad Sa­binum. Si cui vi­num sit le­ga­tum cen­tum am­pho­ra­rum, cum nul­lum vi­num re­li­quis­set, vi­num he­redem emp­tu­rum et prae­sta­tu­rum, non ace­tum, quod vi­ni nu­me­ro fuit. 1Si vi­num le­ga­tum sit, vi­dea­mus, an cum va­sis de­bea­tur. et Cel­sus in­quit vi­no le­ga­to, et­iam­si non sit le­ga­tum cum va­sis, va­sa quo­que le­ga­ta vi­de­ri, non quia pars sunt vi­ni va­sa, quem­ad­mo­dum em­ble­ma­ta ar­gen­ti (scy­pho­rum for­te vel spe­cu­li), sed quia cre­di­bi­le est men­tem tes­tan­tis eam es­se, ut vo­lue­rit ac­ces­sio­ni es­se vi­no am­pho­ras: et sic, in­quit, lo­qui­mur ha­be­re non am­pho­ras mil­le, ad men­su­ram vi­ni re­fe­ren­tes. in do­liis non pu­to ve­rum, ut vi­no le­ga­to et do­lia de­bean­tur, ma­xi­me si de­pres­sa in cel­la vi­na­ria fue­rint aut ea sunt, quae per mag­ni­tu­di­nem dif­fi­ci­le mo­ven­tur. in cup­pis au­tem si­ve cup­pu­lis pu­to ad­mit­ten­dum et ea de­be­ri, ni­si pa­ri mo­do immo­bi­les in agro vel­ut in­stru­men­tum agri erant. vi­no le­ga­to utres non de­be­bun­tur: nec cul­leos qui­dem de­be­ri di­co.

3Ulp. lib. XXIII. ad Sabin. Sind Jemandem hundert Krüge Wein vermacht, aber kein Wein hinterlassen worden, so muss der Erbe den Wein kaufen und gewähren, nicht aber den Essig, der dem Weine beigezählt wurde. 1Ist Wein vermacht worden, so kann es zweifelhaft sein, ob auch die Gefässe dazu gehören. Und Celsus sagt, wenn Wein vermacht worden sei, so müssten auch die Gefässe, selbst wenn er nicht mit den Gefässen vermacht worden, als mitvermacht angesehen werden; nicht, weil die Gefässe ein Theil des Weines sind, wie die Mosaik am Silberzeug, den Weinbechern etwa und am Spiegel, sondern weil es glaublich ist, die Meinung des Testators sei dahin gegangen, dass auch die Krüge ein Zubehör des Weines sein sollten; denn so, sagt er, pflegen wir zu sprechen, dass wir tausend an Krüge haben, indem wir es blos auf das Maass des Weins beziehen. In Rücksicht der Fässer halte ich es jedoch nicht für richtig, dass mit dem vermachten Weine auch die Fässer gewährt werden müssten, besonders, wenn sie im Weinkeller festgemacht oder solche sind, welche wegen ihrer Grösse schwer bewegt werden können. In Ansehung der Tonnen11Cupae inter ea numerantur, quae exportandorum fructuum causa parantur. Brisson. und Tönnchen ist es aber, glaube ich, zulässig, dass auch sie mitgegeben werden müssen, wenn sie nicht im Grund und Boden auf gleiche Weise unbeweglich sind, gleichsam wie der zur Erzeugung, Bereitung und Erhaltung der Früchte erforderliche Bedarf. Ist Wein vermacht worden, so brauchen die Schläuche nicht verabfolgt zu werden, auch, sage ich, nicht die ledernen Gemässe.

4Pau­lus li­bro quar­to ad Sa­binum. Cum cer­tum pon­dus olei non ad­iec­ta qua­li­ta­te le­ga­tur, non so­let quae­ri, cu­ius ge­ne­ris oleo uti so­li­tus fue­rit tes­ta­tor aut cu­ius ge­ne­ris oleum is­tius re­gio­nis ho­mi­nes in usu ha­beant: et id­eo li­be­rum est he­redi, cu­ius vel­let ge­ne­ris oleum le­ga­ta­rio sol­ve­re.

4Paul. lib. IV. ad Sabin. Ist ein bestimmtes Gewicht Oel ohne Hinzufügung der Qualität vermacht worden, so pflegt nicht untersucht zu werden, welche Art Oel der Testator gewohnt gewesen war, zu gebrauchen, oder welcher Art von Oel die Menschen in jener Gegend sich gewöhnlich bedienen; und daher steht es dem Erben frei, dem Vermächtnissinhaber, welche Gattung von Oel er will, zu entrichten.

5Iu­lia­nus li­bro quin­to de­ci­mo di­ges­to­rum. Cum cer­tus nu­me­rus am­pho­ra­rum vi­ni le­ga­tus es­set ex eo, quod in fun­do Sem­pro­nia­no na­tum es­set, et mi­nus na­tum es­set, non am­plius de­be­ri pla­cuit et qua­si ta­xa­tio­nis vi­cem op­ti­ne­re haec ver­ba ‘quod na­tum erit’.

5Julian. lib. XV. Dig. Wenn eine bestimmte Anzahl von Krügen mit Wein von demjenigen, welcher auf dem Sempronianischen Landgute gewonnen wäre, vermacht und weniger gewonnen worden ist, so hat man angenommen, dass auch nicht mehr [als gewonnen worden] zu entrichten sei, und dass die Worte, was gewonnen sein wird, gleichsam die Stelle einer Maassbestimmung verträten.

6Pro­cu­lus li­bro quin­to epis­tu­la­rum. Cui vi­num he­res da­re dam­na­tus est, quod in am­pho­ris et ca­dis dif­fu­sum est da­ri de­bet, et­iam­si va­so­rum men­tio fac­ta non est. item quam­vis cum va­sis ca­dis le­ga­tum est, ta­men id quo­que, quod in do­liis, le­ga­tum es­se vi­de­tur, sic­uti, si ser­vos om­nes cum pe­cu­lio cu­ius­que eo­rum le­gas­set, et­iam eos, qui­bus pe­cu­lii ni­hil es­set, le­gas­se vi­de­re­tur.

6Procul. lib. V. Epistol. Ist dem Erben die Verpflichtung auferlegt worden, Jemandem den Wein zu geben, so muss er auch das, was in Krüge und Flaschen gegossen worden ist, verabfolgen, wenn auch der Gefässe keine Erwähnung geschehen ist. Desgleichen, obschon er mit Gefässen und Flaschen vermacht worden ist, so ist doch auch der in den Tonnen befindliche als vermacht mit anzusehen; so, wie wenn Jemandem alle Sclaven jeder mit dem Sondergute vermacht worden, auch die als vermacht anzusehen sind, welche kein Sondergut besitzen.

7Ia­vo­le­nus li­bro se­cun­do ex pos­te­rio­ri­bus La­beo­nis. Qui­dam he­redem dam­na­ve­rat da­re uxo­ri suae vi­num oleum fru­men­tum ace­tum mel­la sal­sa­men­ta. Tre­ba­tius aie­bat ex sin­gu­lis re­bus non am­plius de­be­ri, quam quan­tum he­res mu­lie­ri da­re vo­luis­set, quon­iam non ad­iec­tum es­set, quan­tum ex qua­que re da­re­tur. Ofi­lius Cas­cel­lius Tu­be­ro om­ne, quan­tum pa­ter fa­mi­lias re­li­quis­set, le­ga­tum pu­tant: La­beo id pro­bat id­que ve­rum est. 1‘Lu­cio Ti­tio tri­ti­ci mo­dios cen­tum, qui sin­gu­li pon­do cen­tum pen­deant, he­res da­to’. Ofi­lius ni­hil le­ga­tum es­se, quod et La­beo pro­bat, quon­iam eius­mo­di tri­ti­cum in re­rum na­tu­ra non es­set: quod ve­rum pu­to.

7Javolen. lib. II. ex Poster. Labeon. Es hatte Jemand seinen Erben verpflichtet, seiner Gattin Wein, Oel, Getreide, Weinessig, Honig und die eingesalzenen Sachen zu geben. Trebatius sagt, von den einzelnen Gegenständen brauche nicht mehr gegeben zu werden, als was der Erbe der Frau zu geben bereit sei, weil nicht hinzugefügt worden, wieviel von einer jeden einzelnen Sache gegeben werden solle. Ofilius, Cascellius und Tubero halten Alles für vermacht, soviel der Hausvater davon hinterlassen hat. Labeo billigt dies und dies ist auch allerdings richtig. 1Mein Erbe soll dem Lucius Titius zehn römische Scheffel Getreide geben, von denen jeder einzelne hundert Pfund wiegt. Ofilius ist der Meinung, dass gar nichts vermacht worden sei, dem tritt auch Labeo bei, weil Getreide von dieser Art nicht existire, dies halte ich für richtig.

8Pom­po­nius li­bro sex­to epis­tu­la­rum. Si he­res dam­na­tus sit da­re vi­num, quod in do­liis es­set, et per le­ga­ta­rium ste­tit, quo mi­nus ac­ci­piat, pe­ri­cu­lo­se he­redem fac­tu­rum, si id vi­num ef­fun­det: sed le­ga­ta­rium pe­ten­tem vi­num ab he­rede do­li ma­li ex­cep­tio­ne pla­cuit sum­mo­ve­ri, si non prae­stet id, quod prop­ter mo­ram eius dam­num pas­sus sit he­res.

8Pompon. lib. VI. Epistol. Ist dem Erben die Verpflichtung auferlegt worden, den Wein zu geben, welcher in den Fässern sich befindet, und es läge an dem Vermächtnissinhaber, dass er ihn nicht in Empfang nähme, so würde zwar der Erbe auf seine Gefahr handeln, wenn er diesen Wein wegschüttete; jedoch ist angenommen worden, dass der den Wein fordernde Vermächtnissinhaber mit der Einrede der Arglist zurückgewiesen werde, wenn er den Schaden nicht ersetzt, welchen der Erbe durch seine Verzögerung erlitten hat.

9Ul­pia­nus li­bro vi­ce­si­mo ter­tio ad Sa­binum. Si quis vi­num le­ga­ve­rit, om­ne con­ti­ne­tur, quod ex vi­nea na­tum vi­num per­man­sit. sed si mul­sum sit fac­tum, vi­ni ap­pel­la­tio­ne non con­ti­ne­bi­tur pro­prie, ni­si for­te pa­ter fa­mi­lias et­iam de hoc sen­sit. cer­te zy­thum, quod in qui­bus­dam pro­vin­ciis ex tri­ti­co vel ex hor­deo vel ex pa­ne con­fi­ci­tur, non con­ti­ne­bi­tur: si­mi­li mo­do nec ca­mum nec cer­ve­sia con­ti­ne­bi­tur nec hy­dro­me­li. quid con­di­tum? nec hoc pu­to, ni­si alia mens tes­tan­tis fuit. oe­no­me­li pla­ne id est dul­cis­si­mum vi­num con­ti­ne­bi­tur: et pas­sum, ni­si con­tra­ria sit mens, con­ti­ne­bi­tur: de­fru­tum non con­ti­ne­bi­tur, quod po­tius con­di­tu­rae lo­co fuit. aci­na­ti­cium pla­ne vi­no con­ti­ne­bi­tur. cy­do­neum et si qua alia sunt, quae non ex vi­nea fiunt, vi­ni ap­pel­la­tio­ne non con­ti­ne­bun­tur. item ace­tum vi­ni ap­pel­la­tio­ne non con­ti­ne­bi­tur. haec om­nia ita de­mum vi­ni no­mi­ne non con­ti­nen­tur, si mo­do vi­ni nu­me­ro a tes­ta­to­re non sunt ha­bi­ta: alio­quin Sa­b­inus scri­bit om­nia vi­ni ap­pel­la­tio­ne con­ti­ne­ri, quae vi­ni nu­me­ro pa­ter fa­mi­lias ha­buit: igi­tur et ace­tum, quod vi­ni nu­me­ro pa­ter fa­mi­lias ha­buit, et zy­thum et ca­mum et ce­te­ra, quae pro ho­mi­num af­fec­tio­ne at­que usu vi­ni nu­me­ro ha­be­bun­tur. quod si to­tum vi­num, quod pa­ter fa­mi­lias ha­buit, co­acuit, non ex­stin­gui­tur le­ga­tum. 1Si ace­tum quis le­ga­ve­rit, non con­ti­ne­bi­tur le­ga­to ace­tum quod vi­ni nu­me­ro tes­ta­tor ha­buit: em­bam­ma au­tem con­ti­ne­bi­tur, quia ace­ti nu­me­ro fuit. 2Item si quis vi­num quod ha­buit le­ga­vit, de­in­de hoc co­acuit, li­cet post­ea in ace­ti lo­cum trans­la­tum sit a pa­tre fa­mi­lias, vi­no le­ga­to con­ti­ne­bi­tur, quia id, quod tes­ta­men­ti fac­ti tem­po­re vi­num fuit, de­mons­tra­tum est: et est hoc ve­rum, ni­si vo­lun­tas ad­ver­se­tur. 3Vi­no au­tem pa­ter­no le­ga­to id de­mum le­ga­tum vi­de­tur, quod tes­ta­tor vi­ni nu­me­ro ha­buit, non quod pa­ter. item si pe­cu­lia­re vi­num le­ga­tum sit, id con­ti­ne­bi­tur, quod ser­vi ha­bue­runt. cur tam di­ver­se? quod pa­ter­num vi­num iam coe­pit usus ip­sius tes­ta­to­ris es­se, at pe­cu­lia­re in usu ser­vo­rum re­man­sit. 4Item si vi­num ve­tus sit le­ga­tum,

9Ulp. lib. XXIII. ad Sabin. Wenn Jemand den Wein vermacht hätte, so ist aller Wein darunter begriffen, der als Erzeugniss des Weinbergs vorhanden ist. Ist aber Meth daraus gemacht worden, so wird er eigentlich unter der Benennung Wein nicht mitbegriffen, wenn der Hausvater nicht etwa auch ihn gemeint hat. Gewiss aber wird der Cyder, welcher in einigen Gegenden aus Weitzen, Gerste oder Brod bereitet wird, nicht mit darunter begriffen. Auf gleiche Weise auch weder Camum22Camum est potio, quae fit ex hordeo et aliis frugibus simul coctis, puta vel lupulis val arbutis, vel sorbis. Brisson. Wir haben dafür kein entsprechendes Wort: eine künstlichere Art Bier., noch Bier, noch der Meth von Honig. Wie aber der mit Gewürzen bereitete Wein? Ich glaube, auch dieser nicht, insofern der Testator nicht eine andere Meinung hatte. Dagegen wird der Weinmeth, d. h. der süsseste Wein, allerdings darunter begriffen und ebenso der Rosinenwein, insofern ein entgegengesetzter Wille nicht vorhanden ist. Verdickter Most wird jedoch darunter nicht mit begriffen, weil dieser zu dem Eingemachten gehört. Das Acinaticium33Eine Art Getränk aus getrockneten Weintrauben. Cassiodor. beschreibt die Bereitung desselben lib. XVII. Variar. Epistol. S. Brisson. bei diesem Worte. wird durchaus mit unter dem Wein begriffen. Quittenwein dagegen und alles Andere, was seinen Ursprung nicht vom Weinstock hat, wird unter der Benennung Wein nicht mitbegriffen. Ebenso wird Essig unter der Benennung Wein nicht mit begriffen. Alle diese Gegenstände werden jedoch nur dann unter der Benennung Wein nicht verstanden, wenn sie von dem Testator nicht mit zu dem Wein gerechnet worden sind. Denn sonst wird, wie Sabinus schreibt, unter der Benennung Wein Alles begriffen, was der Hausvater zum Wein rechnete; daher sowohl Essig, den der Hausvater dem Wein beizählte, als Cyder, Camum und alles Uebrige, was für den Geschmack und den Gebrauch der Menschen dem Weine beigezählt wird. Ist der gesammte Wein, welchen der Hausvater besass, sauer geworden, so erlischt dadurch das Vermächtniss nicht. 1Hätte Jemand Essig vermacht, so ist in dem Vermächtnisse der Essig nicht begriffen, welchen der Testator dem Weine beirechnete; wohl aber gehören die künstlichen Saucen44Embamma contriti sapores, acido vino infusi, asperrimi gustus ad acuendum vel excitandum stomachum ab ἐμβάπτω quod est intingo vel, ut alii putant, acetum coagulatum, quod vino dilutum aut aqua, aceti saporem facit. Briss. dazu, weil man sie zum Essig zählt. 2Ebenso, wenn Jemand den Wein vermacht bat, welchen er besass, und dieser hernach sauer geworden ist; wäre er gleich von dem Hausvater nachher unter den Essig gestellt worden, so wird er doch unter dem vermachten Weine begriffen, weil das, was zur Zeit der Testamentserrichtung Wein war, bezeichnet worden ist. Und es ist dies allerdings richtig, insofern der Wille des Testators nicht entgegen steht. 3Ist aber der väterliche Wein vermacht worden, so ist nur das als vermacht anzunehmen, was der Testator zum Weine rechnete, nicht was dessen Vater. Ebenso, wenn der Sondergutswein55Nach der Analogie von Sondergut, weil mit peculiare alles bezeichnet wird, quicquid in Peculio est aut ex Peculio. vermacht worden ist, nur derjenige darunter begriffen ist, welchen die Sclaven dazu rechneten. Warum aber hier solcher Unterschied? Weil der väterliche Wein sich schon im Gebrauche des Testators selbst befand, der Sondergutswein aber den Sclaven zum Gebrauch verblieb. 4Ebenso, wenn alter Wein vermacht worden;

10Her­mo­ge­nia­nus li­bro se­cun­do iu­ris epi­to­ma­rum. ex usu tes­ta­to­ris le­ga­tum aes­ti­ma­bi­tur, id est quot an­no­rum vi­no pro ve­te­re ute­ba­tur. quod si non ap­pa­reat,

10Hermogen. lib. II. Jur. Epitom. so muss das Vermächtniss nach dem Gebrauche des Testators beurtheilt werden, d. i. welche Jahrgänge Wein von ihm als alter Wein gebraucht wurden; erhellt dies nicht,

11Ul­pia­nus li­bro vi­ce­si­mo ter­tio ad Sa­binum. ve­tus ac­ci­pie­tur, quod non est no­vum: id est et an­ni prio­ris vi­num ap­pel­la­tio­ne ve­te­ris con­ti­ne­bi­tur:

11Ulp. lib. XXIII. ad Sabin. so wird der als alter Wein angenommen, der nicht neu ist; d. i. auch der Wein des verflossenen Jahres wird unter der Benennung alter Wein mitbegriffen;

12Pau­lus li­bro quar­to ad Sa­binum. nam ali­ter ob­ser­van­ti­bus quis fi­nis aut quod in­itium ve­te­ris vi­ni su­me­re­tur?

12Paul. lib. IV. ad Sabin. denn wollte man etwas Anderes annehmen, was sollte als Anfang, was als Ende des alten Weins angenommen werden?

13Ul­pia­nus li­bro vi­ce­si­mo ter­tio ad Sa­binum. ‘Ex eo vi­no quod in il­lo fun­do nas­ce­tur, he­res meus am­pho­ras de­cem quot­an­nis in an­nos sin­gu­los da­to’. quo an­no na­tum non fuis­set, ex su­pe­rio­re an­no eius fun­di eum nu­me­rum am­pho­ra­rum he­redem da­tu­rum Sa­b­inus ex­is­ti­mat. quae sen­ten­tia, si vo­lun­tas non ad­ver­se­tur, mi­hi quo­que pla­cet.

13Ulp. lib. XXIII. ad Sabin. Mein Erbe soll von demjenigen Wein, welcher in jenem Grundstücke gewonnen wird, alljährlich zehn Krüge, nämlich Jahr für Jahr, geben. Sabinus nimmt an, dass der Erbe in demjenigen Jahre, wo nicht soviel gewonnen worden, diese Zahl Krüge aus dem Gewinne der früheren Jahre dieses Landguts gewähren müsse. Dieser Meinung pflichte ich, wenn ein entgegengesetzter Wille nicht vorhanden ist, ebenfalls bei.

14Pom­po­nius li­bro sex­to ad Sa­binum. Vi­no le­ga­to ea de­mum va­sa se­quun­tur, quae ita dif­fu­sa sunt, ut non ad per­pe­tuum usum va­sa re­ser­va­ren­tur, vel­uti am­pho­rae et ca­di.

14Pompon. lib. VI. ad Sabin. Ist Wein vermacht worden, so müssen nur die Gefässe mit verabfolgt werden, welche zu solchem Gebrauche bestimmt sind, dass sie nicht als Gefässe zum immerwährenden Gebrauch aufbewahrt werden, wie Krüge und Flaschen.

15Pro­cu­lus li­bro se­cun­do epis­tu­la­rum. Vi­num cum va­sis le­ga­vit. ne­gat Tre­ba­tius quod in do­liis sit de­be­ri et sen­sum tes­ta­to­ris alium pu­tat es­se, ver­bo­rum alium: ce­te­rum do­lia in va­sis vi­na­riis non es­sent. ego et si do­lia in va­sis vi­na­riis non sunt, ta­men non con­ce­de­rem Tre­ba­tio vi­num quod in do­liis es­set, id est quod in va­sis non es­set, non es­se le­ga­tum. il­lud ve­rum es­se pu­to, cui vi­num cum va­sis le­ga­tum erit, ei am­pho­ras ca­dos, in qui­bus vi­na dif­fu­sa ser­va­mus, le­ga­tos es­se: vi­num enim in am­pho­ras et ca­dos hac men­te dif­fun­di­mus, ut in his sit, do­nec usus cau­sa pro­be­tur, et sci­li­cet id ven­di­mus cum his am­pho­ris et ca­dis: in do­lia au­tem alia men­te co­ici­mus, sci­li­cet ut ex his post­ea vel in am­pho­ras et ca­dos dif­fun­da­mus vel si­ne ip­sis do­liis ven­eat.

15Procul. lib. II. Epistol. Es hat Jemand Wein mit den Gefässen vermacht. Trebatius verneint, dass der, welcher sich in den Fässern befinde, verabfolgt werden müsse, und glaubt, dass die Meinung des Testators eine andere gewesen sei, als seine Worte ausdrücken; übrigens seien Fässer unter den Weingefässen nicht begriffen. Ich aber kann, wenngleich Fässer nicht zu den Weingefässen gehören, dennoch dem Trebatius darin nicht beipflichten, dass der in Fässern befindliche Wein, nämlich der nicht in Gefässen befindliche, nicht mit vermacht worden sei. Das aber halte ich für richtig, dass demjenigen, dem der Wein mit den Gefässen vermacht worden ist, auch Krüge und Flaschen, in welchen wir die abgezogenen Weine aufbewahren, vermacht sind. Denn den Wein giessen wir in der Absicht in Krüge und Flaschen, um ihn darin so lange zu lassen, bis er gebraucht wird; indem wir ihn nämlich mit diesen Krügen und Flaschen verkaufen. Auf Fässer werfen wir ihn aber in anderer Absicht, nämlich um ihn hernach auf Krüge und Flaschen zu ziehen, oder um ihn ohne die Fässer selbst zu verkaufen.

16Idem li­bro ter­tio ex pos­te­rio­ri­bus La­beo­nis. Qui vi­num Sur­ren­ti­num in ur­na­li­bus ha­be­bat dif­fu­sum, is ti­bi vi­num le­ga­ve­rat in am­pho­ris om­ne. il­lud quo­que vi­num, quod in ur­na­li­bus fuis­set, le­ga­tum es­se La­beo et Tre­ba­tius re­spon­de­runt. 1Cui dul­cia le­ga­ta es­sent, si ni­hil aliud tes­ta­men­to sig­ni­fi­ce­tur, om­nia haec es­se le­ga­ta: mul­sum pas­sum de­fru­tum et si­mi­les po­tio­nes, item uvas fi­cos pal­mas ca­ri­cas. 2Quod si ita es­set le­ga­tum: ‘vi­num am­pho­ra­rium ami­naeum Grae­cum et dul­cia om­nia’, ni­hil in­ter dul­cia, ni­si quod po­tio­nis fuis­set, le­ga­tum pu­tat La­beo ex col­la­tio­ne vi­ni am­pho­ra­rii: quod non im­pro­bo.

16Idem lib. III. ex Poster. Labeon. Jemand, der Surrentinischen Wein in Urnen abgezogen besass, hatte dir den Wein in Krügen vermacht. Labeo und Trebatius antworteten, dass auch sämmtlicher in den Urnen befindlicher Wein vermacht worden sei. 1Sind Jemandem die Süssigkeiten vermacht worden, so sind, wenn etwas Anderes nicht im Testamente bezeichnet wurde, alle Gegenstände dieser Art vermacht worden; Meth, Most, verdickter Most, und ähnliche Getränke, desgleichen Trauben, Feigen, Palmen, Carische [oder trockene] Feigen. 2Wäre ein Vermächtniss folgender Gestalt hinterlassen worden: derselbe soll den in Krügen befindlichen Wein, den Aminäischen, den Griechischen und alle Süssigkeiten erhalten, so schliesst Labeo aus der Verbindung mit dem Weine in Krügen, dass von den Süssigkeiten nichts, als was zum Getränke gehört, vermacht worden sei, was ich nicht missbilligen kann.