Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Pap.adult.
De adulteriis lib.Papiniani De adulteriis libri

De adulteriis libri

cum Notis Marciani
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Ex libro singulari

Dig. 22,5,14Idem li­bro sin­gu­la­ri de ad­ul­te­riis. Scio qui­dem trac­ta­tum es­se, an ad tes­ta­men­tum fa­cien­dum ad­hi­be­ri pos­sit ad­ul­te­rii dam­na­tus: et sa­ne ius­te tes­ti­mo­nii of­fi­cio ei in­ter­di­ce­tur. ex­is­ti­mo er­go ne­que iu­re ci­vi­li tes­ta­men­tum va­le­re, ad quod hu­ius­mo­di tes­tis pro­ces­sit, ne­que iu­re prae­to­rio, quod ius ci­vi­le sub­se­qui­tur, ut ne­que he­redi­tas ad­iri ne­que bo­no­rum pos­ses­sio da­ri pos­sit.

Idem lib. sing. de adulter. Ich weiss zwar, dass man darüber verhandelt hat, ob bei einer Testamentserrichtung ein wegen Ehebruchs Verurtheilter [als Zeuge] gebraucht werden könne? Und in der That wird einem solchen die [in Ablegung] eines Zeugnisses [bestehende] Dienstleistung rechtmässiger Weise untersagt werden. Ich glaube also, dass ein Testament, zu welchem ein Zeuge der Art gekommen ist, weder nach bürgerlichem Rechte, noch nach prätorischem Rechte, welches an das bürgerliche Recht sich anschliesst, gelte, so dass [aus einem solchen Testament] weder eine Erbschaft angetreten, noch ein Nachlassbesitz gegeben werden kann.

Dig. 48,5,12Idem li­bro sin­gu­la­ri de ad­ul­te­ris. Mi­les, qui cum ad­ul­te­ro uxo­ris suae pac­tus est, sol­vi sa­cra­men­to de­por­ta­ri­que de­bet. 1Mi­li­tem, qui so­ro­ris fi­liam in con­tu­ber­nio ha­buit, li­cet non in ma­tri­mo­nium, ad­ul­te­rii poe­na te­ne­ri rec­tius di­ce­tur. 2Ea, quae in­ter reas ad­ul­te­rii re­cep­ta es­set, ab­sens de­fen­di non pot­est. 3So­cer cum nu­rum ad­ul­te­rii ac­cu­sa­tu­rum se li­bel­lis prae­si­di da­tis tes­ta­tus fuis­set, ma­luit ac­cu­sa­tio­ne de­sis­te­re et lu­crum ex do­te ma­gis pe­te­re. quae­ri­tur, an hu­ius­mo­di com­men­tum eius ad­mit­ti ex­is­ti­mes. re­spon­dit: tur­pis­si­mo ex­em­plo is, qui nu­rum suam ac­cu­sa­re in­sti­tuis­set, post­ea de­sis­te­re ma­luit con­ten­tus lu­crum ex do­te re­ti­ne­re tam­quam cul­pa mu­lie­ris dir­emp­to ma­tri­mo­nio: qua­re non in­ique re­pel­le­tur, qui com­mo­dum do­tis vin­dic­tae do­mus suae prae­po­ne­re non eru­buit. 4Ad­ul­te­rii reum in­tra quin­que an­nos con­ti­nuos a die cri­mi­nis ad­mis­si de­func­ta quo­que mu­lie­re pos­tu­la­ri pos­se pa­lam est. 5Qui­dam ac­cu­sa­re vo­le­bat ad­ul­te­rii mu­lie­rem et pos­tu­la­bat, ne si­bi com­pu­ta­ren­tur dies, quos in cus­to­diam fe­cis­set: me hoc ad­mit­ten­te ex­sti­tit qui mi­hi con­tra­di­ce­ret. cu­ius opi­nio­nem an tu pro­bes, ro­go ma­tu­rius mi­hi scri­bas. re­spon­dit: opi­nio­nem tuam et ver­ba le­gis et sen­ten­tia ad­iu­vant, cui pla­cuit uti­les dies ac­cu­sa­to­ri com­pu­tan­dos es­se, id est qui­bus po­tuit ac­cu­sa­tio­nis sol­lem­nia im­ple­re. qua­re si­ne du­bio dies, qui­bus quis in cus­to­dia fuit, ex­tra com­pu­ta­tio­nem uti­lium die­rum ex­is­ti­man­ti ti­bi con­sti­tu­tos con­tra­di­ci non de­buit. 6Se­xa­gin­ta dies, qui ma­ri­to ac­cu­san­ti uti­les com­pu­tan­tur, fe­ria­tis quo­que die­bus, si mo­do fa­cul­ta­tem prae­si­dis ad­eun­di ac­cu­sa­tor ha­buit, nu­me­ra­ri cer­tum est, quon­iam de pla­no quo­que li­bel­lus da­ri pot­est. quod pri­vi­le­gium si amis­it, non pro­hi­be­tur in­tra alios quat­tuor men­ses que­rel­lam suam apud iu­di­cem de­fer­re. 7Quae­re­ba­tur, an iu­re ma­ri­ti pos­sit ac­cu­sa­re vir eam fe­mi­nam, quae, cum ei de­spon­sa fuis­set, alii in ma­tri­mo­nium a pa­tre fuis­set tra­di­ta. re­spon­dit: no­vam rem in­sti­tue­re hu­ius­mo­di ac­cu­sa­to­rem ex­is­ti­mo, qui ad­ul­te­rii cri­men ob­ice­re de­si­de­rat prop­ter hoc tan­tum, quod prio­ri si­bi de­spon­sa puel­la a pa­tre in ma­tri­mo­nium alii fue­rit tra­di­ta. 8De­func­to ma­ri­to ad­ul­te­rii rea mu­lier pos­tu­la­tur, 9quae prop­ter im­pu­be­rem fi­lium vult di­la­tio­nem ab ac­cu­sa­to­re im­pe­tra­re: an de­beat au­di­ri? re­spon­di: non vi­de­tur mi­hi con­fu­ge­re ea mu­lier ad ius­tam de­fen­sio­nem, quae ae­ta­tem fi­lii prae­ten­dit ad elu­den­dam le­gi­ti­mam ac­cu­sa­tio­nem: nam non uti­que cri­men ad­ul­te­rii, quod mu­lie­ri ob­ici­tur, in­fan­ti prae­iu­di­cat, cum pos­sit et il­la ad­ul­te­ra es­se et im­pu­bes de­func­tum pa­trem ha­buis­se. 10Vo­len­ti mi­hi ream ad­ul­te­rii pos­tu­la­re eam, quae post com­mis­sum ad­ul­te­rium in eo­dem ma­tri­mo­nio per­se­ve­ra­ve­rit, con­tra­dic­tum est. quae­ro, an ius­te re­spon­sum sit. re­spon­dit: igno­ra­re non de­buis­ti du­ran­te eo ma­tri­mo­nio, in quo ad­ul­te­rium di­ci­tur es­se com­mis­sum, non pos­se mu­lie­rem ream ad­ul­te­rii fie­ri: sed nec ad­ul­te­rum in­ter­im ac­cu­sa­ri pos­se. 11Li­cet ei mu­lier, qui in su­spi­cio­nem ad­ul­te­rii in­ci­dit, nup­sis­se di­ca­tur, non an­te ac­cu­sa­ri pot­erit, quam ad­ul­ter fue­rit con­vic­tus: alio­quin ad hoc vel ma­xi­me vi­ri con­fu­gient vo­len­tes be­ne con­cor­da­tum se­quens ma­tri­mo­nium dir­ime­re, ut di­cant cum ad­ul­te­ro mu­lie­rem nup­tias con­tra­xis­se. 12Mu­lier cum ab­sen­tem vi­rum au­dis­set vi­ta func­tum es­se, alii se iun­xit: mox ma­ri­tus re­ver­sus est. quae­ro, quid ad­ver­sus eam mu­lie­rem sta­tuen­dum sit. re­spon­dit tam iu­ris quam fac­ti quaes­tio­nem mo­ve­ri: nam si lon­go tem­po­re trans­ac­to si­ne ul­lius stu­pri pro­ba­tio­ne fal­sis ru­mo­ri­bus in­duc­ta, qua­si so­lu­ta prio­re vin­cu­lo, le­gi­ti­mis nup­tiis se­cun­dis iunc­ta est, quod ve­ri­si­mi­le est de­cep­tam eam fuis­se ni­hil vin­dic­ta dig­num vi­de­ri pot­est: quod si fic­ta ma­ri­ti mors ar­gu­men­tum fa­cien­dis nup­tiis pro­ba­bi­tur prae­sti­tis­se, cum hoc fac­to pu­di­ci­tia la­bo­re­tur, vin­di­ca­ri de­bet pro ad­mis­si cri­mi­nis qua­li­ta­te. 13Ream ad­ul­te­rii uxo­rem du­xi: eam dam­na­tam mox re­pu­dia­vi. quae­ro, an cau­sam di­sci­dii prae­sti­tis­se vi­deor. re­spon­dit: cum per le­gem Iu­liam hu­ius­mo­di uxo­rem re­ti­ne­re pro­hi­bea­ris, non vi­de­ri cau­sam te di­sci­dii prae­sti­tis­se pa­lam est. qua­re ita ius trac­ta­bi­tur qua­si cul­pa mu­lie­ris fac­to di­vor­tio.

Idem lib. sing. de Adulter. Ein Soldat, der mit dem Ehebrecher seiner Frau sich verglichen hat, muss seines Eides entlassen und deportirt werden. 1Der Soldat, der seiner Schwester Tochter zur Schlafgenossin, wenn auch nicht zur ehelichen Frau gehabt, der muss, richtiger Annahme nach, mit der Strafe des Ehebruchs belegt werden. 2Die Frau, welche wegen Ehebruchs in Anklagestand versetzt worden, kann abwesend nicht vertheidigt werden. 3Ein Schwiegervater, der vor Zeugen erklärt hatte, dass er seine Schwiegertochter mittels Autrages an den Präsidenten des Ehebruchs anklagen wolle, zog es vor, von der Anklage abzustehen, und vielmehr den aus der Mitgift entspringenden Vortheil zu fodern. Es frägt sich: glaubst du, dass eine solche listige Handlungsweise zugelassen werden dürfe? — Antwort: wer zuerst seine Schwiegertochter anzuklagen begonnen, nachher aber davon absteht, zufrieden, den Vortheil aus der Mitgift zu ziehen, als sei die Ehe durch Schuld der Frau gestört worden, giebt ein erzschlechtes Beispiel; billigerweise wird Der daher abgewiesen werden, wer nicht erröthet ist, der Rache seines Hauses den Vortheil der Mitgift vorzuziehen. 4Es ist bekannt, dass der eines Ehebruchs Schuldige binnen fünf ununterbrochenen Jahren vom Tage der begangenen That an, auch nach dem Ableben der Frau belangt werden könne. 5„Jemand wollte eine Frau des Ehebruchs anklagen, und verlangte, dass ihm die Tage, wo er im Gefängniss gesessen, nicht gerechnet würden; als ich dies zuliess, trat Einer auf, welcher Widerspruch that; theilst du dessen Meinung? Ich bitte um schleunige Nachricht.“ — Ich habe geantwortet: Deine Meinung unterstützen sowohl die Worte als der Sinn des Gesetzes, welches sich dahin aussprach, dass dem Ankläger nur die zur Rechtsverfolgung dienlichen Tage berechnet werden sollen, d. h. diejenigen, an denen er die Förmlichkeiten der Anklage erfüllen konnte; deshalb kann deiner Meinung, dass diejenigen Tage, an denen Jemand im Gefangniss gewesen, ausser der Zahl der zur Rechtsverfolgung dienlichen Tage gelegen seien, nicht widersprochen werden. 6Sechzig Tage, die dem Ehemann als Ankläger mit Ueberspringung gerechnet werden, werden auch an den Ferientagen fortgezählt, vorausgesetzt, dass der Kläger die Möglichkeit für sich hatte, den Präsidenten anzugehen, weil demselben der Antrag ausserhalb des Tribunals überreicht werden kann; hat er dieses Vorrecht11Indem der Ehemann in dieser Zeit die Anklage allein erheben kann, und die übrigen Ankläger dies abwarten müssen. vorübergelassen, so steht ihm nichts im Wege, binnen anderweiten vier Monaten seine Beschwerde [noch] vor dem Richter anzubringen. 7Es entstand die Frage, ob ein Mann diejenige Frau vermöge ehemännlichen Rechtes anklagen könne, die, während sie ihm verlobt gewesen, von ihrem Vater einem Andern verheirathet worden wäre? — Ich ertheilte zur Antwort: ich glaube, dass ein Ankläger dieser Art etwas ganz Neues fodere, der das Verbrechen des Ehebruchs nur deswegen [einer Frau] vorzuwerfen verlangt, weil sie als Mädchen ihm früher verlobt, von ihrem Vater einem Andern zur Frau gegeben worden ist. 8Auch nach des Ehemannes Ableben kann eine Frau noch des Ehebruchs angeklagt werden. 9Darf diejenige Frau gehört werden, die ihres unmündigen Sohnes wegen vom Ankläger Aufschub verlangt? — Ich habe zur Antwort ertheilt: es scheint mir diejenige Frau zu keiner rechtmässigen Vertheidigung zu greifen, die zur Abwendung einer gesetzmässigen Anklage das Alter ihres Sohnes vorschüzt; denn das Verbrechen des Ehebruchs, welches der Frau vorgeworfen wird, schadet ihrem Kinde nicht durch Vorgreifen unbedingt, indem ja beides neben einander bestehen, d. h. die Frau eine Ehebrecherin sein und der Unmündige den Verstorbenen zum Vater Erben kann. 10„Als ich im Begriff stand, die Frau des Ehebruchs anzuklagen, die nach begangenem Ehebruch in derselben Ehe fortwährend geblieben war, ist mir widersprochen worden. Ich frage: ob richtig geantwortet worden ist?“ — Ich habe zum Gutachten ertheilt: es hätte dir nicht unbekannt sein sollen, dass, solange die Ehe fortdauert, in welcher der Ehebruch begangen sein soll, eine Frau des Ehebruchs nicht angeklagt werden kann, ebensowenig aber kann inzwischen der Ehebrecher angeklagt werden. 11Wenngleich angegeben wird, es habe eine Frau Den, der in den Verdacht des Ehebruchs gerathen, geheirathet, so wird sie doch nicht eher angeklagt werden können, als bis der Ehebrecher überführt worden ist; denn sonst würden hierzu die Männer rasch bei der Hand sein, wenn sie eine zweite in Eintracht geführt werdende Ehe stören wollen, und angeben, die Frau habe sich mit einem Ehebrecher verheirathet. 12„Eine Frau hatte gehört, dass ihr abwesender Ehemann mit Tode abgegangen sei, und sich mit einem andern verbunden; kurz darauf kehrte der Ehemann zurück. Ich frage: was ist gegen die Frau zu bestimmen?“ — Ich habe zur Antwort ertheilt: diese Frage sei sowohl thatsächlich als Rechtens; denn, sei ein langer Zeitraum ohne Beweis irgend eines Ehebruchs verflossen, und habe dann die Frau, durch einen Irrthum verleitet, als sei das Band der ersten Ehe gelöst, sich in einer zweiten rechtmässigen verbunden, so kann, weil es wahrscheinlich ist, dass sie betrogen worden sei, nichts der Rache würdig erscheinen; wird aber nachgewiesen, dass der eingebildete Tod des Ehemannes ein Beförderungsmittel der [zweiten] Ehe gewesen, so muss sie, da durch eine solche Handlung der Anstand verletzt wird, nach Maassgabe der Grösse des Verbrechens gestraft werden. 13Ich habe eine des Ehebruchs angeschuldigte Frau geheirathet, und kurz darnach, als sie verurtheilt worden, sie verstossen. Ich frage: ist anzunehmen, dass ich die Veranlassung zur Scheidung gegeben habe? — Antwort: da es dir durch das Julische Gesetz verboten ist, eine solche Frau zu behalten, so ist es klar, dass du nicht die Veranlassung zur Scheidung gegeben hast; die Sache wird daher aus dem rechtlichen Gesichtspunkte betrachtet, als sei die Scheidung durch Verschulden der Frau geschehen.

Dig. 48,16,11Idem li­bro sin­gu­la­ri de ad­ul­te­ris. Quae­re­ba­tur, an hi, qui ab ac­cu­sa­tio­ne tem­po­re ex­clu­si es­sent, in se­na­tus con­sul­tum Tur­pil­lia­num in­ci­de­runt. re­spon­dit non opor­te­re du­bi­ta­ri ca­lum­nia non pu­ni­ri eos, qui prae­scrip­tio­ne tem­po­ris ex­clu­si cau­sam ad­ul­te­rii per­fer­re non po­tue­runt.

Idem lib. sing. de Adulter. Es entstand die Frage, ob Diejenigen, welche von der Anklage durch Zeitverlauf ausgeschlossen worden wären, dem Turpillianischen Senatsbeschluss verfielen? Antwort: es dürfe nicht bezweifelt werden, dass Diejenigen wegen wissentlich falscher Anklage nicht gestraft werden dürfen, welche durch die Einrede des Verlaufs der Frist die Anklage eines Ehebruchs nicht haben fortstellen können22Zur Vereinigung dieser Stelle mit l. 1. §. 10. bemerkt Cujac. Obs. XX. 30. dass in obiger Stelle der Angeklagte die Einrede vorgeschützt hat, in letzterer aber nicht..

Ex libro I

Dig. 22,5,13Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Quae­si­tum scio, an in pu­bli­cis iu­di­ciis ca­lum­niae dam­na­ti tes­ti­mo­nium iu­di­cio pu­bli­co per­hi­be­re pos­sunt. sed ne­que le­ge rem­mia pro­hi­ben­tur et Iu­lia lex de vi et re­pe­ten­da­rum et pe­cu­la­tus eos ho­mi­nes tes­ti­mo­nium di­ce­re non ve­tue­runt. ve­rum­ta­men quod le­gi­bus omis­sum est, non omit­te­tur re­li­gio­ne iu­di­can­tium ad quo­rum of­fi­cium per­ti­net eius quo­que tes­ti­mo­nii fi­dem, quod in­te­grae fron­tis ho­mo di­xe­rit, per­pen­de­re.

Papinian. lib. I. de adulter. Ich weiss, dass man darüber gestritten hat, ob die, welche wegen Chicane in öffentlichen Processen verurtheilt worden sind, in einem öffentlichen Process ein Zeugniss ablegen können? Aber weder werden sie durch das Remmische Gesetz davon abgehalten, noch haben die Julischen Gesetze von der Gewalt, vom Amtsmissbrauch und von der Entwendung öffentlichen Eigenthums verboten, dass solche Menschen ein Zeugniss ablegen dürfen; jedoch wird das, was in den Gesetzen übergangen worden ist, von der Gewissenhaftigkeit der Richter nicht übergangen werden, zu deren Pflicht es gehört, auch die Glaubwürdigkeit eines solchen Zeugnisses, welches ein Mensch von unbescholtenem Rufe abgelegt haben wird, zu untersuchen.

Dig. 23,5,12Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Et­iam si dir­emp­to ma­tri­mo­nio do­ta­le prae­dium es­se in­tel­le­gi­tur. 1So­ce­ri vo­lun­tas in dis­tra­hen­do do­ta­li prae­dio nul­la est.

Papinian. lib. I. de adult. wenn gleich nach getrennter Ehe das Grundstück als Gegenstand des Heirathsguts angesehen wird. 1Der Wille des Schwiegervaters hat bei dem Verkauf eines zum Heirathsgut gehörigen Grundstücks keine Kraft.

Dig. 24,2,7Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Si pae­ni­tuit eum, qui li­bel­lum tra­den­dum di­vor­tii de­dit, is­que per igno­ran­tiam mu­ta­tae vo­lun­ta­tis ob­la­tus est, du­ra­re ma­tri­mo­nium di­cen­dum, ni­si pae­ni­ten­tia co­gni­ta is qui ac­ce­pit ip­se vo­luit ma­tri­mo­nium dis­sol­ve­re: tunc enim per eum qui ac­ce­pit sol­vi­tur ma­tri­mo­nium.

Papinian. lib. I. de adult. Wenn es den [Ehegatten] gereut hat, welcher [Jemanden] einen Scheidungsbrief gegeben hat, damit derselbe [dem anderen Ehegatten] übergeben werde, und er aus Unbekanntschaft mit dem geänderten Willen überreicht worden ist, so muss man sagen, dass die Ehe fortdauere, wenn nicht der [Ehegatte], welcher [den Scheidungsbrief] erhalten hat, nachdem ihm die Reue [des anderen] bekannt geworden ist, selbst hat die Ehe auflösen wollen; dann nämlich wird durch den, welcher [den Scheidungsbrief] erhalten hat, die Ehe aufgelöst.

Dig. 46,3,41Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Reo cri­mi­nis pos­tu­la­to in­ter­im ni­hil pro­hi­bet rec­te pe­cu­niam a de­bi­to­ri­bus sol­vi: alio­quin ple­ri­que in­no­cen­tium ne­ces­sa­rio sump­tu ege­bunt.

Papin. lib. I. de Adulter. Wenn [der Gläubiger] eines Verbrechens angeklagt worden ist, so hindert Nichts, dass ihm das Geld unterdessen von den Schuldnern richtig gezahlt werde, sonst würden die meisten Unschuldigen den nothwendigen Bedarf entbehren.

Dig. 48,2,2Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Cer­tis ex cau­sis con­ces­sa est mu­lie­ri­bus pu­bli­ca ac­cu­sa­tio, vel­uti si mor­tem ex­equan­tur eo­rum ea­rum­que, in quos ex le­ge tes­ti­mo­nium pu­bli­co­rum in­vi­tae non di­cunt. idem et in le­ge Cor­ne­lia tes­ta­men­ta­ria se­na­tus sta­tuit: sed et de tes­ta­men­to pa­ter­ni li­ber­ti vel ma­ter­ni mu­lie­ri­bus pu­bli­co iu­di­cio di­ce­re per­mis­sum est. 1Pu­pil­lis ex con­si­lio tu­to­rum pa­tris mor­tem, item pu­pil­lae avi sui mor­tem ex­equi con­ces­sum est. le­ge au­tem tes­ta­men­ta­ria nam de pa­tris qui­dem tes­ta­men­to pu­pil­lis age­re di­vus Ves­pa­sia­nus per­mi­sit: sed qua­si non ex­hi­bean­tur ta­bu­lae, per in­ter­dic­tum pos­sunt ex­per­i­ri.

Papin. lib. I. de Adulter. In gewissen Fällen ist den Frauenspersonen die öffentliche Anklage erlaubt, wenn sie nemlich den Tod Derer rächen wollen, gegen die sie nach dem Gesetze über öffentliche Verfahren wider ihren Willen kein Zeugniss abzulegen brauchen. Dasselbe hat der Senat in dem Cornelischen Testamentargesetze bestimmt. In Ansehung des Testaments eines väterlichen oder mütterlichen Freigelassenen ist den Weibern aber auch erlaubt, in einem öffentlichen Verfahren zu rechten. 1Unmündigen ist unter Leitung ihrer Vormünder durch das Testamentargesetz gestattet, den Tod ihres Vaters, sowie einer Unmündigen den Tod ihres Grossvaters zu rächen; wegen des väterlichen Testaments gestattete Divus Vespasianus den Unmündigen Klage zu erheben. Wenn aber Testamentsurkunden nicht ausgeliefert werden, so können sie auch das [desfalsige] Interdict erheben.

Dig. 48,3,2Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Si ser­vus ca­pi­ta­li cri­mi­ne pos­tu­le­tur, le­ge pu­bli­co­rum ca­ve­tur, ut sis­ten­dum vel a do­mi­no vel ab ex­te­ro sa­tis­da­to pro­mit­ta­tur: quod si non de­fen­da­tur, in vin­cu­la pu­bli­ca co­ici iu­be­tur, ut ex vin­cu­lis cau­sam di­cat. 1So­let ita­que trac­ta­ri, an post­ea do­mi­no per­mit­ten­dum sit ob­la­ta sa­tis­da­tio­ne ser­vum suum vin­cu­lis li­be­ra­re. du­bi­ta­tio­nem au­get edic­tum Do­mi­ti­a­ni, quo cau­tum est ab­oli­tio­nes ex se­na­tus con­sul­to fac­tas ad hu­ius­mo­di ser­vos non per­ti­ne­re. nam et lex ip­sa pro­hi­bet eum ab­sol­vi, prius­quam de eo iu­di­ce­tur. sed haec in­ter­pre­ta­tio per­du­ra, per­ni­mium se­ve­ra est in eo, cu­ius do­mi­nus ab­sens fuit vel quod per in­opiam il­lo mo­men­to tem­po­ris sa­tis­da­tio­nem im­ple­re non po­tuit: ne­que enim pro in­de­fen­so de­relic­tus rec­te di­ci pot­est, qui do­mi­num prae­sen­tem non ha­buit vel ha­buit pa­ra­tum de­fen­de­re, pau­pe­rem ta­men. quod uti­que fa­ci­lius ad­mit­ti pot­erit, si non post lon­gum tem­po­ris spa­tium hoc de­si­de­re­tur. 2Qui ex­hi­ben­di pos­tu­la­ti sunt prop­ter aliam cau­sam, al­te­rius cri­mi­nis, quod an­te ad­mis­sum est, rei non re­ci­piun­tur ex se­na­tus con­sul­to. quod in pri­va­tis quo­que cau­sis et ho­mi­ni­bus sub fi­de­ius­so­re fac­tis ob­ser­va­tur, ni­si ex hoc tem­po­ra­lis ac­tio in pe­ri­cu­lum ca­dat.

Papin. lib. I. de Adulter. Wenn ein Sclave wegen eines Capitalverbrechens angeklagt wird, so wird durch das Gesetz über öffentliche Verfahren verordnet, dass mittels Bürgschaftsleistung von Seiten eines Dritten versprochen werden solle, ihn zu stellen; wird er aber von Niemand vertreten, so wird Befehl ertheilt, ihn in das öffentliche Gefängniss zu werfen, sodass er gefesselt seine Sache33Ex vinculis causam dicere, s. Budaei Annot. rel. in Pand. p. 14. Ed. Steph. 1525. s. auch l. 25. §. 1. D. de SC. Silan. führen mag. 1Daher pflegt die Frage aufgeworfen zu werden, ob dem Herrn nachher zu gestatten sei, seinen Sclaven gegen Bürgschaftsbestellung aus dem Gefängniss zu befreien? Den Zweifel darüber vermehrt noch ein Edict Domitians, worin verordnet worden, dass die nach diesem44Dem Turpilianischen. Senatsbeschluss geschehenen Abolitionen solche Art von Sclaven nicht angehen sollen; und auch das Gesetz selbst verbietet dessen Lossprechung, bevor über ihn erkannt worden ist. Allein diese Auslegung ist zu hart und zu strenge in Ansehung des Sclaven, dessen Herr abwesend war, oder dass er gerade in jener Zeit die Bürgschaft nicht leisten konnte. Denn es kann derjenige keineswegs als unvertheidigt verlassen betrachtet werden, dessen Herr nicht gegenwärtig war, oder dessen Herr ihn blos Armuths halber beim besten Willen nicht vertheidigen konnte; man kann dies um so leichter zulassen, je kürzere Zeit nachher das Versäumte nachgeholt wird. 2Der Sclave, dessen Auslieferung gefordert worden ist, darf wegen eines früher begangenen andern Verbrechens nach dem Senatsbeschluss nicht in Anklagestand gestellt werden. Dies gilt auch in Privatangelegenheiten, und von denen, die Bürgschaft bestellt aben, sich vor Gericht stellen zu wollen55hominibs sub fidejussore factis; Cujac. l. l. rechtfertigt zuvörderst die Lesart hominibus gegen die: nominibus, und erklärt ersteres = homines, wui satisdedere judicio sisti. Die Lesart bestätigen auch die Basil., es müsste denn dadurch eine zeitliche Klage gefährdet werden.

Dig. 48,5,6Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. In­ter li­be­ras tan­tum per­so­nas ad­ul­te­rium stu­prum­ve pas­sas lex Iu­lia lo­cum ha­bet. quod au­tem ad ser­vas per­ti­net, et le­gis Aqui­liae ac­tio fa­ci­le te­ne­bit et in­iu­ria­rum quo­que com­pe­tit nec erit de­ne­gan­da prae­to­ria quo­que ac­tio de ser­vo cor­rup­to: nec prop­ter plu­res ac­tio­nes par­cen­dum erit in hu­ius­mo­di cri­mi­ne reo. 1Lex stu­prum et ad­ul­te­rium pro­mis­cui et καταχρηστικώτερον ap­pel­lat. sed pro­prie ad­ul­te­rium in nup­ta com­mit­ti­tur, prop­ter par­tum ex al­te­ro con­cep­tum com­po­si­to no­mi­ne: stu­prum ve­ro in vir­gi­nem vi­duam­ve com­mit­ti­tur, quod Grae­ci φθορὰν ap­pel­lant. 2Fi­lius fa­mi­liae ma­ri­tus ab eo, qui sui iu­ris est, in ea le­ge non se­pa­ra­tur. di­vus quo­que Ha­d­ria­nus ro­sia­no ge­mi­no re­scrip­sit et in­vi­to pa­tre fi­lium hac le­ge reum fa­ce­re. 3Ma­ri­tus et­si duo reos ex alio cri­mi­ne ha­beat, pot­erit iu­re vi­ri ter­tium ac­cu­sa­re, quon­iam ea cau­sa non ce­dit in nu­me­rum ce­te­ra­rum.

Papin. lib. I. de Adulter. Das Julische Gesetz hat nur in Bezug auf den zwischen freien Personen begangnen Ehebruch oder Schwächung Anwendung. Soviel die Sclavinnen anlangt, so wird sowohl die Klage aus dem Aquilischen Gesetze leicht statthaben, als auch die Injurienklage, und eben sowenig wird die prätorische Klage wegen Verführung des Sclaven verweigert werden dürfen, noch dem dieses Verbrechens Angeschuldigten wegen der mehreren Klagen Schonung zu Theil zu werden brauchen. 1Das Gesetz braucht die Worte Ehebruch und Schwächung abwechselnd und καταχρηστικώτερον (Misbrauchsweise); denn eigentlich wird ein Ehebruch66Adulterium, quasi ad alterius thorum accessit. Glosse. mit einer Verheiratheten begangen, welches Wort davon herkommt, dass ein Kind von einem Andern empfangen wird77Ueber diese Etymologie s. Duker. l. l. p. 127., eine Schwächung wird aber gegen eine Jungfrau oder Wittwe begangen, was die Griechen φθοράν (Verführung) nennen. 2Ein Haussohn, der Ehemann ist, wird in dem Gesetze von Dem, der eigenen Rechtens ist, nicht unterschieden. Auch hat Divus Hadrianus an den Roscianus Geminus rescribirt, es könne der Sohn aus diesem Gesetze auch wider seines Vaters Willen Anklage erheben. 3Der Ehemann wird, wenn er auch zwei Andere aus einem andern Verbrechen angeklagt hat, dennoch vermöge seines Rechtes als Ehemann auch den Dritten anklagen, weil diese Angelegenheit nicht zu den übrigen mitgezählt wird88S. Radulphi Forneri Rer. quotid. Lib. IV. c. 15. (T. O. II. 241.).

Dig. 48,5,21Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Pa­tri da­tur ius oc­ci­den­di ad­ul­te­rum cum fi­lia quam in po­tes­ta­te ha­bet: ita­que ne­mo alius ex pa­tri­bus idem iu­re fa­ciet: sed nec fi­lius fa­mi­lias pa­ter:

Papin. lib. I. de Adulter. Dem Vater wird das Recht gegeben, den Ehebrecher mit der Tochter zu tödten, wenn er Letztere in seiner Gewalt hat. Eine andere Person aus der Classe der Eltern wird dies daher nicht mit Recht thun, aber auch ebensowenig ein Haussohn als Vater.

Dig. 48,5,23Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­ris. Nec in ea le­ge na­tu­ra­lis ab ad­op­ti­vo pa­ter se­pa­ra­tur. 1In ac­cu­sa­tio­nem vi­duae fi­liae non ha­bet pa­ter ius prae­ci­puum. 2Ius oc­ci­den­di pa­tri con­ce­di­tur do­mi suae, li­cet ibi fi­lia non ha­bi­tat, vel in do­mo ge­ne­ri: sed do­mus et pro do­mi­ci­lio ac­ci­pien­da est, ut in le­ge Cor­ne­lia de in­iu­riis. 3Sed qui oc­ci­de­re pot­est ad­ul­te­rum, mul­to ma­gis con­tu­me­lia pot­erit iu­re ad­fi­ce­re. 4Id­eo au­tem pa­tri, non ma­ri­to mu­lie­rem et om­nem ad­ul­te­rum re­mis­sum est oc­ci­de­re, quod ple­rum­que pie­tas pa­ter­ni no­mi­nis con­si­lium pro li­be­ris ca­pit: ce­te­rum ma­ri­ti ca­lor et im­pe­tus fa­ci­le de­cer­nen­tis fuit re­fre­nan­dus.

Papin. lib. I. de Adulter. Es macht auch das Gesetz zwischen dem natürlichen und dem Adoptivvater keinen Unterschied. 1In Ansehung der Anklage seiner verwittweten Tochter hat der Vater keine bevorrechtete Befugniss. 2Das Recht der Tödtung steht dem Vater nur in seinem Hause zu, wenn auch die Tochter daselbst nicht wohnt, oder im Hause des Schwiegersohnes. Haus ist hier für Wohnung zu verstehen, wie im Cornelischen Gesetz über Injurien. 3Wer aber den Ehebrecher tödten kann, der wird umsomehr denselben mit allem Rechte einen Schimpf anthun können. 4Dem Vater und nicht dem Ehemann ist es aber darum erlaubt, die Tochter und jeden Ehebrecher zu tödten, weil meistens die natürliche Liebe des Vaters für die Kinder spricht99Quod plerumque pietas paterni nominis consilium pro liberis capit., und im Uebrigen auch die Hitze und der Ungestüm des Ehemannes, der mit dem Entschluss rasch bei der Hand ist, gezügelt werden musste.

Ex libro II

Dig. 3,6,9Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. De ser­vo qui ac­cu­sa­tur, si pos­tu­le­tur, quaes­tio ha­be­tur: quo ab­so­lu­to in du­plum pre­tium ac­cu­sa­tor do­mi­no dam­na­tur: sed et ci­tra pre­tii aes­ti­ma­tio­nem quae­ri­tur de ca­lum­nia eius. se­pa­ra­tum est et­enim ca­lum­niae cri­men a dam­no quod in ser­vo prop­ter quaes­tio­nem do­mi­no da­tum est.

Papin. lib. II. de Adult. Mit einem Sclaven, der angeklagt wird, wird, wenn es verlangt werden sollte, Untersuchung (durch die Folter) angestellt (quaestio habetur); und ist er freigesprochen worden, so wird der Ankläger dem Herrn zur [Leistung] des doppelten Werthes verurtheilt. Aber auch abgesehen von (citra) der Schätzung des Werthes wird wegen der Chicane desselben Untersuchung angestellt. Denn es ist das Verbrechen der Chicane von dem Schaden getrennt, der in dem Sclaven wegen der Untersuchung (durch die Folter) dem Herrn zugefügt worden ist.

Dig. 24,2,8Idem li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. Di­vus Ha­d­ria­nus eum, qui alie­nam uxo­rem ex iti­ne­re do­mum suam du­xis­set et in­de ma­ri­to eius re­pu­dium mis­sis­set, in tri­en­nium rele­ga­vit.

Idem lib. II. de adult. Der höchstselige Hadrianus hat Einen, der eine fremde Ehefrau von der Strasse in sein Haus geführt, und von da aus eine Kündigung an ihren Ehemann hatte ergehen lassen, auf drei Jahre relegirt.

Dig. 48,5,9Idem li­bro se­cun­do de ad­ul­te­ris. Qui do­mum suam, ut stu­prum ad­ul­te­rium­ve cum alie­na ma­tre fa­mi­lias vel cum mas­cu­lo fie­ret, sciens prae­bue­rit vel quaes­tum ex ad­ul­te­rio uxo­ris suae fe­ce­rit: cu­ius­cum­que sit con­di­cio­nis, qua­si ad­ul­ter pu­ni­tur. 1Ap­pel­la­tio­ne do­mus ha­bi­ta­tio­nem quo­que sig­ni­fi­ca­ri pa­lam est.

Papin. lib. II. de Adulter. Wer sein Haus zur Schwächung oder einem Ehebruch mit einer fremden Hausmutter, oder einer Mannsperson wissentlich hergegeben, oder aus dem Ehebruch seiner Frau einen Gewinn gezogen hat, er sei welchen Standes da wolle, der wird als Ehebrecher gestraft. 1Unter der Benennung Haus wird natürlich auch die Wohnung verstanden.

Dig. 48,5,11Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. Ma­ter au­tem fa­mi­lias sig­ni­fi­ca­tur non tan­tum nup­ta, sed et­iam vi­dua. 1Mu­lie­res quo­que hoc ca­pi­te le­gis, quod do­mum prae­bue­runt vel pro com­per­to stu­pro ali­quid ac­ce­pe­runt, te­nen­tur. 2Mu­lier, quae evi­tan­dae poe­nae ad­ul­te­rii gra­tia le­no­ci­nium fe­ce­rit aut ope­ras suas in scae­nam lo­ca­vit, ad­ul­te­rii ac­cu­sa­ri dam­na­ri­que ex se­na­tus con­sul­to pot­est.

Papin. lib. II. de Adulter. Unter einer Hausmutter wird nicht blos eine Verheirathete, sondern auch eine Witwe verstanden. 1Auch Weiber haften aus diesem Hauptstück des Gesetzes, wenn sie ihr Haus hergegeben, oder für eine erfahrene Schwächung etwas erhalten haben. 2Diejenige Frau, die zur Vermeidung der Strafe des Ehebruchs Kupplerei1010Quae igitur legum poenas in adulteras et stupri convictas timebant, lenocinium profitebantur ut in infamium ordinem relegatae sub legum cura non essent; Des. Herald. Obs. et Em. C. 33. (T. O. II. p. 1355.) s. auch Ram. del Manzano ad Leg. Jul. et Pap. Lib. II. c. 30. §. 4. (T. M. V. p. 222.) getrieben oder ihren Dienst zur Bühne verdungen hat, kann wegen Ehebruchs dem Senatsbeschluss zufolge dennoch angeklagt und verurtheilt werden.

Dig. 48,16,8Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. Ab­oli­tio aut pu­bli­ce fit ob diem in­sig­nem aut pu­bli­cam gra­tu­la­tio­nem

Papin. lib. II. de Adulter. Eine Niederschlagung [der Anklagen] findet entweder öffentlich wegen ausgezeichneter Tage statt, oder wegen eines öffentlichen freudigen Ereignisses,

Dig. 48,16,10Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. aut pri­va­tim ac­to­re pos­tu­lan­te. ter­tio ge­ne­re fit ex le­ge ab­oli­tio ac­cu­sa­to­re mor­tuo vel ex ius­ta cau­sa im­pe­di­to, quo mi­nus ac­cu­sa­re pos­sit. 1Ab­oli­tio­ne au­tem pu­bli­ce fac­ta non re­trac­ta­bi­tur in iu­di­cio re­pe­ten­do de ma­ri­ti iu­re. 2Tri­gin­ta dies re­pe­ten­di rei di­vus Tra­ia­nus uti­les es­se in­ter­pre­ta­tus est, ex die sci­li­cet, quo fe­riae fi­ni­tae sunt. et se­na­tus cen­suit eas dies ce­de­re, qui­bus quis­que reum suum re­pe­te­re pos­sit. hoc au­tem re­pe­ten­di rei tem­pus non ali­ter ce­dit, quam si ac­cu­sa­tor quo­que po­tuit ad­ire.

Papin. lib. II. de Adulter. oder privatim, wenn es der Kläger verlangt. Auf eine dritte Art und Weise geschieht eine Niederschlagung durch das Gesetz, wenn der Ankläger gestorben, oder aus einem rechtmässigen Grunde ihm ein Hinderniss erwachsen ist, die Anklage betreiben zu können. 1Wenn aber eine Niederschlagung öffentlich geschehen ist, so wird bei Wiederholung der Anklage über das ehemännliche Recht nicht nochmals Erörterung gepflogen. 2Die dreissigtägige Frist, den Angeklagten wiederholt anzuklagen, hat Divus Trajanus als mit Ueberspringung zu rechnende ausgelegt, und zwar von dem Tage an, wo die Ferien geendigt sind, und der Senat war der Ansicht, dass nur die Tage als verflossen zu rechnen seien, an denen Jemand den von ihm Angeklagten wieder anklagen könne. Diese Frist der Wiederanklage verläuft aber nur dann, wenn der Ankläger auch hat [den Richter] angehen können.

Dig. 48,18,6Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. Pa­tre vel ma­ri­to de ad­ul­te­rio agen­te et pos­tu­lan­ti­bus de ser­vis rei ut quaes­tio ha­bea­tur, si ve­re cau­sa per­ora­ta tes­ti­bus pro­la­tis ab­so­lu­tio se­cu­ta fue­rit, man­ci­pio­rum, quae mor­tua sunt, aes­ti­ma­tio ha­be­tur: se­cu­ta ve­ro dam­na­tio­ne quae su­per­sunt pu­bli­can­tur. 1Cum de fal­so tes­ta­men­to quae­ri­tur, he­redi­ta­rii ser­vi pos­sunt tor­que­ri.

Papin. lib. II. de Adulter. Wenn der Vater oder der Ehemann wegen Ehebruchs klagt, und verlangt, dass die Sclaven des Angeschuldigten zur peinlichen Frage gezogen werden sollen, so werden, wenn die Sache rechtmässig zu Ende geführt worden, und durch Vorführung von Zeugen Lossprechung erfolgt ist, die gestorbenen Sclaven gewürdert, wenn aber Verurtheilung erfolgt ist, so werden die übrigen confiscirt. 1Wenn Frage wegen Verfälschung eines Testaments erhoben worden, so können die Erbschaftssclaven torquirt werden.

Dig. 48,20,4Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­ris. et om­nes om­ni­no ma­ri­tus sal­vas ac­tio­nes con­tra fis­cum ha­bet.

Papin. lib. II. de Adulter. Es hat übrigens der Ehemann alle und jede Klagen wider den Fiscus unverkürzt.