Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 34 übersetzt von Sintenis
Dig. XXXIV8,
De his quae pro non scriptis habentur
Liber trigesimus quartus
VIII.

De his quae pro non scriptis habentur

(Von Dem, was für gar nicht ausgesetzt erachtet wird.)

1Iu­lia­nus li­bro sep­tua­ge­si­mo oc­ta­vo di­ges­to­rum. Si quis he­redi­ta­tem vel le­ga­tum si­bi ad­scrip­se­rit, quae­ri­tur, an he­redi­tas vel le­ga­tum pro non scrip­to ha­bea­tur. et quid, si sub­sti­tu­tum ha­beat hu­ius­mo­di in­sti­tu­tio? re­spon­dit: pars he­redi­ta­tis, de qua me con­su­luis­ti, ad sub­sti­tu­tum per­ti­net: nam se­na­tus cum poe­nas le­gis Cor­ne­liae con­sti­tue­ret ad­ver­sus eum, qui si­bi he­redi­ta­tem vel le­ga­tum scrip­sis­set, eo­dem mo­do im­pro­bas­se vi­de­tur, quo im­pro­ba­tae sunt il­lae: ‘qua ex par­te me Ti­tius he­redem scrip­tum in ta­bu­lis suis re­ci­ta­ve­rit, ex ea par­te he­res es­to’, ut per­in­de ha­be­ren­tur, ac si in­ser­tae tes­ta­men­to non fuis­sent.

1Julian. lib. LXXVII. Dig. Wenn sich Jemand in einem Testamente, das er für einen Andern aufsetzt, eine Erbschaft oder ein Vermächtniss zugeschrieben hat, so fragt es sich, ob die Erbschaft oder das Vermächtniss für gar nicht ausgesetzt erachtet werde, und wie, wenn bei einer Erbeinsetzung dieser Art eine Substitution geschehen ist? Er hat zur Antwort eriheilt: derjenige Theil der Erbschaft, dessen wegen du mich befragst, fällt dem Substituten anheim; denn der Senat scheint, als er die Strafen des Cornelischen Gesetzes wider den bestimmte, der sich eine Erbschaft oder ein Vermächtniss in einem fremden Testamente zugeschrieben, dies eben so sehr gemissbilligt zu haben, als [Erbeinsetzungen] der Art: zu welchem Antheile Titius mich in seinem Testamente zum Erben eingesetzt haben wird, zu demselben soll er mein Erbe sein, so dass es darauf hinausläuft, als wäre die Erbeinsetzung im Testamente gar nicht geschehen.

2Al­fe­nus Va­rus li­bro quin­to di­ges­to­rum. Quae in tes­ta­men­to scrip­ta es­sent ne­que in­tel­le­ge­ren­tur quid sig­ni­fi­ca­rent, ea per­in­de sunt ac si scrip­ta non es­sent: re­li­qua au­tem per se ip­sa va­lent.

2Alfen. Var. lib. V. Dig. Was in einem Testamente festgesetzt, aber unverständlich ist, was es bedeuten solle, das wird so betrachtet, wie wenn es gar nicht darin stände; das Uebrige gilt von selbst.

3Mar­cia­nus li­bro un­de­ci­mo in­sti­tu­tio­num. Si in me­tal­lum dam­na­to quid ex­tra cau­sam ali­men­to­rum re­lic­tum fue­rit, pro non scrip­to est nec ad fis­cum per­ti­net: nam poe­nae ser­vus est, non Cae­sa­ris: et ita di­vus Pius re­scrip­sit. 1Sed et si post tes­ta­men­tum fac­tum he­res in­sti­tu­tus vel le­ga­ta­rius in me­tal­lum da­tus sit, ad fis­cum non per­ti­net. 2Item si ser­vo alie­no quid le­ga­tum fue­rit et post­ea a tes­ta­to­re red­emp­tus sit, le­ga­tum ex­stin­gui­tur: nam quae in eam cau­sam per­ve­ne­runt, a qua in­ci­pe­re non pot­erant, pro non scrip­tis ha­ben­tur.

3Marcian. lib. XI. Instit. Was einem in die Bergwerke Verurtheilten ausser an Alimenten hinterlassen worden ist, wird für nicht ausgesetzt erachtet, und fällt [also] nicht an den Fiscus; denn ein solcher ist zur Strafe Sclav, nicht Sclav des Kaisers; so hat es der Kaiser Pius verordnet. 1Dem Fiscus fällt eine Erbschaft auch dann nicht anheim, wenn der in einem Testamente eingesetzte Erbe oder Vermächtnissinhaber erst nach dessen Errichtung in die Bergwerke verurtheilt worden ist. 2Ingleichen erlischt das einem fremden Sclaven ausgesetzte Vermächtniss, der nachher vom Testator losgekauft worden ist; denn was in ein solches Verhältniss getreten ist, worin es gar nicht entstehen konnte, wird für nicht geschrieben erachtet.

4Ul­pia­nus li­bro ter­tio de­ci­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Si eo tem­po­re, quo ali­cui le­ga­tum ad­scri­be­ba­tur, in re­bus hu­ma­nis non erat, pro non scrip­to hoc ha­be­bi­tur. 1Sed et si in hos­tium po­tes­ta­te erat, quo tes­ta­men­tum fie­bat, ne­que ab hos­ti­bus red­iit, pro non scrip­to erit: et ita Iu­lia­nus scri­bit.

4Ulp. lib. XIII. ad leg. Jul. et Pap. Wenn Jemand zu der Zeit, da ihm ein Vermächtniss ausgesetzt wird, nicht mehr am Leben ist, so wird es für nicht ausgesetzt erachtet. 1Wenn er sich zur Zeit der Testamentserrichtung in feindlicher Gefangenschaft befand, und daraus nicht zurückgekehrt ist, so gilt es ebenso wenig für ausgesetzt. Dies sagt Julianus.

5Pau­lus li­bro duo­de­ci­mo quaes­tio­num. Quod quis si­bi ad­scrip­se­rit, si alii re­sti­tue­re a tes­ta­to­re ius­sus est, cum one­re fi­dei­com­mis­sum id apud he­redem re­ma­net, quam­vis pro non scrip­to es­set. idem est et in tes­ta­men­to mi­li­tis.

5Paul. lib. XII. Quaest. Wenn Jemand das, was er sich in einem fremden Testamente zugeschrieben, dem Befehle des Testators zufolge, einem Andern herausgeben soll, so verbleibt dasselbe mit der Belastung des Fideicommisses dem Erben, obwohl es eigentlich für nicht ausgesetzt zu erachten wäre. Dasselbe findet bei dem Testamente eines Soldaten Statt.