Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 48 übersetzt von Sintenis
Dig. XLVIII13,
Ad legem Iuliam peculatus et de sacrilegis et de residuis
Liber quadragesimus octavus
XIII.

Ad legem Iuliam peculatus et de sacrilegis et de residuis

(Zum Julischen Gesetze von dem Cassendiebstahl, von dem Tempelraube1 und der Cassenveruntrauung.)

1S. l. 9. §. 1. d. T.

1Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo quar­to ad Sa­binum. Le­ge Iu­lia pe­cu­la­tus ca­ve­tur, ne quis ex pe­cu­nia sa­cra re­li­gio­sa pu­bli­ca­ve au­fe­rat ne­ve in­ter­ci­piat ne­ve in rem suam ver­tat ne­ve fa­ciat, quo quis au­fe­rat in­ter­ci­piat vel in rem suam ver­tat, ni­si cui uti­que le­ge li­ce­bit: ne­ve quis in au­rum ar­gen­tum aes pu­bli­cum quid in­dat ne­ve im­mis­ceat ne­ve quo quid in­da­tur im­mis­cea­tur fa­ciat sciens do­lo ma­lo, quo id pe­ius fiat.

1Ulp. lib. XLIV. ad Sabin. Durch das Julische Gesetz über den Cassendiebstahl wird verordnet, es solle Niemand von heiligen, religiösen und öffentlichen Geldern etwas entwenden, noch unterschlagen, noch in seinen Nutzen verwenden, noch bewirken, dass es Jemand forttrage, unterschlage, oder in seinen Nutzen verwende, ausser wenn es nach dem Gesetz erlaubt sein wird, noch in öffentliches Gold, Silber oder Erz Etwas hineinthun, oder mischen, noch wissentlich arglistigerweise bewirken, dass Etwas hineingethan und hineingemischt werde, wodurch es schlechter werde.

2Pau­lus li­bro un­de­ci­mo ad Sa­binum. Le­ge Iu­lia de re­si­duis te­ne­tur, qui pu­bli­cam pe­cu­niam dele­ga­tam in usum ali­quem re­ti­nuit ne­que in eum con­sump­sit.

2Paul. lib. XI. ad Sabin. Durch das Julische Gesetz über Cassenveruntreuung haftet Derjenige, wer öffentliche ihm zu einem bestimmten Zweck anvertraute Gelder zurückbehalten, und nicht dazu verwendet hat.

3Ul­pia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Pe­cu­la­tus poe­na aquae et ig­nis in­ter­dic­tio­nem, in quam ho­die suc­ces­sit de­por­ta­tio, con­ti­net. por­ro qui in eum sta­tum de­du­ci­tur, sic­ut om­nia pris­ti­na iu­ra, ita et bo­na amit­tit.

3Ulp. lib. I. de Adulter. Die Strafe des Cassendiebstahls ist die Untersagung von Wasser und Feuer, an deren Stelle heutzutage Deportation getreten ist. Wer in diesem Zustand versetzt wird, der verliert ferner, wie alle seine vorherigen Rechte, auch sein Vermögen.

4Mar­cia­nus li­bro quar­to de­ci­mo in­sti­tu­tio­num. Le­ge Iu­lia pe­cu­la­tus te­ne­tur, qui pe­cu­niam sa­cram re­li­gio­sam abs­tu­le­rit in­ter­ce­pe­rit. 1Sed et si do­na­tum deo im­mor­ta­li abs­tu­le­rit, pe­cu­la­tus poe­na te­ne­tur. 2Man­da­tis au­tem ca­ve­tur de sa­c­ri­le­giis, ut prae­si­des sa­c­ri­le­gos la­tro­nes pla­gia­rios con­qui­rant et ut, pro­ut quis­que de­li­que­rit, in eum anim­ad­ver­tant. et sic con­sti­tu­tio­ni­bus ca­ve­tur, ut sa­c­ri­le­gi ex­tra or­di­nem dig­na poe­na pu­nian­tur.

4Marcian. lib. XIV. Inst. Durch das Julische Gesetz über Cassendiebstahl haftet Derjenige, wer heilige oder religiöse Gelder entwendet, oder unterschlagen hat. 1Auch wer etwas der unsterblichen Gottheit Geweihtes entwendet hat, wird mit der Strafe des Cassendiebstahls belegt. 2Durch kaiserliche Mandate wird verordnet, dass die Präsidenten den Tempelräubern, Strassenräubern und Plagiariern nachstellen und jeden nach seinem Verbrechen bestrafen sollen. Und so wird auch durch Constitutionen für die Tempelräuber eine wohlverdiente Strafe ausserordentlicherweise bestimmt.

5Idem li­bro quar­to de­ci­mo. Le­ge Iu­lia de re­si­duis te­ne­tur is, apud quem ex lo­ca­tio­ne, emp­tio­ne, ali­men­ta­ria ra­tio­ne, ex pe­cu­nia quam ac­ce­pit alia­ve qua cau­sa pe­cu­nia pu­bli­ca re­se­dit. 1Sed et qui pu­bli­cam pe­cu­niam in usu ali­quo ac­cep­tam re­ti­nue­rit nec ero­ga­ve­rit, hac le­ge te­ne­tur. 2Qua le­ge dam­na­tus am­plius ter­tia par­te quam de­bet pu­ni­tur. 3Non fit lo­cus re­li­gio­sus, ubi then­sau­rus in­ve­ni­tur: nam et si in mo­nu­men­to in­ven­tus fue­rit, non qua­si re­li­gio­sus tol­li­tur. quod enim se­pe­li­re quis pro­hi­be­tur, id re­li­gio­sum fa­ce­re non pot­est: at pe­cu­nia se­pe­li­ri non pot­est, ut et man­da­tis prin­ci­pa­li­bus ca­ve­tur. 4Sed et si de re ci­vi­ta­tis ali­quid sub­ri­piat, con­sti­tu­tio­ni­bus prin­ci­pum di­vo­rum Tra­ia­ni et Ha­d­ria­ni ca­ve­tur pe­cu­la­tus cri­men com­mit­ti: et hoc iu­re uti­mur.

5Idem lib. XIV. Durch das Julische Gesetz über Cassenveruntreuung haftet Der, in dessen Händen sich in Folge eines Pachts, Kaufs, einer Alimentenangelegenheit, baarer Einnahme, oder aus irgend einem andern Grunde öffentliche Gelder befinden. 1Auch wer öffentliche zu einem bestimmten Gebrauch erhaltene Gelder behalten und nicht verausgabt hat, haftet durch dieses Gesetz. 2Wer nach diesem Gesetze verurtheilt worden, wird um den dritten Theil mehr bestraft, als er verschuldet. 3Der Ort, wo ein Schatz gefunden wird, wird nicht religiös, denn wenn derselbe auch in einem Grabmal gefunden worden ist, so wird er doch nicht als ein gleichsam religiöser gehoben; denn was zu begraben Einem verboten ist, das kann er nicht religiös machen, und Geld kann nicht begraben werden, wie auch in kaiserlichen Constitutionen Vorgeschrieben ist. 4Auch wenn von dem Vermögen einer Stadt etwas entwendet wird, ist durch die Constitutionen der Kaiser Trajanus und Hadrianus verordnet worden, werde das Verbrechen des Cassendiebstahls begangen, und das ist bei uns Rechtens.

6Idem li­bro quin­to re­gu­la­rum. Di­vi Se­ve­rus et An­to­ni­nus Cas­sio fes­to re­scrip­se­runt, res pri­va­to­rum si in ae­dem sa­cram de­po­si­tae sub­rep­tae fue­rint, fur­ti ac­tio­nem, non sa­c­ri­le­gii es­se.

6Idem lib. V. Regul. Divus Severus und Divus Antoninus haben an den Cassius Festus rescribirt: wenn Privaten gehörige Sachen in einem heiligen Gebände niedergelegt und gestohlen worden seien, so finde die Diebstahlsklage und nicht die wegen Tempelraubes statt.

7Ul­pia­nus li­bro sep­ti­mo de of­fi­cio pro­con­su­lis. Sa­c­ri­le­gii poe­nam de­be­bit pro­con­sul pro qua­li­ta­te per­so­nae pro­que rei con­di­cio­ne et tem­po­ris et ae­ta­tis et se­xus vel se­ve­rius vel cle­men­tius sta­tue­re. et scio mul­tos et ad bes­tias dam­nas­se sa­c­ri­le­gos, non­nul­los et­iam vi­vos ex­us­sis­se, alios ve­ro in fur­ca sus­pen­dis­se. sed mo­de­ran­da poe­na est us­que ad bes­tia­rum dam­na­tio­nem eo­rum, qui ma­nu fac­ta tem­plum ef­fre­ge­runt et do­na dei in noc­tu tu­le­runt. ce­te­rum si qui in­ter­diu mo­di­cum ali­quid de tem­plo tu­lit, poe­na me­tal­li co­er­cen­dus est, aut, si ho­nes­tio­re lo­co na­tus sit, de­por­tan­dus in in­su­lam est.

7Ulp. lib. VII. de off. Procons. Die Strafe des Tempelraubes wird der Proconsul nach Beschaffenheit der Person, nach Verhältniss des Gegenstandes, der Zeit, des Alters und des Geschlechts härter oder gelinder bestrafen. Mir ist bekannt, dass Viele die Tempelräuber den wilden Thieren vorgeworfen zu werden verurtheilt, Manche sie lebendig verbrannt, Andere sie am Galgen22Furca. Isidor. Lib. V. cap. 28. Furcam patibulam dici eo quod ferat caput, suspensumque et strangulatum statim exanimat, tradit. M. s. auch Plaut. Mil. II. 4. Juvenal. Sat. VI. 219. Die genügendste Erklärung giebt Matthaeus de crim. p. 755., es ist darunter dreierlei zu verstehen, 1) lignum plaustri, quod temoni subjicitur, also etwa das Querholz, woran die Stränge geknüpft werden. Dies wurde den Sclaven nicht sowohl zur Strafe, als zur Schande auferlegt (daher furciferi.) 2) Lignum duplex, cujus media parte collo inserto vinciebatur laqueo cervix rei, vel ut expeditius ad supplicium trahentur, vel ut commodius tergam virgis praeberet, m. s. bes. Cujac. Obs XVI. 1., wo eine solche furca abgebildet ist, als zwei parallel nebeneinander liegende Bretter, deren jedes in der Mitte einen ausgeschnittenen Halbkreis hat, welche an einanderstossen und so ein rundes Loch bilden, durch welches der Kopf gesteckt wird. 3) Der Galgen. Letzterer kam besonders an die abgeschaffte Strafe der Kreuzigung, und es ist sehr wahrscheinlich, das Tribonianus in den Pandecten furca an vielen Orten für crux substituirt hat; s. Eckhard l. l. p. 209. 493. Es ist nun hieraus klar, dass furca nach seiner verschiedenen Bedeutung verschieden verstanden werden müsse; indessen dürften sich die beiden ersteren wohl nicht übersetzen lassen; die erste etwa durch Tragreff, wie wir es noch als Instrument sehen, Wassereimer bequemer zu tragen, und das in manchen Gegenden auch als Instrument Schande genannt wird, ohne jedoch noch jetzt einen schimpflichen Nebenbegriff damit zu verbinden. aufgehenkt haben. Allein die Strafe ist bis zu der Verurtheilung, den wilden Thieren vorgeworfen zu werden, zu ermässigen, [und zwar für die] welche in versammelter Menge in einem Tempel eingebrochen sind und der Gottheit geweihte Geschenke bei Nachtzeit fortgeschleppt haben. Wer übrigens bei Tage eine Kleinigkeit aus einem Tempel gestohlen hat, muss mit Bergwerksarbeit bestraft, oder wenn er von vornehmerer Geburt ist, auf eine Insel deportirt werden.

8Idem li­bro eo­dem. Qui, cum in mo­ne­ta pu­bli­ca ope­ra­ren­tur, ex­trin­se­cus si­bi sig­nant pe­cu­niam for­ma pu­bli­ca vel sig­na­tam fu­ran­tur, hi non vi­den­tur ad­ul­te­ri­nam mo­ne­tam ex­er­cuis­se, sed fur­tum pu­bli­cae mo­ne­tae fe­cis­se, quod ad pe­cu­la­tus cri­men ac­ce­dit. 1Si quis ex me­tal­lis Cae­sa­ria­nis au­rum ar­gen­tum­ve fu­ra­tus fue­rit, ex edic­to di­vi Pii ex­ilio vel me­tal­lo, pro­ut dig­ni­tas per­so­nae, pu­ni­tur. is au­tem, qui fu­ran­ti si­num prae­buit, per­in­de ha­be­tur, at­que si ma­ni­fes­ti fur­ti con­dem­na­tus es­set, et fa­mo­sus ef­fi­ci­tur. qui au­tem au­rum ex me­tal­lo ha­bue­rit il­li­ci­te et con­fla­ve­rit, in qua­dru­plum con­dem­na­tur.

8Idem eod. libro Diejenigen, welche in einer öffentlichen Münze arbeiten, und für sich selbst ausserdem33extrinsecus, s. Gothofred. Gelder mit öffentlichem Stempel prägen, oder geprägtes Geld stehlen, von denen wird nicht angenommen, dass sie Falschmünzerei getrieben, sondern vielmehr einen Diebstahl an der öffentlichen Münze begangen haben, was sich dem Verbrechen des Cassendiebstahls nähert. 1Wer aus den kaiserlichen Bergwerken Gold oder Silber gestohlen hat, der wird nach dem Edicte des Divus Pius mit der Verbannung oder Bergwerksarbeit, nach Ansehen der Person bestraft. Wer aber für den Dieb den Hehler abgegeben hat, wird angesehen, als sei er wegen offenbaren Diebstahls verurtheilt worden, und wird infamirt. Wer aber unerlaubterweise Gold aus einem Bergwerke [von einem Andern wissentlich44S. die Anm. bei Gothofred.] gehabt und eingeschmolzen hat, der wird auf Ersatz des Vierfachen verurtheilt.

9Ve­nu­leius Sa­tur­ni­nus li­bro se­cun­do iu­di­cio­rum pu­bli­co­rum. Pe­cu­la­tus cri­men an­te quin­quen­nium ad­mis­sum ob­ici non opor­tet.

9Venulej. Saturnin. lib. II. judic. publ. Ein vor fünf Jahren begangener Cassendiebstahl kann Niemandem weiter zum Vorwurf gemacht werden.

10Idem ex li­bro ter­tio iu­di­cio­rum pu­bli­co­rum. Qui ta­bu­lam ae­ream le­gis for­mam­ve agro­rum aut quid aliud con­ti­nen­tem re­fi­xe­rit vel quid in­de im­mu­ta­ve­rit, le­ge Iu­lia pe­cu­la­tus te­ne­tur. 1Ea­dem le­ge te­ne­tur, qui quid in ta­bu­lis pu­bli­cis de­le­ve­rit vel in­du­xe­rit.

10Idem ex lib. III. judic. publ. Wer eine eherne Tafel, welche Gesetze oder die Gestaltung der Aecker55Hier ist wohl vorzüglich an die agros limitatos zu denken, vgl. Budaeus l. l. p. 49. sq. oder sonst etwas Anderes enthält, abgenommen, oder etwas darin verändert hat, der haftet durch das Julische Gesetz über den Cassendiebstahl. 1Durch dasselbe Gesetz haftet Derjenige, wer auf öffentlichen Urkunden etwas zerstört oder durchstrichen hat.

11Pau­lus li­bro sin­gu­la­ri de iu­di­ciis pu­bli­cis. Sa­c­ri­le­gi ca­pi­te pu­niun­tur. 1Sunt au­tem sa­c­ri­le­gi, qui pu­bli­ca sa­cra com­pi­la­ve­runt. at qui pri­va­ta sa­cra vel aed­icu­las in­cus­to­di­tas temp­ta­ve­runt, am­plius quam fu­res, mi­nus quam sa­c­ri­le­gi me­ren­tur. qua­re quod sa­crum quod­ve ad­mis­sum in sa­c­ri­le­gii cri­men ca­dat, di­li­gen­ter con­si­de­ran­dum est. 2La­beo li­bro tri­gen­si­mo oc­ta­vo pos­te­rio­rum pe­cu­la­tum de­fi­nit pe­cu­niae pu­bli­cae aut sa­crae fur­tum non ab eo fac­tum, cu­ius pe­ri­cu­lo fuit, et id­eo ae­dituum in his, quae ei tra­di­ta sunt, pe­cu­la­tum non ad­mit­te­re. 3Eo­dem ca­pi­te in­fe­rius scri­bit non so­lum pe­cu­niam pu­bli­cam, sed et­iam pri­va­tam cri­men pe­cu­la­tus fa­ce­re, si quis quod fis­co de­be­tur si­mu­lans se fis­ci cre­di­to­rem ac­ce­pit, quam­vis pri­va­tam pe­cu­niam abs­tu­le­rit. 4Is au­tem, qui pe­cu­niam tra­icien­dam sus­ce­pit vel qui­li­bet alius, ad cu­ius pe­ri­cu­lum pe­cu­nia per­ti­net, pe­cu­la­tum non com­mit­tit. 5Se­na­tus ius­sit le­ge pe­cu­la­tus te­ne­ri eos, qui in­ius­su eius, qui ei rei prae­erit, ta­bu­la­rum pu­bli­ca­rum in­spi­cien­da­rum de­scri­ben­da­rum­que po­tes­ta­tem fe­ce­rint. 6Eum, qui pe­cu­niam pu­bli­cam in usus ali­quos re­ti­nue­rit nec ero­ga­ve­rit, hac le­ge te­ne­ri La­beo li­bro tri­gen­si­mo oc­ta­vo pos­te­rio­rum scrip­sit. cum eo au­tem, qui, cum pro­vin­cia ab­iret, pe­cu­niam, quae pe­nes se es­set, ad ae­ra­rium pro­fes­sus re­ti­nue­rit, non es­se re­si­duae pe­cu­niae ac­tio­nem, quia eam pri­va­tus fis­co de­beat, et id­eo in­ter de­bi­to­res eum fer­ri: eam­que ab eo is, qui hoc im­pe­rio uti­tur, ex­ige­ret, id est pig­nus ca­pien­do, cor­pus re­ti­nen­do, mul­tam di­cen­do. sed eam quo­que lex Iu­lia re­si­duo­rum post an­num re­si­duam es­se ius­sit.

11Paul. lib. sing. de judic. publ. Tempelräuber werden mit der Capitalstrafe bestraft. 1Tempelräuber sind diejenigen, welche öffentliche Heiligthümer beraubt haben. Wer sich an Privatheiligthümern, oder unbewachten kleinen Tempelchen vergangen hat, der wird zwar härter, wie ein Dieb, aber weniger hart als ein Tempelräuber bestraft. Deshalb muss sorgfältig erwogen werden, welches Heiligthum, und welches Verbrechen, den Tempelraub ausmacht. 2Labeo bestimmt den Begriff von Cassendiebstahl im achtunddreissigsten Buche seiner hinterlassenen Schriften dahin, er sei ein Diebstahl an öffentlichen oder heiligen Geldern, der nicht von Dem geschehen sei, auf dessen Gefahr es gegangen, und darum begehe der Tempelhüter an Dem, was ihm übergeben worden, keinen Cassendiebstahl. 3Weiter unten schreibt er in demselben Capitel, nicht blos öffentliche Gelder allein machten den Cassendiebstahl aus, sondern auch private, wie z. B. wenn Jemand Das, was dem Fiscus verschuldet wird, sich für dessen Gläubiger ausgebend, in Empfang genommen, obwohl er dann Privatgelder an sich genommen habe. 4Wer aber Gelder [über Meer] zu führen in Empfang genommen, oder irgend ein Anderer, auf dessen Gefahr die Gelder gehen, begeht keinen Cassendiebstahl. 5Der Senat hat befohlen: durch das Gesetz über Cassendiebstahl haften Diejenigen, welche ohne den Befehl Dessen, der darüber gesetzt ist, Gelegenheit zur Einsicht öffentlicher Urkunden und Abschreiben derselben gegeben haben. 6Auch wer öffentliche Gelder, die zu irgend einem Zweck bestimmt waren, an sich behalten hat, ohne sie dazu zu verwenden, der haftet, wie Labeo im achtunddreissigsten Buche seiner hinterlassenen Schriften schreibt, nach diesem Gesetze. Wider Den aber, der, als er in die Provinz abging, das Geld, was er in Händen hatte, bei der Schatzkammer angezeigt und behalten hat, findet nicht die Klage wegen Cassenveruntreuung statt, weil er dasselbe dem Fiscus als Privatmann verschuldet, und darum wird er zur Zahl der Schuldner gerechnet; und es kann dasselbe von ihm Derjenige, wer die Macht dazu hat, einziehen, d. h. durch Abpfändung, durch persönliches Festnehmen, und durch Geldstrafen; auch diese Gelder hat aber das Julische Gesetz über Cassenveruntreuung nach Jahresfrist als veruntreuete Cassengelder zu betrachten geboten.

12Mar­cia­nus li­bro pri­mo iu­di­cio­rum pu­bli­co­rum. Hac le­ge te­ne­tur, qui in ta­bu­lis pu­bli­cis mi­no­rem pe­cu­niam, quam quid ven­ie­rit aut lo­ca­ve­rit, scrip­se­rit aliud­ve quid si­mi­le com­mi­se­rit. 1Di­vus Se­ve­rus et An­to­ni­nus quen­dam cla­ris­si­mum iu­ve­nem, cum in­ven­tus es­set ar­cu­lam in tem­plum po­ne­re ibi­que ho­mi­nem in­clu­de­re, qui post clu­sum tem­plum de ar­ca ex­iret et de tem­plo mul­ta sub­tra­he­ret et se in ar­cu­lam ite­rum re­fer­ret, con­vic­tum in in­su­lam de­por­ta­ve­runt.

12Marcian. lib. I. judic. publ. Durch dieses Gesetz haftet Derjenige, wer in öffentliche Urkunden eine geringere Summe, als um wieviel verkauft oder verpachtet worden, geschrieben, oder etwas anderes Aehnliches begangen hat. 1Divus Severus und Antoninus haben einen jungen Mann von hohem Range, der eine kleine Kiste in einem Tempel niedergelegt und einen Menschen darin eingeschlossen hatte, der nach Verschliessung des Tempels daraus sich hervormachen und im Tempel Allerlei stehlen und sich dann wieder in der Kiste verstecken sollte, nachdem er entdeckt und überführt worden war, auf eine Insel deportirt.

13Ul­pia­nus li­bro se­xa­gen­si­mo oc­ta­vo ad edic­tum. Qui per­fo­ra­ve­rit mu­ros vel in­de ali­quid abs­tu­le­rit, pe­cu­la­tus ac­tio­ne te­ne­tur.

13Ulp. lib. LXVIII. ad Ed. Wer durch Mauern Löcher gebrochen und dann etwas gestohlen hat, haftet durch die Klage wegen Cassendiebstahls.

14Mar­cel­lus li­bro vi­cen­si­mo quin­to di­ges­to­rum. Pe­cu­la­tus ne­qua­quam com­mit­ti­tur, si ex­igam ab eo pe­cu­niam, qui et mi­hi et fis­co de­bet: non enim pe­cu­nia fis­ci in­ter­ci­pi­tur, quae de­bi­to­ri eius au­fer­tur, sci­li­cet quia ma­net de­bi­tor fis­ci ni­hi­lo mi­nus.

14Marcell. lib. XXV. Dig. Ein Cassendiebstahl wird dann nicht begangen, wenn ich von Dem Gelder einziehe, wer sowohl mir als dem Fiscus schuldet, denn hier wird kein dem Fiscus gehöriges Geld dadurch, dass es seinem Schuldner abgenommen wird, unterschlagen, indem ja der Schuldner dem Fiscus nichtsdestoweniger [verpflichtet] bleibt.

15Mo­des­ti­nus li­bro se­cun­do de poe­nis. Is, qui prae­dam ab hos­ti­bus cap­tam sub­ri­puit, le­ge pe­cu­la­tus te­ne­tur et in qua­dru­plum dam­na­tur.

15Modestin. lib. II. de poen. Wer dem Feinde abgenommene Beute gestohlen hat, der haftet durch das Gesetz über Cassendiebstahl und wird auf das Vierfache verurtheilt.

16Pa­pi­nia­nus li­bro tri­gen­si­mo sex­to quaes­tio­num. Pu­bli­ca iu­di­cia pe­cu­la­tus et de re­si­duis et re­pe­tun­da­rum si­mi­li­ter ad­ver­sus he­redem ex­er­cen­tur, nec in­me­ri­to, cum in his quaes­tio prin­ci­pa­lis ab­la­tae pe­cu­niae mo­vea­tur.

16Papin. lib. XXXVI. Quaest. Die öffentlichen Verfahren wegen Cassendiebstahls, Cassenveruntreuung und Beugung des Rechts aus Parteilichkeit finden auch gegen die Erben statt, und zwar mit Recht, weil die Hauptsache in denselben die Entwendung der Gelder ist.