Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 37 übersetzt von Sintenis
Dig. XXXVII11,
De bonorum possessione secundum tabulas
Liber trigesimus septimus
XI.

De bonorum possessione secundum tabulas

(Vom Nachlassbesitz zufolge des Testamentsinhalts.)

1Ul­pia­nus li­bro tri­gen­si­mo no­no ad edic­tum. Ta­bu­las tes­ta­men­ti ac­ci­pe­re de­be­mus om­nem ma­te­riae fi­gu­ram: si­ve igi­tur ta­bu­lae sint lig­neae si­ve cu­ius­cum­que al­te­rius ma­te­riae, si­ve char­tae si­ve mem­bra­nae sint vel si co­rio ali­cu­ius ani­ma­lis, ta­bu­lae rec­te di­cen­tur. 1Non au­tem om­nes ta­bu­las prae­tor se­qui­tur hac par­te edic­ti, sed su­pre­mas, hoc est eas, quae no­vis­si­mae ita fac­tae sunt, post quas nul­lae fac­tae sunt: su­pre­mae enim hae sunt non quae sub ip­so mor­tis tem­po­re fac­tae sunt, sed post quas nul­lae fac­tae sunt, li­cet hae ve­te­res sint. 2Suf­fi­cit au­tem ex­ta­re ta­bu­las, et­si non pro­fe­ran­tur, si cer­tum sit eas ex­sta­re. igi­tur et­si apud fu­rem sint vel apud eum, apud quem de­po­si­tae sunt, du­bi­ta­ri non opor­tet ad­mit­ti pos­se bo­no­rum pos­ses­sio­nem: nec enim opus est ape­ri­re eas, ut bo­no­rum pos­ses­sio se­cun­dum ta­bu­las agnos­ca­tur. 3Se­mel au­tem ex­sti­tis­se ta­bu­las mor­tuo tes­ta­to­re de­si­de­ra­tur, tam­et­si ex­sta­re de­sie­rint: qua­re et si post­ea in­ter­ci­de­runt, bo­no­rum pos­ses­sio pe­ti pot­erit. 4Scien­tiam ta­men ex­ige­mus, ut sciat he­res ex­ta­re ta­bu­las cer­tus­que sit de­la­tam si­bi bo­no­rum pos­ses­sio­nem. 5Si quis in duo­bus ex­em­pla­ri­bus fe­ce­rit tes­ta­men­tum et aliud ex­stet, aliud non ex­stet, ta­bu­lae ex­ta­re vi­den­tur pe­ti­que pot­est bo­no­rum pos­ses­sio. 6Sed et si in duo­bus co­di­ci­bus si­mul sig­na­tis alios at­que alios he­redes scrip­se­rit et utrum­que ex­tet, ex utro­que qua­si ex uno com­pe­tit bo­no­rum pos­ses­sio, quia pro unis ta­bu­lis ha­ben­dum est et su­pre­mum utrum­que ac­ci­pie­mus. 7Sed si unum fe­ce­rit tes­ta­tor qua­si tes­ta­men­tum, aliud qua­si ex­em­plum, si qui­dem id ex­tat quod vo­luit es­se tes­ta­men­tum, bo­no­rum pos­ses­sio pe­te­tur, si ve­ro id quod ex­em­plum erat, bo­no­rum pos­ses­sio pe­ti non pot­erit, ut Pom­po­nius scrip­sit. 8Ex­igit prae­tor, ut is, cu­ius bo­no­rum pos­ses­sio da­tur, utro­que tem­po­re ius tes­ta­men­ti fa­cien­di ha­bue­rit, et cum fa­cit tes­ta­men­tum et cum mo­ri­tur. pro­in­de si im­pu­bes vel fu­rio­sus vel quis alius ex his qui tes­ta­men­tum fa­ce­re non pos­sunt tes­ta­men­tum fe­ce­rit, de­in­de ha­bens tes­ta­men­ti fac­tio­nem de­ces­se­rit, pe­ti bo­no­rum pos­ses­sio non pot­erit. sed et si fi­lius fa­mi­lias pu­tans se pa­trem fa­mi­lias tes­ta­men­tum fe­ce­rit, de­in­de mor­tis tem­po­re pa­ter fa­mi­lias in­ve­nia­tur, non pot­est bo­no­rum pos­ses­sio se­cun­dum ta­bu­las pe­ti. sed si fi­lius fa­mi­lias ve­te­ra­nus de cas­tren­si fa­ciat, de­in­de em­an­ci­pa­tus vel alias pa­ter fa­mi­lias fac­tus de­ce­dat, pot­est eius bo­no­rum pos­ses­sio pe­ti. sed si quis utro­que tem­po­re tes­ta­men­ti fac­tio­nem ha­bue­rit, me­dio tem­po­re non ha­bue­rit, bo­no­rum pos­ses­sio se­cun­dum ta­bu­las pe­ti pot­erit. 9Si quis au­tem tes­ta­men­tum fe­ce­rit, de­in­de amis­e­rit tes­ta­men­ti fac­tio­nem vel fu­ro­re vel quod ei bo­nis in­ter­dic­tum est, pot­est eius pe­ti bo­no­rum pos­ses­sio, quia iu­re tes­ta­men­tum eius va­let: et hoc ge­ne­ra­li­ter de om­ni­bus hu­ius­mo­di di­ci­tur, qui amit­tant mor­tis |tom. 2, folio 154’| tem­po­re tes­ta­men­ti fac­tio­nem, sed an­te fac­tum eo­rum tes­ta­men­tum va­let. 10Si li­num, quo li­ga­tae sunt ta­bu­lae, in­ci­sum sit, si qui­dem alius con­tra vo­lun­ta­tem tes­ta­to­ris in­ci­de­rit, bo­no­rum pos­ses­sio pe­ti pot­est: quod si ip­se tes­ta­tor id fe­ce­rit, non vi­den­tur sig­na­tae et id­eo bo­no­rum pos­ses­sio pe­ti non pot­est. 11Si ro­sae sint a mu­ri­bus ta­bu­lae vel li­num ali­ter rup­tum vel ve­tus­ta­te pu­tre­fac­tum vel si­tu vel ca­su, et sic vi­den­tur ta­bu­lae sig­na­tae, ma­xi­me si pro­po­nas vel unum li­num te­ne­re. si ter for­te vel qua­ter li­num es­set cir­cum­duc­tum, di­cen­dum est sig­na­tas ta­bu­las eius ex­ta­re, quam­vis vel in­ci­sa vel ro­sa sit pars uni.

1Ulp. lib. XXXIX. ad Ed. Unter Testament11Tabulae testamenti; es ist hier nämlich das Körperliche des Testaments gemeint, die Urkunde selbst; sonst (wie in der Ueberschrift und in c. t. B. P.) wird tabulae meistens metaphorisch gebraucht, und zwar recht eigentlich für den Testamentsinhalt; denn es heisst ja: tabulae plane testamenti non intelliguntur, in quibus heres scriptus non est, magisque codicilli quam testamenti intelliguntur; tabulae testamenti ist also in dieser Beziehung die letztwillige Disposition einer wirklichen Erbeinsetzung oder resp. Enterbung. müssen wir jeden geformten Stoff verstehen, es sei also ein Testament auf Holz, oder irgend einen andern Stoff, auf Papier, Pergament oder der Haut eines Thieres geschrieben, es wird unbestritten Testament genannt werden. 1Der Prätor befolgt aber in diesem Theile des Edicts nicht alle Testamente, [falls mehrere errichtet worden sind,] sondern nur das letzte, d. h. dasjenige, welches zuletzt errichtet worden ist, wonach keines weiter gemacht worden; denn das letzte ist nicht dasjenige, welches gerade zur Zeit des Todes selbst errichtet worden ist, sondern wonach keines weiter gemacht worden, wenn es auch schon alt ist. 2Es ist hinreichend, dass ein Testament vorhanden ist, wenn es auch nicht vorgebracht wird, sobald sein Vorhandensein nur gewiss ist. Wenn sich dasselbe daher auch in den Händen eines Diebes oder dessen befindet, bei dem es niedergelegt worden ist, so kann nicht gezweifelt werden, dass der Nachlassbesitz zulässig sei; denn die Eröffnung desselben ist nicht nöthig, um den Nachlassbesitz zufolge des Testamentsinhalts zu erhalten. 3Das Testament muss aber beim Ableben des Testators einmal vorhanden gewesen sein, wenn es nachher auch aufgehört hat, vorhanden zu sein; der Nachlassbesitz kann daher auch gefordert werden, wenn es nachher verloren gegangen ist. 4Doch machen wir die Wissenschaft zu einem Erforderniss, nämlich der Erbe muss gewusst haben, dass ein Testament vorhanden sei, und dessen sicher sein, dass ihm der Nachlassbesitz angefallen sei. 5Wenn Jemand ein Testament in zwei Exemplaren gemacht hat, und das eine davon vorhanden ist, das andere nicht, so wird das Vorhandensein eines Testaments angenommen, und es kann der Nachlassbesitz gefordert werden. 6Auch wenn er in zwei zu gleicher Zeit besiegelten Urkunden verschiedene Erben eingesetzt hat, und beide Testamente vorhanden sind, so findet aus beiden, wie aus einem einzigen, der Nachlassbesitz Statt, weil dasselbe für ein einziges Testament zu halten ist, und man beide als das letzte betrachtet. 7Hat aber der Testator das eine als Testament errichtet, und das andere nur als Abschrift, so wird, wenn dasjenige vorhanden ist, welches der Testator als [Original-]Testament betrachtet wissen wollte, der Nachlassbesitz gefordert werden könpen, nicht aber dann, wenn nur die Abschrift vorhanden war, wie Pomponius schreibt. 8Der Prätor verlangt, dass derjenige, dessen Nachlasses Besitz ertheilt wird, zu den beiden Zeitpuncten das Recht, ein Testament zu errichten, gehabt haben müsse, wo er das Testament errichtet, und wo er stirbt. Hat daher ein Unmündiger, oder ein Wahnsinniger, oder irgend einer von denen, die kein Testament errichten können, ein solches errichtet, und ist nachher, nach erlangter Testamentsfähigkeit, gestorben, so wird der Nachlassbesitz nicht gefordert werden können. Auch aber wenn ein Haussohn in dem Glauben, er sei Hausvater, ein Testament errichtet hat, und nachher zur Zeit seines Ablebens als Hausvater befunden wird, kann der Nachlassbesitz zufolge Testamentsinhalts nicht gefordert werden. Wenn aber ein Haussohn, der Veteran ist; ein Testament über sein im Felde erworbenes Sondergut macht, nachher aus der Gewalt entlassen, oder auf andere Weise Hausvater geworden und dann gestorben ist, so kann der Besitz seines Nachlasses gefordert werden. 9Wenn hingegen Jemand ein Testament gemacht und darauf die Testamentsfähigkeit verloren hat, entweder durch Wahnsinn, oder dadurch, dass ihm die Verwaltung seines Vermögens Gerichtswegen untersagt worden ist, so kann der Besitz seines Nachlasses gefordert werden, weil sein Testament als zu Recht beständig gilt; und dies wird im Allgemeinen von allen Personen dieser Art gesagt, die zur Zeit ihres Todes die Testamentsfähigkeit nicht besitzen; aber ihr früher errichtetes Testament gilt. 10Wenn der Faden, womit das Testament umwunden worden, zerschnitten worden ist, so kann, dafern dies ein Anderer wider des Testators Willen gethan hat, der Nachlassbesitz gefordert werden; hat es der Testator hingegen selbst gethan, so wird das Testament nicht mehr als besiegelt angesehen, und darum kann der Nachlassbesitz dann nicht gefordert werden. 11Wenn ein Testament von den Mäusen zernagt, oder der Heftfaden zerrissen, oder durch Alter, oder durch die Lage, oder sonst einen Zufall verwest ist, so wird das Testament dennoch als besiegelt angesehen, besonders wenn es der Fall sein sollte, dass auch nur ein einziger Faden noch hält. Wenn dreimal oder viermal ein Faden darumgewunden22Das heisst wohl unzweifelhaft, wenn 3 oder 4 Faden u. s. w. Diesen Sinn versteht man im Deutschen zuweilen auch unter den obengewählten Worten. worden ist, so wird das Testament, wenn auch ein Theil eines33Uni ist hier Genetivform für unius, s. Duker l. l. p. 369. [Fadens] zerschnitten oder zernagt ist, dennoch als besiegelt fortwährend betrachtet.

2Idem li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad edic­tum. Ae­quis­si­mum or­di­nem prae­tor se­cu­tus est: vo­luit enim pri­mo ad li­be­ros bo­no­rum pos­ses­sio­nem con­tra ta­bu­las per­ti­ne­re, mox, si in­de non sit oc­cu­pa­ta, iu­di­cium de­func­ti se­quen­dum. ex­spec­tan­di igi­tur li­be­ri erunt, quam­diu bo­no­rum pos­ses­sio­nem pe­te­re pos­sunt: quod si tem­pus fue­rit fi­ni­tum aut an­te de­ces­se­rint vel re­pu­dia­ve­rint vel ius pe­ten­dae bo­no­rum pos­ses­sio­nis amis­e­rint, tunc re­ver­te­tur bo­no­rum pos­ses­sio ad scrip­tos. 1Si sub con­di­cio­ne he­res in­sti­tu­tus fi­lius sit, Iu­lia­nus perae­que pu­ta­vit se­cun­dum ta­bu­las com­pe­te­re ei qua­si scrip­to bo­no­rum pos­ses­sio­nem, qua­lis­qua­lis con­di­cio sit, et­iam si haec ‘si na­vis ex Asia ve­ne­rit’: et quam­vis de­fe­ce­rit con­di­cio, prae­tor ta­men fi­lium, qui ad­mi­se­rit se­cun­dum ta­bu­las, tue­ri de­be­bit ac si con­tra ta­bu­las ac­ce­pe­rit: quae tui­tio ei qui em­an­ci­pa­tus est ne­ces­sa­ria est. 2Pro qua quis­que par­te he­res scrip­tus est, pro ea ac­ci­piet bo­no­rum pos­ses­sio­nem, sic ta­men, ut, si non sit qui ei con­cur­rat, ha­beat so­lus bo­no­rum pos­ses­sio­nem: quam­diu ta­men ex he­redi­bus unus de­li­be­rat, utrum ad­mit­tat bo­no­rum pos­ses­sio­nem an non, por­tio bo­no­rum pos­ses­sio­nis eius co­he­redi non de­fer­tur. 3Si Pri­mus qui­dem ita sub­sti­tu­tus sit, si in­tra de­cem, Se­cun­dus, si post de­cem in­tra quat­tuor­de­cim an­nos: si qui­dem in­tra de­cem de­ces­se­rit, Pri­mus so­lus he­res erit et ac­ci­piet bo­no­rum pos­ses­sio­nem, si ve­ro post de­cem in­tra quat­tuor­de­cim, Se­cun­dus so­lus he­res erit et ac­ci­piet bo­no­rum pos­ses­sio­nem, nec si­bi iun­gun­tur, cum ad suam quis­que cau­sam sub­sti­tu­tus sit. 4De­fer­tur bo­no­rum pos­ses­sio se­cun­dum ta­bu­las pri­mo gra­du scrip­tis he­redi­bus, mox il­lis non pe­ten­ti­bus se­quen­ti­bus, non so­lum sub­sti­tu­tis, ve­rum sub­sti­tu­ti quo­que sub­sti­tu­tis, et per se­riem sub­sti­tu­tos ad­mit­ti­mus. pri­mo gra­du au­tem scrip­tos ac­ci­pe­re de­be­mus om­nes, qui pri­mo lo­co scrip­ti sunt: nam sic­uti ad ad­eun­dam he­redi­ta­tem pro­xi­mi sunt, ita et ad bo­no­rum pos­ses­sio­nem ad­mit­ten­dam. 5Si quis ita scrip­se­rit: ‘Pri­mus ex par­te he­res es­to: si Pri­mus he­res non erit, Se­cun­dus he­res es­to. Ter­tius ex alia par­te di­mi­dia he­res es­to: si non erit, Quar­tus he­res es­to’, Pri­mus et Ter­tius prio­res ad bo­no­rum pos­ses­sio­nem in­vi­tan­tur. 6Si­quis ita in­sti­tue­rit he­redes: ‘uter ex fra­tri­bus meis Se­iam uxo­rem du­xe­rit, ex do­dran­te mi­hi he­res es­to, uter non du­xe­rit, ex qua­dran­te he­res es­to’, si qui­dem mor­tua fue­rit Se­ia, ae­quas par­tes ha­bi­tu­ros he­redes con­stat: quod si ab al­te­ro uxor duc­ta fue­rit, do­dran­tem et qua­dran­tem eis com­pe­te­re: bo­no­rum au­tem pos­ses­sio­nem, an­te­quam ex­is­tat con­di­cio, ne­utrum pe­te­re. 7Si con­sul­to sit in­duc­tum no­men he­redis, in­du­bi­tan­ter pro­ba­tur bo­no­rum pos­ses­sio­nem pe­te­re eum non pos­se, quem­ad­mo­dum non pot­est, qui he­res scrip­tus est non con­sul­to tes­ta­to­re: nam pro non scrip­to est, quem scri­bi no­luit. 8Si duo sint he­redes in­sti­tu­ti Pri­mus et Se­cun­dus, Se­cun­do Ter­tius sub­sti­tu­tus, omit­ten­te Se­cun­do bo­no|tom. 2, folio 155|rum pos­ses­sio­nem Ter­tius suc­ce­dit: quod si Ter­tius no­lue­rit he­redi­ta­tem ad­ire vel bo­no­rum pos­ses­sio­nem ac­ci­pe­re, rec­ci­dit bo­no­rum pos­ses­sio ad pri­mum. nec erit ei ne­ces­se pe­te­re bo­no­rum pos­ses­sio­nem, sed ip­so iu­re ei ad­cres­cet: he­redi enim scrip­to sic­ut por­tio he­redi­ta­tis, ita et bo­no­rum pos­ses­sio ad­cres­cit. 9Si ser­vus he­res scrip­tus sit, ei do­mi­no de­fer­tur bo­no­rum pos­ses­sio, ad quem he­redi­tas per­ti­ne­bit: am­bu­lat enim cum do­mi­nio bo­no­rum pos­ses­sio. qua­re si mor­tis tem­po­re Sti­chus he­res in­sti­tu­tus fuit ser­vus Sem­pro­nii nec Sem­pro­nius eum ius­sit ad­ire, sed vel de­ces­sit vel et­iam eum alie­na­vit et coe­pit es­se Sep­ti­cii: eve­nit, ut, si Sep­ti­cius eum ius­se­rit, Sep­ti­cio de­fe­ra­tur bo­no­rum pos­ses­sio: ad hunc enim he­redi­tas per­ti­net. un­de si per mul­tos do­mi­nos trans­ie­rit ser­vus tres vel plu­res, no­vis­si­mo da­bi­mus bo­no­rum pos­ses­sio­nem.

2Idem lib. XLI. ad Ed. Der Prätor befolgt eine ganz der Billigkeit angemessene Rangordnung. Denn er wollte, dass der Nachlassbesitz zuvörderst wider den Testamentsinhalt den Kindern gebühren, und dann, wenn er hiernach nicht ergriffen worden, der Wille des Erblassers befolgt werden solle. Es muss daher [zuerst] auf die Kinder gewartet werden, so lange dieselben den Nachlassbesitz fordern können; ist diese Frist verstrichen, oder sind sie vorher gestorben, oder haben sie [den Nachlassbesitz] ausgeschlagen, oder das Recht, denselben zu fordern, verloren, dann kehrt er zu den eingesetzten Erben zurück44S. Averan. Int. Jur. I. cap. XI. p. 139.. 1Ist ein Sohn unter einer Bedingung zum Erben eingesetzt worden, so glaubte Julianus der Billigkeit gemäss, komme der Nachlassbesitz zufolge des Testamentsinhalts demselben als eingesetzten Erben zu, die Bedingung sei, von welcher Art sie wolle, auch wenn es heisse: wenn das Schiff aus Asien zurückgekehrt sein wird, und der Prätor muss, wenn die Bedingung auch ausgeblieben ist, den Sohn, wenn er den Nachlassbesitz zufolge des Testamentsinhalts zugelassen, ganz ebenso schützen, wie wenn er den wider den Testamentsinhalt erhalten hätte; dieser Schutz ist demjenigen nothwendig, der aus der Gewalt entlassen worden ist. 2Zu dem Antheile, wo Jemand zum Erben eingesetzt worden ist, wird er auch den Nachlassbesitz erhalten, jedoch dergestalt, dass, wenn Niemand vorhanden ist, der mit ihm zusammentrifft, er den Nachlassbesitz allein erhält; so lange jedoch noch einer von den Erben sich bedenkt, ob er den Nachlassbesitz annehmen solle, oder nicht, fällt die Portion seines Nachlassbesitzes nicht an seinen Miterben. 3Wenn ein Ersterer dergestalt substituirt ist, Falls [der zum Erben eingesetzte unmündige Sohn des Testators] binnen zehn Jahren [sterben sollte], und ein Zweiter, wenn er nach zehn Jahren innerhalb vierzehn Jahren, und derselbe binnen zehn Jahren gestorben ist, so wird der Erstere allein Erbe sein und den Nachlassbesitz empfangen, wenn aber nach zehn und innerhalb vierzehn Jahren, so wird der Zweite alleiniger Erbe sein und auch den Nachlassbesitz erhalten, und sie werden nicht mit einander verbunden, da jeder für seinen besondern Fall zum Erben substituirt worden ist. 4Der Nachlassbesitz zufolge des Testamentsinhalts fällt in erster Abstufung an die eingesetzten Erben, wenn diese ihn aber nicht fordern, nicht blos an die folgenden Substituirten, sondern auch an die Substituirten eines Substituirten, und so lassen wir die Substituirten nach der Reihe zu. In erster Abstufung als eingesetzt muss man alle diejenigen betrachten, welche an der ersten Stelle eingesetzt worden sind; denn sowie sie zum Erbschaftsantritt die nächsten sind, so sind sie es auch zum Empfang des Nachlassbesitzes. 5Wenn Jemand so gesagt hat: der Erste soll Erbe zur Hälfte sein, wenn der Erste nicht Erbe sein wird, so soll der Zweite Erbe sein; der Dritte soll Erbe zur andern Hälfte sein, wenn er es nicht sein wird, so soll der Vierte Erbe sein, so werden der Erste und der Dritte zuerst zum Nachlassbesitz zugelassen. 6Wenn Jemand die Erbeinsetzung folgendergestalt getroffen hat: wer von meinen Brüdern die Seja zur Frau genommen haben wird, der soll Erbe zum Viertheil sein, und Seja gestorben ist, so werden die Erben gleiche Antheile erhalten; hat sie der eine zur Frau genommen, so erhält der eine drei Viertheile und der andere ein Viertheil, den Nachlassbesitz kann aber vor Eintritt der Bedingung Keiner erhalten. 7Ad Dig. 37,11,2,7Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 548, Note 2; Bd. III, § 673, Note 1.Wenn der Namen des Erben absichtlich durchgestrichen worden ist, so liegt es ausser Zweifel, dass er den Nachlassbesitz nicht fordern könne, gleichwie es derjenige nicht kann, der ohne Absicht des Testators zum Erben eingesetzt worden ist; denn derjenige, von dem er nicht gewollt hat, dass er eingesetzt werden solle, wird für nicht eingesetzt erachtet. 8Wenn Zwei zu Erben eingesetzt worden sind, ein Erster und ein Zweiter, und dem Zweiten ein Dritter substituirt worden ist, so folgt, wenn der Zweite den Nachlassbesitz unberücksichtigt lässt, an die Stelle desselben der Dritte; will dieser auch die Erbschaft nicht antreten, oder den Nachlassbesitz nicht annehmen, so fällt letztere an den Ersten zurück, und er wird gar nicht nöthig haben, denselben zu fordern, sondern er wird ihm dem Rechte selbst zufolge zuwachsen, denn dem eingesetzten Erben wächst ebenso, wie eine Erbportion, auch der Nachlassbesitz zu. 9Wenn ein Sclav zum Erben eingesetzt worden ist, so fällt der Nachlassbesitz seinem Herrn zu, dem die Erbschaft gebührt; denn den Nachlassbesitz begleitet das Eigenthum. Wenn daher der eingesetzte Erbe Stichus zur Zeit des Todes [des Testators] Sclav des Sempronius gewesen ist, und ihm Sempronius den Erbschaftsantritt nicht geheissen hat, sondern entweder gestorben ist, oder ihn veräussert, und derselbe angefangen hat, dem Septicius zu gehören, so erfolgt daraus, dass, wenn Septicius es ihm geheissen, diesem der Nachlassbesitz anfällt, denn ihm gebührt die Erbschaft; ist daher der Sclav durch die Hände vieler Herren gegangen, dreier oder vier, so wird man den Nachlassbesitz dem Letzten ertheilen.

3Pau­lus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad edic­tum. Ve­rum est om­nem pos­tu­mum, qui mo­rien­te tes­ta­to­re in ute­ro fue­rit, si na­tus sit, bo­no­rum pos­ses­sio­nem pe­te­re pos­se.

3Paul. lib. XLI. ad Ed. Es ist gegründet, dass jeder Nachgeborene, der sich bei Ableben des Testators noch im Mutterleibe befunden hat, sobald er geboren worden, den Nachlassbesitz fordern könne.

4Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo se­cun­do ad edic­tum. Char­tae ap­pel­la­tio et ad no­vam char­tam re­fer­tur et ad de­le­ti­ciam: pro­in­de et si in opis­t­ho­gra­pho quis tes­ta­tus sit, hinc pe­ti pot­est bo­no­rum pos­ses­sio.

4Ulp. lib. XLII. ad Ed. Unter der Benennung Papier versteht man sowohl neues, als radirtes; wenn daher auch Jemand auf der Rückseite55Opisthographum, s. Cujac. Obs. VIII. 15. [eines schon beschriebenen Papiers] sein Testament geschrieben hat, so kann daraus auch der Nachlassbesitz gefordert werden.

5Idem li­bro quar­to dis­pu­ta­tio­num. Si sub con­di­cio­ne he­res quis in­sti­tu­tus sit et ac­cep­ta bo­no­rum pos­ses­sio­ne se­cun­dum ta­bu­las con­di­cio de­fe­ce­rit, in­ter­dum eve­nit, ut res pos­ses­so­ri con­ce­den­da sit, ut pu­ta si fi­lius sit em­an­ci­pa­tus sub con­di­cio­ne he­res in­sti­tu­tus: nam si de­fe­ce­rit con­di­cio, at­ta­men se­cun­dum ta­bu­las bo­no­rum pos­ses­sio­nem eum ac­ci­pe­re Iu­lia­nus scri­bit. sed et si is fue­rit, qui ab in­tes­ta­to bo­no­rum pos­ses­sor fu­tu­rus es­set, tuen­dum es­se scrip­sit, et hoc iu­re uti­mur. 1Vi­den­dum, an le­ga­ta ab eis de­bean­tur. et fi­lius qui­dem qua­si con­tra ta­bu­las bo­no­rum pos­ses­sio­ne ac­cep­ta rem ha­be­re vi­de­tur, ce­te­ri ve­ro qua­si ab in­tes­ta­to: et id­eo fi­lius li­be­ris pa­ren­ti­bus­que le­ga­ta re­lic­ta so­lis prae­sta­re co­ge­tur, ce­te­ris non. pla­ne ei, cui ab in­tes­ta­to fi­dei­com­mis­sum re­lic­tum est, erit prae­stan­dum, qua­si vi­dea­tur hoc ip­so frau­da­tus, quod ex tes­ta­men­to pe­ti­ta sit bo­no­rum pos­ses­sio.

5Idem lib. IV. Disp. Wenn ein Erbe unter einer Bedingung eingesetzt worden, und nach Empfang des Nachlassbesitzes die Bedingung ausgeblieben ist, so tritt zuweilen der Fall ein, dass dem Besitzer die Erbschaft gelassen werden muss, z. B. wenn ein aus der Gewalt entlassener Sohn unter einer Bedingung zum Erben eingesetzt worden ist; denn wenn die Bedingung ausgeblieben ist, so, schreibt Julianus, erhalte er dennoch den Nachlassbesitz in Gemässheit des Testamentsinhalts. Auch wenn er ein solcher gewesen ist, der testamentslos Nachlassbesitzer gewesen sein würde, schreibt er, müsse derselbe geschützt werden, und das ist bei uns Rechtens. 1Es ist die Frage, ob Personen dieser Art Vermächtnisse zu entrichten haben? Der Sohn wird nun zwar so angesehen, als besitze er die Erbschaft so, wie wenn er den Nachlassbesitz wider den Testamentsinhalt erhalten hätte, alle Anderen aber wie testamentslos. Daher wird der Sohn nur zur Entrichtung der den Kindern und Eltern ausgesetzten Vermächtnisse genöthigt, weiter Niemandem. Wem freilich ein Fideicommiss testamentslos hinterlassen worden ist, dem muss es geleistet werden, gleichwie wenn er dadurch selbst übervortheilt erscheine, dass der Nachlassbesitz aus dem Testamente gefordert worden ist.

6Idem li­bro oc­ta­vo dis­pu­ta­tio­num. Hi de­mum sub con­di­cio­ne he­redes in­sti­tu­ti bo­no­rum pos­ses­sio­nem se­cun­dum ta­bu­las et­iam pen­den­te con­di­cio­ne nec­dum im­ple­ta pe­te­re pos­sunt, qui uti­li­ter sunt in­sti­tu­ti: quod si in­uti­li­ter quis sit in­sti­tu­tus, nec ad bo­no­rum pos­ses­sio­nem in­uti­lis in­sti­tu­tio pro­fi­cit.

6Idem lib. VIII. Disp. Nur diejenigen bedingt eingesetzten Erben können den Nachlassbesitz zufolge des Testamentsinhalts auch während obschwebender und noch nicht erfüllter Bedingung fordern, die gültiger Weise eingesetzt worden sind, ist Jemand ungültiger Weise eingesetzt worden, so hilft die ungültige Einsetzung auch nicht zum Nachlassbesitz.

7Iu­lia­nus li­bro vi­cen­si­mo ter­tio di­ges­to­rum. Cum ta­bu­lae tes­ta­men­ti plu­rium sig­nis sig­na­tae es­sent et quae­dam ex his non pa­rent, sep­tem ta­men sig­na ma­neant, suf­fi­cit ad bo­no­rum pos­ses­sio­nem dan­dam sep­tem tes­tium sig­na com­pa­re­re, li­cet non om­nium qui sig­na­ve­rint ma­neant sig­na.

7Julian. lib. XXIII. Dig. Wenn ein Testament mit den Siegeln Mehrerer versehen ist, und einige derselben nicht mehr sichtbar sind, jedoch sieben davon übrig bleiben, so genügt es zur Ertheilung des Nachlassbesitzes, dass die Siegel von sieben Zeugen vorhanden sind, wenn auch nicht die Aller bleiben, welche dasselbe besiegelt haben.

8Idem li­bro vi­cen­si­mo quar­to di­ges­to­rum. Si ita scrip­tum sit: ‘Sem­pro­nius ex par­te di­mi­dia he­res es­to. Ti­tius, si na­vis ex Asia ve­ne­rit, ex par­te ter­tia he­res es­to. idem Ti­tius, si na­vis ex Asia non ve­ne­rit, ex par­te sex­ta he­res es­to’: Ti­tius non ex dua­bus par­ti­bus he­res scrip­tus, sed ip­se si­bi sub­sti­tu­tus in­tel­le­gi de­bet id­eo­que non ex ma­io­re par­te quam ter­tia scrip­tus vi­de­tur. se­cun­dum hanc ra­tio­nem cum sex­tans va­cuus re­lin­qua­tur, bo­no­rum pos­ses­sio­nem Ti­tius ac­ci­piet non so­lum ter­tiae par­tis, sed eius quo­que, quae ex sex­tan­te ei­dem ad­cres­cit. 1Qui fi­lio im­pu­be­ri sub­sti­tui­tur ita: ‘si fi­lius meus mo­ria­tur, prius­quam in suam tu­te­lam ve­niat, tunc Ti­tius mi­hi he­res es­to’, sic­ut he­redi­ta­tem |tom. 2, folio 155’| vin­di­cat, per­in­de ac si ver­bum hoc ‘mi­hi’ ad­iec­tum non es­set, ita bo­no­rum quo­que eius pos­ses­sio­nem ac­ci­pe­re pot­est. 2Sed et cum in prae­no­mi­ne co­gno­mi­ne er­ra­tum est, is ad quem he­redi­tas per­ti­net et­iam bo­no­rum pos­ses­sio­nem ac­ci­pit. 3Is au­tem, cu­ius no­men in tes­ta­men­to vo­lun­ta­te tes­ta­to­ris per­duc­tum est, sic­ut ad ad­eun­dam he­redi­ta­tem, ita ad pe­ten­dam bo­no­rum pos­ses­sio­nem scrip­tus non in­tel­le­gi­tur, quam­vis no­men eius le­ga­tur. 4Qui­dam tes­ta­men­tum in ta­bu­lis si­bi fe­cit, fi­lio au­tem im­pu­be­ri per nun­cu­pa­tio­nem sub­sti­tuit. re­spon­di sen­ten­tiam prae­to­ris in dan­da bo­no­rum pos­ses­sio­ne eam es­se, ut se­pa­ra­tim pa­tris, se­pa­ra­tim fi­lii he­redes aes­ti­ma­ri de­beant: nam quem­ad­mo­dum scrip­to fi­lii he­redi se­pa­ra­tim ab he­redi­bus pa­tris, ita nun­cu­pa­to pot­est vi­de­ri se­pa­ra­tim a scrip­tis pa­tris he­redi­bus bo­no­rum pos­ses­sio da­ri.

8Idem lib. XXIV. Dig. Wenn so gesagt worden ist: Sempronius soll Erbe zur Hälfte sein; Titius soll, wenn das Schiff aus Asien gekommen sein wird, Erbe zum Drittheile sein; wenn das Schiff aus Asien gekommen sein wird, soll derselbe Titius Erbe zum Sechstheile sein, so darf Titius nicht als zu zwei Antheilen als Erbe eingesetzt betrachtet werden, sondern als sich selbst substituirt; darum erscheint er auch nur als zum Drittheile eingesetzt; da nun aus diesem Grunde das Sechstheil als erblos übrig bleibt, so wird Titius nicht blos den Nachlassbesitz des Drittheils erhalten, sondern auch dessen, der ihm von dem Sechstheile zuwächst. 1Wer einem unmündigen Sohne dergestalt substituirt wird: wenn mein Sohn sterben sollte, bevor er zu seinen Jahren gekommen ist, dann soll Titius mein Erbe sein, der kann, gleich wie er die Erbschaft in Anspruch nimmt, wie wenn das Wort mein nicht hinzugefügt wäre, auch den Nachlassbesitz desselben empfangen. 2Auch wenn im Vornamen oder Zunamen geirrt worden ist, empfängt derjenige den Nachlassbesitz, dem die Erbschaft gebührt. 3Ad Dig. 37,11,8,3Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 673, Note 1.Derjenige aber, dessen Namen im Testamente mit des Testators Willen durchgestrichen worden ist, wird, wenn auch der Name noch gelesen werden kann, ebenso wenig zum Erbschaftsantritt als zur Forderung des Nachlassbesitzes als eingesetzter Erbe angesehen. 4Es errichtete Jemand ein Testament in Schriften, substituirte seinem unmündigen Sohne aber mündlich. Ich habe mich hierüber dahin ausgesprochen: die Absicht des Prätors sei rücksichtlich der Ertheilung des Nachlassbesitzes von der Art, dass die Erben des Vaters für sich betrachtet werden müssen, und die des Sohnes ebenfalls für sich, denn ebenso, wie dem eingesetzten Erben des Sohnes getrennt von den Erben des Vaters, so kann auch der Nachlassbesitz dem mündlichen [Substituirten] als getrennt von des Vaters eingesetzten Erben ertheilt werden zu müssen, angenommen werden.

9Pom­po­nius li­bro se­cun­do ad Sa­binum. Ut bo­no­rum pos­ses­sio se­cun­dum pu­pil­la­res ta­bu­las ad­mit­ti pos­sit, re­qui­ri­tur, an pa­tris tes­ta­men­tum sig­na­tum sit, li­cet se­cun­dae ta­bu­lae re­sig­na­tae pro­fe­ran­tur.

9Pompon. lib. II. ad Sabin. Zur Erlangung des Nachlassbesitzes zufolge des Inhalts eines Unmündigen-Testaments66D. h. der Substitution. wird erfordert, dass des Vaters Testament [gehörig] besiegelt sei, wenn das zweite Testament auch erbrochen vorgebracht wird.

10Pau­lus li­bro oc­ta­vo ad Plau­tium. Si ser­vus sub con­di­cio­ne he­res in­sti­tu­tus sit, an bo­no­rum pos­ses­sio­nem ac­ci­pe­re pot­est, du­bi­ta­tur. et Scae­vo­la nos­ter pro­bat pos­se.

10Paul. lib. VIII. ad Plaut. Wenn ein Sclav unter einer Bedingung zum Erben eingesetzt worden ist, so fragt es sich, ob er den Nachlassbesitz zufolge des Testamentsinhalts empfangen könne; unser Scävola ist der Meinung, dass er es könne.

11Pa­pi­nia­nus li­bro ter­tio de­ci­mo quaes­tio­num. ‘Qui ex li­be­ris meis im­pu­bes su­pre­mus mo­rie­tur, ei Ti­tius he­res es­to’. duo­bus per­egre de­func­tis si sub­sti­tu­tus igno­ret, uter no­vis­si­mus de­ces­se­rit, ad­mit­ten­da est Iu­lia­ni sen­ten­tia, qui prop­ter in­cer­tum con­di­cio­nis et­iam prio­ris pos­se pe­ti pos­ses­sio­nem bo­no­rum re­spon­dit. 1Fi­lius he­res in­sti­tu­tus post mor­tem pa­tris ab hos­ti­bus red­iit: bo­no­rum pos­ses­sio­nem ac­ci­piet et an­ni tem­pus a quo red­iit ei com­pu­ta­bi­tur. 2Tes­ta­men­to fac­to Ti­tius ad­ro­gan­dum se prae­buit ac post­ea sui iu­ris ef­fec­tus vi­ta de­ces­sit. scrip­tus he­res si pos­ses­sio­nem pe­tat, ex­cep­tio­ne do­li ma­li sum­mo­ve­bi­tur, quia dan­do se in ad­ro­gan­dum tes­ta­tor cum ca­pi­te for­tu­nas quo­que suas in fa­mi­liam et do­mum alie­nam trans­fe­rat. pla­ne si sui iu­ris ef­fec­tus co­di­cil­lis aut aliis lit­te­ris eo­dem tes­ta­men­to se mo­ri vel­le de­cla­ra­ve­rit, vo­lun­tas, quae de­fe­ce­rat, iu­di­cio re­cen­ti red­is­se in­tel­le­ge­tur, non se­cus ac si quis aliud tes­ta­men­tum fe­cis­set ac su­pre­mas ta­bu­las in­ci­dis­set, ut prio­res su­pre­mas re­lin­que­ret. nec pu­ta­ve­rit quis­quam nu­da vo­lun­ta­te con­sti­tui tes­ta­men­tum: non enim de iu­re tes­ta­men­ti ma­xi­me quae­ri­tur, sed vi­ri­bus ex­cep­tio­nis. quae in hoc iu­di­cio quam­quam ac­to­ri op­po­na­tur, ex per­so­na ta­men eius qui op­po­nit aes­ti­ma­tur.

11Papin. lib. III. Quaest. Wer von meinen Kindern zuletzt stirbt, dessen Erbe soll Titius sein, wenn hier beide ausser Landes gestorben sind, und der Substituirte nicht weiss, wer von beiden zuletzt gestorben sei, so muss man Julianus Meinung annehmen, welcher sich dahin ausgesprochen hat, dass wegen der Ungewissheit, worin die Bedingung schwebt, auch77Also beider, man s. die Erl. dieses Ges. bei Retes Opusc. lib. VII. Excurs. ad h. l. (T. M. VI. p. 369.) der Besitz des Nachlasses des Erstverstorbenen gefordert werden könne. 1Ein vom Vater zum Erben eingesetzter Sohn, kehrte nach des Vaters Tode aus der Gefangenschaft der Feinde zurück; er wird den Nachlassbesitz erhalten, und die Jahresfrist wird für ihn von da an berechnet, wo er zurückgekehrt ist. 2Ad Dig. 37,11,11,2Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 563, Note 7.Nach Errichtung eines Testaments liess sich Titius adrogiren, und starb späterhin, nachdem er inzwischen wieder eigenen Rechtens geworden war; wenn hier der eingesetzte Erbe den Besitz fordert, so wird er mit der Einrede der Arglist abgewehrt werden können, weil der Testator dadurch, dass er sich hat adrogiren lassen, mit seiner Person zugleich auch sein Vermögen in eine fremde Familie und ein fremdes Haus überträgt. Wenn er freilich, wiederum eigenen Rechtens geworden, in einem Codicill, oder anderen schriftlichen Aufsatze erklärt hat, dass er mit demselben Testamente sterben wolle, so wird angenommen, dass der Wille, welcher gefehlt hatte, durch die neuere Bestätigung desselben zurückgekehrt sei, gerade, wie wenn Jemand ein anderes Testament gemacht, und dasselbe wieder zerschnitten hat, so dass er das frühere als das letzte hinterlässt. Man folgere aber hieraus nicht, als werde das Testament durch den blossen Willen allein bestätigt, denn es handelt sich hier nicht hauptsächlich um das Recht des Testaments, sondern um die Wirksamkeit der Einrede, welche, wenn sie auch in einem Verfahren hierüber88Die Construction nach der Glosse. dem Kläger entgegengesetzt werden kann, dennoch aus der Person dessen, der sie ihm entgegenstellt, gewürdigt wird99Ob sie ihm nämlich zuständig sei oder nicht. Glosse..

12Pau­lus li­bro sep­ti­mo quaes­tio­num. Ut scrip­tus he­res ad­gnos­ce­re pos­sit bo­no­rum pos­ses­sio­nem, ex­igen­dum pu­to, ut et de­mons­tra­tus sit pro­pria de­mons­tra­tio­ne et por­tio ad­scrip­ta ei in­ve­ni­ri pos­sit, li­cet si­ne par­te in­sti­tu­tus sit: nam qui si­ne par­te he­res in­sti­tu­tus est, va­can­tem por­tio­nem vel alium as­sem oc­cu­pat. quod si ita he­res scrip­tus sit, ut in­ter­dum ex­clu­da­tur a tes­ta­men­to, eo quod non in­ve­ni­tur por­tio, ex qua in­sti­tu­tus est, nec bo­no­rum pos­ses­sio­nem pe­te­re pot­est. id eve­nit, si quis ita he­redem in­sti­tuat: ‘Ti­tius quan­ta ex par­te prio­re tes­ta­men­to eum he­redem scrip­tum ha­beo, he­res es­to’ vel ‘quan­ta ex par­te co­di­cil­lis scrip­tum eum ha­beo, he­res es­to’, sic scrip­tus non in­ve­nia­tur. quod si ita scrip­se­ro: ‘Ti­tius, si eum prio­re tes­ta­men­to ex sem­is­se scrip­tum he­redem ha­beo’ vel ‘si eum co­di­cil­lis ex sem­is­se he­redem scrip­se­ro, ex sem­is­se he­res es­to’, tunc ac­ci­piet bo­no­rum pos­ses­sio­nem qua|tom. 2, folio 156|si sub con­di­cio­ne he­res scrip­tus.

12Paul. lib. VII. Quaest. Dazu, dass der eingesetzte Erbe den Nachlassbesitz erhalten kann, halte ich es für erforderlich, dass er sowohl mit einer eigenen Bezeichnung kenntlich gemacht sei, als auch die ihm ausgesetzte Portion ermittelt werden könne, wenn er auch ohne [bestimmten] Antheil zum Erben eingesetzt worden ist; denn wer ohne solchen zum Erben eingesetzt worden ist, der erhält entweder den [übrigbleibenden] erblosen Theil, oder das andere As1010S. Institutionen Buch II. Tit. XIV. §§. 5. 6. 7. 8.. Ist ein Erbe dergestalt eingesetzt worden, dass er zuweilen darum vom Testamente ausgeschlossen wird, weil keine Portion zu finden ist, zu der er eingesetzt worden ist, so kann er auch den Nachlagsbesitz nicht fordern; dies tritt ein, wenn Jemand einen Erben folgendergestalt einsetzt: Titius soll zu dem Theile Erbe sein, zu welchem ich ihn im vorigen Testamente zum Erben eingesetzt habe, oder, er soll zu dem Theile Erbe sein, wie ich ihn in meinem Codicill eingesetzt habe, und er gar nicht als eingesetzt befunden wird. Habe ich so gesagt: Titius, wenn ich ihn in meinem vorigen Testamente zur Hälfte zum Erben eingesetzt habe, oder: wenn ich ihn in meinem Codicill zur Hälfte zum Erben eingesetzt habe, so soll er zur Hälfte Erbe sein, so erhält er den Nachlassbesitz, wie wenn er unter einer Bedingung zum Erben eingesetzt worden ist.