Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 49 übersetzt von Feust unter Redaction von Sintenis
Dig. XLIX17,
De castrensi peculio
Liber quadragesimus nonus
XVII.

De castrensi peculio

(Von dem im Felde erworbenen Sondergute.)

1Ul­pia­nus li­bro quar­to de­ci­mo ad edic­tum. Fi­lii fa­mi­lias mi­li­tis si pe­cu­lium apud pa­trem re­man­sit si­ne tes­ta­men­to fi­lio de­func­to, pa­ter ip­si he­res non fit, sed ta­men he­res is fiet, qui­bus fi­lius fuit.

1Ulp. lib. XIV. ad Ed. Wenn das Sondergut eines Haussohnes, der Soldat ist, [dessen] Vater verblieben ist, weil der Sohn ohne Testament verstorben, so findet für den Vater in Ansehung desselben der Begriff Erbe nicht statt; doch aber wird er Erbe Derjenigen werden, welche der Sohn [beerbt hat.]

2Idem li­bro se­xa­gen­si­mo sep­ti­mo ad edic­tum. Si fi­lius fa­mi­lias mi­les de­ces­se­rit, si qui­dem in­tes­ta­tus, bo­na eius non qua­si he­redi­tas, sed qua­si pe­cu­lium pa­tri de­fe­run­tur: si au­tem tes­ta­men­to fac­to, hic pro he­redi­ta­te ha­be­tur cas­tren­se pe­cu­lium.

2Idem lib. LXVII. ad Ed. Ist ein Haussohn als Soldat gestorben, und zwar ohne Testament, so fällt dessen Nachlass seinem Vater nicht als Erbschaft, sondern als Sondergut an; wenn aber mit Errichtung eines Testaments, so wird das im Felde erworbene Sondergut als Erbschaft betrachtet.

3Idem li­bro oc­ta­vo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Si mu­lier fi­lio vi­ri mi­li­ti ad cas­tren­ses vel mi­li­ta­res for­te res com­pa­ran­das re­li­que­rit pe­cu­niam, uti­que cas­tren­se pe­cu­lio ea quae com­pa­ran­tur ad­nu­me­ra­ri in­ci­piunt.

3Ulp. lib. VIII. ad leg. Jul. et Pap. Wenn eine Frau ihrem Stiefsohne zum Ankaufe von Lager- oder etwa von Kriegsgeräthe Geld hinterlassen hat, so werden die angekauften Gegenstände allerdings sogleich zu dem im Felde erworbenen Sondergute gezählt.

4Ter­tul­lia­nus li­bro sin­gu­la­ri de cas­tren­si pe­cu­lio. Mi­les prae­ci­pua ha­be­re de­bet, quae tu­lit se­cum in cas­tra con­ce­den­te pa­tre. 1Ac­tio­nem per­se­cu­tio­nem­que cas­tren­sium re­rum sem­per fi­lius et­iam in­vi­to pa­tre ha­bet. 2Si pa­ter fa­mi­lias mi­li­tiae tem­po­re vel post mis­sio­nem ad­ro­gan­dum se prae­bue­rit, vi­den­dum erit, ne huic quo­que per­mis­sa in­tel­le­ga­tur ea­rum re­rum ad­mi­nis­tra­tio, quas an­te ad­ro­ga­tio­nem in cas­tris ad­quisie­rit, quam­vis con­sti­tu­tio­nes prin­ci­pa­les de his lo­quan­tur, qui ab in­itio cum es­sent fi­lii fa­mi­lias mi­li­ta­ve­rint. quod ad­mit­ten­dum est.

4Tertullian. lib. sing. de castr. pecul. Der Soldat muss Dasjenige, was er mit Bewilligung seines Vaters mit in das Lager gebracht, zum Voraus haben. 1Dem Sohne steht immer hinsichtlich seines im Felde erworbenen Sondergutes Klage und gerichtliche Verfolgung auch wider Willen seines Vaters zu. 2Wenn ein Hausvater während seiner Dienstzeit, oder nach seiner Verabschiedung, sich adrogiren liess, so wird es die Frage sein, ob ihm auch die Verwaltung derjenigen Gegenstände als gestattet zu betrachten sei, die er vor der Adrogation im Felde erworben, obgleich die kaiserlichen Constitutionen [blos] von Denjenigen sprechen, die, als sie [noch] Haussöhne waren, in Kriegsdienste getreten sind. Es wird bejahet werden müssen.

5Ul­pia­nus li­bro sex­to ad Sa­binum. Mi­les fi­lius fa­mi­lias a com­mi­li­to­ne vel ab eo, quem per mi­li­tiam co­gno­vit, he­res in­sti­tu­tus et ci­tra ius­sum pa­tris suo ar­bi­trio rec­te pro he­rede ge­ret.

5Ulp. lib. VI. ad Sabin. Wenn ein Haussohn, der Soldat ist, von seinem Kameraden oder Jemandem, mit dem er im Soldatenstande Bekanntschaft gemacht, zum Erben eingesetzt worden ist, so kann er auch ohne Geheiss seines Vaters nach eigenem Gutdünken sich gültig als Erbe benehmen.

6Idem li­bro tri­gen­si­mo se­cun­do ad Sa­binum. Si mi­li­ti fi­lio fa­mi­lias uxor ser­vum ma­nu­mit­ten­di cau­sa do­na­ve­rit, an suum li­ber­tum fe­ce­rit, vi­dea­mus, quia pe­cu­lia­res et ser­vos et li­ber­tos po­tuit ha­be­re. et ma­gis est, ut hoc cas­tren­si pe­cu­lio non ad­nu­me­re­tur, quia uxor ei non prop­ter mi­li­tiam no­ta es­set. pla­ne si mi­hi pro­po­nas ad cas­tra eun­ti ma­ri­to uxo­rem ser­vos do­nas­se, ut ma­nu­mit­tat et ha­bi­les ad mi­li­tiam li­ber­tos ha­beat, pot­est di­ci sua vo­lun­ta­te si­ne pa­tris per­mis­su ma­nu­mit­ten­tem ad li­ber­ta­tem per­du­ce­re.

6Idem lib. XXXII. ad Sabin. Wenn einem Haussohne, der Soldat ist, von seiner Frau ein Sclave zur Freilassung geschenkt wurde, so frägt sich, ob der Sclave dadurch sein Freigelassener wurde, weil er zu seinem Sondergute gehörige Sclaven und Freigelassene haben konnte. Und es ist mit mehr Grund anzunehmen, dass solches nicht zu dem im Felde erworbenen Sondergute gezählt werde, weil seine Gattin nicht durch den Soldatenstand mit ihm bekannt geworden. Wenn du mir aber den Fall vorlegst, eine Frau habe ihrem ins Feld ziehenden Manne Sclaven geschenkt, damit er sie freilasse, und zum Kriegsdienste taugliche Freigelassene habe, so lässt sich behaupten, dass sie, wenn er sie aus eigenem Willen, ohne Erlaubniss des Vaters freilässt, zur Freiheit gelangen.

7Idem li­bro tri­gen­si­mo ter­tio ad edic­tum. Si cas­tren­se pe­cu­lium ma­ri­tus ha­beat, in quan­tum fa­ce­re pot­est con­dem­na­bi­tur, quia et­iam non cas­tren­si­bus cre­di­to­ri­bus ex eo pe­cu­lio ma­gis est eum co­gi re­spon­de­re.

7Idem lib. XXXIII. ad Ed. Wenn der Ehemann ein im Felde erworbenes Sondergut hat, so wird er zu so viel verurtheilt werden, als er gewähren kann, weil mit mehr Grund anzunehmen ist, dass er auch jene Gläubiger, deren Foderung nicht von dem im Felde erworbenen Sondergute herstammt, aus diesem Sondergute befriedigen müsse.

8Idem li­bro qua­dra­gen­si­mo quin­to ad edic­tum. Si for­te uxor vel co­gna­tus vel quis alius non ex cas­tris no­tus fi­lio fa­mi­lias do­na­ve­rit quid vel le­ga­ve­rit et ex­pres­se­rit no­mi­na­tim, ut in cas­tren­si pe­cu­lio ha­beat: an pos­sit cas­tren­si pe­cu­lio ad­gre­ga­ri? et non pu­to: ve­ri­ta­tem enim spec­ta­mus, an ve­ro cas­tren­sis no­ti­tia vel af­fec­tio fuit, non quod quis fin­xit.

8Idem lib. XLV. ad Ed. Wenn etwa die Ehefrau, oder ein Verwandter, oder irgend ein Anderer, mit welchem die Bekanntschaft nicht aus dem Lager herrührt, einem Haussohn Etwas geschenkt oder vermacht, und ausdrücklich bestimmt hat, dass solches zum im Felde erworbenen Sondergute gehören sollte, kann dasselbe zum im Felde erworbenen Sondergute gerechnet werden? Ich glaube nicht; denn wir sehen auf die Wirklichkeit, ob es eine wirkliche Soldatenbekanntschaft oder Vorliebe gewesen, nicht darauf, was einer vorgiebt.

9Idem li­bro quar­to dis­pu­ta­tio­num. Pro­po­ne­ba­tur fi­lius fa­mi­lias mi­les tes­ta­men­to fac­to ex­tra­neum he­redem scrip­sis­se, pa­tre de­in­de su­per­sti­te de­ces­sis­se, pa­ter de­li­be­ran­te he­rede in­sti­tu­to et ip­se diem func­tus, de­in­de he­res in­sti­tu­tus re­pu­dias­se he­redi­ta­tem. quae­re­ba­tur, ad quem cas­tren­se pe­cu­lium per­ti­ne­ret. di­ce­bam cas­tren­se pe­cu­lium fi­lii fa­mi­lias, si qui­dem tes­ta­tus de­ces­sit, qua­si he­redi­ta­tem de­fer­ri he­redi scrip­to, si­ve ex­tra­neum scrip­sit he­redem si­ve pa­trem. sed cum ni­hil de pe­cu­lio de­cer­nit fi­lius, non nunc ob­ve­nis­se pa­tri, sed non es­se ab eo pro­fec­tum cre­di­tur. de­ni­que si ser­vo fi­lii cas­tren­si li­ber­ta­tem pa­ter ad­scrip­se­rit mox­que fi­lius vi­vo pa­tre de­func­tus sit, non im­pe­di­tur li­ber­tas, cum, si fi­lius pa­tri su­per­vi­xe­rit, im­pe­dia­tur li­ber­tas. un­de Mar­cel­lus pu­tat ne­ces­sa­rium quo­que he­redem ser­vum fi­lii pe­cu­lia­rem pa­tri ex­is­te­re pos­se, si fi­lio pa­ter su­per­vi­xe­rit. idem re­fe­re­bam et si rem pe­cu­lia­rem fi­lii pa­ter le­ga­ve­rit: nam eo­dem ca­su, quo li­ber­ta­tem com­pe­te­re di­xi­mus, le­ga­tum quo­que vel de­be­bi­tur vel im­pe­die­tur. qui­bus ita prae­mis­sis et in pro­pos­i­to di­ce­bam, cum he­res non ad­iit he­redi­ta­tem, re­tro pe­cu­lium pa­tris bo­nis ac­ces­sis­se: un­de pos­se di­ci et­iam auc­ta pa­tris bo­na per hanc re­pu­dia­tio­nem. nec est no­vum, ut ex post­fac­to ali­quis suc­ces­so­rem ha­buis­se vi­dea­tur. nam et si fi­lius eius, qui ab hos­ti­bus cap­tus est, de­ces­se­rit pa­tre cap­ti­vo vi­vo, si qui­dem pa­ter re­gre­de­re­tur, qua­si fi­lius fa­mi­lias pe­cu­lium ha­be­ret: enim­ve­ro si ibi­dem pa­ter de­ces­se­rit, qua­si pa­ter fa­mi­lias le­gi­ti­mum ha­be­bit suc­ces­so­rem, et re­tro ha­buis­se cre­di­tor eius suc­ces­sor ea quo­que, quae me­dio tem­po­re fi­lius is­te quae­siit, nec he­redi pa­tris, sed ip­si fi­lio quae­si­ta vi­de­bun­tur.

9Idem lib. IV. Disput. Es wurde der Fall vorgelegt, dass ein Haussohn und Soldat in seinem errichteten Testamente einen Fremden als Erben niedergeschrieben, und hierauf bei Lebzeiten seines Vaters verstorben sei; der Vater sei auch mit Tod abgegangen, während der eingesetzte Erbe überlegte, [ob er die Erbschaft antreten wolle, oder nicht,] und sodann habe der eingesetzte Erbe die Erbschaft ausgeschlagen. Es wurde angefragt, wem das im Felde erworbene Sondergut gehöre? Ich antwortete, das im Felde erworbene Sondergut eines Haussohnes, wenn derselbe sonst testirt gestorben, falle als Erbschaft dem eingesetzten Erben an, derselbe möge nun einen Fremden, oder seinen Vater zum Erben eingesetzt haben. Wenn aber der Sohn über sein Sondergut nichts verordnet habe, so werde es nicht als erst jetzt dem Vater zugefallen, sondern nur als ihm nicht entfremdet betrachtet11D. h. das im Felde erworbene Sondergut verbleibt dem Vater, braucht nicht von ihm herausgegeben zu werden; er besitzt solches jedoch nicht als Erbe seines Sohnes.. So wird auch, wenn der Vater einen Sclaven, der zum im Felde erworbenen Sondergute seines Sohnes gehört, die Freiheit geschenkt hat, und darauf der Sohn bei Lebzeiten des Vaters verstorben ist, die Freilassung nicht ungültig, wenn der Sohn den Vater überlebt hätte, die Freilassung ungültig würde. Daher glaubt Marcellus, ein Sclave, der zum im Felde erworbenen Sondergute des Sohnes gehöre, könne auch Zwangserbe des Vaters werden, wenn der Vater den Sohn überlebt habe. Dasselbe begutachtete ich [alsdann], wenn der Vater eine zum Sondergute seines Sohnes gehörige Sache vermacht habe; denn in dem nemlichen Falle, wo nach unserer Behauptung die Freilassung gültig ist, wird auch das Vermächtniss entweder zu entrichten oder ungültig sein. Dieses vorausgeschickt, begutachtete ich auch in dem vorgelegten Falle, es sei, wenn der Erbe die Erbschaft nicht angetreten, das Sondergut rückwärts zum Nachlass des Vaters hinzugekommen, daher lasse sich behaupten, dass auch des Vaters Nachlass durch diese [Erbschafts]Ausschlagung einen Zuwachs erhalte. Auch ist es nichts Neues, dass sich erst aus einem nachher eingetretenen Ereigniss ergiebt, dass Jemand einen Nachfolger habe. Denn auch, wenn der Sohn Dessen, der in feindliche Gefangenschaft gerathen, gestorben, während der in Gefangenschaft befindliche Vater noch am Leben ist, würde er als Haussohn ein Sondergut haben22D. h. es fände für seine hinterlassene Habe der Begriff des Sonderguts statt. A. d. R. sobald der Vater zurückkehrte; wenn hingegen der Vater daselbst mit Tode abgegangen, so wird er als Hausvater einen gesetzmässigen Nachfolger haben und dessen Nachfolger rückwärts gerechnet auch als Eigenthümer Desjenigen betrachtet, was jener Sohn in der Zwischenzeit erworben, und es wird solches nicht als für den Erben des Vaters, sondern als für den Sohn selbst erworben gelten.

10Pom­po­nius li­bro sin­gu­la­ri re­gu­la­rum ex no­ta Mar­cel­li. Con­stat nec pa­tri­bus ali­quid ex cas­tren­si­bus bo­nis fi­lio­rum de­be­ri.

10Pompon. lib. sing. Regul. Aus der Anmerkung des Marcellus geht hervor, dass auch den Vätern aus dem im Felde erworbenen Sondergute ihrer Söhne nichts gebührt.33L. 3. C. h. t.

11Ma­cer li­bro se­cun­do de re mi­li­ta­ri. Cas­tren­se pe­cu­lium est, quod a pa­ren­ti­bus vel co­gna­tis in mi­li­tia agen­ti do­na­tum est vel quod ip­se fi­lius fa­mi­lias in mi­li­tia ad­quisiit, quod, ni­si mi­li­ta­ret, ad­quisi­tu­rus non fuis­set. nam quod erat et si­ne mi­li­tia ad­quisi­tu­rus, id pe­cu­lium eius cas­tren­se non est.

11Macer lib. II. de re mil. Im Felde erworbenes Sondergut ist, was von Eltern oder Verwandten einem im Soldatenstande Lebenden geschenkt worden, oder was der Haussohn selbst im Soldatenstande erworben, und, wenn er nicht Soldat wäre, nicht erworben haben würde; denn was er auch ausser dem Soldatenstande erworben haben würde, dies gehört nicht zu seinem im Felde erworbenen Sondergute.

12Pa­pi­nia­nus li­bro quar­to de­ci­mo quaes­tio­num. Pa­ter, qui dat in ad­op­tio­nem fi­lium mi­li­tem, pe­cu­lium ei au­fer­re non pot­est, quod se­mel iu­re mi­li­tiae fi­lius te­nuit. qua ra­tio­ne nec em­an­ci­pan­do fi­lium pe­cu­lium ei au­fert, quod nec in fa­mi­lia re­ten­to pot­est au­fer­re.

12Papin. lib. XIV. Quaest. Ein Vater, der seinen in Soldatenstande befindlichen Sohn zur Annahme an Kindesstatt übergiebt, kann ihm sein Sondergut nicht entziehen, weil44Quod = quia. Glossa. es der Sohn einmal nach Soldatenrecht besessen. Aus diesem Grunde kann er auch, wenn er seinen Sohn aus der väterlichen Gewalt entlässt, ihm sein Sondergut nicht nehmen, weil er es ihm auch alsdann nicht, wenn er ihn in seiner Familie zurückbehält, entziehen kann.

13Idem li­bro sex­to de­ci­mo quaes­tio­num. Di­vus Ha­d­ria­nus re­scrip­sit in eo, quem mi­li­tan­tem uxor he­redem in­sti­tue­rat fi­lium, ex­ti­tis­se he­redem et ab eo ser­vos he­redi­ta­rios ma­nu­mis­sos pro­prios eius li­ber­tos fie­ri.

13Idem lib. XVI. Quaest. Divus Hadrianus rescribirte in Betreff eines Soldaten, den seine Ehegattin zum Erben eingesetzt hatte, es sei derselbe [obgleich noch] Haussohn, Erbe geworden55D. h. ohne der Zustimmung seines Vaters zum Erbschaftsantritte zu bedürfen., und die von ihm freigelassenen Erbschaftssclaven würden dessen eigene Freigelassene.

14Idem li­bro vi­cen­si­mo sep­ti­mo quaes­tio­num. Fi­lius fa­mi­lias mi­les si cap­tus apud hos­tes vi­ta fun­ga­tur, lex Cor­ne­lia sub­ve­niet scrip­tis he­redi­bus: qui­bus ces­san­ti­bus iu­re pris­ti­no pe­cu­lium pa­ter ha­be­bit. 1Pro­xi­ma spe­cies vi­de­tur, ut scrip­tis he­redi­bus de­li­be­ran­ti­bus, quod ser­vus in­ter­im sti­pu­la­tus est vel ab alio si­bi tra­di­tum ac­ce­pit, quod qui­dem ad pa­tris per­so­nam at­ti­net, si for­te pe­cu­lium apud eum re­se­de­rit, nul­lius mo­men­ti vi­dea­tur, cum in il­lo tem­po­re non fue­rit ser­vus pa­tris: quod au­tem ad scrip­tos he­redes, in sus­pen­so fuis­se tra­di­tio item­que sti­pu­la­tio in­tel­le­ga­tur: ut enim he­redi­ta­rius fuis­se cre­da­tur, post ad­itam fit he­redi­ta­tem. sed pa­ter­na ve­re­cun­dia nos mo­vet, qua­te­nus et in il­la spe­cie, ubi iu­re pris­ti­no apud pa­trem pe­cu­lium re­ma­net, et­iam ad­quisi­tio sti­pu­la­tio­nis vel rei tra­di­tae per ser­vum fiat. 2Le­ga­tum, quod ei ser­vo re­lic­tum est, quam­vis tunc prop­ter in­cer­tum nul­li sit ad­quisi­tum, omis­so tes­ta­men­to pa­tri tunc pri­mum per ser­vum ad­quire­tur, cum, si fuis­set ex­em­plo he­redi­ta­tis pe­cu­lio ad­quisi­tum, ius pa­tris ho­die non con­si­de­ra­re­tur.

14Idem lib. XXVII. Qauest. Wenn ein Haussohn und Soldat in Gefangenschaft gerathen, und bei den Feinden verstorben ist, so kommt das Cornelische Gesetz den eingesetzten Erben zu Hülfe; nehmen diese [die Erbschaft] nicht an, so wird der Vater das Sondergut kraft seines früheren Rechtes behalten. 1Hieher gehört zunächst der Fall, dass Dasjenige, was, während die eingesetzten Erben überlegen [ob sie die Erbschaft antreten wollen, oder nicht], ein [zum im Felde erworbenen Sondergute gehöriger] Sclave mittlerweilen stipulirt, oder von einem Andern übergeben erhalten hat, insoferne es die Person des Vaters angeht, als ungültig anzusehen ist, wenn diesem etwa das Sondergut verblieben, da derselbe zu jener Zeit nicht Sclave des Vaters gewesen: was hingegen die Testamentserben betrifft, so ist die Uebergabe und Stipulation [während der Ueberlegungszeit] als obschwebend zu betrachten; denn [erst] nach erfolgtem Erbschaftsantritte gilt derselbe auch für die Zwischenzeit als zur Erbschaft gehöriger Sclave. Doch die dem Vater schuldige Achtung veranlasst uns auch in jenem Falle, wo das Sondergut dem Vater kraft seines früheren Rechtes verbleibt, einen Erwerb mittels Stipulation oder Uebergabe einer Sache durch den Sclaven anzunehmen. 2Ein Vermächtniss, welches einen solchen Sclaven hinterlassen worden, wird, obgleich es damals66D. h. während der Ueberlegungszeit. wegen der Ungewissheit [des Erbschaftsantritts] für Niemanden erworben worden, erst alsdann, wenn die Testamentserbschaft ausgeschlagen worden, für den Vater durch den Sclaven erworben, während, wenn die Erwerbung für das Sondergut nach Maassgabe einer Erbschaft geschehen wäre, das Recht des Vaters nicht [erst] von jetzt an in Betracht käme77Da der Vater das im Felde erworbene Sondergut nicht als Erbe erhält, sondern ihm solches nur jure pristino verbleibt, so erwirbt er das Legat nicht vom Tage des Vermächtnissanfalls, sondern erst von jenem Zeitpunkte an, wo die Testamentserben die Erbschaft ausschlagen; wäre er aber als Erbe des Sondergutes zu betrachten, so würde sein Vermächtnisserwerb nicht erst jetzt, d. h. zu der Zeit der Erbschaftsausschlagung, sondern zu dem Zeitpunkte des Vermächtnissanfalls geschehen..

15Idem li­bro tri­gen­si­mo quin­to quaes­tio­num. Pa­ter mi­li­ti fi­lio re­ver­so quod do­nat, cas­tren­sis pe­cu­lii non fa­cit, sed al­te­rius pe­cu­lii, per­in­de ac si fi­lius num­quam mi­li­tas­set. 1Si sti­pu­lan­ti fi­lio spon­deat, si qui­dem ex cau­sa pe­cu­lii cas­tren­sis, te­ne­bit sti­pu­la­tio: ce­te­rum ex qua­li­bet alia cau­sa non te­ne­bit. 2Si pa­ter a fi­lio sti­pu­la­tur, ea­dem di­stinc­tio ser­va­bi­tur. 3Ser­vus pe­cu­lii, quod ad fi­lium spec­tat, ab ex­te­ro si sti­pu­le­tur aut per tra­di­tio­nem ac­ci­piat, si­ne di­stinc­tio­ne cau­sa­rum res ad fi­lium per­ti­ne­bit: non enim ut fi­lius du­plex ius sus­ti­net pa­tris et fi­lii fa­mi­lias, ita ser­vus, qui pe­cu­lii cas­tren­sis est qui­que nul­lo iu­re, quam­diu fi­lius vi­vit, pa­tri sub­iec­tus est, ali­quid ad­quire­re sim­pli­ci­ter sti­pu­lan­do vel ac­ci­pien­do pa­tri pot­est. quae ra­tio sua­det, ut, si ab ip­so pa­tre ser­vus, qui ad fi­lium per­ti­net, sti­pu­le­tur ex qua­cum­que cau­sa vel tra­di­tum ac­ci­piat, sic ad­quira­tur fi­lio res et sti­pu­la­tio, quem­ad­mo­dum si ex­ter pro­mi­sis­set, quon­iam per­so­na sti­pu­lan­tis et ac­ci­pien­tis ea est, ut si­ne dif­fe­ren­tia cau­sa­rum quod per eum agi­tur emo­lu­men­tum fi­lii spec­tet. 4Si ser­vi pa­ter usum fruc­tum amis­e­rit, cu­ius pro­prie­ta­tem in cas­tren­si pe­cu­lio fi­lius ha­be­bat, ple­nam pro­prie­ta­tem ha­be­bit fi­lius.

15Idem lib. XXXV. Quaest. Was ein Vater seinem aus dem Kriegsdienste zurückgekehrten Haussohne schenkt, bildet keinen Bestandtheil des im Felde erworbenen, sondern des andern Sondergutes, ebenso, als wenn der Sohn nie in Kriegsdiensten gestanden hätte. 1Wenn der Sohn stipulirt und [der Vater] ihm ein Versprechen macht, so wird die Stipulation gültig sein, sobald dieselbe in Bezug auf das im Felde erworbene Sondergut geschieht; in jeder andern Beziehung aber wird solche nicht gültig sein. 2Wenn der Vater vom Sohne stipulirt, so wird derselbe Unterschied zu beobachten sein. 3Wenn ein zum Sondergute des Sohnes gehöriger Sclave von einem Fremden stipulirt, oder durch Uebergabe empfängt, so wird ohne Unterschied der Beziehung die Sache dem Sohne gehören; denn der Sclave, welcher zum im Felde erworbenen Sondergute gehört, steht nicht, gleich dem Sohne, in einem doppelten Rechtsverhältnisse, in dem eines Hausvaters, und jenem eines Haussohnes, und kann, da er, so lange der Sohn lebt, dem Vater durch kein Rechtsverhältniss untergeben ist, nichts durch einfache Stipulation oder Empfangnahme für den Vater erwerben. Aus diesem Grunde wird, wenn der dem Sohne gehörige Sclave vom Vater selbst in irgend einer Beziehung [etwas] stipulirt, oder übergeben erhält, Sache und Stipulation ebenso für den Sohn erworben, wie wenn [der Vater] einem Fremden ein Versprechen gemacht hätte, weil die Person des Stipulirenden und Empfängers von der Art ist, dass, ohne Unterschied der Beziehungen, Alles, was durch sie unternommen wird, dem Sohne zu Gute kommt. 4Wenn der Vater des Niessbrauchs eines Sclaven verlustig geworden, dessen Eigenthum zum im Felde erworbenen Sondergute des Sohnes gehörte, so wird der Sohn das volle Eigenthum bekommen.

16Idem li­bro no­no de­ci­mo re­spon­so­rum. Do­tem fi­lio fa­mi­lias da­tam vel pro­mis­sam in pe­cu­lio cas­tren­si non es­se re­spon­di. nec ea res con­tra­ria vi­de­bi­tur ei, quod di­vi Ha­d­ria­ni tem­po­ri­bus fi­lium fa­mi­lias mi­li­tem uxo­ri he­redem ex­ti­tis­se pla­cuit et he­redi­ta­tem in cas­tren­se pe­cu­lium ha­buis­se. nam he­redi­tas ad­ven­ti­cio iu­re quae­ri­tur, dos au­tem ma­tri­mo­nio co­hae­rens one­ri­bus eius ac li­be­ris com­mu­ni­bus, qui sunt in avi fa­mi­lia, con­fer­tur. 1He­redi­ta­tem cas­tren­si pe­cu­lio non vi­de­ri quae­si­tam re­spon­di, quam fra­ter pa­true­lis in alia pro­vin­cia sti­pen­dia me­rens fra­tri pa­true­li, cum quo num­quam mi­li­ta­vit, re­li­quit: san­gui­nis et­enim ra­tio, non mi­li­tiae cau­sa me­ri­tum he­redi­ta­tis ac­ci­pien­dae prae­bue­rat.

16Papin. lib. XIX. Resp Das einem Haussohne gegebene oder versprochene Heirathsgut gehöre, begutachtete ich, nicht zu dessen im Felde erworbenen Sondergute. Dies wird nicht damit als im Widerspruche stehend zu betrachten sein, dass zu den Zeiten des Divus Hadrianus die Meinung angenommen worden, ein Haussohn und Soldat könne Erbe seiner Frau werden, und die Erbschaft bilde einen Bestandtheil seines im Felde erworbenen Sondergutes; denn eine Erbschaft wird kraft des adventicischen Rechtes erworben, das Heirathsgut aber steht mit der Ehe in engem Zusammenhange, und wird zur Bestreitung der Lasten derselben, und für die gemeinschaftlichen Kinder, die zur Familie des Grossvaters gehören, beigesteuert. 1Eine Erbschaft, welche ein Vatersbruderssohn, der in einer andern Provinz in Kriegsdiensten stand, dem andern Vatersbruderssohn, mit welchem er niemals zusammen gedient, hinterlassen hat, ist, wie ich begutachtete, nicht als für das im Felde erworbene Sondergut erworben zu betrachten; denn sein Anspruch auf Empfang der Erbschaft war durch die Blutsverwandtschaft begründet, nicht durch den Soldatenstand bedingt.

17Idem li­bro se­cun­do de­fi­ni­tio­num. Pa­ter, qui cas­tren­se pe­cu­lium in­tes­ta­ti fi­lii re­ti­ne­bit, aes alie­num in­tra mo­dum eius et an­num uti­lem iu­re prae­to­rio sol­ve­re co­gi­tur: idem, si tes­ta­men­to scrip­tus he­res ex­ti­te­rit, per­pe­tuo ci­vi­li­ter ut he­res con­ve­nie­tur. 1Pa­ter a fi­lio mi­li­te vel qui mi­li­ta­vit he­res in­sti­tu­tus tes­ta­men­ti cau­sam omi­sit et cas­tren­se pe­cu­lium pos­si­det: le­gi­ti­mi he­redis ex­em­plo co­ge­tur ad fi­nem pe­cu­lii per­pe­tuo le­ga­ta prae­sta­re. quod si fi­lius post an­num quam mi­li­ta­re de­sie­rat iu­re com­mu­ni tes­ta­men­to fac­to vi­ta de­ces­sit, ra­tio­ne Fal­ci­diae re­ti­ne­bi­tur quar­ta. ce­te­rum si tes­ta­men­ti cau­sam pa­ter omi­sit, cum pe­cu­lium cre­di­to­ri­bus sol­ven­do non es­set, ni­hil do­lo vi­de­bi­tur fe­cis­se, quam­vis tem­po­ris in­cur­rat com­pen­dium.

17Idem lib. II. Defin. Der Vater, welcher das im Felde erworbene Sondergut seines ohne Testament verstorbenen Sohnes behält, ist nach prätorischem Rechte gehalten, die Schulden, soweit dasselbe langt, und binnen einem mit Ueberspringung zu rechnenden Jahre zu bezahlen. Ist derselbe aber Testamentserbe geworden, so wird er nach bürgerlichem Rechte dreissig Jahre lang als Erbe belangt werden können. 1Wenn der Vater von seinem Sohne, der in Kriegsdiensten steht oder gestanden hat, als Erbe eingesetzt worden ist, die Testamentserbschaft ausgeschlagen hat und das im Felde erworbene Sondergut im Besitze behält, so wird derselbe, gleich den gesetzmässigen Erben, so weit das Sondergut reicht, dreissig Jahre lang die Vermächtnisse entrichten müssen. Hat hingegen der Sohn ein Jahr, nachdem er aus dem Kriegsdienste getreten, ein Testament nach gemeinem Rechte errichtet, und ist derselbe aus dem Leben geschieden, so wird der vierte Theil [des Sonderguts] auf den Grund des falcidischen Gesetzes vorenthalten werden dürfen; wenn aber der Vater die Testamentserbschaft ausgeschlagen hat, weil das Sondergut zur Bezahlung der Gläubiger nicht hinreichte, so wird er nicht als arglistig handelnd zu betrachten sein, obgleich ihm dadurch88D. h. durch die Ausschlagung der Testamentserbschaft. eine Abkürzung der Haftungszeit zu Theil wird99Als Testamentserbe kann er nemlich 30 Jahre lang, ausserdem aber nur 1 Jahr lang von den Gläubigern auf Zahlung belangt werden..

18Mae­cia­nus li­bro pri­mo fi­dei­com­mis­so­rum. Ex cas­tren­si pe­cu­lio ser­vus a pa­tre he­res in­sti­tui pot­est et fi­lium ne­ces­sa­rium he­redem pa­tri fa­cit. 1Et in sum­ma ea res hi ac­tus pa­tris, qui ad prae­sens alie­na­tio­nem ali­cu­ius iu­ris de cas­tren­si pe­cu­lio prae­stant, im­pe­diun­tur: hi ve­ro, qui non sta­tim qui­dem, sed post­ea ef­fi­ce­re so­lent, eo tem­po­re anim­ad­ver­ten­tur, quo ha­be­re ef­fec­tum con­sue­runt, ut, si sit fi­lius, cui au­fe­ra­tur, ni­hil aga­tur, si an­te de­ces­se­rit, ac­tus pa­tris non im­pe­dia­tur. 2Ita­que ne­ga­bi­mus pa­trem fi­lio sal­vo com­mu­ni di­vi­dun­do agen­tem pro­prie­ta­tem alie­na­tu­rum, ex­em­plo do­ta­lis prae­dii. sed nec si so­cius ul­tro cum eo agat, quic­quam age­tur, vel­uti si cum eo age­ret, cui bo­nis in­ter­dic­tum est. 3Ser­vos ex eo pe­cu­lio usu fruc­tu, item prae­dia tam usu fruc­tu quam ce­te­ris ser­vi­tu­ti­bus pa­ter li­be­ra­re pot­erit: sed et ser­vi­tu­tes his ad­quire­re. id enim et eum, cui bo­nis in­ter­dic­tum est, ve­rum est con­se­qui pos­se. ne­que au­tem ser­vis ex eo pe­cu­lio ne­que prae­diis usum fruc­tum vel ser­vi­tu­tem im­po­ne­re pa­ter pot­est. 4Si quan­do ex eo pe­cu­lio fi­lius rem alie­nam bo­na fi­de te­ne­bit, an pa­ter eius in rem vel ad ex­hi­ben­dum ac­tio­nem pa­ti de­beat, ut ce­te­ro­rum no­mi­ne, quae­ri­tur. sed ve­rius est, cum hoc pe­cu­lium a pa­tris bo­nis se­pa­re­tur, de­fen­sio­nis ne­ces­si­ta­tem pa­tri non in­po­nen­dam. 5Sed nec co­gen­dus est pa­ter aes alie­num, quod fi­lius pe­cu­lii no­mi­ne, quod in cas­tris ad­quisiit, fe­cis­se di­ce­tur, de pe­cu­lio ac­tio­nem pa­ti: et, si spon­te pa­tia­tur, ut qui­li­bet de­fen­sor sa­tis­da­to fi­lium in so­li­dum, non pe­cu­lio te­nus de­fen­de­re de­bet. sed et eius fi­lii no­mi­ne non ali­ter mo­ve­re ac­tio­nes pot­est, quam si sa­tis de­de­rit eum ra­tam rem ha­bi­tu­rum.

18Maecian. lib. I. Fideicommiss. Ein Sclave, welcher zu dem im Felde erworbenen Sondergute [des Sohnes] gehört, kann vom Vater als Erbe eingesetzt werden, und [eine solche Erbeinsetzung] macht den Sohn zum Zwangserben. 1Und überhaupt verhält sich die Sache so: die Handlungen des Vaters1010Et in summa ea res, hi actus patris etc.; die Flor. Vulg. u. Hal. weichen hier von einander ab, ein Beweis, dass letztere sich nicht zu helfen gewusst, wie sie das ea res nehmen sollen. Fern. de Retes Opusc. Lib. V. c. 6. §. 14. (T. M. VI. p. 259.), der die Stelle anführt, findet keine Aenderung nöthig. Ich glaube, dass jede andere Erklärung nur auf Vermuthungen gegründet werden kann, wenn man nicht die Worte so versteht: „Ueberhaupt verhält es sich hier so: u. s. w.“ oder: „Ueberhaupt verhält sich die Sache so: Diejenigen u. s. w.“ A. d. R., welche sofort eine Veräusserung eines zum im Felde erworbenen Sondergute gehörigen Rechtes bezwecken, sind ungültig; hinsichtlich derjenigen aber, welche nicht sofort, sondern später [eine Veräusserung] zu bewirken pflegen, wird auf die Zeit gesehen werden müssen, wo ihre Wirkung einzutreten pflegt, sodass, wenn der Haussohn, welchem dadurch Etwas entzogen werden soll, [alsdann] noch am Leben ist, die Handlung des Vaters ungültig, hingegen gültig ist, wenn er zuvor gestorben. 2Daher werden wir in Abrede stellen müssen, dass der Vater bei Lebzeiten seines Sohnes auf Theilung einer seinem Sohne gemeinschaftlich [mit einem Dritten] gehörigen Sache klagen, und deren Eigenthum veräussern könne, wie es auch bei einem zum Heirathsgute gehörigen Grundstücke der Fall ist1111Der Ehemann kann nemlich auch nicht auf Theilung eines Dotalgrundstückes klagen, von welchem seine Ehefrau blos Miteigenthümerin ist. Man vgl. l. 2. C. de fundo dotali.. Aber auch alsdann, wenn der Theilhaber unaufgefodert wider ihn klagt, wird dies ohne Erfolg sein, wie wenn wider Jemanden Klage angestellt wird, dem die Verwaltung seines Vermögens untersagt ist. 3Sclaven, welche zu jenem Sondergute gehören, kann der Vater vom Niessbrauche, ingleichen Landgüter sowohl vom Niessbrauche, als von den übrigen Dienstbarkeiten freimachen; er kann aber auch Dienstbarkeiten für dieselben erwerben; denn dies kann unstreitig auch Derjenige, welchem die Verwaltung seines Vermögens untersagt ist. Der Vater kann aber weder an den zu jenem Sondergute gehörigen Sclaven, noch an den dazu gehörigen Landgütern den Niessbrauch oder eine Dienstbarkeit bestellen. 4Wenn der Haussohn unter jenem Sondergute eine fremde Sache in gutem Glauben besitzt, so fragt es sich, ob sich der Vater deshalb die Belangung mit der Eigenthumsklage, oder mit der Klage auf Auslieferung gefallen lassen müsse, wie Namens seiner übrigen Söhne? Es ist jedoch die richtigere Meinung, dass, da dieses Sondergut vom Vermögen des Vaters getrennt ist, gegen den Vater kein Zwang zur Vertretung stattfinde. 5Der Vater ist aber auch nicht gehalten, wegen Schulden, die der Sohn in Beziehung auf sein im Felde erworbenes Sondergut gemacht haben soll, die Klage über das Sondergut gegen sich anstellen zu lassen. Und wenn er es sich freiwillig gefallen lässt, so hat er, wie jeder andere Vertreter, Sicherheit zu bestellen, und wird den Sohn auf den ganzen [Schuldbetrag], nicht [blos] so weit das Sondergut langt, vertreten müssen. Aber auch im Namen dieses seines Sohnes kann er lediglich alsdann Klagen erheben, wenn er Sicherheit bestellt hat, dass derselbe seine Genehmigung ertheilen werde.

19Try­pho­ni­nus li­bro oc­ta­vo de­ci­mo dis­pu­ta­tio­num. De he­redi­ta­te ab ad­gna­to com­mi­li­to­ne da­ta Scae­vo­la nos­ter du­bi­ta­bat, quia po­tuit et an­te no­tus et ami­cus da­re, po­tuit et non da­re, ni­si com­mi­li­tium ca­ri­ta­tem au­xis­set. no­bis ita vi­de­tur, si an­te com­mi­li­tium fac­tum sit tes­ta­men­tum, non es­se pe­cu­lii cas­tren­sis eam he­redi­ta­tem, si post­ea, con­tra. 1Sed si ser­vus pe­cu­lii cas­tren­sis a quo­cum­que sit he­res scrip­tus, ius­su mi­li­tis ad­ire de­be­bit he­redi­ta­tem ea­que fiet bo­no­rum cas­tren­sis pe­cu­lii. 2Fi­lius fa­mi­lias pa­ga­nus de pe­cu­lio cas­tren­si fe­cit tes­ta­men­tum et, dum igno­rat pa­tri se suum he­redem ex­ti­tis­se, de­ces­sit. non pot­est vi­de­ri pro cas­tren­si­bus bo­nis tes­ta­tus, pro pa­ter­nis in­tes­ta­tus de­ces­sis­se, quam­vis id in mi­li­te et­iam­nunc re­scrip­tum sit, quia mi­les ab in­itio pro par­te tes­ta­tus, pro par­te in­tes­ta­tus po­tue­rat mo­ri, quod ius is­te non ha­bue­rit, non ma­gis quam si­ne ob­ser­va­tio­ne le­gum fa­ce­re tes­ta­men­tum. ne­ces­sa­rio er­go cas­tren­sis pe­cu­lii he­res scrip­tus uni­ver­sa bo­na ha­be­bit, per­in­de ac si pau­per­ri­mus fac­to tes­ta­men­to de­ces­sis­set igno­rans se lo­cu­ple­ta­tum per ser­vos alio lo­co agen­tes. 3Pa­ter pe­cu­lii cas­tren­sis fi­lii ser­vum tes­ta­men­to li­be­rum es­se ius­sit: in­tes­ta­to de­func­to fi­lio fa­mi­lias, mox pa­tre quae­ri­tur, an li­ber­tas ser­vo com­pe­tat. oc­cur­re­bat enim non pos­se do­mi­nium apud duos pro so­li­do fuis­se: de­ni­que fi­lium pos­se ma­nu­mit­te­re ta­lis pe­cu­lii ser­vum Ha­d­ria­nus con­sti­tuit: et si tes­ta­men­to tam fi­lii quam pa­tris idem ser­vus ac­ce­pis­set li­ber­ta­tem et utri­que pa­ri­ter de­ces­sis­sent, non du­bi­ta­re­tur ex tes­ta­men­to fi­lii li­be­rum eum es­se. sed in su­pe­rio­re ca­su pro li­ber­ta­te a pa­tre da­ta il­la di­ci pos­sunt, num­quid, quo­ad uta­tur iu­re con­ces­so fi­lius in cas­tren­si pe­cu­lio, eous­que ius pa­tris ces­sa­ve­rit, quod si in­tes­ta­tus de­ces­se­rit fi­lius, post­li­mi­nii cu­ius­dam si­mi­li­tu­di­ne pa­ter an­ti­quo iu­re ha­beat pe­cu­lium re­tro­que vi­dea­tur ha­buis­se re­rum do­mi­nia. 4Non ta­men ut he­res vi­vo fi­lio vin­dic­tam ser­vo im­po­suit, di­ca­tur eum post mor­tem in­tes­ta­ti fi­lii ex il­la ma­nu­mis­sio­ne li­be­rum fac­tum es­se. 5Quid au­tem, si tes­ta­men­tum fe­ce­rit fi­lius et non sit eius ad­ita he­redi­tas? non tam fa­ci­le est di­ce­re con­ti­nua­tum pa­tri post mor­tem fi­lii re­rum pe­cu­lii do­mi­nium, cum me­dium tem­pus, quo de­li­be­rant in­sti­tu­ti he­redes, ima­gi­nem suc­ces­sio­ni prae­sti­te­rit. alio­quin et si ad­ita sit ab in­sti­tu­to he­redi­tas fi­lii, di­ce­tur a pa­tre ad eum trans­is­se pro­prie­ta­tem, quod ab­sur­dum est. si in pen­den­ti, ut in aliis, et in hac spe­cie ha­bea­mus do­mi­nia, ut ex fac­to re­tro fuis­se aut non fuis­se pa­tris cre­da­mus? se­cun­dum quod dif­fi­ci­le erit ex­pe­di­re, si, dum de­li­be­rant he­redes, dies ces­se­rit le­ga­ti ser­vo da­ti is­tius pe­cu­lii tes­ta­men­to eius, ex quo pa­ter ni­hil ca­pe­re po­tuis­set, an id ad ip­sum per­ti­neat, cum uti­que ad he­redem fi­lii per­ti­ne­ret. fa­ci­lior ta­men de li­ber­ta­te ser­vi de­li­be­ra­tio est in spe­cie, in qua in­tes­ta­tus fi­lius de­ces­sis­se pro­po­ni­tur. non est er­go ra­tio re­spon­den­di com­pe­te­re li­ber­ta­tem eo tem­po­re da­tam, quo non fuit in do­mi­nio pa­tris? fa­vo­ra­bi­lem ta­men sen­ten­tiam con­tra­riam in utro­que ca­su non ne­ga­mus.

19Tryphon. lib. XVIII. Disp. Hinsichtlich der einem agnatischen Cameraden zugewendeten Erbschaft stand unser Scaevola in Zweifel, [ob dieselbe zu dem im Felde erworbenen Sondergute gehöre, oder nicht] weil Einer diese als früherer Bekannter und Freund Jemandem zuwenden konnte, es aber auch möglich ist, dass er sie nicht zugewendet haben würde, wenn seine Zuneigung nicht durch die Cameradschaft erhöht worden wäre. Wir halten dafür, wenn das Testament vor der Cameradschaft errichtet worden, so bilde die Erbschaft keinen Bestandtheil des im Felde erworbenen Sondergutes; das Gegentheil aber [finde statt], wenn dasselbe nachher errichtet worden. 1Wenn aber ein zu dem im Felde erworbenen Sondergute gehöriger Sclave von irgend Jemandem als Erbe eingesetzt worden ist, so wird er auf Geheiss des Soldaten die Erbschaft antreten müssen, und dieselbe einen Bestandtheil des im Felde erworbenen Sondergutes bilden. 2Ein Haussohn und Nichtsoldat errichtete über sein im Felde erworbenes Sondergut ein Testament, und starb, ohne zu wissen, dass er seinem Vater als Notherbe beerbt habe. Derselbe kann nicht betrachtet werden, als sei er hinsichtlich seines im Felde erworbenen Sondergutes testirt, hinsichtlich seines väterlichen Vermögens untestirt verstorben, wenn es gleich bei einem noch wirklichen Soldaten also verordnet ist, weil ein Soldat von Anfang an zum Theil testirt, zum Theil untestirt versterben konute; — ein Vorrecht, welches er ebenso wenig gehabt, als er ohne Beobachtung der Gesetze ein Testament errichten durfte. Nothwendigerweise also wird der zum Erben des im Felde erworbenen Sondergutes Eingesetzte den ganzen Nachlass erhalten, gleichwie wenn ein [vermeintlich] ganz Armer mit Errichtung eines Testaments gestorben wäre, ohne zu wissen, dass er durch seine an einem andern Orte handelnden Sclaven reich geworden. 3Der Vater schenkte einem, zu dem im Felde erworbenen Sondergute des Sohnes gehörigen, Sclaven in seinem Testamente die Freiheit. Der Haussohn starb ohne Testament, und bald hernach der Vater; es fragt sich, ob dem Sclaven die Freiheit gebühre? Es stand nemlich entgegen, dass das Eigenthum nicht Zweien auf das Ganze zugehören könne; auch hat Hadrianus bestimmt, der Sohn könne einen zu diesem Sondergute gehörigen Sclaven freilassen. Hätte nun derselbe Sclave sowohl im Testamente des Sohnes, als des Vaters die Freiheit erhalten und wären beide zugleich gestorben, so würde es1212Rücksichtlich der Entscheidung der Frage, aus wessen Testamente nun eigentlich die Freiheit zuständig sei. A. d. R. nicht zu bezweifeln sein, dass derselbe durch das Testament des Sohnes frei werde. Aber auch im obigen Falle kann für [die Gültigkeit] der vom Vater bewirkten Freilassung angeführt werden, dass das Recht des Vaters [nur] in soweit nicht wirksam hervortrete, als der Sohn sich des ihm hinsichtlich des im Felde erworbenen Sondergutes verliehenen Rechtes bediene; dass aber, wenn der Sohn ohne Testament gestorben, der Vater, nach der Analogie des Heimkehrrechts, kraft seines früheren Rechtes das Sondergut behalte, und als Eigenthümer desselben auch für die vergangene Zeit anzusehen sei.1313Der Satz ist fragweise gestellt, aber die Bejahung leigt, wie oft, in der Stellung. A. d. R. 4Wenn er jedoch als Erbe,1414Ut heres verstehe ich als putativus. A. d. R. bei Lebzeiten des Sohnes, dem Sclaven die Freiheit durch feierliche Erklärung ertheilt hat, so kann nicht behauptet werden, dass derselbe nach dem Ableben des ohne Testament verstorbenen Sohnes durch jene Freilassung frei geworden sei. 5Wie aber, wenn der Sohn ein Testament errichtet hat und dessen Erbschaft nicht angetreten worden ist? [In diesem Falle] lässt es sich nicht so leicht sagen, nach dem Tode des Sohnes habe der Vater das Eigenthum an den zum Sondergute gehörigen Sachen fortbehauptet, da die Zwischenzeit, in welcher die eingesetzten Erben überlegten, gewissermaassen das Bild einer Erbfolge hergestellt hat; sonst müsste auch alsdann, wenn die Erbschaft des Sohnes von dem eingesetzten Erben angetreten worden, behauptet werden, das Eigenthum sei vom Vater auf den Erben übergegangen. Dies ist ungereimt, wenn wir, wie in andern Fällen, so auch in diesem, das Eigenthumsrecht für schwebend [mit dem Erfolge] halten wollen, dass wir in Folge eines nachher eingetretenen Ereignisses annähmen, der Vater sei entweder auch für die vergangene Zeit Eigenthümer, oder gar nicht gewesen. Hiernach wird [nun auch], wenn, während die [eingesetzten] Erben überlegen, der Verfalltag eines Vermächtnisses eingetreten ist, das einem zu jenem Sondergute gehörigen Sclaven in Jemands Testament hinterlassen worden, von welchem der Vater nichts erwerben konnte, [die Frage] schwerlich [bejahend] zu beantworten sein, ob dies ihm [dem Vater] gehöre, dahingegen dies jedenfalls dem Erben des Sohnes gehören würde.1515Sobald er anträte. Mit obigen Worten sagt Retes l. l. p. 164. innuit ergo acquisitum legatum imagini hereditatis. A. d. R. Leichter jedoch ist die Frage hinsichtlich der Freiheit des Sclaven in dem Falle zu bejahen, wo der Sohn ohne Testament gestorben. Es ist also kein Grund vorhanden zu der Behauptung, dass dem Sclaven die ihm zu jener Zeit, wo er sich nicht im Eigenthum des Vaters befunden, geschenkte Freiheit zustehe; allein dennoch verwerfen wir in beiden Fällen die die Freiheit begünstigende Meinung nicht.1616Schon einige zum nothdürftigen Verstehen geschehene Einschiebungen sollten das obige Gesetz erläutern, welches durch die schwierige Darstellung von Zweifeln und die verwickelte Lösung widerstreitender Meinungen in der Sprache und der Denkungsweise der alten Juristen zu den merkwürdigern gehört. Nullum gravius in jure civili inveniri potest, sagt Athanas. ab Oteyza et Olano Paralipom. Lib. IV. cap. 12. §§. 27. sq. Um es ganz zu verstehen, füge ich folgende Erläuterung hinzu. Der Vater hat am peculio castrensi des Sohnes ein conditionelles Recht, welches davon abhängt, dass der Sohn nicht darüber disponirt und vor dem Vater stirbt. In dieser doppelten Voraussetzung bleiben vom Vater getroffene frühere Dispositionen gültig und erhalten somit durch den Eintritt der beiden Bedingungen rechtliche Kraft ex post und retro, wodurch eine retrotractio in jure geschieht. Wenn also der Vater einem servo peculiari testamentarisch die Freiheit ertheilt, darauf der Sohn intestatus stirbt, und nach ihm der Vater, so ist der Sclave frei. Diesen Fall behandelt §. 3. Die Zweifelsgründe gehn von: Occurrebatesse, die Entscheidungsgründe von sed et — dominia. Denn hier ist das ruhende conditionelle Recht des Vaters durch keinen Act des Dispositionsrechts des Sohnes unterbrochen. §. 4. ist nicht von wesentlichem Einfluss auf die Sache. §. 5. fängt nun an, die Frage zu behandeln, wenn der Sohn sein Dispositionsrecht gebraucht, d. h. ein Testament errichtet hat. Hier ist des Vaters Recht unterbrochen und darum kann eine früher getroffene Disposition nicht gelten, denn es tritt, auch während des Sohnes eingesetzte Erben deliberiren, eine imago successionis ein, wodurch das jus rectractionis verhindert wird. Dieses liesse sich nemlich nur durch das in pendenti bleiben erklären, und dies hier anzunehmen wäre absurd, weil sonst, wenn des Sohnes Erben die Erbschaft anträten, angenommen werden müsste, dass der Vater sie bis dahin, eigenthümlich besessen habe, und das ist rechtlich unmöglich. Hierauf wirft der Jurist eine neue Frage auf, deren Beantwortung von dem vorher Gesagten abhängt und nur ein Zusatz zu seinen Entscheidungsgründen ist, indem er Jedem zu fühlen übrig lässt, wie unrichtig die entgegengesetzte Meinung wäre, und wohin sie führte, wenn man sie auf den gedachten Fall anwenden wollte. Denn treten die Erben an, so ist das Legat erworben, wo nicht, so fällt es weg, und nicht dem pater incapax zu, ergo kann er deliberantibus heredibus kein Recht am Sclaven (mithin am peculio) gehabt haben; denn wäre dies der Fall gewesen, so konnte der Sclav nicht hereditati jacenti (peculio) erwerben, und durch den Erbantritt dem Erben, weil die Erwerbung ex persona patris verloren gegangen wäre. — Hierauf geht er mit Facilior etc. in der angefangenen Erörterung weiter, wie wenn er dies nochmals als Gegensatz brauchen wollte, indem sich die Wahrheit dieses Satzes aus seinen Entscheidungsgründen, falls der Sohn testatus gestorben, also den umgekehrten Fall, durch die Negative rückwärts schliessen lässt. Und nun folgt die Hauptentscheidung Non ergo etc. obwohl sie durch den favor libertatis ganz reformirt wird. Man lasse nirgends ausser Acht: 1) dass die Erben nicht angetreten haben, 2) dass der Vater deliberantibus heredibus gestorben, und 3) dass facilior und difficile nicht leichter und schwerer heisse, sondern zu bejahen hinzuzusetzen ist. Wie es übrigens in Ansehung der Regulirung und des Verhältnisses des väterlichen Nachlasses zu dem des Sohnes nun zu halten sei, darüber s. o. l. 9. Die §§. 3. u. 5. sagen nun in extenso Folgendes: „Wenn ein Vater in seinem Testamente einen zum Sondergut seines Sohnes gehörigen Sclaven freigelassen hat, und darauf der Sohn, hernach der Vater gestorben ist, so liesse sich zwar zweifeln, ob die Freiheitsertheilung Bestand habe, weil doch nicht Zwei in solidum domini sein können, auch Kaiser Hadrian dem Sohn erlaubt hat, einen solchen Sclaven freizulassen, und wenn er dies testamentarisch ebensowohl als sein Vater gethan hätte, die Frage, aus wessen Testamente er eigentlich frei sei, gewiss dahin zu beantworten wäre, aus dem des Sohnes; allein es lässt sich dennoch auch in dem in Rede stehenden Fall für die Freiheit des Sclaven das anführen, dass des Vaters Dispositionsrecht über das Sondergut nur dann wegfalle, wenn der Sohn vom seinigen, ihm daran zustehenden Gebrauch mache; sterbe er hingegen ohne testamentarische Disposition, so werde der Vater gewissermaassen, wie beim postliminio, das dominium mit vollständiger Wirkung retro erwerben und darum gelte auch seine schon früher in Bezug darauf getroffene Disposition. — Wenn hingegen der Sohn ein Testament gemacht, und die Erbschaft nicht angetreten worden, so dauert des Vaters Recht am peculio nach des Sohnes Tode nicht fort, indem, während die Erben inzwischen deliberiren, das Sondergut den Charakter einer Erbschaft anzunehmen scheint; denn wollte man das Gegentheil annehmen, so würde daraus folgen, dass die Erben, falls sie die Erbschaft anträten, die proprietas vom Vater überkämen, welche falsche Folgerung die zur entgegengesetzten Meinung nöthige falsche Annahme hervorrufen würde, dass das dominium wie in andern Fällen, so auch hier, in pendenti bleibe. Dass diese falsch sei, zeige auch handgreiflich der Umstand, dass, wenn der zu dem Sondergute, worüber testirt worden, gehörige Sclave mittlerweile von einem Dritten ein Vermächtniss erhalten hätte, dessen Erwerbung bekanntlich von der Person seines (künftigen) Herrn abhänge, und man sich denke, dass der Vater incapax sei, dieser es auf keinen Fall erwerbe, wenn der Sohn intestatus gestorben, wohl aber, wenn testatus, ganz bestimmt der Erbe; wolle man nun statuiren, dass bis zur Aditio des Vaters Recht continuirt werde, so würde daraus folgen, dass das Vermächtniss, dessen dies cesserit, verloren sei; allein nichts weniger als dies sei der Fall, der Erbe erwerbe es dennoch, wenn er anträte, mithin könne von einem dominium bis dahin continuatum des Vaters nicht die Rede sein. — Bei weitem eher zu bejahen, als dies, sei daher der erstgedachte Fall von der Freiheitsertheilung gewesen, wo der Sohn untestirt gestorben sei, weil hier das dominium wirklich in pendenti geblieben; mithin liege kein Grund vor, für die zu einer Zeit ertheilte Freiheit sich zu entscheiden, wo der Vater nicht Herr gewesen, denn er sei auch dies nachher nicht geworden, weil er vor der repudiatio der Erbschaft von Seiten der Erben gestorben sei. So wäre es den Rechten nach, allein die Begünstigung der Freiheit habe es dahingebracht, dass Allem ungeachtet die geschehene Ertheilung derselben vom Vater in beiden Fällen gelte. A. d. R.

20Pau­lus li­bro sin­gu­la­ri ad re­gu­lam Ca­to­nia­nam. Sed si po­nas fi­lium tes­ta­men­tum fe­cis­se et pa­trem he­redem in­sti­tuis­se: cum uti­que pa­ter tes­ta­men­to suo ser­vo fi­lii li­ber­ta­tem de­dis­set, qui ad eum ex tes­ta­men­to fi­lii per­ti­ne­re coe­pe­rit, vi­den­dum est, num­quid ei com­pa­ra­ri de­beat, qui, cum ma­nu­mit­te­re­tur, alie­nus erat, de­in­de post­ea ad­quisi­tus est. sed fa­vo­ra­bi­le est li­ber­ta­tem a pa­tre re­lic­tam ad­mit­te­re: et ab in­itio pa­tris es­se eum vi­de­ri ex hoc, quod post­ea con­ti­git, os­ten­di­tur.

20Paul. lib. sing. ad regul. Caton. Setzen wir aber den Fall, der Sohn habe ein Testament errichtet und den Vater zum Erben eingesetzt, so frägt sich — wenn zumal der Vater in seinem [frühern] Testamente dem Sclaven des Sohnes, welcher ihm durch das Testament des Sohnes anzugehören begonnen, die Freiheit geschenkt hatte, — ob derselbe demjenigen Sclaven gleichgestellt werden müsse, welcher zur Zeit seiner Freilassung einem Andern gehörte und später [vom Freilasser] erworben worden ist?1717In diesem Falle nemlich ist die Freilassung ungültig. Es ist aber eher anzunehmen, dass die vom Vater geschenkte Freiheit gültig ist; und dass derselbe vom Anfange an als Sclave des Vaters zu betrachten sei, geht aus Dem, was sich später zugetragen, hervor.