Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 50 übersetzt von Treitschke (Titel 1–15) und Schneider (Titel 16/17)
Dig. L12,
De pollicitationibus
Liber quinquagesimus
XII.

De pollicitationibus

(Von Verheissungen.)

1Ul­pia­nus li­bro sin­gu­la­ri de of­fi­cio cu­ra­to­ris rei pu­bli­cae. Si pol­li­ci­tus quis fue­rit rei pu­bli­cae opus se fac­tu­rum vel pe­cu­niam da­tu­rum, in usu­ras non con­ve­nie­tur: sed si mo­ram coe­pe­rit fa­ce­re, usu­rae ac­ce­dunt, ut im­pe­ra­tor nos­ter cum di­vo pa­tre suo re­scrip­sit. 1Non sem­per au­tem ob­li­ga­ri eum, qui pol­li­ci­tus est, scien­dum est. si qui­dem ob ho­no­rem pro­mi­se­rit de­cre­tum si­bi vel de­cer­nen­dum vel ob aliam ius­tam cau­sam, te­ne­bi­tur ex pol­li­ci­ta­tio­ne: sin ve­ro si­ne cau­sa pro­mi­se­rit, non erit ob­li­ga­tus. et ita mul­tis con­sti­tu­tio­ni­bus et ve­te­ri­bus et no­vis con­ti­ne­tur. 2Item si si­ne cau­sa pro­mi­se­rit, coe­pe­rit ta­men fa­ce­re, ob­li­ga­tus est qui coe­pit. 3Coe­pis­se sic ac­ci­pi­mus, si fun­d­amen­ta ie­cit vel lo­cum pur­ga­vit. sed et si lo­cus il­li pe­ten­ti de­sti­na­tus est, ma­gis est, ut coe­pis­se vi­dea­tur. item si ap­pa­ra­tum si­ve im­pen­sam in pu­bli­co po­suit. 4Sed si non ip­se coe­pit, sed cum cer­tam pe­cu­niam pro­mi­sis­set ad opus rei pu­bli­cae con­tem­pla­tio­ne pe­cu­niae coe­pit opus fa­ce­re: te­ne­bi­tur qua­si coep­to ope­re. 5De­ni­que cum co­lum­nas qui­dam pro­mi­sis­set, im­pe­ra­tor nos­ter cum di­vo pa­tre suo ita re­scrip­sit: ‘Qui non ex cau­sa pe­cu­niam rei pu­bli­cae pol­li­cen­tur, li­be­ra­li­ta­tem per­fi­ce­re non co­gun­tur. sed si co­lum­nas Ci­tien­si­bus pro­mi­sis­ti et opus ea ra­tio­ne sump­ti­bus ci­vi­ta­tis vel pri­va­to­rum in­choa­tum est, de­se­ri quod ges­tum est non opor­tet’. 6Si quis opus quod per­fe­cit ad­sig­na­vit, de­in­de id for­tui­to ca­su ali­quid pas­sum sit, pe­ri­cu­lum ad eum qui fe­cit non per­ti­ne­re im­pe­ra­tor nos­ter re­scrip­sit.

1Ulp. lib. sing. de off. curat. reipubl. Wenn Jemand verheissen hat, dem Gemeinwesen einen Bau auszuführen oder Geld zu schenken, so soll er nicht auf Zinsen belangt werden. Lässt er sich aber Verzug zu Schulden kommen, so erwachsen auch Zinsen, wie unser Kaiser11Caracalla. mit seinem erlauchten Vater rescribirt hat. 1Es ist aber zu merken, dass Der, welcher Etwas verheissen hat, nicht allemal verpflichtet ist; hat er aber wegen einer ihm zuerkannten oder zuzuerkennenden Ehrenstelle oder sonst aus einer angemessenen Ursache22S. fr. 4. 7. h. t. versprochen, so ist er an seine Verheissung gebunden; hingegenfalls er ohne Ursache versprochen hat, so ist er nicht verbindlich, und dieses ist in vielen, alten sowohl als neuen, Verordnungen enthalten. 2So auch wenn er zwar ohne Ursache versprochen, aber die Ausführung schon begonnen hat, so ist er vermöge des Beginnens verpflichtet. 3Unter dem Beginnen wird verstanden, dass er den Grund33Zu einem verheissenen Gebäude. gelegt oder den Platz gesäubert hat. Aber auch wenn ihm auf sein Bitten ein Platz angewiesen worden ist, muss dies richtiger als ein Beginnen gelten. Ebenso wenn er die Zurüstung oder die Kosten der Gemeinde übergeben hat. 4Hat er auch nicht selbst begonnen, aber nachdem er der Gemeinde eine gewisse Summe zu einem Bau versprochen hatte, [diese] das Werk angefangen, so ist er als wegen begonnenen Werkes gehalten. 5So zum Beispiel44Denique. S. Note. 53. hat unser Kaiser mit seinem erlauchten Vater, als Jemand Säulen zu errichten versprochen hatte, rescribirt: Wer nicht aus einer Ursache dem Gemeinwesen Geld verheisst, wird zu Ausführung solcher Freigebigkeit nicht gezwungen. Hast du aber Denen von Citium55Stadt an der Südküste von Cypern. Säulen versprochen und es ist in Rücksicht darauf das Werk auf Kosten der Stadt oder von Privatleuten begonnen worden, so darf das einmal angefangene nicht liegen bleiben. 6Wenn Jemand ein vollendetes Werk [der Gemeinde] angewiesen hat, und dieses nachher zufällig Schaden leidet, so hat er, nach einem Rescripte unsers Kaisers, denselben nicht zu tragen.

2Idem li­bro pri­mo dis­pu­ta­tio­num. Si quis rem ali­quam vo­ve­rit, vo­to ob­li­ga­tur. quae res per­so­nam vo­ven­tis, non rem quae vo­ve­tur ob­li­gat. res enim, quae vo­ve­tur, so­lu­ta qui­dem li­be­rat vo­ta, ip­sa ve­ro sa­cra non ef­fi­ci­tur. 1Vo­to au­tem pa­tres fa­mi­lia­rum ob­li­gan­tur pu­be­res sui iu­ris: fi­lius enim fa­mi­lias vel ser­vus si­ne pa­tris do­mi­ni­ve auc­to­ri­ta­te vo­to non ob­li­gan­tur. 2Si de­ci­mam quis bo­no­rum vo­vit, de­ci­ma non prius es­se in bo­nis de­si­nit, quam fue­rit se­pa­ra­ta. et si for­te qui de­ci­mam vo­vit de­ces­se­rit an­te se­po­si­tio­nem, he­res ip­sius he­redi­ta­rio no­mi­ne de­ci­mae ob­stric­tus est: vo­ti enim ob­li­ga­tio­nem ad he­redem trans­ire con­stat.

2Idem lib. I. Disput. Wenn Jemand eine Sache gelobt (voverit), so ist er an das Gelübde gebunden. Dadurch wird aber die Person des Gelobenden, nicht die gelobte Sache verhaftet66Weil die Pollicitation ohne solche Verordnung gar nichts hätte gelten können.; denn die gelobte Sache löst zwar durch die Uebergabe das Gelübde, wird aber [vor derselben] nicht heilig. 1Durch Gelübde werden [nur] mündige Hansväter [oder] Selbmündige (patresfamiliarum sui juris) verpflichtet; denn ein Haussohn oder Sclave wird ohne Vollwort des Vaters oder Herrn durch ein Gelübde nicht verpflichtet. 2Hat Jemand den zehnten Theil seines Vermögens gelobt, so hört solches Zehntheil nicht eher auf, zu seinem Vermögen zu gehören, als bis es davon getrennt ist, und wenn Der, welcher das Zehntheil gelobt hat, etwa vor der Absonderung stirbt, so ist sein Erbe als solcher wegen dieses Zehntheils verpflichtet; denn es ist bekannt, dass die Verbindlichkeit aus einem Gelüdde auf die Erben übergeht.

3Idem li­bro quar­to dis­pu­ta­tio­num. Pac­tum est duo­rum con­sen­sus at­que con­ven­tio, pol­li­ci­ta­tio ve­ro of­fe­ren­tis so­lius pro­mis­sum. et id­eo il­lud est con­sti­tu­tum, ut, si ob ho­no­rem pol­li­ci­ta­tio fue­rit fac­ta, qua­si de­bi­tum ex­iga­tur. sed et coep­tum opus, li­cet non ob ho­no­rem pro­mis­sum, per­fi­ce­re pro­mis­sor eo co­ge­tur, et est con­sti­tu­tum. 1Si quis quam ex pol­li­ci­ta­tio­ne tra­di­de­rat rem mu­ni­ci­pi­bus vin­di­ca­re ve­lit, re­pel­len­dus est a pe­ti­tio­ne: ae­quis­si­mum est enim hu­ius­mo­di vo­lun­ta­tes in ci­vi­ta­tes col­la­tas pae­ni­ten­tia non re­vo­ca­ri. sed et si de­sie­rint mu­ni­ci­pes pos­si­de­re, di­cen­dum erit ac­tio­nem eis con­ce­den­dam.

3Idem lib. IV. Disput. Ein Vertrag ist Einwilligung und Uebereinkunft Zweier, eine Verheissung aber Versprechen des Darbringenden allein, und deshalb77Weil die Pollicitation ohne solche Verordnung gar nichts hätte gelten können. ist verordnet, dass eine Verheissung eingefodert werden kann, wenn sie wegen einer Ehrenstelle geschehen ist. Aber auch ein angefangenes Werk muss der Versprecher vollenden, wenngleich es nicht wegen einer Ehrenstelle versprochen worden, und so ist verordnet. 1Sollte Jemand eine Sache, die er der Gemeinde eines Municipiums zufolge einer Verheissung übergeben hat, dinglich zurückfodern (vindicare) wollen, so ist er mit der Klage abzuweisen; denn es ist höchst billig, dass dergleichen den Städten gemachte Verwilligungen nicht widerrufen werden. Aber auch eine Klage wird, wenn die Gemeinde des Besitzes entsetzt ist, ihr nicht verweigert werden können.

4Mar­cia­nus li­bro ter­tio in­sti­tu­tio­num. Prop­ter in­cen­dium vel ter­rae mo­tum vel ali­quam rui­nam, quae rei pu­bli­cae con­tin­git, si quis pro­mi­se­rit, te­ne­tur.

4Marcian. lib. III. Inst. Wenn Jemand wegen einer Feuersbrunst, oder eines Erdbebens, oder irgend eines Einsturzes, der das Gemeinwesen getroffen hatte, versprochen hat, so ist er gehalten.

5Ul­pia­nus li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Ch­a­ri­demo re­spon­dit ex epis­tu­la, quam mu­ne­ris eden­di gra­tia ab­sens quis emi­sit, com­pel­li eum ad edi­tio­nem non pos­se.

5Ulp. lib. I. Respons. hat dem Charidemus geantwortet: Aus einem Briefe, den Jemand während seiner Abwesenheit wegen eines zu gebenden öffentlichen Festes erlassen hat, könne er zu Veranstaltung desselben nicht angehalten werden.

6Idem li­bro quin­to de of­fi­cio pro­con­su­lis. To­tiens lo­cum ha­bet de­mi­nutio pol­li­ci­ta­tio­nis in per­so­na he­redis, quo­tiens non est pol­li­ci­ta­tio ob ho­no­rem fac­ta. ce­te­rum si ob ho­no­rem fac­ta sit, ae­ris alie­ni lo­co ha­be­tur et in he­redum per­so­na non mi­nui­tur. 1Si quis pe­cu­niam ob ho­no­rem pro­mi­se­rit coe­pe­rit­que sol­ve­re, eum de­be­re qua­si coep­to ope­re im­pe­ra­tor nos­ter An­to­ni­nus re­scrip­sit. 2Non tan­tum mas­cu­los, sed et­iam fe­mi­nas, si quid ob ho­no­res pol­li­ci­ta­tae sunt, de­be­re im­ple­re scien­dum est: et ita re­scrip­to im­pe­ra­to­ris nos­tri et di­vi pa­tris eius con­ti­ne­tur. 3Si cui res pu­bli­ca ne­ces­si­ta­tem im­po­sue­rit sta­tua­rum prin­ci­pi po­nen­da­rum, qui non pro­mi­sit, non es­se ei ne­ces­se ob­tem­pe­ra­re re­scrip­tis im­pe­ra­to­ris nos­tri et di­vi pa­tris eius con­ti­ne­tur.

6Idem lib. V. de off. Procons. Verminderung88S. fr. 9. h. t. einer Verheissung auf Seiten des Erben hat dann statt, wenn es keine wegen einer Ehrenstelle gemachte Verheissung ist; ist sie aber wegen einer Ehrenstelle gethan, so gilt sie als eine Schuld und wird auf Seiten der Erben nicht vermindert. 1Ad Dig. 50,12,6,1Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. II, § 304, Note 8.Hat Jemand wegen einer Ehrenstelle Geld versprochen und zu bezahlen angefangen, so ist er, wie unser Kaiser Antoninus99Caracalla. rescribirt hat, so gut als ob ein Werk1010Wozu er verheissen hätte. angefangen worden wäre, verpflichtet. 2Es ist zu merken, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen, wenn sie wegen Ehrenstellen1111Für ihre Gatten oder Verwandten. Etwas verheissen haben, solches erfüllen müssen; dieses ist in Rescripten unsers Kaisers und seines erlauchten Vaters enthalten. 3Wenn eine Gemeinde Jemandem, der es nicht versprochen hat, auferlegt, dem Fürsten Standbilder zu setzen, so braucht er, wie Rescripte unsers Kaisers und seines erlauchten Vaters besagen, nicht zu gehorchen.

7Pau­lus li­bro pri­mo de of­fi­cio pro­con­su­lis. Ob ca­sum, quem ci­vi­tas pas­sa est, si quis pro­mi­se­rit se quid fac­tu­rum: et­si non in­choa­ve­rit, om­ni­mo­do te­ne­tur, ut di­vus Se­ve­rus Dio­ni re­scrip­sit.

7Paul. lib. I. de off. Procons. Wenn Jemand wegen eines Unglücks, das die Stadt betroffen hat, versprochen hat Etwas zu thun, so ist er, wenn er gleich noch nicht angefangen hat1212Fr. 1. §. 2. h. t., schlechterdings verpflichtet, wie der verstorbene Kaiser Severus an den Dion rescribirt hat.

8Ul­pia­nus li­bro ter­tio de of­fi­cio con­su­lis. De pol­li­ci­ta­tio­ni­bus in ci­vi­ta­tem fac­tis iu­di­cum co­gni­tio­nem es­se di­vi fra­tres Fla­vio Cel­so in haec ver­ba re­scrip­se­runt: ‘Pro­be fa­ciet Sta­tius Ru­fi­nus, si opus pro­scae­ni, quod se Ga­bi­nis ex­struc­tu­rum pro­mi­sit, quod tan­dem ad­gres­sus fue­rat, per­fi­ciat. nam et­si ad­ver­sa for­tu­na usus in tri­en­nio a prae­fec­to ur­bis rele­ga­tus es­set, ta­men gra­tiam mu­ne­ris, quod spon­te op­tu­lit, mi­nue­re non de­bet, cum et ab­sens per ami­cum per­fi­ce­re opus is­tud pos­sit. quod si de­trec­tat, ac­to­res con­sti­tu­ti, qui le­gi­ti­me pro ci­vi­ta­te age­re pos­sint, no­mi­ne pu­bli­co ad­ire ad­ver­sus eum iu­di­ces pot­erunt: qui cum pri­mum po­tue­rint, prius­quam in ex­ilium pro­fi­cis­ca­tur, co­gnos­cent et, si opus per­fi­ci ab eo de­be­re con­sti­tue­rint, ob­oe­di­re eum rei pu­bli­cae ob hanc cau­sam iu­be­bunt, aut pro­hi­be­bunt dis­tra­hi fun­dum, quem in ter­ri­to­rio Ga­bi­nio­rum ha­bet’.

8Idem lib. III. de off. Cons. Dass Verheissungen, an eine Stadt geleistet, von den Richtern beurtheilt werden müssen, haben die kaiserlichen Brüder1313S. o. Note 11. an den Flavius Celsus in folgenden Worten rescribirt. Statius Rufinus wird rechtschaffen handeln, wenn er den Bau der Schaubühne (proscenium)1414Scena hiess die Hinterwand des Theaters, woran die veränderlichen Decorationen und die drei Eingänge; davor befand sich das Proscenium (λογεῖον), worauf gespielt wurde, und welches weggenommen werden konnte, was geschah, wenn das Theater zu Versammlungen oder sonst andern Zwecken als dramatischen Darstellungen gebraucht werden sollte., die er denen von Gabii1515Bekannte Stadt in Latium, zwischen Rom und Präneste. zu bauen versprochen und endlich begonnen hat, vollendet. Denn wenn er schon das Unglück gehabt hat, vom Präfect der Stadt [Rom] auf drei Jahre verwiesen zu werden, so darf er doch das freiwillig dargebotene Geschenk nicht verkürzen, da er diesen Bau auch abwesend durch einen Freund zu Ende bringen kann. Weigert er sich, so mögen zu gesetzlicher Vertretung der Stadt bestellte Anwälte wider ihn im Namen des Gemeinwesens die Richter angehen, welche sobald als möglich, ehe er in die Verbannung geht, die Sache zu untersuchen und falls sie in Gewissheit gesetzt haben, dass er den Bau vollenden müsse, ihm Gehorsam hierin zum Besten des Gemeinwesens aufzuerlegen oder die Veräusserung des Grundstücks, welches er in dem Stadtgebiete von Gabii hat, zu verbieten haben.

9Mo­des­ti­nus li­bro quar­to dif­fe­ren­tia­rum. Ex pol­li­ci­ta­tio­ne, quam quis ob ho­no­rem apud rem pu­bli­cam fe­cit, ip­sum qui­dem om­ni­mo­do in so­li­dum te­ne­ri: he­redem ve­ro eius ob ho­no­rem qui­dem fac­ta pro­mis­sio­ne in so­li­dum, ob id ve­ro, quod opus pro­mis­sum coep­tum est, si bo­na li­be­ra­li­ta­ti sol­ven­do non fue­rint, ex­tra­neum he­redem in quin­tam par­tem pa­tri­mo­nii de­func­ti, li­be­ros in de­ci­mam te­ne­ri di­vi Se­ve­rus et An­to­ni­nus re­scrip­se­runt. sed et ip­sum do­na­to­rem pau­pe­rem fac­tum ex pro­mis­sio­ne ope­ris coep­ti quin­tam par­tem pa­tri­mo­nii sui de­be­re di­vus Pius con­sti­tuit.

9Ad Dig. 50,12,9Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. II, § 304, Note 8.Modestin. lib. IV. Different. Die Kaiser Severus und Antoninus haben rescribirt, dass zwar aus einer Verheissung, die Jemand wegen einer Ehrenstelle bei dem Gemeinwesen gethan hat, er selbst schlechterdings aufs Ganze gehalten sei, auch sein Erbe, wegen eines in Hinsicht auf eine Ehrenstelle gegebenen Versprechens, ebenfalls aufs Ganze1616Bekannte Stadt in Latium, zwischen Rom und Präneste., hingegen deshalb, weil ein versprochener Bau angefangen ist1717S. fr. 1. §. 2. h. t., bei Unzulänglichkeit des Nachlasses zu dem Geschenk ein fremder Erbe bis auf den fünften Theil des Vermögens des Erblassers, Kinder bis auf den zehnten Theil desselben gehalten seien1818Dies war schon von M. Aurelius verordnet. Fr. 14. h. t.. Aber auch dass der Schenker selbst, wenn er verarmt ist, aus dem Versprechen eines Werkes, das er schon angefangen hat, [nur] den fünften Theil seines Vermögens schulde, hat Kaiser Pius verordnet.

10Idem li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Sep­ti­cia cer­ta­men pa­triae suae pol­li­cen­do sub hac con­di­cio­ne pol­li­ci­ta est, uti sors apud eam re­ma­neat et ip­sa usu­ras sem­is­sa­les ad prae­mia cer­tan­tium resol­vat, in haec ver­ba: ‘Φιλοτιμοῦμαι καὶ καθιερῶ ἀγῶνα τετραετηρικὸν ἀπὸ μυριάδων τριῶν, τὸ τοῦ κεφαλαίου αὐτὴ κατέχουσα ἀργύριον καὶ ἀσφαλιζομένη παρὰ τοῖς δεκαπρώτοις ἀξιοχρέως ἐπὶ τῷ τελεῖν με τὸν ἐξ ἔθους τριῶν μυριάδων τόκον, ἀγωνοθετοῦντος καὶ προκαθεζομένου τοῦ ἀνδρός μου, ἐπ’ αὖθις δὲ τῶν ἐξ ἐμοῦ γεννηθησομένων τέκνων. χωρήσει δὲ ὁ τόκος εἰς τὰ ἆθλα τῶν θυμελικῶν, καθὼς ἂν ἐφ’ ἑκάστου ἀθλήματος ἡ βουλὴ ὁρίσῃ’. quae­ro, an pos­sunt in­iu­riam pa­ti fi­lii Sep­ti­ciae, quo mi­nus ip­si prae­si­de­rent cer­ta­mi­ni se­cun­dum ver­ba con­di­cio­nem­que pol­li­ci­ta­tio­nis. He­ren­nius Mo­des­ti­nus re­spon­dit, quo ca­su cer­ta­mi­nis edi­tio li­ci­ta est, for­mam pol­li­ci­ta­tio­ni da­tam ser­van­dam es­se.

10Idem lib. I. Respons. Septicia hatte ihrer Vaterstadt einen Wettkampf verheissen und die Verheissung an die Bedingung geknüpft, dass das Capital in ihren Händen bleiben, und sie davon ein halb Procent1919S. o. Note 223. Zinsen zu den Preisen der Wettkämpfer auszahlen sollte, mit folgenden Worten: Φιλοτιμοῦμαι καὶ καθιερῶ ἀγῶνα τετραετηρικὸν ἀπὸ μυρίαδων τριῶν, τὸ τοῦ κεφαλαίου αὐτὴ κατέχουσα ἀργύριον, καὶ ἀσφαλιζομένη παρὰ τοῖς δεκαπρώτοις2020Fr. 1. §. 1., fr. 3. §. 10. de mun. et hon. 50. 4. ἀξιοχρέως ἐπὶ τῷ τελεῖν με τὸν ἐξ ἔθους τριῶν μυριάδων τόκον, ἀγωνοθετοῦντος καὶ προκαθεζομένου τοῦ ἀνδρός μου, ἐπαῦθις δὲ τῶν ἐξ ἐμοῦ γεννηθησομένων τέκνων. Χωρήσει δὲ ὁ τόκος εἰς τὰ ἄθλα τῶν θυμελικῶν,2121Vgl. fr. 4. pr. de his qui not. inf. 3. 2. καθὼς ἂν ἐφ᾿ ἑκάστου ἀθλήματος ἡ βουλή ὁρίση.2222Ich verehre und stifte mit dreissigtausend einen alle vier Jahre zu haltenden Wettkampf, sodass ich das Geld des Capitals selbst an mir behalte und bei den ersten Zehnmännern für die Zahlung der üblichen Zinsen von dreissigtausend ausreichende Sicherheit bestelle, und dass mein Ehegatte das Kampfspiel leite und ihm vorsitze, nach ihm aber die Kinder, die ich zur Welt bringen werde. Diese Zinsen sollen aber zu den Preisen der Kämpfer um die Thymele verwendet werden, sowie der Rathe wegen eines jeden Kampfspieles festsetzen wird. Ich frage nun: ob die Söhne der Septicia zurückgesetzt werden dürfen, dass sie nicht, nach den Worten und der Bedingung der Stiftung (pollicitatio) beim Kampfspiele den Vorsitz führen? Herennius Modestinus hat geantwortet: dafern die Feier des Kampfspieles erlaubt ist, muss die der Stiftung gegebene Maasse beobachtet werden.

11Idem li­bro no­no pan­dec­ta­rum. Si quis ob ho­no­rem vel sa­cer­do­tium pe­cu­niam pro­mi­se­rit et an­te­quam ho­no­rem vel ma­gis­tra­tum in­eat, de­ce­det, non opor­te­re he­redes eius con­ve­ni­ri in pe­cu­niam, quam is ob ho­no­rem vel ma­gis­tra­tum pro­mi­se­rat, prin­ci­pa­li­bus con­sti­tu­tio­ni­bus ca­ve­tur, ni­si for­te ab eo vel ab ip­sa re pu­bli­ca eo vi­vo opus fue­rit in­choa­tum.

11Modestin. lib. IX. Pandect. Wenn Jemand wegen einer Ehrenstelle oder eines Priesteramtes Geld versprochen hat und vor Antritt solcher Ehrenstelle oder solchen Amtes mit Tode abgeht, so darf nach Inhalt kaiserlicher Verordnungen das Geld, welches er deshalb versprochen, wider seine Erben nicht eingeklagt werden, es müsste denn das Werk bei seinen Lebzeiten entweder von ihm selbst oder von der Gemeinde2323Fr. 1. §. 4. h. t. angefangen worden sein.

12Idem li­bro un­de­ci­mo pan­dec­ta­rum. In pri­va­tis ope­ri­bus in­vi­tis his qui fe­ce­runt sta­tuas aliis po­ne­re non pos­su­mus, ut re­scrip­to di­vi Se­ve­ri con­ti­ne­tur. 1Cum qui­dam, ne ho­no­ri­bus fun­ge­re­tur, opus pro­mi­sis­set: ho­no­res sub­ire co­gen­dum quam ope­ris in­struc­tio­nem di­vus An­to­ni­nus re­scrip­sit.

12Idem lib. XI. Pandect. Auf Privatgebäuden darf man wider Willen Derer, die sie errichtet haben, Andern keine Bildsäulen setzen, wie ein Rescript Kaisers Severus besagt. 1Da Jemand, um keine Ehrenstellen zu verwalten, einen Bau versprochen hatte, rescribirte Kaiser Antoninus, dass er sowohl zu Uebernahme der Stellen, als auch zur Aufführung des Baues zu zwingen sei.

13Pa­pi­rius Ius­tus li­bro se­cun­do de con­sti­tu­tio­ni­bus. Im­pe­ra­to­res An­to­ni­nus et Ve­rus Au­gus­ti re­scrip­se­runt ope­ra ex­strue­re de­be­re eos, qui pro ho­no­re pol­li­ci­ti sunt, non pe­cu­nias pro his in­fer­re co­gi. 1Item re­scrip­se­runt con­di­cio­nes do­na­tio­ni­bus ad­po­si­tas, quae in rem pu­bli­cam fiunt, ita de­mum ra­tas es­se, si uti­li­ta­tis pu­bli­cae in­ter­est: quod si dam­no­sae sint, ob­ser­va­ri non de­be­re. et id­eo non ob­ser­van­dum, quod de­func­tus cer­ta sum­ma le­ga­ta ve­tuit vec­ti­gal ex­er­ce­ri. es­se enim to­le­ra­bi­lia, quae ve­tus con­sue­tu­do com­pro­bat.

13Papir. Just. lib. II. de constitut. Die Kaiser Antoninus und Verus haben rescribirt: Wer wegen einer Ehrenstelle einen Bau versprochen habe, müsse ihn [selbst] aufführen und dürfe nicht genöthigt werden, das Geld dazu herzugeben. 1Ferner haben sie rescribirt: Bedingungen, die bei Schenkungen, welche dem Gemeinwesen geschehen, gemacht worden, gelten nur insofern, als sie zum gemeinen Besten2424D. h. dass sie wenigstens nicht schaden und also der Nutzen der Schenkung durch sie nicht aufgehoben wird. Unschädliche müssen gehalten werden nach fr. 10. h. t. dienen; seien sie hingegen schädlich, so dürfen sie nicht gehalten werden; daher dürfe man dem Verbote eines Erblassers, der eine gewisse Summe vermacht und dagegen die Zollpachtungen2525Für Rechnungen des Gemeinwesens? untersagt hatte, nicht Folge leisten; denn was auf altes Herkommen sich gründe, sei erträglich.

14Pom­po­nius li­bro sex­to epis­tu­la­rum et va­ria­rum lec­tio­num. Si quis sui alie­ni­ve ho­no­ris cau­sa opus fac­tu­rum se in ali­qua ci­vi­ta­te pro­mi­se­rit, ad per­fi­cien­dum tam ip­se quam he­res eius ex con­sti­tu­tio­ne di­vi Tra­ia­ni ob­li­ga­tus est. sed si quis ob ho­no­rem opus fac­tu­rum se ci­vi­ta­te ali­qua pro­mi­se­rit at­que in­choa­ve­rit et prius­quam per­fi­ce­ret, de­ces­se­rit: he­res eius ex­tra­neus qui­dem ne­ces­se ha­bet aut per­fi­ce­re id aut par­tem quin­tam pa­tri­mo­nii re­lic­ti si­bi ab eo, qui id opus fa­ce­re in­sti­tue­rat, si ita mal­let, ci­vi­ta­ti, in qua id opus fie­ri coep­tum est, da­re: is au­tem, qui ex nu­me­ro li­be­ro­rum est, si he­res ex­sti­tit, non quin­tae par­tis, sed de­ci­mae con­ce­den­dae ne­ces­si­ta­te ad­fi­ci­tur. et haec di­vus An­to­ni­nus con­sti­tuit.

14Ad Dig. 50,12,14Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. II, § 304, Note 8.Pompon. lib. VI. Epist. et var. lect. Jemand, wegen einer Ehrenstelle für sich oder einen Andern in einer Stadt ein Bauwerk aufzuführen versprochen hat, so ist nach der Verordnung Kaisers Trajans sowohl er selbst als sein Erbe zu dessen Vollführung verbunden. Wenn aber Jemand wegen einer Ehrenstelle2626Sollten nicht diese Worte: „ob honorem“ ein unechter Zusatz sein? Vermöge des geschehenen Anfangs konnte der Erbe nicht zu Wenigerm verbunden sein, als er nach dem Erbe nicht zu Wenigerm verbunden sein, als er nach dem gleich Vorhergehenden bei Pollicitationen wegen Ehrenstellen allemal war; wohl aber dann, wenn die Pollicitation ohne justa causa geschehen war und der Grund der Verbindlichkeit nur in dem einmal geschehenen Anfang lag. S. o. fr. 9. h. t. ein Gebäude in einer Stadt zu errichten versprochen und dasselbe begonnen hat, vor der Ausführung aber verstorben ist, so muss ein fremder Erbe es entweder vollenden, oder wenn er dies lieber will, der Stadt, wo der Bau angefangen worden ist, den fünften Theil des Vermögens, das der Anfänger des Baus ihm hinterlassen hat, herausgeben; wer aber unter die Kinder gerechnet wird2727Fr. 56. pr. de v. s. 50. 16., dem liegt, wenn er Erbe geworden ist, nicht den fünften, sondern [nur] den zehnten Theil zu überlassen ob; und dieses hat der verstorbene Kaiser Antoninus2828Pomponius kann hier nur den Marcus meinen. S. Zimmern Gesch. des Röm. Priv. Rs. Th. I. S. 185. Note 8. vgl. mit S. 338. Note 4. verordnet.

15Ul­pia­nus li­bro sin­gu­la­ri de of­fi­cio cu­ra­to­ris rei pu­bli­cae. In­ter li­be­ros ne­po­tem quo­que ex fi­lia con­ti­ne­ri di­vus Pius re­scrip­sit.

15Ulp. lib. sing. de off. curat. reip. Dass unter die Kinder auch die Tochter der Tochter gerechnet werde, hat Kaiser Pius rescribirt.