Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Paul.Sab. IX
Ad Sabinum lib.Pauli Ad Sabinum libri

Ad Sabinum libri

Ex libro IX

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Dig. 1,1De iustitia et iure (Von der Gerechtigkeit und dem Recht.)Dig. 1,2De origine iuris et omnium magistratuum et successione prudentium (Von dem Ursprung des Rechts und aller Staatsbeamten, so wie der Folge der Rechtsgelehrten.)Dig. 1,3De legibus senatusque consultis et longa consuetudine (Von den Gesetzen, den Senatsbeschlüssen und dem Gewohnheitsrechte.)Dig. 1,4De constitutionibus principum (Von den Constitutionen der Kaiser.)Dig. 1,5De statu hominum (Vom Zustand der Menschen.)Dig. 1,6De his qui sui vel alieni iuris sunt (Von denen, die eigenen Rechtens, und denen, die fremdem Rechte unterworfen sind.)Dig. 1,7De adoptionibus et emancipationibus et aliis modis quibus potestas solvitur (Von der Annahme an Kindes Statt, der Entlassung aus der [väterlichen] Gewalt, und andern Arten deren Aufhebung.)Dig. 1,8De divisione rerum et qualitate (Von der Eintheilung der Sachen und deren Beschaffenheit.)Dig. 1,9De senatoribus (Von den Senatoren.)Dig. 1,10De officio consulis (Von der Amtspflicht des Consuls.)Dig. 1,11De officio praefecti praetorio (Von der Amtspflicht des Präfectus Prätorio.)Dig. 1,12De officio praefecti urbi (Von der Amtspflicht des Stadtvorstehers.)Dig. 1,13De officio quaestoris (Von der Amtspflicht des Quästors.)Dig. 1,14De officio praetorum (Von der Amtspflicht der Prätoren.)Dig. 1,15De officio praefecti vigilum (Von der Amtspflicht des Wachtvorstehers.)Dig. 1,16De officio proconsulis et legati (Von der Amtspflicht des Proconsul und des Legaten.)Dig. 1,17De officio praefecti Augustalis (Von der Amtspflicht des Kaiserlichen Präfecten.)Dig. 1,18De officio praesidis (Von der Amtspflicht des Präsidenten.)Dig. 1,19De officio procuratoris Caesaris vel rationalis (Von der Amtspflicht des Procurators des Kaisers oder Rentbeamten.)Dig. 1,20De officio iuridici (Von der Amtspflicht des Gerichtsverwalters.)Dig. 1,21De officio eius, cui mandata est iurisdictio (Von der Amtspflicht dessen, der mit der Gerichtsbarkeit beauftragt worden ist.)Dig. 1,22De officio adsessorum (Von der Amtspflicht der [Gerichts-] Beisitzer.)
Dig. 2,1De iurisdictione (Von der Gerichtsbarkeit.)Dig. 2,2Quod quisque iuris in alterum statuerit, ut ipse eodem iure utatur (Welche Rechtsgrundsätze Jemand gegen einen Andern aufgebracht hat, die sollen gegen ihn selbst in Anwendung gebracht werden dürfen.)Dig. 2,3Si quis ius dicenti non obtemperaverit (Wenn jemand dem, welcher Recht spricht, nicht gehorcht haben sollte.)Dig. 2,4De in ius vocando (Von der Berufung ins Gericht.)Dig. 2,5Si quis in ius vocatus non ierit sive quis eum vocaverit, quem ex edicto non debuerit (Wenn Jemand vor Gericht berufen worden und nicht gegangen ist, oder die dahin berufen worden sind, welche man dem Edicte nach nicht hätte berufen sollen.)Dig. 2,6In ius vocati ut eant aut satis vel cautum dent (Dass vor Gericht Berufene dahin gehen, oder Bürgen oder anders Sicherheit stellen.)Dig. 2,7Ne quis eum qui in ius vocabitur vi eximat (Dass Niemand den, welcher vor Gericht berufen wird, mit Gewalt entreisse.)Dig. 2,8Qui satisdare cogantur vel iurato promittant vel suae promissioni committantur (Von denen, welche gezwungen werden, Sicherheit zu stellen, oder ein eidliches Versprechen leisten, oder auf ihr einfaches Versprechen entlassen werden.)Dig. 2,9Si ex noxali causa agatur, quemadmodum caveatur (Wie Sicherheit gestellt wird, wenn eine Noxalklage erhoben [oder: wegen Schädenansprüchen geklagt] wird.)Dig. 2,10De eo per quem factum erit quominus quis in iudicio sistat (Von dem, welcher daran Schuld ist, dass sich Jemand nicht vor Gericht stellt.)Dig. 2,11Si quis cautionibus in iudicio sistendi causa factis non obtemperaverit (Wenn Jemand dem geleisteten Versprechen, sich vor Gerichte zu stellen, nicht nachgekommen ist.)Dig. 2,12De feriis et dilationibus et diversis temporibus (Von den Gerichtsferien und Aufschubsgestattungen und der Berechnung verschiedener Zeiten.)Dig. 2,13De edendo (Vom Vorzeigen.)Dig. 2,14De pactis (Von Verträgen.)Dig. 2,15De transactionibus (Von Vergleichen.)
Dig. 40,1De manumissionibus (Von den Freilassungen.)Dig. 40,2De manumissis vindicta (Von den durch den Stab freigelassenen [Sclaven].)Dig. 40,3De manumissionibus quae servis ad universitatem pertinentibus imponuntur (Von den Freilassungen, welche Sclaven ertheilt werden, welche einer Gemeinheit angehören.)Dig. 40,4De manumissis testamento (Von den durch ein Testament freigelassenen [Sclaven.])Dig. 40,5De fideicommissariis libertatibus (Von den fideicommissarischen Freiheiten.)Dig. 40,6De ademptione libertatis (Von der Zurücknahme der Freiheit.)Dig. 40,7De statuliberis (Von den Bedingtfreien.)Dig. 40,8Qui sine manumissione ad libertatem perveniunt (Welche [Sclaven] ohne Freilassung zur Freiheit gelangen.)Dig. 40,9Qui et a quibus manumissi liberi non fiunt et ad legem Aeliam Sentiam (Welche Sclaven durch die Freilassung wegen ihrer selbst, und wegen ihres Freilassers nicht frei werden, und zum Aelisch-Sentischen Gesetz.)Dig. 40,10De iure aureorum anulorum (Von dem Recht der goldenen Ringe.)Dig. 40,11De natalibus restituendis (Von der Zurückversetzung in den Geburtsstand.)Dig. 40,12De liberali causa (Von dem Rechtsstreit über die Freiheit.)Dig. 40,13Quibus ad libertatem proclamare non licet (Welche nicht auf die Freiheit Anspruch machen dürfen.)Dig. 40,14Si ingenuus esse dicetur (Wenn behauptet werden wird, dass [ein Freigelassener] ein Freigeborner sei.)Dig. 40,15Ne de statu defunctorum post quinquennium quaeratur (Dass der Rechtszustand Verstorbener nach fünf Jahren nicht untersucht werden soll.)Dig. 40,16De collusione detegenda (Von der Entdeckung eines heimlichen Einverständnisses.)
Dig. 43,1De interdictis sive extraordinariis actionibus, quae pro his competunt (Von den Interdicten und ausserordentlichen Klagen, die an deren Statt zuständig sind.)Dig. 43,2Quorum bonorum (Welchen Nachlass.)Dig. 43,3Quod legatorum (Was von Vermächtnissen.)Dig. 43,4Ne vis fiat ei, qui in possessionem missus erit (Dass Dem keine Gewalt geschehe, der in den Besitz gesetzt sein wird.)Dig. 43,5De tabulis exhibendis (Von der Auslieferung der Testamente.)Dig. 43,6Ne quid in loco sacro fiat (Dass an einem heiligen Orte Etwas nicht geschehe.)Dig. 43,7De locis et itineribus publicis (Von öffentlichen Plätzen und Wegen.)Dig. 43,8Ne quid in loco publico vel itinere fiat (Dass an einem öffentlichen Platze oder Wege Etwas nicht geschehe.)Dig. 43,9De loco publico fruendo (Von dem Genuss eines öffentlichen Platzes.)Dig. 43,10De via publica et si quid in ea factum esse dicatur (Von öffentlichen Strassen und wenn etwas in demselben errichtet werden sein soll.)Dig. 43,11De via publica et itinere publico reficiendo (Von der Ausbesserung öffentlicher Strassen und Wege.)Dig. 43,12De fluminibus. ne quid in flumine publico ripave eius fiat, quo peius navigetur (Von den Flüssen, dass Etwas in einem öffentlichen Flusse oder an dessen Ufer nicht geschehe, wodurch die Schifffahrt beeinträchtigt wird.)Dig. 43,13Ne quid in flumine publico fiat, quo aliter aqua fluat, atque uti priore aestate fluxit (Dass in einem öffentlichen Fluss Etwas nicht geschehe, wodurch der Wasserfluss gegen den im vorhergehenden Sommer geändert wird.)Dig. 43,14Ut in flumine publico navigare liceat (Dass die Schifffahrt an einem öffentlichen Flusse gestattet sei.)Dig. 43,15De ripa munienda (Von der Befestigung des Ufers.)Dig. 43,16De vi et de vi armata (Von der Gewalt und der Gewalt mit Waffen.)Dig. 43,17Uti possidetis (Wie ihr besitzet.)Dig. 43,18De superficiebus (Von Erbpachtungen.)Dig. 43,19De itinere actuque privato (Von Privatwegen.)Dig. 43,20De aqua cottidiana et aestiva (Vom täglichen Wasser und dem Sommerwasser.)Dig. 43,21De rivis (Von den Kanälen.)Dig. 43,22De fonte (Von den Quellen.)Dig. 43,23De cloacis (Von den Kloaken.)Dig. 43,24Quod vi aut clam (Was gewaltsam oder heimlich.)Dig. 43,25De remissionibus (Von den Remissionen.)Dig. 43,26De precario (Vom bittweisen [Besitzverhältniss].)Dig. 43,27De arboribus caedendis (Vom Baumfällen.)Dig. 43,28De glande legenda (Vom Auflesen der Eicheln.)Dig. 43,29De homine libero exhibendo (Von der Auslieferung freier Menschen.)Dig. 43,30De liberis exhibendis, item ducendis (Von der Auslieferung der Kinder und deren Abführung.)Dig. 43,31Utrubi (Vom (Interdicte) Wo immer.)Dig. 43,32De migrando (Vom Ausziehen lassen.)Dig. 43,33De Salviano interdicto (Vom Salvianischen Interdict.)
Dig. 47,1De privatis delictis (Von den Privatverbrechen.)Dig. 47,2 (6,3 %)De furtis (Von den Diebstählen.)Dig. 47,3De tigno iuncto (Vom verbauten Balken.)Dig. 47,4Si is, qui testamento liber esse iussus erit, post mortem domini ante aditam hereditatem subripuisse aut corrupisse quid dicetur (Wenn angegeben werden wird, dass derjenige [Sclav], der in einem Testamente geheissen worden, frei zu sein, nach des Herrn Tode vor dem Erbschaftsantritt Etwas gestohlen oder verdorben habe.)Dig. 47,5Furti adversus nautas caupones stabularios (Von der Diebstahlsklage wider Schiffer, Gastwirthe und Stallwirthe.)Dig. 47,6Si familia furtum fecisse dicetur (Wenn ein Gesinde einen Diebstahl begangen haben soll.)Dig. 47,7 (15,2 %)Arborum furtim caesarum ([Von der Klage] wegen verstohlen umgehauener Bäume.)Dig. 47,8Vi bonorum raptorum et de turba ([Von der Klage] wegen Raubes und vom Getümmel.)Dig. 47,9De incendio ruina naufragio rate nave expugnata (Von [dem bei einer] Feuersbrunst, Einsturz, Schiffbruch [oder einem] erstürmten Flosse oder Schiffe [Geraubten].)Dig. 47,10De iniuriis et famosis libellis (Von Injurien und Schmähschriften.)Dig. 47,11De extraordinariis criminibus (Von ausserordentlichen Verbrechen.)Dig. 47,12De sepulchro violato (Von der Verletzung eines Begräbnisses.)Dig. 47,13De concussione (Von der Erpressung.)Dig. 47,14De abigeis (Von den Viehdieben.)Dig. 47,15De praevaricatione (Von der Prävarication.)Dig. 47,16De receptatoribus (Von den Hehlern.)Dig. 47,17De furibus balneariis (Von den Badedieben.)Dig. 47,18De effractoribus et expilatoribus (Von den Einbrechern und Ausplünderern.)Dig. 47,19Expilatae hereditatis ([Von] der Ausplünderung der Erbschaft.)Dig. 47,20Stellionatus (Vom Stellionat.)Dig. 47,21De termino moto (Von der Grenzverrückung.)Dig. 47,22De collegiis et corporibus (Von Genossenschaften und Körperschaften.)Dig. 47,23De popularibus actionibus (Von den Volkskklagen.)
Dig. 13,1,3Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Si con­di­ca­tur ser­vus ex cau­sa fur­ti­va, id venire in con­dic­tio­nem cer­tum est quod in­ter­sit agen­tis, vel­uti si he­res sit in­sti­tu­tus et pe­ri­cu­lum sub­eat do­mi­nus he­redi­ta­tis per­den­dae. quod et Iu­lia­nus scri­bit. item si mor­tuum ho­mi­nem con­di­cat, con­se­cu­tu­rum ait pre­tium he­redi­ta­tis.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wenn ein Sclav aus dem Grunde des Diebstahls condicirt werden sollte, so ist gewiss, dass das in [den Bereich der] Condiction komme, was etwa das Interesse des Klagenden ausmacht11Quod intersit agentis. Das id quod interest hat hier nicht die Bedeutung, in welcher es bei Verbindlichkeiten guten Glaubens, als rein subjective Schätzung und Gegensatz des blossen Werths der Sache, vorkommt, sondern es bezeichnet hier die objective Schätzung der Sache, jedoch mit Inbegriff der Nebendinge, als des mittelbaren Schadens und der Zubehör, also das, was zwischen dem quod interest im gewöhnlichen Sinne und dem quanti ea res est in der Mitte liegt. S. Gans Röm. Obligat. R. S. 69 f., wie wenn [der Sclav] zum Erben eingesetzt sein und der Herr [desselben] der Gefahr, die Erbschaft zu verlieren, sich aussetzen sollte; und dies schreibt auch Julianus. Ingleichen, wenn [der Herr] den Menschen, nachdem derselbe gestorben ist, condiciren sollte, so, sagt er, würde er den Werth der Erbschaft erlangen.

Dig. 13,1,5Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Ex fur­ti­va cau­sa fi­lio fa­mi­lias con­di­ci pot­est: num­quam enim ea con­dic­tio­ne alius quam qui fe­cit te­ne­tur aut he­res eius.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Aus dem Grunde des Diebstahls kann man gegen den Haussohn condiciren; denn niemals ist auf diese Condiction ein Anderer gehalten, als [der,] welcher [den Diebstahl] begangen hat, oder der Erbe desselben22Zwischen dieser und der vorhergehenden L. scheint ein Widerspruch zu sein, indem es in L. 4. heisst, wegen eines von einem Sclaven oder Haussohn begangenen Diebstahls sei gegen den Herrn (oder Vater) die Condiction anzustellen, in L. 5. aber, sie könne auch gegen den Haussohn angestellt werden. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich aber dadurch, dass wegen eines Vergehens eines Sclaven nur der Herr desselben, wegen eines Vergehens des Haussohns aber nicht blos der Vater direct mit einer Schädenklage, nach vorjustinian. Recht (§. 7. I. de nox. act. 4. 8.), sondern auch der Haussohn selbst, wenn er nur mündig war, schon nach dem zur Zeit der classischen Juristen und seit Justinianus allein geltenden Recht, belangt werden konnte. S. L. 5. D. de judic. 5. 1. und Zimmern Rechtsgesch. R.I. §. 183. S. 673 f. und §. 192. g. d. E..

Dig. 44,7,9Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Fi­lius fa­mi­lias suo no­mi­ne nul­lam ac­tio­nem ha­bet, ni­si in­iu­ria­rum et quod vi aut clam et de­po­si­ti et com­mo­da­ti, ut Iu­lia­nus pu­tat.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Ein Haussohn hat im eigenen Namen keine Klage, ausser der wegen Injurien, Was gewaltsam oder heimlich, die Niederlegungs- und die Leihklage, wie Julianus meint.

Dig. 45,1,22Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Si id quod au­rum pu­ta­bam, cum aes es­set, sti­pu­la­tus de te fue­ro, te­ne­be­ris mi­hi hu­ius ae­ris no­mi­ne, quon­iam in cor­po­re con­sen­se­ri­mus: sed ex do­li ma­li clau­su­la te­cum agam, si sciens me fe­fel­le­ris.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wenn ich mir Das, was ich für Gold hielt, während es Erz ist, von dir stipulirt habe, so wirst du mir zwar nur für dieses Erz gehalten sein, weil wir über den Gegenstand einig waren, allein ich kann gegen dich aus der Clausel der Arglist klagen, wenn du mich wissentlich betrogen hast33Clausula, so nennen die Rechtsgelehrten den Theil der Stipulation, welcher die Worte enthielt, dass Betrug fern bleiben sollte. Briss. nach l. 4..

Dig. 45,1,24Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Sed si ex sti­pu­la­tu Sti­chum de­beat pu­pil­lus, non vi­de­bi­tur per eum mo­ra fie­ri, ut mor­tuo eo te­n­ea­tur, ni­si si tu­to­re auc­to­re aut so­lus tu­tor in­ter­pel­le­tur.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wenn aber ein Mündel den Stichus aus einer Stipulation gewähren muss, so wird nicht anzunehmen sein, dass ihm ein Verzug dergestalt zur Last falle, dass er auch nach jenes Tode noch gehalten sei: ausgenommen, wenn es unter Ermächtigung des Vormundes geschehen, oder der Vormund allein gemahnt worden wäre.

Dig. 47,2,4Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. ‘Quo de­sti­na­ve­rit quis au­fer­re’ sic ac­ci­pien­dum est ‘quo de­sti­na­ve­rit eo die ma­ne­re cum eo fur­to’.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wo Jemand es beabsichtigte, ist so zu verstehen, wo er mit dem gestohlenen Gute den Tag über zu bleiben beabsichtigte.

Dig. 47,2,6Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Quam­vis enim sae­pe fur­tum con­trec­tan­do fiat, ta­men in­itio, id est fa­cien­di fur­ti tem­po­re, con­sti­tue­re vi­sum est, ma­ni­fes­tus nec ne fur es­set.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Denn obwohl ein Diebstahl oft44Pet. Pithoeus (s. d. Note bei Gothofred.) will semper lesen. Indessen liesse sich das saepe mit contrectare wohl gegen retinere gehalten denken, da im letztern Fall kein furt. manif. denkbar ist. Der Zusammenhang, worin l. 6. gestanden, müsste also dann der gewesen sein, dass vorher vom furtum, z. B. beim depos. etc., die Rede war. durch das Entwenden geschieht, so hat es doch angemessen geschienen, aus dem Anfang, d. h. der Zeit der Begehung des Diebstahls festzustellen, ob der Dieb ein offenbarer sei oder nicht.

Dig. 47,2,11Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Tum is cu­ius in­ter­est fur­ti ha­bet ac­tio­nem, si ho­nes­ta cau­sa in­ter­est.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Derjenige, der ein Interesse dabei hat, hat die Diebstahlsklage, sobald der Grund dazu ein ehrbarer ist.

Dig. 47,2,18Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Quod di­ci­tur no­xam ca­put se­qui, tunc ve­rum est, ut quae in­itio ad­ver­sus ali­quem na­ta est ca­put no­cen­tis se­qua­tur: id­eo­que si ser­vus tuus fur­tum mi­hi fe­ce­rit et do­mi­nus eius ef­fec­tus eum ven­di­de­ro, non pos­se me age­re cum emp­to­re Cas­sia­ni pu­tant.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wenn es heisst, die Noxa folge dem schuldigen Haupte, so ist dies so zu verstehen, dass die einmal gegen Jemand erwachsene Klage der Person des Schadensstifters folge. Wenn mich daher dein Sclave bestohlen, und ich selbst sein Herr geworden, ihn verkauft habe, so meinen die Cassianer, könne ich nicht wider den Schuldner klagen.

Dig. 47,2,20Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Cum aes pig­no­ri da­tur, et­iam­si au­rum es­se di­ci­tur, tur­pi­ter fit, fur­tum non fit. sed si da­tum est au­rum, de­in­de, cum di­xis­set se pon­de­ra­re aut ob­sig­na­re vel­le, aes sub­ie­cit, fur­tum fe­cit: rem enim pig­no­ri da­tam in­ter­ver­tit. 1Si bo­na fi­de rem meam eme­ris eam­que ego sub­ri­pue­ro, vel et­iam tuus usus fruc­tus sit et eam con­trec­ta­ve­ro, te­ne­bor ti­bi fur­ti ac­tio­ne, et­si do­mi­nus rei sum. sed his ca­si­bus usu­ca­pio qua­si fur­ti­vae rei non im­pe­die­tur, quon­iam et si alius sub­ri­piat et in meam po­tes­ta­tem re­ver­sa res fue­rit, usu­ca­pie­ba­tur.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wenn Erz zum Pfande gegeben wird, so ist es zwar schlecht, wenn es für Gold ausgegeben wird, aber ein Diebstahl ist es nicht. Wenn aber wirklich Gold gegeben worden ist, und man nachher, unter dem Angeben, es wiegen oder versiegeln zu wollen, Erz untergeschoben hat, so hat man einen Diebstahl begangen, denn man schlägt eine verpfändete Sache unter. 1Wenn du eine mir gehörige Sache im guten Glauben gekauft hast, und ich dieselbe gestohlen habe, oder der Niessbrauch daran dir zusteht, und ich dieselbe entwendet habe, so hafte ich dir durch die Diebstahlsklage, wenn ich auch Eigenthümer der Sache bin55S. Jens. l. l. p. 491.. Die Ersitzung wird aber hier, als fände sie an einer gestohlenen Sache statt, nicht ausgeschlossen, weil, auch wenn sie ein Anderer gestohlen, und dieselbe dann in meine Gewalt zurückgekehrt ist, Ersitzung ihrer stattfinden wird.

Dig. 47,2,22Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Si quid fur fre­ge­rit aut ru­pe­rit, quod non et­iam fu­ran­di cau­sa con­trec­ta­ve­rit, eius no­mi­ne cum eo fur­ti age­re non pot­est. 1Si eo con­si­lio ar­ca re­frac­ta sit, ut unio­nes pu­ta tol­le­ren­tur, hi­que fur­ti fa­cien­di cau­sa con­trec­ta­ti sint, eo­rum tan­tum­mo­do fur­tum fac­tum vi­de­ri: quod est ve­rum. nam ce­te­rae res, quae se­po­nun­tur, ut ad unio­nes per­ve­nia­tur, non fur­ti fa­cien­di cau­sa con­trec­tan­tur. 2Qui lan­cem ra­sit, to­tius fur est et fur­ti te­ne­tur ad id, quod do­mi­ni in­ter­est.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wenn der Dieb Etwas zerbrochen oder verdorben hat, was er nicht auch in der Absicht zu stehlen abhanden gebracht hat, so kann desfalls wider ihn die Diebstahlsklage nicht erhoben werden. 1Wenn eine Kiste in der Absicht erbrochen worden ist, um z. B. Solitärperlen herauszunehmen, und diese in der Absicht zu stehlen fortgenommen worden sind, so kann nur an ihnen ein Diebstahl als geschehen betrachtet werden; denn die übrigen Sachen, welche herausgenommen werden, um zu den Solitärperlen zu gelangen, werden nicht, um sie zu stehlen, von der Stelle geschafft. 2Wer eine Schüssel abgekratzt hat, ist Dieb der ganzen Schüssel, und haftet durch die Diebstahlsklage dem Eigenthümer auf das Interesse.

Dig. 47,2,24Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Nec mi­nus et­iam con­di­ci ei pos­se Iu­lia­nus scrip­sit.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Und ebensowohl, hat Julianus gesagt, könne wider ihn die Condiction erhoben werden.

Dig. 47,2,26Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Si apes fe­rae in ar­bo­re fun­di tui apes fe­ce­rint, si quis eas vel fa­vum abs­tu­le­rit, eum non te­ne­ri ti­bi fur­ti, quia non fue­rint tuae: eas­que con­stat cap­ta­rum ter­ra ma­ri cae­lo nu­me­ro es­se. 1Item con­stat co­lo­num, qui num­mis co­lat, cum eo, qui fruc­tus stan­tes sub­ri­pue­rit, ac­tu­rum fur­ti, quia, ut pri­mum de­cerp­tus es­set, eius es­se coe­pis­set.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wenn wilde Bienen auf einem Baume deines Landguts Bienen gezogen haben, und Jemand diese oder die Honigscheiben fortgeschafft hat, der haftet dir nicht wegen Diebstahls, weil sie nicht dein gewesen, und sie bekanntlich zu dem auf Erden, im Meere und in der Luft Gefangenen gehören. 1Ad Dig. 47,2,26,1Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. I, § 186, Note 6.So ist es auch ferner bekannt, dass der Pächter, der mein Landgut um einen Pachtzins in baarem Gelde bewirthschaftet, wider Den, der die noch hängenden Früchte gestohlen, die Diebstahlsklage erheben könne, weil sie sofort ihm gehörig geworden sein würden, sobald sie abgenommen worden wären.

Dig. 47,2,28Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Sed si sub­ri­puit, prius­quam de­leat, tan­to te­ne­tur, quan­ti do­mi­ni in­ter­fuit non sub­ri­pi: de­len­do enim ni­hil ad poe­nam ad­icit.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Hat er aber erst gestohlen, und dann verdorben, so haftet er auf so hoch, als dem Eigenthümer daran gelegen war, dass der Diebstahl nicht geschähe, durch das Zerstören fügt er zur Strafe nichts hinzu.

Dig. 47,2,30Pau­lusaaDie Großausgabe liest Idem statt Pau­lus. li­bro no­no ad Sa­binum. si he­redi­ta­riae ta­bu­lae de­le­tae sint.

Idem lib. IX. ad Sabin. wenn erbschaftliche Urkunden zerstört worden sind.

Dig. 47,2,32Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Qui­dam ta­bu­la­rum dum­ta­xat aes­ti­ma­tio­nem fa­cien­dam in fur­ti ac­tio­ne ex­is­ti­mant, quia, si iu­di­ci, apud quem fur­ti aga­tur, pos­sit pro­ba­ri, quan­tum de­bi­tum fue­rit, pos­sit et­iam apud eum iu­di­cem ea­dem pro­ba­re, apud quem pe­cu­niam pe­tat: si ve­ro in fur­ti iu­di­cio pro­ba­re non pot­est, ne il­lud qui­dem pos­se os­ten­di, quan­ti eius in­ter­sit. sed pot­est post fur­tum fac­tum ta­bu­las nanc­tus es­se ac­tor, ut ex eo pro­bet, quan­ti sua in­ter­fue­rit, si ta­bu­las nanc­tus non es­set. 1De le­ge Aqui­lia ma­ior quaes­tio est, quem­ad­mo­dum pos­sit pro­ba­ri, quan­ti eius in­ter­sit: nam si pot­est alias pro­ba­re, non pa­ti­tur dam­num. quid er­go, si for­te pe­cu­niam sub con­di­cio­ne cre­di­dit et in­ter­im tes­tium ei co­pia est, tes­ti­mo­nio quo­rum pro­ba­tio­nem ha­beat, qui pos­sunt mo­ri pen­den­te con­di­cio­ne? aut pu­ta me pe­tis­se cre­di­tum et, quia tes­tes et sig­na­to­res, qui rem me­mi­nis­sent, prae­sen­tes non ha­be­rem, vic­tum rem amis­sis­se: nunc ve­ro, cum fur­ti agam, eo­rum me­mo­ria et prae­sen­tia ad fi­dem cre­di­tae pe­cu­niae uti pos­sum.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Einige glauben, dass bei der Diebstahlsklage [wegen entwendeter Urkunden] nur der Werth [des Stoffs] derselben in Anschlag zu bringen sei, weil ja, wenn dem Richter, vor dem wegen Diebstahls geklagt wird, der Beweis geführt werden kann, wie hoch sich die Schuldfoderung belaufen habe, dieser Beweis auch vor dem geführt werden könne, bei dem die Schuldklage anhängig gemacht werde; könne aber in der Diebstahlsklage der Beweis nicht hergestellt werden, so könne ja nicht einmal das Interesse dargethan werden; allein es kann der Kläger nach Verübung des Diebstahls die Urkunden wiederbekommen haben, um daraus sein Interesse daran zu beweisen, wenn er sie nicht wieder erhalten hätte. 1Rücksichtlich des Aquilischen Gesetzes ist aber die Frage grösser, wie da das Interesse bewiesen werden könne? Denn kann man dies auf andere Weise beweisen, so leidet man keinen Schaden. Wie aber, wenn Jemand Geld unter einer Bedingung creditirt hat, und inzwischen66Interim, d. h. pendente conditione. Zeugen vorhanden sind, deren Beweis er für sich hat, die während obschwebender Bedingung sterben können? Oder man denke sich, ich habe ein Darlehn klagend zurückgefodert, und weil ich die Zeugen und Untersiegler77Signatores, s. Anm. 104 zu Buch XXII. Tit. 5., welche zur Sicherheit zugezogen worden, nicht zur Hand habe, verloren, und bin um das Meinige gekommen, jetzt aber, da ich Diebstahlsklage erhebe, kann ich von ihrer Aussage und Gegenwart88Diese Fragen, welche beantwortet werden, weil sie Beweisgründe sind, sind zugleich Einwendungen und Widerlegungen der Anfangsworte des §. zum Beweis des creditirten Geldes Gebrauch machen?99S. Joan. Suarez ad leg. Aquil. lib. II. c. 4. §. 4. (T. M. II. 132.), es ist nemlich hier zu verstehen, dass die Hauptklage ex instrumento deleto bereits vergeblich wegen Mangel an Beweismitteln erhoben worden, die jetzt zur Hand sind.

Dig. 47,2,34Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Is, qui opem fur­tum fa­cien­ti fert, num­quam ma­ni­fes­tus est: ita­que ac­ci­dit, ut is qui­dem, qui opem tu­lit, fur­ti nec ma­ni­fes­ti, is au­tem, qui de­pre­hen­sus est, ob ean­dem rem ma­ni­fes­ti te­n­ea­tur.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wer einem Diebe Hülfe leistet, ist niemals ein offenbarer Dieb, und daher trifft es sich, dass Der, wer Hülfe geleistet, wegen heimlichen, der auf der That ergriffene Dieb aber aus demselben Grunde wegen offenbaren Diebstahls haftet.

Dig. 47,2,38Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Ma­ter fi­lii sub­rep­ti fur­ti ac­tio­nem non ha­bet. 1Li­be­ra­rum per­so­na­rum no­mi­ne, li­cet fur­ti ac­tio sit, con­dic­tio ta­men nus­quam est.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Die Mutter eines gestohlenen Kindes hat die Diebstahlsklage. 1Wenn zwar Namens freier Personen die Diebstahlsklage stattfindet, so hat es doch die Condiction nie.

Dig. 47,2,40Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Qui iu­men­ta si­bi com­mo­da­ta lon­gius du­xe­rit alie­na­ve re in­vi­to do­mi­no usus sit, fur­tum fa­cit.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wer ihm geliehenes Zugvieh weiter fortgeführt, und wider des Eigenthümers Willen von einer fremden Sache Gebrauch gemacht hat1010Leunclav. Notat. l. §. CIII. will hier aus der Basil. ἔφ ἐτέρῳ πράγματι restituiren: aliamve ad rem statt alienave re., begeht einen Diebstahl.

Dig. 47,2,42Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Si ser­vus na­vem ex­er­ceat non vo­lun­ta­te do­mi­ni, de eo, quod ibi per­it, vol­ga­ris for­mu­la in do­mi­num dan­da est, ut quod al­ter ad­mi­sit ‘dum­ta­xat de pe­cu­lio’, quod ip­se ex­er­ci­tor, ad­icia­tur ‘ut no­xae de­de­ret’. igi­tur si ma­nu­mis­sus sit, per­se­cu­tio qui­dem in pe­cu­lio ma­ne­bit ad­ver­sus do­mi­num in­tra an­num, noxa­lis ip­sum se­que­tur. 1In­ter­dum et ma­nu­mis­sus et qui eum ma­nu­mis­sit, ob fur­tum te­ne­tur, si id­eo ma­nu­mi­sit, ne fur­ti cum eo agi pos­sit: sed si cum do­mi­no ac­tum fue­rit, ip­so iu­re ma­nu­mis­sum li­be­ra­ri Sa­b­inus re­spon­dit, qua­si de­ci­sum sit.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wenn ein Sclave ohne seines Herrn Willen einem Schiffe vorsteht, so ist in Ansehung Dessen, was darauf verloren gegangen, die gewöhnliche Klageformel1111Vulgaris formula, nach Brisson. actio de peculio steht im Gegensatz zur actio in factum, s. Wiel. Jurisprud. rest. p. 42. not. wider den Herrn zu ertheilen, und zwar, wenn ein anderer [Untersclave] etwas begangen, so ist der Gegenstand blos das Sondergut, wenn aber der Schiffsmeister selbst, so wird hinzugesetzt, oder an Schadensstatt auszuliefern. Ist er nun freigelassen worden, so wird die rechtliche Verfolgung in Rücksicht des Sonderguts wider den Herrn noch ein Jahr dauern, die Noxalklage folgt ihm aber selbst. 1Zuweilen haftet sowohl der Freigelassene als der Freilasser wegen Diebstahls, wenn er nemlich zu dem Ende freigelassen worden ist, dass die Diebstahlsklage nicht wider ihn solle erhoben werden können; wenn aber wider den Herrn geklagt worden ist, so wird der Freigelassene dem Rechte selbst zufolge befreiet, hat Sabinus begutachtet, wie wenn rechtlich entschieden worden wäre.

Dig. 47,2,47Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Si do­mi­nium rei sub­rep­tae qua­cum­que ra­tio­ne mu­ta­tum sit, do­mi­no fur­ti ac­tio com­pe­tit, vel­uti he­redi et bo­no­rum pos­ses­so­ri et pa­tri ad­op­ti­vo et le­ga­ta­rio.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wenn das Eigenthum an einer gestohlenen Sache auf irgend eine Weise verändert worden ist, so steht die Diebstahlsklage dem Eigenthümer zu, z. B. dem Erben, und dem Nachlassbesitzer, dem Adoptivvater und Vermächtnissinhaber.

Dig. 47,7,1Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Si fur­tim ar­bo­res cae­sae sint, et ex le­ge Aqui­lia et ex duo­de­cim ta­bu­la­rum dan­dam ac­tio­nem La­beo ait: sed Tre­ba­tius ita utram­que dan­dam, ut iu­dex in pos­te­rio­re de­du­cat id quod ex pri­ma con­se­cu­tus sit et re­li­quo con­dem­net.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Wenn Bäume verstohlen umgehauen worden sind, so sagt Labeo, müsse sowohl eine Klage aus dem Aquilischen Gesetz als dem Zwölftafelgesetz ertheilt werden. Trebatius meint aber, es müssen beide dergestalt ertheilt werden, dass der Richter Das bei der letztern abziehe, was der Kläger durch die erstere erlangt habe, und also den [Beklagten] nur in den Ueberrest verurtheile.

Dig. 47,7,5Pau­lus li­bro no­no ad Sa­binum. Cae­de­re est non so­lum suc­ci­de­re, sed et­iam fe­ri­re cae­den­di cau­sa. cin­ge­re est de­gla­bra­re. sub­se­ca­re est sub­se­cuis­se: non enim pot­erat ce­ci­dis­se in­tel­le­gi, qui ser­ra se­cuis­set. 1Eius ac­tio­nis ea­dem cau­sa est, quae est le­gis Aqui­liae. 2Is, cu­ius usus fruc­tus est in fun­do, hanc ac­tio­nem non ha­bet: qui au­tem fun­dum vec­ti­ga­lem ha­bet, hanc ac­tio­nem ha­bet, sic­ut aquae plu­viae ar­cen­dae ac­tio­nem et fi­nium re­gun­do­rum.

Paul. lib. IX. ad Sabin. Umhauen heisst nicht blos abschneiden, sondern auch des Umhauens wegen anschlagen; abschälen heisst die Rinde abnehmen; absägen heisst auch abgesägt haben; denn wer mit einer Säge abgesägt hat, von dem kann man nicht annehmen, dass er umgehauen habe1212S. Bynkershoek Obs. IV. c. 21. und ganz besonders Cujac. Obs. IX. c. 12.. 1Der Grund dieser Klage ist derselbe wie bei der aus dem Aquilischen Gesetz. 2Wer den Niessbrauch von einem Landgute hat, der hat diese Klage nicht. Wer aber ein Zinsgut hat, dem steht diese Klage zu, sowie die wegen Abhaltung des Regenwassers und der Grenzberichtigung.