Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Marcian.app.
De appellationibus lib.Marciani De appellationibus libri

De appellationibus libri

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Ex libro I

Dig. 49,1,5Mar­cia­nus li­bro pri­mo de ap­pel­la­tio­ni­bus. A sen­ten­tia in­ter alios dic­ta ap­pel­la­ri non pot­est ni­si ex ius­ta cau­sa, vel­uti si quis in co­he­redum prae­iu­di­cium se con­dem­na­ri pa­ti­tur vel si­mi­lem huic cau­sam (quam­vis et si­ne ap­pel­la­tio­ne tu­tus est co­he­res): item fi­de­ius­so­res pro eo pro quo in­ter­ve­ne­runt. igi­tur et ven­di­to­ris fi­de­ius­sor emp­to­re vic­to ap­pel­la­bit, li­cet emp­tor et ven­di­tor ad­quies­cant. 1Si he­res in­sti­tu­tus vic­tus fue­rit ab eo, qui de in­of­fi­cio­so tes­ta­men­to age­bat, le­ga­ta­riis et qui li­ber­ta­tem ac­ce­pe­runt per­mit­ten­dum est ap­pel­la­re, si que­ran­tur per col­lu­sio­nem pro­nun­tia­tum: sic­ut di­vus Pius re­scrip­sit. 2Idem re­scrip­sit le­ga­ta­rios cau­sam ap­pel­la­tio­nis age­re pos­se. 3Sed et si in frau­dem suam trans­ac­tio­nem fac­tam ab eo qui ap­pel­las­set di­ce­rent, idem di­cen­dum est. sed et si­ne ap­pel­la­tio­ne si fue­rit trans­ac­tum, si­mi­li­ter re­scrip­tum est. 4Si quis ip­so die in­ter ac­ta vo­ce ap­pel­la­vit, hoc ei suf­fi­cit: sin au­tem hoc non fe­ce­rit, ad li­bel­los ap­pel­la­to­rios dan­dos bi­duum vel tri­duum com­pu­tan­dum est.

Marcian. lib. I. de Appellat. Ist ein Urtheil zwischen Anderen gefällt, so kann man nicht appelliren, ausser aus einer rechtmässigen Ursache; z. B. wenn Jemand sich zum Nachtheile der Miterben verurtheilen lässt, oder wegen einer andern ähnlichen Ursache, wenngleich der Miterbe auch ohne Appellation sicher ist; auf gleiche Weise [können] Bürgen für Denjenigen [die Berufung ergreifen], für welchen sie sich gestellt haben. Deshalb wird auch der Bürge des Verkäufers, wenn der Käufer besiegt worden, appelliren dürfen, obgleich Käufer und Verkäufer sich beruhigen. 1Wenn der eingesetzte Erbe von Demjenigen, welcher die Lieblosigkeitsklage anstellte, besiegt worden, so ist den Vermächtnissnehmern und Denjenigen, welche die Freiheit [vermacht] erhalten haben, zu appelliren gestattet, wenn sie sich darüber beschweren, dass durch geheimes Einverständniss [der Parteien] das Urtheil veranlasst worden sei, wie Divus Pius verordnet hat. 2Derselbe hat verordnet, dass die Vermächtnissnehmer die Berufung ergreifen können. 3Aber auch dann, wenn sie behaupten, dass von Demjenigen, welcher appellirt hatte, in betrügerischer Absicht gegen sie ein Vergleich abgeschlossen worden sei, muss das Nemliche behauptet werden. Auch wenn ohne Appellation ein Vergleich abgeschlossen worden, ist Gleiches verordnet worden. 4Wenn Jemand am nemlichen Tage zu den Acten mündlich appellirt hat, so genügt solches für ihn; hat er aber dies nicht gethan, so muss ihm zur Einreichung des Appellationsscheduls eine Frist von zwei oder drei Tagen11Je nachdem der Process persönlich, oder durch Stellvertreter geführt wird. Schweppe a. a. O. §. 585. dann l. 6. §. 5. C. de appellat. zugestanden werden.

Dig. 49,1,7Mar­cia­nus li­bro pri­mo de ap­pel­la­tio­ni­bus. Cum qui­dam prop­ter vio­len­tiam iu­di­cis non ip­si a quo ap­pel­la­vit de­dit li­bel­los, sed pu­bli­ce pro­pos­uis­set, di­vus Se­ve­rus ve­niam ei de­dit et per­mi­sit ei cau­sas ap­pel­la­tio­nis age­re.

Marcian. lib. I. de Appellat. Als Jemand, wegen ungestümen Betragens des Richters, nicht demjenigen selbst, von welchem er appellirt, den Schedul überreicht, sondern solchen öffentlich niedergelegt hatte, so gab ihm Divus Severus die Erlaubniss hierzu und gestattete ihm, seine Appellation durchzuführen.

Ex libro II

Dig. 49,6,1Mar­cia­nus li­bro se­cun­do de ap­pel­la­tio­ni­bus. Post ap­pel­la­tio­nem in­ter­po­si­tam lit­te­rae dan­dae sunt ab eo, a quo ap­pel­la­tum est, ad eum, qui de ap­pel­la­tio­ne co­gni­tu­rus est, si­ve prin­ci­pem si­ve quem alium, quas lit­te­ras di­mis­so­rias si­ve apos­to­los ap­pel­lant. 1Sen­sus au­tem lit­te­ra­rum ta­lis est: ap­pel­las­se pu­ta Lu­cium Ti­tium a sen­ten­tia il­lius, quae in­ter il­los dic­ta est. 2Suf­fi­cit au­tem pe­tis­se in­tra tem­pus di­mis­so­rias in­stan­ter et sae­pius, ut et si non ac­ci­piat, id ip­sum con­tes­te­tur: nam in­stan­tiam pe­ten­tis di­mis­so­rias con­sti­tu­tio­nes de­si­de­rant. ae­quum est igi­tur, si per eum ste­te­rit, qui de­be­bat da­re lit­te­ras, quo mi­nus det, ne hoc ac­ci­pien­ti no­ceat.

Marcian. lib. II. de Appellat. Nach Einwendung der Appellation muss Derjenige, von welchem man die Berufung ergriffen hat, an Denjenigen, welcher über die Appellation zu erkennen hat, es sei an den Kaiser, oder an irgend einen Andern, ein Schreiben schicken, welches Bericht oder Apostel heisst. 1Der Inhalt des Schreibens aber ist folgender: es habe z. B. Lucius Titius von dem Erkenntnisse des und des, welches zwischen dem und dem gefällt worden, appellirt. 2Es genügt aber, innerhalb der bestimmten Zeit22Von dreissig Tagen nemlich. den Bericht inständig und öfters verlangt zu haben, sodass er, wenn er ihn gleich nicht empfängt, blos dies nachzuweisen hat; denn die Constitutionen erfodern [blos] ein inständiges Gesuch Desjenigen, welcher den Bericht verlangt. Es ist demnach billig, dass es dem Empfänger nicht schade, wenn es an Dem lag, welcher den Bericht ausstellen sollte, dass er ihn nicht ausgestellt hat.

Dig. 49,11,2Mar­cia­nus li­bro se­cun­do de ap­pel­la­tio­ni­bus. Hoc enim il­lis prae­sta­tur, ne ne­ces­se ha­beant se de­fen­de­re, qui rei pu­bli­cae cau­sa ab­sunt.

Marcian. lib. II. de Appellat. Denn [blos] Denjenigen, welche in Staatsgeschäften abwesend sind, ist es gestattet, dass sie sich [in der Provinz] nicht zu verantworten haben.