Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Scaev.reg.
Regularum lib.Scaevolae Regularum libri

Regularum libri

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Ex libro I

Dig. 4,6,45Scae­vo­la li­bro pri­mo re­gu­la­rum. Mi­li­tes om­nes, qui dis­ce­de­re sig­nis si­ne pe­ri­cu­lo non pos­sunt, rei pu­bli­cae cau­sa ab­es­se in­tel­le­gun­tur.

Scaevola lib. I. Regular. Alle Soldaten, die ohne Gefahr [zur Strafe ihr Leben zu verlieren] sich nicht von ihren Feldzeichen entfernen können, werden als des Staats wegen Abwesende angesehen.

Dig. 8,6,20Scae­vo­la li­bro pri­mo re­gu­la­rum. Usu re­ti­ne­tur ser­vi­tus, cum ip­se cui de­be­tur uti­tur qui­ve in pos­ses­sio­nem eius est aut mer­cen­na­rius aut hos­pes aut me­di­cus qui­ve ad vi­si­tan­dum do­mi­num venit vel co­lo­nus aut fruc­tua­rius:

Scaevola lib. I. Regul. Durch Gebrauch wird eine Dienstbarkeit erhalten, wenn derjenige selbst, welcher dazu berechtigt ist, und wer in seinem Namen11Wenn unser Text das possessione (statt — nem) der Vulg. vorzieht, so sehe ich nicht ein, warum er nomine hinter ejus mit derselben dann weglässt. sich im Besitz befindet, oder ein Tagelöhner, ein Gast oder Arzt, oder wer sonst zu dem Eigenthümer zum Besuch kommt, oder ein Pächter, oder Nutzniesser,

Dig. 8,6,22Scae­vo­la li­bro pri­mo re­gu­la­rum. De­ni­que qui­cum­que qua­si de­bi­ta via usus fue­rit,

Scaevola lib. I. Regul. und wer endlich überhaupt den Weg als eine Berechtigung gebrauch hat,

Dig. 8,6,24Scae­vo­la li­bro pri­mo re­gu­la­rum. li­cet ma­lae fi­dei pos­ses­sor sit, re­ti­ne­bi­tur ser­vi­tus.

Scaevola lib. I. Regular. und selbst wenn es ein Besitzer im bösen Glauben ist, die Dienstbarkeit wird erhalten werden.

Dig. 23,2,54Scae­vo­la li­bro pri­mo re­gu­la­rum. Et ni­hil in­ter­est, ex ius­tis nup­tiis co­gna­tio de­scen­dat an ve­ro non: nam et vol­go quae­si­tam so­ro­rem quis ve­ta­tur uxo­rem du­ce­re.

Scaevola lib. I. Regul. Und es macht keinen Unterschied, ob die Verwandtschaft aus einer rechtmässigen Ehe herrühre, oder nicht; denn es darf auch Niemand seine uneheliche Schwester zur Frau nehmen.

Dig. 27,1,22Scae­vo­la li­bro pri­mo re­gu­la­rum. Geo­me­trae a tu­te­lis non va­cant. 1Hi ve­ro, qui­bus prin­ceps cu­ram ali­cu­ius rei iun­xit, ex­cu­san­tur a tu­te­la, do­nec cu­ram ge­runt.

Scaevola lib. I. Regul. Die Geometer sind nicht von Vormundschaften frei. 1Die aber, welchen der Kaiser die Besorgung irgend einer Angelegenheit auferlegt hat, werden gegen eine Vormundschaft entschuldigt, so lange sie die Besorgung haben.

Dig. 50,4,5Scae­vo­la li­bro pri­mo re­gu­la­rum. Na­vi­cu­la­rii et mer­ca­to­res olea­rii, qui mag­nam par­tem pa­tri­mo­nii ei rei con­tu­le­runt, in­tra quin­quen­nium mu­ne­ris pu­bli­ci va­ca­tio­nem ha­bent.

Scaevola lib. I. Regul. Die Kauffahrer (navicularii) und Oelhändler22Die der Stadt das nöthige Oel zuführen. S. fr. 5. §. 3. de jure immun. 50. 6. Den Handel mit diesen Kaufleuten besorgten die unter fr. 18. §. 5. h. t. erwähnten Beamten. welche einen grossen Theil ihres Vermögens auf dieses Geschäft gewendet haben, sind fünf Jahr lang von öffentlichen Leistungen frei.

Dig. 50,7,6Scae­vo­la li­bro pri­mo re­gu­la­rum. Le­ga­to tem­pus prod­est, ex quo le­ga­tus crea­tus est, non ex quo Ro­mam venit. 1Sed si non con­stat, le­ga­tus sit an non, Ro­mae prae­tor de hoc co­gnos­cit.

Scaevola lib. I. Regul. Dem Abgeordneten wird die Zeit angerechnet, seit welcher er zum Abgeordneten erwählt worden ist, nicht [blos] die, seit welcher er in Rom angelangt ist. 1Ist es aber nicht gewiss, ob er Abgeordneter sei oder nicht, so untersucht dies der Prätor in Rom.

Ex libro II

Dig. 38,4,7Scae­vo­la li­bro se­cun­do re­gu­la­rum. Ad­sig­na­re et pu­re et sub con­di­cio­ne, et per epis­tu­lam vel tes­ta­tio­nem vel chi­ro­gra­phum pos­su­mus, quia ad­sig­na­tio li­ber­ti ne­que qua­si le­ga­tum ne­que qua­si fi­dei­com­mis­sum per­ci­pi­tur: de­ni­que nec fi­dei­com­mis­so one­ra­ri pot­est.

Übersetzung nicht erfasst.

Ex libro III

Dig. 50,5,3Scae­vo­la li­bro ter­tio re­gu­la­rum. His, qui na­ves ma­ri­nas fa­b­ri­ca­ve­runt et ad an­no­nam po­pu­li Ro­ma­ni prae­fue­rint non mi­no­res quin­qua­gin­ta mi­lium mo­dio­rum aut plu­res sin­gu­las non mi­no­res de­cem mi­lium mo­dio­rum, do­nec hae na­ves na­vi­gant aut aliae in ea­rum lo­cum, mu­ne­ris pu­bli­ci va­ca­tio prae­sta­tur ob na­vem. se­na­to­res au­tem hanc va­ca­tio­nem ha­be­re non pos­sunt, quod nec ha­be­re il­lis na­vem ex le­ge Iu­lia re­pe­tun­da­rum li­cet.

Scaevola lib. II. Regul. Wer ein Seeschiff gebaut und zur Getreidezufuhr für das Volk von Rom hergegeben hat, das nicht unter funfzigtausend Scheffel (modii) hält, oder mehrere, deren jedes nicht unter zehntausend Scheffel fasst, dem ist, so lange solche Schiffe, oder andre an ihrer Stelle, auf der Fahrt sind, wegen derselben Befreiung von öffentlichen Diensten zugestanden. Senatoren aber können diese Freiheit nicht geniessen, weil ihnen nach dem Julischen Gesetz über Erpressungen (repetundarum) nicht einmal erlaubt ist, ein Schiff zu halten.33Vgl. Cujac. Obs. Lib. VI. cap. 38.

Ex libro IV

Dig. 22,5,8Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. In­vi­ti tes­ti­mo­nium di­ce­re non co­gun­tur se­nes va­le­tu­di­na­rii vel mi­li­tes vel qui cum ma­gis­tra­tu rei pu­bli­cae cau­sa ab­sunt vel qui­bus venire non li­cet.

Scaevola lib. IV. Regul. Greise, Kranke, oder Soldaten, oder solche, welche mit einem Magistrat um des Staats willen abwesend sind oder solche, welche nicht ins Gericht kommen können, werden nicht gezwungen, wider Willen ein Zeugniss abzulegen.

Dig. 38,10,7Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. Pri­vi­gnus et­iam is est, qui vol­go con­cep­tus ex ea na­tus est quae post­ea mi­hi nup­sit, ae­que et is qui, cum in con­cu­bi­na­tu erat ma­ter eius, na­tus ex ea est ea­que post­ea alii nup­ta sit.

Scaevola lib. IV. Regul. Stiefsohn ist auch der aus gemeinem Umgang empfangene und geborene der Frau, die ich nachher geheirathet habe; ingleichen derjenige, welcher, während seine Mutter im Concubinat lebte, von derselben gebaren worden ist, wenn diese nachher einen Andern geheirathet that.

Dig. 47,10,38Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. Se­na­tus con­sul­to ca­ve­tur, ne quis ima­gi­nem im­pe­ra­to­ris in in­vi­diam al­te­rius por­ta­ret: et qui con­tra fe­ce­rit, in vin­cu­la pu­bli­ca mit­te­tur.

Scaevola lib. IV. Regul. Durch einen Senatsbeschluss wird vorgeschrieben, es solle Niemand des Kaisers Bildniss einem Andern zur Beschimpfung tragen44S. l. 5. des folg. Tit., und wer dem zuwider gehandelt habe, solle in das öffentliche Gefängniss gesetzt werden.

Dig. 48,4,4Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. cu­ius­que do­lo ma­lo iu­re­iu­ran­do quis ad­ac­tus est, quo ad­ver­sus rem pu­bli­cam fa­ciat: cu­ius­ve do­lo ma­lo ex­er­ci­tus po­pu­li Ro­ma­ni in in­si­dias de­duc­tus hos­ti­bus­ve pro­di­tus erit: fac­tum­ve do­lo ma­lo cu­ius di­ci­tur, quo mi­nus hos­tes in po­tes­ta­tem po­pu­li Ro­ma­ni ve­niant: cu­ius­ve ope­ra do­lo ma­lo hos­tes po­pu­li Ro­ma­ni com­mea­tu ar­mis te­lis equis pe­cu­nia alia­ve qua re ad­iu­ti erunt: ut­ve ex ami­cis hos­tes po­pu­li Ro­ma­ni fiant: cu­ius­ve do­lo ma­lo fac­tum erit, quo rex ex­te­rae na­tio­nis po­pu­lo Ro­ma­no mi­nus ob­tem­pe­ret: cu­ius­ve ope­ra do­lo ma­lo fac­tum erit, quo ma­gis ob­si­des pe­cu­nia iu­men­ta hos­ti­bus po­pu­li Ro­ma­ni den­tur ad­ver­sus rem pu­bli­cam. item qui con­fes­sum in iu­di­cio reum et prop­ter hoc in vin­cu­la con­iec­tum emi­se­rit. 1Hoc cri­mi­ne li­be­ra­tus est a se­na­tu, qui sta­tuas im­pe­ra­to­ris re­pro­ba­tas con­fla­ve­rit.

Scaevola lib. IV. Regul. oder durch wessen Arglist Jemand zu dem Eide genöthigt worden ist, gegen die Staatsverfassung etwas zu unternehmen, oder durch wessen Arglist eine Armee des Römischen Volkes in einen Hinterhalt geführt und den Feinden verrathen worden ist, durch wessen Arglist es als geschehen angegeben wird, dass Feinde nicht in die Gewalt des Römischen Volkes geriethen, durch wessen Bemühung und Arglist die Feinde des Römischen Volkes an Zufuhr, Schwertern, Waffen, Pferden und Geld oder irgend einen andern Gegenstand Unterstützung erhalten, dass, aus befreundeten [Nationen] des Römischen Volkes Feinde werden, und durch dessen Arglist es geschehen, dass der König eines fremden Volkes den Römern ungehorsam werde, oder auch, dass Geissel, Geld und Zugvieh den Feinden des Römischen Volkes [zum Gebrauch] gegen den Staat gegeben wurden, und endlich wer einen Angeschuldigten in einem Verfahren, welcher gestanden, und deshalb in Banden geworfen worden, hat entspringen lassen. 1Wer ohne Erlaubniss gemachte Statuen des Kaisers [aus Erz] eingeschmolzen hat, ist durch den Senat von diesem Verbrechen freigesprochen.

Dig. 48,5,15Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. Is, cu­ius ope con­si­lio do­lo ma­lo fac­tum est, ut vir fe­mi­na­ve in ad­ul­te­rio de­pre­hen­si pe­cu­nia alia­ve qua pac­tio­ne se red­ime­rent, ea­dem poe­na dam­na­tur, quae con­sti­tu­ta est in eos, qui le­no­ci­nii cri­mi­ne dam­nan­tur. 1Si vir in­fa­man­dae uxo­ris suae cau­sa ad­ul­te­rum sub­ie­ce­rit, ut ip­se de­pre­hen­de­ret, et vir et mu­lier ad­ul­te­rii cri­mi­ne te­nen­tur ex se­na­tus con­sul­to de ea re fac­to. 2Ma­ri­to pri­mum, vel pa­tri eam fi­liam quam in po­tes­ta­te ha­bet, in­tra dies se­xa­gin­ta di­vor­tii ac­cu­sa­re per­mit­ti­tur nec ul­li alii in­tra id tem­pus agen­di po­tes­tas da­tur: ul­tra eos dies ne­utrius vo­lun­tas ex­spec­ta­tur. 3Iu­re ma­ri­ti qui ac­cu­sant, ca­lum­niae pe­ri­cu­lum non evi­tant.

Scaevola lib. IV. Regul. Derjenige, durch dessen Hülfe, Rath und Arglist es geschehen ist, dass ein Mann und eine Frau im Ehebruch ergriffen worden, und durch Geld oder ein anderes Abkommen sich losgekauft haben, wird zu derselben Strafe verurtheilt, welche wider Diejenigen vorgeschrieben worden ist, die wegen Kupplerei verurtheilt werden. 1Wenn ein Mann, seine Frau zu infamiren, einen Ehebrecher selbst gestellt hat, um sie zu ergreifen, so haften in Folge des über einen solchen Fall abgefassten Senatsbeschlusses Beide, Mann und Frau, wegen des Verbrechens des Ehebruchs. 2Zuerst wird dem Ehemann, oder dem Vater in Ansehung der Tochter, die er in seiner Gewalt hat, die Anklage wegen Ehebruchs innerhalb sechzig Tagen gestattet, und keinem Andern innerhalb dieser Frist die Befugniss zur Anklage ertheilt; über jene Frist hinaus wird nicht weiter auf den Entschluss des Einen oder des Andern gewartet. 3Wer vermöge seines Rechtes als Ehemann anklagt, entgeht der Gefahr der wissentlich falschen Anklage nicht.

Dig. 48,6,2Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. Ex­ci­piun­tur au­tem ar­ma, quae quis pro­mer­cii cau­sa ha­bue­rit he­redi­ta­te­ve ei ob­ve­ne­rint.

Scaevola lib. IV. Regul. Es werden die Waffen ausgenommen, welche Jemand zum Handel gehabt, oder an ihn durch Erbgang gekommen sind.

Dig. 48,7,2Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. Hac le­ge te­ne­tur, qui con­vo­ca­tis ho­mi­ni­bus vim fe­ce­rit, quo quis ver­be­re­tur pul­sa­re­tur, ne­que ho­mo oc­ci­sus erit:

Scaevola lib. IV. Regul. Durch dieses Gesetz haftet Derjenige, wer Menschen versammelt und eine Gewaltthätigkeit begangen hat, damit Jemand geschlagen oder geprügelt werde, wenn kein Mensch getödtet worden ist.

Dig. 48,9,2Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. Fra­ter au­tem eius, qui co­gno­ve­rat tan­tum nec pa­tri in­di­ca­ve­rat, rele­ga­tus est et me­di­cus sup­pli­cio af­fec­tus.

Scaevola lib. IV. Regul. Der Bruder desselben, welcher es blos wusste, ohne es dem Vater anzuzeigen, ist verwiesen, der Arzt aber [der hilfreich gewesen], mit dem Tode bestraft worden.

Dig. 48,11,2Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. Da­tur ex hac le­ge et in he­redes ac­tio in­tra an­num dum­ta­xat a mor­te eius qui ar­gue­ba­tur.

Scaevola lib. IV. Regul. Es wird die Klage aus diesem Gesetze auch wider die Erben innerhalb Jahresfrist ertheilt, nemlich vom Tode des Angeschuldigten an.

Dig. 49,5,2Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. An­te sen­ten­tiam ap­pel­la­ri pot­est, si quaes­tio­nem in ci­vi­li neg­otio ha­ben­dam iu­dex in­ter­lo­cu­tus sit, vel in cri­mi­na­li, si con­tra le­ges hoc fa­ciat.

Scaevola lib. IV. Regul. Vor dem Urtheilsspruche kann appellirt werden, wenn der Richter in einer bürgerlichen Rechtssache einen Zwischenbescheid auf Anwendung der peinlichen Frage erlassen hat; oder in einer peinlichen Rechtssache, wenn er dieses den Gesetzen entgegen thut.