Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 33 übersetzt von Jungmeister unter Redaction von Sintenis
Dig. XXXIII3,
De servitute legata
Liber trigesimus tertius
III.

De servitute legata

(Vom Vermächtniss einer Dienstbarkeit.)

1Iu­lia­nus li­bro pri­mo ex Mi­n­icio. Qui duas ta­ber­nas con­iunc­tas ha­be­bat, eas sin­gu­las duo­bus le­ga­vit: quae­si­tum est, si quid ex su­pe­rio­re ta­ber­na in in­fe­rio­rem in­ae­di­fi­ca­tum es­set, num in­fe­rior one­ri fe­r­un­do in su­pe­rio­ris ta­ber­nae lo­co con­ti­ne­re­tur. re­spon­dit ser­vi­tu­tem im­po­si­tam vi­de­ri. Iu­lia­nus no­tat: vi­dea­mus, ne hoc ita ve­rum sit, si aut no­mi­na­tim haec ser­vi­tus im­po­si­ta est aut ita le­ga­tum da­tum est: ‘ta­ber­nam meam uti nunc est do le­go’.

1Julian. lib. I. ex Minicio. Jemand, welcher zwei mit einander verbundene Läden11Taberna, ist bald Bude, bald Gewölbe, Laden, Werkstatt etc., oder wie Ulpian l. 183. D. de Verb. sig. sagt: Tabernae appellatio declarat omne utile ad habitandum aedificium, nempe es eo, quod tabulis cluditur: ein ganz erschöpfendes Wort dafür gibt es fast im Deutschen nicht. hatte, vermachte sie einzeln an zwei verschiedene Personen. Es wurde angefragt, ob, wenn etwas aus dem oberen Laden in den untern eingebaut worden, der untere, soweit er diese Last zu tragen hat, im Umfange des oberen enthalten sei? Er antwortete, es sei als eine auferlegte Dienstbarkeit anzusehen. Julianus bemerkt, wir möchten annehmen, dass dies nur dann richtig sei, wenn entweder diese Dienstbarkeit namentlich auferlegt oder das Vermächtniss so beschieden wurde: ich gebe und vermache meinen Laden so, wie er jetzt ist.

2Mar­cel­lus li­bro ter­tio de­ci­mo di­ges­to­rum. Fun­dum com­mu­nem ha­ben­ti­bus le­ga­ri pot­est via, cum et com­mu­nis ser­vus rec­te viam sti­pu­la­tur et, cum duo ei qui ip­se viam sti­pu­la­tus fue­rit he­redes ex­sti­te­rint, non cor­rum­pi­tur sti­pu­la­tio.

2Marcell. lib. XIII. Dig. Denjenigen, welche ein Landgut gemeinschaftlich besitzen, kann ein Fahrweg vermacht werden, da auch ihr gemeinschaftlicher Sclav sich rechtsgültig einen Weg stipuliren mag; auch wenn Zwei denjenigen, welcher den Fahrweg sich selbst stipulirt hat, beerbt haben, so wird dadurch die Stipulation nicht aufgehoben.

3Idem li­bro vi­ce­si­mo no­no di­ges­to­rum. Si fun­dum Mae­vio et ad eum viam per alium fun­dum et eun­dem fun­dum si­ne via Ti­tio le­gas­set, si uter­que fun­dum vin­di­cas­set, si­ne via le­ga­to fun­dum ces­su­rum, quia ne­que ad­quiri per par­tem ser­vi­tus pos­sit. et si prius Mae­vius fun­dum vin­di­ca­ret al­te­ro de­li­be­ran­te, pos­se du­bi­ta­ri, an, si post­ea Ti­tius omis­sis­set, viae le­ga­tum sal­vum es­set, et hoc ma­gis vi­de­ba­tur: quam­quam si sub con­di­cio­ne quis fun­dum le­gas­set, viam pu­re, aut pro par­te fun­dum pu­re, pro par­te sub con­di­cio­ne et viam si­ne con­di­cio­ne, si pen­den­te ea le­ga­ti dies ces­sis­set, in­ter­itu­rum fo­re viae le­ga­tum: ut re­spon­sum est, cum al­te­ri ex vi­ci­nis, qui fun­dum com­mu­nem ha­be­bant, viam sub con­di­cio­ne, al­te­ri pu­re le­gas­set et pen­den­te con­di­cio­ne de­ces­sis­set, quia al­te­rius le­ga­ta­rii per­so­na im­pe­d­imen­to es­set, quo mi­nus so­li­dus fun­dus cum via vin­di­ca­re­tur.

3Idem lib. XX. Dig. Wenn Jemand ein Landgut und einen Weg zu demselben durch ein anderes Landgut dem Mävius, dasselbe Landgut aber ohne diesen Weg dem Titius vermacht hätte, so wird, wenn jeder von ihnen das Landgut fordert, dasselbe ohne den vermachten Weg an den [zweiten] Vermächtnissinhaber [allein] gelangen22Oder wörtlich: so wird das Landgut nur ohne Weg Gegenstand des Vermächtnisses sein, d. h. nur das Vermächtniss, welches ohne den weg ausgesetzt ist, bestehen. A. d. R., weil eine Dienstbarkeit theilweise nicht erworben werden kann. Wenn aber Mävius zuerst, während der andere sich noch nicht entschieden hat33Nämlich für die Annahme des Vermächtnisses., das Landgut forderte, so kann der Zweifel entstehen, ob, wenn Titius nachher das Vermächtniss ausgeschlagen, das Vermächtniss des Wegs bei Kräften bleibt? Man hat sich jedoch mehr dafür entschieden, obgleich, wenn Jemand das Landgut unter einer Bedingung, den Weg aber ohne dieselbe vermacht hätte, oder das Landgut zum Theil ohne, zum Theil unter einer Bedingung, den Weg aber unbedingt, und der Verfalltag für das Vermächtniss einträte, während die Bedingung noch schwebt, das Vermächtniss des Wegs erloschen sein würde44Wenn in dieses Gesetz ein verständlicher Sinn kommen soll, so muss die Interpunction so, wie in der Uebersetzung, gestellt werden; nach unserm Text haben wir aber ein Quamquam ohne Nachsatz; das ut responsum est ist ein erläuternder Fall zum Ganzen. Zur Erklärung des Gesetzes diene Folgende: es ist ein Rechtssatz, dass Niemand von einem vermachten Gegenstande die Hälfte annehmen und die Hälfte ausschlagen kann; (l. 4. D. de leg. II. l. 23. D. eod.) Dies ist der Grund warum im Gesetze so entschieden ist, wie es vom Anfange an bis zu dem Satz: Wenn aber u. s. w. lautet. Denn weil die Servitus viae nicht getheilt werden kann, so kann sie Mävius auch nicht pro parte erhalten, ebenso wenig kann er aber das Vermächtniss des Weges ausschlagen, weil es dem Gute wie eine jede andere natürliche Bequemlichkeit anhängt, l. 86. D. de V. S., es ist daher notwendige Folge, dass Mävius das Vermächtniss fahren lassen muss, und so fällt es an Titius allein. In dem von Wenn aber an folgenden Satze wird nun die Möglichkeit dargestellt, wie Mävius allein das Gut mit dem Wege erhalten kann; der Zweifelsgrund ist hinlänglich ausgeführt. Der Entscheidungsgrund ist nicht angegeben. Es scheint aber, (wenn nicht in der natürlichen Billigkeit!) darin zu beruhen, dass gegen den Fall in dem Zweifelsgrunde gehalten, hier keine Bedingung eintreten soll, sondern dies jam cessit, und es ist blos eine Declaration vorhanden; obwohl nun zwar Mävius seine ganze Portion verliert, wenn Titius zwar antritt, so ist es doch ebenso wahr, dass er auch dessen Portion gewinnt, wenn dieser Titius das Vermächtniss ausschlägt. — So nach Enr. Suerin. rep. Prael. Jur. c. 24. (T. O. IV. p. 40 sq.) A. d. R.; so nämlich fiel das Rechtsgutachten aus, als Jemand einem seiner Nachbarn, welche ein Landgut gemeinschaftlich besassen, einen Weg unter einer Bedingung, dem anderen aber ohne eine solche Bedingung vermacht hatte, und während die Bedingung noch schwebte, gestorben war; indem in der Person des einen Vermächtnissinhabers ein Hinderniss entsteht, für das Landgut den ganzen Weg zu fordern55Die Glosse: id est via solido fundo..

4Ia­vo­le­nus li­bro no­no epis­tu­la­rum. Si is qui duas ae­des ha­be­bat unas mi­hi, al­te­ras ti­bi le­ga­vit et me­dius pa­ries, qui utras­que ae­des di­stin­guat, in­ter­ve­nit, eo iu­re eum com­mu­nem no­bis es­se ex­is­ti­mo, quo, si pa­ries tan­tum duo­bus no­bis com­mu­ni­ter es­set le­ga­tus, id­eo­que ne­que me ne­que te age­re pos­se ius non es­se al­te­ri ita im­mis­sas ha­be­re: nam quod com­mu­ni­ter so­cius ha­bet, et in iu­re eum ha­be­re con­sti­tit: ita­que de ea re ar­bi­ter com­mu­ni di­vi­dun­do su­men­dus est.

4Javolen. lib. IX. Epistol. Wenn Jemand, welcher zwei Gebäude besass, das eine mir, das andere dir vermacht, und in der Mitte eine Wand läuft, welche beide Gebäude absondert, so glaube ich, dass sie mit eben dem Rechte uns gemeinschaftlich gehört, als wenn sie allein uns beiden gemeinschaftlich vermacht worden wäre; und daher können wir auch, weder ich noch du, darauf klagen, dass dem anderen kein Recht zustehe, einen solchen Zwischenbau zu haben. Denn was ein Theilnehmer als gemeinschaftlich hat, das hat er auch auf rechtlich begründete Weise. Daher muss in dieser Angelegenheit ein Schiedsrichter Behufs der Theilung des gemeinschaftlichen Eigenthums angenommen werden.

5Pa­pi­nia­nus li­bro sex­to de­ci­mo quaes­tio­num. Et­si ma­xi­me tes­ta­men­ti fac­tio cum ser­vis alie­nis ex per­so­na do­mi­no­rum est, ea ta­men quae ser­vis re­lin­quun­tur ita va­lent, si li­be­ris re­lic­ta pos­sent va­le­re: sic ad fun­dum do­mi­ni via ser­vo frus­tra le­ga­tur.

5Papin. lib. XVI. Quaest. Obgleich die Testamentsfähigkeit fremder Sclaven hauptsächlich von der Person ihrer Herrn abhängt, so gilt doch das, was Sclaven verlassen wird, nur insoweit, als es, freien Menschen vermacht, gelten würde. Daher wird ein Weg zu dem Landgute seines Herrn einem Sclaven wirkungslos vermacht.

6Idem li­bro sep­ti­mo re­spon­so­rum. Pa­ter fi­liae do­mum le­ga­vit ei­que per do­mus he­redi­ta­rias ius trans­eun­di prae­sta­ri vo­luit. si fi­lia do­mum suam ha­bi­tet, vi­ro quo­que ius trans­eun­di prae­sta­bi­tur: alio­quin fi­liae prae­sta­ri non vi­de­bi­tur. quod si quis non usum trans­eun­di per­so­nae da­tum, sed le­ga­tum ser­vi­tu­tis es­se ple­num in­tel­le­gat, tan­tun­dem iu­ris ad he­redem quo­que trans­mit­te­tur: quod hic ne­qua­quam ad­mit­ten­dum est, ne, quod af­fec­tu fi­liae da­tum est, hoc et ad ex­te­ros eius he­redes trans­ire vi­dea­tur.

6Idem lib. VII. Resp. Ein Vater vermachte seiner Tochter ein Haus und verordnete, dass ihr das Recht zustehen solle, durch die zur Erbschaft gehörigen Häuser durchzugehen. Wenn die Tochter ihr Haus bewohnt, so muss auch ihrem Manne das Durchgangsrecht verstattet werden; denn sonst müsste man annehmen, dass es der Tochter gar nicht gewährt werde. Hat jedoch Jemand den Gebrauch eines Durchgangs nicht blos einer Person verstattet, sondern ein vollständiges Vermächtniss einer Dienstbarkeit verstanden wissen wollen, so geht eben dieses Recht auch auf den Erben über. Dieses ist jedoch in dem vorliegenden Falle keineswegs zuzugestehen; damit das, was aus Liebe zur Tochter eingeräumt wurde, auf deren fremde Erben nicht auch übergehe.

7Pau­lus li­bro vi­ce­si­mo pri­mo quaes­tio­num. Cum a plu­ri­bus he­redi­bus in­sti­tu­tis via le­ga­ta est, quia par­tem non re­ci­pit, sin­gu­li he­redes in so­li­dum con­ve­niun­tur, quia et uno ex he­redi­bus ad­eun­te vin­di­ca­ri pot­est.

7Paul. lib. XXI. Quaest. Ist Jemandem ein Fahrweg von mehreren eingesetzten Erben vermacht worden, so sind, weil er eine Theilung nicht zulässt, die einzelnen Erben ihm auf das Ganze verhaftet und er kann daher auch nach dem Antritt eines einzigen Erben gefordert werden.