Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 29 übersetzt von Hunger unter Redaction von Otto
Dig. XXIX6,
Si quis aliquem testari prohibuerit vel coegerit
Liber vicesimus nonus
VI.

Si quis aliquem testari prohibuerit vel coegerit

(Wenn Jemand [den Erblasser] von der Testamentserrichtung abgehalten, oder ihn dazu gezwungen haben sollte1.)

1Basil. lib. XXXV. 4. T. IV. p. 780. Vgl. auch über diesen Titel Ant. Faber de Error. pragm. Dec. 38. Error. 3. — Error. 10.

1Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo oc­ta­vo ad edic­tum. Qui dum cap­tat he­redi­ta­tem le­gi­ti­mam vel ex tes­ta­men­to, pro­hi­buit tes­ta­men­ta­rium in­tro­ire vo­len­te eo fa­ce­re tes­ta­men­tum vel mu­ta­re, di­vus Ha­d­ria­nus con­sti­tuit de­ne­ga­ri ei de­be­re ac­tio­nes de­ne­ga­tis­que ei ac­tio­ni­bus fis­co lo­cum fo­re. 1Si do­mi­nus do­lo fe­ce­rit, ne tes­ta­men­tum mu­ta­re­tur, in quo ser­vus eius scrip­tus erat, quam­vis ma­nu­mis­sus ad­ie­rit he­redi­ta­tem, ac­tio­nes ei de­ne­gan­tur, cum et li­be­ris eius si quid fue­rit da­tum, de­ne­ga­ri de­beat, et­si non fue­rint in po­tes­ta­te. sed si le­ga­tum ei re­lic­tum sit id­que re­sti­tue­re sit ro­ga­tus, con­se­quens erit di­ce­re ad­mit­ti eum ad le­ga­tum, quod non ip­se ha­buis­set, sed ad alium sit trans­la­tu­rus. 2Si plu­res he­redes in­sti­tu­ti sint et om­nes do­lo fe­ce­rint, quo mi­nus tes­ta­men­tum mu­ta­re­tur, di­cen­dum est ac­tio­nes om­ni­bus de­ne­ga­ri, quia om­nes do­lo fe­ce­runt.

1Ulp. lib. XLVIII. ad Ed. Wer, indem er [verbotener Weise] eine testamentarische oder gesetzliche Erbschaft zu erhaschen sucht, den Testamentsschreiber deswegen einzutreten hindert, weil der [Erblasser] sein Testament errichten oder umändern will, dem müssen, nach einer Verordnung des höchstseligen Hadrianus, die [Erbschafts-] Klagen verweigert werden, und nach der Verweigerung dieser Klagen wird der Fiscus Platz greifen. 1Wenn der Herr es durch Arglist dahin brachte, dass ein Testament, in welchem sein Sclav war zum Erben eingesetzt worden, nicht umgeändert wurde, so werden ihm (dem Sclaven)22Azo bezieht das ei auf den dominus, und setzt den (möglichen) Fall, wenn der Sclav seinem Herrn etwas als Vermächtniss leisten sollte; allein dagegen wurde besser angenommen, das ei gehe auf den servus so, dass auch nicht einmal der manumissus in vorliegendem Falle sich erwerbe. dennoch die [Erbschafts-] Klagen verweigert, wenn er (der Sclav) gleich erst nach seiner Freilassung die Erbschaft antrat; da ja auch seinen Kindern, wenn diesen etwas gegeben worden war, die Klage [darauf] verweigert werden muss, obgleich sie nicht [mehr] in seiner Gewalt waren33Zur Zeit, wo sie die Klagen anstellen wollten. Zur Zeit, wo der Vater dolo den Erblasser abhielt, aber waren sie in seiner Gewalte.. War ihm (dem, der abhielt) aber ein Vermächtniss hinterlassen und er dies zu restituiren ersucht worden, so wird man folgerecht annehmen, er verliere das Vermächtniss nicht, weil er es nicht selbst erhalten, sondern auf einen Andern übergetragen haben würde. 2Wenn mehrere Erben eingesetzt wurden, und alle durch Arglist es dahin brachten, dass das Testament nicht umgeändert wurde, so muss man annehmen, dass Allen die Klagen verweigert werden, weil sie Alle arglistig handelten.

2Pau­lus li­bro qua­dra­gen­si­mo quar­to ad edic­tum. Si quis do­lo ma­lo fe­ce­rit, ut tes­tes non ve­niant, et per hoc de­fi­cia­tur fa­cul­tas tes­ta­men­ti fa­cien­di, de­ne­gan­dae sunt ac­tio­nes ei qui do­lo fe­ce­rit, si­ve le­gi­ti­mus he­res sit si­ve prio­re tes­ta­men­to scrip­tus. 1Fra­tris au­tem fac­tum fra­tri non no­cet. 2Si fi­dei eius qui do­lum ad­mi­sit com­mis­sum est, ut he­redi­ta­tem re­sti­tue­ret: ea he­redi­tas ca­du­ca cum suis one­ri­bus fiet, ut com­mo­dum le­gis Fal­ci­diae fis­cus sen­tiat, do­dran­tis au­tem fi­dei­com­mis­sa­rius.

2Paul. lib. XLIV. ad Ed. Wenn Jemand es durch seine Arglist dahin brachte, dass die Zeugen nicht kamen, und eben dadurch die Möglichkeit, ein Testament zu errichten, aufhob44Flor. deficiatur, Andere und auch Beck deficiat., so müssen dem, der die Arglist anwandte, mag er nun ein gesetzlicher, oder in einem früheren Testamente ernannter Erbe sein, die [Erbschafts-] Klagen verweigert werden. 1Es schadet aber die Handlung des einen Bruders dem andern Bruder nicht. 2Wenn es dem Gewissen dessen, der diese Arglist verübte, war überlassen worden, eine Erbschaft zu restituiren, so wird diese Erbschaft mit ihren Lasten dem Fiscus heimfallen, jedoch so, dass der Fiscus den Vortheil des Falcidischen Gesetzes55D. i. des Trebellianischen Senatuscons. Die lex Falcidia wird oft für das SCt. Trebell. gesetzt, weil die lex Falcid. auch diesem Institute zum Vorbilde diente. geniesse, der Fideicommissarius aber seine drei Viertheile erhalte66War eine Legat zu restituiren, so fällt dieses, wenn der, welcher restituiren soll, den Erblasser hinderte, deswegen nicht an den Fiscus, weil der Legatar das ganze Legat ohne einen Abzug restituiren muss. Anders wenn die ganze Erbschaft zu restituiren ist, weil der Fiduciar die Wohlthat des SCt. Treb. hat, deshalb steht §. 1. l. praec. mit diesem Fragm. in keinem Widerspruch..

3Pa­pi­nia­nus li­bro quin­to de­ci­mo re­spon­so­rum. Vi­rum, qui non per vim nec do­lum, quo mi­nus uxor, con­tra eum mu­ta­ta vo­lun­ta­te, co­di­cil­los fa­ce­ret, in­ter­ces­se­rat, sed ut fie­ri ad­so­let, of­fen­sam ae­grae mu­lie­ris ma­ri­ta­li ser­mo­ne pla­ca­ve­rat, in cri­men non in­ci­dis­se re­spon­di, nec ei quod tes­ta­men­to fue­rat da­tum au­fe­ren­dum.

3Papinian. lib. XV. Resp. Ein Ehemann, der nicht durch Gewalt oder List es vereitelte, dass seine Frau mit verändertem Willen gegen ihn Codicille mache, sondern, wie es zu geschehen pflegt, den Eifer seiner kranken Frau durch männliches Zureden beschwichtigte, sei, war meine Antwort, dadurch nicht in ein Vergehen verfallen, und es darf ihm das nicht entzogen werden, was ihm im Testamente gegeben wurde.