Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 48 übersetzt von Sintenis
Dig. XLVIII19,
De poenis
Liber quadragesimus octavus
XIX.

De poenis

(Von den Strafen.)

1Ul­pia­nus li­bro oc­ta­vo dis­pu­ta­tio­num. Quo­tiens de de­lic­to quae­ri­tur, pla­cuit non eam poe­nam sub­ire quem de­be­re, quam con­di­cio eius ad­mit­tit eo tem­po­re, quo sen­ten­tia de eo fer­tur, sed eam, quam sus­ti­ne­ret, si eo tem­po­re es­set sen­ten­tiam pas­sus, cum de­li­quis­set. 1Pro­in­de si ser­vus cri­men com­mi­se­rit, de­in­de li­ber­ta­tem con­se­cu­tus di­ce­tur, eam poe­nam sus­ti­ne­re de­bet, quam sus­ti­ne­ret, si tunc sen­ten­tiam pas­sus fuis­set, cum de­li­quis­set. 2Per con­tra­rium quo­que si in de­te­rio­rem con­di­cio­nem fue­rit red­ac­tus, eam poe­nam sub­ire eum opor­te­bit, quam sus­ti­ne­ret, si in con­di­cio­ne prio­re du­ras­set. 3Ge­ne­ra­li­ter pla­cet, in le­gi­bus pu­bli­co­rum iu­di­cio­rum vel pri­va­to­rum cri­mi­num qui ex­tra or­di­nem co­gnos­cunt prae­fec­ti vel prae­si­des ut eis, qui poe­nam pe­cu­nia­riam egen­tes elu­dunt, co­er­ci­tio­nem ex­tra­or­di­na­riam in­du­cant.

1Ulp. lib. VIII. Disput. So oft über ein Verbrechen Frage entsteht, muss, hat man angenommen [der Thäter], nicht diejenige Strafe erleiden, welche sein persönliches Verhältniss zu der Zeit zulässig macht, wo das Urtheil über ihn gefällt wird, sondern von der Seite betrachtet werden, wie dies der Fall sein würde, wenn er zu der Zeit gleich sein Urtheil erhalten hätte, wo er verbrochen hatte. 1Wenn mithin ein Sclave ein Verbrechen begangen hat, und nachher zur Freiheit gelangt ist, so wird er die Strafe erleiden müssen, welche er erlitten haben würde, wenn er zu der Zeit, als er das Verbrechen beging, das Urtheil erhalten hätte. 2Umgekehrt, auch wenn er in ungünstigere Verhältnisse gerathen, wird er diejenigen Strafen erleiden müssen, welche er zu erleiden haben würde, wenn er in seinem vorigen Verhältniss geblieben wäre. 3Im Allgemeinen hat man in den Gesetzen über öffentliche Verfahren und Privatverbrechen als Grundsatz angenommen, dass die Präfecten oder Präsidenten, welche ausserordentlicherweise erkennen, Denen, welche Geldstrafen gar nicht treffen können, weil sie arm sind, eine ausserordentliche Strafe auferlegen sollen.

2Idem li­bro qua­dra­gen­si­mo oc­ta­vo ad edic­tum. Rei ca­pi­ta­lis dam­na­tum sic ac­ci­pe­re de­be­mus, ex qua cau­sa dam­na­to vel mors vel et­iam ci­vi­ta­tis amis­sio vel ser­vi­tus con­tin­git. 1Con­stat, post­quam de­por­ta­tio in lo­cum aquae et ig­nis in­ter­dic­tio­nis suc­ces­sit, non prius amit­te­re quem ci­vi­ta­tem, quam prin­ceps de­por­ta­tum in in­su­lam sta­tue­rit: prae­si­dem enim de­por­ta­re non pos­se nul­la du­bi­ta­tio est. sed prae­fec­tus ur­bi ius ha­bet de­por­tan­di sta­tim­que post sen­ten­tiam prae­fec­ti amis­is­se ci­vi­ta­tem vi­de­tur. 2Eum ac­ci­pie­mus dam­na­tum, qui non pro­vo­ca­vit: ce­te­rum si pro­vo­cet, non­dum dam­na­tus vi­de­tur. sed et si ab eo, qui ius dam­nan­di non ha­buit rei ca­pi­ta­lis, quis dam­na­tus sit, ea­dem cau­sa erit: dam­na­tus enim il­le est ubi dam­na­tio te­nuit.

2Idem lib. XLVIII. ad Ed. Wegen einer Capitalsache als Verurtheilter ist Einer dann zu betrachten, wenn aus der Sache den Verurtheilten entweder der Tod, oder der Verlust des Bürgerrechts, oder die Sclaverei trifft. 1Es ist bekannt, dass, nachdem die Deportation an die Stelle der Untersagung des Wassers und Feuers11Hierüber ist bes. zu vergleichen Budaeus l. l. p. 56. getreten, Niemand das Bürgerrecht eher verliere, als der Kaiser die Deportation auf eine Insel wirklich ausgesprochen hat. Denn dass der Präsident nicht deportiren könne, unterliegt keinem Zweifel. Der Präfect der Stadt Rom hat aber das Recht, deportiren zu lassen, und der Verlust des Bürgerrechts tritt sogleich nach dem Urtheil des Präfecten ein. 2Für verurtheilt wird Der erachtet, wer nicht appellirt hat; sobald er appellirt, wird er noch nicht als verurtheilt betrachtet. Das Nemliche ist dann der Fall, wenn Einer von Dem in einer Capitalsache verurtheilt worden ist, der kein Recht dazu hat; denn verurtheilt ist blos Der, wo die Verurtheilung gültig ist.

3Idem li­bro quar­to de­ci­mo ad Sa­binum. Prae­gna­tis mu­lie­ris con­su­men­dae dam­na­tae poe­na dif­fer­tur quo­ad pa­riat. ego qui­dem et ne quaes­tio de ea ha­bea­tur, scio ob­ser­va­ri, quam­diu prae­gnas est.

3Ulp. lib. XIV. ad Sabin. Die Strafe einer schwangern Frau, welche zum Tode verurtheilt worden ist, wird aufgeschoben, bis sie niedergekommen ist. Mir ist auch bewusst, dass sie während ihrer Schwangerschaft nicht zur peinlichen Frage gezogen wird.

4Mar­cia­nus li­bro ter­tio de­ci­mo in­sti­tu­tio­num. Rele­ga­ti si­ve in in­su­lam de­por­ta­ti de­bent lo­cis in­ter­dic­tis abs­ti­ne­re. et hoc iu­re uti­mur, ut rele­ga­tus in­ter­dic­tis lo­cis non ex­ce­dat: alio­quin in tem­pus qui­dem rele­ga­to per­pe­tuum ex­ilium, in per­pe­tuum rele­ga­to in­su­lae rele­ga­tio­nis, in in­su­lam rele­ga­to de­por­ta­tio­nis, in in­su­lam de­por­ta­to poe­na ca­pi­tis ad­ro­ga­tur. et haec ita, si­ve quis non ex­ces­se­rit in ex­ilium in­tra tem­pus in­tra quod de­buit, si­ve et­iam alias ex­ilio non ob­tem­pe­ra­ve­rit: nam con­tu­ma­cia eius cumu­lat poe­nam. et ne­mo pot­est com­mea­tum re­mea­tum­ve da­re ex­uli, ni­si im­pe­ra­tor, ex ali­qua cau­sa.

4Marcian. lib. XIII. Inst. Die Verwiesenen oder auf eine Insel Deportirten müssen sich der ihnen untersagten Orte enthalten. Und es ist Rechtens, dass der Verwiesene, wenn ihm Orte untersagt worden, sich [aus dem ihm angewiesenen] nicht entfernen dürfe22Ut relegatus interdictis non excedat; über diese Worte, deren Emendation und Interpretation ist viel geschrieben worden. Cujac. Obs. VI. 36. will entweder non herauswerfen, oder indictis lesen; ihm folgt. Nicol. Catharin. Obs. Lib. II. c. 21. oder schlägt vor, accedat statt excedat zu lesen; indictis will auch Brencmann, s. d. Göttinger C. J. Ausgabe. Auf eine richtige Erklärung deutet (jedoch wohl nur wenn man ihn so verstehen will), mit Verwerfung der Emendation (die auch Jauch l. l. p. 196. jedoch ohne Angabe weitern Grundes, verwirft) Jos. Fernandes de Retes ad Tit. de interdict. et releg. l. 5. (Τ. Ο. V. 1221. u. 1233.) Ich weiss die Stelle ohne Emendation nur so, wie ich sie übersetzt habe, zu erklären, nemlich dass interd. loc. absolut steht, und zu excedat dann von dem entgegenstehenden Ort, d. h. der angewiesen worden, zu verstehen ist. Ich verkenne dabei aber keineswegs, dass, und zwar ganz besonders gegen den folgenden Satz, Et haec ita u. s. w. gehalten, hier doch vielmehr von einem Excedere interdictis locis die Rede zu sein scheint. Denn der Gedankengang, die Verbindung und die Wendung ist im ganzen Fragmente von der Art, dass, wer einigermaassen mit den Pandecten bekannt ist, dies nicht verkennen wird. Allein auf der andern Seite ist dann die Verbindung der einzelnen Worte und Sätze des Mittelsatzes Et hoc jure etc. so völlig constructions- und sinnwidrig, dass allerdings eine Emendation nöthig scheint. Die Emendation indictis scheint sehr zulässig, denn die Aenderung ist nicht gross, allein — etwas zu leicht; indessen spricht dawider der letzte Satz: et haec ita, si non excesserit etc. der ganz den nemlichen Fall in einem vorhergehenden Satz vorauszustellen scheint, d. h. wenn Einer nicht aus dem loco interdicto weichen will. Wie wäre es daher, wenn man durch Gemination zwischen relegatuS Interdictis, ein si einschöbe, und alioquin zu excedat zöge, statt dessen aber alio läse, und quin striche, als aus alio in entstanden? — sodass es also hiesse: Und es ist Rechtens, dass, wenn ein Verwiesener nicht aus den ihm verbotenen Orten wo andershin geht, dem auf Zeit Verwiesenen u. s. w., sonst wird der auf Zeit Verwiesene mit der Strafe der immerwährenden Verweisung belegt, der auf eine Insel Verwiesene mit der Deportation, und der Deportirte mit der Capitalstrafe. Dies gilt so, gleichviel ob Einer nicht in die Verbannung binnen der Zeit sich gefügt hat, wo er musste, oder auch sonst der Verbannung nicht Gehorsam geleistet hat; denn sein Ungehorsam erschwert seine Strafe, und Niemand kann den Verbannten Kommen und Wiederkommen gestatten, als der Kaiser aus Gründen.

5Ul­pia­nus li­bro sep­ti­mo de of­fi­cio pro­con­su­lis. Ab­sen­tem in cri­mi­ni­bus dam­na­ri non de­be­re di­vus Tra­ia­nus Iu­lio Fron­to­ni re­scrip­sit. sed nec de su­spi­cio­ni­bus de­be­re ali­quem dam­na­ri di­vus Tra­ia­nus Ad­si­dio Se­ve­ro re­scrip­sit: sa­tius enim es­se in­pu­ni­tum re­lin­qui fa­ci­nus no­cen­tis quam in­no­cen­tem dam­na­ri. ad­ver­sus con­tu­ma­ces ve­ro, qui ne­que de­nun­tia­tio­ni­bus ne­que edic­tis prae­si­dum ob­tem­pe­ras­sent, et­iam ab­sen­tes pro­nun­tia­ri opor­tet se­cun­dum mo­rem pri­va­to­rum iu­di­cio­rum. pot­est quis de­fen­de­re haec non es­se con­tra­ria. quid igi­tur est? me­lius sta­tue­tur in ab­sen­tes pe­cu­nia­rias qui­dem poe­nas vel eas, quae ex­is­ti­ma­tio­nem con­tin­gunt, si sae­pius ad­mo­ni­ti per con­tu­ma­ciam de­sint, sta­tui pos­se et us­que ad rele­ga­tio­nem pro­ce­di: ve­rum si quid gra­vius ir­ro­gan­dum fuis­set, pu­ta in me­tal­lum vel ca­pi­tis poe­nam, non es­se ab­sen­ti­bus ir­ro­gan­dam. 1In ac­cu­sa­to­rem au­tem ab­sen­tem non­num­quam gra­vius sta­tuen­dum, quam Tur­pil­lia­ni se­na­tus con­sul­ti poe­na ir­ro­ga­tur, di­cen­dum est. 2Re­fert et in ma­io­ri­bus de­lic­tis, con­sul­to ali­quid ad­mit­ta­tur, an ca­su. et sa­ne in om­ni­bus cri­mi­ni­bus di­stinc­tio haec poe­nam aut ius­tam eli­ce­re de­bet aut tem­pe­ra­men­tum ad­mit­te­re.

5Ulp. lib. VII. de off. Procons. Dass ein Abwesender nicht in einer Criminalanklage verurtheilt werden dürfe, hat Divus Trajanus an Julius Fronto rescribirt. Dass auch Niemand auf Verdacht hin verurtheilt werden dürfe, hat Divus Trajanus an Assiduus Severus, rescribirt; denn es ist besser, die That eines Schuldigen ungestraft zu lassen, als einen Unschuldigen zu verurtheilen. Wider Ungehorsame aber, die weder dem öffentlichen Aufrufe [durch die Gerichtsherolde], noch den Edicten33Edictalladungen. der Präsidenten gehorchen, kann zufolge des hergebrachten Verfahrens in Privatsachen auch in deren Abwesenheit erkannt werden. Man kann sagen, dass zwischen dem Erstern und Letztern kein Widerspruch stattfinde. Wie ist es nun? Es ist besser, anzunehmen, dass wider Abwesende zwar Geldstrafen, oder solche, welche den guten Ruf angehen, bestimmt werden können, wenn sie öfters geladen aus Ungehorsam ausgeblieben sind, und sie bis zur Verweisung zu steigern, allein wenn eine schwerere Strafe aufzuerlegen gewesen wäre, z. B. Bergwerksarbeit, oder Todesstrafe, so dürfen diese über Abwesende nicht verhängt werden. 1Wider einen abwesenden Ankläger aber muss zuweilen schwerere Strafe verhängt werden, als die des Turpillianischen Senatsbeschlusses. 2Bei schwereren Verbrechen kommt es auch darauf an, ob etwas absichtlich oder durch Zufall begangen worden; und es muss überhaupt bei allen Verbrechen dieser Unterschied entweder die gerechte Strafe nach sich ziehen, oder Milderung bewirken.

6Idem li­bro no­no de of­fi­cio pro­con­su­lis. Si quis for­te, ne sup­pli­cio ad­fi­cia­tur, di­cat se ha­be­re quod prin­ci­pi re­fe­rat sa­lu­tis ip­sius cau­sa, an re­mit­ten­dum sit ad eum, vi­den­dum est. et sunt ple­ri­que prae­si­dum tam ti­mi­di, ut et­iam post sen­ten­tiam de eo dic­tam poe­nam sus­ti­neant nec quic­quam au­diant: alii om­ni­no non pa­tiun­tur quic­quam ta­le al­le­gan­tes: non­nul­li ne­que sem­per ne­que num­quam re­mit­tunt, sed in­qui­runt, quid sit, quod al­le­ga­re prin­ci­pi ve­lint quid­que quod pro sa­lu­te ip­sius ha­beant di­ce­re, post quae aut sus­ti­nent poe­nam aut non sus­ti­nent. quod vi­de­tur ha­be­re me­diam ra­tio­nem. ce­te­rum, ut mea fert opi­nio, pror­sus eos non de­buis­se, post­ea­quam se­mel dam­na­ti sunt, au­di­ri, quid­quid al­le­gent. quis enim du­bi­tat elu­den­dae poe­nae cau­sa ad haec eos de­cur­re­re ma­gis­que es­se pu­nien­dos, qui tam­diu con­tic­ue­runt, quod pro sa­lu­te prin­ci­pis ha­be­re se di­ce­re iac­tant? nec enim de­be­bant tam mag­nam rem tam diu re­ti­ce­re. 1Si quos com­itum vel le­ga­ti sui reos pro­con­sul in­ve­ne­rit, utrum pu­ni­re eos de­beat an suc­ces­so­ri ser­va­re, quae­ri pot­est. sed mul­ta ex­stant ex­em­pla, quae non tan­tum of­fi­cia­lium suo­rum nec sub se agen­tium, ve­rum suos quo­que ser­vos poe­na ad­fe­ce­runt: quod qui­dem fa­cien­dum est, ut ex­em­plo de­ter­ri­ti mi­nus de­lin­quant. 2Nunc ge­ne­ra poe­na­rum no­bis enu­me­ran­da sunt, qui­bus prae­si­des ad­fi­ce­re quem­que pos­sint. et sunt poe­nae, quae aut vi­tam ad­imant aut ser­vi­tu­tem in­iun­gant aut ci­vi­ta­tem au­fe­rant aut ex­ilium aut co­er­ci­tio­nem cor­po­ris con­ti­neant:

6Idem lib. IX. de off. Procons. Wenn Jemand, um nicht mit dem Tode bestraft zu werden, angeben sollte, er habe dem Kaiser seines eigenen Heiles wegen etwas zu berichten, so ist es die Frage, ob er zu demselben gesendet werden müsse? Die meisten Präsidenten sind so ängstlich, dass sie auch nach bereits ausgesprochenem Erkenntniss mit der Strafe inne halten, ohne etwas zu wagen; andere hingegen nehmen auf dergleichen Anführen gar keine Rücksicht; manche schicken sie weder immer noch niemals [zum Kaiser], sondern forschen darnach, was es sei, was er dem Kaiser anführen wolle, und was er zu dessen Heil zu sagen habe, wonach sie nun entweder die Strafe aufschieben oder nicht aufschieben. Das letztere scheint auf einem gemässigtern Grunde zu beruhen; übrigens dürfen sie, meiner Ansicht nach, sobald sie verurtheilt werden, gar nicht weiter gehört werden, sie mögen anführen was sie wollen. Denn wer bezweifelt wohl, dass sie nicht, um der Strafe zu entgehen, dazu ihre Zuflucht nehmen, und um so strafwürdiger seien, da sie so lange geschwiegen, wenn sie sich rühmen, zum Heile des Kaisers Etwas anzuführen zu haben? Denn sie durften eine so wichtige Sache nicht so lange verschweigen. 1Wenn der Proconsul befindet, dass welche von seinem Gefolge oder [dem] seines Legaten sich Verbrechen haben zu Schulden kommen lassen, muss er sie strafen, oder seinem Nachfolger überlassen? Es sind aber die Beispiele Vieler vorhanden, welche nicht nur die Sclaven ihrer Unterbeamten, die nicht einmal unter ihnen standen, sondern auch ihre eigenen bestraft haben; und dies muss darum geschehen, damit sie durch Beispiele abgeschreckt, sich um so mehr unerlaubter Handlungen enthalten. 2Wir wollen nun die einzelnen Arten der Strafen aufzählen, welche die Präsidenten über Jemanden verhängen können. Die Strafen sind entweder solche, welche das Leben absprechen, oder die Sclaverei auferlegen, oder das Bürgerrecht nehmen, oder Verbannung oder körperliche Züchtigung verhängen,

7Cal­lis­tra­tus li­bro sex­to de co­gni­tio­ni­bus. (vel­uti fus­tium, ad­mo­ni­tio: fla­gel­lo­rum, cas­ti­ga­tio: vin­cu­lo­rum, ver­be­ra­tio)

7Callistrat. lib. VI. de cognition. z. B. die Züchtigung mit Prügeln, mit Peitschen und mit der Knute44Fustium admonitio, flagellorum castigatio, vinculorum verberatio. Mit diesen Worten haben sich verschiedene Interpreten bemühet. Ich bin Bynkershoek Obs. I. 21. gefolgt. Von den verschiedenen Erklärungen, die er über das vinculorum verberatio giebt, scheint mir doch die beste die, vincula für ein Instrument zum Züchtigen zu verstehen, und zwar für die entsprechendste.,

8Ul­pia­nus li­bro no­no de of­fi­cio pro­con­su­lis. aut dam­num cum in­fa­mia aut dig­ni­ta­tis ali­quam de­po­si­tio­nem aut ali­cu­ius ac­tus pro­hi­bitio­nem. 1Vi­ta ad­imi­tur, ut pu­ta si dam­na­tur ali­quis, ut gla­dio in eum anim­ad­ver­ta­tur. sed anim­ad­ver­ti gla­dio opor­tet, non se­cu­ri vel te­lo vel fus­ti vel la­queo vel quo alio mo­do. pro­in­de nec li­be­ram mor­tis fa­cul­ta­tem con­ce­den­di ius prae­si­des ha­bent. mul­to enim vel ve­ne­no ne­can­di. di­vi ta­men fra­tres re­scrip­se­runt per­mit­ten­tes li­be­ram mor­tis fa­cul­ta­tem. 2Hos­tes au­tem, item trans­fu­gae ea poe­na ad­fi­ciun­tur, ut vi­vi ex­uran­tur. 3Nec ea qui­dem poe­na dam­na­ri quem opor­tet, ut ver­be­ri­bus ne­ce­tur vel vir­gis in­ter­ema­tur, nec tor­men­tis: quam­vis ple­ri­que dum tor­quen­tur de­fi­ce­re so­lent. 4Est poe­na, quae ad­imat li­ber­ta­tem: hu­ius­mo­di ut pu­ta, si quis in me­tal­lum vel in opus me­tal­li dam­ne­tur. me­tal­la au­tem mul­ta nu­me­ro sunt et quae­dam qui­dem pro­vin­ciae ha­bent, quae­dam non ha­bent: sed quae non ha­bent, in eas pro­vin­cias mit­tunt, quae me­tal­la ha­bent. 5Prae­fec­to pla­ne ur­bi spe­cia­li­ter com­pe­te­re ius in me­tal­lum dam­nan­di ex epis­tu­la di­vi Se­ve­ri ad Fa­bium Ci­lo­nem ex­pri­mi­tur. 6In­ter eos au­tem, qui in me­tal­lum et eos, qui in opus me­tal­li dam­nan­tur, dif­fe­ren­tia in vin­cu­lis tan­tum est, quod qui in me­tal­lum dam­nan­tur, gra­vio­ri­bus vin­cu­lis pre­mun­tur, qui in opus me­tal­li, le­vio­ri­bus, quod­que re­fu­gae ex ope­re me­tal­li in me­tal­lum dan­tur, ex me­tal­lo gra­vius co­er­cen­tur. 7Quis­quis au­tem in opus pu­bli­cum dam­na­tus re­fu­git, du­pli­ca­to tem­po­re dam­na­ri so­let: sed du­pli­ca­re eum id tem­po­ris opor­tet, quod ei cum su­per­es­set fu­git, sci­li­cet ne il­lud du­pli­ce­tur, quo ad­pre­hen­sus in car­ce­re fuit. et si in de­cem an­nos dam­na­tus sit, aut per­pe­tua­ri ei de­bet poe­na aut in opus me­tal­li trans­mit­ti. pla­ne si dec­en­nio dam­na­tus fuit et in­itio sta­tim fu­git, vi­den­dum est, utrum du­pli­ca­ri ei tem­po­ra de­beant, an ve­ro per­pe­tua­ri vel trans­fer­ri in opus me­tal­li: et ma­gis est, ut trans­fe­ra­tur aut per­pe­tue­tur. ge­ne­ra­li­ter enim di­ci­tur, quo­tiens dec­en­nium ex­ces­su­ra est du­pli­ca­tio, non es­se tem­po­re poe­nam ar­tan­dam. 8In mi­nis­te­rium me­tal­li­co­rum fe­mi­nae in per­pe­tuum vel ad tem­pus dam­na­ri so­lent. si­mi­li mo­do et in sa­li­nas. et si qui­dem in per­pe­tuum fue­rint dam­na­tae, qua­si ser­vae poe­nae con­sti­tuun­tur: si ve­ro ad tem­pus dam­nan­tur, re­ti­nent ci­vi­ta­tem. 9So­lent prae­si­des in car­ce­re con­ti­nen­dos dam­na­re aut ut in vin­cu­lis con­ti­nean­tur: sed id eos fa­ce­re non opor­tet. nam hu­ius­mo­di poe­nae in­ter­dic­tae sunt: car­cer enim ad con­ti­nen­dos ho­mi­nes, non ad pu­nien­dos ha­be­ri de­bet. 10In cal­ca­riam quo­que vel sul­pu­ra­riam dam­na­ri so­lent: sed hae poe­nae me­tal­li ma­gis sunt. 11Qui­cum­que in lu­dum ve­na­to­rium fue­rint dam­na­ti, vi­den­dum est, an ser­vi poe­nae ef­fi­cian­tur: so­lent enim iu­nio­res hac poe­na ad­fi­ci. utrum er­go ser­vi poe­nae is­ti ef­fi­cian­tur an re­ti­neant li­ber­ta­tem, vi­den­dum est. et ma­gis est, ut hi quo­que ser­vi ef­fi­cian­tur: hoc enim di­stant a ce­te­ris, quod in­sti­tuun­tur ve­na­to­res aut pyr­ri­cha­rii aut aliam quam vo­lup­ta­tem ges­ti­cu­lan­di vel ali­ter se mo­ven­di gra­tia. 12Ser­vos in me­tal­lum vel in opus me­tal­li, item in lu­dum ve­na­to­rium da­ri so­le­re nul­la du­bi­ta­tio est: et si fue­rint da­ti, ser­vi poe­nae ef­fi­ciun­tur nec ad eum per­ti­ne­bunt, cu­ius fue­rint an­te­quam dam­na­ren­tur. de­ni­que cum qui­dam ser­vus in me­tal­lum dam­na­tus be­ne­fi­cio prin­ci­pis es­set iam poe­na li­be­ra­tus, im­pe­ra­tor An­to­ni­nus rec­tis­si­me re­scrip­sit, quia se­mel do­mi­ni es­se de­sie­rat ser­vus poe­nae fac­tus, non es­se eum in po­tes­ta­tem do­mi­ni post­ea red­den­dum. 13Sed si­ve in per­pe­tua vin­cu­la fue­rit dam­na­tus ser­vus si­ve in tem­po­ra­lia, eius re­ma­net, cu­ius fuit, an­te­quam dam­na­re­tur.

8Ulp. lib. IX. de off. Procons. oder Geldstrafe55Damnum, schon die Glosse und nachher Gothofr. erklären: pecuniarum. mit Infamie, oder Verlust irgend einer Würde, oder das Verbot, eine Handlung zu verrichten. 1Das Leben wird dann abgesprochen, wenn Jemand verurtheilt wird, mit dem Schwerte hingerichtet zu werden. Die Hinrichtung muss aber mit dem Schwerte geschehen, nicht mit dem Beile oder einem Pfeile, oder Prügel, oder Strick, oder soust auf andere Weise. Mithin haben die Präsidenten nicht das Recht, die freie Wahl der Todesart zu gestatten, am wenigsten die Tödtung durch Gift. Doch haben die Kaiserlichen Brüder ein Rescript erlassen, worin sie die freie Wahl der Todesart gestattet haben. 2Feinde66Hostes, nach den Emendationsversuchen des Cujac. Obs. IV. 9. und Jac. Constantin. Subtil. Enod. c. 26. (T. O. IV. 604.) kann man wohl hostes mit Bynkershoek Obs. V. 22. für hostes P. R. d. h. perduelles nehmen. und Ueberläufer werden damit bestraft, dass sie lebendig verbrannt werden. 3Niemand darf jedoch zu der Strafe verurtheilt werden, mit Prügeln oder Ruthen todgeschlagen zu werden, noch durch die Tortur, obwohl die Meisten während der Tortur ihren Geist aufgeben. 4Eine Freiheitsberaubende Strafe ist es, wenn Jemand zu Bergwerksarbeit zweiten oder ersten Grades77In metallum oder opus metalli, s. den Unterschied §. 6. ich glaube, dass die Uebersetzung, die freilich umschreibend ist, nicht anders wird gegeben werden können; wo kein Beisatz steht, ist stets der zweite Grad gemeint. verurtheilt wird; der Bergwerke giebt es viele, manche Provinzen haben deren, manche nicht; letztern Falls werden [die Verbrecher] in die Provinzen geschickt, welche Bergwerke haben. 5Der Präfect der Stadt Rom hat das besondere Recht, zu Bergwerksarbeit zu verurtheilen, wie in einem Briefe des Divus Severus an Fabius Cilo ausdrücklich gesagt wird. 6Zwischen den zu Bergwerksarbeit zweiten und ersten Grades Verurtheilten beruhet der Unterschied blos in den Fesseln; die zu Bergwerkarbeit zweiten Grades Verurtheilten werden mit schwereren Fesseln belastet, die ersten Grades mit leichtern; entlaufene Verurtheilte ersten Grades werden zur Bergwerksarbeit zweiten Grades verurtheilt; die der Bergwerksarbeit zweiten Grades [Entlaufenen] werden schwerer bestraft werden. 7Wer zu öffentlicher Strafarbeit verurtheilt entflohen ist, wird in der Regel zu noch einmal so langer Zeit verurtheilt; verdoppelt muss diejenige Zeit werden, welche ihm, als er entfloh, noch übrig war, d. h. es soll nicht die verdoppelt werden, von wo an er ergriffen worden, sich [schon vorher] im Gefängniss befunden hat. Ist er auf zehn Jahre verurtheilt worden, so muss ihm entweder die Strafe auf immer ausgedehnt, oder er zu Bergwerksarbeit ersten Grades verurtheilt werden. Wenn er freilich auf zehn Jahre verurtheilt worden, und gleich Anfangs entflohen ist, so frägt es sich, ob ihm die Frist verdoppelt, oder die Dauer für immerwährend ausgedehnt, oder er zu Bergwerksarbeit ersten Grades verurtheilt werden soll? Es spricht mehr für das letztere, oder die immerwährende Dauer; denn es gilt im Allgemeinen die Regel, dass, sobald die Verdoppelung sich über zehn Jahr erstrecken würde, die Strafe nicht mehr in zeitliche Dauer eingeschränkt werden solle88S. Jens. l. l. p. 508.. 8Auch Weiber werden in der Regel zum Dienst in Bergwerken auf immer oder auf Zeit verurtheilt; ebenso in Salinen. Sind sie auf immer dazu verurtheilt worden, so werden sie zur Strafe Sclavinnen, wenn auf Zeit, so behalten sie das Bürgerrecht. 9Es pflegen auch die Präsidenten [Verbrecher] zur Festhaltung im Gefängniss zu verurtheilen, oder dass sie in Banden gelegt werden sollen, allein dies dürfen sie nicht thun, denn Strafen der Art sind verboten, das Gefängniss nemlich dient wohl dazu, Menschen festzuhalten, nicht aber sie zu bestrafen. 10Auch Verurtheilungen in Kalksteinbrüche oder Schwefelgruben pflegen zu geschehen, doch gehören diese Strafen mehr zur Bergwerksarbeit. 11Es ist die Frage, ob die zur Lustjagd99Zum Kampt mit wilden Thieren auf dem Theater, s. Budaeus l. l. p. 60. sq. Verurtheilten zur Strafe Sclaven werden? denn diese Strafe trifft besonders jüngere Leute; werden also diese Straf-Sclaven, oder behalten sie ihre Freiheit? Es spricht mehr dafür, dass auch sie Sclaven werden; denn sie sind von Andern [nur] darin verschieden, dass sie als Jäger oder Tänzer in Westen1010pyrrhicharii s. Bud. l. l., oder zu andern Vergnügungen Unterricht erhalten, um in Gesticulationen1111Gesticulandi causa, s. Heinecc. ad Brisson h. v. und Bewegungen Uebung zu erhalten. 12Dass Sclaven zu Bergwerksarbeit ersten oder zweiten Grades, so wie zur Lustjagd abgegeben zu werden pflegen, unterliegt keinem Zweifel, und wenn dies geschehen, so werden sie Straf-Sclaven, und gehören nicht weiter Dem, dem sie vor der Vertheilung gehörten. Auch hat, als ein zur Bergwerksarbeit verurtheilter Selave durch die Gnade des Kaisers von der Strafe befreit worden war, der Kaiser Antoninus ganz richtig rescribirt, dass, weil der Straf-Sclave Gewordene einmal aufgehört habe, seinem Herrn zu gehören, er nachher nicht in dessen Gewalt zurückgegeben werden werde. 13Wenn aber ein Sclave zur Gefängnissstrafe verurtheilt worden ist, gleichviel ob zu immerwährender oder zeitlicher, so bleibt er Dem gehörig, dessen er vor der Verurtheilung war.

9Idem li­bro de­ci­mo de of­fi­cio pro­con­su­lis. Mo­ris est ad­vo­ca­tio­ni­bus quo­que prae­si­des in­ter­di­ce­re. et non­num­quam in per­pe­tuum in­ter­di­cunt, non­num­quam ad tem­pus vel an­nis me­tiun­tur vel et­iam tem­po­re quo pro­vin­ciam re­gunt. 1Nec non ita quo­que in­ter­di­ci pot­est ali­cui, ne cer­tis per­so­nis ad­sit. 2Pot­est et ita in­ter­di­ci cui, ne apud tri­bu­nal prae­si­dis pos­tu­let, et ta­men apud le­ga­tum vel pro­cu­ra­to­rem non pro­hi­be­tur age­re. 3Si ta­men apud le­ga­tum pro­hi­bi­tus fue­rit pos­tu­la­re, cre­do per con­se­quen­tias ne qui­dem apud prae­si­dem re­lic­tam il­li pos­tu­lan­di fa­cul­ta­tem. 4Non­num­quam non ad­vo­ca­tio­ni­bus cui in­ter­di­ci­tur, sed fo­ro. plus est au­tem fo­ro quam ad­vo­ca­tio­ni­bus in­ter­di­ce­re, si qui­dem huic om­ni­no fo­ren­si­bus neg­otiis ac­com­mo­da­re se non per­mit­ta­tur. so­let au­tem ita vel iu­ris stu­dio­sis in­ter­di­ci vel ad­vo­ca­tis vel ta­bel­lio­ni­bus si­ve prag­ma­ti­cis. 5So­let et ita in­ter­di­ci, ne in­stru­men­ta om­ni­no for­ment ne­ve li­bel­los con­ci­piant vel tes­ta­tio­nes con­sig­nent. 6So­let et sic, ne eo lo­ci se­deant, quo in pu­bli­co in­stru­men­ta de­po­nun­tur, ar­chi­vo11Die Großausgabe liest ar­chio statt ar­chi­vo. for­te vel gram­ma­to­phy­la­cio. 7So­let et sic, ut tes­ta­men­ta ne or­di­nent vel scri­bant vel sig­nent. 8Erit et il­la poe­na, ne quis neg­otiis pu­bli­cis in­ter­ve­niat: hic enim pri­va­tis qui­dem in­ter­es­se pot­erit, pu­bli­cis pro­hi­be­bi­tur, ut so­lent qui­bus sen­ten­tia prae­ci­pi­tur δημοσίων ἀπέχεσθαι. 9Sunt au­tem et aliae poe­nae: si neg­otia­tio­ne quis abs­ti­ne­re iu­bea­tur vel ad con­duc­tio­nem eo­rum quae pu­bli­ce lo­can­tur ac­ce­de­re, ut ad vec­ti­ga­lia pu­bli­ca. 10In­ter­di­ci au­tem neg­otia­tio­ne ple­rum­que vel neg­otia­tio­ni­bus so­let: sed dam­na­re, ut quis neg­otie­tur, an pos­sit vi­dea­mus. et sunt qui­dem hae poe­nae, si quis ge­ne­ra­li­ter trac­ta­re ve­lit, in­ci­vi­les in­vi­tum ho­mi­nem iu­be­re fa­ce­re quod fa­ce­re non pot­est: sed si quis spe­cia­li­ter trac­ta­ve­rit, pot­est es­se ius­ta cau­sa com­pel­len­di cu­ius ad neg­otia­tio­nem: quod si fue­rit, se­quen­da erit sen­ten­tia. 11Is­tae fe­re sunt poe­nae quae in­iun­gi so­lent. sed enim scien­dum est dis­cri­mi­na es­se poe­na­rum ne­que om­nes ea­dem poe­na ad­fi­ci pos­se. nam in pri­mis de­cu­rio­nes in me­tal­lum dam­na­ri non pos­sunt nec in opus me­tal­li, nec fur­cae sub­ici vel vi­vi ex­uri. et si for­te hu­ius­mo­di sen­ten­tia fue­rint af­fec­ti, li­be­ran­di erunt: sed hoc non pot­est ef­fi­ce­re qui sen­ten­tiam di­xit, ve­rum re­fer­re ad prin­ci­pem de­bet, ut ex auc­to­ri­ta­te eius poe­na aut per­mu­te­tur aut li­be­ra­re­tur. 12Pa­ren­tes quo­que et li­be­ri de­cu­rio­num in ea­dem cau­sa sunt. 13Li­be­ros non tan­tum fi­lios ac­ci­pe­re de­be­mus, ve­rum om­nes li­be­ros. 14Sed utrum hi so­li, qui post de­cu­rio­na­tum sus­cep­ti sunt, his poe­nis non ad­fi­cian­tur, an ve­ro om­nes om­ni­no li­be­ri, et­iam in ple­be­ia fa­mi­lia sus­cep­ti, vi­den­dum est: et ma­gis pu­to om­ni­bus prod­es­se de­be­re. 15Pla­ne si pa­rens de­cu­rio es­se de­sie­rit, si qui­dem iam de­cu­rio­ne fue­rit edi­tus, prod­erit ei, ne ad­fi­cia­tur: enim­ve­ro si post­ea­quam ple­be­ius fac­tus est tunc sus­ci­piat fi­lium, qua­si ple­be­io edi­tus ita erit plec­ten­dus. 16Sta­tu­li­be­rum qua­si li­be­rum iam pu­nien­dum di­vus Pius Sal­vio Mar­cia­no re­scrip­sit.

9Ulp. lib. X. de off. Procons. Es ist auch Sitte, dass die Präsidenten die Rechtsanwaltschaft verbieten, und zwar zuweilen für immer, zuweilen auf Zeit, oder es nach Jahren1212Ich lese annis mit Flor. abmessen, oder auch nach der Zeit, dass sie der Provinz vorstehen. 1Auch kann Jemanden verboten werden, bestimmten Personen als Rechtsanwalt zu dienen. 2Auch kann Jemanden verboten werden, vor dem Tribunal des Präsidenten Rechtsanträge zu machen, dahingegen ihm die Leitung rechtlicher Angelegenheiten vor dem Legaten oder Procurator nicht verboten wird. 3Ist ihm jedoch verboten worden, vor dem Legaten rechtliche Anträge zu machen, so halte ich es für folgerichtig, dass ihm auch die Befugniss, vor dem Präsidenten selbst rechtliche Anträge zu machen, versagt sei. 4Zuweilen wird Jemandem nicht die Rechtsanwaltschaft sondern das Gerichtslocale1313Forum, ebenso l. l. §. 13. de off. praef. urb. für judicium, s. Brisson. h. v. verboten; in dem Verbote des Gerichtslocales ist mehr begriffen, als in dem der Rechtsanwaltschaft, indem ihm dadurch ganz und gar jede Uebernahme gerichtlicher Geschäfte untersagt wird. Dieses Verbot pflegt aber entweder die Rechtsgelehrten1414Juris studiosi. s. Bynkershoek Obs. VI. cap. 3. sind assessores, qui in foro occupantur, et jus suggerunt; s. auch Hugo’s R. G. S. 776. l. l. de off. ass. oder Rechtsanwälte oder Notarien, oder Formularschreiber zu treffen.1515Pragmatici, s. Brisson. h. v. Diese waren Leute, welche sich mit Concipirung schriftlicher Aufsätze in Rechtsangelegenheiten aller Art beschäftigten, Hugo R. G. S. 776. Ders. behauptet obigem Gesetz zuwider, dass dieser Ausdruck in unsern RQuellen nicht vorkomme (S. 876.). Budaeus l. l. p. 62. erklärt pragm. für juris interpretes, und Solche, die den Advocaten auf alle Weise bei schriftlichen und mündlichen Vorträgen auf der Stelle einhalfen. 5Es pflegt ihnen auch wohl verboten zu werden, dass sie gar keine schriftliche Aufsätze in Rechtssachen verfassen, oder Zeugnisse besiegeln sollen. 6Auch dergestalt pflegen Verbote zu geschehen, dass sie sich da nicht aufhalten sollen, wo öffentlich Urkunden niedergelegt werden, also in Archiven, oder Grammatophylacien.1616Archio vel grammatophylacio, ist ganz gleichbedeutend und unserm Begriff von Archiv völlig entsprechend, s. Budaeus l. l. p. 68. Brisson. h. v. Duker l. l. p. 444. 7Ferner so, dass sie keine Testamente aufnehmen, oder schreiben oder besiegeln sollen. 8Es wird ferner als Strafe bestimmt, dass Jemand öffentlichen Verhandlungen nicht solle beiwohnen dürfen; alsdann wird er zwar den in Privatangelegenheiten beiwohnen dürfen, allein keinen öffentlichen; dahin gehören Die, denen durch ein Urtheil verboten wird, δημοσίων ἀπέχεσθαι (sich [der Verhandlung] öffentlicher Angelegenheiten zu enthalten). 9Es giebt noch andere Strafen, z. B. wenn Jemanden verboten wird, sich jeder Geschäftsunternehmung zu enthalten,1717Negotiatio, d. h. in weitester Ausdehnung jedes commercium. oder mit der Pacht von irgend einem öffentlichen verpachtet werdenden Gegenstande zu befassen, wie z. B. öffentliche Zölle. 10In der Regel wird ein Verbot erlassen, sich mit einem Geschäft, oder [mehreren] Geschäften zu befassen; kann aber Jemand dazu verurtheilt worden, ein Geschäft zu unternehmen? Diese Strafen würden, wenn man sie im Allgemeinen betrachtet, inhuman sein, einem Menschen anzubefehlen, Etwas wider seinen Willen zu thun, was er nicht thun kann. Allein wenn man diesen Punkt in besondern Fällen zur Erwägung zieht, so kann eine rechtmässige Ursache vorhanden sein, Jemanden zu einem bestimmten Geschäfte zu nöthigen; ist dies der Fall, so hat es bei dem Urtheil sein Bewenden. 11Das sind ohngefähr die Strafen, welche verhängt zu werden pflegen. Allein es ist zu bemerken, dass ein Unterschied bei den Strafen zu machen sei, denn es kann nicht Jedem jede Strafe auferlegt werden. Denn erstlich können Decurionen nicht zur Bergwerksarbeit ersten noch zweiten Grades verurtheilt werden, auch nicht am Galgen aufgehenkt,1818S. Anm. zu l. 6. pr. ad l. J. pecul. noch lebendig verbrannt werden, und wenn sie mit einem Urtheil dieser Art beschwert worden, so müssen sie befreiet werden. Dies kann jedoch Derjenige, welcher das Erkenntniss ertheilt hat, nicht selbst thun, sondern er muss an den Kaiser Bericht erstatten, damit die Strafe vermöge seiner Autorität verändert oder Befreiung davon ertheilt werde. 12Auch Eltern und Kinder der Decurionen geniessen dieses Vorrechts. 13Unter Kindern sind nicht blos Söhne verstanden, sondern alle Kinder. 14Es ist aber die Frage, ob blos die nach erlangter Decurionenwürde geborenen Kinder mit diesen Strafen nicht belegt werden, oder überhaupt alle Kinder, auch die damals gebornen, als die Familie sich noch im Plebejerstande befand? Meiner Ansicht nach muss es jedoch allen von Nutzen sein. 15Wenn freilich der Vater aufgehört hat, Decurio zu sein, so nützt es dem Kinde nur dann insofern, dass es [mit der Strafe] verschont bleibt, wenn es schon damals geboren worden, als [der Vater] noch Decurio war; wenn er aber nachher, als er schon Plebejer geworden, einen Sohn erzeugt, so wird dieser, als von einem Plebejer gezeugt, zu bestrafen sein. 16Ein Bedingtfreier, hat Divus Pius, an Salvius Marcianus rescribirt, soll bestraft werden, wie wenn er schon ein Freier wäre.

10Ma­cer li­bro se­cun­do de pu­bli­cis iu­di­ciis. In ser­vo­rum per­so­na ita ob­ser­va­tur, ut ex­em­plo hu­mi­lio­rum pu­nian­tur. et ex qui­bus cau­sis li­ber fus­ti­bus cae­di­tur, ex his ser­vus fla­gel­lis cae­di et do­mi­no red­di iu­be­tur: et ex qui­bus li­ber fus­ti­bus cae­sus in opus pu­bli­cum da­tur, ex his ser­vus, sub poe­na vin­cu­lo­rum ad eius tem­po­ris spa­tium, fla­gel­lis cae­sus do­mi­no red­di iu­be­tur. si sub poe­na vin­cu­lo­rum do­mi­no red­di ius­sus non re­ci­pia­tur, ve­num­da­ri et, si emp­to­rem non in­ve­ne­rit, in opus pu­bli­cum et qui­dem per­pe­tuum tra­di iu­be­tur. 1Qui ex cau­sa in me­tal­lum da­ti sunt et post hoc de­li­que­runt, in eos tam­quam me­tal­li­cos con­sti­tui de­bet, quam­vis non­dum in eum lo­cum per­duc­ti fue­rint, in quo ope­ra­ri ha­bent: nam sta­tim ut de is sen­ten­tia dic­ta est, con­di­cio­nem suam per­mu­tant. 2In per­so­nis tam ple­be­io­rum quam de­cu­rio­num il­lud con­sti­tu­tum est, ut qui ma­io­ri poe­na ad­fi­ci­tur, quam le­gi­bus sta­tu­ta est, in­fa­mis non fiat. er­go et si ope­re tem­po­ra­rio quis mul­ta­tus sit vel tan­tum fus­ti­bus cae­sus, li­cet in ac­tio­ne fa­mo­sa, vel­uti fur­ti, di­cen­dum erit in­fa­mem non es­se, quia et so­lus fus­tium ic­tus gra­vior est quam pe­cu­nia­ris dam­na­tio.

10Macer lib. II. de publ. judic. In Ansehung der Person der Sclaven wird es so gehalten, dass sie nach Art der Leute niederer Classe gestraft werden. Aus den Gründen nun, aus welchen ein Freier mit Prügeln gezüchtigt wird, wird ein Sclave mit Peitschen gehauen, und dann seinem Herrn zurückgegeben, und aus denen, wo ein Freier, nachdem er mit Prügeln gezüchtigt worden, zu öffentlicher Strafarbeit verurtheilt wird, wird ein Sclave nachdem er mit Peitschen ausgehauen worden, unter der Strafe, auf gleich lange Dauer Fesseln zu tragen1919Sub poena vinculor. halte ich für richtiger, so wie obsteht, mit Jacob Lectius l. l. ad h. l. (T. O. I. 113.) als mit Bynkershoek Lib. I. c. 21., seinem Herrn zurückgegeben. Wenn der unter der Strafe, Fesseln zu tragen, seinem Herrn zurückzugeben befohlene Sclave nicht angenommen wird, so soll er verkauft, und wenn er keinen Käufer gefunden, zu öffentlicher Strafarbeit, und zwar für immerwährend abgegeben werden. 1Wer aus einem Grunde zu Bergwerksarbeit abgeliefert worden ist, und nachher nochmals ein Verbrechen begangen hat, gegen den soll, wie gegen einen Bergwerksarbeiter verfügt werden, wenn er auch noch nicht dahin geführt worden, wo er arbeiten soll; denn diese ändern sogleich ihr persönliches Verhältniss, sobald das Urtheil über sie gesprochen worden ist. 2In Ansehung der Plebejer sowohl, als der Decurionen ist es übrigens Verordnung, dass, wer mit schwererer Strafe, als nach den Gesetzen bestimmt ist, bestraft wird, nicht infamirt wird; wenn daher Jemand mit zeitlicher Strafarbeit gestraft, oder nur mit Prügeln gezüchtigt worden ist, wenngleich in Folge einer infamirenden Klage, wie z. B. die Diebstahlsklage, so ist er nicht infamirt, weil ein einziger Schlag mit einem Prügel schon härter ist, als die Geldstrafe.2020S. Jacob. Lect. l. l. ad l. 63. de furt. (T. O. II. p. 94.)

11Mar­cia­nus li­bro se­cun­do de pu­bli­cis iu­di­ciis. Per­spi­cien­dum est iu­di­can­ti, ne quid aut du­rius aut re­mis­sius con­sti­tua­tur, quam cau­sa de­pos­cit: nec enim aut se­ve­ri­ta­tis aut cle­men­tiae glo­ria af­fec­tan­da est, sed per­pen­so iu­di­cio, pro­ut quae­que res ex­pos­tu­lat, sta­tuen­dum est. pla­ne in le­vio­ri­bus cau­sis pro­nio­res ad le­ni­ta­tem iu­di­ces es­se de­bent, in gra­vio­ri­bus poe­nis se­ve­ri­ta­tem le­gum cum ali­quo tem­pe­ra­men­to be­ni­gni­ta­tis sub­se­qui. 1Fur­ta do­mes­ti­ca si vi­lio­ra sunt, pu­bli­ce vin­di­can­da non sunt, nec ad­mit­ten­da est hu­ius­mo­di ac­cu­sa­tio, cum ser­vus a do­mi­no vel li­ber­tus a pa­tro­no, in cu­ius do­mo mo­ra­tur, vel mer­cen­na­rius ab eo, cui ope­ras suas lo­ca­ve­rat, of­fe­ra­tur quaes­tio­ni: nam do­mes­ti­ca fur­ta vo­can­tur, quae ser­vi do­mi­nis vel li­ber­ti pa­tro­nis vel mer­cen­na­rii apud quos de­gunt sub­ri­piunt. 2De­lin­qui­tur au­tem aut pro­pos­i­to aut im­pe­tu aut ca­su. pro­pos­i­to de­lin­quunt la­tro­nes, qui fac­tio­nem ha­bent: im­pe­tu au­tem, cum per ebrie­ta­tem ad ma­nus aut ad fer­rum venitur: ca­su ve­ro, cum in ve­nan­do te­lum in fe­ram mis­sum ho­mi­nem in­ter­fe­cit. 3Ca­pi­tis poe­na est bes­tiis ob­ici vel alias si­mi­les poe­nas pa­ti vel anim­ad­ver­ti.

11Marcian. lib. II. de publ. judic. Der Richter muss darauf Rücksicht nehmen, dass nichts Härteres oder Gelinderes bestimmt werde, als es die Sache erfodert; denn es ist ganz unnöthig, nach dem Ruhm der Strenge oder der Milde zu streben, sondern es muss nach Erwägung der Sache so erkannt werden, wie es die jedesmaligen Umstände erfodern. Natürlich muss der Richter in geringern Dingen mehr zur Gelindigkeit geneigt sein, bei schwereren Strafen aber die Strenge der Gesetze mit einiger mässigenden Milde befolgen. 1Häusliche Diebstahle, wenn sie unbedeutend sind, müssen gar nicht öffentlich gerügt, und darf eine solche Anklage gar nicht zugelassen werden, wenn der Sclav vom Herrn oder der Freigelassene vom Freilasser, in dessen Hause er sich befindet, oder der Tagelöhnling von Dem, dem er seine Dienste verdungen hatte, zur Untersuchung abgeliefert wird; denn häusliche Diebstahle heissen diejenigen, welche die Sclaven gegen die Herren, oder die Freigelassenen wider die Freilasser oder die Tagelöhnlinge wider Die begehen, bei denen sie sich aufhalten. 2Ein Verbrechen wird entweder mit Vorsatz, in leidenschaftlicher Gemüthsstimmung, oder aus Zufall begangen. Mit Vorsatz verbrechen die Strassenräuber, die zusammen eine Bande ausmachen; in leidenschaftlicher Gemüthsstimmung: wenn in der Trunkenheit Thätlichkeiten begangen werden, oder zum Schwerte gegriffen wird; durch Zufall endlich, wenn ein auf der Jagd nach einem Wild gesendeter Pfeil einen Menschen tödtet. 3Eine Todesstrafe ist es, den wilden Thieren vorgeworfen werden, oder andere ähnliche Strafen leiden, oder mit dem Schwerte gerichtet werden.2121Das ist die Bedeutung von animadverti, wenn es allein steht.

12Ma­cer li­bro se­cun­do de of­fi­cio prae­si­dis. Quod ad sta­tum dam­na­to­rum per­ti­net, ni­hil in­ter­est, iu­di­cium pu­bli­cum fue­rit nec ne: nam so­la sen­ten­tia, non ge­nus cri­mi­nis spec­ta­tur. ita­que hi, in quos anim­ad­ver­ti iu­be­tur qui­ve ad bes­tias dan­tur, con­fes­tim poe­nae ser­vi fiunt.

12Macer lib. II. de off. Praef. Soviel das Standesrecht der Verurtheilten angeht, so ist es einerlei, ob das Verfahren ein öffentliches gewesen, oder nicht, denn es wird blos auf das Erkenntniss, nicht auf die Art des Verbrechens Rücksicht genommen. Diejenigen daher, welche mit dem Schwerte hingerichtet, oder den wilden Thieren vorgeworfen werden sollen, werden sogleich Strafsclaven.

13Ul­pia­nus li­bro pri­mo de ap­pel­la­tio­ni­bus. Ho­die li­cet ei, qui ex­tra or­di­nem de cri­mi­ne co­gnos­cit, quam vult sen­ten­tiam fer­re, vel gra­vio­rem vel le­vio­rem, ita ta­men ut in utro­que mo­de­ra­tio­nem non ex­ce­dat.

13Ulp. lib. I. de Appell. Heutzutage steht Dem, der ausserordentlicherweise über ein Verbrechen erkennt, frei, sein Erkenntniss, welches er [geben] will, härter oder gelinder abzufassen, jedoch dergestalt, dass er in beiden Fällen das Maass nicht überschreite.2222S. Wiel. Jurispr. rest. p. 237. und Joann. Koolius ad leg. Ateriam Tarpejam. c. (T. O. V. 1532.)

14Ma­cer li­bro se­cun­do de re mi­li­ta­ri. Quae­dam de­lic­ta pa­ga­no aut nul­lam aut le­vio­rem poe­nam ir­ro­gant, mi­li­ti ve­ro gra­vio­rem. nam si mi­les ar­tem lu­di­cram fe­ce­rit vel in ser­vi­tu­tem se venire pas­sus est, ca­pi­te pu­nien­dum Me­nan­der scri­bit.

14Macer lib. II. de re mil. Manche Verbrechen begründen für den Nichtsoldaten gar keine, oder eine geringe Strafe, dem Soldaten aber eine schwerere; denn wenn ein Soldat die Schauspielkunst betrieben, oder sich hat in die Sclaverei verkaufen lassen, so, schreibt Menander, müsse er mit dem Tode bestraft werden.

15Ve­nu­leius Sa­tur­ni­nus li­bro pri­mo de of­fi­cio pro­con­su­lis. Di­vus Ha­d­ria­nus eos, qui in nu­me­ro de­cu­rio­num es­sent, ca­pi­te pu­ni­ri pro­hi­buit, ni­si si qui pa­ren­tem oc­ci­dis­sent: ve­rum poe­na le­gis Cor­ne­liae pu­nien­dos man­da­tis ple­nis­si­me cau­tum est.

15Venulej. Saturn. lib. I. de off. Procons. Divus Hadrianus hat verboten, Diejenigen, welche zur Zahl der Decurionen gehören, mit dem Tode zu bestrafen, ausser wenn einer seinen Vater ermordet hätte; allein es ist durch kaiserliche Mandate unbedingt verordnet worden, dass sie nach dem Cornelischen Gesetz gestraft werden müssen.

16Clau­dius Sa­tur­ni­nus li­bro sin­gu­la­ri de poe­nis pa­ga­no­rum. Aut fac­ta pu­niun­tur, ut fur­ta cae­des­que, aut dic­ta, ut con­vi­cia et in­fi­dae ad­vo­ca­tio­nes, aut scrip­ta, ut fal­sa et fa­mo­si li­bel­li, aut con­si­lia, ut con­iu­ra­tio­nes et la­tro­num con­scien­tia quos­que alios sua­den­do iu­vis­se sce­le­ris est in­star. 1Sed haec quat­tuor ge­ne­ra con­si­de­ran­da sunt sep­tem mo­dis: cau­sa per­so­na lo­co tem­po­re qua­li­ta­te quan­ti­ta­te even­tu. 2Cau­sa: ut in ver­be­ri­bus, quae im­pu­ni­ta sunt a ma­gis­tro al­la­ta vel pa­ren­te, quon­iam emen­da­tio­nis, non in­iu­riae gra­tia vi­den­tur ad­hi­be­ri: pu­niun­tur, cum quis per iram ab ex­tra­neo pul­sa­tus est. 3Per­so­na du­pli­ci­ter spec­ta­tur, eius qui fe­cit et eius qui pas­sus est: ali­ter enim pu­niun­tur ex is­dem fa­ci­no­ri­bus ser­vi quam li­be­ri, et ali­ter, qui quid in do­mi­num pa­ren­tem­ve au­sus est quam qui in ex­tra­neum, in ma­gis­tra­tum vel in pri­va­tum. in eius rei con­si­de­ra­tio­ne ae­ta­tis quo­que ra­tio ha­bea­tur. 4Lo­cus fa­cit, ut idem vel fur­tum vel sa­c­ri­le­gium sit et ca­pi­te luen­dum vel mi­no­re sup­pli­cio. 5Tem­pus dis­cer­nit eman­so­rem a fu­gi­ti­vo et ef­frac­to­rem vel fu­rem diur­num a noc­tur­no. 6Qua­li­ta­te, cum fac­tum vel atro­cius vel le­vius est: ut fur­ta ma­ni­fes­ta a nec ma­ni­fes­tis dis­cer­ni so­lent, ri­xae a gras­sa­tu­ris, ex­pi­la­tio­nes a fur­tis, pe­tu­lan­tia a vio­len­tia. qua de re ma­xi­mus apud Grae­cos ora­tor De­mos­the­nes sic ait: οὐ γὰρ ἡ πληγὴ παρέστησε τὴν ὕβριν, ἀλλ’ ἡ ἀτιμία· οὐδὲ τὸ τύπτεσθαι τοῖς ἐλευθέροις ἐστὶ δεινόν, καίπερ ὂν δεινόν, ἀλλὰ τὸ ἐφ’ ὕβρει. πολλὰ γὰρ ἂν ποιήσειεν ὁ τύπτων, ὦ ἄνδρες Ἀθηναῖοι, ὧν ὁ παθὼν ἔνια οὐδ’ ἂν ἀπαγγεῖλαι δύναιτο ἑτέρῳ, τῷ σχήματι, τῷ βλέμματι, τῇ φωνῇ, ὅταν ὡς ὑβρίζων, ὅταν ὡς ἐχθρὸς ὑπάρχων, ὅταν κονδύλοις, ὅταν ἐπὶ κόρρης. ταῦτα κινεῖ, ταῦτα ἐξίστησιν ἀνθρώπους αὑτῶν ἀήθεις ὄντας τοῦ προπηλακίζεσθαι. 7Quan­ti­tas dis­cer­nit fu­rem ab ab­igeo: nam qui unum suem sub­ri­pue­rit, ut fur co­er­ce­bi­tur, qui gre­gem, ut ab­igeus. 8Even­tus spec­te­tur, ut a cle­men­tis­si­mo quo­quo fac­ta: quam­quam lex non mi­nus eum, qui oc­ci­den­di ho­mi­nis cau­sa cum te­lo fue­rit, quam eum qui oc­ci­de­rit pu­niat. et id­eo apud Grae­cos ex­ilio vo­lun­ta­rio for­tui­ti ca­sus lue­ban­tur, ut apud prae­ci­puum poe­ta­rum scrip­tum est: εὖτέ με τυτθὸν ἐόντα Μενοίτιος ἐξ Ὀπόεντοσ ἤγαγεν ὑμέτερόνδ’ ἀνδροκτασίης ὕπο λυγρῆς, ἤματι τῷ ὅτε παῖδα κατέκτανον Ἀμφιδάμαντοσ νήπιος, οὐκ ἐθέλων, ἀμφ’ ἀστραγάλοισι χολωθείς. 9Eve­nit, ut ea­dem sce­le­ra in qui­bus­dam pro­vin­ciis gra­vius plec­tan­tur, ut in Afri­ca mes­sium in­cen­so­res, in Mysia vi­tium, ubi me­tal­la sunt ad­ul­te­ra­to­res mo­ne­tae. 10Hon­num­quam eve­nit, ut ali­quo­rum ma­le­fi­cio­rum sup­pli­cia ex­acer­ben­tur, quo­tiens ni­mium mul­tis per­so­nis gras­san­ti­bus ex­em­plo opus sit.

16Claud. Saturn. lib. sing. de poen. Pagan. Gestraft wird entweder eine Handlung, wie Diebstahl und Mord, oder Worte, wie Schimpfreden, und untreue Anwaltschaften, oder Schriften, wie Verfälschungen und Schmähschriften, oder gegebener Rath,2323S. Bynkersh. Obs. III. 10. wie Verschwörungen und Mitwissenschaft einer Strassenräuberbande, indem die diesen von Andern durch Zureden geleistete Hülfe einem Verbrechen gleichsteht. 1Diese vier Arten sind aber in siebenfacher Beziehung zu betrachten, nach der Ursache, der Person, dem Orte, der Zeit, der Qualität, der Quantität und dem Erfolg. 2Der Grund, z. B. bei Schlägen, die, vom Lehrer und Vater ertheilt, erlaubt sind, weil sie der Besserung wegen geschehen, nicht Injurienhalber, aber gestraft werden, wenn Jemand im Zorn von einem Andern geschlagen worden ist. 3Die Person wird in doppelter Beziehung in Betracht gezogen, nemlich die des Verbrechers und Dessen, an dem es begangen worden ist; anders nemlich werden wegen derselben Vergehungen Sclaven bestraft, als Freie, und anders, wer sich wider seinen Vater oder Freilasser vergangen, als wer an einem Dritten, einem Staatsbeamten oder Privatmann. In Ansehung dieses Punktes wird auch auf das Alter Rücksicht genommen. 4Der Ort ist von Einfluss, sodass dieselbe That ein Diebstahl oder Tempelraub ist, und Capitalstrafe oder gelindere Strafe nachsichzieht. 5Die Zeit unterscheidet den Wegläufer vom Entlaufenen [Sclaven], und den Einbrecher oder Tagedieb2424Der Gegensatz wird Misverständnis verhüten. vom Nachtdieb. 6Der Qualität nach, wenn eine That schwerer oder leichter ist, wie offenbarer Diebstahl vom heimlichen unterschieden zu werden pflegt, Zank von Wegelagerung,2525Rixa a grassaturis, s. bes. Budaeus l. l. p. 69. sq. Ausplünderung von Diebstahl, Muthwille von Gewaltthätigkeit. Hierüber äussert sich der grösste Redner unter den Griechen, Demosthenes, folgendergestalt; „Nicht der Schlag ist es, welcher die Injurie bewirkt, sondern die Beschimpfung, nicht das Geschlagenwerden ist dem Freien schrecklich, wenn auch schrecklich, sondern wenn es aus Uebermuth geschieht. Denn Vieles begeht Der, welcher schlägt, o! Athenienser, wovon Der, welcher geschlagen wird, einem Andern keine Vorstellung wiedergeben kann,2626᾿Απαγγείλαι δύναιτο, ist wohl so mit Hal. zu verstehen. in Geberden, in Miene, in Stimme, jetzt um zu beschimpfen, jetzt wie ein Feind drohend, jetzt mit Fäusten schlagend, jetzt mit Backenstreichen. Das reizt, das kann den Menschen wahnsinnig machen, der nicht gewohnt ist, auf solche Weise beschimpft zu werden.“ 7Die Quantität unterscheidet den Dieb vom Viehdieb; denn wer eine Sau gestohlen hat, wird als Dieb gestraft, wer eine Herde als Viehdieb. 8Auf den Erfolg wird gesehen, wie z. B. auf die That eines übrigens ganz sanftmüthigen2727S. Cujac. Obs. XIX. 10. Wieling Lect. Lib. II. c. 19. interpretirt diese Stelle mit folgenden Zwischenschiebungen: Eventus interdum solus in criminibus spectatur, ut in his qua sine dolo malo a clementissimo quoquo sunt facta, patrata, commissa etc. Des. Herald. Obs. Lib. I. 1. findet in ut facta ein Glossem. Menschen, wenn schon das Gesetz ebensowohl Den bestraft, der mit einer Waffe darauf ausgegangen ist, einen Menschen zu ermorden, als wer ihn erschlagen hat,2828In dieser Stelle sowie in l. 14. ad L. Corn. de sicar. zeigt Bynkershoek Obs. III. 10. dass eine specielle Verordnung für das genannte Verbrechen in concreto vorhanden, mithin eine Ausnahme anzunehmen sei; die exspectatio eventus ist regula generalis. Cujac. l. l. zeigt insbesondere, dass zwischen obiger Stelle und l. 14. ad L. C. de sicar. kein Widerspruch sei; denn in ersterer ist (von Seiten des clementissimus) gar nicht vom Willen die Rede. und darum wurden bei den Griechen zufällige Verbrechen mit freiwilliger Verbannung gebüsst, wie es bei dem ersten der Dichter heisst: Als Menoitios mich im blühenden Alter aus Opus Führte zu euerem Haus, vom beweinenswürdigen Morde, An dem Tage, da ich Amphidamas Knaben erschlagen, Ohne Bedacht und dass ich’s gewollt, erzürnt um die Würfel.2929Ilias XXIII. 85. fg. 9Es trifft sich auch, dass dieselben Verbrechen in einigen Provinzen härter bestraft werden, wie in Africa Die, welche Kornfelder in Brand stecken, in Mysien Die, welche Weinberge [anbrennen], wo Bergwerke sind, die Münzverfälscher. 10Zuweilen trifft es sich, dass die Todesstrafen mancher Missethäter geschärft werden, nemlich wenn, weil viele Personen eine Bande gestiftet haben, es nöthig ist, ein Exempel zu statuiren.

17Mar­cia­nus li­bro pri­mo in­sti­tu­tio­num. Sunt qui­dam ser­vi poe­nae, ut sunt in me­tal­lum da­ti et in opus me­tal­li: et si quid eis tes­ta­men­to da­tum fue­rit, pro non scrip­tis est, qua­si non Cae­sa­ris ser­vo da­tum, sed poe­nae. 1Item qui­dam ἀπόλιδες sunt, hoc est si­ne ci­vi­ta­te: ut sunt in opus pu­bli­cum per­pe­tuo da­ti et in in­su­lam de­por­ta­ti, ut ea qui­dem, quae iu­ris ci­vi­lis sunt, non ha­beant, quae ve­ro iu­ris gen­tium sunt, ha­beant.

17Marcian. lib. I. Inst. Es giebt Strafsclaven, wie die zu Bergwerksarbeit ersten und zweiten Grades Verurtheilten, und wenn diesen etwas in einem Testamente ausgesetzt worden ist, so wird es für nicht ausgesetzt erachtet, als sei es nicht einem Sclaven des Kaisers, sondern einem Strafsclaven gegeben. 1Es giebt ferner Welche, die ἀπόλιδες heissen, d. h. die kein Bürgerrecht haben, wie die für immerwährend zu öffentlicher Strafarbeit Verurtheilten, und die auf eine Insel Deportirten, sodass sie daran, was bürgerlichen Rechtens ist, keinen Antheil haben, wohl aber daran, was Völkerrechtens ist.

18Ul­pia­nus li­bro ter­tio ad edic­tum. Co­gi­ta­tio­nis poe­nam ne­mo pa­ti­tur.

18Ulp. lib. III. ad Ed. Für Gedanken wird Niemand bestraft.

19Idem li­bro quin­qua­gen­si­mo sep­ti­mo ad edic­tum. Si non de­fen­dan­tur ser­vi a do­mi­nis, non uti­que sta­tim ad sup­pli­cium de­du­cun­tur, sed per­mit­te­tur eis de­fen­di vel ab alio, et qui co­gnos­cit, de­be­bit de in­no­cen­tia eo­rum quae­re­re.

19Idem lib. LVII. ad Ed. Wenn Sclaven von ihren Herren nicht vertreten werden, so werden sie durchaus nicht etwa gleich zur Strafe abgeführt, sondern es wird ihre Vertheidigung auch durch einen Andern erlaubt, und der untersuchende Richter wird ihre Unschuld erörtern müssen.

20Pau­lus li­bro oc­ta­vo de­ci­mo ad Plau­tium. Si poe­na ali­cui ir­ro­ga­tur, re­cep­tum est com­men­ti­cio iu­re, ne ad he­redes trans­eat. cu­ius rei il­la ra­tio vi­de­tur, quod poe­na con­sti­tui­tur in emen­da­tio­nem ho­mi­num: quae mor­tuo eo, in quem con­sti­tui vi­de­tur, de­si­nit.

20Paul. lib. XVIII. ad Plaut. Wenn Jemandem eine Strafe auferlegt wird, so ist es durch die Auslegung des Rechts mittels Abweichung vom strengen Rechte3030So gebe ich commentitium jus umschreibend mit Bynkershoek Obs. V. 16. Budaeus ad h. l. p. 76. erklärt es soviel als fictitium. angenommen worden, dass die Strafe nicht auf die Erben übergehe. Der Grund davon scheint der zu sein, dass die Strafe zur Besserung der Menschen bestimmt ist, ein Zweck, der durch den Tod Dessen, wider den sie als verhängt erscheint, wegfällt.

21Cel­sus li­bro tri­gen­si­mo sep­ti­mo di­ges­to­rum. Ul­ti­mum sup­pli­cium es­se mor­tem so­lam in­ter­pre­ta­mur.

21Cels. lib. XXXVII. Dig. Unter ultimum supplicium (die äusserste Strafe) versteht man den Tod allein.

22Mo­des­ti­nus li­bro pri­mo dif­fe­ren­tia­rum. In me­tal­lum dam­na­ti si va­le­tu­di­ne aut ae­ta­tis in­fir­mi­ta­te in­uti­les ope­ri fa­ci­un­do de­pre­hen­dan­tur, ex re­scrip­to di­vi Pii a prae­si­de di­mit­ti pot­erunt, qui aes­ti­ma­bit de his di­mit­ten­dis, si mo­do vel co­gna­tos vel ad­fi­nes ha­beant et non mi­nus de­cem an­nis poe­nae suae func­ti fue­rint.

22Modestin. lib. I. Different. Wenn die zu Bergwerksarbeit Verurtheilten durch Krankheit oder Schwäche ihres Alters als unfähig zur Arbeit befunden werden, so werden sie, einem Rescripte des Divus Pius zufolge, vom Präsidenten entlassen werden können, der ihre Entlassung in Erwägung ziehen wird, wenn sie nur Verwandte oder Verschwägerte3131Dies wird theils so verstanden: die sie ernähren, oder: vorbitten. haben, und nicht weniger als zehn Jahr an ihrer Strafe abgebüsst haben.

23Idem li­bro oc­ta­vo re­gu­la­rum. Si­ne prae­fi­ni­to tem­po­re in me­tal­lum da­to im­pe­ritia dan­tis dec­en­nii tem­po­ra prae­fi­ni­ta vi­den­tur.

23Idem lib. VIII. Regul. Wer durch Unerfahrenheit Dessen, der ihn dazu verurtheilt hat, ohne bestimmte Zeit zur Bergwerksarbeit verurtheilt worden ist, für den wird eine Frist von zehn Jahren als bestimmt angenommen.

24Idem li­bro un­de­ci­mo pan­dec­ta­rum. Eo­rum, qui rele­ga­ti vel de­por­ta­ti sunt ex cau­sa ma­ies­ta­tis, sta­tuas de­tra­hen­das sci­re de­be­mus.

24Idem lib. XI. Pandect. Es ist zu bemerken, dass die [etwa öffentlich ausgestellten] Statuen Derer, welche wegen Majestätsverletzung verwiesen oder deportirt worden sind, herabgenommen werden müssen.

25Idem li­bro duo­de­ci­mo pan­dec­ta­rum. Si diu­ti­no tem­po­re ali­quis in rea­tu fue­rit, ali­qua­te­nus poe­na eius sub­le­van­da erit: sic et­iam con­sti­tu­tum est non eo mo­do pu­nien­dos eos, qui lon­go tem­po­re in rea­tu agunt, quam eos qui in re­cen­ti sen­ten­tiam ex­ci­piunt. 1Non pot­est quis sic dam­na­ri, ut de sa­xo prae­ci­pi­te­tur.

25Idem lib. XII. Pandect. Wer lange Zeit im Anklagestande sich befunden hat, dessen Strafe muss einigermaassen erleichtert werden. So ist es auch verordnet worden, dass Diejenigen, welche lange Zeit sich im Anklagestand befunden haben, nicht auf die Weise gestraft werden dürfen, als Die, welche nach kurzer Zeit ihr Urtheil erhalten. 1Es kann Niemand dazu verurtheilt werden, vom Felsen herabgestürzt zu werden.

26Cal­lis­tra­tus li­bro pri­mo de co­gni­tio­ni­bus. Cri­men vel poe­na pa­ter­na nul­lam ma­cu­lam fi­lio in­fli­ge­re pot­est: nam­que unus­quis­que ex suo ad­mis­so sor­ti sub­ici­tur nec alie­ni cri­mi­nis suc­ces­sor con­sti­tui­tur, id­que di­vi fra­tres Hie­rapo­li­ta­nis re­scrip­se­runt.

26Callistrat. lib. I. de cognition. Das Verbrechen oder die Strafe des Vaters kann dem Sohn keinen Makel anhängen. Denn es verfällt ein Jeder seinem Geschick nach seiner That, und Niemand wird Nachfolger eines fremden Verbrechens; dies haben die Kaiserlichen Brüder den Hieropolitanern rescribirt.

27Idem li­bro quin­to de co­gni­tio­ni­bus. Di­vi fra­tres Ar­run­tio Si­lo­ni re­scrip­se­runt non so­le­re prae­si­des pro­vin­cia­rum ea quae pro­nun­tia­ve­runt ip­sos re­scin­de­re. Ve­ti­nae quo­que Ita­li­cen­si re­scrip­se­runt suam mu­ta­re sen­ten­tiam ne­mi­nem pos­se id­que in­so­li­tum es­se fie­ri. si ta­men de se quis men­ti­tus fue­rit vel, cum non ha­be­ret pro­ba­tio­num in­stru­men­ta, quae post­ea rep­pererit, poe­na ad­flic­tus sit, non­nul­la ex­stant prin­ci­pa­lia re­scrip­ta, qui­bus vel poe­na eo­rum mi­nu­ta est vel in in­te­grum re­sti­tu­tio con­ces­sa. sed id dum­ta­xat a prin­ci­pi­bus fie­ri pot­est. 1De de­cu­rio­ni­bus et prin­ci­pa­li­bus ci­vi­ta­tium, qui ca­pi­ta­le ad­mi­se­runt, man­da­tis ca­ve­tur, ut, si quis id ad­mis­sis­se vi­dea­tur, prop­ter quod rele­gan­dus ex­tra pro­vin­ciam in in­su­lam sit, im­pe­ra­to­ri scri­ba­tur ad­iec­ta sen­ten­tia a prae­si­de. 2Alio quo­que ca­pi­te man­da­to­rum in haec ver­ba ca­ve­tur: ‘Si qui ex prin­ci­pa­li­bus ali­cu­ius ci­vi­ta­tis la­tro­ci­nium fe­ce­rint aliud­ve quod fa­ci­nus, ut ca­pi­ta­lem poe­nam me­ruis­se vi­dean­tur, com­mi­se­rint, vinc­tos eos cus­to­dies et mi­hi scri­bes et ad­icies, quid quis­que com­mi­se­rit’.

27Callistrat. lib. V. de cognition. Die Kaiserlichen Brüder haben an Aruntius Silo rescribirt: Die Provinzialpräsidenten pflegen in der Regel die selbstausgesprochenen Erkenntnisse nicht wieder aufzuheben. Auch rescribirten sie an die Italierin Vetina: es könne Niemand sein eigenes Erkenntniss ändern, und es sei dies etwas völlig Ungewöhnliches. Hat jedoch Jemand von sich selbst Unwahrheiten angegeben, oder ist er darum mit der Strafe belegt worden, weil er keine Beweismittel hatte, er hat diese aber nachher aufgefunden, so ist zufolge einiger Kaiserlichen Rescripte, entweder eine Strafminderung, oder Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bewilligt worden; allein das kann nur von Seiten der Kaiser geschehen. 1In Ansehung von Decurionen und der Principalen3232Savigny Geschichte d. R. R. im Mittelalter, Band I. S. 71. f.: Nach der herrschenden Meinung, gab es einen engern Ausschuss unter den Decurionen, die Principalen, um einen gewissen Theil der Geschäfte allein zu führen. Allein diese Meinung ist unrichtig. Zuweilen führt nemlich diesen Titel der erste der Decurionen durch Wahl oder Alter im Dienst; zuweilen sind die Duumvirn gemeint. In andern Stellen werden sie den Decurionen augenscheinlich entgegengesetzt, sodass die decem primi gemeint sind. Dieser Unsicherheit wegen lässt sich dieser Ausdruck meist auf keine bestimmte Bedeutung zurückführen, allein die Ansicht vom engern Ausschuss ist gewiss unrichtig. der Provinzialstädte, die ein Capitalverbrechen begangen haben, wird durch Kaiserliche Mandate vorgeschrieben, dass, wenn es scheine, als habe einer etwas begangen, weshalb er ausserhalb der Provinz auf eine Insel verwiesen werden müsse, der Präsident an den Kaiser mit Beifügung des Erkenntnisses berichten solle. 2In einem andern Hauptstücke der Mandate ist folgende Vorschrift enthalten: wenn einige von den Principalen einer Provinzialstadt einen Strassenraub oder ein anderes Verbrechen begangen haben, sodass sie eine Capitalstrafe verdient zu haben scheinen, so wirst du sie gefesselt verwahren, und mir Bericht erstatten, und hinzufügen, was ein jeder begangen habe.

28Idem li­bro sex­to de co­gni­tio­ni­bus. Ca­pi­ta­lium poe­na­rum fe­re is­ti gra­dus sunt. sum­mum sup­pli­cium es­se vi­de­tur ad fur­cam dam­na­tio. item vi­vi cre­ma­tio: quod quam­quam sum­mi sup­pli­cii ap­pel­la­tio­ne me­ri­to con­ti­ne­re­tur, ta­men eo, quod post­ea id ge­nus poe­nae ad­in­ven­tum est, pos­te­rius pri­mo vi­sum est. item ca­pi­tis am­pu­ta­tio. de­in­de pro­xi­ma mor­ti poe­na me­tal­li co­er­ci­tio. post de­in­de in in­su­lam de­por­ta­tio. 1Ce­te­rae poe­nae ad ex­is­ti­ma­tio­nem, non ad ca­pi­tis pe­ri­cu­lum per­ti­nent, vel­uti rele­ga­tio ad tem­pus, vel in per­pe­tuum, vel in in­su­lam, vel cum in opus quis pu­bli­cum da­tur, vel cum fus­tium ic­tu sub­ici­tur. 2Non om­nes fus­ti­bus cae­di so­lent, sed hi dum­ta­xat qui li­be­ri sunt et qui­dem te­nuio­res ho­mi­nes: ho­nes­tio­res ve­ro fus­ti­bus non sub­iciun­tur, id­que prin­ci­pa­li­bus re­scrip­tis spe­cia­li­ter ex­pri­mi­tur. 3So­lent qui­dam, qui vol­go se iu­ve­nes ap­pel­lant, in qui­bus­dam ci­vi­ta­ti­bus tur­bu­len­tis se ad­cla­ma­tio­ni­bus po­pu­la­rium ac­com­mo­da­re. qui si am­plius ni­hil ad­mi­se­rint nec an­te sint a prae­si­de ad­mo­ni­ti, fus­ti­bus cae­si di­mit­tun­tur aut et­iam spec­ta­cu­lis eis in­ter­di­ci­tur. quod si ita cor­rec­ti in eis­dem de­pre­hen­dan­tur, ex­ilio pu­nien­di sunt, non­num­quam ca­pi­te plec­ten­di, sci­li­cet cum sae­pius sed­itio­se et tur­bu­len­te se ges­se­rint et ali­quo­tiens ad­pre­hen­si trac­ta­ti cle­men­tius in ea­dem te­me­ri­ta­te pro­pos­i­ti per­se­ve­ra­ve­rint. 4Ser­vi cae­si so­lent do­mi­nis red­di. 5Et ut ge­ne­ra­li­ter di­xe­rim, om­nes, qui fus­ti­bus cae­di pro­hi­ben­tur, ean­dem ha­be­re ho­no­ris re­ve­ren­tiam de­bent, quam de­cu­rio­nes ha­bent. est enim in­con­stans di­ce­re eum, quem prin­ci­pa­les con­sti­tu­tio­nes fus­ti­bus sub­ici pro­hi­bue­runt, in me­tal­lum da­ri pos­se. 6Di­vus Ha­d­ria­nus in haec ver­ba re­scrip­sit: ‘In opus me­tal­li ad tem­pus ne­mo dam­na­ri de­bet. sed qui ad tem­pus dam­na­tus est, et­iam­si fa­ciet me­tal­lic­um opus, non in me­tal­lum dam­na­tus es­se in­tel­le­gi de­bet: hu­ius enim li­ber­tas ma­net, quam­diu et­iam hi, qui in per­pe­tuum opus dam­nan­tur’. pro­in­de et mu­lie­res hoc mo­do dam­na­tae li­be­ros pa­riunt. 7Ad sta­tuas con­fu­ge­re vel ima­gi­nes prin­ci­pum in in­iu­riam al­te­rius pro­hi­bi­tum est. cum enim le­ges om­ni­bus ho­mi­ni­bus ae­qua­li­ter se­cu­ri­ta­tem tri­buant, me­ri­to vi­sum est in in­iu­riam po­tius al­te­rius quam sui de­fen­sio­nis gra­tia ad sta­tuas vel ima­gi­nes prin­ci­pum con­fu­ge­re: ni­si si quis ex vin­cu­lis vel cus­to­dia de­ten­tus a po­ten­tio­ri­bus ad hu­ius­mo­di prae­si­dium con­fu­ge­rit: his enim ve­nia tri­buen­da est. ne au­tem ad sta­tuas vel ima­gi­nes quis con­fu­giat, se­na­tus cen­suit: eum­que, qui ima­gi­nem Cae­sa­ris in in­vi­diam al­te­rius prae­tu­lis­set, in vin­cu­la pu­bli­ca co­er­ce­ri di­vus Pius re­scrip­sit. 8Om­nia ad­mis­sa in pa­tro­num pa­tro­ni­ve fi­lium pa­trem pro­pin­quum ma­ri­tum uxo­rem ce­te­ras­que ne­ces­si­tu­di­nes gra­vius vin­di­can­da sunt quam in ex­tra­neos. 9Ve­nena­rii ca­pi­te pu­nien­di sunt aut, si dig­ni­ta­tis re­spec­tum agi opor­tue­rit, de­por­tan­di. 10Gras­sa­to­res, qui prae­dae cau­sa id fa­ciunt, pro­xi­mi la­tro­ni­bus ha­ben­tur. et si cum fer­ro ad­gre­di et spo­lia­re in­sti­tue­runt, ca­pi­te pu­niun­tur, uti­que si sae­pius at­que in iti­ne­ri­bus hoc ad­mi­se­runt: ce­te­ri in me­tal­lum dan­tur vel in in­su­las rele­gan­tur. 11Ig­ni cre­man­tur ple­rum­que ser­vi, qui sa­lu­ti do­mi­no­rum suo­rum in­si­dia­ve­rint, non­num­quam et­iam li­be­ri ple­be­ii et hu­mi­les per­so­nae. 12In­cen­dia­rii ca­pi­te pu­niun­tur, qui ob in­imi­ci­tias vel prae­dae cau­sa in­cen­de­rint in­tra op­pi­dum: et ple­rum­que vi­vi ex­urun­tur. qui ve­ro ca­sam aut vil­lam, ali­quo le­nius. nam for­tui­ta in­cen­dia, si, cum vi­ta­ri pos­sent, per neg­le­gen­tiam eo­rum, apud quos or­ta sunt, dam­no vi­ci­nis fue­runt, ci­vi­li­ter ex­er­cen­tur (ut qui iac­tu­ra ad­fec­tus est, dam­ni dis­cep­tet) vel mo­di­ce vin­di­ca­re­tur. 13In ex­uli­bus gra­dus poe­na­rum con­sti­tu­ti edic­to di­vi Ha­d­ria­ni, ut qui ad tem­pus rele­ga­tus est, si red­eat in in­su­lam rele­ge­tur, qui rele­ga­tus in in­su­lam ex­ces­se­rit, in in­su­lam de­por­te­tur, qui de­por­ta­tus eva­se­rit, ca­pi­te pu­nia­tur. 14Ita et in cus­to­diis gra­dum ser­van­dum es­se idem prin­ceps re­scrip­sit, id est ut, qui in tem­pus dam­na­ti erant, in per­pe­tuum dam­na­ren­tur, qui in per­pe­tuum dam­na­ti erant, in me­tal­lum dam­na­ren­tur, qui in me­tal­lum dam­na­ti id ad­mi­se­rint, sum­mo sup­pli­cio ad­fi­ce­ren­tur. 15Fa­mo­sos la­tro­nes in his lo­cis, ubi gras­sa­ti sunt, fur­ca fi­gen­dos com­plu­ri­bus pla­cuit, ut et con­spec­tu de­ter­rean­tur alii ab is­dem fa­ci­no­ri­bus et so­la­cio sit co­gna­tis et ad­fi­ni­bus in­ter­emp­to­rum eo­dem lo­co poe­na red­di­ta, in quo la­tro­nes ho­mi­ci­dia fe­cis­sent: non­nul­li et­iam ad bes­tias hos dam­na­ve­runt. 16Ma­io­res nos­tri in om­ni sup­pli­cio se­ve­rius ser­vos quam li­be­ros, fa­mo­sos quam in­te­grae fa­mae ho­mi­nes pu­nie­runt.

28Idem lib. VI. de cognition. Folgendes sind die Grade der Civilstrafen: als die schwerste Strafe erscheint die Verurtheilung zum Galgen, ingleichen das Lebendigverbrennen (das zwar mit Recht unter der Benennung der schwersten Strafe begriffen wird, aber darum, weil diese Art von Strafen erst später erfunden worden ist, jünger als die erstere erscheint) und die Enthauptung. Der Todesstrafe zunächst steht die Verurtheilung zu Bergwerksarbeit; hierauf folgt die Deportation auf eine Insel. 1Die übrigen Strafen beziehen sich blos auf den guten Ruf, und bezwecken keine Gefahr des Lebens [in natürlicher oder bürgerlicher Bedeutung], wie z. B. die Verweisung auf Zeit, oder für immer, oder auf eine Insel, oder die Verurtheilung zu öffentlicher Strafarbeit, oder Züchtigung mit Prügeln. 2Mit Prügeln wird nicht Jeder ohne Unterschied gezüchtigt, sondern nur Freie, und zwar Leute niedern Standes; Leute aus höhern Ständen werden den Prügeln nicht unterworfen, und das ist in Kaiserlichen Rescripten ausdrücklich so verordnet worden. 3Leute, die sich gewöhnlich Jünglinge nennen, pflegen in manchen Städten sich zu geräuschvollen Beifallsbezeugungen bei öffentlichen Schauspielen herzugeben; wenn diese nichts weiter begehen und nicht vorher vom Präsidenten gewarnt worden sind, so werden sie mit Prügeln ausgehauen und entlassen; werden sie, nach solchergestalt erlittener Züchtigung, von Neuem dabei betroffen, so müssen sie mit der Verbannung bestraft werden, zuweilen auch mit der Capitalstrafe, nemlich, wenn sie sich öfters aufrührerisch und tumultuirend benommen, und schon ein Mal ergriffen, nachsichtiger behandelt worden, in derselben Verwegenheit ihrer Absichten beharrt haben. 4Sclaven pflegen, nachdem sie ausgeprügelt worden, ihren Herren zurückgegeben zu werden. 5Im Allgemeinen kann man als Regel aufstellen, dass alle Diejenigen, welche mit Prügeln zu züchtigen verboten ist, dieselbe Ehrenbezeugung geniessen müssen, wie die Decurionen; denn es ist die grösste Inconsequenz, dass Derjenige, den die Kaiserlichen Constitutionen mit Prügeln zu züchtigen verboten haben, zu Bergwerksarbeit verurtheilt werden könne. 6Divus Hadrianus hat folgende Worte rescribirt: Zu Bergwerksarbeit kann Niemand auf Zeit verurtheilt werden, sondern, wer auf Zeit verurtheilt worden, der darf, auch wenn er Bergwerksarbeit verrichtet, nicht als zu Bergwerksarbeit verurtheilt angesehen werden; denn diesem verbleibt die Freiheit ebensowohl, als Denen, die nicht zu immerwährender Strafarbeit verurtheilt werden. Daher gebären auf diese Weise verurtheilte Weiber auch Freie. 7Zur Beschimpfung Jemandes zu einer Statue oder einem Bilde des Kaisers seine Zuflucht zu nehmen, ist verboten, denn da die Gesetze allen Menschen gleichmässig Sicherheit versprechen, so hat man mit Recht angenommen, dass Der, welcher die Zuflucht zur Statue oder zum Bilde des Kaisers nimmt, dies vielmehr zur Beschimpfung eines Andern, als zum eigenen Schutz thue, ausser wer, von Mächtigern festgehalten, aus einem Gefangniss, oder Verwahrung zu einem Schutz der Art seine Zuflucht genommen hat; diesen muss Verzeihung ertheilt werden. Dass aber Niemand zu Statuen und Bildern seine Zuflucht nehmen solle, hat der Senat beschlossen; auch hat Divus Pius rescribirt, dass, wer zu eines Andern Schimpf des Kaisers Bild umhergetragen habe, in ein öffentliches Gefängniss gesteckt werden soll. 8Jedes Vergehen wider den Freilasser, des Freilassers Sohn, Vater, Verwandten, Ehemann, Ehefrau und andere engverbundene Personen muss härter bestraft werden, als wider fremde Personen. 9Giftmischer3333Venenarii, s. Duker. l. l. p. 426. müssen mit dem Tode bestraft, oder, wenn die Achtung vor ihrer Würde Rücksichten gebietet, deportirt werden. 10Wegelagerer, die dabei auf Beute ausgehen, werden den Strassenräubern zunächst gehalten, und wenn sie die Absicht haben, mit Waffen anzugreifen und zu plündern, so werden sie mit dem Tode bestraft, nemlich wenn sie es öfter und an Wegen gethan haben; ausserdem werden sie zu Bergwerksarbeit verurtheilt, oder auf Inseln verwiesen. 11Zum Feuertode werden meistens Sclaven verurtheilt, die dem Leben ihrer Herren nachgestellt haben;3434Activform von insidiari, Duker l. l. p. 329. ebenso munerare für munerari l. 6. de bon damnat. zuweilen auch freie Plebejer und Personen niedern Standes. 12Brandstifter werden mit dem Tode bestraft, wenn sie aus Feindschaft oder um Beute zu machen innerhalb einer Stadt Feuer angelegt haben, und werden meistens lebendig verbrannt; wenn aber eine einzelne Hütte oder ein Landhaus, so werden sie gelinder bestraft. Denn zufällig entstandene Feuersbrünste, welche hätten vermieden werden können, und durch die Nachlässigkeit Derer, bei denen sie entstanden, den Nachbarn zum Verderben gereicht haben, werden nur civiliter verfolgt, sodass Der, welcher Schaden gelitten, wegen seines Schadens Klage erheben mag, oder es findet eine gelinde Strafe statt. 13In Ansehung der Verwiesenen, ist die Stufenfolge der Strafe in einem Edicte des Divus Hadrianus bestimmt, sodass, wenn ein auf Zeit Verwiesener [vorher] zurückkehrt, er auf eine Insel verwiesen wird, wer auf eine Insel verwiesen sie verlassen hat, auf eine Insel deportirt wird, wer aber deportirt worden und entflohen ist, Todesstrafe erleidet. 14Dieselbe Stufenfolge hat derselbe Kaiser rescribirt, soll auch auf die Gefangenen angewendet werden, d. h. wer auf Zeit verurtheilt worden war, soll auf immer verurtheilt werden, wer auf immerwährend, zu Bergwerksarbeit, wer zu Bergwerksarbeit verurtheilt dies begangen hat, der wird mit dem Tode bestraft. 15Berichtigte Strassenräuber sollen da, wo sie ihr Wesen getrieben, an den Galgen gehenkt werden, wie die Meisten angenommen haben, damit sowohl Andere durch den Anblick von dergleichen Verbrechen abgeschreckt, als auch den Verwandten und Verschwägerten des Ermordeten dadurch, dass die Strafe an derselben Stelle gebüsst wird, wo die Strassenräuber die Mordthaten begangen haben, ein Trost zu Theil werde; Manche haben sie auch dazu verurtheilt, den wilden Thieren vorgeworfen zu werden. 16Unsere Vorfahren haben bei jeder Strafe Sclaven härter als Freie, und Infamirte schwerer als Leute unbescholtenen Rufes gestraft.

29Gaius li­bro pri­mo ad le­gem Iu­liam et Pa­piam. Qui ul­ti­mo sup­pli­cio dam­nan­tur, sta­tim et ci­vi­ta­tem et li­ber­ta­tem per­dunt. ita­que prae­oc­cu­pat hic ca­sus mor­tem et non­num­quam lon­gum tem­pus oc­cu­pat: quod ac­ci­dit in per­so­nis eo­rum, qui ad bes­tias dam­nan­tur. sae­pe et­iam id­eo ser­va­ri so­lent post dam­na­tio­nem, ut ex his in alios quaes­tio ha­bea­tur.

29Gaj. lib. I. ad leg. Jul. et Pap. Wer zum Tode verurtheilt wird, verliert auf der Stelle Bürgerrecht und Freiheit; dieser Verlust geht daher dem Tode voran, und dauert oft lange Zeit. Es betrifft dies die Personen, welche verurtheilt worden sind, den wilden Thieren vorgeworfen zu werden; zuweilen werden sie auch nach der Verurtheilung zu dem Ende aufbewahrt, damit sie wider Andere zur peinlichen Frage gezogen werden.

30Mo­des­ti­nus li­bro pri­mo de poe­nis. Si quis ali­quid fe­ce­rit, quo le­ves ho­mi­num ani­mi su­per­sti­tio­ne nu­mi­nis ter­ren­tur, di­vus Mar­cus hu­ius­mo­di ho­mi­nes in in­su­lam rele­ga­ri re­scrip­sit.

30Modestin. lib. I. de poen. Wenn Jemand Etwas gethan hat, wodurch leichtsinnige Menschen durch abergläubische Furcht erschreckt werden sollten, so hat der Kaiser Marcus rescribirt, dass Menschen dieser Art auf eine Insel verwiesen werden sollen.

31Idem li­bro ter­tio de poe­nis. Ad bes­tias dam­na­tos fa­vo­re po­pu­li prae­ses di­mit­te­re non de­bet: sed si eius ro­bo­ris vel ar­ti­fi­cii sint, ut dig­ne po­pu­lo Ro­ma­no ex­hi­be­ri pos­sint, prin­ci­pem con­su­le­re de­bet. 1Ex pro­vin­cia au­tem in pro­vin­ciam trans­du­ci dam­na­tos si­ne per­mis­su prin­ci­pis non li­ce­re di­vus Se­ve­rus et An­to­ni­nus re­scrip­se­runt.

31Idem lib. III. de poen. Die den wilden Thieren vorgeworfen zu werden Verurtheilten darf der Präsident durch die Volksgunst bewogen nicht entlassen; sondern wenn sie von solcher Stärke und Gewandtheit sind, dass sie werth sind, dem Römischen Volke vorgeführt3535S. Jac. Lectius l. l. ad h. (l. l. p. 150.) zu werden, so muss er bei dem Kaiser anfragen. 1Aus einer Provinz in die andere dürfen aber die Verurtheilten ohne des Kaisers Erlaubniss nicht übergeführt werden, haben Divus Severus and Antoninus rescribirt.

32Ul­pia­nus li­bro sex­to ad edic­tum. Si prae­ses vel iu­dex ita in­ter­lo­cu­tus sit ‘vim fe­cis­ti’, si qui­dem ex in­ter­dic­to, non erit no­ta­tus nec poe­na le­gis Iu­liae se­que­tur: si ve­ro ex cri­mi­ne, aliud est. quid si non di­stin­xe­rit prae­ses, utrum Iu­lia pu­bli­co­rum an Iu­lia pri­va­to­rum? tunc ex cri­mi­ne erit aes­ti­man­dum. sed si utrius­que le­gis cri­mi­na ob­iec­ta sunt, mi­tior lex, id est pri­va­to­rum erit se­quen­da.

32Ulp. lib. VI. ad Ed. Wenn ein Präsident oder Richter sich so ausgesprochen hat: Du hast gewaltsam gehandelt, so wird er, wenn es im [Verfahren über ein] Interdict gewesen, nicht infamirt werden, noch ihn die Strafe des Julischen Gesetzes treffen, wenn aber in Folge eines Verbrechens, so ist es etwas Anderes. Hat der Präsident den Unterschied nicht ausdrücklich beigefügt, ob nach dem Julischen Gesetze über öffentliche, oder dem Julischen Gesetze über Privatgewaltthätigkeit, so wird es aus [der Beschaffenheit des] Verbrechens abzunehmen sein; wenn aber Jemandem Verbrechen nach beiden Gesetzen zum Vorwurf gemacht worden sind, so wird das gelindere, das über Privatgewaltthätigkeit, zu befolgen sein.

33Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do quaes­tio­num. Fra­tres im­pe­ra­to­res re­scrip­se­runt ser­vos in tem­po­ra­ria vin­cu­la dam­na­tos li­ber­ta­tem et he­redi­ta­tem si­ve le­ga­tum, post­quam tem­pus ex­ple­ve­rint, con­se­qui, quia tem­po­ra­ria co­er­ci­tio, quae de­scen­dit ex sen­ten­tia, poe­nae est ab­oli­tio. si au­tem be­ne­fi­cium li­ber­ta­tis in vin­cu­lis eos in­ve­niat, ra­tio iu­ris et ver­ba con­sti­tu­tio­nis li­ber­ta­ti re­fra­gan­tur. pla­ne si tes­ta­men­to li­ber­tas da­ta sit et eo tem­po­re, quo ad­itur he­redi­tas, tem­pus vin­cu­lo­rum so­lu­tum sit, rec­te ma­nu­mis­sus in­tel­le­ge­tur, non se­cus ac si pig­no­ri da­tum ser­vum de­bi­tor ma­nu­mi­sis­set eius­que post li­be­ra­tum pig­nus ad­ita fuis­set he­redi­tas.

33Papin. lib. II. Quaest. Die Kaiserlichen Brüder haben rescribirt: die zur Tragung von Fesseln verurtheilten Sclaven können, nach Erfüllung ihrer Zeit, Freiheit, Erbschaften und Vermächtnisse erwerben, weil die zeitliche Strafe, die aus dem Urtheil ihren Ursprung nimmt, eine Niederschlagung der Strafe begreift. Wenn die Wohlthat der Freiheit sie aber noch in den Fesseln vorfindet, so stehen rechtlicher Grund und die Worte der Constitution der Freiheit entgegen. Ist jedoch die Freiheit im Testamente ertheilt, und zur Zeit des Erbschaftsantritts die Dauer der Fesseln verflossen, so wird [ein solcher Sclave] ebensowohl rechtlichermaassen als freigelassen betrachtet, wie wenn der Schuldner einen zum Unterpfande bestellten Sclaven freigelassen hätte, und seine Verlassenschaft nach Befreiung des Pfandes angetreten worden wäre.

34Idem li­bro sex­to de­ci­mo re­spon­so­rum. Ser­vus in opus pu­bli­cum per­pe­tuum ac mul­to ma­gis tem­po­ra­rium non da­tur. cum igi­tur per er­ro­rem in opus tem­po­ra­rium fuis­set da­tus, ex­ple­to tem­po­re do­mi­no ser­vum es­se red­den­dum re­spon­di. 1Eos quo­que poe­na de­la­to­ris ex sen­ten­tia se­na­tus con­sul­ti te­ne­ri re­spon­di, qui per sup­po­si­tam per­so­nam de­la­to­ri cau­sam de­de­runt.

34Idem lib. XVI. Resp. Zu immerwährender öffentlicher Strafarbeit wird kein Sclave verurtheilt, und um so weniger zur zeitlichen. Als nun ein solcher irrthümlich zu zeitlicher Strafarbeit verurtheilt worden war, habe ich geantwortet, es müsse der Sclave seinem Herrn nach Ablauf der Zeit zurückgegeben werden. 1Auch Diejenigen, habe ich mich gutachtlich ausgesprochen, werden der Meinung des Senatsbeschlusses zufolge als Angeber bestraft, die durch eine Zwischenperson dem Angeber die Veranlassung gegeben haben,

35Cal­lis­tra­tus li­bro pri­mo quaes­tio­num. Man­da­tis prin­ci­pa­li­bus, quae prae­si­di­bus dan­tur, ca­ve­tur, ne quis per­pe­tuis vin­cu­lis dam­ne­tur: id­que et­iam di­vus Ha­d­ria­nus re­scrip­sit.

35Callistrat. lib. I. Quaest. Durch Kaiserliche an die Präsidenten erlassene Mandate, wird verordnet, dass Niemand zu immerwährendem Gefängniss verurtheilt werden soll; das hat auch Divus Hadrianus rescribirt.

36Her­mo­ge­nia­nus li­bro pri­mo iu­ris epi­to­ma­rum. In me­tal­lum, sed et in mi­nis­te­rium me­tal­li­co­rum dam­na­ti ser­vi ef­fi­ciun­tur, sed poe­nae.

36Hermogen. lib. I. Epit. Die zur Bergwerksarbeit, aber auch zum Dienst in Bergwerken Verurtheilten werden Sclaven, nemlich Strafsclaven.

37Pau­lus li­bro pri­mo sen­ten­tia­rum. In dar­da­na­rios prop­ter fal­sum men­su­ra­rum mo­dum ob uti­li­ta­tem po­pu­la­ris an­no­nae pro mo­do ad­mis­si ex­tra or­di­nem vin­di­ca­ri pla­cuit.

37Paul. lib. I. Sentent. Gegen Aufkäufer hat man wegen falschen Gemässes zum allgemeinen Besten des öffentlichen Kornmarktes nach Maassgabe des Vergehens eine ausserordentliche Strafe angenommen.

38Idem li­bro quin­to sen­ten­tia­rum. Si quis ali­quid ex me­tal­lo prin­ci­pis vel ex mo­ne­ta sa­cra fu­ra­tus sit, poe­na me­tal­li et ex­ilii pu­ni­tur. 1Trans­fu­gae ad hos­tes vel con­si­lio­rum nos­tro­rum re­nun­tia­to­res aut vi­vi ex­urun­tur aut fur­cae sus­pen­dun­tur. 2Ac­to­res sed­itio­nis et tu­mul­tus po­pu­lo con­ci­ta­to pro qua­li­ta­te dig­ni­ta­tis aut in fur­cam tol­lun­tur aut bes­tiis ob­iciun­tur aut in in­su­lam de­por­tan­tur. 3Qui non­dum vi­ri­po­ten­tes vir­gi­nes cor­rum­punt, hu­mi­lio­res in me­tal­lum dam­nan­tur, ho­nes­tio­res in in­su­lam rele­gan­tur aut in ex­ilium mit­tun­tur. 4Qui se suis num­mis red­emp­tum non pro­ba­ve­rit, li­ber­ta­tem pe­te­re non pot­est: am­plius ei­dem do­mi­no sub poe­na vin­cu­lo­rum red­di­tur vel, si ip­se do­mi­nus ma­lit, in me­tal­lum dam­na­tur. 5Qui ab­or­tio­nis aut ama­to­rium po­cu­lum dant, et­si do­lo non fa­ciant, ta­men quia ma­li ex­em­pli res est, hu­mi­lio­res in me­tal­lum, ho­nes­tio­res in in­su­lam amis­sa par­te bo­no­rum rele­gan­tur. quod si eo mu­lier aut ho­mo per­ie­rit, sum­mo sup­pli­cio ad­fi­ciun­tur. 6Tes­ta­men­tum, quod nul­lo iu­re va­let, im­pu­ne sup­pri­mi­tur: ni­hil est enim, quod ex eo aut pe­ta­tur aut con­sis­te­re pos­sit. 7Qui vi­vi tes­ta­men­tum ape­rue­rit re­ci­ta­ve­rit re­sig­na­ve­rit, poe­na Cor­ne­liae te­ne­tur: et ple­rum­que hu­mi­lio­res aut in me­tal­lum dam­nan­tur aut ho­nes­tio­res in in­su­lam de­por­tan­tur. 8Si quis in­stru­men­tum li­tis suae a pro­cu­ra­to­re ad­ver­sa­rio pro­di­tum es­se con­vi­ce­rit, pro­cu­ra­tor si hu­mi­lior sit, in me­tal­lum dam­na­tur, si ho­nes­tior, ad­emp­ta par­te bo­no­rum di­mi­dia in per­pe­tuum rele­ga­tur. 9In­stru­men­ta pe­nes se de­po­si­ta qui­cum­que al­te­ri al­te­ro ab­sen­te red­di­de­rit vel ad­ver­sa­rio pro­di­de­rit: pro­ut per­so­nae con­di­cio est, aut in me­tal­lum dam­na­tur aut in in­su­lam de­por­ta­tur. 10Iu­di­ces pe­da­nei si pe­cu­nia cor­rup­ti di­can­tur, ple­rum­que a prae­si­de aut cu­ria sum­mo­ven­tur aut in ex­ilium mit­tun­tur aut ad tem­pus rele­gan­tur. 11Mi­les, qui ex car­ce­re da­to gla­dio eru­pit, poe­na ca­pi­tis pu­ni­tur. ea­dem poe­na te­ne­tur et qui cum eo, quem cus­to­die­bat, de­se­ruit. 12Mi­les, qui si­bi ma­nus in­tu­lit nec fac­tum per­egit, ni­si in­pa­tien­tia do­lo­ris aut mor­bi luc­tus­ve ali­cu­ius vel alia cau­sa fe­ce­rit, ca­pi­te pu­nien­dus est: alias cum igno­mi­nia mit­ten­dus est.

38Idem lib. V. Sentent. Wer aus den Bergwerken des Kaisers oder von kaiserlichen Gelde etwas gestohlen hat, wird mit der Strafe der Bergwerksarbeit oder der Verbannung gestraft. 1Die Ueberläufer zu den Feinden, oder die Verräther unserer Pläne3636Es ist von denen der Römer im Kriege die Rede. werden entweder lebendig verbrannt, oder am Galgen aufgehängt. 2Die Rädelsführer bei Aufruhr und Tumult, durch die das Volk in Gährung gesetzt worden, werden nach Maassgabe ihrer Würde entweder am Galgen aufgehenkt, oder den wilden Thieren vorgeworfen, oder auf eine Insel deportirt. 3Wer noch nicht mannbare Jungfrauen verführt, wird, wenn er niedern Standes ist, zur Bergwerksarbeit verurtheilt, wenn höhern Ranges aber auf eine Insel verwiesen, oder verbannt. 4Wer nicht nachgewiesen hat, dass er mit seinem eigenen Gelde gekauft worden sei, kann die Freiheit nicht fodern; er wird vielmehr demselben Herrn zurückgegeben unter der Strafe, ihn in Fesseln zu legen, oder, wenn der Herr es vorzieht, zur Bergwerksarbeit verurtheilt. 5Wer einen Trank zur Fehlgeburt oder einen Liebestrank reicht3737S. Marquard. Freher. Παρεργων lib. I. c. 17. (T. O. I. 883.), der wird, wenn er es auch nicht aus Arglist gethan, dennoch des bösen dadurch gegebenen Beispiels wegen, dafern er niedern Standes ist, zur Bergwerksarbeit verurtheilt, wenn höhern Standes, auf eine Insel verwiesen, und verliert die Hälfte seines Vermögens. Ist dadurch eine Frau oder ein Sclave ums Leben gekommen, so werden sie mit der Todesstrafe belegt. 6Ein Testament, das nach keinem Rechte beständig ist, wird ungestraft unterdrückt; denn es giebt nichts, was aus demselben entweder gefodert werden oder bestehen könnte. 7Wer eines noch Lebenden Testament eröffnet, vorgelesen, und wieder zugesiegelt hat, der haftet durch die Strafe des Cornelischen Gesetzes, und es werden Leute niedern Standes meistentheils zu Bergwerksarbeit verurtheilt, oder solche höhern Standes auf eine Insel deportirt. 8Wenn Einer seinen Geschäftsbesorger überführt hat, er habe Urkunden seines Rechtsstreites dem Gegentheil verrathen, so wird er zu Bergwerksarbeit verurtheilt, wenn er niedern Standes ist, wenn höhern, neben Einziehung der Hälfte seines Vermögens, für immer verwiesen. 9Wer hei ihm niedergelegte Urkunden dem Einen in Abwesenheit des Andern herausgegeben, oder dem Gegner verrathen hat, der wird nach Ansehen der Person entweder zu Bergwerksarbeit verurtheilt, oder auf eine Insel deportirt. 10Wenn angegeben wird, es seien die Richter ohne Tribunal3838Judices pedanei. mit Geld bestochen worden, so werden sie meistentheils vom Präsidenten aus der Curie gestossen, oder verbannt, oder auf Zeit verwiesen. 11Der Soldat, der mit einem Schwerte, das ihm gegeben worden, aus dem Gefängniss ausbricht, wird mit dem Tode bestraft. Dieselbe Strafe trifft Den, der Denjenigen, welchen er bewachte, verliess. 12Der Soldat, welcher Hand an sich selbst legt, ohne die That zu vollbringen, wird, wenn er es nicht aus Unerträglichkeit eines Schmerzes, oder einer Krankheit, oder irgend eines Trauerfalls wegen, oder aus einem andern Grunde gethan hat, mit dem Tode bestraft, ausserdem muss er mit Schimpf entlassen werden.

39Try­pho­ni­nus li­bro de­ci­mo dis­pu­ta­tio­num. Ci­ce­ro in ora­tio­ne pro Cluen­tio Ha­bi­to scrip­sit Mi­le­siam quan­dam mu­lie­rem, cum es­set in Asia, quod ab he­redi­bus se­cun­dis ac­cep­ta pe­cu­nia par­tum si­bi me­di­ca­men­tis ip­sa ab­egis­set, rei ca­pi­ta­lis es­se dam­na­tam. sed et si qua vis­ce­ri­bus suis post di­vor­tium, quod prae­gnas fuit, vim in­tu­le­rit, ne iam in­imi­co ma­ri­to fi­lium pro­crea­ret, ut tem­po­ra­li ex­ilio co­er­cea­tur, ab op­ti­mis im­pe­ra­to­ri­bus nos­tris re­scrip­tum est.

39Tryphon. lib. X. Disput. Cicero hat in der Rede für den Cluentius Avitus also gesagt: es sei eine gewisse Milesierin, während er in Asien gewesen, darum wegen Capitalverbrechens verurtheilt worden, weil sie gegen Empfang von Geld vom zweiten Erben3939Substituirten. sich die Leibesfrucht durch Arzneien abgetrieben habe. Auch wenn Eine nach der Ehescheidung ihrer Leibesfrucht Gewalt angethan habe, weil sie schwanger gewesen, um dem Ehemanne, ihrem nunmehrigen Feinde, keinen Sohn zu gebähren, haben unsere verehrungswürdigsten Kaiser rescribirt, solle sie mit zeitlicher Verbannung bestraft werden.

40Pau­lus li­bro ter­tio de­cre­to­rum. Me­tro­do­rum, cum hos­tem fu­gien­tem sciens sus­ce­pe­rit, in in­su­lam de­por­ta­ri, Phi­loc­te­ten, quod oc­cul­ta­ri eum non igno­rans diu dis­si­mu­la­ve­rit, in in­su­lam rele­ga­ri pla­cet.

40Paul. lib. III. Decret. Den Metrodorus, der wissentlich einen fliehenden Feind aufgenommen hatte, fand man für gut, auf eine Insel zu deportiren, den Philoctetes, der einen solchen nicht unwissentlich verborgen zu haben lange Zeit leugnete, auf eine Insel zu verweisen4040S. Cujac. ad l. 8. D. qui test. facere poss. Opp. T. II. p. 207. Fernand. de Retes ad tit. de int. et releg. Lib. I. c. 2. (T. O. V. p. 1196.).

41Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do de­fi­ni­tio­num. Sanc­tio le­gum, quae no­vis­si­me cer­tam poe­nam ir­ro­gat his, qui prae­cep­tis le­gis non ob­tem­pe­ra­ve­rint, ad eas spe­cies per­ti­ne­re non vi­de­tur, qui­bus ip­sa le­ge poe­na spe­cia­li­ter ad­di­ta est. nec amb­igi­tur in ce­te­ro om­ni iu­re spe­ciem ge­ne­ri de­ro­ga­re, nec sa­ne ve­ri­si­mi­le est de­lic­tum unum ea­dem le­ge va­riis aes­ti­ma­tio­ni­bus co­er­ce­ri.

41Papin. lib. II. Defin. Die Sanction4141Bekanntlich der Schlusstheil jeden Gesetzes. eines Gesetzes, welche zuletzt Denen eine bestimmte Strafe auferlegt hat, die den Vorschriften des Gesetzes nicht gehorcht haben, scheint nicht auf diejenigen Fälle Rücksicht zu nehmen, für welche durch das Gesetz selbst ausdrücklich eine Strafe vorgeschrieben worden ist; es wird auch nirgends bezweifelt, dass im übrigen gesammten Rechte die Art der Gattung derogire4242D. h. die specielle Vorschrift der generellen.. Es ist auch wahrlich ganz unwahrscheinlich, dass ein Verbrechen in demselben Gesetze nach verschiedenen Ansichten gestraft werden solle.

42Her­mo­ge­nia­nus li­bro pri­mo epi­to­ma­rum. In­ter­pre­ta­tio­ne le­gum poe­nae mol­lien­dae sunt po­tius quam as­pe­ran­dae.

42Hermogen. lib. I. Epit. Durch die Auslegung der Gesetze müssen die Strafen vielmehr gemildert, als verschärft werden.

43Pau­lus li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Im­pe­ra­tor An­to­ni­nus Aure­lio Ati­lia­no re­scrip­sit: ‘Prae­ses ul­tra ad­mi­nis­tra­tio­nis suae tem­pus in­ter­di­ce­re ali­cui ar­te sua uti non pot­est’. 1Idem re­spon­dit eum, qui suo ad­mis­so de­cu­rio­num ho­no­rem amis­it, non pos­se in poe­nis evi­tan­dis de­cu­rio­nis fi­lii ho­no­rem vin­di­ca­re.

43Paul. lib. I. Respons. Der Kaiser Antoninus hat an Aurelius Atilianus rescribirt: Der Präsident kann über die Zeit seiner Verwaltung Niemandem die Ausübung seiner Kunst untersagen. 1Derselbe hat rescribirt, wer durch eigene Schuld den Decurionenrang verloren habe, könne zur Vermeidung von Strafen nicht den Decurionenrang seines Sohnes in Anspruch nehmen.