Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 50 übersetzt von Treitschke (Titel 1–15) und Schneider (Titel 16/17)
Dig. L8,
De administratione rerum ad civitates pertinentium
Liber quinquagesimus
VIII.

De administratione rerum ad civitates pertinentium

(Von Verwaltung des städtischen Vermögens.)

1Ul­pia­nus li­bro de­ci­mo dis­pu­ta­tio­num. Quod ad cer­tam spe­ciem ci­vi­ta­tis re­lin­qui­tur, in alios usus con­ver­te­re non li­cet.

1Ulp. lib. X. Disput. Was einer Stadt zu einer gewissen Bestimmung vermacht wird, darf nicht zu andern Zwecken verwandt werden11Ausser auf kaiserliche Ermächtigung. Fr. 4. h. t., fr. 7. pr. de oper. publ. 50. 10. Tiberius konnte zwar als Kaiser einmal hierin seinen Willen nicht gegen den Senat durchsetzen. Suet. Tib. c. 31.; aber Suetonius erzählt dies nur als Beweis seiner Indolenz..

2Idem li­bro ter­tio opi­nio­num. Non uti­que de ex­em­plo pos­te­rio­ris lo­ca­tio­nis prae­ter­ita­rum con­duc­tio­num, quae suam le­gem ha­bue­runt, ra­tio­nem in­iri opor­tet. 1Quod quis suo no­mi­ne ex­er­ce­re pro­hi­be­tur, id nec per sub­iec­tam per­so­nam age­re de­bet. et id­eo si de­cu­rio sub­iec­tis alio­rum no­mi­ni­bus prae­dia pu­bli­ca co­lat, quae de­cu­rio­ni­bus con­du­ce­re non li­cet, se­cun­dum le­gem usur­pa­ta re­vo­cen­tur. 2Quod de fru­men­ta­ria ra­tio­ne in alium usum con­ver­sum est, sua cau­sa cum in­cre­men­to de­bi­to re­sti­tua­tur: id­que et­si con­tra ab­sen­tem pro­nun­tia­tum est, in­anis est que­rel­la. ra­tio ta­men ad­mi­nis­tra­tio­nis se­cun­dum fi­dem ac­cep­to­rum et da­to­rum po­na­tur. 3Fru­men­ta­riae pe­cu­niae suo no­mi­ne de­bi­tor quam pri­mum sol­vat: ne­ces­sa­ria enim om­ni­bus re­bus pu­bli­cis fru­men­ta­ria pe­cu­nia mo­ram so­lu­tio­nis ac­ci­pe­re non de­bet: sed de­bi­to­res, quos ex ea­dem cau­sa ha­bet, ad so­lu­tio­nem per prae­si­dem pro­vin­ciae com­pel­lan­tur. 4Ad fru­men­ti com­pa­ra­tio­nem pe­cu­niam da­tam re­sti­tui ci­vi­ta­ti, non com­pen­sa­ri in ero­ga­ta de­bet. sin au­tem fru­men­ta­ria pe­cu­nia in alios usus, quam qui­bus de­sti­na­ta est, con­ver­sa fue­rit, vel­uti in opus bal­neo­rum pu­bli­co­rum, li­cet ex bo­na fi­de da­tum pro­ba­tur, com­pen­sa­ri qui­dem fru­men­ta­riae pe­cu­niae non opor­tet, sol­vi au­tem a cu­ra­to­re rei pu­bli­cae iu­be­tur. 5Si in­dem­ni­tas de­bi­ti fru­men­ta­riae pe­cu­niae cum suis usu­ris fit, im­mo­di­cae et il­li­ci­tae com­pu­ta­tio­nis mo­dus non ad­hi­be­tur: id est ne com­mo­do­rum com­mo­da et usu­rae usu­ra­rum in­cre­men­tum fa­ciant. 6Gra­ni aes­ti­ma­tio­nem per in­iu­riam post emp­tio­nem ab­la­ti, quae ra­tio­ni­bus pu­bli­cis re­fer­tur, cu­ra­tor rei pu­bli­cae do­mi­no re­sti­tui iu­beat. 7Si eo tem­po­re, quo no­mi­na­tus est, ido­neus, post­ea lap­sus fa­cul­ta­ti­bus dam­num de­bi­tis rei pu­bli­cae de­de­rit: quia for­tui­tos ca­sus nul­lum hu­ma­num con­si­lium pro­vi­de­re pot­est, crea­tor hoc no­mi­ne ni­hil prae­sta­re de­bet. 8Ius rei pu­bli­cae pac­to mu­ta­ri non pot­est, quo mi­nus ma­gis­tra­tus col­le­gae quo­que no­mi­ne con­ve­nian­tur in his spe­cie­bus, in qui­bus id fie­ri iu­re per­mis­sum est. 9Ac­tio au­tem, quae prop­ter ea in col­le­gam de­cer­ni so­let, ei qui pro al­te­ro de­pen­dit ex ae­qui­ta­te com­pe­tit. 10Quod de­pen­sum pro col­le­ga in ma­gis­tra­tu pro­ba­bi­tur, sol­vi et ab he­redi­bus eius prae­ses pro­vin­ciae iu­bet.

2Idem lib. III. Opin. Nach Maassgabe der letzten Verpachtung darf man die früheren Pachte, die ihre eigenen Verabredungen gehabt haben, nicht schlechterdings beurtheilen. 1Was Jemandem in eigenem Namen auszuüben nicht gestattet ist, das darf er auch nicht durch vorgeschobene Personen thun; wenn also ein Decurio unter dem vorgeschobenen Namen Anderer Gemeindegrundstücke pachtet, deren Erpachtung den Decurionen verboten ist22Fr. 6. §. 2. de decur. et fil. 50. 2., so sind die gezogenen Nutzungen gesetzmässig zurückzufodern. 2Was von dem Getreidefonds zu andern Zwecken verwendet worden ist, muss mit dem gebührenden Zuwachs33Mit Verzugszinsen. S. u. §. 5. h. fr. seiner Bestimmung zurückgegeben werden; ist also [darauf] auch gegen einen Abwesenden erkannt worden, so ist eine Beschwerde darüber grundlos; doch muss die Verwaltungsrechnung nach der Glaubwürdigkeit der Ausgabe und Einnahme festgestellt werden. 3Wer zum Getreidefonds für eigene Rechnung schuldet, der muss möglichst bald zahlen; denn Getreidegelder, als bei der ganzen Gemeindeverwaltung unentbehrlich, dürfen in der Zahlung nicht aufgehalten, sondern es müssen die Schuldner, die das Gemeinwesen in dieser Beziehung hat, durch den Statthalter der Provinz zur Zahlung angehalten werden44Es waren dies also Sachen extraordinariae cognitionis. S. u. Tit. 13. note 255.. 4Geld, was Jemandem zum Ankauf von Getreide gegeben worden ist, muss dem Gemeinwesen wiedererstattet, nicht auf55Aeltere. Auslagen abgerechnet werden. Sind aber die Getreidegelder zu andern Zwecken, als wozu sie bestimmt sind, verwendet worden, z. B. auf den Bau öffentlicher Bäder, so darf zwar, wenngleich sie erwiesenermaassen redlicherweise ausgegeben worden, auf das Getreidegeld nichts abgerechnet werden; doch ordnet aber der Stadtpfleger66Curator reipublicae, die vornehmsten Magistratspersonen in den Municipien, auch Censor und Quinquenalis. S. Savigny a. a. O. S. 41., fr. 5. de oper. publ. 50. 10. die Auszahlung an. 5Wenn wegen einer Schuld von Getreidegeldern77Wegen Cassenrückständen. Vgl. fr. 6. §. 1. de mun. et hon. 50. 4. nebst Zinsen Ersatz geleistet wird, so wird nicht eine unmässige und unerlaubte Berechnungsweise angewendet, nemlich es soll nicht durch Ertrag vom Ertrage und Zinsen von Zinsen ein Gewinn erlangt werden. 6Wenn Korn, nach einem darüber für Rechnung des Gemeinwesens geschlossenen Kauf, widerrechtlich weggenommen worden ist, so soll der Stadtpfleger dessen Werth dem Eigenthümer ersetzen lassen. 7Wenn Jemand zu der Zeit, wo er ernannt wurde, zahlungsfähig war, nachher aber heruntergekommen ist und das Gemeinwesen durch Schuldenmachen in Schaden gebracht hat, so braucht der Stadtpfleger88Der ihn ernannt hat. S. fr. 11. §. 1. ad munic. 50. 1. davon nichts zu ersetzen, weil keine menschliche Klugheit zufällige Ereignisse voraussehen kann. 8Das Gemeinderecht kann durch Vertrag nicht dahin geändert werden, dass die Beamten auch in den Fällen, wo es erlaubt ist, nicht sollten ihrer Amtsgenossen wegen belangt werden können. 9Ad Dig. 50,8,2,9Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. II, § 443, Note 16.Die Klage aber, die deshalb wider den Amtsgenossen bewilligt zu werden pflegt, steht Demjenigen, der für den Andern gezahlt hat, billigerweise zu99Eine Regressklage.. 10Was erweislich bei der Amtsführung für einen Amtsgenossen ausgelegt worden ist, dessen Bezahlung befiehlt1010Jubet. Geht dies auf eine allgemeine Verordnung im Edictum provinciale, oder heisst es, dass der Statthalter hierbei, als in einer res cognitionis, sofort selbst durch Machtgebot entscheide? der Statthalter der Provinz auch den Erben desselben.

3Idem ex eo­dem li­bro. Con­duc­to­re per­fi­cien­di ope­ris pu­ni­to fi­de­ius­sor, qui pro eo in­ter­ve­ne­rat, idem opus ex­struen­dum alii lo­ca­ve­rat: nec a se­cun­do red­emp­to­re ope­re per­fec­to usu­ra­rum prae­sta­tio­nem he­res fi­de­ius­so­ris re­cu­sa­re non de­bet, cum et prior cau­sa in bo­nae fi­dei con­trac­tu in uni­ver­sum fi­de­ius­so­rem ob­li­ga­ve­rit, et pos­te­rior lo­ca­tio, quia suum pe­ri­cu­lum agno­vit, so­li­dae prae­sta­tio­ni rei pu­bli­cae eum sub­sti­tue­rit. 1Qui fi­de­ius­se­rint pro con­duc­to­re vec­ti­ga­lis in uni­ver­sam con­duc­tio­nem, in usu­ras quo­que iu­re con­ve­niun­tur, ni­si pro­prie quid in per­so­na eo­rum ver­bis ob­li­ga­tio­nis ex­pres­sum est. 2Sed si in lo­ca­tio­ne fun­do­rum pro ste­ri­li­ta­te tem­po­ris bo­ni vi­ri ar­bi­tra­tu in sol­ven­da pen­sio­ne cu­ius­que an­ni pac­to com­pre­hen­sum est, ex­plo­ra­ta le­ge con­duc­tio­nis fi­des bo­na se­quen­da est.

3Idem eod. lib. Der Gedingeunternehmer eines Baues war gestraft worden; darauf hatte der für ihn eingetretene Bürge denselben Bau einem Andern zur Ausführung übertragen. Nachdem nun auch der zweite Unternehmer den Bau nicht vollendet hat, so darf der Erbe des Bürgen die Zahlung von Zinsen1111Von der vorauserhaltenen Accordsumme. nicht verweigern, da derselbe sowohl aus dem frühern Rechtsgrunde, bei einem Contracte guten Glaubens, aufs Ganze verpflichtet, als durch das nachherige Gedinge, wobei er die Gefahr übernommen hat, gegen das Gemeinwesen in die volle Vertragspflicht eingetreten ist. 1Die Bürgen eines Zollpächters für den ganzen Pacht sind mit Recht auch auf die Zinsen zu belangen, wenn nicht in Bezug auf sie [hierin] etwas Eigenthümliches in den Worten des Angelöbnisses (obligationis) ausgesprochen ist. 2Wenn aber bei der Verpachtung von Grundstücken wegen Unfruchtbarkeit der Jahre die Pachtgelderzahlung auf jedes Jahr nach unparteiischem Ermessen zu bestimmen bedungen ist, so ist nach Ausmittelung (Erweis) der Verabredung Treu und Glauben des Pachtcontracts zu halten.

4Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Cu­ra­to­res com­mu­nis of­fi­cii di­vi­sa pe­cu­nia, quam om­ni­bus in so­li­dum pu­bli­ce da­ri pla­cuit, pe­ri­cu­lo vi­ce mu­tua non li­be­ran­tur. Ulpianus: prior ta­men ex­em­plo tu­to­rum con­ve­nien­dus est is qui ges­sit.

4Papin. lib. I. Respons. Mehrere Besorger (curatores) eines gemeinsamen Geschäftes werden, wenn sie das zufolge Beschlusses ihnen Allen sammt und sonders anvertraute Geld auch theilen, dadurch von der Gefahr gegenseitig nicht befreit. Ulpianus [sagt]: Zuerst ist jedoch, wie bei Vormündern, Derjenige zu belangen, der die Verwaltung geführt hat.

5Idem ex eo­dem li­bro. Prae­dium pu­bli­cum in quin­que an­nos ido­nea cau­tio­ne non ex­ac­ta cu­ra­tor rei pu­bli­cae lo­ca­vit. ce­te­ris an­nis co­lo­nus si re­li­qua tra­xe­rit et de fruc­ti­bus prae­dii mer­ce­des­que ser­va­ri non po­tue­rint, suc­ces­sor qui lo­ca­vit te­ne­bi­tur. idem in vec­ti­ga­li­bus non ita pri­dem con­sti­tu­tum est, sci­li­cet ut sui tem­po­ris sin­gu­li pe­ri­cu­lum prae­sta­rent. 1In eum, qui ad­mi­nis­tra­tio­nis tem­po­re cre­di­to­ri­bus rei pu­bli­cae no­va­tio­ne fac­ta pe­cu­niam ca­vit, post de­po­si­tum of­fi­cium ac­tio­nem de­ne­ga­ri non opor­tet. di­ver­sa cau­sa est eius, qui sol­vi con­sti­tuit: si­mi­lis et­enim vi­de­tur ei, qui pu­bli­ce ven­di­dit aut lo­ca­vit. 2Fi­lium pro pa­tre cu­ra­to­re rei pu­bli­cae crea­to ca­ve­re co­gi non opor­tet. nec mu­tat, quod in eum pa­ter em­an­ci­pa­tum, prius­quam cu­ra­tor con­sti­tue­re­tur, par­tem bo­no­rum suo­rum do­na­tio­nis cau­sa con­tu­lit. 3Pro ma­gis­tra­tu fi­de­ius­sor in­ter­ro­ga­tus pi­g­no­ra quo­que spe­cia­li­ter de­dit. in eum ca­sum pi­g­no­ra vi­den­tur da­ta, quo rec­te con­ve­ni­tur: vi­de­li­cet post­quam res ab eo ser­va­ri non po­tue­rit, pro quo in­ter­ces­sit.

5Idem eod. lib. Der Stadtpfleger hat ein Gemeindegrundstück, ohne sich hinlängliche Sicherheit bestellen zu lassen, auf fünf Jahre verpachtet. Wenn nun der Pachter in den übrigen Jahren1212Bei Fortsetzung des Pachts über die erst bedungenen fünf Pachtjahre? Wohl eher: nachdem der verpachtende Curator sein Amt, welches nur ein Jahr dauerte (v. Savigny a. a. O. S. 46.), niedergelegt hat? Rückstände verhängt, und aus dem Ertrage des Grundstücks das Pachtgeld nicht gedeckt werden kann, so ist der Nachfolger1313Das Folgende zeigt, dass hier nicht der Amtsnachfolger, sonder der Erbe (oder Fideicommissar u. s. w.) gemeint ist. Dessen, der den Pacht geschlossen hat, verantwortlich. Ebendasselbe ist auch wegen der Zollpachte vor nicht gar langer Zeit verordnet worden, nemlich dass ein Jeder während seiner Zeit1414Seiner Amtsführung. für die Gefahr hafte. 1Gegen Den, der zur Zeit seiner Verwaltung den Gläubigern des Gemeinwesens mittels Neuerung ihr Geld verschrieben hat1515In eignem Namen., darf nach Niederlegung seines Amtes die Klage1616Den Gläubigern. nicht verweigert werden. Verschieden ist das Verhältniss Dessen, der wegen der Bezahlung [nur] constituirt hat1717S. B. XIII. Tit. 5.; denn er ist mit Dem zu vergleichen, der Verkäufe oder Pachte für das Gemeinwesen geschlossen hat. 2Ein Sohn darf nicht gezwungen werden, für seinen Vater, der zum Stadtpfleger erwählt wird, Sicherheit zu leisten; es ändert auch hieran nichts, dass der Vater, nachdem er ihn der Gewalt entlassen, und ehe er zum Pfleger bestellt worden, ihm einen Theil seines Vermögens schenkungsweise zugewendet hat. 3Ein für einen Beamten verpflichteter (interrogatus) Bürge hatte auch noch insbesondere Pfänder gegeben. Diese Pfänder sind als für den Fall, wo er mit Recht belangt werden kann, gegeben zu betrachten; nemlich, nachdem von Dem, für welchen er gebürgt hat, nichts hat erlangt werden können.

6Va­lens li­bro se­cun­do fi­dei­com­mis­so­rum. Le­ga­tam mu­ni­ci­pio pe­cu­niam in aliam rem quam de­func­tus vo­luit con­ver­te­re ci­tra prin­ci­pis auc­to­ri­ta­tem non li­cet. et id­eo si unum opus fie­ri ius­se­rit, quod Fal­ci­diae le­gis in­ter­ven­tu fie­ri non pot­est, per­mit­ti­tur sum­mam, quae eo no­mi­ne de­be­tur, in id, quod ma­xi­me ne­ces­sa­rium rei pu­bli­cae vi­dea­tur, con­ver­te­re: si­ve plu­res sum­mae in plu­ra ope­ra le­gan­tur et le­gis Fal­ci­diae in­ter­ven­tu id quod re­lin­qui­tur om­nium ope­rum ex­struc­tio­ni non suf­fi­cit, per­mit­ti­tur in unum opus, quod ci­vi­tas ve­lit, ero­ga­ri. sed mu­ni­ci­pio pe­cu­niam le­ga­tam, ut ex red­itu eius ve­na­tio aut spec­ta­cu­la edan­tur, se­na­tus in eas cau­sas ero­ga­re ve­tuit: et pe­cu­niam eo le­ga­tam in id, quod ma­xi­me ne­ces­sa­rium mu­ni­ci­pi­bus vi­dea­tur, con­fer­re per­mit­ti­tur, ut in eo mu­ni­fi­cen­tia eius qui le­ga­vit in­scrip­tio­ne no­te­tur.

6Valens lib. II. Fideicommiss. Einem Municipium vermachtes Geld darf ohne fürstliche Genehmigung nicht auf etwas Anderes, als der Verstorbene gewollt, verwendet werden; wenn er also einen Bau aufzuführen verordnet hat, der wegen Eintritt des Falcidischen Gesetzes1818Also weil die Kosten mehr als drei Viertheil der Erbschaft wegnehmen würden. nicht stattfinden kann, so wird gestattet, die Summe, welche deshalb1919Nach Abzug der Falcidia. zu zahlen ist, zu Dem, was dem Gemeinwesen am Nöthigsten ist, zu verwenden; oder wenn mehrere Summen zu mehrern Bauen vermacht sind, und wegen Eintritt des Falcidischen Gesetzes das Hinterlassene zu Ausführung aller dieser Baue nicht zureicht, so wird die Verwendung auf einen derselben, welchen die Stadtgemeinde will, gestattet. Was aber einem Municipium an Geld vermacht wird, um von den Zinsen Thiergefechte oder Schauspiele zu geben, das hat der römische Senat zu solchen Zwecken auszugeben verboten, und es wird gestattet, das hierzu vermachte Geld auf Etwas, das der Bürgerschaft am Nothwendigsten erscheint, zu wenden, sodass dabei die Freigebigkeit Dessen, welcher es vermacht hat, durch eine Inschrift bemerklich gemacht werde.

7Pau­lus li­bro pri­mo sen­ten­tia­rum. De­cu­rio­nes pre­tio vi­lio­ri fru­men­tum, quod an­no­na tem­po­ra­lis est pa­triae suae, prae­sta­re non sunt co­gen­di. 1Ni­si ad opus no­vum pe­cu­nia spe­cia­li­ter le­ga­ta sit, ve­te­ra ex hac re­fi­cien­da sunt.

7Paul. lib. I. Sentent. Den Decurionen darf nicht zugemuthet werden, Getreide, welches einen zeitigen Marktpreis hat, unter demselben für ihre Stadt anzuschaffen2020S. fr. 8. ad munic. 50. 1.. 1Wenn ein Vermächtniss an Geld nicht ausdrücklich zu einem Neubau bestimmt ist, so sind davon die alten Gebäude auszubessern.

8Ul­pia­nus li­bro pri­mo ad edic­tum prae­to­ris. Ma­gis­tra­tus rei pu­bli­cae non do­lum so­lum­mo­do, sed et la­tam neg­le­gen­tiam et hoc am­plius et­iam di­li­gen­tiam de­bent.

8Ulp. lib. I. ad Ed. praet. Beamte des Gemeinwesens haften nicht blos für Gefährde, sondern auch für grobe Fahrlässigkeit und überdies auch für Sorgfalt (diligentia)2121Sie müssen also auch culpam levem prästiren. Hasse Die Culpa des röm. Rs. §. 44. 46. 48..

9Pau­lus li­bro pri­mo ad edic­tum prae­to­ris. Si fi­lius fa­mi­lias vo­len­te pa­tre ma­gis­tra­tum ges­se­rit, Iu­lia­nus ex­is­ti­ma­vit in so­li­dum pa­trem te­ne­ri in id, quod eius no­mi­ne rei pu­bli­cae ab­es­set.

9Paul. lib. I. ad Ed. praet. Wenn ein Haussohn mit Bewilligung seines Vaters ein Amt verwaltet hat, so haftet nach des Julianus Meinung der Vater für Alles, was das Gemeinwesen dadurch eingebüsst hat.

10Mo­des­ti­nus li­bro oc­ta­vo re­gu­la­rum. Cal­cu­li er­ro­ris re­trac­ta­tio et­iam post dec­en­nii aut vic­en­nii tem­po­ra ad­mit­te­tur. 1Sed si gra­tio­se ex­punc­tae di­cen­tur, non re­trac­ta­bun­tur.

10Modestin. lib. VIII. Regul. Die Verbesserung (retractatio) eines Rechnungsfehlers wird auch nach einem zehn- oder zwanzigjährigen Zeitraum zugelassen. 1Wird aber angegeben, dass sie2222Die Rechnungen. vermöge Begünstigung durchgestrichen worden, so können sie nicht zurückgenommen werden (non retractabuntur).

11Pa­pi­rius Ius­tus li­bro se­cun­do de con­sti­tu­tio­ni­bus. Im­pe­ra­to­res An­to­ni­nus et Ve­rus re­scrip­se­runt pe­cu­niae, quae apud cu­ra­to­res re­man­sit, usu­ras ex­igen­das: eius ve­ro, quae a red­emp­to­ri­bus ope­rum ex­igi non pot­est, sor­tis dum­ta­xat pe­ri­cu­lum ad cu­ra­to­res per­ti­ne­re. 1Item re­scrip­se­runt ope­rum pe­ri­cu­lum et­iam ad he­redes cu­ra­to­rum per­ti­ne­re. 2Item re­scrip­se­runt agros rei pu­bli­cae re­tra­he­re cu­ra­to­rem ci­vi­ta­tis de­be­re, li­cet a bo­na fi­de emp­to­ri­bus pos­si­dean­tur, cum pos­sint ad auc­to­res suos re­cur­re­re.

11Papir. Just. lib. II. de constitut. Die Kaiser Antoninus und Verus haben rescribirt: Von Gelde, welches die Pfleger2323Curatores. S. Note 199. zu fr. 2. §. 4. h. t. vom curator civitatis. Aber auch niedere mit einzelnen Verwaltungszweigen beauftragte Beamte hiessen curatores, mit dem Beisatz des Gegenstandes ihrer Fürsorge. Fr. 18. §. 5. de mun. et hon. 50. 4., fr. 3. h. t. §. 7. h. fr., fr. 1. de op. publ. 50. 10. zurückbehalten haben, müssen Zinsen gefodert werden; wegen Geldes aber, welches von Uebernehmern der Baue nicht zu erlangen sei, treffe die Pfleger blos die Gefahr des Capitals. 1Ferner haben sie rescribirt: Die Gefahr wegen der Baue treffe auch die Erben der Pfleger. 2Ferner haben sie rescribirt: Der Stadtpfleger müsse die Ländereien der Stadt zurückfodern, wenngleich sie in den Händen von Besitzern guten Glaubens wären, da selbige ihren Regress an ihre Vorbesitzer nehmen können.

12Idem eo­dem li­bro. Im­pe­ra­to­res An­to­ni­nus et Ve­rus re­scrip­se­runt ope­rum ex­ac­tio­nem si­ne cau­tio­ne non opor­te­re com­mit­ti. 1Item re­scrip­se­runt cu­ra­to­res, si neg­le­gen­ter in dis­tra­hen­dis bo­nis se ges­se­rint, in sim­plum te­ne­ri, si per frau­dem, in du­plum: nec ad he­redes eo­rum poe­nam de­scen­de­re. 2Item re­scrip­se­runt pe­cu­niam ad an­no­nam de­sti­na­tam dis­trac­tis re­bus cu­ra­to­rem ex­ige­re de­be­re. 3Item re­scrip­se­runt si­to­nas in­dem­nes es­se opor­te­re, qui non seg­ni­ter of­fi­cio suo func­ti sunt, se­cun­dum lit­te­ras Ha­d­ria­ni. 4Item re­scrip­se­runt a cu­ra­to­re ka­len­da­rii cau­tio­nem ex­igi non de­be­re, cum a prae­si­de ex in­qui­si­tio­ne eli­ga­tur. 5Item re­scrip­se­runt cu­ra­to­rem et­iam no­mi­ne col­le­gae te­ne­ri, si in­ter­ve­ni­re et pro­hi­be­re eum po­tuit. 6Item re­scrip­se­runt no­mi­num, quae de­te­rio­ra fac­ta sunt tem­po­re cu­ra­to­ris, pe­ri­cu­lum ad ip­sum per­ti­ne­re: quia ve­ro an­te­quam cu­ra­tor fie­ret, ido­nea non erant, ae­quum vi­de­ri pe­ri­cu­lum ad eum non per­ti­ne­re.

12Idem eod. lib. Die Kaiser Antoninus und Verus haben rescribirt: Die Ausführung von Bauen dürfe nicht ohne Sicherheitsleistung übertragen werden. 1Ferner haben sie rescribirt: Pfleger seien, wenn sie bei Verkäufen von [städtischem] Eigenthum sich fahrlässig bewiesen, auf den einfachen Betrag, wenn sie betrüglich gehandelt, auf den doppelten gehalten, es gehe aber diese Strafe nicht auf die Erben über. 2Ferner haben sie rescribirt: Der Pfleger müsse das zum Getreideankauf bestimmte Geld durch [Abpfändung und] Verkauf von Sachen eintreiben. 3Ferner haben sie rescribirt: Die Getreideeinkäufer dürfen, wenn sie nicht ihr Amt träge verwaltet haben, keinen Schaden tragen; nach einem Schreiben Hadrians. 4Ferner haben sie rescribirt: Von dem Buchhalter (curator calendarii) dürfe keine Sicherheitsbestellung verlangt werden, da er nach vorgängiger Prüfung vom Statthalter erwählt werde. 5Ferner haben sie rescribirt: Ein Pfleger sei auch seines Amtsgenossen wegen verpflichtet, wenn er sich ins Mittel schlagen und ihm vorbeugen konnte. 6Ferner haben sie rescribirt: Die Verantwortlichkeit2424Periculum lässt sich bei schon schlecht gewordenen Aussenständen nicht wohl mit „Gefahr“ übersetzen. wegen Aussenständen, die während der Verwaltung des Pflegeramts schlechter geworden, treffe ihn2525Den Pfleger (curator).; wegen deren aber, die schon vorher, ehe er Pfleger worden, nicht gut gewesen, könne ihn billigerweise die Gefahr nicht treffen.

13Idem li­bro eo­dem. Im­pe­ra­to­res An­to­ni­nus et Ve­rus re­scrip­se­runt eum, qui pe­cu­niam pu­bli­cam ma­gis­tra­tus sui tem­po­re et post non pau­co tem­po­re de­ti­nue­rat, usu­ras et­iam prae­sta­re de­be­re, ni­si si quid ad­le­ga­re pos­sit, qua ex cau­sa tar­dius in­tu­lis­set.

13Idem eod. lib. Die Kaiser Antoninus und Verus haben rescribirt, dass Einer, der während seiner Amtsführung und nicht wenige Zeit nachher öffentliche Gelder an sich behalten hatte, auch Zinsen davon entrichten müsse, wofern er nicht Etwas anzuführen vermöchte, weshalb er solche später eingeliefert habe.