Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Paul.l. Iul.
Ad legem Iuliam lib.Pauli Ad legem Iuliam libri

Ad legem Iuliam libri

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50

Ex libro I

Dig. 40,9,15Pau­lus li­bro pri­mo ad le­gem Iu­liam. Quae­si­tum est, an is, qui ma­ies­ta­tis cri­mi­ne reus fac­tus sit, ma­nu­mit­te­re pos­sit, quon­iam an­te dam­na­tio­nem do­mi­nus est. et im­pe­ra­tor An­to­ni­nus Cal­pur­nio Cri­to­ni re­scrip­sit ex eo tem­po­re, quo quis prop­ter fa­ci­no­rum suo­rum co­gi­ta­tio­nem iam de poe­na sua cer­tus es­se pot­erat, mul­to prius con­scien­tia de­lic­to­rum, quam dam­na­tio­ne ius dan­dae li­ber­ta­tis eum amis­sis­se. 1Iu­lia­nus ait, si post­ea, quam fi­lio per­mi­sit pa­ter ma­nu­mit­te­re, fi­lius igno­rans pa­trem de­ces­sis­se ma­nu­mi­sit vin­dic­ta, non fie­ri eum li­be­rum. sed et si vi­vit pa­ter et vo­lun­tas mu­ta­ta erit, non vi­de­ri vo­len­te pa­tre fi­lium ma­nu­mis­sis­se.

Paul. lib. I. ad leg. Jul. Man hat gefragt, ob Der, welcher eines Majestätsverbrechens beschuldigt worden ist, freilassen könne, weil er vor der Verurtheilung noch Herr ist. Kaiser Antoninus hat an den Calpurnius Crito rescribirt: dass von der Zeit an, zu welcher Jemand wegen des Gedankens an seine Schandthaten schon seiner Strafe hätte versichert sein können, er mehr durch das Bewusstsein der Verbrechen, als durch die Verurtheilung das Recht, die Freiheit zu ertheilen, verloren habe. 1Julianus sagt, dass, wenn, nachdem ein Vater seinem Sohn freizulassen erlaubt habe, der Sohn ohne zu wissen, dass sein Vater gestorben sei, durch den Stab freigelassen habe, der [Sclave] nicht frei werde; dass aber auch, wenn der Vater lebe, und seine Willensmeinung sich geändert habe, der Sohn nicht mit dem Willen des Vaters freigelassen zu haben scheine.

Ex libro V

Dig. 29,2,80Pau­lus li­bro quin­to ad le­gem Iu­liam. Si so­lus he­res ex plu­ri­bus par­ti­bus fue­ro in­sti­tu­tus, unam par­tem omit­te­re non pos­sum nec in­ter­est, in qui­bus­dam ha­beam sub­sti­tu­tum nec ne. 1Idem pu­to et­iam, si aliis mix­tus he­redi­bus ex plu­ri­bus par­ti­bus he­res in­sti­tu­tus sim, quod et hic ad­eun­do unam por­tio­nem om­nes ad­quiro, si ta­men de­la­tae sint. 2Item si ser­vus meus ex par­te he­res in­sti­tu­tus sit pu­re, ex par­te sub con­di­cio­ne, da­to sci­li­cet co­he­rede, et ius­su meo ad­ie­rit, de­in­de eo ma­nu­mis­so con­di­cio al­te­rius por­tio­nis ex­sti­te­rit, ve­rius est non mi­hi es­se ad­quisi­tam il­lam por­tio­nem, sed ip­sum com­ita­ri: om­nia enim pa­ria per­ma­ne­re de­bent in id tem­pus, quo al­te­rius por­tio­nis con­di­cio ex­stet, ut ad­quira­tur ei, cui prior por­tio ad­quisi­ta est. 3Ego qui­dem pu­to et si ad­huc in po­tes­ta­te sit, ite­rum ad­eun­dum es­se, si con­di­cio ex­sti­te­rit, et il­lud quod di­ci­mus se­mel ad­eun­dum, in eius­dem per­so­na lo­cum ha­bet, non cum per alium ad­quiren­da est he­redi­tas.

Paul. lib. V. ad leg. Jul. et Pap. Wenn ich als alleiniger Erbe, zu mehreren Theilen war eingesetzt wor den, so kann ich einen einzigen Theil davon nicht ausschlagen; und es macht keinen Unterschied, ob ich hinsichtlich gewisser Theile einen Nacherben habe, oder nicht. 1Ebenso ist es, wie ich glaube, auch dann, wenn ich unter11Aliis mixtus heredibus. Andere lesen aliis mixtis heredibus. anderen Erben auf mehrere Theile eingesetzt wurde, denn auch hier erwerbe ich, durch mein Antreten eines einzigen Theiles, alle22Die gewöhnliche Lesart ist omnem. [andere], jedoch müssen mir diese [vorerst] angefallen sein. 2Ferner, wenn mein Sclav auf einen Theil unbedingt, auf einen andern Theil bedingt, versteht sich mit Ernennung eines Miterben, zum Erben eingesetzt wurde, und auf meinen Befehl antrat, sodann aber nach seiner Freilassung die Bedingung [, unter welcher er auf den andern Theil war eingesetzt worden,] in Erfüllung ging, so wird nach einer richtigern Ansicht jener Theil nicht mir erworben, sondern er folgt dem Freigewordenen; denn es muss alles in gleichem Stand der Dinge bis zu der Zeit verbleiben, wo die Bedingung, die für den andern Theil beigefügt wurde, eintritt, damit die Erwerbung dem, welchem der frühere Theil erworben wurde, geschehen kann. 3Ich wenigstens bin der Meinung, dass, wenn auch der Sclav noch in [seines Herrn] Gewalt sich befindet, doch wiederholt die Antretung geschehen müsse, wenn die Bedingung eintritt; und jene Regel, dass man nur einmal anzutreten habe, ist nur da, wo es sich von ein und derselben Person handelt, aber nicht dann anwendbar, wenn die Erbschaft durch einen Andern soll erworben werden.