Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Paul.adult.
De adulteriis lib.Pauli De adulteriis libri

De adulteriis libri

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Ex libro singulari

Dig. 48,16,16Pau­lus li­bro sin­gu­la­ri de ad­ul­te­ris. Do­mi­tia­nus re­scrip­sit, quod de fe­riis et ab­olen­dis reis di­ci­tur, non per­ti­ne­re ad ser­vos, qui ac­cu­sa­ti in vin­cu­lis es­se iu­ben­tur, ne iu­di­cium fi­nia­tur.

Paul. lib. sing. de Adulter. Domitianus hat rescribirt: was von den Ferien und der Niederschlagung der Anklagen gilt, hat auf Sclaven, welche angeklagt sich im Gefängniss11Detlev Langebeck Annot. c. 15. (T. O. I. p. 556.) betrachtet diesen Umstand als den Grund: Quod dicitur, publica abolitione interveniente, repeti posse reum, idque tantum intra 30 dies non habere locum in servis, qui ex vinculis causam dicere coguntur; — hi enim praescriptione non adjuvantur, propter ipsa vincula, quae majorem vim et perpetuitatem, quam instituta accusatio continere videntur. befinden, insofern keine Anwendung, dass das Verfahren nicht zu Ende geführt würde.

Ex libro I

Dig. 37,9,8Pau­lus li­bro pri­mo de ad­ul­te­ris. Si ven­tris no­mi­ne mu­lier mis­sa sit in pos­ses­sio­nem, di­vus Ha­d­ria­nus Cal­pur­nio Flac­co dif­fe­ren­dam ac­cu­sa­tio­nem ad­ul­te­rii re­scrip­sit, ne quod prae­iu­di­cium fie­ret na­to.

Übersetzung nicht erfasst.

Dig. 48,5,31Pau­lus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Pa­ter si­ne pe­ri­cu­lo ca­lum­niae non pot­est age­re. 1Se­xa­gin­ta dies a di­vor­tio nu­me­ran­tur: in die­bus au­tem se­xa­gin­ta et ip­se se­xa­gen­si­mus est.

Paul. lib. I. de Adulter. Der Vater kann ohne [auch] in Gefahr zu gerathen, als wissentlich falscher Ankläger betrachtet zu werden, nicht klagen. 1Die Sechzig Tage werden von der Ehescheidung an gerechnet; zu den sechzig Tagen gehört aber auch der sechzigste selbst.

Ex libro II

Dig. 22,5,18Pau­lus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. Ex eo, quod pro­hi­bet lex Iu­lia de ad­ul­te­riis tes­ti­mo­nium di­ce­re con­dem­na­tam mu­lie­rem, col­li­gi­tur et­iam mu­lie­res tes­ti­mo­nii in iu­di­cio di­cen­di ius ha­be­re.

Paul. lib. II. de adulter. Daraus, dass das Julische Gesetz von den Ehebrüchen eine [wegen Ehebruchs] verurtheilte Frauensperson davon abhält, ein Zeugniss abzulegen, schliesst man, dass [in anderen Fällen] auch Frauenspersonen das Recht haben, ein Zeugniss vor Gericht abzulegen.

Dig. 24,2,9Pau­lus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. Nul­lum di­vor­tium ra­tum est ni­si sep­tem ci­vi­bus Ro­ma­nis pu­be­ri­bus ad­hi­bi­tis prae­ter li­ber­tum eius qui di­vor­tium fa­ciet. li­ber­tum ac­ci­pie­mus et­iam eum, qui a pa­tre avo proavo et ce­te­ris su­sum ver­sum ma­nu­mis­sus sit.

Paul. lib. II. de adult. Keine Scheidung ist gültig, wenn nicht sieben mündige Römische Bürger zugezogen sind, ausser dem Freigelassenen dessen, der sich scheiden will. Als einen solchen Freigelassenen werden wir auch den ansehen, der vom Vater, Grossvater, Urgrossvater und den übrigen [Verwandten in] aufwärts [steigender Linie] freigelassen worden ist.

Dig. 24,3,36Pau­lus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. Si ma­ri­tus mi­nus fa­ce­re pot­est et dos pu­bli­ca­ta sit, in id quod fa­ce­re pot­est fis­co ma­ri­tus con­dem­nan­dus est, ne in per­ni­ciem ma­ri­ti mu­lier pu­ni­ta sit.

Paul. lib. II. de adult. Wenn der Ehemann nicht soviel leisten kann, [als das Heirathsgut beträgt,] und das Heirathsgut von dem öffentlichen Schatz eingezogen sein sollte, so ist der Ehemann dem Fiscus auf das, was er leisten kann, zu verurtheilen, damit die Frau nicht zum Verderben des Ehemannes bestraft sei.

Dig. 48,5,32Idem li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. Quin­quen­nium non uti­le, sed con­ti­nuo nu­me­ran­dum est. quid er­go fiet, si prior mu­lier rea fac­ta sit et id­eo ad­ul­ter eo­dem tem­po­re reus fie­ri non po­tuit et diu trac­ta li­te quin­quen­nium trans­ie­rit? quid si is, qui in­tra quin­quen­nium quem pos­tu­la­ve­rat, non per­ege­rit aut prae­va­ri­ca­tus est et alius eun­dem re­pe­te­re ve­lit et quin­quen­nium trans­ac­tum sit? ae­quum est com­pu­ta­tio­ni quin­quen­nii ex­imi id tem­pus, quod per pos­tu­la­tio­nem prae­ce­den­tem con­sump­tum sit.

Idem lib. II. de Adulter. Der fünfjährige Zeitraum wird nicht mit Ueberspringung, sondern fortlaufend gezählt. Wie ist es nun, wenn die Frau zuerst angeklagt worden, und deshalb der Ehebrecher zu derselben Zeit nicht hat angeklagt werden können, und das Verfahren in die Länge gezogen worden, und dadurch der fünfjährige Zeitraum verflossen ist? Wie dann, wenn Derjenige, welcher Jemanden binnen fünf Jahren angeklagt, und die Sache nicht zu Ende geführt oder prävaricirt hat, und sie ein Anderer wiederauffrischen will, der fünfjährige Zeitraum aber verflossen ist? — Es ist billig, dass von der Berechnung des fünfjährigen Zeitraums diejenige Zeit ausgenommen werde, welche durch die frühere Anklage weggenommen worden ist.

Dig. 48,18,8Pau­lus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­ris. Edic­tum di­vi Au­gus­ti, quod pro­pos­uit Vi­bio Ha­bi­to et Lu­cio Apro­nia­no con­su­li­bus, in hunc mo­dum ex­stat: ‘Quaes­tio­nes ne­que sem­per in om­ni cau­sa et per­so­na de­si­de­ra­ri de­be­re ar­bi­tror, et, cum ca­pi­ta­lia et atro­cio­ra ma­le­fi­cia non ali­ter ex­plo­ra­ri et in­ves­ti­ga­ri pos­sunt quam per ser­vo­rum quaes­tio­nes, ef­fi­ca­cis­si­mas eas es­se ad re­qui­ren­dam ve­ri­ta­tem ex­is­ti­mo et ha­ben­das cen­seo’. 1Sta­tu­li­ber in ad­ul­te­rio pos­tu­la­ri pot­erit, ut quaes­tio ex eo ha­bea­tur, quod ser­vus he­redis est: sed spem suam re­ti­ne­bit.

Paul. lib. II. de Adulter. Es ist ein Edict des Divus Augustus vorhanden, welches er unter den Consuln Vibius Avitus und Lucius Apronianus erliess, und so lautet: Es ist meine Meinung, dass die peinliche Frage niemals in allen Angelegenheiten und in Rücksicht aller Personen statthaben dürfe, sondern nur, wenn Capital- und schwerere Verbrechen nicht anders entdeckt und herausgebracht werden können, als durch peinliche Frage der Sclaven, halte ich sie für höchst wirksam zur Erforschung der Wahrheit, und meine, dass sie gehalten werden müsse. 1Wegen eines Bedingtfreien kann in einer Ehebruchssache verlangt werden, dass die peinliche Frage über ihn gehalten werde, weil er Sclave des Erben ist, aber seine Hoffnung wird er behalten.

Ex libro III

Dig. 23,5,14Pau­lus li­bro ter­tio de ad­ul­te­riis. Si nup­tu­ra Ti­tio vo­lun­ta­te eius fun­dum do­tis no­mi­ne Mae­vio tra­dit, dos eius con­di­cio­nis erit, cu­ius es­set, si ip­si Ti­tio fun­dum tra­di­dis­set. 1Si mu­lie­ris no­mi­ne quis fun­dum in do­tem de­de­rit, do­ta­lis fun­dus erit: prop­ter uxo­rem enim vi­de­tur is fun­dus ad ma­ri­tum per­ve­nis­se. 2Si fun­dum alie­num mu­lie­ri de­beat ma­ri­tus eum­que mu­lier ei do­tis no­mi­ne pro­mi­se­rit, in pen­den­ti erit et tunc fiet do­ta­lis, cum ad eum per­ve­ne­rit. 3Si fun­dum le­ga­tum si­bi do­tis cau­sa mu­lier re­pu­dia­ve­rit vel et­iam sub­sti­tu­to vi­ro omi­se­rit he­redi­ta­tem vel le­ga­tum, erit fun­dus do­ta­lis.

Paul. lib. III. de adult. Wenn eine Frauensperson, welche den Titius heirathen will, mit dem Willen desselben ein Grundstück als Heirathsgut dem Mävius übergibt, so wird das Heirathsgut in der Lage sein, in welcher es sein würde, wenn sie dem Titius selbst das Grundstück übergeben hätte. 1Wenn Jemand für eine Frau ein Grundstück zum Heirathsgut gegeben haben wird, so wird das Grundstück zum Heirathsgut gehören, denn es scheint dies Grundstück wegen der Ehefrau an den Ehemann gekommen zu sein. 2Wenn ein Ehemann ein fremdes Grundstück der Frau zu leisten schuldig sein, und die Frau ihm dasselbe als Heirathsgut versprochen haben sollte, so wird es unentschieden sein, [ob das Grundstück Gegenstand des Heirathsguts werde,] und es wird dann Gegenstand des Heirathsguts werden, wenn es an den [Mann] gekommen sein wird. 3Wenn eine Frau ein ihr legirtes Grundstück um [der Bestellung] eines Heirathsguts willen ausgeschlagen, oder auch, da [ihr] Mann [ihr] substituirt war, eine Erbschaft oder ein Legat anzunehmen unterlassen haben wird22In dem ersten Fall war der Mann Erbe, die Frau Legatarin, in dem zweiten war sie Erbin oder Legatarin, der Mann aber auf den Fall, dass sie die Erbschaft oder das Legat nicht bekommen würde, Erbe oder Legatar. In beiden Fällen entsagte sie ihrem Recht, um dadurch ein Heirathsgut zu bestellen, so dass im ersten Fall das Legat in der Erbschaft blieb, im zweiten Erbschaft oder Legat an den Mann fiel., so wird das Grundstück Gegenstand des Heirathsguts sein.

Dig. 40,9,13Pau­lus li­bro ter­tio de ad­ul­te­riis. Quod si in­tra diem se­xa­ge­si­mum ma­nu­mi­se­rint, erit ser­vus sta­tu­li­ber.

Paul. lib. III. de Adult. Wenn sie aber innerhalb des sechszigsten Tages freigelassen haben, so wird der Sclave ein Bedingtfreier sein.

Dig. 46,3,42Pau­lus li­bro ter­tio de ad­ul­te­riis. Sed nec il­lud pro­hi­bi­tum vi­de­tur, ne a reo cre­di­to­ri sol­va­tur.

Paul. lib. III. de Adulter. Aber auch das scheint nicht verhindert zu sein, dass von einem Angeklagten seinem Gläubiger gezahlt werde.

Dig. 48,2,3Pau­lus li­bro ter­tio de ad­ul­te­riis. Li­bel­lo­rum in­scrip­tio­nis con­cep­tio ta­lis est. ‘con­sul et dies. apud il­lum prae­to­rem vel pro­con­su­lem Lu­cius Ti­tius pro­fes­sus est se Mae­viam le­ge Iu­lia de ad­ul­te­riis ream de­fer­re, quod di­cat eam cum Gaio Se­io in ci­vi­ta­te il­la, do­mo il­lius, men­se il­lo, con­su­li­bus il­lis ad­ul­te­rium com­mi­sis­se’. uti­que enim et lo­cus de­sig­nan­dus est, in quo ad­ul­te­rium com­mis­sum est, et per­so­na, cum qua ad­mis­sum di­ci­tur, et men­sis: hoc enim le­ge Iu­lia pu­bli­co­rum ca­ve­tur et ge­ne­ra­li­ter prae­ci­pi­tur om­ni­bus, qui reum ali­quem de­fe­runt: ne­que au­tem diem ne­que ho­ram in­vi­tus con­pre­hen­det. 1Quod si li­bel­li in­scrip­tio­num le­gi­ti­me or­di­na­ti non fue­rint, rei no­men ab­ole­tur et ex in­te­gro re­pe­ten­di reum po­tes­tas fiet. 2Item sub­scri­be­re de­be­bit is qui dat li­bel­los se pro­fes­sum es­se, vel alius pro eo, si lit­te­ras ne­sciat. 3Sed et si aliud cri­men ob­iciat, vel­uti quod do­mum suam prae­buit, ut stu­prum ma­ter fa­mi­lias pa­te­re­tur, quod ad­ul­te­rum de­pre­hen­sum di­mi­se­rit, quod pre­tium pro com­per­to stu­pro ac­ce­pe­rit, et si quid si­mi­le, id ip­sum li­bel­lis com­pre­hen­den­dum erit. 4Si ac­cu­sa­tor de­ces­se­rit alia­ve quae cau­sa ei im­pe­die­rit, quo mi­nus ac­cu­sa­re pos­sit, et si quid si­mi­le, no­men rei ab­ole­tur pos­tu­lan­te reo: id­que et le­ge Iu­lia de vi et se­na­tus con­sul­to cau­tum est, ita ut li­ceat alii ex in­te­gro re­pe­te­re reum. sed in­tra quod tem­pus, vi­de­bi­mus: et uti­que tri­gin­ta dies uti­les ob­ser­van­di sunt.

Paul. lib. III. de Adulter. Die Anklageschriften werden folgendergestalt abgefasst: Jahreszahl und Tag; vor dem und dem Prätor oder Proconsul hat Lucius Titius sich dazu bekannt, dass er die Mävia nach dem Julischen Gesetz über Ehebruch als Schuldige anklage, indem er angebe, dass sie mit Cajus Sejus in der und der Stadt, und in des und dessen Hause, dem und dem Monat, dem und dem Jahre einen Ehebruch begangen habe. Denn der Ort, wo der Ehebruch begangen worden, muss allemal bezeichnet werden, sowie die Person, mit welcher, und der Monat, in welchem er begangen worden sein soll; denn dies ist im Julischen Gesetze über die öffentlichen Verfahren vorgeschrieben, und wird im Allgemeinen auf Alle bezogen, die Jemanden als schuldig anklagen. Tag und Stunde braucht er, wenn er nicht will, nicht anzugeben. 1Wenn eine Anklageschrift nicht gesetzmässig abgefasst worden ist, so wird der Name des Angeklagten gestrichen, und der Angeklagte darf von Neuem angeklagt werden. 2Der Ankläger muss ferner sich unterschreiben, dass er sich dazu bekannt habe, oder ein Anderer für ihn, wenn er die Buchstaben nicht kennt. 3Auch wenn er Jemanden eines andern Verbrechens bezüchtigt, z. B. dass Jemand sein Haus hergegeben habe, damit eine Hausmutter darin geschwächt werde, dass er den ergriffenen Ehebrecher habe entkommen lassen, dass er für die Mitwissenschaft an der Schwächung einen Lohn erhalten, oder was es sonst der Art sei, wird dies selbst ebenfalls mit in die Anklageschrift begriffen werden müssen. 4Wenn ein Ankläger gestorben ist, oder ein anderer Grund ihn verhindert hat, dass er die Anklage nicht fortstellen kann, so wird der Name des Angeklagten auf dessen Verlangen gestrichen werden, und das ist in dem Julischen Gesetz über Gewaltthätigkeit und in einem Senatsbeschluss verordnet worden, sodass einem Andern freisteht, den Angeschuldigten von Neuem anzugreifen. Aber binnen welcher Frist, ist die Frage. Es sind dreissig Tage mit Ueberspringung zu rechnen.

Dig. 48,16,13Pau­lus li­bro ter­tio de ad­ul­te­ris. De­sti­tis­se eum ac­ci­pie­mus, qui in to­tum ani­mum agen­di de­po­suit, non qui dis­tu­lit ac­cu­sa­tio­nem. 1Sed qui per­mis­su im­pe­ra­to­ris ab ac­cu­sa­tio­ne de­sti­tit, im­pu­ni­tus est.

Paul. lib. III. de Adulter. Als abstehend von der Anklage, müssen wir Den verstehen, der den Willen dazu ganz und gar abgelegt, nicht, wer sie blos aufgeschoben hat. 1Wer aber auf Erlaubniss des Kaisers von der Anklage abgestanden hat, geht straflos aus.