Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 50 übersetzt von Treitschke (Titel 1–15) und Schneider (Titel 16/17)
Dig. L7,
De legationibus
Liber quinquagesimus
VII.

De legationibus

(Von den Verrichtungen der Abgeordneten.)

1Ul­pia­nus li­bro oc­ta­vo ad Mas­su­rium Sa­binum. Le­ga­tus mu­ni­ci­pa­lis si de­se­rue­rit le­ga­tio­nem, poe­na ad­fi­cie­tur ex­tra­or­di­na­ria, mo­tus or­di­ne, ut ple­rum­que so­let.

1Ulp. lib. VIII. ad Massur. Sabin. Wenn ein städtischer Abgeordneter seinen Posten verlässt, so wird er in eine ausserordentliche Strafe genommen, nachdem er, wie meistens zu geschehen pflegt, aus dem Rathe (ordo) gestossen worden.

2Idem li­bro se­cun­do opi­nio­num. Le­ga­tus con­tra rem pu­bli­cam, cu­ius le­ga­tus est, per alium a prin­ci­pe quid pos­tu­la­re pot­est. 1Utrum quis de­se­rue­rit le­ga­tio­nem an ex ne­ces­sa­ria cau­sa mo­ram pas­sus sit, or­di­ni pa­triae suae pro­ba­re de­bet. 2Ces­sa­tio unius le­ga­ti ei, qui mu­nus ut opor­tet ob­iit, non no­cet.

2Idem lib. II. Opin. Ein Abgeordneter kann gegen das Gemeinwesen, dessen Abgeordneter er ist, durch einen Andern beim Fürsten etwas suchen. 1Ob einer seinen Abgeordnetenposten [muthwillig] verlassen oder durch eine unausweichliche Ursache Aufenthalt erfahren hat, muss er dem Rathe seiner Heimath beweisen. 2Die Zögerung des einen Abgeordneten schadet dem andern, der sein Amt gebührend versehen hat, nicht.

3Idem ex eo­dem li­bro. His, qui non gra­tui­tam le­ga­tio­nem sus­ce­pe­runt, le­ga­ti­vum ex for­ma re­sti­tua­tur.

3Idem eod. lib. Denen, welche übernommen haben, unentgeltlich Abgeordnete zu sein, wird [doch] das angemessene legativum erstattet11S. o. fr. 18. §. 12. de mun. et hon. 50. 4..

4Afri­ca­nus li­bro ter­tio quaes­tio­num. Cum quae­ri­tur, an in eum, qui in le­ga­tio­ne sit, ac­tio da­ri de­beat, non tam in­ter­est, ubi quis aut cre­di­de­rit aut da­ri sti­pu­la­tus sit, quam il­lud, an id ac­tum sit, ut le­ga­tio­nis tem­po­re sol­ve­re­tur.

4Afric. lib. III. Quaest. Wenn die Frage ist: ob gegen Einen, der als Abgeordneter verreist ist, eine Klage zu gestatten sei? so kommt es nicht sowohl darauf an, wo man ihm vorgeschossen oder eine Zahlung sich stipulirt hat, als vielmehr darauf, ob die Absicht gewesen sei, dass zu der Zeit, wo er Abgeordneter ist, gezahlt werden solle.

5Mar­cia­nus li­bro duo­de­ci­mo in­sti­tu­tio­num. Scien­dum est de­bi­to­rem rei pu­bli­cae le­ga­tio­ne fun­gi non pos­se: et ita di­vus Pius Clau­dio Sa­tur­ni­no et Faus­ti­no re­scrip­sit. 1Sed et eos, qui­bus ius pos­tu­lan­di non est, le­ga­tio­ne fun­gi non pos­se et id­eo ha­re­na mis­sum non iu­re le­ga­tum es­se mis­sum di­vi Se­ve­rus et An­to­ni­nus re­scrip­se­runt. 2De­bi­to­res au­tem fis­ci non pro­hi­ben­tur le­ga­tio­ne fun­gi. 3Si ac­cu­sa­tio ali­cu­ius pu­bli­ce in­sti­tu­ta sit, non est com­pel­len­dus ac­cu­sa­tor ad eum le­ga­tio­nem sus­ci­pe­re, qui se ami­cum vel do­mes­ti­cum di­cit eius, qui ac­cu­sa­tur: et ita di­vi fra­tres Ae­mi­lio Ru­fo re­scrip­se­runt. 4Le­ga­ti vi­ca­rios da­re non alios pos­sunt ni­si fi­lios suos. 5Or­di­ne unus­quis­que mu­ne­re le­ga­tio­nis fun­gi co­gi­tur: et non alias com­pel­len­dus est mu­ne­re le­ga­tio­nis fun­gi, quam si prio­res, qui in cu­riam lec­ti sunt, func­ti sint. sed si le­ga­tio de pri­mo­ri­bus vi­ris de­si­de­ret per­so­nas et qui or­di­ne vo­can­tur in­fe­rio­res sint, non es­se ob­ser­van­dum or­di­nem di­vus Ha­d­ria­nus ad Cla­zo­me­nios re­scrip­sit. 6Prae­ci­pi­tur au­tem edic­to di­vi Ves­pa­sia­ni om­ni­bus ci­vi­ta­ti­bus, ne plu­res quam ter­nos le­ga­tos mit­tant.

5Marcian. lib. XII. Inst. Zu merken ist, dass ein Schuldner der Gemeinde nicht Abgeordueter [derselben] sein kann; dahin hat Kaiser Pius an den Claudius Saturninus und Faustinus rescribirt. 1Dass aber Diejenigen, die nicht vor Gericht handeln können22S. fr. 1. de postulando, 3. 1., auch nicht als Abgeordnete dienen dürfen, und daher ein zum Thierkampf verurtheilt gewesener Mensch widerrechtlich Abgeordneter sei, haben die Kaiser Severus und Antoninus rescribirt. 2Den Schuldnern des Fiscus ist aber unverwehrt, als Abgeordnete aufzutreten. 3Wenn wider Jemand eine öffentliche Anklage anhängig gemacht ist, so darf der Ankläger nicht genöthigt werden, sich zu einer Gesandtschaft an Jemanden, der sich für einen Freund oder Verwandten des Angeklagten ausgiebt, brauchen zu lassen; dahin haben die kaiserlichen Brüder an den Aemilius Rufus rescribirt. 4Die Abgeordneten können sich durch Niemanden vertreten lassen, als durch ihre eignen Söhne. 5Jeder muss der Reihe nach das Amt eines Abgeordneten versehen, und darf dazu nicht anders genöthigt werden, als bis Die, so vor ihm in den Rath aufgenommen sind, ein solches versehen haben. Wenn aber zu dem Geschäft der Abgeordneten Personen, die zu den vornehmsten Männern gehören, erfodert werden, und die, welche die Reihe dazu trifft, niedrigern Ranges sind, so ist, wie Kaiser Hadrianus an die Clazomenier rescribirt hat, bei der Reihefolge nicht zu bleiben. 6Durch ein Rescript Kaiser Vespasians ist allen Städten vorgeschrieben, nicht mehr als je drei Abgeordnete zu senden.

6Scae­vo­la li­bro pri­mo re­gu­la­rum. Le­ga­to tem­pus prod­est, ex quo le­ga­tus crea­tus est, non ex quo Ro­mam venit. 1Sed si non con­stat, le­ga­tus sit an non, Ro­mae prae­tor de hoc co­gnos­cit.

6Scaevola lib. I. Regul. Dem Abgeordneten wird die Zeit angerechnet, seit welcher er zum Abgeordneten erwählt worden ist, nicht [blos] die, seit welcher er in Rom angelangt ist. 1Ist es aber nicht gewiss, ob er Abgeordneter sei oder nicht, so untersucht dies der Prätor in Rom.

7Ul­pia­nus li­bro quar­to de of­fi­cio pro­con­su­lis. Fi­lio prop­ter pa­trem le­ga­tio­nis va­ca­tio ne con­ce­da­tur, im­pe­ra­tor nos­ter cum pa­tre Clau­dio Cal­lis­to re­scrip­sit in haec ver­ba: ‘Quod de­si­de­ras, ut prop­ter le­ga­tio­nem pa­tris tui a le­ga­tio­ne tu va­ces, in in­ter­val­lis ho­no­rum, qui sump­tum ha­bent, rec­te ob­ser­va­tur: in im­pen­diis le­ga­tio­num, quae so­lo mi­nis­te­rio ob­eun­tur, di­ver­sa cau­sa est’.

7Ulp. lib. IV. de off. Procons. Dass ein Sohn seines Vaters wegen nicht davon befreit ist, Abgeordneter zu werden, hat unser Kaiser mit seinem Vater33Caracalla mit Sept. Severus. folgendergestalt an den Claudius Callistus rescribirt: Was du langst, dass du wegen des Postens als Abgeordneter, den dein Vater versieht, frei davon seist, Abgeordneter zu werden, dieses wird bei den Freizeiten der Aemter, die mit Aufwand verbunden sind, mit Recht beobachtet; bei der Mühwaltung als Abgeordneter, die blos durch Dienste verrichtet wird44S. fr. 18. §. 12. de mun. et hon. 50. 4., ist etwas Anderes.

8Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Fi­lius de­cu­rio pro pa­tre le­ga­tio­nis of­fi­cium sus­ce­pit. ea res fi­lium, quo mi­nus or­di­ne suo le­ga­tus pro­fi­cis­ca­tur, non ex­cu­sat: pa­ter ta­men bi­en­nii va­ca­tio­nem vin­di­ca­re pot­erit, quia per fi­lium le­ga­tio­ne func­tus vi­de­tur.

8Papin. lib. I. Resp. Ein Decurio übernahm für seinen Vater das Amt eines Abgeordneten; dadurch wird der Sohn nicht überhoben, nach seiner Reihe auch als Abgeordneter zu reisen55Fr. 13. h. t., der Vater aber kann auf zweijährige Befreiung Anspruch machen, weil er durch seinen Sohn das Amt als Abgeordneter verrichtet hat.

9Pau­lus li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Re­spon­dit eum, qui le­ga­tio­ne func­tus est, in­tra tem­po­ra va­ca­tio­nis prae­fi­ni­ta non opor­te­re com­pel­li rur­sum ad de­fen­den­dum pu­bli­cum neg­otium, et­iam­si de ea­dem cau­sa li­ti­ge­tur. 1‘Im­pe­ra­to­res An­to­ni­nus et Se­ve­rus Au­gus­ti Ger­ma­no Sil­va­no. le­ga­tio­ne func­tis bi­en­nii va­ca­tio con­ce­di­tur: nec in­ter­est, utrum le­ga­tio in ur­be an in pro­vin­cia agen­ti­bus no­bis man­da­ta sit’. 2Pau­lus re­spon­dit eum, qui le­ga­tio­ne fun­gi­tur, ne­que alie­nis ne­que pro­priis neg­otiis se in­ter­po­ne­re de­be­re. in qua cau­sa non vi­de­ri eum quo­que con­ti­ne­ri, qui cum ami­co suo prae­to­re gra­tis con­si­lium par­ti­ci­pat.

9Paul. lib. I. Respons. Paulus hat geantwortet: wer Abgeordneter gewesen sei, dürfe innerhalb der bestimmten Befreiungszeit nicht wieder zu Führung einer öffentlichen Angelegenheit gezwungen werden, wenn es auch in demselben Rechtsstreite wäre. 1Die Kaiser Antoninus und Severus an den Germanus Silvanus. Wer Abgeordneter gewesen ist, geniesst eine zweijährige Befreiung, und es kommt nichts darauf an, ob [an Uns] abgeordnet worden ist, während Wir in Rom, oder während Wir in einer Provinz Uns aufhielten. 2Paulus hat begutachtet: ein Abgeordneter dürfe weder mit fremden, noch mit eigenen Geschäften sich abgeben; darunter sei jedoch nicht zu rechnen, wenn Jemand dem Prätor, seinem Freunde, unentgeltlich mit Rath beistehe.

10Idem li­bro ter­tio re­spon­so­rum. Pau­lus re­spon­dit de eo dam­no, quod le­ga­tio­nis tem­po­re le­ga­tus pas­sus est, pos­se eum et­iam le­ga­tio­nis tem­po­re ex­per­i­ri.

10Idem lib. III. Respons. Paulus hat begutachtet: wegen eines Schadens, den ein Abgeordneter, während der Zeit seiner Amtsführung erlitten habe, könne er auch während der Dauer derselben klagen.

11Idem li­bro pri­mo sen­ten­tia­rum. Le­ga­tus an­te­quam of­fi­cio le­ga­tio­nis func­tus sit, in rem suam ni­hil age­re pot­est, ex­cep­tis his quae ad in­iu­riam eius vel dam­num pa­ra­ta sunt. 1Si quis in mu­ne­re le­ga­tio­nis, an­te­quam ad pa­triam re­ver­te­tur, de­ces­sit, sump­tus, qui pro­fi­cis­cen­ti sunt da­ti, non re­sti­tuun­tur.

11Idem lib. I. Sentent. Ein Abgeordneter kann, bevor er seine Geschäfte als solcher verrichtet hat, in eigenen Angelegenheiten nichts gerichtlich handeln, ausser, was ihm wiederfahrene Beleidigungen oder Schäden betrifft. 1Wenn Jemand als Abgeordneter vor der Rückkehr in die Heimath verstirbt, so wird das Zehrgeld, das ihm bei seiner Abreise gegeben worden ist, nicht wiedererstattet.

12Idem li­bro sin­gu­la­ri de iu­re li­bel­lo­rum. Si ab­sen­ti in­iunc­ta est le­ga­tio eam­que gra­tui­tam sus­ce­pit, pot­est quis et per alium le­ga­tio­nem mit­te­re. 1Qui le­ga­tio­nis of­fi­cio fun­gi­tur, li­cet suum neg­otium cu­ra­re non pot­est, mag­nus ta­men An­to­ni­nus per­mi­sit ei pu­pil­lae no­mi­ne et in­strue­re et de­fen­de­re cau­sam, li­cet le­ga­tio­ni, quam sus­ce­pit, non­dum re­nun­tia­ve­rit, prae­ci­pue cum par­ti­ci­pem of­fi­cii ip­sius ab­sen­tem es­se di­ce­bat.

12Idem lib. sing. de jur. libell. Wenn ein Abwesender zum Abgeordneten ernannt worden ist, und er dieses Geschäft unentgeltlich übernommen hat, so kann er es auch durch einen Andern ausrichten lassen. 1Darf gleich, wer als Abgeordneter dient, kein eigenes Geschäft besorgen, so hat doch Antoninus der Grosse einem solchen erlaubt, im Namen seiner Mündel einen Rechtsstreit anhängig zu machen und zu führen, obschon er sein übernommenes Geschäft als Abgeordneter noch nicht niedergelegt hatte, zumal da er angab, dass sein Amtsgenosse abwesend sei.

13Scae­vo­la li­bro pri­mo di­ges­to­rum. Le­ga­tus crea­tus a pa­tria sua sus­cep­ta le­ga­tio­ne in ur­bem Ro­mam venit et non­dum per­fec­ta le­ga­tio­ne do­mum, quae erat in ip­sius ci­vi­ta­te ni­co­po­li, emit. quae­si­tum est, an in se­na­tus con­sul­tum in­ci­de­rit, quo pro­hi­ben­tur le­ga­ti an­te per­fec­tam le­ga­tio­nem neg­otiis vel pri­va­tis re­bus ob­strin­gi. re­spon­dit non vi­de­ri te­ne­ri.

13Scaevola lib. I. Dig. Ein von seiner Vaterstadt gewählter Abgeordneter übernahm solches Geschäft und kam nach Rom. Vor Beendigung desselben aber kaufte er ein in seiner Vaterstadt Nikopolis gelegenes Haus. Hier wurde gefragt: ob er den Senatsschluss übertreten habe, welcher den Abgeordneten verbietet, vor Beendigung ihrer Verrichtung mit Rechtsgeschäften oder Privatangelegenheiten sich zu befassen? Gutachten: er sei deshalb nicht für verantwortlich zu halten.

14Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Vi­ca­rius alie­ni mu­ne­ris vo­lun­ta­te sua da­tus or­di­ne suo le­ga­tio­nem sus­ci­pe­re non ad­mis­sa bi­en­nii prae­scrip­tio­ne co­ge­tur.

14Papin. lib. I. Respons. Wer mit seinem Willen zum Stellvertreter in eines Andern Geschäft bestellt worden ist, muss nach seiner Reihe als Abgeordneter dienen, ohne dass die Ausflucht der zweijährigen Befreiung ihm zu statten kommt.

15Ul­pia­nus li­bro sep­tua­gen­si­mo quar­to ad edic­tum prae­to­ris. Qui li­be­ra le­ga­tio­ne ab­est, non vi­de­tur rei pu­bli­cae cau­sa ab­es­se: hic enim non pu­bli­ci com­mo­di cau­sa, sed sui ab­est.

15Ulp. lib. LXXIV. ad Ed. Praet. Wer auf beliebige Zeit Abgeordneter ist66Libera legatio, eine Erlaubniss, sich unter dem Titel als Legat oder Gesandter an dem Orte seiner Wahl aufzuhalten, da ausserdem ein Senator Rom nicht verlassen durfte. Sueton. Tiber. c. 31. S. von der bekannten Beschränkung dieser Titularlegationen durch Jul. Caesar auf fünf Jahr, Ernesti Clavis Cic. in Ind. leg. ad L. Jul. de leg. lib. Hieraus ist aber klar, dass in diesem Fragment das Wort legatio nicht, wie in allen dieses Titels, das letzte ausgenommen, das Amt eines Abgeordneten von einem Municipium an den Kaiser bedeuten kann. Dergleichen Spiel mit diesem Amte zu treiben, kann den Stadträthen nicht gestattet gewesen sein. Es ist also hier die Rede von dem Amte der Legati, welche den Proconsuln zur Hülfe gegeben waren, auch wohl der Gesandten bei fremden Völkern, und von dem Fall, wo Jemand unter einem dieser beiden Namen und mit dem Glanze derselben sich in einer Provinz oder dem Auslande aufgehalten hat., gilt nicht als in öffentlichen Angelegenheiten verreist; denn ein solcher ist nicht des gemeinen Bestens, sondern seines eignen wegen abwesend.

16Mo­des­ti­nus li­bro sep­ti­mo re­gu­la­rum. Is, qui le­ga­tio­ne fun­gi­tur, li­bel­lum si­ne per­mis­su prin­ci­pis de aliis suis neg­otiis da­re non pot­est.

16Modestin. lib. VII. Regul. Wer als Abgeordneter Verrichtung hat, kann ohne Erlaubniss des Fürsten wegen andrer und eigner Angelegenheiten keine Bittschrift einreichen.

17Idem li­bro oc­ta­vo re­gu­la­rum. Eun­dem plu­res le­ga­tio­nes sus­ci­pe­re pro­hi­bi­tum non est prae­ter­ea, si et sump­tus et iti­ne­ris com­pen­dium sua­deat. 1An­te le­ga­tio­nem sus­cep­tam si cui neg­otium mo­vea­tur, et­iam ab­sens de­fen­di de­bet: sus­cep­ta le­ga­tio­ne non ni­si in­iunc­to mu­ne­re fun­ga­tur.

17Idem lib. VIII. Regul. Dass Einer zu mehrern Geschäften [zugleich] abgeordnet werde77Plures legationes. Vielleicht auch: dass Einer von mehrern Städten, denen er angehört, zugleich abgeordnet werde. Dann könnte compendium itineris auch den gewöhnlichen Sinn: Abkürzung des Wegs haben., ist nicht verboten, wenn besonders es wegen der Kosten und der Ersparniss einer Reise rathsam ist. 1Wenn wider Jemanden, ehe er als Abgeordneter abgeht, ein Rechtsstreit erhoben wird, so muss er auch in seiner Abwesenheit vertreten werden; [geschieht es aber] nach seiner Abreise soll er nichts als das ihm aufgetragene Geschäft vornehmen.

18Pom­po­nius li­bro tri­gen­si­mo sep­ti­mo ad Quin­tum Mu­cium. Si quis le­ga­tum hos­tium pul­sas­set, con­tra ius gen­tium id com­mis­sum es­se ex­is­ti­ma­tur, quia sanc­ti ha­ben­tur le­ga­ti. et id­eo si, cum le­ga­ti apud nos es­sent gen­tis ali­cu­ius, bel­lum cum eis in­dic­tum sit, re­spon­sum est li­be­ros eos ma­ne­re: id enim iu­ri gen­tium con­ve­nit es­se. ita­que eum, qui le­ga­tum pul­sas­set, Quin­tus Mu­cius de­di hos­ti­bus, quo­rum erant le­ga­ti, so­li­tus est re­spon­de­re. quem hos­tes si non re­ce­pis­sent, quae­si­tum est, an ci­vis Ro­ma­nus ma­ne­ret: qui­bus­dam ex­is­ti­man­ti­bus ma­ne­re, aliis con­tra, quia quem se­mel po­pu­lus ius­sis­set de­di, ex ci­vi­ta­te ex­pul­sis­se vi­de­re­tur, sic­ut fa­ce­ret, cum aqua et ig­ni in­ter­di­ce­ret. in qua sen­ten­tia vi­de­tur Pu­blius Mu­cius fuis­se. id au­tem ma­xi­me quae­si­tum est in Hos­ti­lio Man­ci­no, quem Nu­man­ti­ni si­bi de­di­tum non ac­ce­pe­runt: de quo ta­men lex post­ea la­ta est, ut es­set ci­vis Ro­ma­nus, et prae­tu­ram quo­que ges­sis­se di­ci­tur.

18Pompon. lib. XXXVII. ad Quint. Muc. Wenn Jemand einen Gesandten der Feinde schlägt, so wird dies für ein Vergehen gegen das Völkerrecht88Jus gentium: eigentlich: das, was bei allen Völkern für Recht gehalten wird. gehalten, weil Gesandte für unverletzlich gelten, daher ist auch, als Gesandte eines fremden Volkes bei uns waren und diesem der Krieg erklärt ward, begutachtet worden, dass dieselben frei blieben; denn das sei dem Völkerrecht gemäss. Deshalb hat auch Quintus Mucius mehrmals99Solitus est respondere. das Gutachten gegeben, dass Der, welcher einen Gesandten geschlagen hätte, den Feinden, von denen die Gesandtschaft kam, auszuliefern sei. Wenn nun die Feinde einen solchen nicht annehmen, so ist gefragt worden, ob er Römischer civis bleibe, und Einige haben dafürgehalten, er bleibe es, Andere im Gegentheil, weil das Römische Volk, indem es einmal die Auslieferung eines Menschen befohlen, denselben aus dem Staate verbannt habe, ebenso gut als durch die Ausschliessung von Wasser und Feuer. Dieser Meinung scheint Quintus Mucius gewesen zu sein. Jene Frage wurde besonders aufgeworfen in dem Falle des Hostilius Mancinus, welcher den Numantinern ausgeliefert und von ihnen nicht angenommen wurde, über welchen aber nachher ein Volksschluss (lex) gefasst wurde, dass er Römischer Bürger sein solle; auch soll er Prätor gewesen sein.