Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Ulp.Sab. XLI
Ad Massurium Sabinum lib.Ulpiani Ad Massurium Sabinum libri

Ad Massurium Sabinum libri

Ex libro XLI

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
Dig. 1,1De iustitia et iure (Von der Gerechtigkeit und dem Recht.)Dig. 1,2De origine iuris et omnium magistratuum et successione prudentium (Von dem Ursprung des Rechts und aller Staatsbeamten, so wie der Folge der Rechtsgelehrten.)Dig. 1,3De legibus senatusque consultis et longa consuetudine (Von den Gesetzen, den Senatsbeschlüssen und dem Gewohnheitsrechte.)Dig. 1,4De constitutionibus principum (Von den Constitutionen der Kaiser.)Dig. 1,5De statu hominum (Vom Zustand der Menschen.)Dig. 1,6De his qui sui vel alieni iuris sunt (Von denen, die eigenen Rechtens, und denen, die fremdem Rechte unterworfen sind.)Dig. 1,7De adoptionibus et emancipationibus et aliis modis quibus potestas solvitur (Von der Annahme an Kindes Statt, der Entlassung aus der [väterlichen] Gewalt, und andern Arten deren Aufhebung.)Dig. 1,8De divisione rerum et qualitate (Von der Eintheilung der Sachen und deren Beschaffenheit.)Dig. 1,9De senatoribus (Von den Senatoren.)Dig. 1,10De officio consulis (Von der Amtspflicht des Consuls.)Dig. 1,11De officio praefecti praetorio (Von der Amtspflicht des Präfectus Prätorio.)Dig. 1,12De officio praefecti urbi (Von der Amtspflicht des Stadtvorstehers.)Dig. 1,13De officio quaestoris (Von der Amtspflicht des Quästors.)Dig. 1,14De officio praetorum (Von der Amtspflicht der Prätoren.)Dig. 1,15De officio praefecti vigilum (Von der Amtspflicht des Wachtvorstehers.)Dig. 1,16De officio proconsulis et legati (Von der Amtspflicht des Proconsul und des Legaten.)Dig. 1,17De officio praefecti Augustalis (Von der Amtspflicht des Kaiserlichen Präfecten.)Dig. 1,18De officio praesidis (Von der Amtspflicht des Präsidenten.)Dig. 1,19De officio procuratoris Caesaris vel rationalis (Von der Amtspflicht des Procurators des Kaisers oder Rentbeamten.)Dig. 1,20De officio iuridici (Von der Amtspflicht des Gerichtsverwalters.)Dig. 1,21De officio eius, cui mandata est iurisdictio (Von der Amtspflicht dessen, der mit der Gerichtsbarkeit beauftragt worden ist.)Dig. 1,22De officio adsessorum (Von der Amtspflicht der [Gerichts-] Beisitzer.)
Dig. 2,1De iurisdictione (Von der Gerichtsbarkeit.)Dig. 2,2Quod quisque iuris in alterum statuerit, ut ipse eodem iure utatur (Welche Rechtsgrundsätze Jemand gegen einen Andern aufgebracht hat, die sollen gegen ihn selbst in Anwendung gebracht werden dürfen.)Dig. 2,3Si quis ius dicenti non obtemperaverit (Wenn jemand dem, welcher Recht spricht, nicht gehorcht haben sollte.)Dig. 2,4De in ius vocando (Von der Berufung ins Gericht.)Dig. 2,5Si quis in ius vocatus non ierit sive quis eum vocaverit, quem ex edicto non debuerit (Wenn Jemand vor Gericht berufen worden und nicht gegangen ist, oder die dahin berufen worden sind, welche man dem Edicte nach nicht hätte berufen sollen.)Dig. 2,6In ius vocati ut eant aut satis vel cautum dent (Dass vor Gericht Berufene dahin gehen, oder Bürgen oder anders Sicherheit stellen.)Dig. 2,7Ne quis eum qui in ius vocabitur vi eximat (Dass Niemand den, welcher vor Gericht berufen wird, mit Gewalt entreisse.)Dig. 2,8Qui satisdare cogantur vel iurato promittant vel suae promissioni committantur (Von denen, welche gezwungen werden, Sicherheit zu stellen, oder ein eidliches Versprechen leisten, oder auf ihr einfaches Versprechen entlassen werden.)Dig. 2,9Si ex noxali causa agatur, quemadmodum caveatur (Wie Sicherheit gestellt wird, wenn eine Noxalklage erhoben [oder: wegen Schädenansprüchen geklagt] wird.)Dig. 2,10De eo per quem factum erit quominus quis in iudicio sistat (Von dem, welcher daran Schuld ist, dass sich Jemand nicht vor Gericht stellt.)Dig. 2,11Si quis cautionibus in iudicio sistendi causa factis non obtemperaverit (Wenn Jemand dem geleisteten Versprechen, sich vor Gerichte zu stellen, nicht nachgekommen ist.)Dig. 2,12De feriis et dilationibus et diversis temporibus (Von den Gerichtsferien und Aufschubsgestattungen und der Berechnung verschiedener Zeiten.)Dig. 2,13De edendo (Vom Vorzeigen.)Dig. 2,14De pactis (Von Verträgen.)Dig. 2,15De transactionibus (Von Vergleichen.)
Dig. 40,1De manumissionibus (Von den Freilassungen.)Dig. 40,2De manumissis vindicta (Von den durch den Stab freigelassenen [Sclaven].)Dig. 40,3De manumissionibus quae servis ad universitatem pertinentibus imponuntur (Von den Freilassungen, welche Sclaven ertheilt werden, welche einer Gemeinheit angehören.)Dig. 40,4De manumissis testamento (Von den durch ein Testament freigelassenen [Sclaven.])Dig. 40,5De fideicommissariis libertatibus (Von den fideicommissarischen Freiheiten.)Dig. 40,6De ademptione libertatis (Von der Zurücknahme der Freiheit.)Dig. 40,7De statuliberis (Von den Bedingtfreien.)Dig. 40,8Qui sine manumissione ad libertatem perveniunt (Welche [Sclaven] ohne Freilassung zur Freiheit gelangen.)Dig. 40,9Qui et a quibus manumissi liberi non fiunt et ad legem Aeliam Sentiam (Welche Sclaven durch die Freilassung wegen ihrer selbst, und wegen ihres Freilassers nicht frei werden, und zum Aelisch-Sentischen Gesetz.)Dig. 40,10De iure aureorum anulorum (Von dem Recht der goldenen Ringe.)Dig. 40,11De natalibus restituendis (Von der Zurückversetzung in den Geburtsstand.)Dig. 40,12De liberali causa (Von dem Rechtsstreit über die Freiheit.)Dig. 40,13Quibus ad libertatem proclamare non licet (Welche nicht auf die Freiheit Anspruch machen dürfen.)Dig. 40,14Si ingenuus esse dicetur (Wenn behauptet werden wird, dass [ein Freigelassener] ein Freigeborner sei.)Dig. 40,15Ne de statu defunctorum post quinquennium quaeratur (Dass der Rechtszustand Verstorbener nach fünf Jahren nicht untersucht werden soll.)Dig. 40,16De collusione detegenda (Von der Entdeckung eines heimlichen Einverständnisses.)
Dig. 43,1De interdictis sive extraordinariis actionibus, quae pro his competunt (Von den Interdicten und ausserordentlichen Klagen, die an deren Statt zuständig sind.)Dig. 43,2Quorum bonorum (Welchen Nachlass.)Dig. 43,3Quod legatorum (Was von Vermächtnissen.)Dig. 43,4Ne vis fiat ei, qui in possessionem missus erit (Dass Dem keine Gewalt geschehe, der in den Besitz gesetzt sein wird.)Dig. 43,5De tabulis exhibendis (Von der Auslieferung der Testamente.)Dig. 43,6Ne quid in loco sacro fiat (Dass an einem heiligen Orte Etwas nicht geschehe.)Dig. 43,7De locis et itineribus publicis (Von öffentlichen Plätzen und Wegen.)Dig. 43,8Ne quid in loco publico vel itinere fiat (Dass an einem öffentlichen Platze oder Wege Etwas nicht geschehe.)Dig. 43,9De loco publico fruendo (Von dem Genuss eines öffentlichen Platzes.)Dig. 43,10De via publica et si quid in ea factum esse dicatur (Von öffentlichen Strassen und wenn etwas in demselben errichtet werden sein soll.)Dig. 43,11De via publica et itinere publico reficiendo (Von der Ausbesserung öffentlicher Strassen und Wege.)Dig. 43,12De fluminibus. ne quid in flumine publico ripave eius fiat, quo peius navigetur (Von den Flüssen, dass Etwas in einem öffentlichen Flusse oder an dessen Ufer nicht geschehe, wodurch die Schifffahrt beeinträchtigt wird.)Dig. 43,13Ne quid in flumine publico fiat, quo aliter aqua fluat, atque uti priore aestate fluxit (Dass in einem öffentlichen Fluss Etwas nicht geschehe, wodurch der Wasserfluss gegen den im vorhergehenden Sommer geändert wird.)Dig. 43,14Ut in flumine publico navigare liceat (Dass die Schifffahrt an einem öffentlichen Flusse gestattet sei.)Dig. 43,15De ripa munienda (Von der Befestigung des Ufers.)Dig. 43,16De vi et de vi armata (Von der Gewalt und der Gewalt mit Waffen.)Dig. 43,17Uti possidetis (Wie ihr besitzet.)Dig. 43,18De superficiebus (Von Erbpachtungen.)Dig. 43,19De itinere actuque privato (Von Privatwegen.)Dig. 43,20De aqua cottidiana et aestiva (Vom täglichen Wasser und dem Sommerwasser.)Dig. 43,21De rivis (Von den Kanälen.)Dig. 43,22De fonte (Von den Quellen.)Dig. 43,23De cloacis (Von den Kloaken.)Dig. 43,24Quod vi aut clam (Was gewaltsam oder heimlich.)Dig. 43,25De remissionibus (Von den Remissionen.)Dig. 43,26De precario (Vom bittweisen [Besitzverhältniss].)Dig. 43,27De arboribus caedendis (Vom Baumfällen.)Dig. 43,28De glande legenda (Vom Auflesen der Eicheln.)Dig. 43,29De homine libero exhibendo (Von der Auslieferung freier Menschen.)Dig. 43,30De liberis exhibendis, item ducendis (Von der Auslieferung der Kinder und deren Abführung.)Dig. 43,31Utrubi (Vom (Interdicte) Wo immer.)Dig. 43,32De migrando (Vom Ausziehen lassen.)Dig. 43,33De Salviano interdicto (Vom Salvianischen Interdict.)
Dig. 47,1 (32,3 %)De privatis delictis (Von den Privatverbrechen.)Dig. 47,2 (16,3 %)De furtis (Von den Diebstählen.)Dig. 47,3De tigno iuncto (Vom verbauten Balken.)Dig. 47,4Si is, qui testamento liber esse iussus erit, post mortem domini ante aditam hereditatem subripuisse aut corrupisse quid dicetur (Wenn angegeben werden wird, dass derjenige [Sclav], der in einem Testamente geheissen worden, frei zu sein, nach des Herrn Tode vor dem Erbschaftsantritt Etwas gestohlen oder verdorben habe.)Dig. 47,5Furti adversus nautas caupones stabularios (Von der Diebstahlsklage wider Schiffer, Gastwirthe und Stallwirthe.)Dig. 47,6Si familia furtum fecisse dicetur (Wenn ein Gesinde einen Diebstahl begangen haben soll.)Dig. 47,7Arborum furtim caesarum ([Von der Klage] wegen verstohlen umgehauener Bäume.)Dig. 47,8Vi bonorum raptorum et de turba ([Von der Klage] wegen Raubes und vom Getümmel.)Dig. 47,9De incendio ruina naufragio rate nave expugnata (Von [dem bei einer] Feuersbrunst, Einsturz, Schiffbruch [oder einem] erstürmten Flosse oder Schiffe [Geraubten].)Dig. 47,10De iniuriis et famosis libellis (Von Injurien und Schmähschriften.)Dig. 47,11De extraordinariis criminibus (Von ausserordentlichen Verbrechen.)Dig. 47,12De sepulchro violato (Von der Verletzung eines Begräbnisses.)Dig. 47,13De concussione (Von der Erpressung.)Dig. 47,14De abigeis (Von den Viehdieben.)Dig. 47,15De praevaricatione (Von der Prävarication.)Dig. 47,16De receptatoribus (Von den Hehlern.)Dig. 47,17De furibus balneariis (Von den Badedieben.)Dig. 47,18De effractoribus et expilatoribus (Von den Einbrechern und Ausplünderern.)Dig. 47,19Expilatae hereditatis ([Von] der Ausplünderung der Erbschaft.)Dig. 47,20Stellionatus (Vom Stellionat.)Dig. 47,21De termino moto (Von der Grenzverrückung.)Dig. 47,22De collegiis et corporibus (Von Genossenschaften und Körperschaften.)Dig. 47,23De popularibus actionibus (Von den Volkskklagen.)
Dig. 5,1,57Idem li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Tam ex con­trac­ti­bus quam ex de­lic­tis in fi­lium fa­mi­lias com­pe­tit ac­tio: sed mor­tuo fi­lio post li­tis con­tes­ta­tio­nem trans­fer­tur iu­di­cium in pa­trem dum­ta­xat de pe­cu­lio et quod in rem eius ver­sum est. cer­te si qua­si pro­cu­ra­tor ali­cu­ius fi­lius fa­mi­lias iu­di­cium ac­ce­pe­rit, mor­tuo eo in eum quem de­fen­de­rit trans­ac­tio vel iu­di­ca­ti da­tur.

Idem lib. XLI. ad Sabin. Gegen einen Familiensohn ist sowohl aus Contracten als aus Vergehen eine Klage begründet; stirbt derselbe aber nach Einleitung des Verfahrens, so wird die Klage gegen den Vater nur in soweit übertragen, als sie das Sondergut und das in seinen Nutzen Verwendete betrifft. Wenn aber ein Familiensohn als Geschäftsbesorger Jemandes eine Klage angenommen hat, so findet nach seinem Tode gegen denjenigen, für den er auftrat, eine Uebertragung der Klage Statt11Transactio vel judicati datur. In dieser verunstalteten Stelle ist gewiss die übereinstimmende Lesart vieler Manuscripte, translatio judicii datur, welche auch Ed. Fradin. Haloander, Duaren. in der Marginalnote bei Russardus und Baudoza haben, anzunehmen..

Dig. 9,2,41Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Si quis tes­ta­men­tum de­le­ve­rit, an dam­ni in­iu­riae ac­tio com­pe­tat, vi­dea­mus. et Mar­cel­lus li­bro quin­to di­ges­to­rum du­bi­tans ne­gat com­pe­te­re. quem­ad­mo­dum enim, in­quit, aes­ti­ma­tio in­ibi­tur? ego apud eum no­ta­vi in tes­ta­to­re qui­dem hoc es­se ve­rum, quia quod in­ter­est eius aes­ti­ma­ri non pot­est, ve­rum ta­men in he­rede vel le­ga­ta­riis di­ver­sum, qui­bus tes­ta­men­ta pae­ne chi­ro­gra­pha sunt. ibi­dem Mar­cel­lus scri­bit chi­ro­gra­pho de­le­to com­pe­te­re le­gis Aqui­liae ac­tio­nem. sed et si quis ta­bu­las tes­ta­men­ti apud se de­po­si­tas de­le­ve­rit vel plu­ri­bus prae­sen­ti­bus le­ge­rit, uti­lius est in fac­tum et in­iu­ria­rum agi, si in­iu­riae fa­cien­dae cau­sa se­cre­ta iu­di­cio­rum pu­bli­ca­vit. 1In­ter­dum eve­ni­re Pom­po­nius ele­gan­ter ait, ut quis ta­bu­las de­len­do fur­ti non te­n­ea­tur, sed tan­tum dam­ni in­iu­riae, ut pu­ta si non ani­mo fur­ti fa­cien­di, sed tan­tum dam­ni dan­di de­le­vit: nam fur­ti non te­ne­bi­tur: cum fac­to enim et­iam ani­mum fu­ris fur­tum ex­igit.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Es fragt sich, ob auch gegen den, der ein Testament verdorben hat, die Klage wegen widerrechtlichen Schadens begründet sei. Marcell im fünften Buche seiner Digesten erklärt sich für die verneinende Meinung; denn auf welche Weise, sagt er, soll hier eine Schätzung geschehen? Ich habe zu demselben die Bemerkung hinzugefügt, dass dies zwar in Ansehung des Testators richtig sei, weil dasjenige, um wie viel er betheiligt ist, nicht geschätzt werden kann; allein in Ansehung des Erben oder des Vermächtnissinhabers ist ein Unterschied, denn für diese vertritt das Testament beinahe die Stelle einer Handschrift. Ebendaselbst schreibt Marcell, dass wegen Verderbens einer Handschrift die Klage des Aquilischen Gesetzes Statt finde. Wer aber ein bei ihm niedergelegtes Testament verdorben oder in Gegenwart Mehrerer gelesen hat, gegen den wird passender auf das Geschehene22In factum. Bekannt ist Noodts Conjectur hier furti zu lesen (Oper. omn. T. I. p. 141. ad Leg. Aqu.), die vieles für scih hat, besonders wenn man den folgenden §. liest. und wegen Injurien Klage erhoben, wenn er die Geheimnisse des letzten Willens, in der Absicht [, Jemanden] zu beschimpfen, bekannt gemacht hat. 1Zuweilen, bemerkt Pomponius scharfsinnig, tritt der Fall ein, dass Jemand wegen Verderbung eines Testaments nicht [mit der Klage] wegen Diebstahls, sondern nur wegen widerrechtlichen Schadens haftet, nämlich wenn er es nicht in der Absicht, einen Diebstahl zu begehen, sondern nur um Schaden zu stiften verdorben hat; hier haftet er nicht wegen Diebstahls, denn der Diebstahl erfordert neben der Thatsache auch die Absicht des Diebes dazu.

Dig. 9,4,35Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. et si con­dem­na­tus fue­rit, fi­lius iu­di­ca­tum fa­ce­re de­bet: te­net enim con­dem­na­tio. quin im­mo et­iam il­lud di­cen­dum est pa­trem quo­que post con­dem­na­tio­nem fi­lii dum­ta­xat de pe­cu­lio pos­se con­ve­ni­ri.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Und wenn der Sohn verurtheilt worden ist, so muss er das Erkannte leisten; denn es bindet ihn die Verurtheilung. Ja, man kann sogar auch das behaupten, dass der Vater nach der Verurtheilung des Sohnes nur auf dessen Sondergut in Anspruch genommen werden könne.

Dig. 13,1,4Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Si ser­vus vel fi­lius fa­mi­lias fur­tum com­mi­se­rit, con­di­cen­dum est do­mi­no id quod ad eum per­ve­nit: in re­si­duum no­xae ser­vum do­mi­nus de­de­re pot­est.

Ad Dig. 13,1,4Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. II, § 359, Note 14.Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Wenn ein Sclav oder Haussohn einen Diebstahl begangen haben sollte, so muss man von dem Herrn [desselben] das condiciren, was an ihn gekommen ist; für das Rückständige kann der Herr den Sclaven zum Schadensersatz ausliefern.

Dig. 13,7,4Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Si con­ve­nit de dis­tra­hen­do pig­no­re si­ve ab in­itio si­ve post­ea, non tan­tum ven­di­tio va­let, ve­rum in­ci­pit emp­tor do­mi­nium rei ha­be­re. sed et­si non con­ve­ne­rit de dis­tra­hen­do pig­no­re, hoc ta­men iu­re uti­mur, ut li­ceat dis­tra­he­re, si mo­do non con­ve­nit, ne li­ceat. ubi ve­ro con­ve­nit, ne dis­tra­he­re­tur, cre­di­tor, si dis­tra­xe­rit, fur­ti ob­li­ga­tur, ni­si ei ter fue­rit de­nun­tia­tum ut sol­vat et ces­sa­ve­rit.

Ad Dig. 13,7,4Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. I, § 137, Note 5.Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Wenn man über das Verkaufen des Pfandes übereingekommen ist, sei es vom Anfange, oder nachher, so gilt nicht blos der Kauf, sondern der Käufer fängt an das Eigenthum der Sache zu haben. Aber auch wenn man nicht über das Verkaufen des Pfandes übereingekommen sein sollte, so gilt doch das Recht in der Anwendung, dass es erlaubt sei, [es] zu verkaufen, wenn man nur nicht übereingekommen ist, dass es nicht erlaubt sein solle; wo man aber übereingekommen ist, dass es nicht verkauft werden sollte, so wird der Gläubiger, wenn er es verkauft haben sollte, auf die Diebstahl[sklage] verbindlich, wenn es ihm [dem Schuldner] nicht dreimal angezeigt worden sein, dass er bezahlen solle, und er gezaudert haben sollte.

Dig. 16,3,11Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Quod ser­vus de­po­suit, is apud quem de­po­si­tum est ser­vo rec­tis­si­me red­det ex bo­na fi­de: nec enim con­ve­nit bo­nae fi­dei ab­ne­ga­re id quod quis ac­ce­pit, sed de­be­bit red­de­re ei a quo ac­ce­pit, sic ta­men, si si­ne do­lo om­ni red­dat, hoc est, ut nec cul­pae qui­dem su­spi­cio sit. de­ni­que Sa­b­inus hoc ex­pli­cuit ad­den­do: ‘nec ul­la cau­sa in­ter­ve­nit, qua­re pu­ta­re pos­sit do­mi­num red­di nol­le’. hoc ita est, si po­tuit su­spi­ca­ri, ius­ta sci­li­cet ra­tio­ne mo­tus: ce­te­rum suf­fi­cit bo­nam fi­dem ad­es­se. sed et si an­te eius rei fur­tum fe­ce­rat ser­vus, si ta­men igno­ra­vit is apud quem de­po­suit vel cre­di­dit do­mi­num non in­vi­tum fo­re hu­ius so­lu­tio­nis, li­be­ra­ri pot­est: bo­na enim fi­des ex­igi­tur. non tan­tum au­tem si re­ma­nen­ti in ser­vi­tu­te fue­rit so­lu­tum, sed et­iam si ma­nu­mis­so vel alie­na­to, ex ius­tis cau­sis li­be­ra­tio con­tin­git, sci­li­cet si quis igno­rans ma­nu­mis­sum vel alie­na­tum sol­vit. idem­que et in om­ni­bus de­bi­to­ri­bus ser­van­dum Pom­po­nius scri­bit.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Was ein Sclav niedergelegt hat, das wird derjenige, bei welchem es niedergelegt worden ist, dem Sclaven ganz richtig nach gutem Glauben zurückgeben; denn es kommt ja nicht mit dem guten Glauben überein, das, was Jemand erhalten hat, abzuleugnen, sondern er wird es demjenigen, von welchem er es erhalten hat, zurückgeben müssen, so jedoch, dass er es ohne alle böse Absicht zurückgebe, das heisst, dass nicht einmal der Verdacht eines Verschuldens vorhanden sei; dem gemäss hat Sabinus dies erklärt, dadurch, dass er hinzufügt: auch kein Grund vorhanden ist, weshalb er etwa glauben kann, dass der Herr nicht wolle, dass es zurückgegeben werde, dies heisst soviel, wenn er es hat vermuthen können, nämlich durch einen rechtmässigen Grund bewogen; sonst genügt es, dass guter Glaube vorhanden sei. Aber auch wenn vorher der Sclav einen Diebstahl an jener Sache begangen hat, so kann der, bei welchem er niedergelegt hat, wenn er es nur nicht gewusst, oder geglaubt hat, dass der Herr nicht gegen diese Leistung [des Niedergelegten] sein werde, befreit werden; denn es wird [nur] guter Glaube gefordert. Nicht nur aber, wenn [dem Sclaven], da er in der Sclaverei verblieb, sondern auch, wenn ihm, nachdem er freigelassen oder veräussert worden ist, geleistet worden sein sollte, so tritt in Folge rechtmässiger Gründe Befreiung ein, nämlich wenn Jemand nicht wissend, dass er freigelassen oder veräussert worden sei, geleistet hat. Und dass eben dasselbe bei allen Schuldnern zu beobachten sei, schreibt Pomponius.

Dig. 18,1,28Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Rem alie­nam dis­tra­he­re quem pos­se nul­la du­bi­ta­tio est: nam emp­tio est et ven­di­tio: sed res emp­to­ri au­fer­ri pot­est.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Es ist kein Zweifel, dass man eine fremde Sache veräussern könne; denn es ist Kauf und Verkauf vorhanden; aber die Sache kann dem Käufer entwährt werden,

Dig. 19,5,14Idem li­bro qua­dra­ge­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Qui ser­van­da­rum mer­cium sua­rum cau­sa alie­nas mer­ces in ma­re pro­ie­cit, nul­la te­ne­tur ac­tio­ne: sed si si­ne cau­sa id fe­cis­set, in fac­tum, si do­lo, de do­lo te­ne­tur. 1Sed et si ser­vum quis alie­num spo­lia­ve­rit is­que fri­go­re mor­tuus sit, de ves­ti­men­tis qui­dem fur­ti agi pot­erit, de ser­vo ve­ro in fac­tum agen­dum cri­mi­na­li poe­na ad­ver­sus eum ser­va­ta. 2Sed et si ca­li­cem ar­gen­teum quis alie­num in pro­fun­dum ab­ie­ce­rit dam­ni dan­di cau­sa, non lu­cri fa­cien­di, Pom­po­nius li­bro sep­ti­mo de­ci­mo ad Sa­binum scrip­sit ne­que fur­ti ne­que dam­ni in­iu­riae ac­tio­nem es­se, in fac­tum ta­men agen­dum. 3Si glans ex ar­bo­re tua in meum fun­dum ca­dat eam­que ego im­mis­so pe­co­re de­pas­cam: Aris­to scri­bit non si­bi oc­cur­re­re le­gi­ti­mam ac­tio­nem, qua ex­per­i­ri pos­sim: nam ne­que ex le­ge duo­de­cim ta­bu­la­rum de pas­tu pe­co­ris (quia non in tuo pas­ci­tur) ne­que de pau­pe­r­ie ne­que de dam­ni in­iu­riae agi pos­se: in fac­tum ita­que erit agen­dum.

Idem lib. XLI. ad Sabin. Wer zur Erhaltung seiner eigenen Waaren fremde ins Meer geworfen hat, haftet durch keine Klage; hat er es aber ohne Ursache dazu gethan, so haftet er durch die auf das Geschehene, wenn mit Arglist, wegen Arglist. 1Ad Dig. 19,5,14,1Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. II, § 326, Note 6.Auch wenn Jemand einen fremden Sclaven [seiner Kleider] beraubt hat, und dieser vor Kälte umgekommen ist, kann wegen der Kleider zwar die Diebstahlsklage erhoben, wegen des Sclaven muss aber Klage auf das Geschehene angestellt werden, während die Criminalstrafe wider jenen vorbehalten bleibt. 2Auch wenn Jemand einen silbernen Becher, der einem Andern gehört, nicht in gewinnsüchtiger Absicht, sondern blos um Schaden anzurichten, in die Tiefe geschleudert hat, kann wider ihn, wie Pomponius im siebzehnten Buche zum Sabinus geschrieben hat, weder die Diebstahlsklage noch die wegen widerrechtlichen Schadens, wohl aber die auf das Geschehene erhoben werden. 3Wenn Früchte von deinem Baum auf mein Landgut fallen, und ich dieselben durch hingetriebenes Vieh auffressen lasse, schreibt Aristo, erwächst für dich keine gesetzmässige Klage, die du erheben könntest33Ulpianus wechselt, wie öfters hier die Personen; die Klarheit des Sinnes beweist dies hinlänglich.; denn es kann weder die Klage aus dem Zwölftafelgesetz wegen Abweiden des Viehes angestellt werden, indem es nicht auf deinem Grund und Boden geweidet hat, noch die wegen von Thieren angerichteten Schadens, noch die wegen widerrechtlichen Schadens; daher muss Klage auf das Geschehene erhoben werden.

Dig. 46,3,18Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Si quis ser­vo pe­cu­niis ex­igen­dis prae­po­si­to sol­vis­set post ma­nu­mis­sio­nem, si qui­dem ex con­trac­tu do­mi­ni, suf­fi­ciet, quod igno­ra­ve­rit ma­nu­mis­sum: quod si ex cau­sa pe­cu­lia­ri, quam­vis scie­rit ma­nu­mis­sum, si ta­men igno­ra­ve­rit ad­emp­tum ei pe­cu­lium, li­be­ra­tus erit. utro­que au­tem ca­su ma­nu­mis­sus si in­ter­ver­ten­di cau­sa id fe­ce­rit, fur­tum do­mi­no fa­cit: nam et si de­bi­to­ri meo man­da­ve­ro, ut Ti­tio pe­cu­niam sol­ve­ret, de­in­de Ti­tium vetue­ro ac­ci­pe­re id­que igno­rans de­bi­tor Ti­tio si­mu­lan­ti se pro­cu­ra­to­rem sol­ve­rit, et de­bi­tor li­be­ra­bi­tur et Ti­tius fur­ti ac­tio­ne te­ne­bi­tur.

Ad Dig. 46,3,18Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. II, § 427, Note 4.Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Wenn Jemand einem Sclaven, welcher der Einforderung der Gelder vorgesetzt war, nach der Freilassung desselben Zahlung geleistet hatte, so wird es, wenn es in Folge eines Contracts des Herrn geschehen ist, genügen, wenn er nicht gewusst hat, dass derselbe freigelassen sei. Wenn er aber in Folge einer Sondergutsangelegenheit [gezahlt hatte,] so wird er befreit sein, obwohl er gewusst hat, dass derselbe freigelassen sei, wenn er nur nicht gewusst hat, dass demselben das Sondergut entzogen sei. In beiden Fällen aber begeht der Freigelassene, wenn er das in der Absicht, zu unterschlagen, gethan hat44Die Zahlung angenommen hat., einen Diebstahl gegen seinen [ehemaligen] Herrn. Denn auch wenn ich meinem Schuldner aufgetragen, dass er das Geld dem Titius zahlen sollte, sodann dem Titius verboten haben werde, es anzunehmen, und der Schuldner, dies nicht wissend, es dem Titius, welcher sich für meinen Procurator ausgab, gezahlt haben wird, so wird sowohl der Schuldner befreit werden, als auch Titius auf die Diebstahlsklage gehalten sein.

Dig. 47,1,1Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Ci­vi­lis con­sti­tu­tio est poe­na­li­bus ac­tio­ni­bus he­redes non te­ne­ri nec ce­te­ros qui­dem suc­ces­so­res: id­cir­co nec fur­ti con­ve­ni­ri pos­sunt. sed quam­vis fur­ti ac­tio­ne non te­nean­tur, at­ta­men ad ex­hi­ben­dum ac­tio­ne te­ne­ri eos opor­tet, si pos­si­deant aut do­lo fe­ce­rint quo mi­nus pos­si­deant: sed enim et vin­di­ca­tio­ne te­ne­bun­tur re ex­hi­bi­ta. item con­dic­tio ad­ver­sus eos com­pe­tit. 1He­redem au­tem fur­ti age­re pos­se ae­que con­stat: ex­se­cu­tio enim quo­run­dam de­lic­to­rum he­redi­bus da­ta est: ita et le­gis Aqui­liae ac­tio­nem he­res ha­bet. sed in­iu­ria­rum ac­tio he­redi non com­pe­tit. 2Non tan­tum in fur­ti, ve­rum in ce­te­ris quo­que ac­tio­ni­bus, quae ex de­lic­tis oriun­tur, si­ve ci­vi­les sunt si­ve ho­no­ra­riae, id pla­cet, ut no­xa ca­put se­qua­tur.

Ulp. lib. LXI. ad Sabin. Es ist eine bürgerlichrechtliche Vorschrift, dass die Erben durch Strafklagen nicht gehalten werden, und ebensowenig die übrigen Nachfolger. Deshalb können sie auch nicht wegen Diebstahls [ihres Erblassers] belangt werden. Wiewohl sie aber durch die Diebstahlsklage nicht haften, so müssen sie doch durch die Klage auf Auslieferung haften, wenn sie besitzen, oder es durch Arglist dahin gebracht haben, dass sie nicht mehr besitzen. Es versteht sich, dass sie nach Auslieferung des Gegenstandes auch durch die Eigenthumsklage haften; und übrigens findet auch die Condiction [wegen Diebstahls] wider sie statt. 1Dass die Erben aber Diebstahlsklage erheben können, ist bekannt, denn von manchen Verbrechen ist die [daraus erwachsende] rechtliche Verfolgung den Erben gegeben worden. So hat der Erbe auch die Klage aus dem Aquilischen Gesetz; die Injurienklage steht demselben aber nicht zu. 2Nicht blos rücksichtlich der Diebstahlsklage, sondern auch bei allen andern, die aus Verbrechen entspringen, sie seien bürgerlichrechtliche oder würdenrechtliche, hat man den Grundsatz angenommen, dass die Noxa dem schuldigen Haupte folge.

Dig. 47,2,3Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Fur est ma­ni­fes­tus, quem Grae­ci ἐπ’ αὐτοφώρῳ ap­pel­lant, hoc est eum, qui de­pre­hen­di­tur cum fur­to. 1Et par­vi re­fert, a quo de­pre­hen­da­tur, utrum ab eo cu­ius res fuit an ab alio. 2Sed utrum ita de­mum fur sit ma­ni­fes­tus, si in fa­cien­do fur­to de­pre­hen­da­tur, an ve­ro et si ali­cu­bi fue­rit de­pre­hen­sus? et ma­gis est, ut et Iu­lia­nus scrip­sit, et­si non ibi de­pre­hen­da­tur, ubi fur­tum fe­cit, ad­ta­men es­se fu­rem ma­ni­fes­tum, si cum re fur­ti­va fue­rit ad­pre­hen­sus, prius­quam eo lo­ci rem per­tu­le­rit, quo de­sti­na­ve­rat.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Ein offenbarer Dieb ist Der, den die Griechen ἐπ᾿ αὐτοφόρῳ55S. Ferrand. Adduens. Explicat. l. I. c. 43. (T. O. II. p. 548.) (auf der That ertappt) nennen, d. h. Derjenige, welcher auf dem Diebstahl selbst ergriffen wird. 1Es ist dabei einerlei, von wem er ergriffen wird, ob von dem Eigenthümer der Sache, oder von einem Andern. 2Ist aber nur Der ein offenbarer Dieb, wer bei der Ausführung des Diebstahls ergriffen wird, oder aber auch, wenn er wo anders ergriffen worden ist? Es spricht mehr dafür, wie auch Julianus geschrieben, dass, wenn er auch nicht da ergriffen worden, wo er den Diebstahl begangen hat, er doch ein offenbarer Dieb sei, sobald er mit der gestohlenen Sache ergriffen worden ist, bevor er sie dahin gebracht hat, wo er es beabsichtigte.

Dig. 47,2,5Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Si­ve igi­tur in pu­bli­co si­ve in pri­va­to de­pre­hen­da­tur, an­te­quam ad lo­cum de­sti­na­tum rem per­fer­ret, in ea cau­sa est, ut fur ma­ni­fes­tus sit, si cum re fur­ti­va de­pre­hen­da­tur: et ita Cas­sius scrip­sit. 1Sed si per­tu­lit quo de­sti­na­vit, tam­et­si de­pre­hen­da­tur cum re fur­ti­va, non est ma­ni­fes­tus fur.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Es möge nun also Jemand an einem öffentlichen oder an einem Privatorte ergriffen werden, bevor er die Sache an den bestimmten Ort brachte, so wird er stets als ein offenbarer Dieb betrachtet, wenn er mit der gestohlenen Sache ergriffen wird; so hat Cassius gelehrt. 1Hat er sie aber dahin geschafft, wo er es beabsichtigte, so ist er, wenn er auch mit der gestohlenen Sache ergriffen wird, kein offenbarer Dieb.

Dig. 47,2,7Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Si quis in ser­vi­tu­te fur­tum fe­ce­rit et ma­nu­mis­sus de­pre­hen­da­tur, an fur ma­ni­fes­tus sit, vi­dea­mus. et ait Pom­po­nius li­bro no­no de­ci­mo ex Sa­b­ino non pos­se eum ma­ni­fes­ti con­ve­ni­ri, quia ori­go fur­ti in ser­vi­tu­te fac­ti non fuit ma­ni­fes­ti. 1Ibi­dem Pom­po­nius ele­gan­ter scrip­sit de­pre­hen­sio­ne fie­ri ma­ni­fes­tum fu­rem: ce­te­rum si, cum ti­bi fur­tum fa­ce­rem de do­mo tua, abs­con­dis­ti te, ne te oc­ci­dam, et­iam­si vi­dis­ti fur­tum fie­ri, at­ta­men non est ma­ni­fes­tum. 2Sed Cel­sus de­pre­hen­sio­ni hoc et­iam ad­icit, si, cum vi­dis­ses eum sub­ri­pien­tem et ad com­pre­hen­den­dum eum ac­cur­ris­ses, ab­iec­to fur­to ef­fu­git, fu­rem ma­ni­fes­tum es­se: 3Par­vi­que re­fer­re pu­tat, do­mi­nus an vi­ci­nus an qui­li­bet trans­iens ad­pre­hen­dat.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Wenn ein Sclave einen Diebstahl begangen hat, und, freigelassen worden, ergriffen wird, ist der ein offenbarer Dieb? Pomponius sagt im neunzehnten Buche aus Sabinus: Er könne wegen offenbaren Diebstahls nicht belangt werden, weil der noch in seinem Sclavenstande begangene Diebstahl als ein heimlicher angefangen habe. 1Ebendaselbst bemerkt Pomponius scharfsinnig, ein Dieb werde durch die Ergreifung [auf der That] zum offenbaren, [und setzt hinzu:] „Wenn du dich übrigens, als ich dich in deinem Hause bestahl, verborgen gehalten hast, damit ich dich nicht ermorden solle, so ist der Diebstahl doch kein offenbarer, wenn du ihn auch mit angesehen hast66S. Theod. Marcil. Interpr. leg. XII. c. 56. (T. O. IV. p. 275.).“ 2Celsus setzt aber zur Ergreifung noch hinzu: Wenn du, als du ihn stehlen sahest, herzugelaufen, um ihn zu ergreifen, und er das Gestohlene von sich geworfen, und entflohen ist, so sei der Dieb ein offenbarer. 3Und er meint, es sei kein Unterschied, ob ihn der Eigenthümer, oder der Nachbar, oder jeder Vorübergehende ergreife.

Dig. 47,2,23Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Im­pu­be­rem fur­tum fa­ce­re pos­se, si iam do­li ca­pax sit, Iu­lia­nus li­bro vi­cen­si­mo se­cun­do di­ges­to­rum scrip­sit: item pos­se cum im­pu­be­re dam­ni in­iu­ria agi, quia id fur­tum ab im­pu­be­re fit. sed mo­dum es­se ad­hi­ben­dum ait: nam in in­fan­tes id non ca­de­re. non pu­ta­mus cum im­pu­be­re cul­pae ca­pa­ce Aqui­lia agi pos­se. item ve­rum est, quod La­beo ait, nec ope im­pu­be­ris fur­to fac­to te­ne­ri eum.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Dass ein Unmündiger einen Diebstahl begehen könne, wenn er schon der Arglist fähig ist, das hat Julianus im zweiundzwanzigsten Buche der Digesten geschrieben. So auch, sagt er, dass wider einen Unmündigen wegen widerrechtlichen Schadens geklagt werden könne, weil er ja stehlen könne, allein es müsse Maass gehalten werden, denn Kinder treffe dies nicht. Unserer Meinung nach kann wider ein der Schuld fähiges Kind aus dem Aquilischen Gesetze geklagt werden. Es ist auch richtig, was Labeo sagt, dass, wenn ein Diebstahl mit Hülfe eines [der Arglist noch nicht fähigen77Hier ist entweder obiger Zusatz hinzuzudenken, oder man muss, statt nec, et lesen, s. Jauch l. l. p. 329. Es spricht sogar für letzteres das folgende mit nec minus anhebende Fragment, man müsste denn dies auf den Anfang des vorigen beziehen wollen.] Unmündigen verübt worden, derselbe nicht hafte.

Dig. 47,2,25Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Ve­rum est, quod ple­ri­que pro­bant, fun­di fur­ti agi non pos­se. 1Un­de quae­ri­tur, si quis de fun­do vi de­iec­tus sit, an con­di­ci ei pos­sit qui de­ie­cit. La­beo ne­gat: sed Cel­sus pu­tat pos­se con­di­ci pos­ses­sio­nem, quem­ad­mo­dum pot­est re mo­bi­li sub­rep­ta. 2Eo­rum, quae de fun­do tol­lun­tur, ut pu­ta ar­bo­rum vel la­pi­dum vel ha­re­nae vel fruc­tuum, quos quis fu­ran­di ani­mo de­cerp­sit, fur­ti agi pos­se nul­la du­bi­ta­tio est.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Es ist richtig, was die Meisten lehren, dass wegen eines Landgutes keine Diebstahlsklage erhoben werden könne. 1Ad Dig. 47,2,25,1ROHGE, Bd. 22 (1878), Nr. 66, S. 299: Cond. possessionis gegen den aus Irrthum Besitzenden. Besitz ein Vermögensobject.Daher ist die Frage entstanden, ob, wenn Jemand mit Gewalt von einem Landgute vertrieben worden, er gegen den Thäter die Condiction erheben könne. Labeo leugnet es, Celsus glaubt aber, es könne der Besitz condicirt werden, wie wenn eine bewegliche Sache gestohlen worden. 2Dass wegen Dessen, was von einem Landgute fortgeschafft worden, z. B. Bäume, Steine, Sand, Früchte, die Jemand in der Absicht, sie zu stehlen, abgepflückt hat, Diebstahlsklage erhoben werden könne, unterliegt keinem Zweifel.

Dig. 47,2,27Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Qui ta­bu­las vel cau­tio­nes amo­vet, fur­ti te­ne­tur non tan­tum pre­tii ip­sa­rum ta­bu­la­rum, ve­rum eius quod in­ter­fuit: quod ad aes­ti­ma­tio­nem re­fer­tur eius sum­mae, quae in his ta­bu­lis con­ti­ne­tur, sci­li­cet si tan­ti in­ter­fuit, ut pu­ta si chi­ro­gra­pha au­reo­rum de­cem ta­bu­lae fue­rint, di­ci­mus hoc du­pli­ca­ri. quod si iam erant in­anes, quia so­lu­tum pro­po­ne­ba­tur, num­quid ip­sa­rum tan­tum ta­bu­la­rum pre­tii vi­dea­tur es­se aes­ti­ma­tio fa­cien­da? quid enim in­ter­fuit hu­ius? sed pot­est di­ci, quia non­num­quam de­bi­to­res ta­bu­las si­bi re­sti­tui pe­tant, quia non­num­quam ca­lum­nian­tur de­bi­to­res qua­si in­de­bi­to so­lu­to, ab his in­ter­es­se cre­di­to­ris ta­bu­las ha­be­re, ne for­te con­tro­ver­siam su­per ea re pa­tia­tur. et ge­ne­ra­li­ter di­cen­dum est in id quod in­ter­est du­pla­ri. 1In­de pot­est quae­ri, si quis, cum alias pro­ba­tio­nes men­sae­que scrip­tu­ram ha­be­ret, chi­ro­gra­phi fur­tum pas­sus sit, an aes­ti­ma­ri du­plo chi­ro­gra­phi quan­ti­tas de­beat. et num­quid non, qua­si ni­hil in­ter­sit? quan­tum enim in­ter­est, cum pos­sit de­bi­tum ali­un­de pro­ba­re? quem­ad­mo­dum si in bi­nis ta­bu­lis in­stru­men­tum scrip­tum sit: nam ni­hil vi­de­tur de­per­de­re, si fu­tu­rum est, ut alio chi­ro­gra­pho sal­vo se­cu­rior sit cre­di­tor. 2Apo­cha quo­que si fue­rit sub­rep­ta, ae­que di­cen­dum est fur­ti ac­tio­nem in id quod in­ter­est lo­cum ha­be­re: sed ni­hil mi­hi vi­de­tur in­ter­es­se, si sint et aliae pro­ba­tio­nes so­lu­tae pe­cu­niae. 3Sed si quis non amo­vit hu­ius­mo­di in­stru­men­ta, sed in­ter­le­vit, non tan­tum fur­ti ac­tio lo­cum ha­bet, ve­rum et­iam le­gis Aqui­liae: nam ru­pis­se vi­de­tur qui cor­ru­pit.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Wer Urkunden oder Quittungen gestohlen hat, der haftet durch die Diebstahlsklage nicht blos auf die Höhe des Werths deren Materials, sondern auch des Interesses, welches auf die Würderung der Summe, die in diesen Urkunden enthalten ist, bezogen wird, wenn nemlich das Interesse sich auf so hoch beläuft; z. B. die Urkunde ist eine Handschrift über zehn Geldstücke gewesen, dann sagen wir, dass sich dieser Betrag verdoppele. Waren sie aber werthlos geworden, weil schon Zahlung darauf geleistet war, scheint alsdann nur die Würderung [des Materials] der Urkunden selbst dessen Werthe nach anzulegen zu sein? denn was fand hierin für ein Interesse statt? Allein man kann behaupten, dass, weil die Schuldner zuweilen die Urkunden zurückverlangen, als sei von ihnen eine Nichtschuld bezahlt, so sei dem Gläubiger insofern am Besitz der Urkunden gelegen, dass er nicht desfalls eine Anfechtung zu erleiden habe. Man kann deshalb die Verdoppelung des Interesses als allgemeine Regel annehmen. 1Daher kann die Frage entstehen, ob, wenn Demjenigen, der noch andere Beweismittel und einen Bankschein besass, eine Handschrift gestohlen worden ist, der Betrag der Handschrift doppelt geschätzt werden dürfe, oder nicht, weil kein Interesse daran vorhanden sei? Denn worin soll dieses bestehen, wenn er seine Forderung auf andere Weise beweisen kann, wie wenn eine Urkunde in doppelter Ausfertigung vorhanden ist? Hier scheint er gar nichts zu verlieren, sobald der Fall von der Art, dass der Gläubiger, weil noch eine andere Handschrift vorhanden ist, gedeckt bleibt. 2Auch wenn eine Quittung gestohlen worden ist, gilt die Regel, dass die Diebstahlsklage auf das Interesse statthabe; allein mir scheint kein Interesse vorhanden zu sein, sobald andere Beweismittel der Zahlung da sind. 3Wenn aber Jemand Urkunden der Art nicht abhanden geschafft, sondern zerstört hat, so hat nicht nur die Diebstahlsklage statt, sondern auch die aus dem Aquilischen Gesetze; denn wer Etwas zerstört hat, von dem wird angenommen, er habe es verdorben.

Dig. 47,2,29Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Hoc am­plius et ad ex­hi­ben­dum agi pot­est: et in­ter­dic­to quo­rum bo­no­rum agi pot­erit,

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Um so mehr kann natürlich auf Auslieferung Klage erhoben, und das Interdict Welchen Nachlasses angestellt werden,

Dig. 47,2,31Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Sed et si ima­gi­nem quis vel li­brum de­le­ve­rit, et hic te­ne­tur dam­no in­iu­riae, qua­si cor­ru­pe­rit. 1Si quis ta­bu­las in­stru­men­to­rum rei pu­bli­cae mu­ni­ci­pii ali­cu­ius aut sub­ri­pue­rit aut in­ter­le­ve­rit, La­beo ait fur­ti eum te­ne­ri: idem­que scri­bit et de ce­te­ris re­bus pu­bli­cis de­que so­cie­ta­ti­bus.

Idem lib. XLI. ad Sabin. Auch wer ein Bild oder ein Buch zerstört hat, haftet wegen widerrechtlichen Schadens, wie wenn er sie verdorben hätte. 1Wer die Urkunden eines municipalstädtischen Gemeinwesens gestohlen oder zerstört hat, der, sagt Labeo, hafte wegen Diebstahls. Dasselbe lehrt er von allen andern öffentlichen Sachen und den Gesellschaften.

Dig. 47,2,33Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Tu­tor ad­mi­nis­tra­tio­nem qui­dem re­rum pu­pil­la­rium ha­bet, in­ter­ci­pien­di au­tem po­tes­tas ei non da­tur: et id­eo si quid fu­ran­di ani­mo amo­ve­rit, fur­tum fa­cit nec usu­ca­pi res pot­est. sed et fur­ti ac­tio­ne te­ne­tur, quam­vis et tu­te­lae agi cum eo pos­sit. quod in tu­to­re scrip­tum est, idem erit et in cu­ra­to­re ad­ules­cen­tis ce­te­ris­que cu­ra­to­ri­bus.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Der Vormund hat zwar die Verwaltung der Mündelsachen, allein Befugniss zum Betrug wird ihm nicht ertheilt. Wenn er daher Etwas in der Absicht zu stehlen abhanden gebracht hat, so begeht er einen Diebstahl, und die Sache kann nicht ersessen werden. Er haftet daher auch durch die Diebstahlsklage, wiewohl die Vormundschaftsklage wider ihn ebenfalls erhoben werden kann. Was vom Vormunde gesagt worden, gilt auch von dem Curator eines Jünglings und allen andern Curatoren.

Dig. 47,2,36Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Qui ser­vo per­sua­sit, ut fu­ge­ret, fur non est: nec enim qui ali­cui ma­lum con­si­lium de­dit, fur­tum fa­cit, non ma­gis quam si ei per­sua­sit, ut se prae­ci­pi­tet aut ma­nus si­bi in­fer­ret: haec enim fur­ti non ad­mit­tunt ac­tio­nem. sed si alius ei fu­gam per­sua­se­rit, ut ab alio sub­ri­pia­tur, fur­ti te­ne­bi­tur is qui per­sua­sit, qua­si ope con­si­lio eius fur­tum fac­tum sit. plus Pom­po­nius scrip­sit eum, qui per­sua­sit, quam­vis in­ter­im fur­ti non te­ne­re­tur, tunc ta­men in­ci­pe­re te­ne­ri, cum quis fu­gi­ti­vi fur es­se coe­pe­rit, qua­si vi­dea­tur ope con­si­lio eius fur­tum fac­tum. 1Item pla­cuit eum, qui fi­lio vel ser­vo uxo­ri opem fert fur­tum fa­cien­ti­bus, fur­ti te­ne­ri, quam­vis ip­si fur­ti ac­tio­ne non con­ve­nian­tur. 2Idem Pom­po­nius ait, si cum re­bus au­fu­ge­rit fu­gi­ti­vus, pos­se fur­ti ac­tio­ne sol­li­ci­ta­to­rem con­ve­ni­ri re­rum no­mi­ne, quia opem con­si­lium con­trec­ta­to­ri tu­lit. quod et Sa­b­inus sig­ni­fi­cat. 3Si duo ser­vi in­vi­cem si­bi per­sua­se­runt et am­bo si­mul au­fu­ge­runt, al­ter al­te­rius fur non est. quid er­go, si in­vi­cem se ce­la­ve­runt? fie­ri enim pot­est, ut in­vi­cem fu­res sint. et pot­est di­ci al­te­rum al­te­rius fu­rem es­se, quem­ad­mo­dum, si alii sin­gu­los sub­ri­puis­sent, te­ne­ren­tur, qua­si al­ter al­te­rius no­mi­ne opem tu­lis­set: quem­ad­mo­dum re­rum quo­que no­mi­ne te­ne­ri eos fur­ti Sa­b­inus scrip­sit.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Wer einem Sclaven zugeredet hat, er solle davonlaufen, ist kein Dieb; denn wer einem Andern einen bösen Rath gab, der begeht keinen Diebstahl, ebensowenig, wie wenn er ihm zugeredet, sich wo herunterzustürzen, oder Hand an sich selbst zu legen; denn dies lässt keine Diebstahlsklage zu. Hat ihm aber der Eine zur Flucht zugeredet, damit er vom Andern gestohlen werde, so wird der Ueberredende durch die Diebstahlsklage haften, wie wenn durch seine Hülfe und Rath der Diebstahl an jenem vollführt worden wäre. Auch schreibt Pomponius noch, dass Derjenige, welcher zugeredet habe, für den Augenblick noch nicht wegen Diebstahls hafte, er dennoch sofort zu haften anfange, wenn der Entlaufene gestohlen worden, als sei der Diebstahl durch seinen Rath und That ausgeführt. 1So hat man ferner auch angenommen, dass, wer seinem Sohne, Sclaven oder Eheweile bei Ausführung eines Diebstahls geholfen, wegen Diebstahlsklage angegriffen werden könne. 2Derselbe Pomponius sagt: wenn ein Entlaufener Sachen mitgenommen habe, so könne der Zuredende Namens der Sachen auch in Anspruch genommen werden, weil er dem Dieb Rath und That geleistet; darauf deutet auch Sabinus. 3Wenn zwei Sclaven einander selbst zugeredet haben, und beide zugleich entlaufen sind, so ist keiner Dieb des Andern. Wie nun, wenn sie sich gegenseitig versteckt haben? denn es kann sein, dass sie gegenseitig Diebe sind [d. h. jeder der des andern]. Hier kann man allerdings sagen, es sei jeder der Dieb des andern, wie wenn einige Sclaven andere dergleichen gestohlen haben, sie ebenfalls haften würden, als habe jeder Namens des Andern Hülfe geleistet; ebenso, sagt Sabinus, haften dieselben auch Namens der [mitgenommenen] Sachen.

Dig. 47,2,39Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Ve­rum est, si me­re­tri­cem alie­nam an­cil­lam ra­puit quis vel ce­la­vit, fur­tum non es­se: nec enim fac­tum quae­ri­tur, sed cau­sa fa­cien­di: cau­sa au­tem fa­cien­di li­bi­do fuit, non fur­tum. et id­eo et­iam eum, qui fo­res me­re­tri­cis ef­fre­git li­bi­di­nis cau­sa, et fu­res non ab eo in­duc­ti, sed alias in­gres­si me­re­tri­cis res eges­se­runt, fur­ti non te­ne­ri. an ta­men vel Fa­bia te­n­ea­tur, qui sub­pres­sit scor­tum li­bi­di­nis cau­sa? et non pu­to te­ne­ri, et ita et­iam ex fac­to, cum in­ci­dis­set, di­xi: hic enim tur­pius fa­cit, quam qui sub­ri­pit, sed se­cum fac­ti igno­mi­niam com­pen­sat, cer­te fur non est.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Es ist wahr, dass, wenn Jemand eine fremde Sclavin, die eine Hure ist, gestohlen hat, dies kein Diebstahl sei; denn hier kommt es nicht auf die That, sondern auf die Ursache der That an, diese Ursache war aber die Wollust, nicht der Diebstahl. Und darum haftet auch Der, wer die Thür einer Hure der Wollast halber erbrochen, wenn Diebe, nicht von ihm hereingelassen, sondern woanders eingedrungen die Habseligkeiten der Hure entwendet haben, nicht durch die Diebstahlsklage. Haftet aber nicht Der durch das Fabische Gesetz, wer eine Hure der Wollust halber gewaltsam festgehalten hat? Ich glaube, nein, und so habe ich mich auch in einem vorgekommenen Fall ausgesprochen; denn seine That ist noch schändlicher, als die des Diebes, allein er hebt die Schlechtigkeit der That mit sich selbst auf88S. Wiel. Lect. l. I. c. I. p. 3.; Dieb ist er aber ganz gewiss nicht.

Dig. 47,2,41Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Si, cum quis in hos­tium po­tes­ta­te es­set, fur­tum ei fac­tum sit et post­li­mi­nio red­ie­rit, pot­erit quis di­ce­re eum fur­ti ha­be­re ac­tio­nem. 1Ad­ro­ga­to­rem pos­se fur­ti age­re, sci­li­cet eius fur­ti no­mi­ne, quod fac­tum est ei quem ad­ro­ga­vit, an­te­quam eum ad­ro­ga­ret, cer­tum est: ce­te­rum si post­ea, nul­la erit du­bi­ta­tio. 2Quam­diu vi­vit is qui fur­tum fe­cit, non per­it fur­ti ac­tio: aut enim sui iu­ris est is qui fur­tum fe­cit, et cum ip­so ac­tio est, aut alie­ni iu­ris es­se coe­pit, et ac­tio fur­ti cum eo est, cu­ius po­tes­ta­ti sub­iec­tus est: et hoc est quod di­ci­tur ‘no­xa ca­put se­qui­tur’. 3Si quis post no­xam ad­mis­sam hos­tium ser­vus fue­rit fac­tus, vi­den­dum est, an ex­tin­gua­tur ac­tio. et Pom­po­nius scrip­sit ex­tin­gui ac­tio­nem, et si fue­rit re­ver­sus, post­li­mi­nio vel quo alio iu­re re­nas­ci eam ac­tio­nem de­be­re: et ita uti­mur.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Wenn Jemand bestohlen worden ist, während er sich in feindlicher Gefangenschaft befand, und durch das Heimkehrrecht zurückgekehrt ist, so kann man behaupten, dass er die Diebstahlsklage habe. 1Dass der Arrogator wegen Diebstahls klagen könne, und zwar wegen desjenigen, der Dem widerfahren, den er arrogirt hat, bevor dies geschehen, ist gewiss; wenn nachher, so unterliegt es gar keinen Zweifel. 2Solange der Dieb lebt, geht die Diebstahlsklage nicht verloren; denn der Dieb ist entweder eigenen Rechtens, und dann steht die Klage wider ihn selbst zu, oder er hat angefangen fremdem Rechte unterworfen zu sein, und dann steht die Diebstahlsklage wider Den zu, dessen Gewalt er unterworfen ist; und das ist es, wenn es heisst, dass die Noxa dem schuldigen Haupte folge. 3Wenn Jemand nach begangenem Diebstahl99Noxa, Glosse. Sclave der Feinde geworden, so frägt es sich, ob die Klage erlösche? Und Pomponius hat gelehrt: die Klage erlösche, und wenn er nachher durch das Heimkehrrecht, oder eine andere Rechtsbestimmung zurückgekehrt ist, so müsse die Klage wieder entstehen. Und das ist bei uns Rechtens.

Dig. 47,2,43Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Fal­sus cre­di­tor (hoc est is, qui se si­mu­lat cre­di­to­rem) si quid ac­ce­pe­rit, fur­tum fa­cit nec num­mi eius fient. 1Fal­sus pro­cu­ra­tor fur­tum qui­dem fa­ce­re vi­de­tur. sed Ne­ra­tius vi­den­dum es­se ait, an haec sen­ten­tia cum di­stinc­tio­ne ve­ra sit, ut, si hac men­te ei de­de­rit num­mos de­bi­tor, ut eos cre­di­to­ri per­fer­ret, pro­cu­ra­tor au­tem eos in­ter­ci­piat, ve­ra sit: nam et ma­nent num­mi de­bi­to­ris, cum pro­cu­ra­tor eos non eius no­mi­ne ac­ce­pit, cu­ius eos de­bi­tor fie­ri vult, et in­vi­to do­mi­no eos con­trec­tan­do si­ne du­bio fur­tum fa­cit. quod si ita det de­bi­tor, ut num­mi pro­cu­ra­to­ris fiant, nul­lo mo­do eum fur­tum fa­ce­re ait vo­lun­ta­te do­mi­ni eos ac­ci­pien­do. 2Si is, qui in­de­bi­tum ac­ci­pie­bat, dele­ga­ve­rit sol­ven­dum, non erit fur­ti ac­tio, si eo ab­sen­te so­lu­tum sit: ce­te­rum si prae­sen­te, alia cau­sa est et fur­tum fe­cit. 3Si quis ni­hil in per­so­na sua men­ti­tus est, sed ver­bis frau­dem ad­hi­buit, fal­lax est ma­gis quam fur­tum fa­cit: ut pu­ta si di­xit se lo­cu­ple­tem, si in mer­cem se col­lo­ca­tu­rum quod ac­ce­pit, si fi­de­ius­so­res ido­neos da­tu­rum vel pe­cu­niam con­fes­tim se so­lu­tu­rum: nam ex his om­ni­bus ma­gis de­ce­pit quam fur­tum fe­cit, et id­eo fur­ti non te­ne­tur. sed quia do­lo fe­cit, ni­si sit alia ad­ver­sus eum ac­tio, de do­lo da­bi­tur. 4Qui alie­num quid ia­cens lu­cri fa­cien­di cau­sa sus­tu­lit, fur­ti ob­strin­gi­tur, si­ve scit cu­ius sit si­ve igno­ra­vit: ni­hil enim ad fur­tum mi­nuen­dum fa­cit, quod cu­ius sit igno­ret. 5Quod si do­mi­nus id de­reli­quit, fur­tum non fit eius, et­iam­si ego fu­ran­di ani­mum ha­bue­ro: nec enim fur­tum fit, ni­si sit cui fiat: in pro­pos­i­to au­tem nul­li fit, quip­pe cum pla­ceat Sa­b­ini et Cas­sii sen­ten­tia ex­is­ti­man­tium sta­tim nos­tram es­se de­si­ne­re rem, quam de­relin­qui­mus. 6Sed si non fuit de­relic­tum, pu­ta­vit ta­men de­relic­tum, fur­ti non te­ne­tur. 7Sed si ne­que fuit ne­que pu­ta­vit, ia­cens ta­men tu­lit, non ut lu­cre­tur, sed red­di­tu­rus ei cu­ius fuit, non te­ne­tur fur­ti. 8Pro­in­de vi­dea­mus, si ne­scit cu­ius es­set, sic ta­men tu­lit qua­si red­di­tu­rus ei qui de­si­de­ras­set vel qui os­ten­dis­set rem suam, an fur­ti ob­li­ge­tur. et non pu­to ob­li­ga­ri eum. so­lent ple­ri­que et­iam hoc fa­ce­re, ut li­bel­lum pro­po­nant con­ti­nen­tem in­ve­nis­se se et red­di­tu­rum ei qui de­si­de­ra­ve­rit: hi er­go os­ten­dunt non fu­ran­di ani­mo se fe­cis­se. 9Quid er­go, si εὕρετρα quae di­cunt pe­tat? nec hic vi­de­tur fur­tum fa­ce­re, et­si non pro­be pe­tat ali­quid. 10Si quis spon­te rem ie­cit vel iac­ta­vit, non qua­si pro de­relic­to ha­bi­tu­rus, tu­que hanc rem tu­le­ris, an fur­ti te­nea­ris, Cel­sus li­bro duo­de­ci­mo di­ges­to­rum quae­rit. et ait: si qui­dem pu­tas­ti pro de­relic­to ha­bi­tam, non te­ne­ris. quod si non pu­tas­ti, hic du­bi­ta­ri pos­se ait: et ta­men ma­gis de­fen­dit non te­ne­ri, quia, in­quit, res non in­ter­ver­ti­tur ei, qui eam spon­te re­ie­cit. 11Si iac­tum ex na­ve fac­tum alius tu­le­rit, an fur­ti te­n­ea­tur? quaes­tio in eo est, an pro de­relic­to ha­bi­tum sit. et si qui­dem de­relin­quen­tis ani­mo iac­ta­vit, quod ple­rum­que cre­den­dum est, cum sciat peritu­rum, qui in­ve­nit suum fe­cit nec fur­ti te­ne­tur. si ve­ro non hoc ani­mo, sed hoc, ut, si sal­vum fue­rit, ha­be­ret: ei qui in­ve­nit au­fe­ren­dum est, et si scit hoc qui in­ve­nit et ani­mo fu­ran­di te­net, fur­ti te­ne­tur. enim­ve­ro si hoc ani­mo, ut sal­vum fa­ce­ret do­mi­no, fur­ti non te­ne­tur. quod si pu­tans sim­pli­ci­ter iac­ta­tum, fur­ti si­mi­li­ter non te­ne­tur. 12Et­iam­si par­tis di­mi­diae nan­cis­car do­mi­nium in ser­vo, qui mi­hi ant­ea fur­tum fe­ce­rat, ma­gis est, ut ex­tin­gua­tur ac­tio et­iam par­te red­emp­ta, quia et si ab in­itio quis par­tem in ser­vo ha­be­bat, fur­ti age­re non pot­erat. pla­ne si usus fruc­tus meus in eo ser­vo es­se coe­pe­rit, di­cen­dum est fur­ti ac­tio­nem non ex­tin­gui, quia fruc­tua­rius do­mi­nus non est.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Ein falscher Gläubiger, d. h. ein solcher, der sich für einen Gläubiger ausgiebt, begeht, wenn er Etwas annimmt, einen Diebstahl, und es werden die einzelnen Geldstücke nicht sein. 1Ad Dig. 47,2,43,1Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. I, § 155, Note 7; Bd. II, § 427, Note 4.Ein falscher Geschäftsbesorger scheint zwar auch einen Diebstahl zu begehen, allein Neratius sagt, es dürfte diese Meinung nur mit einem Unterschiede für richtig gelten können, nemlich, wenn ihm der Schuldner Geld in der Absicht gegeben habe, um es dem Gläubiger zu überantworten, der Geschäftsbesorger aber dasselbe unterschlage; denn die Geldstücke bleiben hier sowohl dem Schuldner gehörig, da sie der Geschäftsbesorger nicht in Dessen Namen angenommen hat, dem der Schuldner wollte, dass sie zu eigen werden sollten, als es begeht jener auch dadurch, dass er sie wider den Willen des Eigenthümers entwendet, einen Diebstahl. Giebt hingegen der Schuldner in der Meinung, dass die Geldstücke Eigenthum des Geschäftsführers werden sollen, so sagt er, begehe er auf keine Weise einen Diebstahl, indem er sie mit Einwilligung des Eigenthümers in Empfang nehme. 2Wenn Derjenige, wer eine Nichtschuld empfing, deren Zahlung anderweit angewiesen hat, so wird, wenn letztere in seiner Abwesenheit stattgefunden, keine Diebstahlsklage statthaben, wenn aber in seiner Gegenwart, so ist es eine andere Sache, und er hat einen Diebstahl begangen. 3Wenn Jemand in Betreff seiner Person1010D. h. sich für keinen Anderen ausgegeben, als er ist. keine Unwahrheit gesagt, allein in seinen Worten eine Betrügerei liegt, so ist er vielmehr ein Betrüger als ein Dieb; z B. er hat sich für reich ausgegeben, oder gesagt, er wolle Etwas in Waaren anlegen, was er [an Gelde] erhält, er wolle tüchtige Bürgen stellen, oder das Geld baldigst zahlen: denn in allen diesen Fällen ist vielmehr ein Betrug als ein Diebstahl geschehen, und darum haftet er nicht durch die Diebstahlsklage, sondern es wird, falls keine andere Klage vorhanden ist, weil er arglistig gehandelt, die Klage wegen Arglist wider ihn ertheilt. 4Wer einen fremden daliegenden Gegenstand in gewinnsüchtiger Absicht aufgenommen hat, der haftet wegen Diebstahls, er mag wissen, wem er gehört, oder nicht; denn es thut nichts, um den Begriff von Diebstahl aufzuheben, dass er nicht weiss, wem er gehöre. 5Wenn der Eigenthümer ihn aber aufgegeben hat, so geschieht daran kein Diebstahl, wenn ich auch die Absicht zu stehlen gehabt habe; denn es kann kein Diebstahl geschehen, wenn Niemand bestohlen wird; dies findet aber im vorliegenden Fall darum statt, weil man des Sabinus und Cassius Meinung angenommen hat, welche glauben, dass eine Sache sofort aufhöre, unser zu sein, welche wir aufgegeben haben. 6Auch wenn Etwas nicht aufgegeben worden ist, [der Finder] aber es dafür gehalten, so haftet er auch nicht wegen Diebstahls. 7Wenn es aber weder der Fall gewesen, noch er es geglaubt, dennoch aber das Daliegende aufgehoben hat, nicht um es sich zuzueignen, sondern um es dem Eigenthümer zurückzugeben, so haftet er nicht wegen Diebstahls. 8Es ist daher die Frage, ob, wenn er nicht weiss, wem es gehört, es aber in der Absicht aufgenommen hat, Dem, der es verlangen würde, oder sein Eigenthum daran nachweisen könnte, zurückzugeben, er wegen Diebstahls verbindlich werde? Ich glaube, keineswegs. Man pflegt auch meist das zu thun, dass man einen öffentlichen Anschlag macht, des Inhalts, man habe Etwas gefunden, und wolle es Dem wiedergeben, der es verlangen würde; dadurch zeigt man also ausdrücklich, dass man es nicht in der Absicht, zu stehlen, gethan habe. 9Wie nun, wenn er die sogenannten εὕρετρα (Finderlohn) verlangt? Auch hier scheint er keinen Diebstahl zu begehen, wenn auch sein Verlangen ein unhonettes ist. 10Wenn Jemand eine Sache freiwillig liegen lassen oder weggeworfen hat, nicht in der Absicht, sie aufzugeben, und du dieselbe aufgehoben hast, haftest du da wegen Diebstahls? Celsus untersucht diese Frage im zwölften Buche seiner Digesten, und beantwortet sie dahin: wenn du sie für eine aufgegebene gehalten hast, so haftest du nicht; hast du sie nicht für eine solche gehalten, so kann man in Zweifel gerathen, sagt er; doch aber neigt er sich mehr dazu hin, dass er nicht hafte, weil die Sache, welche Jemand freiwillig weggeworfen hat, ihm nicht entwendet wird. 11Wenn ein Anderer Etwas, das aus einem Schiffe in das Meer geworfen worden, aufgegriffen hat, wird der wegen Diebstahls gehalten? Die Frage beruht darauf, ob es für aufgegeben betrachtet worden sei? Hat es Jener in der Absicht, es aufzugeben, herausgeworfen, was meistentheils anzunehmen ist, da er weiss, dass es verloren gehen wird, so macht es der Finder ihm zugehörig, ohne wegen Diebstahls zu haften. Wenn aber nicht in der Absicht, sondern um es zu behalten, wenn es gerettet worden wäre, so kann es dem Finder wiedergenommen werden, und wenn der Finder dies weiss, und es, in der Absicht, zu stehlen, behält, so haftet er wegen Diebstahls. Wenn aber in der Absicht, um es dem Eigenthümer zu retten, so haftet er nicht wegen Diebstahls; und wenn in dem Glauben, dass es ohne weitere Beziehung weggeworfen worden sei, so haftet er ebensowenig wegen Diebstahls. 12Auch wenn ich das Eigenthum an einem Sclaven zur Hälfte erlange, der mich vorher bestohlen hatte, so spricht mehr dafür, dass, wenn auch blos ein Theil an ihm angekauft worden, die Klage dennoch erlösche, weil auch Derjenige nicht die Diebstahlsklage würde erheben können, der von Anfang an einen Theil an dem Sclaven hatte. Wenn freilich der Niessbrauch an dem Sclaven mein geworden ist, so erlischt die Diebstahlsklage nicht, weil der Niessbraucher nicht Eigenthümer ist.

Dig. 47,2,45Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo pri­mo ad Sa­binum. Si so­cius com­mu­nis rei fur­tum fe­ce­rit (pot­est enim com­mu­nis rei fur­tum fa­ce­re), in­du­bi­ta­te di­cen­dum est fur­ti ac­tio­nem com­pe­te­re.

Ulp. lib. XLI. ad Sabin. Wenn ein Gesellschafter an einer gemeinschaftlichen Sache einen Diebstahl verübt hat [denn dieser Fall ist rechtlich möglich], so unterliegt es gar keinem Zweifel, dass die Diebstahlsklage stattfindet.