Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 34 übersetzt von Sintenis
Dig. XXXIV7,
De regula Catoniana
Liber trigesimus quartus
VII.

De regula Catoniana

(Von der Catonianischen Rechtsregel.)

1Cel­sus li­bro tri­ge­si­mo quin­to di­ges­to­rum. Ca­to­nia­na re­gu­la sic de­fi­nit, quod, si tes­ta­men­ti fac­ti tem­po­re de­ces­sis­set tes­ta­tor, in­uti­le fo­ret, id le­ga­tum quan­do­cum­que de­ces­se­rit, non va­le­re. quae de­fi­ni­tio in qui­bus­dam fal­sa est. 1Quid enim, si quis ita le­ga­ve­rit: ‘si post ka­len­das mor­tuus fue­ro, Ti­tio da­to?’ an ca­vil­la­mur? nam hoc mo­do si sta­tim mor­tuus fue­rit, non es­se da­tum le­ga­tum ve­rius est quam in­uti­li­ter da­tum. 2Item si ti­bi le­ga­tus est fun­dus, qui scri­ben­di tes­ta­men­ti tem­po­re tuus est, si eum vi­vo tes­ta­to­re alie­na­ve­ris, le­ga­tum ti­bi de­be­tur, quod non de­be­re­tur, si tes­ta­tor sta­tim de­ces­sis­set.

1Celsus lib. XXXV. Dig. Die Catonianische Rechtsregel lautet so: dasjenige Vermächtniss, was, wenn der Testator zur Zeit der Testamentserrichtung gestorben wäre, ungültig gewesen sein würde, gilt niemals, der Testator mag sterben, wann er will. Diese Bestimmung ist in einigen Fällen falsch. 1Denn wie, wenn Jemand so gesagt hat: wenn ich nach dem ersten [des und des Monats] sterben werde, so sollst du dem Titius geben. Können wir hier in Zweifel sein? Hier ist es ohne Zweifel richtiger, dass, wenn er gleich stirbt, auf diese Weise das Vermächtniss vielmehr gar nicht, als ungültiger Weise gegeben worden sei. 2Ad Dig. 34,7,1,2Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 654, Note 21.Ferner dann, wenn dir ein Landgut vermacht worden ist, welches zur Zeit der Aufnahme des Testamentes dir gehört; denn wenn du dieses noch bei Lebzeiten des Testators veräussert hast, so wird für dich der Anspruch auf das Vermächtniss begründet, obwohl dies nicht der Fall gewesen sein würde, wenn der Testator gleich gestorben wäre.

2Pau­lus li­bro quar­to ad Plau­tium. Sed et si sic le­ga­ve­rit: ‘si fi­lia mea Ti­tio nup­ta erit’, suf­fi­ce­re vi­sum est, si mor­tis tem­po­re nup­ta in­ve­nia­tur, li­cet tes­ta­men­ti fac­ti tem­po­re fue­rit im­pu­bes.

2Paul. lib. IV. ad Plaut. Auch wenn er so gesagt hat: wenn meine Tochter an den Titius verheirathet sein wird, so ist es hinreichend, wenn sie zur Zeit des Todes mit ihm verheirathet befunden wird, obwohl sie zur Zeit der Testamentserrichtung noch unmündig gewesen.

3Pa­pi­nia­nus li­bro quin­to de­ci­mo quaes­tio­num. Ca­to­nia­na re­gu­la non per­ti­net ad he­redi­ta­tes ne­que ad ea le­ga­ta, quo­rum dies non mor­tis tem­po­re, sed post ad­itam ce­dit he­redi­ta­tem.

3Papinian. lib. XV. Quaest. Die Catonianische Rechtsregel leidet auf Erbschaften und Vermächtnisse, deren Verfalltag erst nach dem Erbschaftsantritt und nicht mit dem Todestage eintritt, keine Anwendung.

4Ul­pia­nus li­bro de­ci­mo ad Sa­binum. Pla­cet Ca­to­nis re­gu­lam ad con­di­cio­na­les in­sti­tu­tio­nes non per­ti­ne­re.

4Ad Dig. 34,7,4Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 638, Note 16.Ulp. lib. X. ad Sabin. Auf bedingte Erbeinsetzungen hat die Catonianische Rechtsregel keine Anwendung.

5Idem li­bro vi­ce­si­mo se­cun­do ad Sa­binum. Re­gu­la Ca­to­nia­na ad no­vas le­ges non per­ti­net.

5Idem lib. XXII. ad Sabin. Die Catonianische Rechtsregel hat auf neuere Gesetze keinen Einfluss.