Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 49 übersetzt von Feust unter Redaction von Sintenis
Dig. XLIX5,
De appellationibus recipiendis vel non
Liber quadragesimus nonus
V.

De appellationibus recipiendis vel non

(Von der Annahme, oder Nichtannahme der Appellationen.)

1Ul­pia­nus li­bro vi­cen­si­mo no­no ad edic­tum. Non so­lent au­di­ri ap­pel­lan­tes ni­si hi, quo­rum in­ter­est vel qui­bus man­da­tum est vel qui neg­otium alie­num ge­runt, quod mox ra­tum ha­be­tur. 1Sed et cum ma­ter fi­lii rem sen­ten­tia ever­sam anim­ad­ver­te­ret, pro­vo­ca­ve­rit, pie­ta­ti dan­dum est et hanc au­di­ri de­be­re: et si li­tem prae­pa­ran­dam cu­ra­re ma­lue­rit, in­ter­ce­de­re non vi­de­tur, li­cet ab in­itio de­fen­de­re non pot­est.

1Ulp. lib. XXIX. ad Ed. Mit der Appellation pflegen nur Diejenigen gehört zu werden, welche betheiligt sind, oder denen ein Auftrag ertheilt worden, oder die ein fremdes Geschäft besorgen, das hernach genehmigt wird. 1Aber auch wenn eine Mutter, als sie die Sache ihres Sohnes durch einen Urtheilsspruch unterliegen sah, aus angeborner Liebe die Berufung ergriffen, muss man in Berücksichtigung der mütterlichen Liebe behaupten, dass auch diese gehört werden müsse; und wenn sie sogar den vorzubereitenden Streit selbst durchführen will11Litem praeparandam curare = exsequi. Glosse., so wird dieses nicht als Intercession betrachtet, obgleich sie vom Anfange an nicht vertreten kann.

2Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. An­te sen­ten­tiam ap­pel­la­ri pot­est, si quaes­tio­nem in ci­vi­li neg­otio ha­ben­dam iu­dex in­ter­lo­cu­tus sit, vel in cri­mi­na­li, si con­tra le­ges hoc fa­ciat.

2Scaevola lib. IV. Regul. Vor dem Urtheilsspruche kann appellirt werden, wenn der Richter in einer bürgerlichen Rechtssache einen Zwischenbescheid auf Anwendung der peinlichen Frage erlassen hat; oder in einer peinlichen Rechtssache, wenn er dieses den Gesetzen entgegen thut.

3Pau­lus li­bro sin­gu­la­ri re­gu­la­rum. In­tra tri­duum ap­pel­la­re li­cet ei, qui de su­spec­to tu­to­re egit vic­tus­que ap­pel­lat.

3Paul. lib. sing. Regul. Derjenige, welcher einen Vormund als verdächtig belangt hat, und wegen erfolgter Abweisung appellirt, kann innerhalb dreitägiger Frist appelliren.

4Ma­cer li­bro pri­mo de ap­pel­la­tio­ni­bus. Eius, qui id­eo cau­sam age­re frus­tra­tur, quod di­cit se li­bel­lum prin­ci­pi de­dis­se et sa­crum re­scrip­tum ex­pec­ta­re, au­di­ri de­si­de­rium pro­hi­be­tur: et si ob eam cau­sam pro­vo­ca­ve­rit, ap­pel­la­tio eius re­ci­pi sa­cris con­sti­tu­tio­ni­bus ve­ta­tur.

4Macer lib. I. de Appellat. Derjenige, welcher die Verhandlung der Sache durch die Angabe hinauszuschieben sucht, er habe dem Kaiser eine Vorstellung überreicht, und erwarte das kaiserliche Rescript, darf mit seinem Verlangen nicht gehört werden; und hat er deswegen die Berufung ergriffen, so ist durch kaiserliche Constitutionen die Annahme seiner Appellation untersagt.

5Ul­pia­nus li­bro quar­to de ap­pel­la­tio­ni­bus. Ei, cu­ius ap­pel­la­tio non re­ci­pi­tur, suf­fi­cit, si pos­sit di­ce­re ap­pel­la­tio­nem suam non es­se re­cep­tam: quod qua­qua ra­tio­ne do­ceat, ad­mit­te­tur eius ap­pel­la­tio. 1Non re­cep­ta au­tem ap­pel­la­tio­ne, si qui­dem prin­ci­pem ap­pel­la­ri opor­tuit, prin­ci­pi erit sup­pli­can­dum: sin ve­ro alius ap­pel­la­ba­tur quam prin­ceps, il­le erit ad­eun­dus. 2Sed et si quid aliud post re­cep­tam ap­pel­la­tio­nem im­pe­d­imen­to fac­tum fue­rit, eum ad­ire opor­tet, quem ap­pel­la­re quis de­bet. 3Pla­ne si ap­pel­la­tio­ne non re­cep­ta non ip­sum ad­ie­rit, quem de­buit, sed prin­ci­pem, pro eo ha­be­bi­tur, at­que si is ad­itus est, qui ad­iri de­buit: id­que re­scrip­tis im­pe­ra­to­ris nos­tri An­to­ni­ni de­cla­ra­tur. 4Pla­ne si alium pro alio ad­iit non prin­ci­pem, ni­hil ei hic er­ror prod­erit, li­cet non vi­dea­tur ces­sas­se. 5In­tra con­sti­tu­ta au­tem ap­pel­la­to­ria tem­po­ra de­bet is, cu­ius ap­pel­la­tio non est re­cep­ta, vel com­pe­ten­tem iu­di­cem vel prin­ci­pem ad­ire.

5Ulp. lib. IV. de Appellat. Derjenige, dessen Appellation nicht angenommen wird, hat blos anzugeben, seine Appellation sei nicht angenommen worden; weist er dies auf irgend eine Weise nach, so wird seine Appellation zugelassen werden. 1Ist nun die Appellation nicht angenommen worden, so wird man, wenn an den Kaiser appellirt werden musste, sich an den Kaiser bittlich zu wenden haben; wenn hingegen an einen Andern, als den Kaiser appellirt wurde, so muss jener angerufen werden. 2Aber auch dann, wenn nach der Annahme der Appellation noch ein Hinderniss gemacht wurde, muss Derjenige angerufen werden, an den die Berufung geschehen muss. 3Hat Jemand aber nach der Nichtannahme der Appellation nicht Denjenigen angerufen, welchen er hätte [anrufen] sollen, sondern den Kaiser, so wird dies eben so anzusehen sein, als wenn Derjenige angerufen worden wäre, der hätte angerufen werden sollen; dies wird durch Rescripte unseres Kaisers Antoninus erklärt. 4Hat er hingegen den nicht zuständigen Richter, statt des zuständigen angerufen, nicht den Kaiser, so wird ihm dieser Irrthum nichts nützen, obgleich er [die Berufung] nicht unterlassen zu haben scheint. 5Derjenige aber, dessen Appellation nicht angenommen worden, muss, innerhalb der festgesetzten Appellationsfristen entweder den zuständigen Richter, oder den Kaiser anrufen.

6Ma­cer li­bro se­cun­do de ap­pel­la­tio­ni­bus. Scien­dum est, cum ap­pel­la­tio non re­ci­pi­tur, prae­ci­pi sa­cris con­sti­tu­tio­ni­bus om­nia in eo­dem sta­tu es­se nec quic­quam no­va­ri, et­iam­si con­tra fis­cum ap­pel­la­tum sit: eum­que, qui ap­pel­la­tio­nem non re­ce­pe­rit, opi­nio­nem suam con­fes­tim per re­la­tio­nem ma­ni­fes­ta­re et cau­sam, pro qua non re­ce­pit ap­pel­la­tio­nem, eius­que ex­em­plum li­ti­ga­to­ri ede­re de­be­re man­da­tis ca­ve­tur.

6Macer lib. II. de Appellat. Man darf nicht unbeachtet lassen, dass, im Falle die Appellation nicht angenommen wird, durch kaiserliche Constitutionen verordnet ist, dass Alles in demselben Stande verbleiben solle und Nichts verändert werden dürfe, auch wenn gegen den Fiscus appellirt worden. Ferner wird durch Mandate verordnet, dass Derjenige, welcher die Appellation nicht angenommen hat, alsbald seinen Ausspruch und die Ursache, weswegen er die Appellation nicht angenommen habe, in einem Bericht auseinandersetzen und eine Abschrift desselben dem streitenden Theile mittheilen müsse.

7Pau­lus li­bro sin­gu­la­ri de ap­pel­la­tio­ni­bus. Si res di­la­tio­nem non re­ci­piat, non per­mit­ti­tur ap­pel­la­re, vel­ut ne tes­ta­men­tum ape­ria­tur (ut di­vus Ha­d­ria­nus con­sti­tuit), ne fru­men­tum in usum mi­li­tum, in an­no­nae sub­si­dia con­tra­ha­tur, ne­ve scrip­tus he­res in pos­ses­sio­nem in­du­ca­tur. 1Item si ex per­pe­tuo edic­to ali­quid de­cer­na­tur, id quo mi­nus fiat, non per­mit­ti­tur ap­pel­la­re. 2Item quo mi­nus pig­nus ven­de­re li­ceat, ap­pel­la­ri non pot­est.

7Paul. lib. sing. de Appellat. Wenn eine Sache keinen Aufschub verträgt, so ist die Appellation nicht gestattet, z. B. nicht gegen die Eröffnung eines Testaments, wie Divus Hadrianus verordnet hat, gegen Aufspeicherung von Getreide zum Gebrauche der Soldaten, gegen die Besitzeinsetzung des Testamentserben. 1Ingleichen wenn nach dem immerwährenden Edicte etwas geboten wird, so ist dagegen keine Appellation gestattet. 2Ebenso wenig kann man gegen die Gestattung des Verkaufs eines Pfandes appelliren.