Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 50 übersetzt von Treitschke (Titel 1–15) und Schneider (Titel 16/17)
Dig. L2,
De decurionibus et filiis eorum
Liber quinquagesimus
II.

De decurionibus et filiis eorum

(Von den Decurionen und ihren Söhnen.)

1Ul­pia­nus li­bro se­cun­do opi­nio­num. De­cu­rio­nes, quos se­di­bus ci­vi­ta­tis, ad quam per­ti­nent, re­lic­tis in alia lo­ca trans­mi­gras­se pro­ba­bi­tur, prae­ses pro­vin­ciae in pa­trium so­lum re­vo­ca­re et mu­ne­ri­bus con­gruen­ti­bus fun­gi cu­ret.

1Ulp. lib. II. Opin. Die Decurionen, welche erweislich ihren Wohnort in der Stadt, wohin sie gehören, verlassen und sich an andere Orte übersiedelt haben, soll der Statthalter der Provinz in die Heimath zurückrufen und die ihnen angemessenen Aemter versehen lassen.

2Idem li­bro pri­mo dis­pu­ta­tio­num. Qui ad tem­pus rele­ga­tus est, si de­cu­rio sit, de­si­net es­se de­cu­rio. re­ver­sus pla­ne lo­cum suum qui­dem non op­ti­ne­bit, sed non sem­per pro­hi­be­tur de­cu­rio fie­ri. de­ni­que in lo­cum suum non re­sti­tue­tur (nam et sub­le­gi in lo­cum eius pot­est) et si nu­me­rus or­di­nis ple­nus sit, ex­spec­ta­re eum opor­tet, do­nec alius va­cet. alia cau­sa est eius, qui ad tem­pus or­di­ne re­mo­ve­tur: hic enim im­ple­to tem­po­re de­cu­rio est. sed et in hu­ius lo­cum sub­le­gi pot­erit: sed et si ple­num lo­cum in­ve­ne­rit, ex­spec­tet, do­nec lo­cus va­cet. 1Re­sti­tu­tus ta­men in or­di­nem utrum eum or­di­nem te­n­eat, quem pri­mum ha­buit, an ve­ro quem nunc nanc­tus est, quae­ri pot­est, si for­te de or­di­ne sen­ten­tia­rum di­cen­da­rum aga­tur. ar­bi­tror ta­men eun­dem or­di­nem te­ne­re, quem pri­dem ha­buit. non idem erit in eo, qui rele­ga­tus ad tem­pus est: nam hic vel­ut no­vus in or­di­nem venit. 2In fi­liis de­cu­rio­num quaes­tio est, utrum is so­lus de­cu­rio­nis fi­lius es­se vi­dea­tur, qui con­cep­tus et na­tus est ex de­cu­rio­ne, an ve­ro et is, qui an­te na­tus est, quam pa­ter de­cu­rio fie­ret. et qui­dem quan­tum per­ti­net, ne fus­ti­bus cas­ti­ge­tur et ne in me­tal­lum de­tur, non no­cet ple­be­io pa­tre es­se na­tum, si post­ea ho­nor de­cu­rio­nis pa­tri eo­rum ac­ces­se­rit. in avo quo­que Pa­pi­nia­nus idem re­spon­dit, ne pa­tris no­ta fi­lius ma­cu­la­re­tur. 3Sed si pa­ter ip­sius or­di­ne mo­tus sit, si qui­dem an­te con­cep­tio­nem eius mo­vea­tur, ar­bi­tror eum qua­si ple­bei fi­lium in ho­no­ri­bus spec­ta­ri: quod si post con­cep­tio­nem pa­ter ip­sius dig­ni­ta­tem amis­e­rit, di­cen­dum erit be­ni­gne ut de­cu­rio­nis fi­lium in­tuen­dum. 4Pro­in­de hic quo­que, qui post pa­tris rele­ga­tio­nem na­tus sit, si qui­dem an­te con­cep­tus est, si­mi­lis se­na­to­ris fi­lio ha­be­bi­tur: si post­ea, no­ce­bit il­li rele­ga­tio. 5Si ad tem­pus or­di­ne mo­to pa­tre fue­rit na­tus me­dio­que tem­po­re con­cep­tus et edi­tus, an qua­si de­cu­rio­nis fi­lius nas­ca­tur, li­cet pa­ter eius an­te ob­ie­rit, quam in or­di­nem ve­ne­rit? quod be­ni­gne erit ad­mit­ten­dum. 6Prae­ter­ea si con­cep­tus sit a ple­be­io, mox an­te edi­tio­nem pa­ter eius de­cu­rio­na­tum ad­ep­tus an­te edi­tio­nem amis­e­rit: non in­fa­vo­ra­bi­li­ter quis me­dium tem­pus il­li prod­es­se vel­uti iam na­to re­spon­de­bit. 7Nul­lum pa­tris de­lic­tum in­no­cen­ti fi­lio poe­nae est: id­eo­que nec or­di­ne de­cu­rio­num aut ce­te­ris ho­no­ri­bus prop­ter eius­mo­di cau­sam pro­hi­be­tur. 8Ma­io­res an­nis quin­qua­gin­ta quin­que ad de­cu­rio­na­tus ho­no­rem in­vi­ti vo­ca­ri con­sti­tu­tio­ni­bus pro­hi­ben­tur. sed si ei rei con­sen­se­rint, et­si ma­io­res an­nis sep­tua­gin­ta sint, mu­ne­ra qui­dem ci­vi­lia ob­ire non co­gun­tur, ho­no­res au­tem ge­re­re de­bent.

2Idem lib. I. Disput. Wer auf Zeit verwiesen wird, hört, wenn er Decurio ist, dies zu sein, auf. Indess ist er nach seiner Rückkehr, wenn er schon nicht in seine Stelle wiedereintritt, doch auch nicht auf immer unfähig, Decurio zu werden11Es bedurfte dazu eigentlich kaiserlicher Genehmigung, die nur unter gewissen Umständen ertheilt werden sollte. Fr. 13. pr. u. §. 1. h. t.. Jedenfalls22Denique. Dieses Wort kann zwar mit Savigny (R. des Bes. 5. Ausg. S. 50.) durch so zum Beispiel, oft mit Johannsen (s. Note 73. zu fr. 12. h. t.) durch sogar, oft aber weder druch eines dieser beiden, noch durch endlich übersetzt werden. wird er nicht in seine Stelle wiedereingesetzt, denn es kann ein Anderer an seine Stelle erwählt werden, und wenn die Zahl des Rathes (ordo) voll ist, so muss er warten, bis eine andere leer wird33Sonderbar nimmt es sich nebeneinander aus, wenn das Decurionat in einigen Stellen als eine begehrte Würde, in andern als eine aufzudringende Last erscheint. Jenes zeigt die Ueberbleibsel der Blüthe des römischen Staats, dieses seinen überhandnehmenden Verfass. S. Savigny Gesch. des röm. Rs. im Mittelalter. Th. I. S. 23. f.. Anders verhält es sich mit Dem, welcher auf Zeit aus dem Rathe ausgeschlossen wird; denn dieser ist nach Ablauf der Zeit [wiederum] Decurio. Aber auch an seine Stelle kann ein Anderer erwählt werden, und wenn er dieselbe besetzt findet, so muss er ebenfalls warten, bis eine leer wird44S. o. fr. 15. pr. ad munic. 50. 1.. 1Wenn er nun aber wieder in den Rath einrückt, so kann gezweifelt werden, ob er in die Stelle trete, die er früher gehabt, oder in die, welche er jetzt bekommen hat? falls etwa von der Reihe des Abstimmens die Rede wäre. Ich halte aber dafür, dass er die Stelle einnehme, die er vorher gehabt hat. Nicht ebenso Der, welcher auf Zeit verwiesen gewesen ist; denn dieser kommt gleich einem Neuling in den Rath. 2Bei den Söhnen der Decurionen ist die Frage, ob nur Der als Decuriossohn gelte, dessen Vater zur Zeit seiner Zeugung und Geburt Decurio war, oder auch ein solcher, der geboren ist, ehe sein Vater Decurio wurde. Und zwar ist, soviel die Freiheit von Prügelstrafe und Strafarbeit in Bergwerken betrifft, die Herkunft von einem unadlichen (plebejo) Vater unschädlich, wenn der Vater nachher zur Ehre des Decurionats gelangt. Papinianus hat auch bezüglich des Grossvaters ebendahin ein Gutachten ertheilt, damit nicht der Sohn von dem Schimpf des Vaters befleckt werde. 3Ist aber der Vater aus dem Rathe gestossen worden, so halte ich dafür, dass, wenn dies vor der Zeugung seines Sohnes geschehen ist, dieser in Ansehung der Ehrenstellen als Sohn eines Unadlichen zu achten sei; hat hingegen der Vater nach der Zeugung desselben seine Würde verloren, so wird er nach der mildern Ansicht als Decuriossohn betrachtet werden müssen. 4Sonach wird auch Der, welcher nach der Verweisung des Vaters geboren ist, sobald er nur vorher gezeugt ist, einem Rathsherrnsohne gleich (similis) geachtet; wenn aber nachher, so ist ihm die Verweisung nachtheilig. 5Wenn der Vater auf Zeit aus dem Rathe gestossen und der Sohn mittlerweile gezeugt und geboren ist, wird er dann als Decuriossohn geboren? wenngleich der Vater verstirbt, ehe er [wieder] in den Rath eintritt. Dieses ist nach milderer Ansicht zu bejahen. 6Ausserdem wird auch nicht unbilligerweise dahin ein Gutachten zu geben sein, dass, wenn Jemand von einem Unadlichen gezeugt ist, darauf sein Vater, vor seiner Geburt, das Decurionat erlangt, aber auch vor seiner Geburt wiederverloren hat, die Zwischenzeit ihm nützlich sei, als ob er schon geboren wäre. 7Kein Verbrechen des Vaters wird an dem Sohne gestraft, und daher wird er auch aus einem solchen Grunde zum Stande der Decurionen, oder zu andern Ehrenstellen, nicht unfähig. 8Männer, die älter als fünfundfunfzig Jahre sind, wider ihren Willen zur Würde des Decurionats zu berufen, ist in kaiserlichen Verordnungen verboten. Wenn sie aber darein gewilligt haben, so müssen sie, wären sie auch älter als siebzig Jahr, zwar nicht bürgerliche Dienste übernehmen, wohl aber Ehrenstellen verwalten55Den Unterschied zwischen munera civilia und honores giebt fr. 14. pr. u. §. 1. de muner. 50. 4. an..

3Idem li­bro ter­tio de of­fi­cio pro­con­su­lis. Ge­ne­ra­li­ter id erit de­fen­den­dum, ut qui cle­men­tio­rem sen­ten­tiam pas­sus est ob hoc, quod ad tem­pus rele­ga­tur, bo­ni con­su­le­re de­beat hu­ma­ni­ta­tis sen­ten­tiae nec de­cu­rio­na­tum re­ci­piat. 1Sed si quis ob fal­sam cau­sam vel aliam de gra­vio­ri­bus non ad tem­pus sit rele­ga­tus, sed ad tem­pus or­di­ne mo­tus, in ea est cau­sa, ut pos­sit in or­di­nem red­ire. im­pe­ra­tor enim An­to­ni­nus edic­to pro­pos­i­to sta­tuit, ut cui­cum­que aut qua­cum­que cau­sa ad tem­pus or­di­ne vel ad­vo­ca­tio­ni­bus vel quo alio of­fi­cio fuis­set in­ter­dic­tum, com­ple­to tem­po­re ni­hi­lo mi­nus fun­gi ho­no­re vel of­fi­cio pos­sit. et hoc rec­te: ne­que enim exag­ge­ran­da fuit sen­ten­tia, quae mo­dum in­ter­dic­tio­ni fe­ce­rat. 2Spu­rios pos­se in or­di­nem al­le­gi nul­la du­bi­ta­tio est: sed si ha­beat com­pe­ti­to­rem le­gi­ti­me quae­si­tum, prae­fer­ri eum opor­tet, di­vi fra­tres Lol­lia­no Avi­to Bi­thy­niae prae­si­di re­scrip­se­runt. ces­san­ti­bus ve­ro his et­iam spu­rii ad de­cu­rio­na­tum et re et vi­ta ho­nes­ta re­ci­pien­tur: quod uti­que non sor­di erit or­di­ni, cum ex uti­li­ta­te eius sit sem­per or­di­nem ple­num ha­be­re. 3Eis, qui iu­dai­cam su­per­sti­tio­nem se­quun­tur, di­vi Se­ve­rus et An­to­ni­nus ho­no­res ad­ipis­ci per­mi­se­runt, sed et ne­ces­si­ta­tes eis im­po­sue­runt, qui su­per­sti­tio­nem eo­rum non lae­de­rent.

3Ulp. lib. III. de off. Procons. Im Allgemeinen ist zu sagen, dass Derjenige, welchen in der zeitigen Verweisung nur eine gelinde Strafe getroffen hat, froh sein muss, ein so schonendos Urtheil erlangt zu haben, und nicht wieder zum Decurionate kommt66S. fr. 15. pr. ad munic. 50. 1., fr. 5. h. t.. 1Ist aber Jemand wegen einer Fälschung (ob falsam causam), oder um einer andern wichtigern Ursache willen nicht auf Zeit verwiesen, sondern auf Zeit aus dem Rathe gestossen, so steht er in solchem Verhältnisse, dass er wieder in den Rath eintreten kann77Vgl. fr. 2. §. 1. h. t.. Denn der Kaiser Antoninus hat in einem erlassenen Edicte verordnet: Wer aus irgend einer Ursache auf Zeit aus dem Rathe, oder von Anwaltschaften, oder von irgend einer andern Amtsverrichtung ausgeschlossen worden, könne nach Ablauf der Zeit nichtsdestoweniger seine Ehrenstelle oder sein Amt verwalten. Und das mit Recht; denn das Urtheil, welches der Ausschliessung ein bestimmtes Maass gesetzt hat, ist nicht zu verschärfen. 2Dass Uneheliche in den Rath gewählt werden können, ist keinem Zweifel unterworfen; hat aber ein solcher einen ehelichgebornen Mitbewerber, so muss derselbe nach einem Rescripte der kaiserlichen Brüder88S. Note 11. Tit. 1. an den Tollianus Avitus, Statthalter von Bithynien, vorgezogen werden. Wenn es aber an einem solchen99Ehelichgebornen. mangelt, so sind auch Uneheliche von ehrbarem Vermögen und Lebenswandel zum Decurionat aufzunehmen. Dies kann auch dem Stande keineswegs zur Schande gereichen, da es zu seinem Vortheil dient, immer vollzählig zu bleiben. 3Denjenigen, welche dem jüdischen Aberglauben anhängen, haben die Kaiser Severus und Antoninus1010Septimius Severus und Caracalla. gestattet, zu Ehrenstellen zu gelangen, auch diejenigen Pflichten, welche ihren Aberglauben nicht verletzen, ihnen auferlegt1111Vgl. Nov. 45. pr. Savigny a. a. O. S. 24..

4Mar­cia­nus li­bro pri­mo de iu­di­ciis pu­bli­cis. De­cu­rio, qui pro­hi­be­tur con­du­ce­re quae­dam, si iu­re suc­ces­se­rit in con­duc­tio­ne, re­ma­net in ea. quod et in om­ni­bus si­mi­li­bus ser­van­dum est.

4Marcian. lib. I. de judic. publ. Ein Decurio, dem gewisse Pachtungen verboten sind1212Fr. 6. §. 2. h. t. const. 30. de locato. 4. 65., führt solche doch fort, wenn er als Rechtsnachfolger darin eintritt1313Vgl. fr. 59. pr., fr. 63. §. 8. pro socio. 17. 2.. Ebenso ist es in allen ähnlichen Angelegenheiten zu halten.

5Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do quaes­tio­num. Ad tem­pus or­di­ne mo­tos ex cri­mi­ne, quod igno­mi­niam im­por­tat, in per­pe­tuum mo­ve­ri pla­cuit. ad tem­pus au­tem ex­ula­re ius­sos ex cri­mi­ne le­vio­re vel­ut trans­ac­to neg­otio non es­se in­ter in­fa­mes ha­ben­dos.

5Papin. lib. II. Quaest. Wer wegen eines Verbrechens, das Ehrlosigkeit nach sich zieht, [nur] auf Zeit aus dem Stande ausgeschlossen wird, der wird auf immer ausgeschlossen geachtet; wer hingegen wegen eines leichtern Vergehens auf Zeit verwiesen worden ist, wird, nach abgethaner Sache, nicht für ehrlos gehalten.

6Idem li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Spu­rii de­cu­rio­nes fiunt: et id­eo fie­ri pot­erit ex in­ces­to quo­que na­tus: non enim im­pe­dien­da est dig­ni­tas eius qui ni­hil ad­mi­sit. 1Mi­no­res vi­gin­ti quin­que an­no­rum de­cu­rio­nes fac­ti spor­tu­las de­cu­rio­num ac­ci­piunt: sed in­ter­im suf­fra­gium in­ter ce­te­ros fer­re non pos­sunt. 2De­cu­rio et­iam suae ci­vi­ta­tis vec­ti­ga­lia ex­er­ce­re pro­hi­be­tur. 3Qui iu­di­cii pu­bli­ci quaes­tio­nem ci­tra ve­niam ab­oli­tio­nis de­se­rue­runt, de­cu­rio­num ho­no­re de­co­ra­ri non pos­sunt, cum ex Tur­pil­lia­no se­na­tus con­sul­to no­ten­tur igno­mi­nia vel­uti ca­lum­niae cau­sa iu­di­cio pu­bli­co dam­na­ti. 4Pa­ter, qui fi­lio de­cu­rio­ne crea­to pro­vo­ca­vit, et­si prae­scrip­tio­ne tem­po­ris ex­clu­sus fue­rit, si quod ges­tum est non ha­buit ra­tum, mu­ne­ri­bus ci­vi­li­bus pro fi­lio non te­ne­bi­tur. 5Pri­vi­le­giis ces­san­ti­bus ce­te­ris eo­rum cau­sa po­tior ha­be­tur in sen­ten­tiis fe­ren­dis, qui plu­ri­bus eo­dem tem­po­re suf­fra­giis iu­re de­cu­rio­nis de­co­ra­ti sunt. sed et qui plu­res li­be­ros ha­bet, in suo col­le­gio pri­mus sen­ten­tiam ro­ga­tur ce­te­ros­que ho­no­ris or­di­ne prae­cel­lit.

6Idem lib. I. Respons. Uneheliche werden Decurionen, und daher kann es auch ein aus Blutschande Entsprossener werden; denn wer nichts verbrochen hat, ist an Gelangung zu Würden nicht zu behindern. 1Noch nicht Fünfundzwanzigjährige empfangen, wenn sie Decurionen werden1414Durch die Geburt, selten durch Wahl. Fr. 11. h. t., die Gebühren der Decurionen, können aber einstweilen nicht mit den Uebrigen stimmen. 2Einem Decurio ist auch verboten, die Renten seiner Stadt zu pachten (exercere). 3Wer1515Als Ankläger. die Untersuchung auf eine peinliche Anklage, ohne dass deren Niederschlagung bewilligt worden, hat fallen lassen, kann mit der Würde eines Decurio nicht geziert werden, da er nach dem Turpillianischen Senatsschluss mit Ehrlosigkeit bestraft wird, gleichsam als wegen falscher Anklage peinlich (judicio publico) verurtheilt1616Vgl. fr. 1. §. 7. ad SC. Turpill. 48. 16.. 4Ein Vater, der gegen die Wahl seines Sohnes zum Decurio Berufung eingewendet hat, ist, wenn er gleich durch den Zeitablauf ausgeschlossen worden, wegen der bürgerlichen Aemter seines Sohnes nicht verpflichtet, wofern er nicht das Geschehene genehmigt hat. 5Wenn keine andern Vorrechte vorhanden sind, werden bei den Abstimmungen Diejenigen vorgezogen, die von den Stimmen der Meisten zu gleicher Zeit mit dem Rechte des Decurionats beehrt worden sind. Auch wer mehrere Kinder hat, stimmt in seinem Collegium zuerst, und hat vor den Andern den Vorrang.

7Pau­lus li­bro pri­mo sen­ten­tia­rum. Ho­no­res et mu­ne­ra non or­di­na­tio­ne, sed po­tio­ri­bus qui­bus­que in­iun­gen­da sunt. 1Sur­dus et mu­tus si in to­tum non au­diant aut non lo­quan­tur, ab ho­no­ri­bus ci­vi­li­bus, non et­iam a mu­ne­ri­bus ex­cu­san­tur. 2Is, qui non sit de­cu­rio, duum­vi­ra­tu vel aliis ho­no­ri­bus fun­gi non pot­est, quia de­cu­rio­num ho­no­ri­bus ple­be­ii fun­gi pro­hi­ben­tur. 3Ad de­cu­rio­na­tum fi­lii ita de­mum pa­ter non con­sen­tit, si con­tra­riam vo­lun­ta­tem vel apud ac­ta prae­si­dis vel apud ip­sum or­di­nem vel quo alio mo­do con­tes­ta­tus sit.

7Paul. lib. I. Sentent. Ehrenstellen und Dienste sind nicht der Reihe nach, sondern immer den ausgezeichnetern Männern zu übertragen. 1Taube und Stumme, welche gar nicht hören oder reden können, werden der Ehrenstellen, nicht aber [aller] bürgerlicher Dienste überhoben1717Vgl. fr. 2. §. 6. de vacat. et exc. 50. 5.. 2Wer nicht Decurio ist, kann nicht das Duumvirat oder andere Ehrenstellen führen, weil Unadliche (plebeji) unfähig sind, zu den Ehrenstellen der Decurionen zu gelangen. 3In die Gelangung des Sohnes zum Decurionate willigt der Vater nur dann nicht ein, wenn er seinen entgegengesetzten Willen entweder zu den Acten des Statthalters oder bei dem Rathe (ordo) selbst oder auf irgend eine andere Weise urkundlich erklärt hat.

8Her­mo­ge­nia­nus li­bro pri­mo iu­ris epi­to­ma­rum. De­cu­rio­ni­bus fa­cul­ta­ti­bus lap­sis ali­men­ta de­cer­ni per­mis­sum est, ma­xi­me si ob mu­ni­fi­cen­tiam in pa­triam pa­tri­mo­nium ex­hau­se­rint.

8Hermogen. lib. I. Epit. Es ist gestattet, Decurionen, die in Abfall der Nahrung gerathen sind, eine Summe zum Unterhalt auszusetzen, zumal wenn sie durch Aufwand zum Besten ihrer Vaterstadt ihr Vermögen erschöpft haben.

9Pau­lus li­bro pri­mo de­cre­to­rum. Se­ve­rus Au­gus­tus di­xit: ‘et­si pro­ba­re­tur Ti­tius in ser­vi­tu­te pa­tris sui na­tus, ta­men, cum ex li­be­ra mu­lie­re sit pro­crea­tus, non pro­hi­be­tur de­cu­rio fie­ri in sua ci­vi­ta­te’. 1Non es­se du­bi­tan­dum, quin na­vi­cu­la­rii non de­bent de­cu­rio­nes crea­ri.

9Paul. lib. I. Decret. Kaiser Severus hat ausgesprochen: Wenngleich erwiesen wird, dass Titius während der Sclaverei seines Vaters geboren sei, so ist er doch, da er von einer freien Mutter stammt, nicht unfähig, in seiner Vaterstadt Decurio zu werden. 1Es ist kein Zweifel, dass Schiffer nicht1818Wider ihren Willen nemlich. Fr. 5. in f. de jure immun. zu Decurionen erwählt werden dürfen.

10Mo­des­ti­nus li­bro pri­mo re­spon­so­rum. He­ren­nius Mo­des­ti­nus re­spon­dit so­la al­bi pro­scrip­tio­ne mi­ni­me de­cu­rio­nem fac­tum, qui se­cun­dum le­gem de­cu­rio crea­tus non sit.

10Modestin. lib. I. Respons. Herennius Modestinus hat begutachtet, durch die blosse Eintragung in die Liste werde Einer, der nicht gesetzmässig zum Decurio erwählt worden, keinesweges Decurio.

11Cal­lis­tra­tus li­bro pri­mo co­gni­tio­num. Non tan­tum qui te­ne­rae ae­ta­tis, sed et­iam qui gran­des na­tu sunt de­cu­rio­nes fie­ri pro­hi­ben­tur. il­li qua­si in­ha­bi­les rem pu­bli­cam tue­ri ad tem­pus ex­cu­san­tur, hi ve­ro in per­pe­tuum amo­ven­tur: non alias se­nio­res, ne se­nio­rum ex­cu­sa­tio­ne iu­nio­res one­ren­tur ad om­nia mu­ne­ra pu­bli­ca sus­ci­pien­da so­li re­lic­ti. ne­que enim mi­no­res vi­gin­ti quin­que an­nis de­cu­rio­nes al­le­gi ni­si ex cau­sa pos­sunt, ne­que hi, qui an­num quin­qua­gen­si­mum et quin­tum ex­ces­se­runt. non­num­quam et­iam lon­ga con­sue­tu­do in ea re ob­ser­va­ta re­spi­cien­da erit. quod et­iam cus­to­dien­dum prin­ci­pes nos­tri con­sul­ti de al­le­gen­dis in or­di­ne Ni­com­eden­sium hu­ius ae­ta­tis ho­mi­ni­bus re­scrip­se­runt.

11Callistrat. lib. I. Cognit. Nicht blos in zartem Alter, sondern auch in hohen Jahren Stehende dürfen nicht zu Decurionen erwählt werden; jene sind, als unfähig dem Gemeinwesen vorzustehen, einstweilen überhoben, diese aber für immer ausgeschlossen1919Amoventur. Nach fr. 2. §. ult. h. t. sind über 55 Jahr alte Leute zwar nicht wider ihren Willen verpflichtet, wohl aber fähig, Decurionen zu werden. Callistratus scheint auch Letzteres nicht anzunehmen.. Nicht so andere ältere Männer; damit nicht durch Entschuldigung der Alten die Jüngern allein beschwert werden, indem sie zu Uebernahme aller öffentlichen Dienste allein übrig bleiben. Es können nemlich weder die noch nicht Fiinfundzwanzigjährigen, es sei denn aus einer [besondern] Ursache, noch Die, welche das fünfundfunfzigste Jahr zurückgelegt haben, zu Decurionen gewählt werden. Bisweilen wird auch die lange hierin beobachtete Gewohnheit zu berücksichtigen sein, worauf zu halten unsere Fürsten2020Sept. Severus und Caracalla. durch Rescript anbefohlen haben, als wegen Aufnahme von Männern dieses Alters in den Rath von Nicomedien angefragt wurde.

12Idem li­bro sex­to co­gni­tio­num. Eos, qui uten­si­lia neg­otian­tur et ven­dunt, li­cet ab ae­di­li­bus cae­dun­tur, non opor­tet qua­si vi­les per­so­nas neg­le­gi. de­ni­que non sunt pro­hi­bi­ti hu­ius­mo­di ho­mi­nes de­cu­rio­na­tum vel ali­quem ho­no­rem in sua pa­tria pe­te­re: nec enim in­fa­mes sunt. sed ne qui­dem ar­cen­tur ho­no­ri­bus, qui ab ae­di­li­bus fla­gel­lis cae­si sunt, quam­quam iu­re suo ita ae­di­les of­fi­cio is­to fun­gan­tur. in­ho­nes­tum ta­men pu­to es­se hu­ius­mo­di per­so­nas fla­gel­lo­rum ic­ti­bus sub­iec­tas in or­di­nem re­ci­pi, et ma­xi­me in eis ci­vi­ta­ti­bus, quae co­piam vi­ro­rum ho­nes­to­rum ha­beant: nam pau­ci­tas eo­rum, qui mu­ne­ri­bus pu­bli­cis fun­gi de­beant, ne­ces­sa­ria et­iam hos ad dig­ni­ta­tem mu­ni­ci­pa­lem, si fa­cul­ta­tes ha­beant, in­vi­tat.

12Idem lib. VI. Cognition. Leute, die allerlei Waaren einkaufen und verkaufen, dürfen, obschon sie von den Aedilen2121Die Bematen, welche die Marktpolizei versahen, wie in Rom. Schläge bekommen [können], doch nicht als niedrige Menschen zurückgesetzt werden. Es ist solchen Leuten sogar2222Denique. J. P. Johannsen Diss. de usu atq. vi particulae denique apud veteres Romanor. ICtos. Heidelb. 1808. unverwehrt, um das Decurionat oder irgend eine Ehrenstelle in ihrer Vaterstadt sich zu bewerben; denn sie sind nicht ehrlos. Auch nicht einmal Diejenigen sind von Ehrenstellen ausgeschlossen, die von den Aedilen Peitschenhiebe bekommen haben, wenngleich die Aedilen ihr Amt mit Recht auf diese Weise verwaltet haben. Ich halte es jedoch für unanständig, dergleichen Personen, die Peitschenhiebe erlitten haben, in den Rath aufzunehmen, zumal in solchen Städten, die eine hinreichende Menge ehrbarer Männer haben; denn die geringe Zahl Derer, die zu öffentlichen Aemtern verpflichtet sind, bringt die städtischen Würden nothwendig auch an solche, sobald sie Vermögen besitzen.

13Pa­pi­rius Ius­tus li­bro se­cun­do de con­sti­tu­tio­ni­bus. Im­pe­ra­to­res An­to­ni­nus et Ve­rus Au­gus­ti re­scrip­se­runt in tem­pus rele­ga­tos et re­ver­sos in or­di­nem al­le­gi si­ne per­mis­su prin­ci­pis non pos­se. 1Item re­scrip­se­runt rele­ga­tos non pos­se tem­po­re fi­ni­to in or­di­nem de­cu­rio­num al­le­gi, ni­si eius ae­ta­tis fue­rint, ut non­dum de­cu­rio­nes crea­ri pos­sent, et dig­ni­tas cer­ta spem eius ho­no­ris id fa­ce­ret, ut prin­ceps in­dul­ge­re pos­sit. 2Item re­scrip­se­runt eum, qui in rele­ga­tio­ne na­tus est, non pro­hi­be­ri ho­no­re de­cu­rio­na­tus fun­gi. 3Item re­scrip­se­runt non ad­mit­ti con­tra­di­ce­re vo­len­tem, quod non rec­te quis sit crea­tus de­cu­rio, cum in­itio con­tra­di­ce­re de­bue­rit.

13Papir. Justus lib. II. de constitut. Die Kaiser Antoninus und Verus haben rescribirt: Auf Zeit Verwiesene können nach ihrer Rückkehr ohne fürstliche Erlaubniss nicht in den Rath (Stand der Decurionen) aufgenommen werden. 1Ferner haben sie rescribirt: Verwiesene können nach Ablauf der Zeit nicht in den Stand der Decurionen aufgenommen werden, ausser wenn sie2323Zur Zeit ihrer Verweisung. in einem Alter gestanden hätten, wo sie noch nicht zu Decurionen hätten erwählt werden können, und ihr Stand (dignitas) ihnen gewisse Hoffnung zu dieser Ehre gemacht hätte, sodass der Fürst sie begnadigen könne. 2Ferner haben sie rescribirt: Ein in der Verweisung2424Seines Vaters. Geborner sei nicht unfähig, zur Decuriowürde zu gelangen. 3Ferner haben sie rescribirt: Wer2525D. h. ein Decurio, welcher u. s. w. Widerspruch erheben wolle, weil Jemand nicht gehörig zum Decurio erwählt worden sei, werde damit nicht gehört, da er von Anfang2626Während der Wahl, sobald er die Ungesetzmässigkeit bemerkte. hätte widersprechen sollen.

14Pau­lus li­bro pri­mo quaes­tio­num. De de­cu­rio­ne dam­na­to non de­be­re quaes­tio­nem ha­be­ri di­vus Pius re­scrip­sit. un­de et­iam si de­sie­rit de­cu­rio es­se, de­in­de dam­ne­tur, non es­se tor­quen­dum in me­mo­riam prio­ris dig­ni­ta­tis pla­cet.

14Paul. lib. I. Quaest. Kaiser Pius hat rescribirt, ein Decurio, der verurtheilt worden, dürfe nicht auf die Folter gebracht werden; daher ist angenommen, dass auch Einer, der aufgehört hat, Decurio zu sein, und sodann verurtheilt wird, des Andenkens seiner früheren Würde wegen nicht gemartert werden dürfe.