Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 29 übersetzt von Hunger unter Redaction von Otto
Dig. XXIX7,
De iure codicillorum
Liber vicesimus nonus
VII.

De iure codicillorum

(Von dem Rechte der Codicille1.)

1Basil. lib. XXXVI. Tit. 1. T. IV. p. 819.

1Ul­pia­nus li­bro quar­to dis­pu­ta­tio­num. Sae­pis­si­me re­scrip­tum et con­sti­tu­tum est eum, qui tes­ta­men­tum fa­ce­re opi­na­tus est nec vo­luit qua­si co­di­cil­los id va­le­re, vi­de­ri nec co­di­cil­los fe­cis­se: id­eo­que quod in il­lo tes­ta­men­to scrip­tum est, li­cet qua­si in co­di­cil­lis pot­erit va­le­re, ta­men non de­be­tur.

1Ad Dig. 29,7,1Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. I, § 82, Note 14.Ulp. lib. IV. Disp. Sehr oft wurde rescribirt und verordnet, dass von dem, welcher ein Testament zu machen meinte, und dieses nicht [auch ausdrücklich] als Codicille wollte gelten lassen, auch nicht angenommen werden dürfe, er habe Codicille gemacht. Deshalb wird das, was in jenem Testamente geschrieben war, wenn es auch, als in Codicillen gegeben, wird gelten können, doch nicht geleistet werden müssen.

2Iu­lia­nus li­bro tri­ge­si­mo sep­ti­mo di­ges­to­rum. Si ei, qui post tes­ta­men­tum fac­tum et an­te co­di­cil­los scrip­tos na­tus es­set, co­di­cil­lis per fi­dei­com­mis­sum ali­quid da­re­tur, uti­le est. 1Quod si ei, qui post tes­ta­men­tum fac­tum et an­te­quam co­di­cil­li scri­be­ren­tur mor­tuus es­set, da­tum es­set, pro non scrip­to ha­be­tur. 2Co­di­cil­lo­rum ius sin­gu­la­re est, ut quae­cum­que in his scri­ben­tur per­in­de ha­be­ren­tur, ac si in tes­ta­men­to scrip­ta es­sent. id­eo­que ser­vo, qui tes­ta­men­ti fac­ti tem­po­re tes­ta­to­ris fuis­set, co­di­cil­lo­rum tem­po­re alie­nus, non rec­te li­ber­tas di­rec­ta da­tur. et con­tra si, cum tes­ta­men­tum fie­bat, alie­nus es­set, co­di­cil­lo­rum tem­po­re tes­ta­to­ris, in­tel­le­gi­tur alie­no ser­vo li­ber­tas da­ta. et id­eo li­cet di­rec­tae li­ber­ta­tes de­fi­ciunt, at­ta­men ad fi­dei­com­mis­sa­rias eun­dum est. 3Fu­rio­sus non in­tel­le­gi­tur co­di­cil­los fa­ce­re, quia nec aliud quic­quam age­re in­tel­le­gi­tur, cum per om­nia et in om­ni­bus ab­sen­tis vel quies­cen­tis lo­co ha­be­tur. 4He­redi­tas tes­ta­men­to in­uti­li­ter da­ta non pot­est co­di­cil­lis qua­si he­redi­tas con­fir­ma­ri, sed ex fi­dei­com­mis­so pe­ti­tur sal­va ra­tio­ne le­gis Fal­ci­diae.

2Julian. lib. XXXVII. Dig. Wenn dem, welcher [zwar] nach der Testamentserrichtung, aber vor Verabfassung der Codicille geboren wurde, in Codicillen etwas fideicommissarisch war gegeben worden, so hat dies seine Gültigkeit22Cujac. sagt, aus diesem Fragm. gehe hervor, dass einem posthumus alienus ein Fideicommiss utiliter immerhin gegeben werden könne, wen er nur vor der Errichtung der Codicille geboren wurde, obgleich ihm, als einer persona incerta ein Legat inutiliter gegeben wird.. 1Wenn dem, welcher nach der Testamentserrichtung und vor Verabfassung der Codicille starb, etwas gegeben wurde, so wird dies als nicht geschrieben angesehen. 2Ad Dig. 29,7,2,2Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. III, § 630, Note 10.Das Recht der Codicille ist ein besonderes, auf dass alles, was in diesen geschrieben wird, ebenso gehalten würde, als wenn es in einem Testamente wäre geschrieben worden. Deswegen wird denn einem Sclaven, der zur Zeit der Testamentserrichtung dem Erblasser gehörte, zur Zeit der Codicille aber veräussert war, mit Recht33Gewöhnlich steht non recte libertas directa datur; allein schon Cujac. und Ant. Faber streichen die Negation weg, und Pothier nahm sie nicht in den Text. Doch fanden sich mehrere Vertheidiger der gewöhnlichen Lesart. S. Smallenb. T. V. p. 177. die directe Freiheit gegeben44Pothier sagt: „libertas tamen non habebit exitum, nisi die quo cedet inveniatur hereditarius servus.. Und im Gegentheil, wenn der Sclav zur Zeit, wo das Testament gemacht wurde, in fremdem Eigenthum, zur Zeit der Codicille aber in dem des Erblassers war, so nimmt man an, es wäre die Freiheit einem fremden Sclaven gegeben worden. Wenn nun gleich die directen Freiheiten wegfallen, so muss man doch zu den fideicommissarischen übergehen. 3Ein Rasender kann keine Codicille machen, weil er auch nichts Anderes vornehmen zu können angesehen wird, indem er durchaus und in allen Fällen wie ein Abwesender oder Schlafender behandelt wird. 4Eine in einem Testamente ungültig ertheilte Erbschaft kann nicht in Codicillen gleichsam als Erbschaft bestätigt werden, sondern sie wird wie ein Fideicommiss mit voller Berücksichtigung des Falcidischen Gesetzes gefordert55Von den gesetzlichen Erben..

3Idem li­bro tri­gen­si­mo no­no di­ges­to­rum. Si quis cum tes­ta­men­tum nul­lum ha­be­bat, co­di­cil­lis fi­dei­com­mis­sa hoc mo­do de­dit: ‘quis­quis mi­hi he­res erit bo­no­rum­ve pos­ses­sor, eius fi­dei com­mit­to’, fi­dei­com­mis­sa prae­sta­ri de­bent, quia pa­ter fa­mi­lias, qui tes­ta­men­ti fac­tio­nem ha­bet et co­di­cil­los fa­ce­ret, per­in­de ha­be­ri de­bet, ac si om­nes he­redes eius es­sent, ad quos le­gi­ti­ma eius he­redi­tas vel bo­no­rum pos­ses­sio per­ven­tu­ra es­set. 1Sed et si post co­di­cil­los fac­tos na­tus quis es­set pro­xi­mus ad­gna­tus vel suus he­res, fi­dei­com­mis­sum prae­sta­ri de­be­bit: in­tel­le­gi­tur enim is quo­que he­res scrip­tus et id­eo non per­in­de ha­ben­dus est ac si ru­pis­set hos co­di­cil­los. 2Tes­ta­men­to fac­to et­iam­si co­di­cil­li in eo con­fir­ma­ti non es­sent, vi­res ta­men ex eo ca­pient. de­ni­que si ex tes­ta­men­to he­redi­tas ad­ita non fuis­set, fi­dei­com­mis­sum ex hu­ius­mo­di co­di­cil­lis nul­lius mo­men­ti erit.

3Idem lib. XXXIX. Dig. Wenn Jemand, da er kein Testament hatte, in Codicillen folgender Weise Fideicommisse gab: Jeder, der mein Erbe, oder Nachlassbesitzer sein wird, dessen Treue überlasse ich es u. s. w., so müssen die Fideicommisse geleistet werden, weil man einen Hausvater, der testamentsfähig ist, und Codicille macht, ebenso ausehen muss, als ob er alle die, an welche seine gesetzliche Erbschaft, oder sein Nachlassbesitz gelangen wird, zu seinen Erben [ernannt] hätte. 1Wenn aber auch nach der Errichtung der Codicille [dem Erblasser] ein nächster Agnate, oder Eigenerbe geboren wurde, so wird doch das Fideicommiss geleistet werden müssen; denn auch einen solchen hält man für einen ernannten Erben. Und man muss ihn deshalb für keine Person halten, welche diese Codicille umgestossen hat. 2Wurde ein Testament gemacht und die Codicille auch nicht in demselben bestätigt, so werden sie doch aus demselben Kräfte empfangen. Kurz, wenn die Erbschaft nicht nach dem Testamente angetreten wurde, so wird auch ein Fideicommiss aus Codicillen der Art ohne Bedeutung sein.

4Idem li­bro se­xa­ge­si­mo ter­tio di­ges­to­rum. Eum, qui co­di­cil­lo­rum tem­po­re sol­ven­do sit, rec­te li­ber­ta­tem da­re pla­cuit, quam­vis tes­ta­men­ti fac­ti tem­po­re sol­ven­do non fue­rit.

4Idem lib. LXIII. Dig. Der, welcher zur Zeit der Codicill[-Anfertigung] zahlungsfähig ist, gibt, wie man aufnahm, mit Recht [seinen Sclaven] die Freiheit, obgleich er zur Zeit der Testamentserrichtung überschuldet war.

5Pa­pi­nia­nus li­bro sep­ti­mo re­spon­so­rum. An­te ta­bu­las tes­ta­men­ti co­di­cil­li fac­ti non ali­ter va­lent, quam si tes­ta­men­to quod post­ea fac­tum est vel co­di­cil­lis con­fir­men­tur aut vo­lun­tas eo­rum quo­cum­que in­di­cio re­ti­nea­tur: sed non ser­va­bun­tur ea, de qui­bus ali­ter de­func­tus no­vis­si­me iu­di­ca­vit.

5Papinian. lib. VII. Resp. Vor dem Testament errichtete Codicille sind nicht anders gültig, als wenn sie in einem nachfolgenden Testamente oder Codicillen bestätigt werden, oder [der Erblasser] durch irgend ein Zeichen hinsichtlich derselben seinen fortdauernden Willen darlegt66Die Worte aut voluntas eorum quocunque indicio (nicht judicio, wie die Vulg. liest) retineatur schreibt Cujac. und Andere, auch Pothier, dem Tribonian zu, der das Rescript des Divus Severus u. Antonianus (§. 1. Inst. h. t.) vor Augen hatte. Bynkershöck aber sucht diese Ansicht weitläufig zu widerlegen in seinen Oberserv. L. VIII. 13. (T. II. p. 323—328.). Aber das, worüber der Verstorbene zuletzt sein Urtheil änderte, wird nicht vollzogen werden.

6Mar­cia­nus li­bro sep­ti­mo in­sti­tu­tio­num. Di­vi Se­ve­rus et An­to­ni­nus re­scrip­se­runt ni­hil egis­se ma­trem, quae, cum pu­re li­be­ros suos he­redes in­sti­tue­rit, con­di­cio­nem em­an­ci­pa­tio­nis co­di­cil­lis ad­ie­cit, quia ne­que con­di­cio­nem he­redi in­sti­tu­to co­di­cil­lis ad­ice­re ne­que sub­sti­tue­re di­rec­to pot­est. 1Co­di­cil­los et plu­res quis fa­ce­re pot­est et ip­sius ma­nu ne­que scri­bi ne­que sig­na­ri ne­ces­se est. 2Li­cet in con­fir­ma­tio­ne co­di­cil­lo­rum pa­ter fa­mi­lias ad­ie­ce­rit, ut non alias va­le­re ve­lit quam sua ma­nu sig­na­tos et sub­scrip­tos, ta­men va­lent fac­ti ab eo co­di­cil­li, li­cet ne­que ab eo sig­na­ti ne­que ma­nu eius scrip­ti fue­rint: nam ea quae post­ea ge­run­tur prio­ri­bus de­ro­gant. 3Co­di­cil­los is de­mum fa­ce­re pot­est, qui et tes­ta­men­tum fa­ce­re pot­est. 4Si post tes­ta­men­tum fac­tum mor­tuo co­di­cil­lis quis le­ga­ve­rit li­cet tes­ta­men­to con­fir­ma­tis, pro non scrip­to le­ga­tum fit.

6Marcian. lib. VII. Instit. Der höchstselige Severus und Antoninus rescribirte: eine Mutter, welche, da sie ihre Kinder unbedingt zu Erben eingesetzt hatte, in Codicillen aber die Bedingung der Emancipation77D. i. die Bedingung setzte, sie sollen Erben sein, wenn sie emancipirt sein werden. hinzufügte, habe dadurch nichts bewirkt, weil sie in Codicillen dem eingesetzten Erben weder eine Bedingung beifügen, noch direct substituiren kann. 1Es kann aber auch Jemand mehrere Codicille machen, ohne dass er nöthig hätte, sie mit eigener Hand zu schreiben und zu siegeln. 2Obgleich ein Hausvater bei der Bestätigung seiner Codicille hinzufügte, er wolle sie nicht anders gelten lassen, als wenn er sie mit eigner Hand gesiegelt und unterschrieben hätte, so gelten doch die von ihm gemachten Codicille, wenn er sie auch nicht siegelte, oder mit eigener Hand schrieb; denn sein späteres Geschäft hebt das frühere auf. 3Blos der kann Codicille machen, welcher auch ein Testament errichten kann. 4Wenn einem nach der Testamentserrichtung Gestorbenen Jemand in seinen, obschon im Testament bestätigten Codicillen etwas vermachte, so hält man das Vermächtniss für nicht geschrieben.

7Idem li­bro se­cun­do re­gu­la­rum. Quae­dam non re­fe­run­tur ad con­fir­ma­tio­nem co­di­cil­lo­rum, vel­uti si an­te cap­ti­vi­ta­tem quis co­di­cil­los con­fir­ma­ve­rit et in cap­ti­vi­ta­te co­di­cil­los scri­bat: nam non va­lent. idem est, si ali­quo mo­do ius tes­ta­men­ti fa­cien­di de­sie­rit ha­be­re. 1Prae­ter­ea in il­lis, quae non iu­ris, sed fac­ti sunt, non est per­in­de ha­ben­dum quod co­di­cil­lis scri­bi­tur, at­que si ubi con­fir­ma­tio scrip­tum fuis­set: vel­uti si ita in co­di­cil­lis scrip­tum erit: ‘ves­tem quae mea est’, co­di­cil­lo­rum tem­pus spec­tan­dum, non quo con­fir­man­tur: item ‘si Ti­tius vi­vus est’ vel ‘si tot an­nis est’, co­di­cil­lis le­ga­vit Se­io, tem­pus co­di­cil­lo­rum, non quo tem­po­re fit tes­ta­men­tum, spec­tan­dum.

7Idem lib. II. Regul. Es gibt Fälle, wo die Gültigkeit der Codicille nicht durch dessen Bestätigung begründet ist, z. B. wenn Jemand vor seiner Gefangenschaft Codicille bestätigte, und sodann in der Gefangenschaft Codicille schreibt; denn diese sind nicht gültig. Ebenso ist es, wenn er (der Erblasser) zu irgend einer Zeit aufhörte, testamentsfähig zu sein. 1Ausserdem muss man bei solchen Fällen, wo es nicht sowohl auf das Recht, als auf eine Thatsache ankommt, das in Codicillen Geschriebene nicht so beurtheilen, als wenn es zu der Zeit, wo die Codicille bestätigt wurden, geschrieben worden wäre; wie wenn z. B. so in Codicillen geschrieben war: das Kleid, welches mein ist, [will ich dir hinterlassen,] da muss man die Zeit, wann die Codicille gemacht, nicht die, wann sie bestätigt wurden, in Betracht nehmen. Ferner, wenn [der Erblasser] dem Sejus so bedingt etwas vermachte: wenn Titius am Leben ist, oder wenn er so und so alt ist u. s. w., so muss die Zeit der Codicille, nicht die der Testamentserrichtung beachtet werden.

8Pau­lus li­bro sin­gu­la­ri de iu­re co­di­cil­lo­rum. Con­fi­ciun­tur co­di­cil­li quat­tuor mo­dis: aut enim in fu­tu­rum con­fir­man­tur aut in prae­ter­itum aut per fi­dei­com­mis­sum tes­ta­men­to fac­to aut si­ne tes­ta­men­to. 1Sed id­eo fi­dei­com­mis­sa da­ri pos­sunt ab in­tes­ta­to suc­ce­den­ti­bus, quon­iam cre­di­tur pa­ter fa­mi­lias spon­te sua his re­lin­que­re le­gi­ti­mam he­redi­ta­tem. 2Co­di­cil­li to­tiens va­lent, quo­tiens quis tes­ta­men­tum quo­que fa­ce­re pos­sit. non ta­men hoc ita in­tel­le­ge­mus, ut ex­iga­mus po­tuis­se eum eo tem­po­re, quo scri­bit eos co­di­cil­los, tes­ta­men­tum fa­ce­re: quid enim, si suf­fi­cien­tium tes­tium fa­cul­ta­tem non ha­buit? sed si iu­re tes­ta­men­ti fac­tio­nem ha­buit. 3Si post fac­tum tes­ta­men­tum co­di­cil­los quis con­fir­ma­ve­rit, de­in­de ad­ro­gan­dum se prae­bue­rit et ibi co­di­cil­los fe­ce­rit at­que ita em­an­ci­pa­tus de­ces­se­rit, quae­ri­tur, an ex co­di­cil­lis le­ga­ta de­bean­tur: nam et tes­ta­men­tum va­let, sed eo tem­po­re eos fe­cit, quo tes­ta­men­ti fac­tio­nem non ha­buit. nec si­mi­lis est mu­to, qui rec­te co­di­cil­los con­fir­ma­ve­rit: li­cet enim is tes­ta­men­tum fa­ce­re non pos­sit, ta­men tes­ta­men­tum quod an­te fe­ce­rat in eo­dem sta­tu est, hu­ius au­tem tes­ta­men­tum sub­la­tum est et de alie­nis quo­dam­mo­do re­bus tes­ta­tur. sed di­ce­mus co­di­cil­los va­le­re: nam et si pos­tu­mus na­tus ru­pe­rit tes­ta­men­tum et de­ces­se­rit, ni­hi­lo mi­nus co­di­cil­li va­lent. 4Si mi­les tes­ta­men­tum qui­dem an­te mi­li­tiam, sed co­di­cil­los in mi­li­tia fe­ce­rit, an iu­re mi­li­ta­ri va­leant co­di­cil­li, quae­ri­tur, quon­iam tes­ta­men­tum iu­re com­mu­ni va­let, ni­si si mi­li­tiae tem­po­re sig­na­vit vel quae­dam ad­ie­ce­rit. cer­te co­di­cil­li mi­li­tiae tem­po­re fac­ti non de­bent re­fer­ri ad tes­ta­men­tum, sed iu­re mi­li­ta­ri va­lent. 5Si ei ser­vo, qui tes­ta­men­to le­ga­tum ac­ce­pe­rit, li­ber­tas co­di­cil­lis de­tur, uti­le le­ga­tum es­se di­ce­mus, qua­si ab in­itio con­sti­te­rit le­ga­tum. 6Si quis cer­ti ge­ne­ris co­di­cil­los con­fir­ma­ve­rit, pu­ta ‘quos no­vis­si­mos fe­ce­ro’, non uti­que sta­tim quae co­di­cil­lis dan­tur con­sis­te­re vi­de­bun­tur, quam­diu alii quo­que fie­ri pos­sint, et id­eo si alii post­ea fiant, le­ga­ta in prio­ri­bus da­ta non va­le­bunt.

8Paul. lib. sing. de jure Codicill. Codicille werden auf viererlei Weise angefertigt: denn sie werden entweder für die Zukunft88Z. B. die Codicille, welche ich machen werde, bestätige ich hiermit., oder für die Vergangenheit99Die Codicille, welche ich gemacht habe, bestätige ich., oder fideicommissarisch in einem Testamente1010Z. B. wenn mein Testament nicht als solches gilt, so soll es wenigstens als Codicille gelten., oder ohne Testament1111Wenn der Erblasser ab intestato wenigstens vor fünf Zeugen Codicille macht. bestätigt. 1Es können aber die gesetzlichen Erben deswegen zur Leistung der Fideicommisse verpflichtet werden, weil man von dem Hausvater glaubt, er hinterlasse diesen freiwillig die gesetzliche Erbschaft. 2Codicille gelten so oft, als man auch ein Testament machen konnte. Dies werden wir jedoch nicht so verstehen, als fordere man die Möglichkeit, ein Testament zu errichten, auch für die Zeit, wo Jemand seine Codicille machte, (denn wie würde es sein, wenn er nicht die hinreichenden Zeugen auftreiben konnte?) nein, er musste blos rechtlich testamentsfähig sein. 3Wenn Jemand nach der Errichtung des Testamentes1212Z. B. am Ende seiner letztwilligen Anordnung, nachdem er mit dem Testamente fertig war, bestätigte der Erblasser Codicille, die er späterhin machen will. Codicille bestätigte, darauf sich adrogiren liess, und in dieser Lage1313Ibi erklärt auch Pothier apud arrogatorem. die Codicille machte und so emancipirt starb, so fragt es sich, ob die in den Codicillen gegebenen Vermächtnisse geleistet werden müssen? Denn es ist das Testament ungültig1414Die Flor. liesst hier nam et test. valet. Andere nam nec etc. Vivianus erklärt das et testam. valet nach dem prätorischen Rechte, weil durch die Emancipation der Adrogirte wieder testamenti factio erhält, die er durch die Adrogation nach dem Civilrechte verloren. Durch die Lesart nec test. valet braucht man wenigstens nicht zu dem prätorischen Rechte seine Zuflucht zu nehmen. und1515Die Lesart sed bestimmt Pothier zu der Aeusserung: „hic incipit objectio. die Codicille machte er zu der Zeit, wo er nicht testamentsfähig war, auch hat er keine Aehnlichkeit mit einem Stummen, der rechtlich [seine Codicille] bestätigte; ob dieser nämlich gleich kein Testament machen kann, so bleibt doch sein früherhin gemachtes Testament in demselben Zustand; das Testament dieses (Adrogirten) aber ist aufgehoben, und er testirt gewissermaassen über ein fremdes Vermögen. Allein wir werden [dessen ungeachtet] annehmen, dass die Codicille gelten, denn wenn auch ein Afterkind durch seine Geburt ein Testament umstiess, so gelten nichts desto weniger die Codicille. 4Wenn ein Soldat ein Testament zwar vor dem Soldatenstande, die Codicille aber im Soldatenstande machte, so fragt es sich, ob die Codicille nach dem Soldatenrechte gelten? [weil das Testament nach dem gemeinen Rechte gilt, wenn er es nicht während seines Soldatenstandes entsiegelte1616Flor.signavit.Haloand.resignavit., oder etwas hinzufügte.] Sicherlich dürfen die während des Soldatenstandes gemachten Codicille nicht nach dem Testamente bemessen werden, sondern sie gelten nach dem Soldatenrechte. 5Wenn dem Sclaven, welcher im Testament ein Vermächtniss empfing, in Codicillen die Freiheit gegeben wird, so werden wir sagen, das Vermächtniss sei gültig, gleich als ob es schon vom Anfang an bestanden hätte. 6Wenn Jemand Codicille bestimmter Art bestätigte, wie: [ich bestätige die], welche ich zuletzt werde gemacht haben, so wird nicht sofort das in Codicillen Gegebene bestehen, [und dies so lange,] als noch andere gemacht werden können. Werden nun nachher noch andere verfertigt, so werden die in den früheren gegebenen Vermächtnisse nicht gelten.

9Mar­cel­lus li­bro no­no di­ges­to­rum. Aris­to ne­ga­vit va­le­re co­di­cil­los ab eo fac­tos, qui pa­ter fa­mi­lias nec ne es­set, igno­ras­set. Ulpianus notat: ni­si ve­te­ra­nus fuit: tunc enim et tes­ta­men­tum va­le­bit.

9Marcell. lib. IX. Dig. Aristo behauptet, dass Codicille, von einem solchen gemacht, der nicht wusste, ob er Hausvater sei, oder nicht, nicht gültig wären. Ulpianus bemerkt dagegen: er müsste denn ein Altgedienter (veteranus) gewesen sein, denn alsdann wird das Testament gelten.

10Pa­pi­nia­nus li­bro quin­to de­ci­mo quaes­tio­num. Quod per ma­nus tra­di­tum est co­di­cil­lis he­redi­ta­tem da­ri non pos­se ra­tio­nem il­lam ha­bet, ne per co­di­cil­los, qui ex tes­ta­men­to va­le­rent, ip­sum tes­ta­men­tum, quod vi­res per in­sti­tu­tio­nem he­redum ac­ci­pit, con­fir­ma­ri vi­de­re­tur.

10Papinian. lib. XV. Quaest. Was in Aller Mund ist, nämlich dass durch Codicille keine Erbschaft gegeben werden könne, hat diesen Grund, damit nicht durch Codicille, welche aus dem Testamente Gültigkeit erhalten, das Testament selbst, was durch die Erbeinsetzung Kraft hat, bestätigt zu werden scheine1717Accurs. bemerkt hier: „es können ja nicht zwei Dinge sich gegenseitig Ursachen auf ein und dieselbe Weise sein“ — und Cujac. sagt hiervon „placitissime notat Accurs. qui omnino philosophiae non erat ignarus..

11Idem li­bro no­no de­ci­mo quaes­tio­num. Qui gra­vi ute­ro uxo­rem es­se igno­ra­bat, co­di­cil­lis ad fi­lium scrip­tis li­ber­ta­tes de­dit. na­ta post mor­tem pa­tris fi­lia, cum de ea ni­hil pa­trem sen­sis­se con­sti­tis­set, pla­cuit li­ber­ta­tes a so­lo fi­lio prae­sta­ri: pos­se.

11Idem lib. XIX. Quaest. Jemand, der von der Schwangerschaft seiner Frau nichts wusste, gab [Sclaven] die Freiheit in Codicillen, die er an seinen Sohn1818Es können ja auch ab intestato Codicille gemacht werden. schrieb. Nach dem Tode des Vaters wurde eine Tochter geboren. Da es nun bestimmt ist, dass der Vater an diese nicht dachte, so nahm man auf, die Freiheiten könnten1919Die Codicille gelten, weil sie nicht in einem Testamente bestätigt wurden, denn rupto testam. würden auch diese als pars test. umgestossen. blos vom Sohn2020D. i. aequo jure, nicht aber jure (stricto) summo, weil es sich um einen servus communis handelt, den einer der Herren nicht allein manumittiren kann. geleistet werden,

12Idem li­bro vi­cen­si­mo se­cun­do quaes­tio­num. Red­emp­tis a so­ro­re par­ti­bus.

12Idem lib. XXII. Quaest. indem er der Schwester2121Die Schwester ist ja nicht onerirt worden, weil der Vater nichts von ihr wusste, deshalb muss sie auch gegen des Erblassers Willen nichts leisten. Sie kann jedoch favore libertatis gezwungen werden, ihren Antheil an den Sclaven an ihren Bruder zu verkaufen; sowie dieser selbst zum Kaufe des schwesterlichen Antheils mit dem Geld des Sclaven kann angehalten werden. In wiefern dieses Gesetz mit anderen blos in scheinbarem Widerspruche stehe, s. Cujac. ad h. l. ihre Antheile [an den Sclaven] abkauft.

13Idem li­bro no­no de­ci­mo quaes­tio­num. Il­lud enim si­ne du­bio di­ci non pot­est et­iam fi­liam ma­nu­mit­te­re co­gen­dam, cum ab ea ni­hil pa­ter pe­tie­rit et iu­re suo he­res ex­sti­te­rit. 1Trac­ta­ri so­let de eo, qui, cum ta­bu­las tes­ta­men­ti non fe­cis­set, co­di­cil­lis ita scrip­sit: ‘Ti­tium he­redem es­se vo­lo’. sed mul­tum in­ter­est, utrum fi­dei­com­mis­sa­riam he­redi­ta­tem a le­gi­ti­mo per hanc scrip­tu­ram, quam co­di­cil­lo­rum in­star ha­be­re vo­luit, re­li­que­rit an ve­ro tes­ta­men­tum fa­ce­re se ex­is­ti­ma­ve­rit: nam hoc ca­su ni­hil a le­gi­ti­mo pe­ti pot­erit. vo­lun­ta­tis au­tem quaes­tio ex eo scrip­to ple­rum­que de­cla­ra­bi­tur: nam si for­te a Ti­tio le­ga­ta re­li­quit, sub­sti­tu­tum ad­scrip­sit, he­res si non ex­sti­tis­set, si­ne du­bio non co­di­cil­los, sed tes­ta­men­tum fa­ce­re vo­luis­se in­tel­le­ge­tur.

13Idem lib. XIX. Quaest. Denn man kann doch ohne Zweifel nicht behaupten, dass auch die Tochter zur Freilassung zu zwingen sei, da der Vater dies nicht von ihr begehrte, und sie nach eigenem Rechte Erbin wurde. 1Man pflegt auch über den sich zu befassen, welcher, ohne ein Testament gemacht zu haben, so in Codicillen schrieb: den Titius will ich zu meinem Erben haben. Allein es kommt viel darauf an, ob [der Erblasser] durch diese Schrift, welche bei ihm die Stelle von Codicillen vertreten soll, eine fideicommissarische Erbschaft von seinem gesetzlichen Erben aus hinterliess, oder ob er glaubte ein Testament zu machen. Im letzteren Falle wird von dem gesetzlichen Erben nichts gefordert werden können. Aber die Untersuchung, was der testatorische Wille war, wird meistens aus dem Geschriebenen ermittelt werden, denn hinterliess er etwa vom Titius [zu leistende] Vermächtnisse, und fügte [auf den Fall], wenn er nicht Erbe würde, einen Substituten bei, so wird sich ohne Zweifel daraus ergeben, dass er keine Codicille, sondern ein Testament habe machen wollen2222Die Regel des älteren Civilrechts, dass man blos verbis civilibus, directis (heres esto,) nicht aber verbis precariis (volo, mando etc.) einen Erben direct ernennen könne, hob bekanntlich Justinian durch die Constitutio 15. C. de testam. 6. 23. auf..

14Scae­vo­la li­bro oc­ta­vo quaes­tio­num. Qui­dam re­fe­runt, quan­tum re­pe­to apud Vi­via­num, Sa­b­ini et Cas­sii et Pro­cu­li ex­po­si­tam es­se in quaes­tio­ne hu­ius­mo­di con­tro­ver­siam: an le­ga­ta, quae post­ea­quam in­sti­tu­ti mor­tem ob­ie­runt co­di­cil­lis ad­scrip­ta vel ad­emp­ta sunt, a sub­sti­tu­tis de­bean­tur, id est an per­in­de da­tio et ad­emp­tio et­iam hoc tem­po­re co­di­cil­lis fac­ta va­leat ac si tes­ta­men­to fac­ta es­set. quod Sa­binum et Cas­sium re­spon­dis­se aiunt Pro­cu­lo dis­sen­tien­te. nimi­rum au­tem Sa­b­ini et Cas­sii col­lec­tio, quam et ip­si red­dunt il­la est, quod co­di­cil­li pro par­te tes­ta­men­ti ha­ben­tur ob­ser­va­tio­nem­que et le­gem iu­ris in­de tra­di­tam ser­vent. ego au­tem au­sim sen­ten­tiam Pro­cu­li ve­ris­si­mam di­ce­re. nul­lius enim mo­men­ti est le­ga­tum, quod da­tum est ei, qui tem­po­re co­di­cil­lo­rum in re­bus hu­ma­nis non est, li­cet tes­ta­men­ti fue­rit: es­se enim de­bet cui de­tur, de­in­de sic quae­ri, an da­tum con­sis­tat, ut non an­te iu­ris ra­tio quam per­so­na quae­ren­da sit. et in pro­pos­i­to igi­tur quod post ob­itum he­redis co­di­cil­lis le­ga­tum vel ad­emp­tum est, nul­lius mo­men­ti est, quia he­res, ad quem ser­mo­nem con­fe­rat, in re­bus hu­ma­nis non est ea­que ad­emp­tio et da­tio nunc va­na ef­fi­cie­tur. haec in eo he­rede, qui ex as­se in­sti­tu­tus erit da­to sub­sti­tu­to, ita ut ab in­sti­tu­to co­di­cil­li con­fir­ma­ren­tur. 1Quod si duo in­sti­tu­ti sint sub­sti­tu­tis da­tis unus­que eo­rum de­ces­se­rit, uti­lia vi­den­tur le­ga­ta: sed cir­ca co­he­redem erit trac­ta­tus, num­quid to­tum le­ga­tum de­beat, si ‘quis­quis mi­hi he­res erit’ le­ga­tum erit, an ve­ro non, quia sit sub­sti­tu­tus he­res, qui par­tem fa­ciat, li­cet ip­se non de­beat. idem et­iam pot­est cir­ca no­mi­na ex­pres­sa trac­ta­ri. mul­to­que ma­gis so­lum co­he­redem to­tum de­be­re pu­to, quia is ad­iunc­tus sit, qui et­iam tunc cum ad­iun­ge­ba­tur in re­bus hu­ma­nis non erat.

14Scaevola lib. VIII. Quaest. Einige erzählen, dass, soviel ich mich entsinne2323Quantum repeto ist so viel als q. recordor, wie auch Köhler bemerkt., bei Vivianus einer verschiedenen Ansicht des Sabinus und Cassius und Proculus über folgende Frage Erwähnung geschehe, nämlich: ob Vermächtnisse, die erst nach dem Ableben der eingesetzten Erben, in Codicillen gegeben oder genommen wurden, von den Substituten geleistet werden müssten, das ist, ob das in Codicillen geschehene Geben und Nehmen auch zu dieser Zeit ebenso gelte, als ob es im Testamente vorgekommen wäre? Sabinus und Cassius bejahten dies; Proculus aber war anderer Meinung. Sabinus und Cassius schliessen nämlich, wie sie selbst angeben, so: weil Codicille für einen Theil des Testamentes gehalten werden, so beobachtet man bei ihnen auch alle von daher fliessenden gewohnheitlichen und rechtsgesetzlichen Bestimmungen2424Der Schluss wäre also der, ein von dem Institutus zu leistendes, in Codicillen hinterlassenes Vermächtniss ist gültig, obgleich dieser Institutus zur Zeit, wo die Codicille errichtet wurden, bereits todt war. Und dies aus dem Grunde, weil man die Gültigkeit dieses Vermächtnisses nach der Zeit beurtheilen muss, wo das Testament gemacht wurde, und zu dieser Zeit lebte ja der Institutus noch.. Ich aber möchte fast die Meinung des Proculus für die allein wahre erklären. Denn ein Vermächtniss, das dem gegeben wurde, welcher zur Zeit der Codicille nicht mehr auf der Welt war, ist ohne Wirkung, obgleich es [zur Zeit] des Testamentes gültig war, denn es muss vor Allem die Person vorhanden sein, welcher es gegeben wird, hierauf kommt zur Frage, ob das Gegebene Bestand habe? damit man nicht früher nach dem Rechte als nach der Person zu fragen habe. Deshalb ist denn im vorliegenden Falle das, was nach des Erben Tod in Codicillen [erst] vermacht, oder [wieder] genommen wurde, wirkungslos, weil der Erbe, an welchen [der Erblasser] die Rede richtet, nicht mehr auf der Welt ist, und so wird dieses [Vermächtniss-] Nehmen und Geben nichtig gemacht werden. Dies ist bei dem Erben so, welcher zum Alleinerben eingesetzt wurde und einen Substituten also erhielt, dass vom eingesetzten Erben aus die Codicille bestätigt wurden2525Es hatte der Erblasser blos den eingesetzten nunmehr verstorbenen Erben, nicht aber den Substituten, zur Vermächtnissleistung verpflichtet.. 1Waren aber zwei zu Erben eingesetzt, und diesen Substituten gegeben worden2626Es sollten aber blos beide Instituten, nicht auch die Substituten Vermächtnisse leisten., und einer von ihnen starb, so sind die Vermächtnisse gültig2727Pothier: „denn einer von denen, welche die Vermächtnisse zu leisten hatten, wurde Erbe.“. Allein nun wird der [überlebende] Miterbe zur Sprache kommen, ob dieser nämlich das ganze Vermächtniss zu leisten habe, wenn z. B. so vermacht wurde, Jeder, der mein Erbe sein wird, [soll dies Vermächtniss leisten] — oder nicht, weil ja ein Nacherbe da ist, der einen Theil begründet, ob er gleich selbst nichts (kein Vermächtniss) schuldig ist? Eben darum kann es sich auch bei ausdrücklicher Benennung der Erben handeln, und ich glaube, der Miterbe hat um so mehr das Ganze allein zu entrichten, weil ihm eine Person beigefügt wurde, die schon damals, als die Beifügung geschah2828D. i. zur Zeit der Codicilleerrichtung, wodurch der Erbe einen Miterben erhielt, der auch die Vermächtnisse mit leisten sollte., nicht mehr auf der Welt war.

15Afri­ca­nus li­bro se­cun­do quaes­tio­num. Sed cum ea tes­ta­to­ris vo­lun­tas fue­rit, ut ex uni­ver­sa he­redi­ta­te le­ga­ta ero­ga­ren­tur, di­cen­dum scrip­tis he­redi­bus pro­fu­tu­ram do­li ex­cep­tio­nem, si am­plius quam he­redi­ta­ria por­tio pe­ta­tur.

15African. lib. II. Quaest. War es aber der Wille des Erblassers, dass die Vermächtnisse von der gesammten Erbschaft aufgebracht würden, so muss man sagen, den eingesetzten Erben komme die Einrede der Arglist (doli except.) zu Statten, wenn sie auf mehr als nach ihrem Erbtheil in Anspruch genommen werden.

16Pau­lus li­bro vi­ce­si­mo pri­mo quaes­tio­num. Ab in­tes­ta­to fac­tis co­di­cil­lis re­lic­ta et­iam post­ea na­tus in­tes­ta­ti suc­ces­sor de­be­bit: qui­cum­que enim ab in­tes­ta­to suc­ces­se­rit, lo­cum ha­bent co­di­cil­li: nam unus ca­sus est nec in­ter­est qui suc­ce­dit dum in­tes­ta­to suc­ce­dat. ad tes­ta­men­tum au­tem quod quo­quo tem­po­re fe­cis­set, per­ti­nent co­di­cil­li. et ut ma­ni­fes­tius di­cam, in­tes­ta­to pa­tre fa­mi­lias mor­tuo ni­hil de­si­de­rant co­di­cil­li, sed vi­cem tes­ta­men­ti ex­hi­bent: tes­ta­men­to au­tem fac­to ius se­quun­tur eius.

16Paul. lib. XXI. Quaest. Wurden Codicille ohne ein Testament gemacht, so wird das darin Hinterlassene auch der nachher geborene gesetzliche Nachfolger leisten müssen. Denn Codicille hehaupten immer ihr Recht, es mag ohne ein Testament nachfolgen, wer da will. Es ist nämlich hier immer nur ein Fall denkbar2929Nämlich der, dass der gesetzliche Erbe, oder der bonorum possessor auftritt, und wer ab intestato erbt, wird die Fideicommisse leisten. Bei einem Testamente aber sind mehrere Fälle, in welchen Legate und Fideicommisse hinterlassen werden können; z. B. wer des Erblassers Erbe ex institutione wird, wer sein Erbe ex substitutione wird, wer nach aufgehobenem Testamente erbt, soll dies oder jenes geben u. s. w., und es kommt nichts darauf an, wer nachfolgt, wenn nur eine Nachfolge ohne Testament eintritt; aber von einem Testament, zu welcher Zeit dies auch gemacht worden ist, sind stets die Codicille abhängig. Und um mich deutlich zu erklären, wenn der Hausvater ohne ein Testament gestorben ist, so wird zu Codicillen weiter nichts erfordert, sondern sie vertreten die Stelle des Testamentes; war aber ein Testament gemacht worden, so folgen die Codicille dem Recht desselben.

17Idem li­bro ter­tio sen­ten­tia­rum. Lit­te­rae, qui­bus he­redi­tas pro­mit­ti­tur vel ani­mi af­fec­tus ex­pri­mi­tur, vim co­di­cil­lo­rum non op­ti­nent.

17Idem lib. III. Sent. Ein Brief, in welchem die Erbschaft versprochen, oder die innere Zuneigung ausgesprochen wird, behauptet nicht die Wirkung von Codicillen.

18Cel­sus li­bro vi­ce­si­mo di­ges­to­rum. Plo­tia­na Cel­so suo sa­lu­tem. Lu­cius Ti­tius his ver­bis ita ca­vit: ‘si quid ta­bu­lis alio­ve quo ge­ne­re ad hoc tes­ta­men­tum per­ti­nens re­li­que­ro, ita va­le­re vo­lo’. quae­ro, an co­di­cil­li, qui an­te hoc tes­ta­men­tum scrip­ti sunt, de­beant ra­ti es­se. Iu­ven­tius Cel­sus Plo­tia­nae sa­lu­tem. Haec ver­ba: ‘si quid ad hoc tes­ta­men­tum per­ti­nens re­li­que­ro, va­le­re vo­lo’, et­iam ea, quae an­te tes­ta­men­tum scrip­ta sunt, com­pre­hen­de­re.

18Celsus lib. XX. Dig. Plotiana sagt dem Celsus ihren Gruss. Lucius Titius traf folgende [fürsorgliche] Anordnung wörtlich so: Was ich in meinem Testamente oder auf eine andere auf dieses Testament bezügliche Weise hinterlassen werde, dessen Gültigkeit wünsche ich. Ich frage nun, ob Codicille, die vor diesem Testament geschrieben wurden, gültig sein dürfen? Juventius Celsus sagt der Plotiana seinen Gruss. Diese Worte: was ich als auf dieses Testament bezüglich hinterlassen werde, dessen Gültigkeit wünsche ich, erstrecken sich auch auf das, was vor dem Testament geschrieben wurde.

19Mar­cel­lus li­bro quar­to de­ci­mo di­ges­to­rum. Is qui unum fi­lium ha­be­bat, cum co­di­cil­los ad eum scrip­sis­set, de­ces­sit in­tes­ta­tus he­rede eo et quem post­ea pro­crea­vit. ad­gna­tio­ne sui he­redis ne­mo di­xe­rit co­di­cil­los eva­nuis­se: igi­tur si ni­hil tum de pos­tu­mis spe­ra­vit, et co­di­cil­li non eva­nes­cent et quae re­lic­ta sunt, pro par­te di­mi­dia fi­lius, ad quem co­di­cil­lus fac­tus est, sol­ve­re com­pel­li­tur, non et­iam pos­tu­mus. sed et si co­di­cil­los re­li­quis­set duo­bus su­per­sti­ti­bus fi­liis de­ce­dens, cum pu­ta­ret al­te­rum ex his prius de­ces­sis­se, si­mi­li mo­do di­ci pot­est om­nia per­in­de de­be­re fi­lium, ad quem scrip­ti sunt co­di­cil­li, at­que si so­lus he­res ex­sti­tis­set pa­tri. im­mo dum­ta­xat par­tem de­bet: eo­rum ta­men, quae pro par­te prae­sta­ri non pos­sunt, ni­hil eo­rum prae­stan­dum, quon­iam il­li non fue­rit fi­lio ab­la­tu­rus, ni­si so­lum pu­ta­ret suc­ces­so­rem si­bi fu­tu­rum.

19Marcell. lib. XIV. Dig. Jemand, der einen einzigen Sohn hatte, starb, nachdem er Codicille an diesen [Sohn] geschrieben hatte, ohne Testament. Seine Erben waren dieser Sohn, und ein Kind, das er noch nachher3030Nach den Codicillen. erzeugte. Hier möchte wohl Niemand behaupten, dass durch die Agnation eines Eigenerben, die Codicille vernichtet seien; wenn daher der Erblasser damals keine Hoffnung auf Afterkinder hatte, so werden die Codicille nicht vernichtet, und der Sohn, an welchen die Codicille gerichtet wurden, nicht aber auch das Afterkind angehalten werden, das [in Codicillen] Hinterlassene zur Hälfte zu leisten. Wenn aber Jemand Codicille machte und mit Hinterlassung von zwei Söhnen, jedoch in der Meinung, als wäre einer von diesen schon gestorben, mit Tod abging, so kann man auf ähnliche Weise annehmen, dass der Sohn, an welchen die Codicille gerichtet waren, alles auf dieselbe Weise leisten müsse3131D. i. nach strengem Rechte., als wenn er alleiniger Erbe seines Vaters wäre. Er hat vielmehr3232D. i. ex aequitate. Merillus (Var. ex Cujac. III. 14.) meint, hier antworte Marcellus erst auf seine Vorlage. S. auch Smallenb. a. a. O. nur einen Theil zu entrichten. Von dem jedoch, was getheilt3333Wie z. B. Prädialservituten. nicht geleistet werden kann, findet gar keine Leistung Statt, weil jener (der Erblasser) dieses [zu Leistende] seinem Sohn nicht würde entrissen haben, wenn er ihn nicht für seinen alleinigen Nachfolger gehalten hätte.

20Pau­lus li­bro quin­to ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Si pa­lam he­res nun­cu­pa­tus sit, le­ga­ta au­tem in ta­bu­lis col­la­ta fue­rint, Iu­lia­nus ait ta­bu­las tes­ta­men­ti non in­tel­le­gi, qui­bus he­res scrip­tus non est, et ma­gis co­di­cil­li quam tes­ta­men­tum ex­is­ti­man­dae sint: et hoc pu­to rec­tius di­ci.

20Paul. lib. V. ad leg. Jul. et Pap. Wenn Jemand laut vor Zeugen (palam) zum Erben ernannt worden war, die Vermächtnisse aber in einem schriftlichen Aufsatze bestimmt wurden, so erkennt man diesen Aufsatz, wie Julianus sagt, für kein Testament, weil kein Erbe darin ernannt ist. Man muss ihn daher lieber für Codicille als für ein Testament halten. Dies ist, wie ich glaube, auch die richtigere Ansicht.