Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 34 übersetzt von Sintenis
Dig. XXXIV3,
De liberatione legata
Liber trigesimus quartus
III.

De liberatione legata

(Von dem Vermächtniss des Erlasses einer Verbindlichkeit.)

1Ul­pia­nus li­bro vi­ce­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Om­ni­bus de­bi­to­ri­bus ea quae de­bent rec­te le­gan­tur, li­cet do­mi­ni eo­rum sint. 1Iu­lia­nus scrip­sit, si res pig­no­ri da­ta le­ge­tur de­bi­to­ri a cre­di­to­re, va­le­re le­ga­tum ha­be­re­que eum ac­tio­nem, ut pig­nus re­ci­piat, prius­quam pe­cu­niam sol­vat. sic au­tem lo­qui­tur Iu­lia­nus, qua­si de­bi­tum non de­beat lu­cra­ri: sed si alia tes­tan­tis vo­lun­tas fuit, et ad hoc per­ve­nie­tur ex­em­plo lui­tio­nis.

1Ulp. lib. XXI. ad Sabin. Jedem Schuldner kann dasjenige, wozu er verpflichtet ist, rechtlichermaassen vermacht werden, selbst wenn der Gegenstand der Verpflichtung Eigenthum des Schuldners ist. 1Julianus lehrt, wenn dem Schuldner vom Gläubiger eine ihm zum Pfande bestellte Sache vermacht wird, so gelte das Vermächtniss, und er habe eine Klage, auf Zurückgabe des Pfandes noch vor Rückzahlung der Schuld; Julianus spricht aber dabei so, als dürfe er nicht auch seine Schuld selbst profitiren; war jedoch der Wille des Testators ein anderer, so wird er in Folge der Befreiung auch hierzu gelangen.

2Pom­po­nius li­bro sex­to ad Sa­binum. He­redem, dam­na­tum a fi­de­ius­so­re non pe­te­re, a reo pe­te­re pos­se, sed a reo pe­te­re ve­ti­tum, si a fi­de­ius­so­re pe­tat, reo ex tes­ta­men­to te­ne­ri Cel­sus pu­tat. 1Idem Cel­sus ait nul­lam du­bi­ta­tio­nem ha­be­re, quin he­rede pe­te­re a de­bi­to­re ve­ti­to nec he­res he­redis pe­te­re pos­sit.

2Pompon. lib. VI. ad Sabin. Der Erbe, welchem auferlegt worden, von einem Bürgen eine Schuld nicht einzufordern, kann sie [dessenungeachtet] vom Hauptschuldner verlangen, wenn ihm aber verboten worden ist, sie wider den letztern geltend zu machen, und er wider den Bürgen Klage erhebt, so haftet er, nach des Celsus Ansicht, dem Hauptschuldner aus dem Testamente. 1Celsus sagt auch, es unterliege keinem Zweifel, dass, wenn dem Erben verboten worden ist, vom Schuldner eine Schuld einzufordern, es auch der Erbe des Erben nicht dürfe.

3Ul­pia­nus li­bro vi­ce­si­mo ter­tio ad Sa­binum. Li­be­ra­tio­nem de­bi­to­ri pos­se le­ga­ri iam cer­tum est. 1Sed et si chi­ro­gra­phum quis de­ce­dens de­bi­to­ri suo de­de­rit, ex­cep­tio­nem ei com­pe­te­re pu­to, qua­si pro fi­dei­com­mis­so hu­ius­mo­di da­tio­ne va­li­tu­ra. 2Iu­lia­nus et­iam li­bro qua­dra­ge­si­mo di­ges­to­rum scrip­sit: si quis de­ce­dens chi­ro­gra­phum Se­ii Ti­tio de­de­rit, ut post mor­tem suam Se­io det aut, si con­va­luis­set, si­bi red­de­ret, de­in­de Ti­tius de­func­to do­na­to­re Se­io de­de­rit et he­res eius pe­tat de­bi­tum, Se­ius do­li ex­cep­tio­nem ha­bet. 3Nunc de ef­fec­tu le­ga­ti vi­dea­mus. et si qui­dem mi­hi li­be­ra­tio sit re­lic­ta, cum so­lus sim de­bi­tor, si­ve a me pe­ta­tur, ex­cep­tio­ne uti pos­sum, si­ve non pe­ta­tur, pos­sum age­re, ut li­be­rer per ac­cep­ti­la­tio­nem. sed et si cum alio sim de­bi­tor, pu­ta duo rei fui­mus pro­mit­ten­di, et mi­hi so­li tes­ta­tor con­sul­tum vo­luit, agen­do con­se­quar, non ut ac­cep­to li­be­rer, ne et­iam con­reus meus li­be­re­tur con­tra tes­ta­to­ris vo­lun­ta­tem, sed pac­to li­be­ra­bor. sed quid si so­cii fui­mus? vi­dea­mus, ne per ac­cep­ti­la­tio­nem de­beam li­be­ra­ri: alio­quin, dum a con­reo meo pe­ti­tur, ego in­quie­tor. et ita Iu­lia­nus li­bro tri­ge­si­mo se­cun­do di­ges­to­rum scrip­sit, si qui­dem so­cii non si­mus, pac­to me de­be­re li­be­ra­ri, si so­cii, per ac­cep­ti­la­tio­nem. 4Con­se­quen­ter quae­ri­tur, an et il­le so­cius pro le­ga­ta­rio ha­bea­tur, cu­ius no­men in tes­ta­men­to scrip­tum non est, li­cet com­mo­dum ex tes­ta­men­to ad utrum­que per­ti­neat, si so­cii sunt. et est ve­rum non so­lum eum, cu­ius no­men in tes­ta­men­to scrip­tum est, le­ga­ta­rium ha­ben­dum, ve­rum eum quo­que, qui non est scrip­tus, si et eius con­tem­pla­tio­ne li­be­ra­tio re­lic­ta es­set. 5Utri­que au­tem le­ga­ta­rii ha­ben­tur et in hoc ca­su. nam et si quod ego de­beo Ti­tio sit ei le­ga­tum mei gra­tia, ut ego li­be­rer, ne­mo me ne­ga­bit le­ga­ta­rium, ut et Iu­lia­nus eo­dem li­bro scri­bit. et Mar­cel­lus no­tat utrius­que le­ga­tum es­se tam meum quam cre­di­to­ris mei, et­si sol­ven­do fue­ro: in­ter­es­se enim cre­di­to­ris duos reos ha­be­re.

3Ulp. lib. XXIII. ad Sabin. Dass dem Schuldner Erlass seiner Verbindlichkeit vermacht werden könne, ist gewiss. 1Auch glaube ich, dass, wenn Jemand sterbend seinem Schuldner den Schuldschein zurückgibt, diesem daraus eine Einrede erwächst, wie wenn dieses Uebergeben Statt Fideicommisses gälte. 2Auch hat Julianus im vierzigsten Buche seiner Digesten angeführt, dass, wenn Jemand sterbend einen Schuldschein des Sejus dem Titius gegeben habe, um denselben nach seinem erfolgten Ableben dem Sejus zuzustellen, oder wenn er wieder genesen würde, denselben ihm zurückzugeben, und darauf Titius, nach dem erfolgten Ableben des Schenkers, ihn dem Sejus gegeben habe, und der Erbe dessen Schuld einfordere, Sejus sich mit der Einrede der Arglist schützen könne. 3Wir wollen jetzt die Wirkung des Vermächtnisses betrachten. Ist mir, wenn ich allein Schuldner bin, der Erlass der Verbindlichkeit vermacht worden, so kann ich sowohl, wenn wider mich Klage erhoben wird, mich der Einrede bedienen, als auch, wenn nicht Klage erhoben wird, selbst klagend auf Befreiung vermöge der Annahme an Zahlungs Statt antragen. Bin ich zusammen mit einem Andern Schuldner, z. B. wir sind unserer Zwei Theilnehmer an einem Versprechen gewesen, und hat der Testator für mich allein sorgen wollen, so kann ich es zwar durch Erhebung einer Klage nicht dahin bringen, durch Annahme an Zahlungs Statt Befreiung zu erlangen, damit nämlich nicht auch mein Mitschuldner dem Willen des Testators zuwider befreit werde, sondern ich erlange die Befreiung im Wege des Vertrags. Wie aber wenn wir Gesellschafter sind? Hier fragt es sich, ob ich nicht doch durch Annahme an Zahlungs Statt Befreiung erhalten müsse, weil ich sonst, wenn wider meinen Mitschuldner Klage erhoben wird, ebenfalls beunruhigt werde. Und Julianus bejaht dies auch im zweiunddreissigsten Buche seiner Digesten; sind wir also nicht Gesellschafter, so muss ich vermöge eines Vertrags befreit werden, wenn wir es aber sind, durch Annahme an Zahlungs Statt. 4Folgerichtig wird auch die Frage erhoben, ob auch derjenige Gesellschafter als Vermächtnissinhaber zu betrachten sei, dessen Namen im Testamente [als solcher] nicht aufgeführt ist, wiewohl der Vortheil aus dem Testamente, wenn sie Gesellschafter sind, beide betrifft? Und es ist in der That nicht blos derjenige als Vermächtnissinhaber zu betrachten, dessen Namen im Testamente geschrieben steht, sondern auch derjenige, der nicht genannt ist, wenn nämlich der Erlass auch in Rücksicht seiner vermächtnissweise ausgesetzt worden ist. 5So werden wir auch beide im folgenden Fall als Vermächtnissinhaber angesehen: wenn dem Titius dasjenige, was ich ihm verschulde, meinetwegen vermacht worden ist, damit ich [davon] befreiet werde, so wird Niemand leugnen, dass ich Vermächtnissinhaber sei; dies sagt auch Julianus in dem gedachten Buche, und Marcellus bemerkt, das Vermächtniss äussere seine Wirkung auf uns beide, sowohl auf mich, als auf meinen Gläubiger, und selbst wenn ich zahlungsfähig bin; denn der Gläubiger ist dabei betheiligt, zwei Schuldner zu haben.

4Pom­po­nius li­bro sep­ti­mo ex Plau­tio. Quid er­go est, cum age­re pot­erit cre­di­tor ex tes­ta­men­to? non ali­ter he­res con­dem­na­ri de­be­bit, quam si ca­vea­tur ei ad­ver­sus de­bi­to­rem de­fen­su iri. item agen­te de­bi­to­re ni­hil am­plius he­res prae­sta­re de­bet, quam ut eum ad­ver­sus cre­di­to­rem de­fen­dat.

4Pompon. lib. VII. ex Plaut. Wie ist es nun zu halten, da der Gläubiger aus dem Testamente Klage erheben kann? Der Erbe darf nur dann verurtheilt werden, wenn ihm zuvor Sicherheit bestellt worden ist, dass er wider den Schuldner vertreten werden solle. Ingleichen braucht der Erbe, wenn der Schuldner wider ihn Klage anstellt, weiter nichts zu gewähren, als die Vertretung desselben wider den Gläubiger.

5Ul­pia­nus li­bro vi­ce­si­mo ter­tio ad Sa­binum. Si quis reum ha­beat et fi­de­ius­so­rem et reo li­be­ra­tio­nem le­get, Iu­lia­nus ibi­dem scrip­sit reum per ac­cep­ti­la­tio­nem li­be­ran­dum: alio­quin si fi­de­ius­so­rem coe­pe­rit con­ve­ni­re, alia ra­tio­ne reus con­ve­ni­tur. quid ta­men, si do­na­tio­nis cau­sa fi­de­ius­sor in­ter­ve­nit nec ha­bet ad­ver­sus reum re­gres­sum? vel quid si ad fi­de­ius­so­rem pe­cu­nia per­ve­ne­rit et ip­se reum de­de­rit vi­ce sua ip­se­que fi­de­ius­se­rit? pac­to est reus li­be­ran­dus. at­quin so­le­mus di­ce­re pac­ti ex­cep­tio­nem fi­de­ius­so­ri dan­dam, quae reo com­pe­tit: sed cum alia sit mens le­gan­tis, alia pa­cis­cen­tis, ne­qua­quam hoc di­ci­mus. 1Quod si fi­de­ius­so­ri sit li­be­ra­tio le­ga­ta, si­ne du­bio, ut et Iu­lia­nus scrip­sit, pac­to erit fi­de­ius­sor li­be­ran­dus. sed et hic pu­to in­ter­dum ac­cep­ti­la­tio­ne li­be­ran­dum, si vel reus ip­se ve­re fuit aut in eam rem so­cius reus. 2Idem Iu­lia­nus eo­dem li­bro scrip­sit, si fi­lius fa­mi­lias de­bi­tor fue­rit et pa­tri eius fue­rit li­be­ra­tio re­lic­ta, pa­trem pac­to li­be­ran­dum es­se, ne et­iam fi­lius li­be­re­tur. et par­vi, in­quit, re­fert, si sit ali­quid in pe­cu­lio die le­ga­ti ce­den­te nec­ne: se­cu­ri­ta­tem enim pa­ter per hoc le­ga­tum con­se­qui­tur: ma­xi­me, in­quit, cum rei iu­di­can­dae tem­pus cir­ca pe­cu­lium spec­te­tur. huic pa­tri si­mi­lem fa­cit Iu­lia­nus ma­ri­tum, cui uxor post di­vor­tium li­be­ra­tio­nem do­tis le­ga­vit: nam et hunc, li­cet die le­ga­ti ce­den­te sol­ven­do non sit, le­ga­ta­rium es­se: et utrum­que ait so­lu­tum re­pe­te­re non pos­se. sed est ve­rius quod Mar­cel­lus no­tat pa­trem pe­te­re pos­se (non­dum enim erat de­bi­tor, cum sol­ve­ret), ma­ri­tum non pos­se, quod de­bi­tum sol­vit. pa­trem enim et­si quis de­bi­to­rem ex­is­ti­ma­ve­rit, at­ta­men lo­co es­se con­di­cio­na­lis de­bi­to­ris, quem so­lu­tum re­pe­te­re pos­se non amb­igi­tur. 3Sed si dam­na­tus sit he­res fi­lium li­be­ra­re, non ad­icit Iu­lia­nus, utrum ac­cep­ti­la­tio­ne fi­lius an pac­to sit li­be­ran­dus: sed vi­de­tur hoc sen­ti­re, qua­si ac­cep­ti­la­tio­ne de­beat li­be­ra­ri, quae res pa­tri quo­que prod­erit. quod op­ti­nen­dum est, ni­si evi­den­ter ap­pro­be­tur con­tra­rium sen­sis­se tes­ta­to­rem, id est ne fi­lius in­quie­te­tur, non ne pa­ter: tunc enim ac­cep­ti­la­tio­ne eum non li­be­ran­dum, sed pac­to. 4Idem Iu­lia­nus scrip­sit, si pro fi­lio pa­ter fi­de­ius­se­rit ei­que li­be­ra­tio sit le­ga­ta, eum pac­to li­be­ran­dum qua­si fi­de­ius­so­rem, non qua­si pa­trem, et id­eo de pe­cu­lio pos­se con­ve­ni­ri. hoc ita de­mum pu­tat, si dum­ta­xat qua­si fi­de­ius­so­rem eum vo­luit tes­ta­tor li­be­ra­ri: ce­te­rum si et qua­si pa­trem, et de pe­cu­lio erit li­be­ran­dus.

5Ulp. lib. XXIII. ad Sabin. Wenn Jemand einen Hauptschuldner und einen Bürgen hat, und dem erstern den Erlass seiner Verbindlichkeit vermacht, so, schreibt Julianus an demselben Orte, sei derselbe durch Annahme an Zahlungs Statt zu befreien11Weil diese den Bürgen mit befreiet., denn wenn [der Erbe] den Bürgen belangt, so wird der Hauptschuldner aus einem andern Grunde angegriffen, [nämlich vom Bürgen]. Wie aber, wenn der Bürge aus freiem Antriebe, um [dem Hauptschuldner] ein Geschenk zu machen, aufgetreten ist, und wider denselben keinen Regress nehmen kann? oder wie, wenn das [vorgeschossene] Geld in des Bürgen Hände gekommen, dieser an seiner Stelle einen Hauptschuldner gestellt, und selbst für diesen sich verbürgt hat? Hier muss der Hauptschuldner im Wege des Vertrages befreiet werden. In der Regel heisst es nun, dass diejenige Einrede aus einem Vertrage, welche dem Hauptschuldner zur Seite steht, auch dem Bürgen zu ertheilen sei, allein da der Wille dessen, der das Vermächtniss errichtet, und dessen, der den Vertrag schliesst, ein verschiedener ist, so lassen wir dies keineswegs gelten. 1Wenn aber dem Bürgen Erlass der Verbindlichkeit vermacht worden ist, so muss derselbe zweifelsohne, wie auch Julianus schreibt, durch Vertrag befreiet werden; doch kann auch hier zuweilen Befreiung durch Annahme an Zahlungs Statt nöthig werden, wenn er nämlich entweder selbst der Hauptschuldner gewesen, oder der Hauptschuldner sein Gesellschafter für den Gegenstand der Verbindlichkeit war. 2Derselbe Julianus schreibt in demselben Buche, wenn der Schuldner ein Haussohn war, und seinem Vater der Erlass der Verbindlickkeit vermächtnissweise hinterlassen worden ist, so muss der Vater durch einen Vertrag befreiet werden, damit dem Sohn nicht auch der Erlass zu Theil werde; und es ist, setzt er hinzu, einerlei, ob, wenn das Vermächtniss gefällig wird, ein Sondergut desselben vorhanden ist, oder nicht; denn der Vater erhält durch dieses Vermächtniss Sicherstellung, besonders, sagt er, wenn man auf die Zeit des Urtheilsspruchs, in Betreff des Sonderguts, Rücksicht nimmt. Dem Vater stellt in diesem Fall Julianus denjenigen Ehemann gleich, dem die Ehefrau nach der Scheidung den Erlass der Rückerstattung der Mitgift vermacht hat. Denn auch dieser geniesst, wenn er auch zu der Zeit, wo das Vermächtniss gefällig wird, zahlungsunfähig ist, des Vortheils, den das Vermächtniss gewährt, und beide können, sagt er, das, was sie bereits gezahlt haben, nicht zurückfordern22Voet Commentar. ad h. t. §. 6. bemerkt zur Erläuterung dieser Stelle: etenim verba illa utrumque solutum repetere posse, eo pertinent, ut probet Julianus, patri, qui non habet in peculio, et marito, qui non est solvendo liberationem tamen recte legari, quia debitores sunt, quod ut evincat, ait, eos, siquidem solverint, solutum reptere non posse, si scilicet liberatio legata non sit; utcunque id Ulpianus in marito admittat, in patre neget.. Allein hier ist des Marcellus Bemerkung richtig, dass es der Vater allerdings fordern könne, denn er war zu der Zeit, als er Zahlung leistete, noch nicht Schuldner, der Ehemann hingegen könne es nicht, weil er eine wirkliche Schuld bezahlt hat; denn der Vater sei, wenn ihn auch Jemand als Schuldner betrachten wollte, dennoch nur an der Stelle eines bedingten Schuldners, der das, was er gezahlt habe, ohne allen Zweifel zurückfordern könne. 3Wenn aber dem Erben der Erlass der Verbindlichkeit des Sohnes auferlegt worden ist, so fügt Julianus nicht hinzu, ob dem Sohn durch Annahme an Zahlungs Statt oder im Wege des Vertrags der Erlass zu Theil werden müsse. Er scheint jedoch im Sinn zu haben, dass dies durch Annahme an Zahlungs Statt geschehen müsse, wodurch auch dem Vater der Vortheil zugleich zu Gute kommt; und dies ist allerdings so zu betrachten, sobald sich nicht klar erweisen lässt, dass der Testator das Gegentheil gewollt habe, d. h. dass blos der Sohn, nicht auch dass der Vater, nicht angegriffen werden solle; denn dann muss ihm der Erlass nicht durch Annahme an Zahlungs Statt, sondern durch Vertrag gewährt werden. 4Endlich sagt derselbe Julianus, wenn der Vater für den Sohn gebürgt hat, und ihm Erlass vermacht worden ist, so müsse ihm derselbe vermöge Vertrags zu Theil werden, nämlich als Bürgen, nicht als Vater; und mithin könne er in Ansehung des Sondergutes [doch noch] belangt werden; er setzt natürlich bei dieser Ansicht voraus, dass ihm der Erblasser nur als Bürge hat Erlass gewähren wollen, wenn aber auch als Vater, so kann er auch wegen des Sonderguts nicht angegriffen werden.

6Ia­vo­le­nus li­bro sex­to epis­tu­la­rum. Post em­an­ci­pa­tio­nem ve­ro fi­lii ea­te­nus pa­ter ac­tio­nem ha­be­bit, qua­te­nus ali­quid ex pe­cu­lio aut in rem ver­so prae­sta­tu­rus est: id enim le­ga­to­rum no­mi­ne ad pa­trem per­ti­ne­bit, quod eius in­ter­erit. 1Il­lud quae­ri pot­est, an eo quo­que no­mi­ne pa­ter ex tes­ta­men­to age­re pos­sit, ut et­iam fi­lius ac­tio­ne li­be­re­tur. qui­bus­dam eo us­que ex­ten­di ac­tio­nem pla­ce­bat, quia pa­tris in­ter­es­se vi­dea­tur, si pe­cu­lium fi­lio post em­an­ci­pa­tio­nem con­ces­sis­set, in­te­grum ius eius per­ma­ne­re. ego con­tra sen­tio: ni­hil quic­quam am­plius pa­tri prae­stan­dum ex eius­mo­di scrip­tu­ra tes­ta­men­ti pu­to, quam ut ni­hil ex eo, quod prae­sta­tu­rus he­redi fue­rit, prae­stet.

6Javolen. lib. VI. Epist. Nach der Entlassung des Sohnes aus der väterlichen Gewalt wird der Vater die Klage [wider den Erben aus dem Testamente] nur insoweit haben, als er zur Entrichtung einer Summe aus dem Sondergute, oder aus geschehener Verwendung in seinen Nutzen, [ohne den Erlass] verpflichtet sein würde; denn für den Vater entspringt aus dem Vermächtniss insofern ein Vortheil, als er [bei der Verpflichtung des Sohnes] betheiligt ist. 1Es kann Frage darüber erhoben werden, ob der Vater auch auf Befreiung des Sohnes33Und nicht blos seiner selbst. von der Klage, aus dem Testamente klagen könne? Einige sind der Ansicht, die Klage soweit auszudehnen, weil es den Anschein habe, als sei der Vater dabei betheiligt, wenn er dem Sohn bei der Entlassung aus der väterlichen Gewalt sein Sondergut überlassen habe, sein [Erbfolge]recht44Glosse. unverkürzt zu behalten. Ich hingegen bin der entgegengesetzten Meinung, und glaube, dass dem Vater aus einer Testamentsverordnung der Art nichts weiter gewährt zu werden brauche, als dass er von dem, was er dem Erben [ohne dieselbe] würde entrichten müssen, nichts zu entrichten nöthig habe.

7Ul­pia­nus li­bro vi­ce­si­mo ter­tio ad Sa­binum. Non so­lum au­tem quod de­be­tur re­mit­ti pot­est, ve­rum et­iam pars eius vel pars ob­li­ga­tio­nis, ut est apud Iu­lia­num trac­ta­tum li­bro tri­ge­si­mo ter­tio di­ges­to­rum. 1Si is qui sti­pu­la­tus Sti­chum aut de­cem dam­na­ve­rit he­redem Sti­chum non pe­te­re, le­ga­tum va­le­re con­stat: sed quid con­ti­neat, vi­dea­mus. et Iu­lia­nus scri­bit ac­tio­nem ex tes­ta­men­to in hoc es­se vi­de­ri, ut de­bi­tor ac­cep­to li­be­re­tur: quae res uti­que de­bi­to­rem et in de­cem li­be­ra­bit, quia ac­cep­ti­la­tio so­lu­tio­ni com­pa­ra­tur, et quem­ad­mo­dum, si Sti­chum sol­vis­set, de­bi­tor li­be­ra­re­tur, ita et ac­cep­ti­la­tio­ne Sti­chi li­be­ra­ri. 2Sed si de­bi­to­rem de­cem dam­na­tus sit he­res vi­gin­ti li­be­ra­re, idem Iu­lia­nus scrip­sit li­bro tri­ge­si­mo ter­tio ni­hi­lo mi­nus es­se li­be­ran­dum de­cem: nam et si ei vi­gin­ti ac­cep­to fe­ran­tur, in de­cem li­be­ra­bi­tur. 3Sed si duo­bus he­redi­bus in­sti­tu­tis al­te­rum ex his dam­na­ve­rit cre­di­to­ri sol­ve­re, va­let le­ga­tum prop­ter co­he­redem eum­que ex tes­ta­men­to ac­tu­rum, ut cre­di­to­ri sol­va­tur. 4Li­be­ra­tio au­tem de­bi­to­ri le­ga­ta ita de­mum ef­fec­tum ha­bet, si non fue­rit ex­ac­tum id a de­bi­to­re, dum vi­vat tes­ta­tor: ce­te­rum si ex­ac­tum est, eva­nes­cit le­ga­tum. 5Un­de quae­rit Iu­lia­nus, si ab im­pu­be­ris sub­sti­tu­to sit li­be­ra­tio re­lic­ta, de­in­de im­pu­bes ex­ege­rit quod de­be­tur, an eva­nes­cat le­ga­tum. et cum con­stet pu­pil­lum in his, quae a sub­sti­tu­to re­lin­quun­tur, per­so­nam sus­ti­ne­re eius a quo sub con­di­cio­ne le­ga­tur, con­se­quens est sub­sti­tu­tum ac­tio­ne ex tes­ta­men­to te­ne­ri, si pu­pil­lus a de­bi­to­re ex­ege­rit. 6Idem­que est et si pu­pil­lus non ex­ege­rit, sed so­lum­mo­do li­tem sit con­tes­ta­tus, te­ne­ri eum, ut re­mit­tat ac­tio­nem. 7Nam et si de­bi­to­ri li­be­ra­tio sub con­di­cio­ne le­ga­ta fuis­set et vel lis fuis­set con­tes­ta­ta vel et­iam ex­ac­tum pen­den­te con­di­cio­ne, ex tes­ta­men­to ac­tio ma­ne­ret li­be­ra­tio­ne re­lic­ta.

7Ulp. lib. XXIII. ad Sabin. Es kann aber nicht nur dasjenige, was den Gegenstand der Verbindlichkeit ausmacht, erlassen werden, sondern auch ein Theil desselben, oder ein Theil der Verbindlichkeit, worüber Julianus im dreiunddreissigsten Buche der Digesten handelt. 1Wenn derjenige, der den Stichus oder zehn[tausend Sestertien] sich stipulirt hat, seinem Erben auferlegt hat, den Stichus nicht zu fordern, so gilt zwar ohne Zweifel das Vermächtniss, allein es fragt sich, was dasselbe eigentlich besage? Julianus sagt, als Zweck der Klage aus dem Testamente erscheine die Befreiung des Schuldners vermöge Annahme an Zahlungs Statt; dieser Umstand muss natürlich den Schuldner auch von der Verpflichtung zu den zehn[tausend Sestertien] befreien, weil die Annahme an Zahlungs Statt der Zahlung selbst gleich steht, und gleichwie also der Schuldner durch die Uebergabe des Stichus von aller Verbindlichkeit frei geworden sein würde, so werde er auch durch die Annahme des Stichus an Zahlungs Statt davon befreiet werden. 2Ist dem Erben auferlegt worden, demjenigen, der zehn[tausend Sestertien] verschuldet, Erlass von Zwanzig[tausenden] zuzugestehen, so, schreibt derselbe Julianus im dreiunddreissigsten Buche, müssen demselben nichts desto weniger die Zehn[tausend] erlassen werden, denn wenn ihm auch Zwanzig als gezahlt angerechnet würden, so würden ihm doch [nur] Zehn erlassen. 3Wenn Zwei zu Erben eingesetzt, und dem Einen von beiden die Zahlung an den Gläubiger zu bewirken, auferlegt worden ist, so gilt das Vermächtniss wegen des Miterben, und es kann [der Vermächtnissinhaber]55Die Glosse will zwar hier den Miterben verstehen, indessen hat dieser wohl unter diesen Umständen nicht die actio ex testamento, sondern die famil. ercisc. oder communi divid. Klage aus dem Testamente auf Zahlung an seinen Gläubiger erheben. 4Der dem Schuldner vermächtnissweise ausgesetzte Erlass hat jedoch nur unter der Voraussetzung rechtliche Wirkung, wenn [der Gegenstand der Verbindlichkeit] nicht noch bei Lebzeiten des Testators eingezogen worden ist; ist dies geschehen, so erlischt das Vermächtniss. 5In Bezug hierauf wirft Julianus die Frage auf, ob, wenn dem Substituten eines Unmündigen letzwillig auferlegt worden sei, [einem Schuldner des Testators] Erlass zu gewähren, und der Unmündige darauf die Schuld eingezogen habe, das Vermächtniss dadurch erlösche? Da nun aber feststeht, dass der Unmündige in Betreff dessen, was dem Substituten letztwillig auferlegt worden ist, zu leisten, dem gleichstehe, dem die Entrichtung des Vermächtnisses bedingungsweise obliegt, so ist es folgerichtig, dass der Substitut mittelst der Klage aus dem Testamente haften muss, wenn der Unmündige die Schuld vom Schuldner eingezogen hat. 6Derselbe Fall ist dann vorhanden, wenn der Unmündige zwar die Schuld noch nicht eingezogen, sondern blos erst das Verfahren eingeleitet hat; er, [der Substitut,] haftet auf Erlass der Klage. 7Denn die Klage aus dem Testamente würde, auch wenn dem Schuldner der Erlass unter einer Bedingung vermacht worden, und der Rechtsstreit während des Obschwebens der Bedingung entweder eingeleitet, oder auch [die Schuld] schon eingezogen worden ist, dennoch fortdauern, sobald der Erlass [iiberhaupt nur] hinterlassen worden ist.

8Pom­po­nius li­bro sex­to ad Sa­binum. Non so­lum nos­trum de­bi­to­rem, sed et he­redis et cu­ius­li­bet al­te­rius ut li­be­re­tur, le­ga­re pos­su­mus. 1Pot­est he­res dam­na­ri, ut ad cer­tum tem­pus non pe­tat a de­bi­to­re: sed si­ne du­bio nec li­be­ra­re eum in­tra id tem­pus de­be­bit, et, si de­bi­tor de­ces­se­rit, ab he­rede eius in­tra id tem­pus pe­ti non pot­erit. 2Il­lud vi­den­dum est, an eius tem­po­ris, in­tra quod pe­te­re he­res ve­ti­tus sit, vel usu­ras vel poe­nas pe­te­re pos­sit. et Pris­cus Ne­ra­tius ex­is­ti­ma­bat com­mit­te­re eum ad­ver­sus tes­ta­men­tum, si pe­tis­set: quod ve­rum est. 3Ta­le le­ga­tum: ‘he­res meus a so­lo Lu­cio Ti­tio ne pe­ti­to’ ad he­redem Lu­cii Ti­tii non trans­it, si ni­hil vi­vo Lu­cio Ti­tio ad­ver­sus tes­ta­men­tum ab he­rede, eo quod ab eo ex­ige­re de­bi­tum temp­ta­vit, sit com­mis­sum: quo­tiens enim co­hae­ret per­so­nae id quod le­ga­tur, vel­uti per­so­na­lis ser­vi­tus, ad he­redem eius non trans­it, si non co­hae­ret, trans­it. 4Si ver­ba li­be­ra­tio­nis in rem sint col­la­ta, pro eo est, qua­si he­res ab eo de­bi­to­re he­rede­que eius pe­te­re ve­ti­tus sit, ut ad­iec­tio he­redis per­in­de ni­hil va­leat, at­que non es­set va­li­tu­ra ip­sius de­bi­to­ris per­so­na non com­pre­hen­sa. 5Is, qui red­de­re ra­tio­nes ius­sus sit, non vi­de­tur sa­tis­fa­ce­re, si re­li­quum red­dat non edi­tis ra­tio­ni­bus. 6Si he­res ve­ti­tus sit age­re cum eo, qui neg­otia de­func­ti ges­se­rit, non vi­de­tur ob­li­ga­tio ei prae­le­ga­ta, quae do­lo vel ex frau­de eius qui neg­otia ges­se­rit com­mis­sa sit, et tes­ta­tor id vi­de­tur sen­sis­se. id­eo si he­res neg­otio­rum ges­to­rum egis­set, agens pro­cu­ra­tor ex tes­ta­men­to in­cer­ti do­li ma­li ex­cep­tio­ne ex­clu­di pot­est. 7Et ei li­be­ra­tio rec­te le­ga­tur, apud quem de­po­sue­ro vel cui com­mo­da­ve­ro pig­no­ri­ve de­de­ro vel ei quem ex fur­ti­va cau­sa mi­hi da­re opor­tet.

8Pompon. lib. VI. ad Sabin. Man kann nicht blos seinem eigenen Schuldner den Erlass seiner Verpflichtung vermachen, sondern auch dem seines Erben, oder jedes Dritten. 1Dem Erben kann auch auferlegt werden, die Schuld bis zu einem bestimmten Zeitraum vom Schuldner nicht zu verlangen, doch wird er keinen Falls genöthigt werden, ihm binnen dieser Zeit Erlass zu gewähren; auch wenn der Schuldner selbst mit Tode abgegangen ist, kann von seinem Erben binnen des bestimmten Zeitraums die Forderung nicht eingezogen werden. 2Es fragt sich aber, ob der Erbe von der Zeit, binnen welcher ihm untersagt worden ist, Klage zu erheben, Zinsen oder Strafen verlangen kann? Priscus Neratius war der Ansicht, er handele dem Testamente zuwider, wenn er sie verlange; und er hat Recht. 3Ein Vermächtniss der Art: mein Erbe soll vom Lucius Titius allein die Forderung nicht einziehen, geht auf des Lucius Titius Erben nicht über, sobald nicht der Erbe noch bei Lebzeiten des Lucius Titius durch einen Versuch die Forderung von ihm einzuziehen, dem Testamente zuwider gehandelt hat; denn sobald der Gegenstand des Vermächtnisses an die Person geknüpft ist, z. B. persönliche Dienstbarkeiten, gehen sie auf deren Erben nicht über, wohl aber im entgegengesetzten Fall. 4Wenn die Worte des Erlasses auf den Gegenstand selbst bezüglich sind, so steht es dem gleich, als wäre dem Erben verboten, die Forderung so wenig vom Schuldner selbst, als dessen Erben zu verlangen, so dass der Zusatz in Betreff des Erben ebensowenig etwas zur Sache thut, als wenn die Person des Schuldners selbst nicht genannt wäre. 5Derjenige, dem Rechnungsablegung auferlegt worden ist, kann nicht als seiner Pflicht Genüge geleistet zu haben, betrachtet werden, sobald er nur den Vorrath herausgibt, ohne die Rechnung vorzulegen. 6Wenn dem Erben verboten worden ist, Klage wider den zu erheben, der des Erblassers Geschäfte geführt hat, so wird doch diejenige Verbindlichkeit, die aus Arglist oder Betrug des Geschäftsführers entsprungen, nicht als demselben vermächtnissweise erlassen betrachtet; dies wird als dem Willen des Testators entsprechend, angesehen, und wenn mithin der Erbe die Geschäftsführungsklage austellt, so kann der Geschäftsbesorger, wenn er Klage aus dem Testamente auf etwas Unbestimmtes erhebt, mittelst der Einrede der Arglist abgewehrt werden. 7Auch demjenigen kann rechtlicher Weise Erlass seiner Verbindlichkeit vermacht werden, bei dem ich etwas niedergelegt, oder dem ich etwas geliehen, zum Unterpfande gegeben habe, oder dem, der mir auf den Grund eines Diebstahls zu einer Leistung verpflichtet ist.

9Ul­pia­nus li­bro vi­ce­si­mo quar­to ad Sa­binum. Si quis ra­tio­nes ex­ige­re ve­te­tur, ut est sae­pis­si­me re­scrip­tum, non im­pe­di­tur re­li­quas ex­ige­re, quas quis se re­li­qua­vit, et si quid do­lo fe­cit qui ra­tio­nes ges­sit. quod si quis et haec ve­lit re­mit­te­re, ita de­bet le­ga­re: ‘dam­nas es­to he­res meus, quid­quid ab eo ex­ege­rit il­la vel il­la ac­tio­ne, id ei re­sti­tue­re’ vel ‘ac­tio­nem ei re­mit­te­re’.

9Ulp. lib. XXIV. ad Sabin. Wenn einem [Erben] die Forderung der Rechnungsablegung verboten wird, so ist ihm, wie oft verordnet worden, unbenommen, die Rester, welche der Rechnungsführer in Rückstand geblieben, einzuziehen, sowie wenn derselbe etwas mit Arglist unternommen hat. Will Jemand auch dies erlassen, so muss er das Vermächtniss so ausdrücken: mein Erbe soll schuldig und verbunden sein, dasjenige, was er von ihm mittelst dieser oder jener Klage eingezogen, ihm zurückzuerstatten, oder ihm die Klage zu erlassen.

10Iu­lia­nus li­bro tri­ge­si­mo ter­tio di­ges­to­rum. Si dam­na­tus he­res fue­rit a fi­de­ius­so­re qui­dem non pe­te­re, quod au­tem reus de­bet, Ti­tio da­re, pa­cis­ci de­bet, ne a fi­de­ius­so­re pe­tat, et ad­ver­sus reum ac­tio­nes suas prae­sta­re le­ga­ta­rio: quem­ad­mo­dum dam­na­tus he­res, ne a reo pe­tat, et dam­na­tus da­re quod fi­de­ius­sor de­bet, et reo ac­cep­tum fa­ce­re et le­ga­ta­rio li­tis aes­ti­ma­tio­nem suf­fer­re co­ga­tur.

10Julian. lib. XXXIII. Dig. Wenn einem Erben auferlegt worden ist, vom Bürgen zwar nichts zu fordern, die Schuld des Hauptschuldners aber dem Titius zu verabreichen, so muss er sich vertragsweise anheischig machen, vom Bürgen nichts verlangen zu wollen, und seine Klagen wider den Hauptschuldner dem Vermächtnissinhaber abtreten, gleichwie der Erbe, dem auferlegt worden ist, eine Schuld vom Hauptschuldner nicht einzufordern, und den Gegenstand der Verbindlichkeit des Bürgen [einem Dritten] zu verabreichen, sowohl genöthigt ist, dem Hauptschuldner seine Schuld als gezahlt anzurechnen, wie dem Vermächtnissinhaber die Würderung derselben zu erlegen.

11Idem li­bro tri­ge­si­mo sex­to di­ges­to­rum. Si de­bi­tor fi­de­ius­so­rem suum ab he­rede suo li­be­ra­ri ius­se­rit, an fi­de­ius­sor li­be­ra­ri de­beat? re­spon­dit de­be­re. item quae­si­tum est, an, quia man­da­ti ac­tio­ne he­redes te­ne­ren­tur, in­uti­le le­ga­tum es­set, quem­ad­mo­dum in­uti­le le­ga­tum est quod de­bi­tor cre­di­to­ri suo le­gat. re­spon­di11Die Großausgabe liest re­spon­dit statt re­spon­di., quo­tiens de­bi­tor cre­di­to­ri suo le­ga­ret, ita in­uti­le es­se le­ga­tum, si ni­hil in­ter­es­set cre­di­to­ris ex tes­ta­men­to po­tius age­re quam ex pris­ti­na ob­li­ga­tio­ne. nam et si Ti­tius man­da­ve­rit Mae­vio, ut pe­cu­niam pro­mit­te­ret, de­in­de li­be­ra­ri eum ius­se­rit a sti­pu­la­to­re, ma­ni­fes­tum est, quan­tum in­ter­sit pro­mis­so­ris li­be­ra­ri po­tius quam prae­sta­re ex sti­pu­la­tu, de­in­de man­da­ti age­re.

11Idem lib. XXXVI. Dig. Wenn der Schuldner seinem Erben anbefiehlt, seines Bürgen Verbindlichkeit zu lösen66Vivian. versteht dieses Gesetz vom alten Rechte, wonach der Bürge auch vor dem Hauptschuldner ausgeklagt werden konnte. Jensius l. l. p. 294. bestätigt dies, und findet den Vortheil dieses Legats überhaupt blos in einer maturiore liberatione fidejussoris., so fragt es sich, ob diese Befreiung bewirkt werden müsse? Die Antwort hat bejahend gelautet. Es ist hierbei auch die Frage erhoben worden, ob, da die Erben77Nämlich dem Bürgen, wenn er für den Schuldner gezahlt hat. mittelst der Auftragsklage haften müssten, das Vermächtniss, was der Schuldner seinem Gläubiger aussetze, überhaupt gültig sei? Die Antwort hat gelautet: wenn der Schuldner seinem Gläubiger ein Vermächtniss aussetzt, so ist dasselbe ungültig, dafern nicht für den Gläubiger damit ein Vortheil verbunden ist, vielmehr Klage aus dem Testamente zu erheben, als aus der ursprünglichen Verbindlichkeit; denn so ist es auch klar, wenn Titius den Mävius beauftragt hat, eine Geldsumme [für ihn] zu versprechen, nachher aber verordnet hat, ihm in Rücksicht des Stipulirenden Befreiung zu bewirken, um wieviel88Quantum interpretirt die Glosse überhaupt durch quod. der Versprecher dabei betheiligt ist, vielmehr von seiner Verbindlichkeit befreiet zu werden, als seiner Obliegenheit aus der Stipulation nachzukommen, und nachher die Auftragsklage zu erheben.

12Idem li­bro tri­ge­si­mo no­no di­ges­to­rum. Lu­cius Ti­tius cum Ero­tem ac­to­rem ha­be­ret, co­di­cil­lis ita ca­vit: ‘Ero­tem li­be­rum es­se vo­lo: quem ra­tio­nes red­de­re vo­lo eius tem­po­ris, quod erit post no­vis­si­mam meam sub­scrip­tio­nem’. post­ea vi­vus Ero­tem ma­nu­mi­sit in eo­dem ac­tu ha­buit ra­tio­nes­que sub­scrip­sit us­que in eum diem, qui fuit an­te pau­cis­si­mos dies quam mo­re­re­tur. he­redes Lu­cii Ti­tii di­cunt quas­dam sum­mas et ser­vum ad­huc Ero­tem et post­ea li­be­rum ac­ce­pis­se ne­que in eas ra­tio­nes, quae a Lu­cio Ti­tio sub­scrip­tae sunt, in­tu­lis­se: quae­ro, an he­redes ab Ero­te ni­hil ex­ige­re de­bent eius tem­po­ris, quo Lu­cius Ti­tius sub­scrip­sit. re­spon­di Ero­tem ex ea cau­sa quae pro­po­ne­re­tur li­be­ra­tio­nem pe­te­re non pos­se, ni­si et hoc spe­cia­li­ter ei re­mis­sum est.

12Idem lib. XXXIX. Dig. Lucius Titius, der einen Verwaltersclaven Namens Eros hatte, verordnete in seinem Testamente folgendes: Eros, verordne ich, soll frei sein, er soll aber Rechnung von dem Zeitraum seit der letzten Rechnungsabnahme abzulegen verbunden sein; nachher ertheilte er dem Eros noch bei seinen Lebzeiten die Freiheit, überliess ihm dieselbe Verwaltung auch ferner, und nahm ihm die desfalsige Rechnung nur wenige Tage vor seinem Tode ab. Nun sagten die Erben des Lucius Titius, Eros habe sowohl als Sclav, wie als nachheriger Freier noch einige Summen vereinnahmt, und dieselben in die vom Lucius Titius abgenommenen Rechnungen nicht eingetragen. Ich frage, ob die Erben aus derjenigen Zeit, für welche Lucius Titius die Rechnungen schon abgenommen habe, vom Eros noch etwas fordern können? Die Antwort hat gelautet: Eros könne aus dem vorliegenden Grunde keinen Erlass in Anspruch nehmen, sobald ihm derselbe nicht ausdrücklich ausgesetzt worden sei.

13Idem li­bro octage­si­mo pri­mo di­ges­to­rum. Si cre­di­tor de­bi­to­ri, qui se ex­cep­tio­ne per­pe­tua tue­ri pot­erat, le­ga­ve­rit quod si­bi de­be­ret, nul­lius mo­men­ti le­ga­tum erit. at si idem de­bi­tor cre­di­to­ri le­ga­ve­rit, in­tel­le­gen­dum erit ex­cep­tio­nem eum re­mit­ti cre­di­to­ri vo­luis­se.

13Idem lib. LXXXI. Dig. Wenn der Gläubiger dem Schuldner, der sich mit einer immerwährenden Einrede schützen konnte, das, was er ihm verschuldete, vermacht hat, so ist das Vermächtniss ungültig. Hat es hingegen der Schuldner dem Gläubiger vermacht, so ist dies so zu verstehen, als habe er dem Gläubiger die Einrede erlassen wollen.

14Ul­pia­nus li­bro pri­mo fi­dei­com­mis­so­rum. Idem est et si in diem de­bi­tor fuit vel sub con­di­cio­ne.

14Ulp. lib. I. Fideicommiss. Derselbe Fall ist vorhanden, wenn der Schuldner erst zu einem bestimmten Tage oder bedingt verpflichtet war.

15Idem li­bro se­xa­ge­si­mo quar­to ad edic­tum. Si quis in tes­ta­men­to dam­na­tus est, ne a Ti­tio de­bi­to­re ex­igat, ne­que ip­sum ne­que he­redem eius pot­est con­ve­ni­re: nam ne­que he­redis he­res age­re ne­que ab he­redis he­rede pot­est pe­ti. he­redis au­tem he­res pot­est dam­na­ri, ne ex­igat de­bi­to­rem.

15Idem lib. LXIV. ad Ed. Wenn Jemandem in einem Testamente auferlegt worden ist, die Forderung vom Schuldner Titius nicht einzufordern, so kann er denselben weder selbst noch seinen Erben belangen; denn so wenig der Erbe des Erben die Anforderung erheben kann, kann dieselbe vom Erben des Erben verlangt werden. Wohl aber kann dem Erben des Erben auferlegt werden, den Schuldner nicht anzugreifen.

16Pau­lus li­bro no­no ad Plau­tium. Ei cui fun­dum in quin­quen­nium lo­ca­ve­ram le­ga­vi quid­quid eum mi­hi da­re fa­ce­re opor­tet opor­te­bit­ve ut si­ne­ret he­res si­bi ha­be­re. Ner­va Ati­li­ci­nus, si he­res pro­hi­be­ret eum frui, ex con­duc­to, si iu­re lo­ca­tio­nis quid re­ti­ne­ret, ex tes­ta­men­to fo­re ob­li­ga­tum aiunt, quia ni­hil in­ter­es­set, pe­te­re­tur an re­ti­ne­ret: to­tam enim lo­ca­tio­nem le­ga­tam vi­de­ri,

16Paul. lib. IX. ad Plaut. Ich habe demjenigen, dem ich ein Landgut auf fünf Jahre verpachtet hatte, dasjenige vermacht, was er mir dagegen zu geben und zu leisten verbunden war, und sein wird, so dass es ihm der Erbe lassen soll. Hier, sagen Nerva und Atilicinus, werde der Erbe, wenn er demselben im Genuss ein Hinderniss in den Weg lege, aus dem Pacht, wenn er aber auf den Grund der geschehenen Verpachtung etwas inne behalten wolle, aus dem Testamente verpflichtet sein, weil es ganz einerlei sei, ob [von Seiten des Erben] Klage erhoben, oder ein Innebehalten ausgeübt werde; denn es sei die gesammte Verpachtung als Gegenstand des Vermächtnisses zu betrachten;

17Ia­vo­le­nus li­bro se­cun­do La­beo­nis pos­te­rio­rum. re­li­qua quo­que: in iu­di­cio lo­ca­tio­nis venire.

17Javolen. lib. II. Labeon. Poster. alles Übrige [hingegen] kann auch [hier] Gegenstand99D. h. z. B. Vernachlässigung der Pachtung. der Klage aus dem Verpachte bleiben.

18Pau­lus li­bro no­no ad Plau­tium. Cas­sius. et­iam si ha­bi­ta­tio eo mo­do le­ga­ta es­set, gra­tui­tam ha­bi­ta­tio­nem he­res prae­sta­re de­be­ret. et prae­ter­ea pla­cuit age­re pos­se co­lo­num cum he­rede ex tes­ta­men­to, ut li­be­re­tur con­duc­tio­ne: quod rec­tis­si­me di­ci­tur.

18Paul. lib. IX. ad Plaut. Cassius: auch wenn das Wohnen auf diese Weise vermacht worden ist, wird der Erbe zur Gestattung des unentgeldlichen Wohnens genöthigt sein, und man hat sich ausserdem auch dahin erklärt, dass der Pächter Klage aus dem Testamente wider den Erben auf gänzliche Auflösung des Pachtverhältnisses erheben könne, und zwar mit allem Recht.

19Mo­des­ti­nus li­bro no­no re­gu­la­rum. Cum ita tes­te­mur: ‘he­res meus dam­nas es­to li­be­ra­re il­lum, quod is neg­otia mea ges­sit, et si quid eum mi­hi da­re fa­ce­re opor­tet, ab eo non ex­ige­re’, dam­na­tur he­res nec cre­di­tas ab eo quo­que pe­cu­nias ex­iget. in si­mi­li au­tem le­ga­to vix est, ut de eo quo­que le­gan­do pa­ter fa­mi­lias sen­se­rit, quod ser­vis eius pe­cu­lii no­mi­ne de­be­tur.

19Modestin. lib. IX. Reg. Wenn man so testirt: mein Erbe soll verbunden sein, dem und dem, da er meine Geschäfte besorgt hat, seine [daraus entspringenden] Verbindlichkeiten zu erlassen, und wenn derselbe mir daraus zu einem Geben oder Leisten verpflichtet sein sollte, von demselben nicht einfordern, so darf der Erbe, dem dies auferlegt worden, auch nicht die von demselben ausgeliehenen Gelder einfordern; auch1010Vix est; quod vix est, sagt die Glosse, tamen est. wird bei einem Vermächtniss dieser Art angenommen, als habe der Testator darunter dasjenige mit verstanden, was seinen Sclaven rücksichtlich ihres Sondergutes verschuldet wird.

20Idem li­bro de­ci­mo re­spon­so­rum. ‘Aure­lio Sem­pro­nio fra­tri meo. ne­mi­nem mo­les­ta­ri vo­lo no­mi­ne de­bi­ti ne­que ex­ige­re ali­quid ab eo, quam­diu vi­ve­ret, ne­que de sor­te aut usu­rae no­mi­ne de­bi­ti: et ab­sol­vo ei et li­be­ro ex pig­no­ri­bus eius do­mum et pos­ses­sio­nem Ca­per­la­tam’. Mo­des­ti­nus re­spon­dit ip­sum de­bi­to­rem, si con­ve­nia­tur, ex­cep­tio­ne tu­tum es­se: di­ver­sum in per­so­na he­redis eius. 1Gaius Se­ius cum ad­ole­vis­set, ac­ce­pit cu­ra­to­res Pu­blium Mae­vium et Lu­cium Sem­pro­nium. sed enim idem Gaius Se­ius in­tra le­gi­ti­mam ae­ta­tem con­sti­tu­tus cum in fa­tum con­ce­de­ret, tes­ta­men­to suo de cu­ra­to­ri­bus suis ita ca­vit: ‘quaes­tio­nem cu­ra­to­ri­bus meis ne­mo fa­ciat: rem enim ip­se trac­ta­vi’. quae­ro, an ra­tio­nem cu­rae he­redes ad­ul­ti a cu­ra­to­ri­bus pe­te­re pos­sint, cum de­func­tus, ut ex ver­bis tes­ta­men­ti ap­pa­ret, con­fes­sus sit se om­nem rem suam ad­mi­nis­tras­se. Mo­des­ti­nus re­spon­dit, si quid do­lo cu­ra­to­res fe­ce­runt aut si quae res tes­ta­to­ris pe­nes eos sunt, eo no­mi­ne con­ve­ni­ri eos pos­se.

20Idem lib. X. Resp. An meinen Bruder Aurelius Sempronius. Ich verordne, Niemanden [von meinen Schuldnern] in Betreff dessen, was er mir schuldig ist, zu belästigen, noch von ihm etwas einzufordern, so lange er lebt, weder vom Capital, noch von den Zinsen der Schuld; ingleichen gebe ich von den mir seinerseits gestellten Unterpfändern sein Haus und seine Caperlatische Besitzung frei und los. Wenn hier der Schuldner selbst angegriffen wird, so, sagt Modestinus, sei er durch eine Einrede gedeckt; anders hingegen ist es in Ansehung des Erben. 1Nachdem Cajus Sejas mündig geworden war, erhielt er den Publius Mävias und Lucius Sempronius zu Curatoren; im gesetzmässigen Alter stehend errichtete derselbe bei herannahendem Tode ein Testament, und verordnete darin in Betreff seiner Curatoren Folgendes: wider meine Curatoren soll Niemand eine Untersuchung anstellen, denn ich habe meine Angelegenheiten selbst verwaltet. Ich frage, ob die Erben des verstorbenen Mündigen von den Curatoren Rechnungsablegung verlangen können, da der Verstorbene, wie aus den Worten des Testaments ersichtlich, bekennt, die Verwaltung seines Vermögens selbst geführt zu haben? Modestinus hat sich dahin ausgesprochen, dass die Curatoren, wenn sie etwas mit Arglist gethan, oder wenn sie Sachen des Testators in Händen behalten hätten, dieserhalb angegriffen werden können.

21Te­ren­tius Cle­mens li­bro duo­de­ci­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Si id quod mi­hi de­be­res vel ti­bi vel alii le­ga­ve­ro id­que mi­hi sol­ve­ris vel qua­li­bet alia ra­tio­ne li­be­ra­tus a me fue­ris, ex­stin­gui­tur le­ga­tum. 1Un­de Iu­lia­no pla­cuit et si de­bi­to­ri he­res ex­sti­te­rit cre­di­tor post­ea­que ip­se cre­di­tor de­ces­se­rit, le­ga­tum ex­tin­gui: et hoc ve­rum est, quia con­fu­sio­ne per­in­de ex­stin­gui­tur ob­li­ga­tio ac so­lu­tio­ne. 2Sed si sub con­di­cio­ne da­to le­ga­to he­res prae­oc­cu­pa­ve­rit et ex­ege­rit de­bi­tum, aliud di­ci opor­tet, quia in ar­bi­trio he­redis es­se non de­bet, ut quan­do­que con­di­cio­ne ex­is­ten­te ne­que ip­si le­ga­ta­rio de­bea­tur le­ga­tum, si tum vi­vat et ca­pe­re pos­sit, ne­que ei, ad quem hoc com­mo­dum per­ve­nit, si le­ga­ta­rius ca­pe­re non pos­sit.

21Terentius Clemens lib. XII. ad leg. Jul. et Pap. Wenn ich dasjenige, was du mir verschuldest, dir oder einem Andern vermacht habe, und du mir dasselbe bezahlt, oder auf irgend eine andere Weise desfalls von mir Erlass erhalten hast, so erlischt das Vermächtniss. 1Deshalb war Julianus auch der Ansicht, dass, wenn der Gläubiger Erbe des Schuldners geworden, und nachher selbst mit Tode abgegangen sei, das Vermächtniss erlösche; und dies ist richtig, weil nämlich die Verbindlichkeit durch die Vereinigung in eine Person eben sowohl erlischt, wie durch deren Erfüllung. 2Wenn hingegen ein Vermächtniss bedingungsweise ausgesetzt worden ist, und der Erbe die Klagenanstellung beeilt, und die Schuld eingezogen hat, so findet das Gegentheil Statt, weil es nicht in dem Belieben des Erben beruhen darf, [es dahin zu bringen,] dass, wenn dereinst die Bedingung eintritt, gleichviel wann, dem Vermächtnissinhaber das Vermächtniss weder selbst zufallen könne, dafern er alsdann noch lebt, und es erwerben kann, noch dem, auf den dieses Recht dann übergegangen ist, wenn der Vermächtnissinhaber dasselbe nicht mehr erwerben kann.

22Pa­pi­nia­nus li­bro no­no de­ci­mo quaes­tio­num. ‘Quod mi­hi Sem­pro­nius de­bet, pe­ti no­lo’: non tan­tum ex­cep­tio­nem ha­be­re de­bi­to­rem, sed et fi­dei­com­mis­sum ut li­be­re­tur pe­te­re pos­se re­spon­sum est.

22Papinian. lib. XIX. Quaest. Was mir Sempronius schuldig ist, das, will ich, soll nicht von ihm gefordert werden; hier ist auf Befragen als Gutachten ertheilt worden, dass der Schuldner [hieraus] nicht nur eine Einrede, sondern [daran] ein [wirkliches] Fideicommiss habe, dergestalt, dass er Klage darauf erheben kann, ihm Erlass angedeihen zu lassen.

23Idem li­bro sep­ti­mo re­spon­so­rum. Pro­cu­ra­tor, a quo ra­tio­nem he­res ex­ige­re pro­hi­bi­tus eo­que no­mi­ne pro­cu­ra­to­rem li­be­ra­re dam­na­tus est, pe­cu­niam ab ar­gen­ta­rio de­bi­tam ex con­trac­tu, quem ut pro­cu­ra­tor fe­cit, iu­re man­da­ti co­ge­tur re­sti­tue­re vel ac­tio­nes prae­sta­re.

23Idem lib. VII. Resp. Der Geschäftsbesorger, von welchem Rechnungsablegung zu fordern, dem Erben untersagt, und ihm auferlegt worden ist, demselben dieserhalb Erlass zu ertheilen, kann zur Herausgabe desjenigen Geldes, welches ein Bankhalter auf den Grund eines Contracts, den jener als Geschäftsbesorger abgeschlossen hat, schuldig ist, oder zur Abtretung der Klagen vermöge des [ihm vom Erblasser ertheilten] Auftrags gezwungen werden.

24Idem li­bro oc­ta­vo re­spon­so­rum. Cum he­res ro­ga­tur de­bi­to­rem suum li­be­ra­re, de eo tan­tum co­gi­ta­tum vi­de­tur, quod in ob­li­ga­tio­ne man­se­rit: ita­que si quid an­te ta­bu­las aper­tas fue­rit so­lu­tum, ad cau­sam fi­dei­com­mis­si non per­ti­ne­bit. quod au­tem post ta­bu­las aper­tas an­te ad­itam he­redi­ta­tem ab eo, qui vo­lun­ta­tem de­func­ti non igno­ra­vit, fue­rit ex­ac­tum, do­lo pro­xi­mum erit id­eo­que re­pe­ti pot­est.

24Idem lib. VIII. Resp. Wenn ein Erbe gebeten worden ist, seinem Schuldner Erlass zu ertheilen, so wird nur Dasjenige als gemeint betrachtet, was [zur Zeit der Testamentseröffnung] wirklicher Gegenstand der Verbindlichkeit geblieben ist; was also vor der Eröffnung des Testaments gezahlt worden ist, ist nicht Gegenstand des Fideicommisses; was aber nach dessen Eröffnung noch vor dem Erbschaftsantritt derjenige, dem der Wille des Erblassers nicht unbekannt geblieben, eingezogen hat, ist der Arglist verwandt, und kann mithin zurückgefordert werden.

25Pau­lus li­bro de­ci­mo quaes­tio­num. Le­ga­vi Ti­tio quod mi­hi de­be­tur vel ad­iec­ta cer­ta quan­ti­ta­te si­ve spe­cie vel non ad­iec­ta, aut ex con­tra­rio ae­que cum di­stinc­tio­ne, vel­uti ‘Ti­tio quod ei de­beo’ vel ita ‘Ti­tio cen­tum quae ei de­beo’: quae­ro, an per om­nia re­qui­ren­dum pu­tes, an de­bi­tum sit. et ple­nius ro­go quae ad haec spec­tant at­tin­gas: cot­ti­dia­na enim sunt. re­spon­di: si is, cui Ti­tius de­be­bat, de­bi­tum ei re­mit­te­re vo­luit, ni­hil in­ter­est, he­redem suum ius­sit ut eum li­be­ra­ret an pro­hi­beat eum ex­ige­re: utro­que enim mo­do li­be­ran­dus est de­bi­tor et utro­que ca­su com­pe­tit ul­tro ad li­be­ran­dum de­bi­to­ri ac­tio. quod si et­iam cen­tum au­reo­rum vel fun­di de­bi­ti men­tio­nem fe­cit, si qui­dem de­bi­tor fuis­se pro­be­tur, li­be­ran­dus est: quod si ni­hil de­beat, pot­erit di­ci qua­si fal­sa de­mons­tra­tio­ne ad­iec­ta et­iam pe­ti quod com­pre­hen­sum est pos­se. sed pot­erit hoc di­ci si ita le­ga­vit: ‘cen­tum au­reos, quos mi­hi de­bet’ vel ‘Sti­chum, quem de­bet, he­res meus dam­nas es­to non pe­te­re’. quod si sic di­xit: ‘he­res meus cen­tum au­reos, quos mi­hi Ti­tius de­bet, dam­nas es­to ei da­re’, et­iam il­lud temp­ta­ri pot­erit, ut pe­te­re pos­sit qua­si fal­sa de­mons­tra­tio­ne ad­iec­ta: quod mi­hi ne­qua­quam pla­cet, cum dan­di ver­bum ad de­bi­tum re­fer­re se tes­ta­tor ex­is­ti­ma­ve­rit. con­tra au­tem si de­bi­tor cre­di­to­ri le­get, nul­lam uti­li­ta­tem vi­deo, si si­ne quan­ti­ta­te le­get. sed et si id de­mons­tret, quod de­be­re se con­fi­te­tur, nul­la uti­li­tas est ni­si in his spe­cie­bus, in qui­bus emo­lu­men­tum de­bi­ti am­plia­tur. quod si cen­tum au­reos, quos se de­be­re di­xit, le­ga­vit, si qui­dem de­bet, in­uti­le est le­ga­tum, quod si non fuit de­bi­tor, pla­cuit uti­le es­se le­ga­tum: cer­ta enim num­mo­rum quan­ti­tas si­mi­lis est Sti­cho le­ga­to cum de­mons­tra­tio­ne fal­sa: id­que et di­vus Pius re­scrip­sit cer­ta pe­cu­nia do­tis ac­cep­tae no­mi­ne le­ga­ta.

25Ad Dig. 34,3,25Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 657, Note 11.Paul. lib. X. Quaest. Ich habe dem Titius das, was mir [von ihm] geschuldet ward, entweder mit dem Beisatz der bestimmten Quantität oder Bezeichnung, oder ohne denselben vermacht; oder umgekehrt, jedoch auch mit dieser Unterscheidung, z. B.: dem Titius, was ich ihm verschulde, oder so: dem Titius Hundert, die ich ihm verschulde. Ich frage dich, ob du glaubst, dass es vor Allem darauf ankomme, zu untersuchen, ob eine Schuld vorhanden sei, und ersuche dich, auf das hierher Gehörige genauer einzugehen, denn es kommt täglich vor. Ich habe mich so ausgesprochen: wenn derjenige, dem Titius schuldig war, ihm seine Schuld hat erlassen wollen, so ist es einerlei, ob er seinem Erben anbefohlen, ihm Erlass angedeihen zu lassen, oder verboten hat, die Schuld einzuziehen; denn in beiden Fällen muss dem Schuldner Erlass seiner Verbindlichkeit gewährt werden, und in beiden Fällen steht dem Schuldner eine Klage zu diesem Zwecke zu. Ist [namentlich z. B.] einer Schuld im Betrag zu hundert Goldstiicken, oder eines schuldigen Landgutes dabei Erwähnung gethan worden, so muss dem Schuldner; wenn es zu erweisen steht, dass er ein solcher gewesen, Erlass seiner Verbindlichkeit zu Theil werden; ist er aber nichts schuldig, so könnte man1111Diese Stelle hat durch die Stellung der Worte dem Inhalt nach nicht geringe Schwierigkeiten; Ulr. Hubers (Prael. ad h. tit. h. l.) Ansicht verstehe ich nicht; Voet (Commentar. ad h. l.) greift zu der Conjectur vor peti ein non einzuschieben, als dem einzigen Weg, Sinn herzustellen, obwohl Jauch. de Negat. p. 221. nichts davon wissen, sondern der Sache durch ein Fragezeichen abhelfen will. So versteht Azo auch das folgende: se poterit hoc dici interrogative, wo er dann hinzusetzt: et respond. non. Auf den richtigsten Weg hilft Bynkershoek Obs. VI. 25., dem ich gefolgt bin; man lasse besonders die entgegengesetzten Fälle nicht ausser Acht! Vgl. auch den weitläuftigen Excurs bei Jensius l. l. p. 295. ff. sagen, dass er, wie wenn eine unrichtige Bezeichnung beigefügt worden wäre, das Gemeinte auch fordern könne; dies würde auch anwendbar sein, wenn er bei dem Vermächtniss sich so ausgedrückt hat: die hundert Goldstücke, welche er mir schuldig ist, oder: den Stichus, den er mir schuldig ist, soll mein Erbe nicht fordern dürfen. Ja, auch wenn er so gesagt hätte: mein Erbe soll dem Titius diejenigen hundert Goldstücke zu geben verbunden sein, welche Titius mir schuldig ist, könnte man behaupten wollen, dass hierauf, vermöge der beigefügten falschen Bezeichnung Klage erhoben werden könne; allein hiermit kann ich durchaus gar nicht übereinstimmen, indem der Testator das Wort geben als auf eine wirkliche Schuld bezüglich verstanden hat. Wenn umgekehrt der Schuldner seinem Gläubiger [dessen Forderung an ihn] vermacht, so sehe ich dabei gar keinen Nutzen, sobald er keine Quantität ausgedrückt hat. Ebenso wenig Nutzen ist vorhanden, wenn er Das näher bezeichnet, was er schuldig zu sein geständig ist, ausser in den Fällen, wo er den aus einer Schuld entspringenden Vortheil erweitert. Vermacht er aber hundert Goldstücke mit der Angabe, sie schuldig zu sein, so ist, wenn er sie wirklich schuldig ist, das Vermächtniss unnütz; wenn er sie aber nicht schuldig ist, so ist dasselbe allgemeiner Annahme nach gültig; denn eine bestimmte Summe baaren Geldes steht dem mit einer falschen Bezeichnung vermachten Stichus gleich; so hat auch der Kaiser Pius in Betreff einer bestimmten, Namens einer empfangenen Mitgift vermachten, Summe Geldes verordnet.

26Scae­vo­la li­bro quar­to re­spon­so­rum. Tu­tor de­ce­dens aliis he­redi­bus scrip­tis pu­pil­lo suo, cu­ius tu­te­lam ges­sit, ter­tiam par­tem bo­no­rum da­ri vo­luit, si he­redi­bus suis tu­te­lae cau­sa con­tro­ver­siam non fe­ce­rit, sed eo no­mi­ne om­nes li­be­ra­ve­rit: pu­pil­lus le­ga­tum prae­tu­lit et post­ea ni­hi­lo mi­nus pe­tit quid­quid ex dis­trac­tio­ne alia­ve cau­sa ad tu­to­rem suum ex tu­te­la per­ve­ne­rit: quae­ro, an ver­bis tes­ta­men­ti ab his ex­ac­tio­ni­bus ex­clu­da­tur. re­spon­dit, si prius, quam con­di­cio­ni pa­re­ret, fi­dei­com­mis­sum per­ce­pis­set et per­ge­ret pe­te­re id, in quo con­tra con­di­cio­nem fa­ce­ret, do­li ma­li ex­cep­tio­nem ob­sta­tu­ram: ni­si pa­ra­tus es­set, quod ex cau­sa fi­dei­com­mis­si per­ce­pis­set, red­de­re: quod ei ae­ta­tis be­ne­fi­cio in­dul­gen­dum est.

26Scaevola lib. IV. Resp. Ein Vormund hatte bei seinem Ableben, nachdem er Andere zu Erben eingesetzt, verordnet, seinem Mündel, dessen Vormundschaft er geführt hatte, den dritten Theil seines Nachlasses [unter der Bedingung] zuzustellen, wenn er seinen Erben wegen der Vormundschaft keinen Streit erregen, sondern Allen deshalb Erlass ertheilt haben würde; der Mündel zog das Vermächtniss vor, forderte aber nachher nichts desto weniger Dasjenige, was durch Verkauf oder aus einem andern Grunde an seinen Vormund aus der Vormundschaft[sverwaltung] gekommen war. Ich frage, ob er durch die Worte des Testaments mit solchen Forderungen abgewiesen werde? Antwort: wenn er das Fideicommiss vor Erfüllung der Bedingung angenommen hat, und bei der Forderung dessen, womit er der Bedingung zuwider handelt, beharrt, so wird ihm die Einrede der Arglist entgegenstehen, er müsste denn zur Zurückgabe dessen, was er des Fideicommisses wegen empfangen hat, bereit sein, indem ihm dieses vermöge der Begünstigung seines Alters zu gestatten ist.

27Try­pho­ni­nus li­bro oc­ta­vo dis­pu­ta­tio­num. Vi­dea­mus, si ei, cum quo de pe­cu­lio ac­tio erit, li­be­ra­tio tes­ta­men­to le­ga­ta sit, an, si die, quo le­ga­ta ce­de­re so­lent, ni­hil in pe­cu­lio sit, le­ga­ta­rii lo­co ha­be­tur? at­quin non­dum de­bi­tor fuit, nec pro­ce­dit, ut emo­lu­men­tum ali­quid ex le­ga­to ad eum per­ve­niat ni­si prop­ter spem fu­tu­ri pe­cu­lii. num­quid er­go in pen­den­ti sit, an le­ga­ta­rius fue­rit, per­in­de at­que si qua alia cau­sa spem le­ga­ti du­biam fa­ce­ret?

27Tryphonin. lib. VIII. Disp. Es ist die Frage, ob derjenige, wider den die Klage wegen des Sonderguts Statt findet, wenn ihm im Testamente Erlass der Verbindlichkeit vermacht worden, und an dem Tage, wo die Vermächtnisse gefällig zu werden pflegen, kein Gegenstand des Sonderguts vorhanden ist, als Vermächtnissinhaber zu betrachten sei? Allein jener war noch gar nicht Schuldner; es kann also der Fall gar nicht eintreten, dass ein Vortheil irgend einer Art in Folge des Vermächtnisses an ihn gelange, es müsste denn in Betreff der Hoffnung auf ein künftiges Sondergut sein; bleibt es aber nicht obschwebend, ob er Vermächtnissinhaber gewesen sei, gleichwie wenn ein anderer Grund die Hoffnung auf ein Vermächtniss zweifelhaft gemacht hätte? [Allerdings.]

28Scae­vo­la li­bro sex­to de­ci­mo di­ges­to­rum. Aure­lius Sym­pho­rus fi­de­ius­se­rat pro tu­to­re quo­dam et de­ce­dens eis­dem pu­pil­lis le­ga­vit in haec ver­ba: ‘Arel­lio La­ti­no et Arel­lio Fe­li­ci sin­gu­lis qui­na, cum quis eo­rum quat­tuor­de­cim an­no­rum fue­rit: ad quod tem­pus prae­sta­ri eis vo­lo sin­gu­lis ali­men­to­rum no­mi­ne mens­truos de­na­rios se­nos et ves­tia­rii no­mi­ne an­nuos de­na­rios vi­gin­ti quin­que. quo le­ga­to con­ten­ti es­se de­be­tis, quan­do tu­te­la ves­tra non mi­ni­mo dam­no ra­tio­nem meam ad­fli­xe­rit. a vo­bis au­tem, he­redes mei, pe­to, ne quid ex ra­tio­ne tu­te­lae ab his ex­ige­re vel ab hoc le­ga­to eo­rum re­ti­ne­re ve­li­tis’. quae­si­tum est, si he­res eius ex cau­sa fi­de­ius­sio­nis ali­quid prae­sti­te­rit, an he­rede fi­lio­rum eius, pro quo fi­de­ius­se­rat, re­pe­te­re pos­sit. re­spon­dit ver­bis quae pro­po­ne­ren­tur id so­lum vi­de­ri he­redum fi­dei com­mis­sum, ne ex­ige­rent, quod ex ra­tio­ne tu­te­lae, quam ip­se Sym­pho­rus ad­mi­nis­tra­ve­rat, ab Arel­liis si­bi de­be­re­tur. 1Tes­ta­men­to fac­to de­bi­to­ri­bus li­be­ra­tio­nem re­li­que­rat, post in­ci­so li­no et re­co­gni­to tes­ta­men­to aliud tes­ta­men­tum fe­cit, in quo re­pe­tit le­ga­tum his ver­bis: ‘qui­bus­que le­ga­ta in eo tes­ta­men­to quod in­ci­de­ram de­di, om­nia ra­ta es­se et quae­quae scrip­ta sunt vo­lo’. quae­si­tum est, ad­ita ex se­quen­ti tes­ta­men­to he­redi­ta­te an de­bi­to­res, qui­bus prio­ri tes­ta­men­to li­be­ra­tio re­lic­ta erat, con­se­qui pos­sint, ut et­iam eius quan­ti­ta­tis no­mi­ne, quam post prius tes­ta­men­tum de­be­re coe­pe­rant, li­be­ra­ren­tur, et si ab his he­redes pe­te­re coe­pe­rint, an do­li ma­li ex­cep­tio­ne sum­mo­ve­ren­tur. re­spon­dit non li­be­ra­ri. 2Ti­tius Se­io de­bi­to­ri suo ita le­ga­vit: ‘do le­go Se­io de­na­rios de­cem: item do­no il­li, quid­quid sor­tis et usu­ra­rum no­mi­ne mi­hi de­be­bat’. prae­ter­ea ge­ne­ra­li­ter dam­na­vit he­redes fi­dei­que eo­rum com­mi­sit, uti da­rent re­sti­tue­rent uni­cui­que, quid­quid ei le­gas­set. post­ea Se­ius aliam prae­ter­ea pe­cu­niam a Ti­tio mu­tua­tus est. quae­ro, an haec quo­que pe­cu­nia, quae post tes­ta­men­tum fac­tum da­ta es­set Se­io, le­ga­ta in­tel­le­gi­tur. re­spon­dit, cum in prae­ter­itum tem­pus ver­ba col­la­ta pro­po­ne­ren­tur, non es­se pos­te­rius cre­den­dum le­ga­tum. 3Ti­tius tes­ta­men­to fac­to et fi­liis he­redi­bus in­sti­tu­tis de pa­tre tu­to­re suo quon­dam fac­to ita lo­cu­tus est: ‘Se­ium pa­trem meum li­be­ra­tum es­se vo­lo ab ac­tio­ne tu­te­lae’. quae­ro, haec ver­ba qua­te­nus ac­ci­pi de­bent, id est an pe­cu­nias, quas vel ex ven­di­tio­ni­bus re­rum fac­tis aut ex no­mi­ni­bus ex­ac­tis in suos usus con­ver­tit vel no­mi­ne suo fae­ne­ra­vit, fi­liis et he­redi­bus tes­ta­to­ris ne­po­ti­bus suis de­beat red­de­re. re­spon­dit eum, cu­ius no­tio est, aes­ti­ma­tu­rum. prae­sump­tio enim prop­ter na­tu­ra­lem af­fec­tum fa­cit om­nia pa­tri vi­de­ri con­ces­sa, ni­si aliud sen­sis­se tes­ta­to­rem ab he­redi­bus eius ap­pro­be­tur. 4Mae­via tes­ta­men­to suo al­te­rum ex he­redi­bus suis ac­tio­ne tu­te­lae vo­luit li­be­ra­ri his ver­bis: ‘ra­tio­nem tu­te­lae, quam egit Iu­lius Pau­lus cum An­ti­stio Ci­ce­ro­ne, pos­ci ab eo no­lo eo­que no­mi­ne cau­sa om­ni li­be­ra­tum es­se vo­lo’: quae­ro, an, si qua pe­cu­nia ex tu­te­la apud eum re­man­sit, pe­ti ab eo pos­sit. re­spon­dit ni­hil pro­po­ni, cur pe­cu­nia, quae pu­pil­lae est et apud tu­to­rem po­si­ta ma­ne­ret, le­ga­ta vi­de­re­tur. 5Tes­ta­men­to ita scrip­se­rat: ‘Ti­tio ad­fi­ni meo, quid­quid mi­hi qua­cum­que ex cau­sa de­be­bat, re­mit­ti vo­lo eo­que am­plius de­cem do’: co­di­cil­lis ita scrip­sit: ‘Ti­tio hoc am­plius ad­fi­ni et de­bi­to­ri meo usu­ram pe­cu­niae, quam mi­hi de­bet, ab he­rede meo do­nec ad­vi­vet: quod si ex­ige­re ul­tra vo­lun­ta­tem meam pu­ta­ve­rit, eius sor­tis usu­ram ei­dem Ti­tio ab he­redi­bus meis do­nec vi­vit prae­sta­ri vo­lo’. quae­si­tum est, cum au­gen­di po­tius quam mi­nuen­di tes­ta­tor vo­lun­ta­tem ha­bue­rit, an he­redes ex cau­sa fi­dei­com­mis­si Ti­tio te­nean­tur, ut eum om­ni de­bi­to li­be­rent. re­spon­dit se­cun­dum ea quae pro­po­ne­ren­tur vi­de­ri mi­nu­tum le­ga­tum, quod pri­mo de­de­rat. 6Le­ga­tum est tes­ta­men­to hoc mo­do: ‘Se­io con­ce­di vo­lo, quid­quid mi­hi ab eo de­bi­tum est vel fi­dem meam pro eo ob­li­ga­vi’: quae­ro, utrum id so­lum, quod tes­ta­men­ti fac­ti tem­po­re de­be­ba­tur, le­ga­tum sit, an et­iam, si quid ex ea sum­ma usu­ra­rum no­mi­ne post­ea ac­ces­sit, le­ga­to ce­dat. re­spon­dit vi­de­ri om­nem ob­li­ga­tio­nem eius de­bi­ti per fi­dei­com­mis­sum sol­vi vo­luis­se. 7Sti­cho tes­ta­men­to ma­nu­mis­so fun­dum in­struc­tum et alia le­ga­vit et haec ver­ba ad­ie­cit: ‘quem ra­tio­nem red­de­re ve­to, quia in­stru­men­ta pe­nes se ha­bet’: quae­si­tum est, an Sti­chus re­li­qua, quae ex ad­mi­nis­tra­tio­ne ac­tus de­bue­rat, red­de­re de­bue­rit. re­spon­di Sti­chum eo no­mi­ne non te­ne­ri. Claudius: ne­mo enim ex ser­vi­tu­tis ac­tu post li­ber­ta­tem te­ne­tur et con­sul­ta­tio ad ius de­bi­ti re­la­ta fue­rat: re­ti­ne­ri er­go re­li­qua pos­sunt cum pe­cu­lio aut ex eo de­du­ci, si le­ga­tum est. 8‘Cen­tum, quae apud Apro­nia­num de­po­si­ta ha­beo, apud ip­sum es­se vo­lo, do­nec fi­lius meus ad an­nos vi­gin­ti per­ve­ne­rit, eius­que pe­cu­niae usu­ram ex­igi ve­to’. quae­si­tum est, an ex cau­sa fi­dei­com­mis­si Apro­nia­nus con­se­qui pos­sit, ne an­te tem­pus a tes­ta­to­re prae­scrip­tum ea sum­ma ab eo ex­iga­tur. re­spon­dit se­cun­dum ea quae pro­po­ne­ren­tur con­se­qui pos­se. 9Fi­lias he­redes scrip­se­rat, qua­rum fi­dei com­mi­sit in haec ver­ba: ‘ne a Gaio Se­io ra­tio­nes ac­tus rei meae, quae per men­sam eius si­ve ex­tra men­sam in diem mor­tis meae ges­ta est, ex­iga­tis eo­que no­mi­ne eum li­be­re­tis’. quae­si­tum est, cum uni­ver­sas ra­tio­nes in diem mor­tis is­te ad­mi­nis­tra­ve­rit et per men­sam suam et quae ex­tra ad­mi­nis­tra­ban­tur, an ad ra­tio­nes red­den­das he­redi­bus te­n­ea­tur. re­spon­dit li­be­ra­tio­nem qui­dem se­cun­dum ea quae pro­po­ne­ren­tur le­ga­tam es­se, sed qua­te­nus prae­stan­da sit, ex qua­li­ta­te dis­cep­ta­tio­nis iu­di­cem aes­ti­ma­tu­rum. 10Eum, qui tu­te­lam ip­sius ad­mi­nis­tra­ve­rat, et fra­trem suum et alios quos­dam scrip­sit he­redes et tu­to­ri le­ga­vit, quae im­pen­de­rat in se et fra­trem ip­sius, de­cem: quae­si­tum est, an uti­le es­set in per­so­na eius fi­dei­com­mis­sum. re­spon­dit, si id de­de­rit per fi­dei­com­mis­sum quod de­be­ba­tur, pe­ti non pos­se. 11Idem quae­siit, si in tu­to­ris per­so­na in­uti­le es­set, an in per­so­na fra­tris uti­le vi­de­re­tur, quon­iam il­li pro­fi­ce­ret, cu­ius et ip­sius tu­te­lam ad­mi­nis­tras­set. re­spon­dit fra­tri uti­li­ter es­se le­ga­tum, cum suo de­bi­to li­be­re­tur. 12Idem quae­siit, si tu­tor am­plec­te­re­tur fi­dei­com­mis­sum ita, ut qui­bus­dam sta­ri vel­let ver­bis tes­ta­men­ti, in qui­bus­dam au­tem re­ce­dat, quod mi­no­rem quan­ti­ta­tem sump­tuum di­cat fi­dei­com­mis­so con­ti­ne­ri quam ip­se ero­ga­ve­rat, an au­di­ri de­be­ret. re­spon­dit non im­pe­di­ri eum scrip­tu­ra tes­ta­men­ti, quo mi­nus om­ne, quod si­bi de­be­ri pro­bas­set, pe­te­re pos­set. 13Qui­dam ita le­ga­vit: ‘Sem­pro­niae uxo­ri meae red­di iu­beo ab he­redi­bus meis quin­qua­gin­ta ea, quae mu­tua ac­ce­pe­ram chi­ro­gra­pho par­ti­cu­la­tim in neg­otia mea’: quae­si­tum est, an, si ve­re uxo­ris de­bi­tor fue­rit, fi­dei­com­mis­sum con­sti­te­rit. re­spon­dit, si de­bi­ta fuis­sent, nul­lum es­se fi­dei­com­mis­sum. 14Idem quae­siit, an, si hanc pe­cu­niam ut de­bi­tam apud iu­di­cem pe­tie­rit et vic­ta fue­rit, an fi­dei­com­mis­sum pe­ti pos­sit. re­spon­dit se­cun­dum ea quae pro­po­nun­tur pos­se ex cau­sa fi­dei­com­mis­si pe­ti, quod ap­pa­ruis­set non fuis­se ex alia cau­sa de­bi­tum.

28Scaevola lib. XVI. Dig. Aurelius Symphorus hatte für einen Vormund gebürgt, und bei seinem Ableben dessen Mündeln ein Vermächtniss folgender Art hinterlassen: Dem Arellius Latinus und Arellius Felix, jedem fünf[tausend Sestertien], sobald jeder von ihnen vierzehn Jahr alt geworden ist; bis zu dieser Zeit verordne ich, jedem von ihnen anstatt Alimente monatlich sechs Denare, und zur Kleidung jährlich fünfundzwanzig Denare zu geben. Mit diesem Vermächtniss müsst Ihr Euch begnügen, weil euere Vormundschaft mir1212Rationem meam, eigentlich meiner Rechnung, d. h. meinem Vermögen. nicht geringen Schaden zugefügt hat. Euch aber, meine Erben, bitte ich, ebenso wenig von jenen auf den Grund der Vormundschaftsrechnung zu fordern, als von dem ihnen ausgesetzten Vermächtniss etwas innebehalten zu wollen. Hier entstand die Frage, ob, wenn der Erbe desselben auf den Grund der Bürgschaft Etwas entrichtet habe, er es vom Erben der Söhne dessen zurückfordern könne, für den jener gebürgt hatte? Die Antwort lautete: den vorgetragenen Worten zufolge, erscheine es allein der Treue der Erben anheimgestellt, dasjenige nicht einzufordern, was die Gebrüder Arellius ihm aus der Rechnung über die Vormundschaft, welche Symphorus für sie geführt hat, schuldig sind. 1Es hatte Jemand ein Testament errichtet, und seinen Schuldnern Erlass ihrer Verbindlichkeiten ausgesetzt; er zerschnitt darauf die Heftfäden1313Linum, hiermit war das Testament entweder geheftet und umwunden, oder wenigstens das Letztere. Mit dem Zerschneiden desselben ward das Testament schon ungültig. Das revognito testamento will sagen, er habe es wieder belesen, und die Aufhebung der Vermächtnisse sei ihm leid geworden, weshalb er sie von Neuem errichtet habe., las das Testament nochmals durch, und errichtete darauf ein anderes, worin er das Vermächtniss mit folgenden Worten wiederholte: Es sollen alle Vermächtnisse, welche ich in dem von mir zerschnittenen Testamente, es sei, wem da wolle, ausgesetzt habe, bestehend bleiben, sowie Alles, was darin geschrieben steht. Es entstand die Frage, ob, wenn die Erbschaft aus dem zweiten Testamente angetreten worden wäre, die Schuldner, denen im vorigen Testamente Erlass ihrer Verbindlichkeit hinterlassen worden war, auch in Ansehung derjenigen Summe, welche sie erst nach Errichtung des ersten Testamentes schuldig geworden sind, Erlass erhielten, und ob die Erben, Falls sie Anforderung deshalb wider jene erhöben, mit der Einrede der Arglist abgewiesen werden würden? Die Antwort ging dahin, dass sie keinen Erlass erhielten. 2Titius hinterliess seinem Schuldner Sejus folgendes Vermächtniss: ich gebe und vermache dem Sejus zehn Denare; ingleichen mache ich ihm damit ein Geschenk, was er mir an Capital und Zinsen schuldig ist; ausserdem legte er seinen Erben noch im Allgemeinen auf und überliess es ihrer Treue, Jedem dasjenige zu verabreichen und herauszugeben, was er ihm vermacht habe; späterhin erborgte Sejus ausserdem noch ein anderes Capital vom Titius. Ist, frage ich, dieses, erst nach Errichtung des Testamentes dem Sejus gegebene Geld auch als ihm vermacht anzusehen? Antwort: da die Worte [des Testamentes] als auf die vergangene Zeit bezüglich erscheinen, so ist das spätere [Darlehn] nicht als Vermächtniss zu betrachten. 3Titius drückte sich in seinem Testamente, worin er seine Söhne zu Erben eingesetzt hatte, in Betreff seines Vaters, der ehemals sein Vormund gewesen war, folgender Gestalt aus: mein Vater Sejus, will ich, soll von der Vormundschaftsklage befreiet sein. Ich frage, in wiefern diese Worte zu verstehen sind, d. h. ob er verpflichtet ist, den Söhnen und Erben des Testators, seinen Enkeln, diejenigen Gelder herauszugeben, welche er entweder aus dem Verkauf von Sachen, oder eingezogenen Forderungen in seinen Gebrauch verwendet, oder auf eigenen Namen zinslich ausgeliehen hat? Antwort: es wird von dem Ermessen dessen abhängen, dem die Erörterung der Sache obliegt; denn es streitet, vermöge der natürlichen Liebe [zwischen Vater und Sohn], eine Vermuthung für die Annahme, dass dem Vater Alles zugestanden sei, es müsste denn von den Erben erwiesen werden können, dass der Testator etwas Anderes gewollt habe. 4Mävia wollte in ihrem Testamente den einen von ihren Erben von der Vormundschaftsklage mit diesen Worten befreien: es soll von der Vormundschaft, welche Julianus Paulus mit dem Antistius Cicero geführt hat, keine Rechnung von ihm gefordert werden, und es soll derselbe, verordne ich hiermit, von der ganzen Angelegenheit seiner Verpflichtung entlassen sein. Ich frage, ob, wenn Geld aus dieser Vormundschaft in seinen Händen geblieben, dieses von ihm gefordert werden könne? Antwort: es ist kein Grund vorhanden, weshalb das der Mündelin gehörige, und beim Vormund liegen gebliebene Geld, als demselben vermacht betrachtet werden sollte. 5Es hatte Jemand in seinem Testamente so gesagt: dem Titius, meinem Schwager, soll Erlass in Ansehung Alles dessen, was er mir aus irgend einem Grunde verschuldet, zu Theil werden; in einem Codicill sagte er aber so: dem Titius, meinem Schwager und Schuldner, [sollen] ausserdem noch die Zinsen von dem mir schuldigen Gelde, von meinem Erben auf Lebenszeit [erlassen werden]. Sollte [dieser] aber gesönnen sein, dasselbe wider meinen Willen einzuziehen, so sollen meine Erben demselben Titius die Zinsen von dem Capital auf Lebenszeit zahlen. Es ward hier die Frage erhoben, ob, da der Testator den Willen gehabt habe, [das Vermächtniss] vielmehr zu vermehren, als zu vermindern, die Erben dem Titius auf den Grund des Fideicommisses zum Erlass der ganzen Schuld gehalten seien? Antwort: den vorliegenden Umständen nach erscheint das zuerst ausgesetzte Vermächtniss vermindert. 6In einem Testamente war ein Vermächtniss auf folgende Weise ausgesetzt: Dem Sejus soll Alles, was er mir schuldig ist, oder wesfalls ich für ihn gebürgt habe, erlassen werden. Ich frage, ob hier blos dasjenige vermacht sei, was er zur Zeit der Testamentserrichtung schuldig war, oder auch das, um wieviel diese Summe sich nachher durch die Zinsen vergrössert hat, zu dem Vermächtniss gehörig sei? Antwort: es ist anzunehmen, als habe [der Testator] die ganze Verbindlichkeit aus dieser Schuld aufheben wollen. 7Es vermachte Jemand dem Stichus, dem er im Testamente freigelassen hatte, ein Landgut mit der gesammten Einrichtung1414Fundus instructus; hierzu gehört auch Vieh und Sclaven u. s. w., s. Buch 33. Tit. 7. und noch Anderes, und setzte dann die Worte hinzu: ich untersage ihm auch die Rechnungsablegung, weil er die [betreffenden] Urkunden nun als eigene behält. Es entstand hier die Frage, ob Stichus die Reste herausgeben müsse, welche er aus der Verwaltung noch verschuldete? Ich habe mich dahin ausgesprochen, dass Stichus deshalb nicht hafte. Claudius: denn es haftet nach Erlangung der Freiheit Niemand aus einer in die Zeit fallenden Handlung, wo er noch Sclav war, und die Frage war blos in Bezug auf sein Schuldverhältniss gestellt; die Reste können also mit dem Sondergute zurückbehalten, oder wenn dieses vermacht worden ist, von demselben abgezogen werden. 8Die hundert[tausend Sestertien], welche ich bei Apronianus niedergelegt habe, sollen bei demselben so lange verbleiben, bis mein Sohn zwanzig Jahr erreicht hat, und ich verbiete, von diesem Gelde Zinsen einzufordern. Es entstand hier die Frage, ob Apronianus auf den Grund des Fideicommisses verlangen könne, dass die Summe vor der von dem Testator vorgeschriebenen Zeit von ihm nicht solle gefordert werden dürfen? Die Antwort lautete: den vorliegenden Umständen nach allerdings. 9Es hatte Jemand seine Töchter zu Erben eingesetzt, und ihnen ein Fideicommiss in folgenden Worten auferlegt: Ihr sollt vom Cajus Sejus keine Rechnung von der Verwaltung meines Vermögens, soweit er es innerhalb oder ausserhalb seines Bankgeschäfts bis zu meinem Todestage verwaltet hat, fordern, und ihm desfalls Erlass seiner Verbindlichkeit gewähren. Es entstand hier die Frage, ob, wenn jener die gesammten Rechnungen bis zum Todestage geführt habe, und dieselben sowohl innerhalb seines Bankgeschäfts als ausserhalb desselben geführt wurden, derselbe den Erben zur Rechnungsablegung gehalten sei? Die Antwort lautete: den vorliegenden Umständen nach sei zwar der Erlass von der Verbindlichkeit dazu vermacht worden; es werde jedoch vom Ermessen des Richters je nach der Eigenthümlichkeit des Rechtsstreits1515D. h. sagt die Glosse, von dem Beweise des Erben, was der Testator eigentlich gemeint habe. abhängen, in wiefern dieselbe zu leisten sei. 10Es hatte Jemand denjenigen, der die Vormundschaft für ihn geführt hatte, seinen Bruder und noch einige Andere zu Erben eingesetzt, und dem Vormunde zehn[tausend Sestertien] vermacht, die er für ihn und seinen Bruder ausgelegt hatte. Es entstand die Frage, ob dieses Fideicommiss in Ansehung der Person des [Vormundes] von Nutzen sei? Die Antwort lautete: wenn er durch ein Fideicommiss dasjenige ausgesetzt hat, was wirkliche Schuld war, so kann desfalls [auf den Grund des Fideicommisses] keine Klage erhoben werden. 11Derselbe [Scävola] behandelt die Frage, ob, wenn [das Fideicommiss] in Ansehung des Vormundes ungültig sei, dasselbe in Betreff des Bruders als wirksam erscheine, weil es diesem von Vortheil sein würde, da er dessen Vormundschaft auch verwaltet hatte? und beantwortet sie dahin, dass dem Bruder gültig vermacht worden sei, indem er dadurch Erlass seiner Schuld erlange. 12Er untersucht ferner, ob, wenn der Vormund das Fideicommiss dergestalt annimmt, dass er einige Worte des Testamentes gelten lassen will, und andere nicht, indem er behauptet, dass die Kosten in dem Fideicommiss zu einer geringeren Summe veranschlagt worden, als er wirklich ausgegeben habe, demselben Gehör zu ertheilen sei? und beantwortet sie dahin, dass ihm die Worte des Testamentes nicht im Wege ständen, Alles zu fordern, wovon er beweisen könne, dass er es zu fordern habe. 13Jemand errichtete folgendes Vermächtniss: Meiner Gattin Sempronia, befehle ich, sollen meine Erben diejenigen funfzig[tausend Sestertien] zurückzahlen, welche ich auf eine Handschrift in Theilzahlungen zu meinen Geschäften vorgeschossen erhalten hatte. Es entstand hier die Frage, ob, wenn er in der That Schuldner seiner Gattin gewesen, das Fideicommiss Bestand habe? Antwort: wenn er es schuldig war, so ist das Fideicommiss ungültig. 14Die Frage, ob, wenn sie dieses Geld eingeklagt habe, und sachfällig geworden sei, sie dann das Fideicommiss in Anspruch nehmen könne, beantwortete er dahin, dass den vorliegenden Umständen zufolge auf den Grund des Fideicommisses Klage erhoben werden könne, weil sich ergeben habe, dass ein anderer Grund für die Schuld nicht vorhanden gewesen sei.

29Pau­lus li­bro sex­to ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Si is, qui duos reos pro­mit­ten­di ha­bet, dam­na­ve­rit he­redem, ut utros­que li­be­ret, si al­ter ex his ca­pe­re non pos­sit nec so­cii sint, dele­ga­ri de­be­bit is qui ni­hil ca­pit ei cui hoc com­mo­dum le­ge com­pe­tit: cu­ius pe­ti­tio­ne utrum­que ac­ci­dit, ut et hoc com­mo­dum ad eum per­ve­niat et is qui ca­pit li­be­re­tur. quod si so­cii sint, prop­ter eum qui ca­pax est et il­le ca­pit per con­se­quen­tias li­be­ra­to il­lo per ac­cep­ti­la­tio­nem: id enim eve­ni­ret, et­iam­si so­lum ca­pa­cem li­be­ra­re ius­sus es­set.

29Paul. lib. VI. ad leg. Jul. et Pap. Wenn derjenige, der zwei Theilnehmer eines Versprechens hat, seinem Erben auferlegt hat, Beiden Erlass zu ertheilen, und der Eine von ihnen unfähig ist, [ein Vermächtniss] zu erwerben, dieselben auch nicht Gesellschafter sind, so muss der des Erwerbs Unfähige demjenigen als Schuldner überwiesen werden, dem diese Fähigkeit nach dem Gesetz zusteht; wenn dieser dann seinen Anspruch geltend macht, so tritt die doppelte Folge ein, dass er sowohl den [gedachten] Vortheil erwirbt, wie auch, als des Erwerbs fähig, [für sich] Erlass empfängt1616S. Jensius l. l. p. 306.. Wenn sie hingegen Gesellschafter sind, so erwirbt der Andere durch den des Erwerbs Fähigen, rechtlicher Folge nach, mit, indem derselbe durch Annahme an Zahlungs Statt Erlass erhält; denn dies würde auch dann der Fall sein, wenn dem Erben anbefohlen worden, dem des Erwerbs Fähigen allein Erlass zu ertheilen.

30Idem li­bro de­ci­mo quaes­tio­num. Pe­ti­tor vel pos­ses­sor dam­na­vit he­redem suum, ne cen­tum­vi­ra­le iu­di­cium ex­er­ceat: de ef­fec­tu le­ga­ti quae­ri­tur. et dic­tum ita de­mum uti­le vi­de­ri le­ga­tum es­se, si ma­lam cau­sam ad­ver­sa­rius tes­ta­to­ris ha­buit, ut li­ti­gan­te he­rede vin­ci de­bue­rit: tunc enim non tan­tum li­tis emo­lu­men­tum, sed et­iam sump­tus he­res le­ga­ta­rio prae­sta­re co­gi­tur. nam in bo­na cau­sa ni­hil vi­de­tur es­se in le­ga­to nec prop­ter sump­tus, quod qui­dam ex­is­ti­ma­ve­runt.

30Idem lib. X. Quaest. Der Kläger oder der Beklagte [in einem Erbschaftsprocess] legte seinem Erben auf, die Klage vor dem Hundertmanngericht1717Vor dem alle Erbschaftsstreitigkeiten verhandelt wurden; aus diesem Zusatz erhellt überhaupt, dass eine solche gemeint sei. nicht fortzustellen; es fragte sich um die Gültigkeit des Vermächtnisses. Die Antwort lautete, dasselbe sei nur alsdann als gültig zu betrachten, wenn der Gegner des Testators ungerechte Sache hatte, so dass er, wenn der Erbe den Streit fortgesetzt hätte, hätte unterliegen müssen, denn der Erbe muss dem Vermächtnissinhaber dann nicht blos den Streitgegenstand, sondern auch die bereits aufgelaufenen Kosten ersetzen; hat er aber gerechte Sache, so besagt das Vermächtniss nichts, nicht einmal in Betreff der Kosten, was Einige geglaubt haben.

31Scae­vo­la li­bro ter­tio re­spon­so­rum. Cre­di­tor de­bi­to­ri le­ga­vit ita: ‘Gaio Se­io, quid­quid mi­hi sub pig­no­re hor­to­rum suo­rum de­buit, ab he­redi­bus meis da­ri vo­lo’: quae­ro, cum tes­ta­tor vi­vus a Se­io ali­quid re­ce­pit, an id ex cau­sa le­ga­ti pe­ti pos­sit. re­spon­dit se­cun­dum ea quae pro­po­ne­ren­tur non pos­se. idem re­pe­tiit et ait item tes­ta­to­rem an­te fac­tos co­di­cil­los, qui­bus le­ga­vit, pae­ne om­nem pe­cu­niam sor­tis et usu­ra­rum re­ce­pis­se, ita ut mo­di­cum sor­tis et usu­ra­rum de­bea­tur, et quae­siit, an ei re­pe­ti­tio com­pe­te­ret prop­ter ver­ba ad prae­ter­itum re­la­ta ‘quid­quid mi­hi de­buit’. re­spon­dit: prius qui­dem se­cun­dum ea quae pro­po­ne­ren­tur rec­te re­spon­sum est, ve­rum pos­te­rius prop­ter ea, quae in tem­po­re ad­de­ren­tur, ita ab iu­di­ce aes­ti­man­dum, ut in­spi­ce­ret, ob­li­vio­ne pe­cu­niae so­lu­tae, aut quod eo in­scio nu­me­ra­ta es­set, id fe­cis­set, an con­sul­to, quod quan­ti­ta­tem quon­dam de­bi­tam, non ius li­be­ra­tio­nis da­re vo­luis­set. 1In­ter ce­te­ra li­ber­to ita le­ga­vit: ‘et si quid me vi­vo ges­sit, ra­tio­nes ab eo ex­igi ve­to’. quae­ri­tur, an char­tas, in qui­bus ra­tio­nes con­scrip­tae sunt, item re­li­quas se­cun­dum ac­cep­ta et ex­pen­sa he­redi­bus red­de­re de­beat. re­spon­dit ea de qui­bus quae­re­re­tur pos­se he­redem vin­di­ca­re, id au­tem, quod con­ser­vis, qui re­ma­nent in he­redi­ta­te, cre­di­de­rit et in rem do­mi­ni ver­sum es­set, de­sis­se in re­li­quis es­se. 2Ti­tia, quae duos tu­to­res ha­bue­rat, ita ca­vit: ‘ra­tio­nem tu­te­lae meae, quam egit Pu­blius Mae­vius cum Lu­cio Ti­tio, re­pos­ci ab eo no­lo’: quae­ri­tur, an, si qua pe­cu­nia apud eum ex tu­te­la re­man­sit, pe­ti ab eo pos­sit. re­spon­dit ni­hil pro­po­ni, cur pe­cu­nia, quae pu­pil­lae es­set et apud tu­to­rem re­ma­ne­ret, le­ga­ta vi­de­re­tur. 3Item quae­ri­tur, an con­tu­tor li­be­ra­tus vi­de­tur. re­spon­dit con­tu­to­rem non li­be­ra­ri. 4‘Gaio Se­io op­ti­me me­ri­to hoc am­plius le­go con­ce­di­que vo­lo ne­que ab eo pe­ti ne­que ab he­redi­bus eius, quid­quid mi­hi aut chi­ro­gra­phis aut ra­tio­ni­bus de­bi­tor est vel quid­quid a me mu­tuum ac­ce­pit vel fi­dem meam pro eo ob­li­ga­vi’. quae­ro, utrum id so­lum, quod eo tem­po­re, quo tes­ta­men­tum fie­bat, de­be­ba­tur, le­ga­tum sit an et si quid ex ea sum­ma usu­ra­rum no­mi­ne post­ea ac­ces­sit le­ga­to ce­dat. re­spon­dit se­cun­dum ea quae pro­po­ne­ren­tur vi­de­ri om­nem ob­li­ga­tio­nem Se­io eius de­bi­ti per fi­dei­com­mis­sum sol­vi vo­luis­se. 5Item quae­ri­tur, si post­ea no­va­tio­ne fac­ta et am­plia­ta sum­ma coe­pe­rit de­be­re, an id, quod ex ve­te­re con­trac­tu de­be­ba­tur, ni­hi­lo mi­nus in cau­sa le­ga­ti du­ret et an ve­ro no­va­tio­ne fac­ta qua­si no­vus de­bi­tor am­plia­tae sum­mae pos­sit con­ve­ni­ri. re­spon­dit id dum­ta­xat le­ga­tum vi­de­ri quod tunc de­buis­set, si ta­men man­sit in ea vo­lun­ta­te tes­ta­tor, quae tunc fuis­set.

31Scaevola lib. III. Resp. Ein Gläubiger setzte seinem Schuldner folgendes Vermächtniss aus: dem Cajus Sejus, verordne ich, sollen meine Erben dasjenige gewähren, was er mir unter Verpfändung seiner Gärten schuldig gewesen ist. Ich frage, ob, wenn der Testator noch bei seinen Lebzeiten vom Sejus etwas eingezogen hat, dasselbe auf den Grund des Vermächtnisses in Anspruch genommen werden kann? Die Antwort lautete: den vorliegenden Umständen nach, nein. Derselbe fragte aber nochmals an, und bezog sich darauf, es habe der Testator bereits vor Errichtung des Codicills, worin er das Vermächtniss ausgesetzt habe, beinahe das ganze Capital mit den Zinsen eingezogen, so dass nur noch ein geringer Schuldbetrag an Capital und Zinsen vorhanden sei, und fragte, ob ihm nicht die Rückforderung [des bereits Gezahlten] zustehe, wegen der auf die Vergangenheit bezüglichen Worte: was er mir schuldig gewesen ist. Die Antwort lautete: es ist zwar vorher, den vorliegenden Umständen nach, richtig geantwortet worden; allein im folgenden Fall habe der Richter, wegen dessen, was in Betreff der Zeit hinzugefügt worden, sein Ermessen auf die Untersuchung zu richten, ob [der Testator] es aus Vergessenheit, dass das Geld gezahlt worden, oder weil es ohne sein Wissen geschehen, gethan, oder absichtlich, weil er [dem Schuldner] die früher schuldig gewesene Summe zugedacht habe, und nicht blos Erlass seiner Verbindlichkeit. 1Es vermachte Jemand unter anderem seinem Freigelassenen folgendermaassen: und wenn er bei meinen Lebzeiten ein Geschäft für mich geführt hat, so untersage ich, ihm Rechnungsablegung abzufordern. Es ist die Frage, ob er die Papiere, worauf die Rechnungen geschrieben sind, sowie den nach [Balancirung] der Einnahme und Ausgabe vorhandenen Vorrath den Erben herausgeben müsse? Die Antwort lautete: der Erbe kann das in Rede Stehende eigenthümlich in Anspruch nehmen; was jener hingegen seinen Mitsclaven, die bei der Erbschaft verbleiben, vorgeschossen, und in den Nutzen des Herrn verwendet habe, höre auf, zum Vorrath zu gehören. 2Titia, welche zwei Vormünder gehabt hatte, verordne letztwillig: die Rechnung von meiner Vormundschaft, welche Publius Mävius mit dem Lucius Titius geführt hat, verordne ich, soll von ihm nicht gefordert werden. Es fragt sich, ob, wenn aus dieser Vormundschaft Geld in seinen Händen geblieben ist, dasselbe von ihm gefordert werden könne? Antwort: es ist kein Grund vorhanden, warum nicht1818Ich habe diese berühmte Stelle ohne alle Rücksicht auf die nöthige kritische Hülfe übersetzt. Dass dieses non herauszuwerfen sei, darüber scheint man nu einig zu sein; s. Glück XXXII. S. 188. ff. das der Unmündigen gehörige und beim Vormund verbliebene Geld als demselben vermacht betrachtet werden sollte. 3Ingleichen fragt es sich, ob der Mitvormund für befreiet von seiner Obliegenheit zu betrachten sei? Die Antwort lautete hier aber verneinend. 4Dem um mich hochverdienten Cajus Sejus vermache und verordne ich noch, das zuzugestehen, dass weder er selbst, noch seine Erben auf irgend Etwas, das er mir entweder aus Handschriften oder Rechnungen verschuldet, oder vorgeschossen erhalten hat, oder in Ansehung wessen ich mich für ihn verbürgt habe, in Anspruch genommen werden soll. Ich frage, ob blos dasjenige als vermacht zu betrachten sei, was er zur Zeit der Testamentserrichtung schuldig war, oder ob auch der durch die davon nachher aufgelaufenen Zinsen entstandene Zuwachs zum Vermächtniss gehöre? Antwort: den vorliegenden Umständen zufolge scheint es, als habe er dem Sejus durch das Fideicommiss seiner ganzen Verbindlichkeit entlassen wollen. 5Ingleichen ist darüber Frage erhoben worden, ob, wenn später eine Erneuerung der Schuld geschehen und er eine grössere Summe schuldig geworden, der Schuldbetrag aus dem vorigen Contract nichts desto weniger fortwährend Gegenstand des Vermächtnisses verbleibe, oder ob der Schuldner, in Folge der geschehenen Erneuerung, gleichsam als ein neuer Schuldner der vergrösserten Summe belangt werden könne? Die Antwort lautete: es werde nur dasjenige als vermacht betrachtet, was er früher schuldig war, vorausgesetzt, dass der Testator bei seinem früheren Willen beharrt habe.