Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 50 übersetzt von Treitschke (Titel 1–15) und Schneider (Titel 16/17)
Dig. L1,
Ad municipalem et de incolis
Liber quinquagesimus
I.

Ad municipalem et de incolis

(Von städtischen Bürgern1 und Einwohnern.)

1Nach den Basiliken (περι πολιτῶν) und Const. Tanta §. 8. S. Cujac. Obs. l. IX. c. 37.

1Ul­pia­nus li­bro se­cun­do ad edic­tum. Mu­ni­ci­pem aut na­ti­vi­tas fa­cit aut ma­nu­mis­sio aut ad­op­tio. 1Et pro­prie qui­dem mu­ni­ci­pes ap­pel­lan­tur mu­ne­ris par­ti­ci­pes, re­cep­ti in ci­vi­ta­tem, ut mu­ne­ra no­bis­cum fa­ce­rent: sed nunc ab­usi­ve mu­ni­ci­pes di­ci­mus suae cu­ius­que ci­vi­ta­tis ci­ves, ut pu­ta Cam­pa­nos, Pu­teo­la­nos. 2Qui ex duo­bus igi­tur Cam­pa­nis pa­ren­ti­bus na­tus est, Cam­pa­nus est. sed si ex pa­tre Cam­pa­no, ma­tre Pu­teo­la­na, ae­que mu­ni­ceps Cam­pa­nus est, ni­si for­te pri­vi­le­gio ali­quo ma­ter­na ori­go cen­sea­tur: tunc enim ma­ter­nae ori­gi­nis erit mu­ni­ceps. ut pu­ta Ilien­si­bus con­ces­sum est, ut qui ma­tre Ilien­si est, sit eo­rum mu­ni­ceps. et­iam Del­phis hoc idem tri­bu­tum et con­ser­va­tum est. Cel­sus et­iam re­fert Pon­ti­cis ex be­ne­fi­cio Pom­peii Mag­ni com­pe­te­re, ut qui Pon­ti­ca ma­tre na­tus es­set, Pon­ti­cus es­set. quod be­ne­fi­cium ad vol­go quae­si­tos so­los per­ti­ne­re qui­dam pu­tant. quo­rum sen­ten­tiam Cel­sus non pro­bat: ne­que enim de­buis­se ca­ve­ri, ut vol­go quae­si­tus ma­tris con­di­cio­nem se­que­re­tur (quam enim aliam ori­gi­nem hic ha­bet?): sed ad eos, qui ex di­ver­sa­rum ci­vi­ta­tium pa­ren­ti­bus ore­ren­tur.

1Ulp. lib. II. ad Ed. Bürger eines Municipiums (municeps) wird man entweder durch Geburt oder Freilassung22S. u. fr. 6. §. 3. h. t. oder Annahme an Kindesstatt. 1Und im eigentlichen Sinne werden die Aemterfähigen (muneris participes), die dergestalt, dass sie mit uns den öffentlichen Dienst leisten sollen, zum Bürgerrecht aufgenommen worden sind, municipes genannt; jetzt aber nennen wir so die Bürger einer jeden Stadt in Beziehung auf diese, z. B. die Campaner33D. i. Einwohner von Capua., Puteolaner. 2Wer also von beiderseits Campanischen Eltern abstammt, ist ein Campaner. Aber auch, wessen Vater ein Campaner, die Mutter aus Puteoli war, ist ebenfalls ein Campanischer Bürger (municeps); es müsste denn der mütterlichen Herkunft irgend ein Vorzug zustehen44Dies heisst nicht etwa, dass die Herkunft nach der Mutter beurtheilt worden, so oft dies zum Vortheil des Kindes gereicht; sondern es ist hier mit dem Vorzug eben das Bürgersein der Tochterkinder gemeint. Denn sonst hätten ja den Kindern Iliensischer Mütter die Privilegien dieser Stadt von selbst zugestanden; es heisst aber im Folgenden, dass den Iliensern dies Recht ertheilt worden.; denn dann würde er das Bürgerrecht nach der mütterlichen Herkunft haben. So ist z. B. den Iliensern dieses Recht ertheilt, dass, wer von einer Iliensischen Mutter geboren ist, Bürger (municeps) ihrer Stadt sei55Ilium genoss Abgabenfreiheit seit K. Claudius. Sueton. Claud. c. 25. Cujac. Obs. l. X. c. 5.. Auch den Delphiern ist eben dieses bewilligt und gehalten worden. Celsus erzählt auch, den Pontiern stehe durch Vergünstigung des grossen Pompejus das Recht zu, dass jeder von einer Pontischen Mutter Geborne ein Pontischer Bürger sei. Diese Vergünstigungen beziehen Einige nur auf Kinder von ungewissem Vater; deren Meinung billigt jedoch Celsus nicht, da es einer Verordnung, dass ein Kind von ungewissem Vater dem Stande der Mutter folgen sollte, nicht bedurft hätte; denn welche andre Herkunft hat ein solches? [er bezieht es] vielmehr auf solche, die von Eltern aus verschiedenen Städten abstammen.

2Idem li­bro pri­mo dis­pu­ta­tio­num. Quo­tiens fi­lius fa­mi­lias vo­lun­ta­te pa­tris de­cu­rio crea­tur, uni­ver­sis mu­ne­ri­bus, quae de­cu­rio­ni fi­lio in­iun­gun­tur, ob­stric­tus est pa­ter qua­si fi­de­ius­sor pro fi­lio. con­sen­sis­se au­tem pa­ter de­cu­rio­na­tui fi­lii vi­de­tur, si prae­sens no­mi­na­tio­ni non con­tra­di­xit. pro­in­de quid­quid in re pu­bli­ca fi­lius ges­sit, pa­ter ut fi­de­ius­sor prae­sta­bit. 1Ges­tum au­tem in re pu­bli­ca ac­ci­pe­re de­be­mus pe­cu­niam pu­bli­cam trac­ta­re si­ve ero­gan­dam de­cer­ne­re. 2Sed et si cu­ra­to­res ope­rum vel cu­ius al­te­rius rei pu­bli­cae crea­vit, te­ne­bi­tur. 3Sed et si suc­ces­so­rem si­bi no­mi­na­vit, pa­trem ob­strin­git. 4Sed et si vec­ti­ga­lia pu­bli­ca lo­ca­vit, pa­ter erit ob­stric­tus. 5Sed si fi­lius tu­to­res da­re non cu­ra­ve­rit vel mi­nus ido­neos ele­ge­rit nec sa­tis ex­ege­rit vel non ido­neum ac­ce­pe­rit, ip­se qui­dem quin sit ob­stric­tus, nul­la du­bi­ta­tio est: pa­ter ve­ro ita de­mum ob­li­ga­tur, si et fi­de­ius­so­res so­lent hoc no­mi­ne ob­li­ga­ri. sed non so­lent (hoc enim et re­la­tum et re­scrip­tum est), quia fi­de­ius­so­res rem pu­bli­cam sal­vam fo­re pro­mit­tunt, rei pu­bli­cae au­tem ni­hil, quod ad rem pe­cu­nia­riam at­ti­net, in­ter­est pu­pil­lis tu­to­res da­ri. 6Is, qui ul­tra com­mea­tum ab­est vel ul­tra for­mam com­mea­tui da­tam, ad mu­ne­ra vo­ca­ri pot­est.

2Ulp. lib. I. Disput. Sobald ein Haussohn mit Bewilligung des Vaters zum Decurio gewählt wird, so wird der Vater für alle Dienste, die dem Sohne als solchen übertragen werden, gleich als dessen Bürge verpflichtet. Der Vater wird aber als einwilligend in das Decurionat seines Sohnes angesehen, wenn er, bei dessen Ernennung anwesend, derselben nicht widerspricht. Was also der Sohn in öffentlichen Angelegenheiten nur immer thut, dafür muss der Vater als Bürge stehen. 1In öffentlichen Angelegenheiten Etwas thun heisst aber mit öffentlichen Geldern gebahren oder Ausgaben derselben beschliessen. 2Aber auch wenn er66Der Sohn. Aufseher von Bauen oder irgend einem andern öffentlichen Geschäft angestellt hat, ist er77Der Vater. verantwortlich. 3Auch wenn er einen Nachfolger für sich ernennt88Obgleich nominare nicht ganz dem deutschen Ernennen entspricht, da noch die creatio hinzukommen musste, so sagt doch auch Vorschlagen wieder zu wenig. S. v. Savigny Gesch. des Röm. Rs. im M. A. Th. I. S. 20. f., verpflichtet er dadurch den Vater. 4So auch wenn er öffentliche Gefälle verpachtet hat, haftet der Vater. 5Wenn hingegen der Sohn für Bestellung von Vormündern nicht gesorgt, oder Untüchtige dazu erwählt, oder keine oder nicht ausreichende Sicherheit gefodert hat, so ist zwar kein Zweifel, dass er selbst verpflichtet ist; der Vater aber haftet nur so weit, als Bürgen in dieser Beziehung zu haften pflegen. Sie haften aber gewöhnlich dafür nicht, — wie von Rechtslehrern und Rescripten ausgesprochen ist (relatum et scriptum est) — weil sie dem Gemeinwesen für Schaden zu stehen (rempublicam salvam fore) versprechen, in Hinsicht aufs Stadtvermögen aber es für das Gemeinwesen gleichgültig ist, ob Unmündige Vormünder bekommen. 6Wer über seinen Urlaub wegbleibt, oder denselben in der Art und Weise überschreitet, kann zu Verwaltung des öffentlichen Dienstes zurückberufen werden.

3Idem li­bro vi­cen­si­mo quin­to ad Sa­binum. Pla­cet et­iam fi­lios fa­mi­lias do­mi­ci­lium ha­be­re pos­se

3Idem lib. XXV. ad Sabin. Es ist angenommen, dass auch ein Haussohn einen [besondern] Wohnort haben könne,

4Idem li­bro tri­gen­si­mo no­no ad edic­tum. non uti­que ibi, ubi pa­ter ha­buit, sed ubi­cum­que ip­se do­mi­ci­lium con­sti­tuit.

4Idem lib. XXXIX. ad Ed. nicht gerade da, wo sein Vater den seinigen hatte, sondern wo er selbst sich niederlässt.

5Pau­lus li­bro qua­dra­gen­si­mo quin­to ad edic­tum. La­beo in­di­cat eum, qui plu­ri­bus lo­cis ex ae­quo neg­otie­tur, nus­quam do­mi­ci­lium ha­be­re: quos­dam au­tem di­ce­re re­fert plu­ri­bus lo­cis eum in­co­lam es­se aut do­mi­ci­lium ha­be­re: quod ve­rius est.

5Paul. lib. XLV. ad Ed. Labeo bemerkt, wer an mehrern Orten gleich starken Handel treibe, habe seinen Wohnort nirgends; Einige aber, sagt er, hielten dafür, dass er an mehrern Orten Einwohner sei oder einen Wohnort habe; was richtiger ist.

6Ul­pia­nus li­bro se­cun­do opi­nio­num. Ad­sump­tio ori­gi­nis, quae non est, ve­ri­ta­tem na­tu­rae non per­emit: er­ro­re enim ve­ri­tas ori­gi­nis non amit­ti­tur nec men­da­cio di­cen­tis se es­se, un­de non sit, de­po­ni­tur: ne­que re­cu­san­do quis pa­triam, ex qua ori­un­dus est, ne­que men­tien­do de ea, quam non ha­bet, ve­ri­ta­tem mu­ta­re pot­est. 1Fi­lius ci­vi­ta­tem, ex qua pa­ter eius na­tu­ra­lem ori­gi­nem du­cit, non do­mi­ci­lium se­qui­tur. 2Vi­ris pru­den­ti­bus pla­cuit duo­bus lo­cis pos­se ali­quem ha­be­re do­mi­ci­lium, si utru­bi­que ita se in­stru­xit, ut non id­eo mi­nus apud al­te­ros se col­lo­cas­se vi­dea­tur. 3Li­ber­ti­ni ori­gi­nem pa­tro­no­rum vel do­mi­ci­lium se­quun­tur: item qui ex his nas­cun­tur.

6Ulp. lib. II. Opin. Die Angabe einer Herkunft, die man nicht hat, ändert die Wirklichkeit nicht; denn durch Irrthum geht die wahre Herkunft nicht verloren, und es legt Keiner, der sich für anders woher, als er ist, gebürtig ausgiebt, durch solche Lüge sie ab; man kann weder durch Verleugnung der Heimath, aus welcher man gebürtig ist, noch durch Erdichtung einer andern, die man nicht hat, die Wahrheit aufheben. 1Der Sohn gehört zu der Stadt, aus welcher der Vater gebürtig ist, nicht zu dessen Wohnort. 2Die Rechtsgelehrten haben angenommen, es könne Jemand an zwei Orten seinen Wohnort haben, wofern er sich an beiden dergestalt häuslich eingerichtet hat, dass er deshalb nicht minder an dem einen als an dem andern als angesiedelt gelten kann99Vgl. u. fr. 27. §. 2. h. t.. 3Freigelassene haben1010Durch rechtliche Fiction. die Herkunft oder den Wohnort ihrer Freilasser; ebenso ihre Kinder.

7Idem li­bro quin­to de of­fi­cio pro­con­su­lis. Si quis a plu­ri­bus ma­nu­mis­sus sit, om­nium pa­tro­no­rum ori­gi­nem se­qui­tur.

7Idem lib. V. de off. Procons. Wenn Jemand von Mehrern freigelassen ist, so kommt ihm die Herkunft Aller zu.

8Mar­cia­nus li­bro pri­mo de iu­di­ciis pu­bli­cis. Non de­be­re co­gi de­cu­rio­nes vi­lius prae­sta­re fru­men­tum ci­vi­bus suis, quam an­no­na ex­igit, di­vi fra­tres re­scrip­se­runt, et aliis quo­que con­sti­tu­tio­ni­bus prin­ci­pa­li­bus id cau­tum est.

8Marcian. lib. I. de judic. publ. Die kaiserlichen Brüder1111Marcus Aurelius und Lucius Verus. haben rescribirt, dass die Decurionen nicht gezwungen werden sollen, ihren Mitbürgern wohlfeileres Getreide zu schaffen, als der Marktpreis es mit sich bringt, und eben dieses ist auch durch andere kaiserliche Verordnungen bestimmt.

9Ne­ra­tius li­bro ter­tio mem­bra­na­rum. Eius, qui ius­tum pa­trem non ha­bet, pri­ma ori­go a ma­tre eo­que die, quo ex ea edi­tus est, nu­me­ra­ri de­bet.

9Nerat. lib. III. Membran. Wer keinen rechten Vater hat, dessen Heimath muss nach der Mutter und nach dem Tage, wo sie von ihm entbunden worden ist, beurtheilt werden.

10Mar­cia­nus li­bro sin­gu­la­ri de de­la­to­ri­bus. Si­mi­le pri­vi­le­gium fis­co nul­la ci­vi­tas ha­bet in bo­nis de­bi­to­ris, ni­si no­mi­na­tim id a prin­ci­pe da­tum sit.

10Marcian. lib. sing. de delator. Keine Stadt hat ein solches Vorzugsrecht an dem Vermögen ihres Schuldners, wie der Fiscus, es müsste ihr denn ausdrücklich vom Fürsten ertheilt sein1212Wie Antiocha. Fr. 37. de reb. auct. jud. poss. 42. 5..

11Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do quaes­tio­num. Im­pe­ra­tor Ti­tus An­to­ni­nus Len­tu­lo Ve­ro re­scrip­sit ma­gis­tra­tuum of­fi­cium in­di­vi­duum ac pe­ri­cu­lum es­se com­mu­ne. quod sic in­tel­le­gi opor­tet, ut ita de­mum col­le­gae pe­ri­cu­lum ad­scri­ba­tur, si ne­que ab ip­so qui ges­sit ne­que ab his, qui pro eo in­ter­ve­ne­runt, res ser­va­ri pos­sit et sol­ven­do non fuit ho­no­re de­po­si­to. alio­quin si per­so­na vel cau­tio sit ido­nea, vel sol­ven­do fuit quo tem­po­re con­ve­ni­ri po­tuit, unus­quis­que in id quod ad­mi­nis­tra­vit te­ne­bi­tur. 1Quod si for­te is, qui pe­ri­cu­lo suo no­mi­na­vit ma­gis­tra­tum, sol­ven­do sit, utrum in eum prius ac­tio red­di qua­si fi­de­ius­so­rem de­beat, an ve­ro non alias, quam si res a col­le­ga ser­va­ri non po­tue­rit? sed pla­cuit fi­de­ius­so­ris ex­em­plo prio­rem con­ve­nien­dum qui no­mi­na­vit, quon­iam col­le­ga qui­dem neg­le­gen­tiae ac poe­nae cau­sa, qui ve­ro no­mi­na­vit, fi­dei ra­tio­ne con­ve­ni­tur.

11Papin. lib. II. Quaest. Der Kaiser Titus Antoninus1313Der Erste oder Pius. hat an den Lentulus Verus rescribirt, die Amtspflichten seien unter den Beamten persönlich, die Gefahr aber gemeinschaftlich. Dies ist so zu verstehen, dass einen Amtsgenossen die Gefahr erst dann trifft, wenn die Sache weder von Dem, der das Geschäft geleitet hat, noch von Denen, die für ihn als Bürgen eingetreten sind, zu erlangen, und er nach Niederlegung seines Amtes nicht zahlungsfähig ist; sonst, wenn seine Person oder seine Caution dafür gut ist, oder er zu der Zeit, wo er [deshalb] belangt werden konnte, zahlungsfähig war, haftet ein jeder [nur] für Das, was er verwaltet hat. 1Wenn nun aber Der, welcher einen Beamten auf seine Gefahr ernannt hat, zahlungsfähig ist, ist dann wider ihn, als Bürgen, sofort, oder erst dann, wenn die Sache von dem Amtsgenossen nicht zu erlangen ist, die Klage zu gestatten? Es ist aber angenommen, dass, nach dem Beispiel der Bürgen, Derjenige, der den Beamten ernannt hat1414Vgl. o. fr. 2. §. 3. h. t. Dass aber hier nicht blos von Benennung des Nachfolgers die Rede sei, sondern auch bisweilen ein College den andern ernannte, zeigt fr. 13. a. E., vorher belangt werden müsse, weil der Anspruch gegen den Amtsgenossen auf dessen Nachlässigkeit und Strafbarkeit, der wider den Ernenner hingegen auf Treu und Glauben sich gründet.

12Idem li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Et ei con­tra no­mi­na­ti col­le­gam ac­tio­nem uti­lem da­ri non opor­tet.

12Idem lib. I. Respons. Und es darf ihm1515Dem Verletzten. Cujac. Obs. l. XIII. c. 14. hält nominati (des Ernannten) für eingeschoben, und bezieht collegam auf den Amtsgenossen des Ernenners. Danach würde ei nicht auf den Verletzten, sondern auf den Ernenner gehen, mithin von dem Regress desselben gegen seine Mitbeamten die Rede sein. eine abgeleitete (utilis) Klage gegen den Amtsgenossen des Ernannten nicht bewilligt werden.

13Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do quaes­tio­num. Quid er­go, si al­ter ex ma­gis­tra­ti­bus to­to an­no afue­rit aut for­te prae­sens per con­tu­ma­ciam si­ve igna­viam vel ae­gram va­li­tu­di­nem rei pu­bli­cae neg­otia non ges­se­rit et om­nia col­le­ga so­lus ad­mi­nis­tra­ve­rit, nec ta­men to­ta res ab eo ser­va­ri pos­sit? ta­lis or­do da­bi­tur, ut in pri­mis qui rei pu­bli­cae neg­otia ges­sit et qui pro eo ca­ve­runt in so­li­dum con­ve­nian­tur, mox per­ac­tis om­ni­bus pe­ri­cu­lum ad­gnos­cat qui non ido­neum no­mi­na­vit, pos­tre­mo al­ter ex ma­gis­tra­ti­bus, qui rei pu­bli­cae neg­otiis se non im­mis­cuit. nec ius­te qui no­mi­na­vit uni­ver­si pe­ri­cu­lum re­cu­sa­bit, cum sci­re de­be­ret eum, qui no­mi­na­re­tur, in­di­vi­duum of­fi­cium et com­mu­ne pe­ri­cu­lum sus­cep­tu­rum. nam et cum duo ges­se­runt et ab al­te­ro ser­va­ri quod de­be­tur non pot­est, qui col­le­gam no­mi­na­vit, in uni­ver­sum con­ve­ni­tur.

13Idem lib. II. Quaest. Wie nun, wenn einer der Beamten das ganze Jahr hindurch abwesend gewesen ist, oder anwesend aus Störrigkeit, Trägheit oder Krankheit sich der Geschäfte des Gemeinwesens nicht angenommen und sein Amtsgenosse alles allein besorgt hat, von diesem aber nicht das Ganze erlangt werden kann? Die Reihefolge wird hier diese sein, dass zuerst Derjenige, welcher die Angelegenheiten des Gemeinwesens besorgt hat, und Die, welche für ihn gutgesagt haben, aufs Ganze belangt werden, dann, wenn alles dies geschehen ist, der Schade Den treffe, der einen Zahlungsunfähigen ernannt hat, zuletzt der andere der Beamten, der sich mit den Angelegenheiten des Gemeinwesens nicht befasst hat. Der Ernenner würde auch die Tragung jeder Gefahr nicht mit Recht ablehnen, da er wissen muss, dass der Ernannte eine ungetheilte Amtspflicht und eine [mit ihm] gemeinsame Gefahr übernehme. Denn auch wenn Zween ein Amt verwaltet haben und von dem Einen das Gebührende nicht erlangt werden kann, so wird Der, welcher ihn sich zum Amtsgenossen ernannt hat, aufs Ganze in Anspruch genommen.

14Idem li­bro quin­to de­ci­mo quaes­tio­num. Mu­ni­ci­pes in­tel­le­gun­tur sci­re, quod sciant hi, qui­bus sum­ma rei pu­bli­cae com­mis­sa est.

14Idem lib. XV. Quaest. Was Diejenigen, welchen die oberste Leitung des Gemeinwesens anvertraut ist, wissen, das wird als allen Bürgern bekannt angesehen.

15Idem li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Or­di­ne de­cu­rio­num ad tem­pus mo­tus et in or­di­nem re­gres­sus ad ho­no­rem, ex­em­plo rele­ga­ti, tan­to tem­po­re non ad­mit­ti­tur, quan­to dig­ni­ta­te ca­ruit. sed in utro­que pla­cuit exa­mi­na­ri, quo cri­mi­ne dam­na­ti sen­ten­tiam eius­mo­di me­rue­runt: du­rio­ri­bus et­enim poe­nis af­fec­tos igno­mi­nia vel­ut trans­ac­to neg­otio post­ea li­be­ra­ri, mi­no­ri­bus ve­ro, quam le­ges per­mit­tunt, sub­iec­tos ni­hi­lo mi­nus in­ter in­fa­mes ha­be­ri, cum fac­ti qui­dem quaes­tio sit in po­tes­ta­te iu­di­can­tium, iu­ris au­tem auc­to­ri­tas non sit. 1In eum, qui suc­ces­so­rem suo pe­ri­cu­lo no­mi­na­vit, si fi­ni­to ma­gis­tra­tu suc­ces­sor ido­neus fuit, ac­tio­nem da­ri non opor­tet. 2In frau­dem ci­vi­lium mu­ne­rum per ta­ci­tam fi­dem prae­dia trans­la­ta fis­co vin­di­can­tur tan­tum­que al­te­rum in­ter­dic­tae rei mi­nis­ter de suis bo­nis co­gi­tur sol­ve­re. 3Ius ori­gi­nis in ho­no­ri­bus ob­eun­dis ac mu­ne­ri­bus sus­ci­pien­dis ad­op­tio­ne non mu­ta­tur: sed no­vis quo­que mu­ne­ri­bus fi­lius per ad­op­ti­vum pa­trem ad­strin­gi­tur.

15Idem lib. I. Respons. Wer aus dem Rathe (Stande, ordo) der Decurionen auf eine Zeitlang entfernt worden und wieder hineingetreten ist, der wird, wie ein Verwiesener, so lange, als ihm die Würde entzogen gewesen ist, nicht zu Ehrenstellen gelassen1616Obwohl das Decurionat sonst auch eine Ehrenstelle (honor) genannt wird (fr. 5. de vac. 50. 5.), so waren doch die Decurionen nicht an sich Beamte (magistratus), sondern Patricier (Geschlechter) mit erblicher Stimmfähigkeit im Rathe der Stadt, ein Stadtadel oder geschlossener Stand, aus welchem die Beamten der Stadt vorzugsweise genommen wurden, die höhern allein. Vgl. u. fr. 7. §. 2. de decur. et fil. eor. 50. 2. Doch wurde häufig (wenn der ordo nicht vollzählig war) das Decurionat auch durch Wahl übertragen (allegere).. Bei Beiden muss aber, das ist angenommen, darauf gesehen werden, durch welches Verbrechen sie die Verurtheilung dazu sich zugezogen haben; diejenigen nemlich, die eine harte Strafe erlitten haben1717Bei welcher im Verhältniss zu Dem, was sie begangen, die Ausstossung aus dem ordo, oder die Verbannung als eine harte Strafe erscheint. Vgl. fr. 2. pr. de decur. et fil. eor. 50. 2., werden, als nach abgemachter Sache, von der Schande frei; hingegen die1818Mittels der Ausstossung oder Verweisung. zu einer geringern Strafe, als die Gesetze [eigentlich] erlauben, Gezogenen werden nichtsdestoweniger für ehrlos gehalten, weil die Frage über die Thatsache, nicht aber die Macht des Gesetzes (juris auctoritas) den Richtern [Geschwornen] anheimgegeben ist. 1Wenn Jemand auf seine Gefahr seinen Nachfolger ernannt hat, dieser aber nach vollendeter Amtsführung zahlungsfähig ist, so darf wider jenen keine Klage gestattet werden. 2Grundstücke, die zu Umgehung des bürgerlichen Dienstes unter geheimem Einverständniss abgetreten worden sind, werden zum Besten des Fiscus eingezogen und der Beförderer des unerlaubten Geschäfts muss den Werthbetrag aus seinen Mitteln nochmals erlegen. 3Das Recht der Herkunft in Beziehung auf die Gelangung zu Ehrenstellen und Uebernahme des öffentlichen Dienstes, wird durch Annahme an Kindesstatt nicht verändert; aber der Sohn wird vermittelst des Adoptivvaters auch zu neuen Diensten1919In der Stadt, welcher der Vater durch seine Geburt angehört. verpflichtet.

16Her­mo­ge­nia­nus li­bro pri­mo iu­ris epi­to­ma­rum. Sed si em­an­ci­pa­tur ab ad­op­ti­vo pa­tre, non tan­tum fi­lius, sed et­iam ci­vis eius ci­vi­ta­tis, cu­ius per ad­op­tio­nem fue­rat fac­tus, es­se de­si­nit.

16Hermogen. lib. I. jur. Epit. Wird aber ein solcher vom Adoptivvater der Gewalt entlassen, so hört er auf, nicht nur Sohn, sondern auch Bürger der Stadt zu sein, welcher er vermöge der Adoption angehörig worden war.

17Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Li­ber­tus prop­ter pa­tro­num a ci­vi­li­bus mu­ne­ri­bus non ex­cu­sa­tur, nec ad rem per­ti­net, an ope­ras pa­tro­no vel mi­nis­te­rium cap­to lu­mi­ni­bus ex­hi­beat. 1Li­ber­ti ve­ro se­na­to­rum, qui neg­otia pa­tro­no­rum ge­runt, a tu­te­la de­cre­to pa­trum ex­cu­san­tur. 2Fi­lium pa­ter de­cu­rio­nem es­se vo­luit: an­te fi­lium ex per­so­na sua res pu­bli­ca de­bet con­ve­ni­re quam pa­trem ex per­so­na fi­lii. nec ad rem per­ti­ne­bit, an fi­lius cas­tren­se pe­cu­lium tan­tum pos­si­deat, cum an­te mi­li­tas­set vel post­ea. 3Prae­scrip­tio tem­po­rum, quae in ho­no­ri­bus re­pe­tun­dis vel aliis sus­ci­pien­dis da­ta est, apud eos­dem ser­va­tur, non apud alios. 4Sed eo­dem tem­po­re non sunt ho­no­res in dua­bus ci­vi­ta­ti­bus ab eo­dem ge­ren­di: cum si­mul igi­tur utru­bi­que de­fe­run­tur, po­tior est ori­gi­nis cau­sa. 5So­la ra­tio pos­ses­sio­nis ci­vi­li­bus pos­ses­so­ri mu­ne­ri­bus in­iun­gen­dis ci­tra pri­vi­le­gium spe­cia­li­ter ci­vi­ta­ti da­tum ido­nea non est. 6Post­li­mi­nio re­gres­si pa­triae mu­ne­ri­bus ob­tem­pe­ra­re co­gun­tur, quam­vis in alie­nae ci­vi­ta­tis fi­ni­bus con­sis­tant. 7Ex­igen­di tri­bu­ti mu­nus in­ter sor­di­da mu­ne­ra non ha­be­tur et id­eo de­cu­rio­ni­bus quo­que man­da­tur. 8Ex cau­sa fi­dei­com­mis­si ma­nu­mis­sus in mu­ne­ri­bus ci­vi­li­bus ma­nu­mis­so­ris ori­gi­nem se­qui­tur, non eius qui li­ber­ta­tem re­li­quit. 9In ad­op­ti­va fa­mi­lia sus­cep­tum ex­em­plo da­ti mu­ne­ri­bus ci­vi­li­bus apud ori­gi­nem avi quo­que na­tu­ra­lis re­spon­de­re di­vo Pio pla­cuit, quam­vis in is­to frau­dis nec su­spi­cio qui­dem in­ter­ve­ni­ret. 10Er­ror eius, qui se mu­ni­ci­pem aut co­lo­num ex­is­ti­mans mu­ne­ra ci­vi­lia sus­cep­tu­rum pro­mi­sit, de­fen­sio­nem iu­ris non ex­clu­dit. 11Pa­tris do­mi­ci­lium fi­lium alio­rum in­co­lam ci­vi­li­bus mu­ne­ri­bus alie­nae ci­vi­ta­tis non ad­strin­git, cum in pa­tris quo­que per­so­na do­mi­ci­lii ra­tio tem­po­ra­ria sit. 12In quaes­tio­ni­bus no­mi­na­tos ca­pi­ta­lium cri­mi­num ad no­vos ho­no­res an­te cau­sam fi­ni­tam ad­mit­ti non opor­tet: ce­te­rum pris­ti­nam in­ter­im dig­ni­ta­tem re­ti­nent. 13So­la do­mus pos­ses­sio, quae in alie­na ci­vi­ta­te com­pa­ra­tur, do­mi­ci­lium non fa­cit. 14No­mi­na­ti suc­ces­so­ris pe­ri­cu­lum fi­de­ius­so­rem no­mi­nan­tis non te­net. 15Fi­de­ius­so­res, qui sal­vam rem pu­bli­cam fo­re re­spon­de­runt, et qui ma­gis­tra­tus suo pe­ri­cu­lo no­mi­nant poe­na­li­bus ac­tio­ni­bus non ad­strin­gun­tur, in quas in­ci­de­runt hi, pro qui­bus in­ter­ve­ne­runt: eos enim dam­num rei pu­bli­cae prae­sta­re sa­tis est quod pro­mit­ti vi­de­tur.

17Papin. lib. I. Respons. Ein Freigelassener wird wegen seines Freilassers bürgerlicher Dienste nicht überhoben, und es verschlägt nichts, wenn er seinem Freilasser Dienste, oder dem Erblindeten Beistand leistet. 1Die Freigelassenen von Senatoren aber, welche die Geschäfte ihrer Freilasser besorgen, werden nach einem Beschluss des Senats mit Vormundschaften verschont2020Auch die Vormundschaft galt als eine Art des öffentlichen Dienstes. Fr. 1. §. 2. fr. 18. §. 1. de mun. et hon. 50. 4.. 2Ein Vater liess seinen Sohn Decurio werden. Hier muss das Gemeinwesen zuvor den Sohn für seine Person belangen, als den Vater wegen des Sohnes; und es verschlägt nichts, dass der Sohn etwa blos ein Beutegut (Kriegssondergut) besitzt, da er vorher oder nachher Soldat gewesen ist. 3Die Ausrede (praescriptio) der Zeiten2121Dass einer nach Führung und verfassungsmässiger Niederlegung eines Amtes eine gewisse Zeitlang mit Aemtern verschont werden musste. S. Fr. 18. h. t., welche gegen wiederholte Uebernahme desselben Amtes, oder der eines andern zusteht, wird in derselben Stadt (apud eosdem) beachtet, nicht in einer andern (apud alios)2222S. o. fr. 15. §. 3. fr. 20. fr. 22. §. 2. fr. 27. pr. fr. 37. §. 1. h. t. Jeder war an dem Orte, wo er selbst, pder (wenn er Decuriossohn war) sein Vater, oder (wenn er Freigelassener war) sein Freilasser geboren war, und zugleich auch an seinem Wohnorte zum öffentlichen Dienste verbunden.. 4Doch soll Ebenderselbe nie in zwei Städten zugleich Ehrenstellen verwalten, werden ihm also dergleichen an beiden Orten angetragen, so hat die Herkunft den Vorzug. 5Der blosse [Grund-]Besitz2323In dem Gebiete einer Stadt. reicht, ohne ein besonderes der Stadt ertheiltes Vorrecht, nicht hin, um den Besitzer bürgerliche Dienste aufzulegen. 6Wer aus feindlicher Gefangenschaft zurückgekehrt ist, muss die Pflicht des öffentlichen Dienstes in seiner Vaterstadt erfüllen, wenn er gleich in dem Gebiet einer andern Stadt sich aufhält. 7Die Einnahme von Steuern wird nicht unter die erniedrigenden Geschäfte gerechnet und daher auch Decurionen übertragen. 8Der einem Fideicommiss zufolge Freigelassene folgt in Hinsicht der bürgerlichen Aemter der Herkunft des Freilassers, nicht Dessen, der ihm die Freiheit vermacht hat. 9Der Kaiser Pius hat beliebt, dass ein durch Adoption in eine Familie Aufgenommener2424Nemlich blos nach dem Willen des Adoptivvaters, ohne Veranlassung von Seiten des natürlichen, da dieser als schon gestorben gedacht wird. so gut als ein2525Vom natürlichen Vater. zur Adoption Gegebener der Pflicht der Uebernahme von Aemtern in der Heimath seines natürlichen Grossvaters nachkommen müsse2626S. den Senatsbeschluss unter Nero, bei Tacit. Annal. XV. 19. obgleich nicht einmal ein Verdacht der Hinterziehung dabei vorhanden wäre. 10Der Irrthum, vermöge dessen Jemand sich für den Bürger eines Municipiums oder einer Colonie gehalten, und die Uebernahme bürgerlicher Aemter zugesagt hat, schliesst seine Rechtsvertheidigung dagegen nicht aus. 11Der Wohnort des Vaters verpflichtet den anderswo wohnhaften Sohn nicht zu bürgerlichen Diensten, da auch beim Vater das Verhältniss des Wohnorts ein zeitwieriges ist. 12Wer wegen eines Capitalverbrechens vor Gericht gezogen ist, darf vor Beendigung der Sache nicht zu neuen Ehrenstellen gelassen werden; hingegen behält er einstweilen die vorige Würde. 13Der blosse Besitz eines in einer fremden Stadt erkauften Hauses begründet nicht den Wohnort. 14Der Bürge Dessen, der seinen Nachfolger ernannt hat, haftet nicht für den ernannten Nachfolger2727Vgl. fr. 2. §. 3. fr. 15. §. 1. h. t.. 15Die Bürgen, welche das Gemeinwesen schadlos zu halten (salvam rempublicam fore) angelobt haben, und Diejenigen, welche auf ihre Gefahr Beamte ernennen, sind nicht den Strafklagen2828Vgl. fr. 11. §. 1. h. t. unterworfen, welchen Diejenigen sich ausgesetzt haben, für die sie eingetreten sind; denn es ist genug, dass sie dem Gemeinwesen seinen Schaden ersetzen, worauf ihr Angelöbniss zu deuten ist.

18Pau­lus li­bro pri­mo quaes­tio­num. Di­vus Se­ve­rus re­scrip­sit in­ter­val­la tem­po­rum in con­ti­nuan­dis one­ri­bus in­vi­tis, non et­iam vo­len­ti­bus con­ces­sa, dum ne quis con­ti­nuet ho­no­rem.

18Paul. lib. I. Quaest. Kaiser Severus hat rescribirt: die Zwischenzeiten bei Erneuerung der Aemter seien für Die eingeräumt, welche diese nicht wollen, nicht aber für Die, welche sie wollen; doch dürfe Niemand Aemter [ohne allen Zwischenraum] fortführen.

19Scae­vo­la li­bro pri­mo quaes­tio­num. Quod ma­ior pars cu­riae ef­fe­cit, pro eo ha­be­tur, ac si om­nes ege­rint.

19Scaevola lib. I. Quaest. Was die Mehrzahl der Rathsversammlung vorgenommen hat, wird so angesehen, als ob es Alle gethan hätten.

20Pau­lus li­bro vi­cen­si­mo quar­to quaes­tio­num. Do­mi­ci­lium re et fac­to trans­fer­tur, non nu­da con­tes­ta­tio­ne: sic­ut in his ex­igi­tur, qui ne­gant se pos­se ad mu­ne­ra ut in­co­las vo­ca­ri.

20Ad Dig. 50,1,20ROHGE, Bd. 13 (1874), Nr. 115, S. 364: Ab- und Anmeldung ohne thatsächliche Veränderung des Wohnsitzes.Paul. lib. XXIV. Quaest. Der Wohnort wird durch die That und Wirklichkeit verändert, nicht durch blosse Erklärung; wie solches bei Denen erfordert wird, welche behaupten, dass sie nicht als Einwohner zu Aemtern berufen werden könnten.

21Idem li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Lu­cius Ti­tius cum es­set in pa­tris po­tes­ta­te, a ma­gis­tra­ti­bus in­ter ce­te­ros fru­men­to com­pa­ran­do in­vi­to pa­tre cu­ra­tor con­sti­tu­tus est: cui rei Lu­cius Ti­tius ne­que con­sen­sit ne­que pe­cu­niam ac­ce­pit ne­que in eam ca­vit aut se com­pa­ra­tio­ni­bus cum ce­te­ris mis­cuit: et post mor­tem pa­tris in re­li­qua col­le­ga­rum in­ter­pel­la­ri coe­pit. quae­ri­tur, an ex ea cau­sa te­ne­ri pos­sit. Pau­lus re­spon­dit eum, qui in­iunc­tum mu­nus a ma­gis­tra­ti­bus sus­ci­pe­re su­per­se­dit, pos­se con­ve­ni­ri eo no­mi­ne prop­ter dam­num rei pu­bli­cae, quam­vis eo tem­po­re, quo crea­tus est, in alie­na fue­rit po­tes­ta­te. 1Pau­lus re­spon­dit eos, qui pro aliis non ex con­trac­tu, sed ex of­fi­cio quod ad­mi­nis­tra­ve­rint con­ve­niun­tur, in dam­num sor­tis sub­sti­tui so­le­re, non et­iam in usu­ras. 2Idem re­spon­dit he­redes pa­tris prop­ter mu­ne­ra fi­lii, quae post mor­tem pa­tris sus­ce­pit, iu­re con­ve­ni­ri non pos­se. hoc re­spon­sum et ad eum per­ti­net, qui a pa­tre de­cu­rio fac­tus post mor­tem pa­tris mu­ne­ra sus­ce­pit. 3Idem re­spon­dit eum, qui de­cu­rio­nem ad­op­ta­vit, one­ra de­cu­rio­na­tus eius sus­ce­pis­se vi­de­ri ex­em­plo pa­tris, cu­ius vo­lun­ta­te fi­lius de­cu­rio fac­tus est. 4Idem re­spon­dit con­stan­te ma­tri­mo­nio do­tem in bo­nis ma­ri­ti es­se: sed et si ad mu­ne­ra mu­ni­ci­pa­lia a cer­to mo­do sub­stan­tiae vo­cen­tur, do­tem non de­be­re com­pu­ta­ri. 5Idem re­spon­dit, si per ac­cu­sa­to­rem cri­mi­num ca­pi­ta­lium non ste­tis­set, quo mi­nus cri­men in­tra sta­tu­tum tem­pus per­se­que­re­tur, reum non de­buis­se me­dio tem­po­re ho­no­rem ap­pe­te­re. 6‘Im­pe­ra­to­res Se­ve­rus et An­to­ni­nus Au­gus­ti sep­ti­mio Ze­no­ni. pro in­fan­te fi­lio, quem de­cu­rio­nem es­se vo­luis­ti, quam­quam fi­dem tuam in pos­te­rum ad­strin­xe­ris, ta­men in­ter­im one­ra sus­ti­ne­re non co­ge­ris, cum ad ea, quae man­da­ri pos­sunt, vo­lun­ta­tem de­dis­se vi­dea­ris’. 7Idem re­spon­dit, si ci­vi­tas nul­lam pro­priam le­gem ha­bet de ad­iec­tio­ni­bus ad­mit­ten­dis, non pos­se re­ce­di a lo­ca­tio­ne vel ven­di­tio­ne prae­dio­rum pu­bli­co­rum iam per­fec­ta: tem­po­ra enim ad­iec­tio­ni­bus prae­sti­tu­ta ad cau­sas fis­ci per­ti­nent.

21Paul. lib. I. Respons. Lucius Titius wurde, als er noch unter der Gewalt seines Vaters stand, von der Obrigkeit, wider Willen seines Vaters, nebst Andern zum Pfleger der Getreideeinkäufe bestellt, willigte aber darein nicht, emfing kein Geld, bestellte auch deshalb keine Caution und mischte sich nicht mit den Uebrigen in die Einkäufe. Nach dem Tode des Vaters ward er wegen der Rückstände seiner Amtsgenossen in Anspruch genommen. Es fragt sich nun, ob er aus diesem Grunde verantwortlich gemacht werden könne? Paulus antwortete: wer einen ihm von der Obrigkeit übertragenen Dienst zu übernehmen unterlassen hat, könne deshalb auf Entschädigung des Gemeinwesens belangt werden, wenngleich er zu der Zeit, wo er ernannt wurde, in eines Andern Gewalt gestanden hat. 1Paulus hat begutachtet: Wer anstatt eines Andern nicht aus einem Contract, sondern aus der Pflicht des Amtes, das er verwaltet hat, belangt wird, pflege zur Uebertragung des Schadens nur wegen des Capitals, nicht auch wegen der Zinsen angehalten zu werden.2929Nach fr. 24. h. t. hat auch der gewesene Beamte selbst von seinen Rückständen keine Zinsen zu entrichten. 2Derselbe hat begutachtet: die Erben des Vaters können wegen bürgerlicher Dienste des Sohnes, die dieser nach dem Tode des Vaters übernommen hat, nicht belangt werden. Dieses Gutachten geht auch Den an, der, von seinem Vater zum Decurio gemacht, erst nach dem Tode desselben Aemter übernommen hat. 3Derselbe hat begutachtet: Derjenige, welcher einen Decurio an Kindesstatt annimmt, sei so anzusehen, dass er die Lasten des Decurionats desselben übernommen habe, so gut als ein Vater, mit dessen Willen der Sohn Decurio geworden ist. 4Derselbe hat begutachtet: Während der Ehe gehöre das Heirathsgut [zwar] zu dem Vermögen (in bonis) des Mannes, wenn man aber einem gewissen Betrag des Besitzthums zufolge zu bürgerlichen Diensten berufen sei, so dürfe das Heirathsgut nicht mit gerechnet werden.3030Vgl. u. fr. 22. §. 7. h. t. 5Derselbe hat begutachtet: Wenn die Fortstellung einer Anklage ohne Schuld des peinlichen (criminum capitalium) Anklägers während der festgesetzten Zeit unterblieben sei, so dürfe der Angeklagte mittlerweile nicht um Ehrenstellen sich bewerben. 6Die Kaiser Severus und Antoninus an den Septimius Zeno. Wegen Deines in den Kinderjahren stehenden Sohnes, welchen du hast Decurio werden lassen, bist du, obschon du für die Zukunft dich verpflichtet hast, doch mittlerweile3131Bis zu dessen Volljährigkeit. zu Uebernahme einiger Lasten nicht verbunden, da deine Willenserklärung auf dasjenige, was [dem Sohne] wird übertragen werden können, zu beziehen ist. 7Derselbe3232Paulus. Cujac. Obs. II. 24. hält aber das folgende auch für ein Rescript, und will daher lesen: iidem rescripserunt. hat begutachtet: Wenn eine Stadt nicht ein eigenthümliches Gesetz über die Zulässigkeit von Nachgeboten3333Adjectiones, Gebote, die erst nach dem Zuschlage (addictio) zu Ueberbietung und Verdrängung Dessen, welchem dieser geschehen, gethan werden. habe, so könne ein abgeschlossener Pacht oder Verkauf von Gemeindegrundstücken nicht rückgängig gemacht werden.

22Idem li­bro pri­mo sen­ten­tia­rum. Fi­lii li­ber­to­rum, li­ber­ta­rum­que li­ber­ti, pa­ter­ni et pa­tro­ni ma­nu­mis­so­ris do­mi­ci­lium aut ori­gi­nem se­quun­tur. 1Vi­dua mu­lier amis­si ma­ri­ti do­mi­ci­lium re­ti­net ex­em­plo cla­ris­si­mae per­so­nae per ma­ri­tum fac­tae: sed utrum­que aliis in­ter­ve­nien­ti­bus nup­tiis per­mu­ta­tur. 2Mu­ni­ci­pes sunt li­ber­ti et in eo lo­co, ubi ip­si do­mi­ci­lium sua vo­lun­ta­te tu­le­runt, nec ali­quod ex hoc ori­gi­ni pa­tro­ni fa­ciunt prae­iu­di­cium et utru­bi­que mu­ne­ri­bus ad­strin­gun­tur. 3Rele­ga­tus in eo lo­co, in quem rele­ga­tus est, in­ter­im ne­ces­sa­rium do­mi­ci­lium ha­bet. 4Se­na­tor or­di­ne mo­tus ad ori­gi­na­lem pa­triam, ni­si hoc spe­cia­li­ter im­pe­tra­ve­rit, non re­sti­tui­tur. 5Se­na­to­res et eo­rum fi­lii fi­liae­que quo­quo tem­po­re na­ti na­tae­ve, item­que ne­po­tes, pro­ne­po­tes et pro­nep­tes ex fi­lio ori­gi­ni ex­imun­tur, li­cet mu­ni­ci­pa­lem re­ti­neant dig­ni­ta­tem. 6Se­na­to­res, qui li­be­rum com­mea­tum, id est ubi ve­lint mo­ran­di ar­bi­trium im­pe­tra­ve­runt, do­mi­ci­lium in ur­be re­ti­nent. 7Qui fae­nus ex­er­cent, om­ni­bus pa­tri­mo­nii in­tri­bu­tio­ni­bus fun­gi de­bent, et­si pos­ses­sio­nem non ha­beant.

22Idem lib. I. Sentent. Die Söhne von Freigelassenen beiderlei Geschlechts folgen, wie die Freigelassenen selbst, dem Wohnorte oder der Heimath ihres Patrons und Freilassers. 1Eine verwitwete Frau behält den Wohnort ihres verstorbenen Gatten, sowie eine Person, die durch ihren Gatten in den dritten Hofrang erhoben worden ist (clarissima persona facta), [diesen Rang behält]; beides aber wird durch Eingehung einer zweiten Ehe verändert. 2Freigelassene sind auch an dem Orte Bürger (municipes), wo sie aus eigner Wahl ihren Wohnort genommen haben, benehmen aber damit der Heimath ihres Freilassers nichts an ihrem Recht, und sind an beiden Orten zur Uebernahme von Diensten verpflichtet. 3Ein Verwiesener hat an dem Orte, wohin er verwiesen ist, einstweilen seinen gezwungenen Wohnort. 4Ein Senator, der aus dem Stande (ordo) gestossen ist, bekommt seine ursprüngliche Heimath nicht wieder, er müsste dies denn besonders erbitten. 5Senatoren und ihre Söhne und Töchter, sie mögen geboren sein, wenn sie wollen,3434D. h. wenn sie auch früher geboren wurden, ehe ihr Vater, ein Municeps, in den Römischen Senat aufgenommen wurde. S. Savigny a. a. O. S. 26. und vergl. fr. 23. §. 1. h. t. so auch die Enkel, Urenkel und Urenkelinnen durch Söhne, werden von ihrer Heimath frei, wenngleich sie ihren landstädtischen (municipalem) Rang behalten. 6Senatoren, welche freien Urlaub, d. h. die Freiheit, sich aufzuhalten, wo sie wollen, erhalten haben, behalten ihren Wohnort in der Stadt [Rom]. 7Wer sein Geld auf Zinsen stehen hat, muss alle Dienste, die ihm nach seinem Vermögensbetrage zukommen,3535S. o. fr. 21. §. 4. h. t. übernehmen, wenngleich er keinen [Grund]Besitz hat.

23Her­mo­ge­nia­nus li­bro pri­mo iu­ris epi­to­ma­rum. Mu­ni­ceps es­se de­si­nit se­na­to­riam ad­ep­tus dig­ni­ta­tem, quan­tum ad mu­ne­ra: quan­tum ve­ro ad ho­no­rem, re­ti­ne­re cre­di­tur ori­gi­nem. de­ni­que ma­nu­mis­si ab eo eius mu­ni­ci­pii ef­fi­ciun­tur mu­ni­ci­pes, un­de ori­gi­nem tra­hit. 1Mi­les ibi do­mi­ci­lium ha­be­re vi­de­tur, ubi me­ret, si ni­hil in pa­tria pos­si­deat.

23Hermogen. lib. I. jur. Epit. Wer zur Senatorwürde befördert wird, hört auf, Bürger seiner Landstadt (municeps) zu sein. Dies gilt nemlich in Betreff der Dienste, was aber Ehrenstellen anlangt, so ist angenommen, dass er seine Heimath behalte; so werden auch3636S. u. Note zu fr. 2. de decur. die Sclaven, die er freilässt, Bürger desjenigen Municipiums, woher er gebürtig ist. 1Ein Soldat gilt als da wohnend, wo er dient, wenn er in seiner Heimath nichts [an Grundstücken] besitzt.

24Scae­vo­la li­bro se­cun­do di­ges­to­rum. Con­sti­tu­tio­ni­bus prin­ci­pum con­ti­ne­tur, ut pe­cu­niae, quae ex de­tri­men­to sol­vi­tur, usu­rae non prae­sten­tur: et ita im­pe­ra­to­res An­to­ni­nus et Ve­rus Au­gus­ti re­scrip­se­runt his ver­bis: ‘Hu­ma­num est re­li­quo­rum usu­ras ne­que ab ip­so, qui ex ad­mi­nis­tra­tio­ne ho­no­ris re­li­qua­tus est, ne­que a fi­de­ius­so­re eius, et mul­to mi­nus a ma­gis­tra­ti­bus, qui cau­tio­nem ac­ce­pe­rint, ex­igi’. cui con­se­quens est, ut ne in fu­tu­rum a for­ma ob­ser­va­ta dis­ce­da­tur.

24Scaevola lib. II. Dig. In fürstlichen Verordnungen ist enthalten, dass von Gelde, welches mit Schaden [des Beamten von ihm] ersetzt wird, keine Zinsen entrichtet werden sollen. Und dahin haben die Kaiser Antoninus und Verus folgendermaassen rescribirt: Es ist billig (humanum), dass weder von Dem, welchem aus der Verwaltung eines Amtes Rückstände nachgewiesen worden sind, noch von seinem Bürgen, noch von den Beamten, die seine Caution empfangen haben, Zinsen solcher Rückstände gefodert werden; mithin darf in Zukunft von der [bisher hierin] beobachteten Maasse nicht abgegangen werden.

25Ul­pia­nus li­bro pri­mo ad edic­tum prae­to­ris. Ma­gis­tra­tus mu­ni­ci­pa­les cum unum ma­gis­tra­tum ad­mi­nis­trent, et­iam unius ho­mi­nis vi­cem sus­ti­nent. et hoc ple­rum­que qui­dem le­ge mu­ni­ci­pa­li eis da­tur: ve­rum et si non sit da­tum, dum­mo­do non de­ne­ga­tum, mo­ri­bus com­pe­tit.

25Ulp. lib. I. ad Ed. praet. Die städtischen (municipales) Beamten stellen, da sie ein und dasselbe Amt verwalten, auch nur Eine Person vor, und meist ist dies in dem Stadtrechte (lex municipalis) ihnen zugesprochen; ist dies aber auch nicht der Fall, so kommt es ihnen, sobald es nur nicht abgesprochen ist, nach dem Herkommen zu.

26Pau­lus li­bro pri­mo ad edic­tum. Ea, quae ma­gis im­pe­rii sunt quam iu­ris­dic­tio­nis, ma­gis­tra­tus mu­ni­ci­pa­lis fa­ce­re non pot­est. 1Ma­gis­tra­ti­bus mu­ni­ci­pa­li­bus non per­mit­ti­tur in in­te­grum re­sti­tue­re aut bo­na rei ser­van­dae cau­sa iu­be­re pos­si­de­ri aut do­tis ser­van­dae cau­sa vel le­ga­to­rum ser­van­do­rum cau­sa.

26Paul. lib. I. ad Ed. Was vielmehr zum Imperium, als zur Gerichtsbarkeit gehört, kann ein städtischer Beamter nicht thun. 1Städtischen Beamten ist nicht gestattet, Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu geben oder Besitznahme wegen Erhaltung der Sache, oder der Mitgift, oder der Vermächtnisse, zu verfügen.3737Vgl. fr. 4. de jurisdict. 2, 1.

27Ul­pia­nus li­bro se­cun­do ad edic­tum. Eius, qui ma­nu­mi­sit, mu­ni­ceps est ma­nu­mis­sus, non do­mi­ci­lium eius, sed pa­triam se­cu­tus. et si pa­tro­num ha­beat dua­rum ci­vi­ta­tium mu­ni­ci­pem, per ma­nu­mis­sio­nem ea­run­dem ci­vi­ta­tium erit mu­ni­ceps. 1Si quis neg­otia sua non in co­lo­nia, sed in mu­ni­ci­pio sem­per agit, in il­lo ven­dit emit con­tra­hit, in eo fo­ro ba­li­neo spec­ta­cu­lis uti­tur, ibi fes­tos dies ce­le­brat, om­ni­bus de­ni­que mu­ni­ci­pii com­mo­dis, nul­lis co­lo­nia­rum frui­tur, ibi ma­gis ha­be­re do­mi­ci­lium, quam ubi co­len­di cau­sa de­ver­sa­tur. 2Cel­sus li­bro pri­mo di­ges­to­rum trac­tat, si quis in­struc­tus sit duo­bus lo­cis ae­qua­li­ter ne­que hic quam il­lic mi­nus fre­quen­ter com­mo­re­tur: ubi do­mi­ci­lium ha­beat, ex de­sti­na­tio­ne ani­mi es­se ac­ci­pien­dum. ego du­bi­to, si utru­bi­que de­sti­na­to sit ani­mo, an pos­sit quis duo­bus lo­cis do­mi­ci­lium ha­be­re. et ve­rum est ha­be­re, li­cet dif­fi­ci­le est: quem­ad­mo­dum dif­fi­ci­le est si­ne do­mi­ci­lio es­se quem­quam. pu­to au­tem et hoc pro­ce­de­re pos­se, si quis do­mi­ci­lio re­lic­to na­vi­get vel iter fa­ciat, quae­rens quo se con­fe­rat at­que ubi con­sti­tuat: nam hunc pu­to si­ne do­mi­ci­lio es­se. 3Do­mi­ci­lium au­tem ha­be­re pot­est et rele­ga­tus eo lo­ci, un­de ar­ce­tur, ut Mar­cel­lus scri­bit.

27Ulp. lib. II. ad Ed. Der Freigelassene ist der Mitbürger (municeps) Dessen, der ihn freigelassen hat, wobei er nicht dessen Wohnorte, sondern dessen Heimath folgt; und hat er einen Freilasser, der in zwei Städten Bürger ist, so wird er durch die Freilassung Bürger dieser [beiden] Städte. 1Wenn Jemand seine Geschäfte nicht in einer Colonie, sondern immer in einem Municipium betreibt, in demselben verkauft, kauft, Verträge schliesst, das dasige Forum, Bad, Theater besucht, dort die Feiertage feiert, überhaupt alle Vortheile des Municipiums, keinen der Colonie geniesst, so ist sein Wohnort vielmehr dort anzunehmen, als wo er des Ackerbaus wegen sich aufhält. 2Celsus führt im ersten Buche der Digesten den Satz aus: Wenn Jemand an zwei Orten auf gleiche Weise [häuslich] eingerichtet sei und weder hier noch dort sich weniger oft aufhalte, so sei nach seiner Gesinnung zu bestimmen, wo sein Wohnort sei. Nun frage ich: wenn er diese Gesinnung für beide Orte hat, kann er an zwei Orten seinen Wohnort haben? Und es ist wirklich so, obwohl es schwerlich eintreten kann, sowie es auch schwer denkbar ist, dass Jemand ohne Wohnort sei. Ich halte aber dafür, dass auch dieses stattfinden könne, wenn Jemand nach Verlassung seines Wohnorts zu Schiffe oder auf einer Landreise ist, suchend, wohin er sich wende und wo er sich niederlasse; denn ein solcher hat nach meiner Meinung keinen Wohnort. 3Auch ein Verwiesener kann aber an dem Orte, der ihm verboten ist, seinen Wohnort haben.

28Pau­lus li­bro pri­mo ad edic­tum. In­ter con­ve­nien­tes et de re ma­io­ri apud ma­gis­tra­tus mu­ni­ci­pa­les age­tur.

28Paul. lib. I. ad Ed. Verträge auch über wichtigere Sachen können vor der städtischen Obrigkeit verhandelt werden.

29Gaius li­bro pri­mo ad edic­tum pro­vin­cia­le. In­co­la et his ma­gis­tra­ti­bus pa­re­re de­bet, apud quos in­co­la est, et il­lis, apud quos ci­vis est: nec tan­tum mu­ni­ci­pa­li iu­ris­dic­tio­ni in utro­que mu­ni­ci­pio sub­iec­tus est, ve­rum et­iam om­ni­bus pu­bli­cis mu­ne­ri­bus fun­gi de­bet.

29Gaj. lib. I. ad Ed. prov. Ein Einwohner muss sowohl derjenigen Obrigkeit Gehorsam leisten, unter welcher er Einwohner ist, als der, in deren Stadt er Bürger ist, und er ist in beiden Municipien nicht nur der städtischen Gerichtsbarkeit unterworfen, sondern muss auch allen öffentlichen Diensten sich unterziehen.

30Ul­pia­nus li­bro se­xa­gen­si­mo pri­mo ad edic­tum. Qui ex vi­co or­tus est, eam pa­triam in­tel­le­gi­tur ha­be­re, cui rei pu­bli­cae vi­cus il­le re­spon­det.

30Ulp. lib. LXI. ad Ed. Wer aus einem Dorfe gebürtig ist, dessen Heimath wird in der Gemeinde angenommen, zu welcher solches Dorf gehört.3838Nur Städte (municipia und coloniae) und Flecken (fora, conciliabula, castella) hatten eine eigene Gemeindeverfassung, zu welcher die nahegelegenen Dörfer (vici) mit gezogen wurden. Savigny a. a. O. S. 16. not. 1.

31Mar­cel­lus li­bro pri­mo di­ges­to­rum. Ni­hil est im­pe­d­imen­to, quo mi­nus quis ubi ve­lit ha­beat do­mi­ci­lium, quod ei in­ter­dic­tum non sit.

31Marcell. lib. I. Dig. Nichts hindert, dass Jemand seinen Wohnort nehme, wo er wolle und es ihm nicht untersagt ist.3939Vom Kaiser oder Statthalter nemlich. Keine Gemeinde konnte die Niederlassung eines Auswärtigen in ihrer Mitte verwehren.

32Mo­des­ti­nus li­bro quar­to dif­fe­ren­tia­rum. Ea, quae de­spon­sa est, an­te con­trac­tas nup­tias suum non mu­tat do­mi­ci­lium.

32Modestin. lib. IV. Different. Eine Verlobte verändert vor Schliessung der Ehe ihren Wohnort nicht.

33Idem li­bro sin­gu­la­ri de ma­nu­mis­sio­ni­bus. Ro­ma com­mu­nis nos­tra pa­tria est.

33Idem lib. sing. de manum. Rom ist unsre4040Der Römischen cives im ganzen Reich. gemeinsame Heimath.

34Idem li­bro ter­tio re­gu­la­rum. In­co­la iam mu­ne­ri­bus pu­bli­cis de­sti­na­tus ni­si per­fec­to mu­ne­re in­co­la­tui re­nun­tia­re non pot­est.

34Idem lib. III. Regul. Ein Einwohner, der schon zu öffentlichen Diensten bestimmt ist, kann nicht eher als nach Verwaltung des Dienstes seinem Einwohnerrechte entsagen.

35Idem li­bro pri­mo ex­cu­sa­tio­num. Εἰδέναι χρὴ ὅτι ὁ ἐν ἀγρῷ καταμένων ἰνκόλας οὐ νομίζεται· ὁ γὰρ ἐκείνης τῆς πόλεως ἐξαιρέτοις μὴ χρώμενος οὕτως οὐ νομίζεται εἶναι ἰνκόλας.

35Modestin. lib. I. Excusat. Zu merken ist, dass, wer auf dem Lande lebt, nicht als Incola (Einwohner der Stadt) gilt; denn wer die Vorrechte einer gewissen Stadt nicht geniesst, wird nicht für einen Incola [derselben] gehalten.

36Idem li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Ti­tio, cum es­set Ro­mae stu­dio­rum gra­tia, epis­tu­la mis­sa est a ma­gis­tra­ti­bus pa­triae suae, ut por­ri­ge­ret im­pe­ra­to­ri de­cre­tum eius­dem ci­vi­ta­tis, quod erat cum ip­sa epis­tu­la mis­sum. is au­tem, qui sus­ce­pis­set lit­te­ras re­sti­tuen­das, col­lu­sio­ne fac­ta de­dit Lu­cio Ti­tio, qui et ip­se Ro­mae mo­ra­ba­tur suae rei gra­tia: sub­la­to Ti­ti no­mi­ne, cui erat de­cre­tum mis­sum, uti per ip­sum da­re­tur, suum no­men scrip­sit et sic im­pe­ra­to­ri de­cre­tum se­cun­dum man­da­ta rei pu­bli­cae de­dit. quae­ro, qui via­ti­cum pe­te­re ab ea po­tuis­set? et quid com­mi­sis­se vi­de­tur is, qui non re­sti­tuit lit­te­ras ei, cui re­sti­tue­re man­da­tum sus­ce­pe­rat, et is, qui sub­la­to alie­no no­mi­ne in­scrip­to­que suo, qua­si ip­se ius­sus a pa­tria, de­cre­tum im­pe­ra­to­ri por­re­xit? He­ren­nius Mo­des­ti­nus re­spon­dit Ti­tium qui­dem via­ti­cum pe­te­re non pos­se: sed eum qui no­men in­ci­dis­set. 1Ti­tius pro pe­cu­nia pu­bli­ca, quam ip­se cre­di­dit, pig­nus ac­ce­pit pac­to fac­to cum de­bi­to­re, ut non so­lu­to de­bi­to si­ne ul­la re­pro­mis­sio­ne dis­tra­ha­tur pig­nus. suc­ce­den­tes gra­dus in lo­cum Ti­tii no­men et pig­nus pro­ba­ve­runt us­que ad Mae­vium: ex ven­di­tio­ne pig­no­ris prop­ter re­pro­mis­sio­nem a ma­gis­tra­tu ven­den­ti­bus fac­tam de mo­do fun­di de­mons­tra­to sa­tis de­bi­to fac­tum non est. quae­re­ba­tur, quis rei pu­bli­cae te­ne­tur. He­ren­nius Mo­des­ti­nus: Ti­tium, cum suc­ces­so­res eius pe­ri­cu­lum no­mi­nis agno­ve­rint, eo no­mi­ne ob­stric­tum non es­se re­spon­di: sed nec post ma­gis­tra­tus qui ven­di­dis­se pro­po­nun­tur, cum vi­de­li­cet plu­ris ven­di­de­runt prop­ter men­su­rae agri de­mons­tra­tio­nem et hoc, qua plu­ris ven­di­de­runt, re­sti­tue­re mi­no­re mo­do de­pre­hen­so ius­si sunt. eum igi­tur, qui no­vis­si­mus no­men pro­ba­vit, in­dem­ni­ta­ti rei pu­bli­cae sa­tis­fa­ce­re de­be­re, si no­men ad suc­ces­so­rem ido­neum trans­mis­sis­se non do­cea­tur.

36Idem lib. I. Respons. An den Titius, welcher des Studirens wegen zu Rom war, wurde von der Obrigkeit seiner Heimath ein Brief gesendet, dass ein Beschluss dieser Stadt, der dem Briefe beigefügt war, dem Kaiser überreicht werden sollte; Derjenige aber, der die Abgabe des Briefs übernommen hatte, gab ihn, vermöge eines Einverständnisses, dem Lucius Titius, welcher ebenfalls seiner Angelegenheiten halber sich zu Rom aufhielt. Dieser löschte den Namen des Titius, an den der Beschluss zur Einreichung gesendet war, aus, setzte seinen dafür hinein und übergab so dem Kaiser den Beschluss, nach dem Auftrage der Stadtgemeinde. Ich frage nun, welcher von diesen das Reisegeld4141In das Amt. fodern konnte, und was Der, welcher den Brief nicht an Den abgab, dem er ihn abzugeben beauftragt war, und Der, welcher den Namen des Andern verlöschte, den seinigen hineinsetzte und als ob ihm selbst dies von seiner Vaterstadt geheissen worden, den Beschluss dem Kaiser überreichte, begangen hat? Herennius Modestinus hat geantwortet: Titius könne das Botenlohn nicht fodern, sondern Der, welcher den Namen hineingesetzt hatte. 1Titius hatte für öffentliche Gelder, die er selbst auslieh, ein Unterpfand sich bestellen lassen, unter der Verabredung mit dem Schuldner, dass, wenn die Schuld nicht bezahlt würde, das Pfand ohne alle Gewährleistung (repromissione)4242Wegen der angegebenen Grösse des verpfändeten Grundstücks für den Fall, dass es die Foderung nicht deckte. verkauft werden sollte; hierauf haben Mehrere, die nach der Reihe4343Gradu, statt des unverständlichen gradus der Flor. u. Vulg. Cujac. (l. l. II. obs. 12.) will magistratus lesen; sinnreich, doch ohne Gewähr von Handschriften. an die Stelle4444In das Amt. des Titius gekommen, zuletzt Maevius, die Ausleihung und das Pfand gutgeheissen; nun fand sich durch die angegebene Grösse des [verpfändeten] Grundstücks, mittels des Verkaufs desselben, die Foderung nicht gedeckt, weil die verkaufenden Beamten die Gewährleistung übernommen hatten4545Die Stelle ist sinnlos, wenn man nicht mit Cujacius (l. VII. obs. 12.) statt magistratu, magistratibus, und statt remissionem, repromissionem liest.. Nun wurde gefragt, wer dem Gemeinwesen verantwortlich sei? Herennius Modestinus antwortete: Titius hafte deshalb nicht, da dessen Nachfolger die Gefahr der Foderung auf sich genommen haben, aber auch nicht die nachgefolgten Beamten4646Post. S. Cujac. a. a. O. a. E., welche nach der Erzählung den Verkauf gemacht haben, da sie nemlich wegen der gemachten Angabe von dem Flächeninhalte des Feldes theurer verkauft haben, und eben wegen des zu theuern Verkaufs, nachdem sich der Umfang geringer befunden, zur Wiedererstattung genöthigt worden seien; so müsse also Der, welcher das ausgeliehene Capital zuletzt genehmigt hat, das Gemeinwesen entschädigen, dafern nicht dargethan wird, dass er die Foderung auf einen zahlungsfähigen Nachfolger übertragen4747D. h. dass dieser sie genehmigt. habe.

37Cal­lis­tra­tus li­bro pri­mo de co­gni­tio­ni­bus. De iu­re om­nium in­co­la­rum, quos quae­que ci­vi­ta­tes si­bi vin­di­cant, prae­si­dum pro­vin­cia­rum co­gni­tio est. cum ta­men se quis ne­gat in­co­lam es­se, apud eum prae­si­dem pro­vin­ciae age­re de­bet, sub cu­ius cu­ra est ea ci­vi­tas, a qua vo­ca­tur ad mu­ne­ra, non apud eam, ex qua ip­se se di­cit ori­un­dum es­se: id­que di­vus Ha­d­ria­nus re­scrip­sit. 1Mu­lie­ris, quae ali­un­de or­ta, ali­bi nup­ta est, li­ber­tos eo lo­co mu­nus fa­ce­re de­be­re, un­de pa­tro­na erit et ubi ip­si do­mi­ci­lium ha­be­bunt, pla­cet. 2Mu­lie­res, quae in ma­tri­mo­nium se de­de­rint non le­gi­ti­mum, non ibi mu­ne­ri­bus fun­gen­das, un­de ma­ri­ti ea­rum sunt, scien­dum est, sed un­de ip­sae or­tae sunt: id­que di­vi fra­tres re­scrip­se­runt.

37Callistrat. lib. I. de cognition. Die Rechtsverhältnisse aller Einwohner, welche irgend eine Stadt als die ihrigen in Anspruch nimmt, sind von den Statthaltern der Provinzen zu erörtern. Wenn aber Jemand leugnet, Einwohner zu sein, so muss er seine Sache vor demjenigen Provinzstattbalter ausführen, welchem die Stadt, die ihn zu Diensten berufen will, untergeben ist, nicht da, woher er selbst gebürtig zu sein behauptet. Dieses hat Kaiser Hadrian an eine Frau rescribirt, die an einem andern Orte, als woher sie gebürtig, verheirathet war. 1Ich bin der Meinung, dass die Freigelassenen an dem Orte Dienste übernehmen müssen, wo die Freilasserin her ist, und an dem, wo sie selbst ihren Wohnort haben4848S. o. fr. 22. §. 2. h. t.. 2Frauen, die eine nicht gesetzmässige Heirath eingegangen sind, dürfen, dies ist zu merken, nicht an den Orten zu Uebernahme von Diensten angehalten werden, wo ihre Männer her sind, sondern an denen, woher sie selbst gebürtig sind; dies haben die kaiserlichen Brüder4949S. o. Note 11. u. vgl. fr. 38. §. 3. h. t. rescribirt.

38Pa­pi­rius Ius­tus li­bro se­cun­do de con­sti­tu­tio­ni­bus. Im­pe­ra­to­res An­to­ni­nus et Ve­rus Au­gus­ti re­scrip­se­runt gra­tiam se fa­ce­re iu­ris­iu­ran­di ei, qui iu­ra­ve­rat se or­di­ni non in­ter­fu­tu­rum et post­ea duum­vir crea­tus es­set. 1Item re­scrip­se­runt co­lo­nos prae­dio­rum fis­ci mu­ne­ri­bus fun­gi si­ne dam­no fis­ci opor­te­re, id­que ex­cu­te­re prae­si­dem ad­hi­bi­to pro­cu­ra­to­re de­be­re. 2Im­pe­ra­to­res An­to­ni­nus et Ve­rus re­scrip­se­runt ad ma­gis­tra­tus of­fi­cium per­ti­ne­re ex­ac­tio­nem pe­cu­niae le­ga­to­rum, et si ces­sa­ve­rint, ip­sos vel he­redes con­ve­ne­ri aut, si sol­ven­do non sint, fi­de­ius­so­res eo­rum qui pro his ca­ve­runt. 3Item re­scrip­se­runt mu­lie­rem, quam­diu nup­ta est, in­co­lam eius­dem ci­vi­ta­tis vi­de­ri, cu­ius ma­ri­tus eius est, et ibi, un­de ori­gi­nem tra­hit, non co­gi mu­ne­ri­bus fun­gi. 4Item re­scrip­se­runt pa­tris, qui con­sul­to fi­lium em­an­ci­pa­ve­rat, ne pro ma­gis­tra­tu eius ca­ve­ret, per­in­de bo­na te­ne­ri at­que si fi­de­ius­sor pro eo ex­ti­tis­set. 5Item re­scrip­se­runt, cum quae­ri­tur, an mu­ni­ceps quis sit, ex ip­sis et­iam re­bus pro­ba­tio­nes su­mi opor­te­re: nam so­lam no­mi­nis si­mi­li­tu­di­nem ad con­fir­man­dam cu­ius­que ori­gi­nem sa­tis non es­se. 6Im­pe­ra­to­res An­to­ni­nus et Ve­rus re­scrip­se­runt non mi­nus eos, qui com­pul­si ma­gis­tra­tu fun­gun­tur, ca­ve­re de­be­re, quam qui spon­te of­fi­cium ad­gno­ve­runt.

38Papir. Justus lib. II. de constitut. Die Kaiser Antoninus und Verus haben durch Rescript Einem, der geschworen hatte, dem Stande [der Decurionen] nicht angehören zu wollen, und nachher zum Duumvir5050So hiessen die zwei obersten jährlichen Magistratspersonen, die, nach dem Beispiel der Consuln in Rom, dem Gemeinwesen in den Municipien vorstanden. S. v. Savigny a. a. S. 27. ff. gewählt wurde, seinen Eid erlassen. 1Ferner haben sie rescribirt: die Pachter von kaiserlichen Kammergütern müssten [nur], sofern es dem Fiscus unnachtheilig, bürgerliche Dienste leisten, und dies müsse der Statthalter mit Zuziehung des Procurators [des Fiscus] untersuchen. 2Die Kaiser Antoninus und Verus haben rescribirt: Zur Pflicht eines [Stadt]Beamten gehöre die Einziehung der Vermächtnissgelder5151Der dem Gemeinwesen ausgesetzten Vermächtnisse., und wenn die Beamten hierin zögerten, so seien sie selbst oder ihre Erben deshalb zu belangen, oder wenn sie nicht zahlungsfähig sein sollten, ihre Bürgen, die für sie gutgesagt haben. 3Ferner haben sie rescribirt, eine Frau gelte so lange, als sie verheirathet sei, als Einwohnerin derjenigen Stadt, der ihr Mann angehört, und sei da, wo sie herstammt, nicht zu Uebernahme von Diensten gezwungen. 4Ferner haben sie rescribirt, ein Vater, welcher seinen Sohn absichtlich der Gewalt entlassen hatte, um nicht für dessen Amtführung Sicherheit leisten zu müssen, sei mit seinem Vermögen ebenso verhaftet, als wenn er Bürge für ihn geworden wäre. 5Ferner haben sie rescribirt, wenn die Frage sei, ob Jemand municeps sei, müssen die Beweise auch aus Thatumständen gezogen werden; denn die blosse Aehnlichkeit des Namens reiche zur Bestätigung seiner Herkunft nicht hin. 6Die Kaiser Antoninus und Verus haben rescribirt: Wer gezwungen ein Amt verwalte, müsse nicht minder Sicherheit leisten, als wer sich freiwillig dazu hergegeben habe.