Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Paul.Sab. XL
Ad Sabinum lib.Pauli Ad Sabinum libri

Ad Sabinum libri

Ex libro XL

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Dig. 1,1De iustitia et iure (Von der Gerechtigkeit und dem Recht.)Dig. 1,2De origine iuris et omnium magistratuum et successione prudentium (Von dem Ursprung des Rechts und aller Staatsbeamten, so wie der Folge der Rechtsgelehrten.)Dig. 1,3De legibus senatusque consultis et longa consuetudine (Von den Gesetzen, den Senatsbeschlüssen und dem Gewohnheitsrechte.)Dig. 1,4De constitutionibus principum (Von den Constitutionen der Kaiser.)Dig. 1,5De statu hominum (Vom Zustand der Menschen.)Dig. 1,6De his qui sui vel alieni iuris sunt (Von denen, die eigenen Rechtens, und denen, die fremdem Rechte unterworfen sind.)Dig. 1,7De adoptionibus et emancipationibus et aliis modis quibus potestas solvitur (Von der Annahme an Kindes Statt, der Entlassung aus der [väterlichen] Gewalt, und andern Arten deren Aufhebung.)Dig. 1,8De divisione rerum et qualitate (Von der Eintheilung der Sachen und deren Beschaffenheit.)Dig. 1,9De senatoribus (Von den Senatoren.)Dig. 1,10De officio consulis (Von der Amtspflicht des Consuls.)Dig. 1,11De officio praefecti praetorio (Von der Amtspflicht des Präfectus Prätorio.)Dig. 1,12De officio praefecti urbi (Von der Amtspflicht des Stadtvorstehers.)Dig. 1,13De officio quaestoris (Von der Amtspflicht des Quästors.)Dig. 1,14De officio praetorum (Von der Amtspflicht der Prätoren.)Dig. 1,15De officio praefecti vigilum (Von der Amtspflicht des Wachtvorstehers.)Dig. 1,16De officio proconsulis et legati (Von der Amtspflicht des Proconsul und des Legaten.)Dig. 1,17De officio praefecti Augustalis (Von der Amtspflicht des Kaiserlichen Präfecten.)Dig. 1,18De officio praesidis (Von der Amtspflicht des Präsidenten.)Dig. 1,19De officio procuratoris Caesaris vel rationalis (Von der Amtspflicht des Procurators des Kaisers oder Rentbeamten.)Dig. 1,20De officio iuridici (Von der Amtspflicht des Gerichtsverwalters.)Dig. 1,21De officio eius, cui mandata est iurisdictio (Von der Amtspflicht dessen, der mit der Gerichtsbarkeit beauftragt worden ist.)Dig. 1,22De officio adsessorum (Von der Amtspflicht der [Gerichts-] Beisitzer.)
Dig. 2,1De iurisdictione (Von der Gerichtsbarkeit.)Dig. 2,2Quod quisque iuris in alterum statuerit, ut ipse eodem iure utatur (Welche Rechtsgrundsätze Jemand gegen einen Andern aufgebracht hat, die sollen gegen ihn selbst in Anwendung gebracht werden dürfen.)Dig. 2,3Si quis ius dicenti non obtemperaverit (Wenn jemand dem, welcher Recht spricht, nicht gehorcht haben sollte.)Dig. 2,4De in ius vocando (Von der Berufung ins Gericht.)Dig. 2,5Si quis in ius vocatus non ierit sive quis eum vocaverit, quem ex edicto non debuerit (Wenn Jemand vor Gericht berufen worden und nicht gegangen ist, oder die dahin berufen worden sind, welche man dem Edicte nach nicht hätte berufen sollen.)Dig. 2,6In ius vocati ut eant aut satis vel cautum dent (Dass vor Gericht Berufene dahin gehen, oder Bürgen oder anders Sicherheit stellen.)Dig. 2,7Ne quis eum qui in ius vocabitur vi eximat (Dass Niemand den, welcher vor Gericht berufen wird, mit Gewalt entreisse.)Dig. 2,8Qui satisdare cogantur vel iurato promittant vel suae promissioni committantur (Von denen, welche gezwungen werden, Sicherheit zu stellen, oder ein eidliches Versprechen leisten, oder auf ihr einfaches Versprechen entlassen werden.)Dig. 2,9Si ex noxali causa agatur, quemadmodum caveatur (Wie Sicherheit gestellt wird, wenn eine Noxalklage erhoben [oder: wegen Schädenansprüchen geklagt] wird.)Dig. 2,10De eo per quem factum erit quominus quis in iudicio sistat (Von dem, welcher daran Schuld ist, dass sich Jemand nicht vor Gericht stellt.)Dig. 2,11Si quis cautionibus in iudicio sistendi causa factis non obtemperaverit (Wenn Jemand dem geleisteten Versprechen, sich vor Gerichte zu stellen, nicht nachgekommen ist.)Dig. 2,12De feriis et dilationibus et diversis temporibus (Von den Gerichtsferien und Aufschubsgestattungen und der Berechnung verschiedener Zeiten.)Dig. 2,13De edendo (Vom Vorzeigen.)Dig. 2,14De pactis (Von Verträgen.)Dig. 2,15De transactionibus (Von Vergleichen.)
Dig. 40,1De manumissionibus (Von den Freilassungen.)Dig. 40,2De manumissis vindicta (Von den durch den Stab freigelassenen [Sclaven].)Dig. 40,3De manumissionibus quae servis ad universitatem pertinentibus imponuntur (Von den Freilassungen, welche Sclaven ertheilt werden, welche einer Gemeinheit angehören.)Dig. 40,4De manumissis testamento (Von den durch ein Testament freigelassenen [Sclaven.])Dig. 40,5De fideicommissariis libertatibus (Von den fideicommissarischen Freiheiten.)Dig. 40,6De ademptione libertatis (Von der Zurücknahme der Freiheit.)Dig. 40,7De statuliberis (Von den Bedingtfreien.)Dig. 40,8Qui sine manumissione ad libertatem perveniunt (Welche [Sclaven] ohne Freilassung zur Freiheit gelangen.)Dig. 40,9Qui et a quibus manumissi liberi non fiunt et ad legem Aeliam Sentiam (Welche Sclaven durch die Freilassung wegen ihrer selbst, und wegen ihres Freilassers nicht frei werden, und zum Aelisch-Sentischen Gesetz.)Dig. 40,10De iure aureorum anulorum (Von dem Recht der goldenen Ringe.)Dig. 40,11De natalibus restituendis (Von der Zurückversetzung in den Geburtsstand.)Dig. 40,12De liberali causa (Von dem Rechtsstreit über die Freiheit.)Dig. 40,13Quibus ad libertatem proclamare non licet (Welche nicht auf die Freiheit Anspruch machen dürfen.)Dig. 40,14Si ingenuus esse dicetur (Wenn behauptet werden wird, dass [ein Freigelassener] ein Freigeborner sei.)Dig. 40,15Ne de statu defunctorum post quinquennium quaeratur (Dass der Rechtszustand Verstorbener nach fünf Jahren nicht untersucht werden soll.)Dig. 40,16De collusione detegenda (Von der Entdeckung eines heimlichen Einverständnisses.)
Dig. 43,1De interdictis sive extraordinariis actionibus, quae pro his competunt (Von den Interdicten und ausserordentlichen Klagen, die an deren Statt zuständig sind.)Dig. 43,2Quorum bonorum (Welchen Nachlass.)Dig. 43,3Quod legatorum (Was von Vermächtnissen.)Dig. 43,4Ne vis fiat ei, qui in possessionem missus erit (Dass Dem keine Gewalt geschehe, der in den Besitz gesetzt sein wird.)Dig. 43,5De tabulis exhibendis (Von der Auslieferung der Testamente.)Dig. 43,6Ne quid in loco sacro fiat (Dass an einem heiligen Orte Etwas nicht geschehe.)Dig. 43,7De locis et itineribus publicis (Von öffentlichen Plätzen und Wegen.)Dig. 43,8Ne quid in loco publico vel itinere fiat (Dass an einem öffentlichen Platze oder Wege Etwas nicht geschehe.)Dig. 43,9De loco publico fruendo (Von dem Genuss eines öffentlichen Platzes.)Dig. 43,10De via publica et si quid in ea factum esse dicatur (Von öffentlichen Strassen und wenn etwas in demselben errichtet werden sein soll.)Dig. 43,11De via publica et itinere publico reficiendo (Von der Ausbesserung öffentlicher Strassen und Wege.)Dig. 43,12De fluminibus. ne quid in flumine publico ripave eius fiat, quo peius navigetur (Von den Flüssen, dass Etwas in einem öffentlichen Flusse oder an dessen Ufer nicht geschehe, wodurch die Schifffahrt beeinträchtigt wird.)Dig. 43,13Ne quid in flumine publico fiat, quo aliter aqua fluat, atque uti priore aestate fluxit (Dass in einem öffentlichen Fluss Etwas nicht geschehe, wodurch der Wasserfluss gegen den im vorhergehenden Sommer geändert wird.)Dig. 43,14Ut in flumine publico navigare liceat (Dass die Schifffahrt an einem öffentlichen Flusse gestattet sei.)Dig. 43,15De ripa munienda (Von der Befestigung des Ufers.)Dig. 43,16De vi et de vi armata (Von der Gewalt und der Gewalt mit Waffen.)Dig. 43,17Uti possidetis (Wie ihr besitzet.)Dig. 43,18De superficiebus (Von Erbpachtungen.)Dig. 43,19De itinere actuque privato (Von Privatwegen.)Dig. 43,20De aqua cottidiana et aestiva (Vom täglichen Wasser und dem Sommerwasser.)Dig. 43,21De rivis (Von den Kanälen.)Dig. 43,22De fonte (Von den Quellen.)Dig. 43,23De cloacis (Von den Kloaken.)Dig. 43,24Quod vi aut clam (Was gewaltsam oder heimlich.)Dig. 43,25De remissionibus (Von den Remissionen.)Dig. 43,26De precario (Vom bittweisen [Besitzverhältniss].)Dig. 43,27De arboribus caedendis (Vom Baumfällen.)Dig. 43,28De glande legenda (Vom Auflesen der Eicheln.)Dig. 43,29De homine libero exhibendo (Von der Auslieferung freier Menschen.)Dig. 43,30De liberis exhibendis, item ducendis (Von der Auslieferung der Kinder und deren Abführung.)Dig. 43,31Utrubi (Vom (Interdicte) Wo immer.)Dig. 43,32De migrando (Vom Ausziehen lassen.)Dig. 43,33De Salviano interdicto (Vom Salvianischen Interdict.)
Dig. 47,1De privatis delictis (Von den Privatverbrechen.)Dig. 47,2 (5,3 %)De furtis (Von den Diebstählen.)Dig. 47,3De tigno iuncto (Vom verbauten Balken.)Dig. 47,4Si is, qui testamento liber esse iussus erit, post mortem domini ante aditam hereditatem subripuisse aut corrupisse quid dicetur (Wenn angegeben werden wird, dass derjenige [Sclav], der in einem Testamente geheissen worden, frei zu sein, nach des Herrn Tode vor dem Erbschaftsantritt Etwas gestohlen oder verdorben habe.)Dig. 47,5Furti adversus nautas caupones stabularios (Von der Diebstahlsklage wider Schiffer, Gastwirthe und Stallwirthe.)Dig. 47,6Si familia furtum fecisse dicetur (Wenn ein Gesinde einen Diebstahl begangen haben soll.)Dig. 47,7Arborum furtim caesarum ([Von der Klage] wegen verstohlen umgehauener Bäume.)Dig. 47,8Vi bonorum raptorum et de turba ([Von der Klage] wegen Raubes und vom Getümmel.)Dig. 47,9De incendio ruina naufragio rate nave expugnata (Von [dem bei einer] Feuersbrunst, Einsturz, Schiffbruch [oder einem] erstürmten Flosse oder Schiffe [Geraubten].)Dig. 47,10De iniuriis et famosis libellis (Von Injurien und Schmähschriften.)Dig. 47,11De extraordinariis criminibus (Von ausserordentlichen Verbrechen.)Dig. 47,12De sepulchro violato (Von der Verletzung eines Begräbnisses.)Dig. 47,13De concussione (Von der Erpressung.)Dig. 47,14De abigeis (Von den Viehdieben.)Dig. 47,15De praevaricatione (Von der Prävarication.)Dig. 47,16De receptatoribus (Von den Hehlern.)Dig. 47,17De furibus balneariis (Von den Badedieben.)Dig. 47,18De effractoribus et expilatoribus (Von den Einbrechern und Ausplünderern.)Dig. 47,19Expilatae hereditatis ([Von] der Ausplünderung der Erbschaft.)Dig. 47,20Stellionatus (Vom Stellionat.)Dig. 47,21De termino moto (Von der Grenzverrückung.)Dig. 47,22De collegiis et corporibus (Von Genossenschaften und Körperschaften.)Dig. 47,23De popularibus actionibus (Von den Volkskklagen.)
Dig. 47,2,21Pau­lus li­bro qua­dra­gen­si­mo ad Sa­binum. Vol­ga­ris est quaes­tio, an is, qui ex acer­vo fru­men­ti mo­dium sus­tu­lit, to­tius rei fur­tum fa­ciat an ve­ro eius tan­tum quod abs­tu­lit. Ofi­lius to­tius acer­vi fu­rem es­se pu­tat: nam et qui au­rem ali­cu­ius teti­git, in­quit Tre­ba­tius to­tum eum vi­de­ri teti­gis­se: pro­in­de et qui do­lium ape­ruit et in­de par­vum vi­ni abs­tu­lit, non tan­tum eius quod abs­tu­lit, ve­rum to­tius vi­de­tur fur es­se. sed ve­rum est in tan­tum eos fur­ti ac­tio­ne te­ne­ri, quan­tum abs­tu­le­runt. nam et si quis ar­ma­rium, quod tol­le­re non pot­erat, ape­rue­rit et om­nes res, quae in eo erant, con­trec­ta­ve­rit at­que ita dis­ces­se­rit, de­in­de re­ver­sus unam ex his abs­tu­le­rit et an­te­quam se re­ci­pe­ret, quo de­sti­na­ve­rat, de­pre­hen­sus fue­rit, eius­dem rei et ma­ni­fes­tus et nec ma­ni­fes­tus fur erit. sed et qui se­ge­tem lu­ce se­cat et con­trec­tat, eius quod se­cat ma­ni­fes­tus et nec ma­ni­fes­tus fur est. 1Si is, qui vi­gin­ti num­mo­rum sac­cum de­po­suis­set, alium sac­cum, in quo scit tri­gin­ta es­se, er­ran­te eo qui da­bat ac­ce­pe­rit, pu­ta­vit au­tem il­lic sua vi­gin­ti es­se, te­ne­ri fur­ti de­cem no­mi­ne pla­cet. 2Si quis aes sub­ri­puit, dum au­rum se sub­ri­pe­re pu­tat, vel con­tra, ex li­bro oc­ta­vo Pom­po­nii ad Sa­binum aut mi­nus es­se, cum plus es­set: eius quod sub­ri­puit, fur­tum com­mit­tit: idem Ul­pia­nus. 3Sed et si quis sub­ri­puit fur­to duos sac­cu­los, unum de­cem al­te­rum vi­gin­ti, quo­rum al­te­rum suum pu­ta­vit, al­te­rum scit alie­num: pro­fec­to di­ce­mus tan­tum unius, quem pu­ta­vit alie­num, fur­tum eum fa­ce­re, quem­ad­mo­dum si duo po­cu­la abs­tu­le­rit, quo­rum al­te­rum suum pu­ta­vit, al­te­rum scit alie­num: nam et hic unius fit fur­tum. 4Sed si an­sam in po­cu­lo suam pu­ta­vit vel ve­re fuit, to­tius po­cu­li eum fur­tum fa­ce­re Pom­po­nius scrip­sit. 5Sed si de na­vi one­ra­ta fur­to quis sex­ta­rium fru­men­ti tu­le­rit, utrum to­tius one­ris an ve­ro sex­ta­rii tan­tum fur­tum fe­ce­rit? fa­ci­lius hoc quae­ri­tur in hor­reo ple­no: et du­rum est di­ce­re to­tius fur­tum fie­ri. et quid si cis­ter­na vi­ni sit, quid di­cet? aut aquae cis­ter­na? quid de­in­de si na­ve vi­na­ria (ut sunt mul­tae, in quas vi­num ef­fun­di­tur), quid di­ce­mus de eo, qui vi­num hau­sit? an to­tius one­ris fur sit? et ma­gis est, ut et hic non to­tius di­ca­mus. 6Cer­te si pro­po­nas in apo­the­ca am­pho­ras es­se vi­ni eas­que sub­trac­tas, sin­gu­la­rum fur­tum fit, non to­tius apo­the­cae, quem­ad­mo­dum si ex plu­ri­bus re­bus mo­ven­ti­bus in hor­reo re­clu­sis unam tu­le­rit. 7Qui fur­ti fa­cien­di cau­sa con­cla­ve in­tra­vit, non­dum fur est, quam­vis fu­ran­di cau­sa in­tra­vit. quid er­go? qua ac­tio­ne te­ne­bi­tur? uti­que in­iu­ria­rum: aut de vi ac­cu­sa­bi­tur, si per vim in­tro­ivit. 8Item si ma­io­ris pon­de­ris quid ape­ruit aut re­fre­git, quod tol­le­re non pos­sit, non est om­nium re­rum cum eo fur­ti ac­tio, sed ea­rum tan­tum quas tu­lit, quia to­tum tol­le­re non po­tuit. pro­in­de si in­vo­lu­crum, quod tol­le­re non po­tuit, sol­vit, ut con­trec­tet, de­in­de con­trec­ta­vit quas­dam res: quam­vis sin­gu­las res, quae in eo fue­runt, tol­le­re po­tue­rit, si ta­men to­tum in­vo­lu­crum tol­le­re non po­tue­rit, sin­gu­la­rum re­rum, quas tu­le­rit, fur est, ce­te­ra­rum non est. quod si to­tum vas tol­le­re po­tuit, di­ci­mus eum to­tius es­se fu­rem, li­cet sol­ve­rit, ut sin­gu­las vel quas­dam tol­le­ret: et ita et Sa­b­inus ait. 9Si duo plu­res­ve unum tig­num fu­ra­ti sunt, quod sin­gu­li tol­le­re non po­tue­rint, di­cen­dum est om­nes eos fur­ti in so­li­dum te­ne­ri, quam­vis id con­trec­ta­re nec tol­le­re so­lus pos­set, et ita uti­mur: ne­que enim pot­est di­ce­re pro par­te fur­tum fe­cis­se sin­gu­los, sed to­tius rei uni­ver­sos: sic fiet sin­gu­los fur­ti te­ne­ri. 10Quam­vis au­tem ea­rum quo­que re­rum, quas quis non abs­tu­lit, fur­ti te­n­ea­tur, at­ta­men con­di­ci ei non pot­est, id­cir­co quia con­di­ci ea res, quae ab­la­ta est, pot­est: et ita et Pom­po­nius scri­bit.

Ulp. lib. XL. ad Sabin. Es ist eine oft vorkommende Frage, ob Der, wer aus einem Haufen Getreide einen Scheffel gestohlen hat, einen Diebstahl an dem ganzen Gegenstande begehe, oder nur an soviel als er entfremdet hat? Ofilius ist der Ansicht, er sei Dieb des ganzen Haufens, denn auch wer Jemandes Ohr berührt, scheint, wie Trebatius sagt, ihn ganz und gar berührt zu haben; daher erscheint auch, wer ein Weinfass geöffnet und daraus ein wenig Wein gestohlen hat, nicht blos als Dieb Dessen, was er genommen, sondern als der des ganzen Weins. Allein es ist nicht zu leugnen, dass man nur auf so hoch durch die Diebstahlsklage hafte, als man gestohlen hat. Denn auch wer einen Schrank, den er nicht fortschleppen konnte, geöffnet, und alle darin befindlichen Sachen herausgenommen, und dann sich fortgemacht hat, nachher aber zurückgekehrt, eine von diesen Sachen fortgetragen, und bevor er dahin gelangt, wo er beabsichtigt, ergriffen worden ist, wird heimlicher und offenbarer Dieb an derselben Sache zugleich sein11S. Jos. Nerii Analector. lib. I. c. 16. (T. O. II. p. 347. sq.. Auch wer bei Tage die Saat abschneidet und fortschleppt, ist an Dem, was er abgeschnitten, offenbarer und heimlicher Dieb zugleich. 1Wenn Der, wer einen Sack mit zwanzig Münzen darin irgendwo niedergelegt, und einen andern Sack, worin er weiss, dass sich dreissig befinden, indem sich der Geber irrte, in Empfang genommen, allein geglaubt hat, dass sich darunter seine zwanzig befinden, so muss er Namens der zehn wegen Diebstahls haften. 2Wenn Jemand Erz in dem Glauben stiehlt, er stehle Gold, oder umgekehrt (wie Pomponius im achten Buche zu Sabinus sagt) glaubt, es sei weniger, während es mehr ist, so begeht er daran, was er wirklich gestohlen, einen Diebstahl. Das Nemliche lehrt auch Julianus. 3Auch dann, wenn Jemand zwei kleine Säcke gestohlen hat, den einen mit zehn, den andern mit zwanzig, wovon er den einen für den seinen hält, vom andern aber weiss, dass es ein fremder sei, so wird er natürlich nur den einen, den er für einen fremden gehalten, stehlen, gleichwie wenn er zwei Becher gestohlen hat, wovon er den einen für sein gehalten, vom andern aber weiss, dass er ein fremder sei; auch hier geschieht nur an dem einen ein Diebstahl. 4Hat er den Henkel an einem Becher für sein gehalten, oder ist er es wirklich gewesen, so, schreibt Pomponius, begehe er doch an dem ganzen Becher einen Diebstahl. 5Wenn aber Jemand von einem beladenen Schiffe ein Malter Getreide gestohlen hat, hat er da an der ganzen Ladung einen Diebstahl begangen, oder blos an dem Malter? Dieser Fall wird noch leichter bei einer vollen Scheuer vorkommen; und es ist hart, zu behaupten, dass der Diebstahl am Ganzen geschehe. Und wie, wenn eine Cisterne voll Wein wäre, was meinst du da, oder eine Cisterne voll Wasser? Wie ferner dann, wenn von einem Weinschiffe, wie es ihrer viele giebt, in welche der Wein hineingegossen wird, was werden wir da zu Dem sagen, der Wein geschöpft hat? Ist er Dieb der ganzen Ladung? Es spricht mehr dafür, dass man auch hier ihn nicht als solchen der ganzen betrachte. 6Wenn du ferner angiebst, es seien in einem Weinlager Flaschen Wein befindlich und gestohlen worden, so betrifft der Diebstahl nicht das ganze Weinlager, sondern nur jede einzelne Flasche, gleichwie wenn Jemand von mehreren in einer Scheuer eingeschlossenen beweglichen22Moventes, s. l. 63. D. de v. s. u. Leunclavii Notat. l. II. §. CII. Gegenständen einen fortführt. 7Wer in der Absicht, einen Diebstahl zu begehen, ein Zimmer betreten hat, der ist darum noch nicht Dieb, wenn schon er in der Absicht zu stehlen eingedrungen ist. Wie also nun? durch was für eine Klage soll er haften? Man mag ihn wegen Injurien oder Gewaltthätigkeit anklagen, wenn er gewaltsam eingedrungen ist. 8Ingleichen findet, wenn er Etwas von grosser Schwere eröffnet oder erbrochen hat, was er nicht fortschleppen kann, die Diebstahlsklage wider ihn nicht wegen aller Sachen statt, sondern blos wegen derer, die er fortgeschafft hat, weil er das Ganze nicht fortschaffen konnte. Wenn er mithin einen Kleiderschrank, den er nicht mitfortnehmen konnte, aufgeschlagen, um zu stehlen, und darauf einige Sachen herausgenommen hat, so ist er dennoch, wenn er gleich die einzelnen darin befindlichen Gegenstände fortschaffen konnte, sobald er den ganzen Schrank nicht fortschaffen konnte, nur Dieb der einzelnen fortgeschafften Sachen, der übrigen nicht. Hat er aber ein ganzes Behältniss fortschleppen können, so werden wir behaupten, dass er auch Dieb des ganzen sei, wenn er es gleich geöffnet, um einzelne oder mehrere [Sachen] herauszunehmen; und das sagt auch Sabinus. 9Wenn Zwei oder Mehrere einen Balken gestohlen haben, den jeder Einzelne nicht hätte fortbringen können, so müssen Alle wegen des Diebstahls auf das Ganze haften, wenn gleich Einer allein ihn weder hätte stehlen noch fortschaffen können, und das ist Brauch. Denn man kann nicht sagen, dass jeder Einzelne den Diebstahl zum Theil begangen habe, sondern Alle zusammen im Ganzen, und daraus folgt, dass jeder Einzelne hafte. 10Obwohl nun Jemand auch in Betreff der Sachen wegen Diebstahls haftet, die er nicht fortgeschafft hat, so kann doch desfalls keine Condiction wider ihn erhoben werden, weil [nur] eine Sache, welche fortgeschafft worden, condicirt werden kann; so schreibt auch Pomponius.