Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 48 übersetzt von Sintenis
Dig. XLVIII5,
Ad legem Iuliam de adulteriis coercendis
Liber quadragesimus octavus
V.

Ad legem Iuliam de adulteriis coercendis

(Zum Julischen Gesetze über die Bestrafung des Ehebruchs.)

1Ul­pia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Haec lex la­ta est a di­vo Au­gus­to.

1Ulp. lib. I. de Adulter. Dieses Gesetz hat Divus Augustus gegeben.

2Idem li­bro oc­ta­vo dis­pu­ta­tio­num. Ex le­ge Iu­lia ser­va­tur, ut, cui ne­ces­se est ab ad­ul­te­ro in­ci­pe­re, quia mu­lier an­te de­nun­tia­tio­nem nup­sit, non alias ad mu­lie­rem pos­sit per­ve­ni­re, ni­si reum per­ege­rit. per­egis­se au­tem non alias quis vi­de­tur, ni­si et con­dem­na­ve­rit. 1Ma­ri­to iu­re ma­ri­ti ac­cu­san­ti il­la prae­scrip­tio ob­ici­tur, si le­gem pro­di­dis­se di­ca­tur ob hoc, quod ad­gres­sus ac­cu­sa­tio­nem ad­ul­te­rii de­sti­tit. 2Le­no­ci­nii qui­dem cri­men le­ge Iu­lia de ad­ul­te­ris prae­scrip­tum est, cum sit in eum ma­ri­tum poe­na sta­tu­ta, qui de ad­ul­te­rio uxo­ris suae quid ce­pe­rit, item in eum, qui in ad­ul­te­rio de­pre­hen­sam re­ti­nue­rit. 3Ce­te­rum qui pa­ti­tur uxo­rem suam de­lin­que­re ma­tri­mo­nium­que suum con­tem­nit qui­que con­ta­mi­na­tio­ni non in­dig­na­tur, poe­na ad­ul­te­rum non in­fli­gi­tur. 4Qui hoc di­cit le­no­ci­nio ma­ri­ti se fe­cis­se, rele­va­re qui­dem vult cri­men suum, sed non est hu­ius­mo­di com­pen­sa­tio ad­mis­sa. id­eo si ma­ri­tum ve­lit reus ad­ul­te­rii le­no­ci­nii reum fa­ce­re, se­mel de­la­tus non au­die­tur. 5Si pu­bli­co iu­di­cio ma­ri­tus uxo­rem ream fa­ciat, an le­no­ci­nii al­le­ga­tio re­pel­lat ma­ri­tum ab ac­cu­sa­tio­ne? et pu­tem non re­pel­le­re: le­no­ci­nium igi­tur ma­ri­ti ip­sum one­rat, non mu­lie­rem ex­cu­sat. 6Un­de quae­ri pot­est, an is, qui de ad­ul­te­rio co­gnos­cit, sta­tue­re in ma­ri­tum ob le­no­ci­nium pos­sit? et pu­to pos­se. nam Clau­dius Gor­gus vir cla­ris­si­mus uxo­rem ac­cu­sans cum de­tec­tus est uxo­rem in ad­ul­te­rio de­pre­hen­sam re­ti­nuis­se, et si­ne ac­cu­sa­to­re le­no­ci­nio dam­na­tus est a di­vo Se­ve­ro. 7Ex­tra­neus au­tem ne­qua­quam le­no­ci­nium ob­iciens, post­ea­quam reus fac­tus est, se rele­va­bit, nec ma­ri­tum poe­nae sub­iciet. 8Si si­mul ad ac­cu­sa­tio­nem ve­niant ma­ri­tus et pa­ter mu­lie­ris, quem prae­fer­ri opor­teat, quae­ri­tur. et ma­gis est, ut ma­ri­tus prae­fe­ra­tur: nam et pro­pe­n­sio­re ira et ma­io­re do­lo­re exe­cu­tu­rum eum ac­cu­sa­tio­nem cre­den­dum est, in tan­tum, ut et si pa­ter prae­ve­ne­rit et li­bel­los in­scrip­tio­num de­po­sue­rit, ma­ri­to non neg­le­gen­te nec re­tar­dan­te, sed ac­cu­sa­tio­nem pa­ran­te et pro­ba­tio­ni­bus in­sti­tuen­te at­que mu­nien­te, ut fa­ci­lius iu­di­can­ti­bus de ad­ul­te­rio pro­be­tur, idem erit di­cen­dum. 9Sed et quo­tiens alii, qui post ma­ri­tum et pa­trem ac­cu­sa­re pos­sunt, ad ac­cu­san­dum pro­si­liunt, le­ge ex­pres­sum est, ut is, cu­ius de ea re no­tio est, de ius­to ac­cu­sa­to­re con­sti­tuat.

2Idem lib. VIII. Disput. Zufolge des Julischen Gesetzes wird es so gehalten, dass Derjenige, welcher bei dem Ehebrecher anfangen muss, weil die Frau sich wieder verheirathet hat, nur dann die letztere angreifen kann, wenn er zuvor den Schuldigen verfolgt hat; verfolgt zu haben, wird er nur dann angenommen, wenn er es bis zur Verurtheilung gebracht hat. 1Dem Ehemanne, der vermöge seines Rechtes als Ehemann Anklage erhebt, kann die Einrede entgegengesetzt werden, wenn nicht behauptet wird, er habe das Gesetz dadurch verrathen,11Prodere ist hier soviel als praevaricari, Brisson. h. v. dass er, machdem er Anklage wegen Ehebruchs erhoben, wieder davon abgelassen hat. 2Für das Verbrechen der Kupplerei ist in dem Julischen Gesetze über Ehebruch zwar ebenfalls eine Bestimmung getroffen, indem wider den Ehemann eine Strafe bestimmt worden ist, der für den Ehebruch seiner Frau Geld genommen, sowie wider den, der die im Ehebruch betroffene Frau behalten hat. 3Wer übrigens seine Frau das Verbrechen begehen lässt, und das eheliche Band verachtet, und an der Beschimpfung kein Aergerniss nimmt, den trifft die Strafe als Ehebrecher nicht. 4Wer angiebt, in Folge Verkuppelung des Ehemannes verbrochen zu haben, der will zwar sein Verbrechen mildern, allein eine solche Aufrechnung ist nicht erlaubt, will daher der des Ehebruchs Angeschuldigte den Ehemann der Kuppelei anklagen, so wird er, wenn er einmal angegeben worden, nicht gehört werden. 5Wenn ein Ehemann in einem öffentlichen Verfahren seine Frau des Ehebruchs anklagt, weist ihn da das Anführen der Kupplerei von der Anklage zurück? Ich sollte meinen, nein; die Kuppelei des Ehemanns beschwert ihn nun zwar, allein entschuldigt die Frau nicht. 6Daher kann die Frage erhoben werden, ob der den Ehebruch untersuchende Richter auch wider den Ehemann eine Bestimmung wegen Kupplerei treffen könne? — Meiner Meinung nach kann er es. Denn so ward Claudius Gorgus, ein angesehener Mann, als er seine Frau anklagte, nachdem entdeckt worden war, dass er sie im Ehebruch ergriffen doch behalten hatte, auch ohne Ankläger der Kupplerei von Divus Severus verurtheilt. 7Ein Dritter kann sich aber durch den Vorwurt der Kupplerei [des Ehemanns], nachdem er einmal angeklagt worden, keinesweges Erleichterung schaffen, noch den Ehemann einer Strafe unterwerfen. 8Wenn der Vater und der Ehemann einer Frau zugleich mit der Anklage des Ehebruchs wider sie auftreten, wer muss dann vorgezogen werden? Es spricht mehr dafür, den Ehemann vorzuziehen, denn es ist anzunehmen, dass er mit grösserer Entrüstung und heftigerem Schmerze die Anklage betreiben werde, und zwar dergestalt, dass, wenn ihm der Vater auch zuvorgekommen und bereits die Anklageschrift eingereicht hat, und der Ehemann weder die Sache vernachlässigt, noch verzögert, sondern die Anklage vorbereitet und mit Beweismitteln versieht und unterstützt, um die Richter um so leichter von dem Ehebruch zu überzeugen, das Nämliche gelten muss. 9Sobald auch Andere, die nach dem Vater und dem Ehemann Anklage erheben können, damit auftreten, ist durch das Gesetz ausdrücklich vorgeschrieben worden, dass Der, dem die desfalsige Untersuchung zusteht, über den rechtmässigen Ankläger bestimme.

3Idem li­bro se­cun­do de ad­ul­te­ris. Ni­si igi­tur pa­ter ma­ri­tum in­fa­mem aut ar­guat aut do­ceat col­lud­e­re ma­gis cum uxo­re quam ex ani­mo ac­cu­sa­re, post­po­ne­tur ma­ri­to.

3Ulp. lib. III. de Adulter. Sobald also der Vater den Ehemann nicht entweder der Infamie beschuldigt, oder darthut, dass er vielmehr mit der Ehefrau in heimlichem Einverständniss sei, als aus vollem Herzen Anklage erhebe, wird er demselben nachgesetzt werden.

4Idem li­bro oc­ta­vo dis­pu­ta­tio­num. Si ma­ri­tus prae­ve­ne­rit ac­cu­sa­re­que in­sti­tue­rit, tem­po­ra non ce­dunt pa­tri, quod ac­cu­sa­tio­nem in­sti­tue­re non pot­est, sic ta­men, ut, quo­ad unus oc­cu­pet, utri­que tem­po­ra ce­dant, ubi ve­ro ma­ri­tus oc­cu­pa­vit, re­si­dua tem­po­ra ei, qui oc­cu­pa­re non pot­est, non ce­dant. quod et in eo di­ci pot­est, qui ab ad­ul­te­ro vel ad­ul­te­ra coe­pit: nam ad­ver­sus eum, ad­ver­sus quem non coe­pit, de­si­nunt ei tem­po­ra ce­de­re. haec in ma­ri­tis et pa­tri­bus dic­ta sunt. 1Ex­tra­neis au­tem, qui ac­cu­sa­re pos­sunt, ac­cu­san­di fa­cul­tas post ma­ri­tum et pa­trem con­ce­di­tur: nam post se­xa­gin­ta dies quat­tuor men­ses ex­tra­neis dan­tur et ip­si uti­les. 2Si an­te ex­tra­neus in­sti­tue­rit ac­cu­sa­tio­nem, an su­per­ve­nien­ti ma­ri­to per­mit­ta­tur ac­cu­sa­tio, quae­ri­tur. et ma­gis ar­bi­tror hoc quo­que ca­su ma­ri­tum au­dien­dum, si non neg­le­gen­tia prae­ven­tus est. et id­eo et si ac­cu­sa­tio­ne in­sti­tu­ta ab­so­lu­ta sit mu­lier ex­tra­neo ac­cu­san­te, ta­men ma­ri­to de­bet per­mit­ti re­stau­ra­re ac­cu­sa­tio­nem, si ido­neas cau­sas al­le­ga­re pos­sit, qui­bus im­pe­di­tus non in­sti­tuit ac­cu­sa­tio­nem.

4Idem lib. VIII. Disput. Wenn der Ehemann zuvorgekommen und die Anklage begonnen hat, so läuft dadurch dem Vater keine Frist ab, weil er die Anklage nicht erheben kann, jedoch dergestalt, dass die Frist für beide läuft, bis einer mit der Anklage auftritt, wenn aber der Ehemann aufgetreten, die folgende Zeit für Den, der nicht auftreten kann, nicht läuft. Dies gilt auch von Dem, der mit dem Ehebrecher oder der Ehebrecherin begonnen; denn wider Den, gegen welchen er nicht aufgetreten, hören die Fristen ihm zu laufen auf. Dies gilt von den Ehemännern und Vätern. 1Den dritten Personen, welchen die Befugniss zur Anklage freisteht, wird dieselbe nach dem Ehemann und dem Vater ertheilt; denn nach Ablauf von sechzig Tagen werden den Dritten vier Monate ertheilt, und zwar mit Ueberspringung zu berechnen. 2Wenn ein Dritter vorher Anklage angestellt hat, wird ihm dann, wenn der Ehemann auftritt, die Anklage verstattet? — Ich bin der Ansicht, dass auch in diesem Falle der Ehemann gehört werden müsse, sobald ihm nicht durch Nachlässigkeit zuvorgekommen worden ist. Wenn daher eine Ehefrau von der von einen Dritten angestellten Anklage auch freigesprochen worden ist, so muss dem Ehemann doch die Erneuerung der Anklage gestattet werden, wenn er genügende Gründe anführen kann, durch welche verhindert er die Anklage nicht erhoben habe.

5Iu­lia­nus li­bro octagen­si­mo sex­to di­ges­to­rum. Nup­tam mi­hi ad­ul­te­rii ream pos­tu­la­ri pos­se in prio­re ma­tri­mo­nio com­mis­si du­bium non est, cum aper­te le­ge Iu­lia de ad­ul­te­riis co­er­cen­dis ca­vea­tur, si qui­dem vi­dua sit, de cu­ius ad­ul­te­rio age­tur, ut ac­cu­sa­tor li­be­rum ar­bi­trium ha­beat, ad­ul­te­rum an ad­ul­te­ram prius ac­cu­sa­re ma­lit: si ve­ro nup­ta sit, ut prius ad­ul­te­rum per­agat, tunc mu­lie­rem.

5Julian. lib. LXXXVI. Dig. Es unterliegt keinem Zweifel, dass meine Frau wegen begangenen Ehebruchs während ihrer ersten Ehe angeklagt werden könne, weil in dem Julischen Gesetze über den Ehebruch ausdrücklich verordnet wird, dass, wenn Diejenige, um deren Ehebruch es sich handele, eine Wittwe sei, der Ankläger die freie Wahl haben solle, ob er den Ehebrecher oder die Ehebrecherin zuerst anklagen wolle, wenn sie aber verheirathet sei, erst wider den Ehebrecher und dann wider die Frau klagen solle.

6Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. In­ter li­be­ras tan­tum per­so­nas ad­ul­te­rium stu­prum­ve pas­sas lex Iu­lia lo­cum ha­bet. quod au­tem ad ser­vas per­ti­net, et le­gis Aqui­liae ac­tio fa­ci­le te­ne­bit et in­iu­ria­rum quo­que com­pe­tit nec erit de­ne­gan­da prae­to­ria quo­que ac­tio de ser­vo cor­rup­to: nec prop­ter plu­res ac­tio­nes par­cen­dum erit in hu­ius­mo­di cri­mi­ne reo. 1Lex stu­prum et ad­ul­te­rium pro­mis­cui et καταχρηστικώτερον ap­pel­lat. sed pro­prie ad­ul­te­rium in nup­ta com­mit­ti­tur, prop­ter par­tum ex al­te­ro con­cep­tum com­po­si­to no­mi­ne: stu­prum ve­ro in vir­gi­nem vi­duam­ve com­mit­ti­tur, quod Grae­ci φθορὰν ap­pel­lant. 2Fi­lius fa­mi­liae ma­ri­tus ab eo, qui sui iu­ris est, in ea le­ge non se­pa­ra­tur. di­vus quo­que Ha­d­ria­nus ro­sia­no ge­mi­no re­scrip­sit et in­vi­to pa­tre fi­lium hac le­ge reum fa­ce­re. 3Ma­ri­tus et­si duo reos ex alio cri­mi­ne ha­beat, pot­erit iu­re vi­ri ter­tium ac­cu­sa­re, quon­iam ea cau­sa non ce­dit in nu­me­rum ce­te­ra­rum.

6Papin. lib. I. de Adulter. Das Julische Gesetz hat nur in Bezug auf den zwischen freien Personen begangnen Ehebruch oder Schwächung Anwendung. Soviel die Sclavinnen anlangt, so wird sowohl die Klage aus dem Aquilischen Gesetze leicht statthaben, als auch die Injurienklage, und eben sowenig wird die prätorische Klage wegen Verführung des Sclaven verweigert werden dürfen, noch dem dieses Verbrechens Angeschuldigten wegen der mehreren Klagen Schonung zu Theil zu werden brauchen. 1Das Gesetz braucht die Worte Ehebruch und Schwächung abwechselnd und καταχρηστικώτερον (Misbrauchsweise); denn eigentlich wird ein Ehebruch22Adulterium, quasi ad alterius thorum accessit. Glosse. mit einer Verheiratheten begangen, welches Wort davon herkommt, dass ein Kind von einem Andern empfangen wird33Ueber diese Etymologie s. Duker. l. l. p. 127., eine Schwächung wird aber gegen eine Jungfrau oder Wittwe begangen, was die Griechen φθοράν (Verführung) nennen. 2Ein Haussohn, der Ehemann ist, wird in dem Gesetze von Dem, der eigenen Rechtens ist, nicht unterschieden. Auch hat Divus Hadrianus an den Roscianus Geminus rescribirt, es könne der Sohn aus diesem Gesetze auch wider seines Vaters Willen Anklage erheben. 3Der Ehemann wird, wenn er auch zwei Andere aus einem andern Verbrechen angeklagt hat, dennoch vermöge seines Rechtes als Ehemann auch den Dritten anklagen, weil diese Angelegenheit nicht zu den übrigen mitgezählt wird44S. Radulphi Forneri Rer. quotid. Lib. IV. c. 15. (T. O. II. 241.).

7Mar­cia­nus li­bro de­ci­mo in­sti­tu­tio­num. Qui pu­pil­lam suam du­xit uxo­rem con­tra se­na­tus con­sul­tum, nec ma­tri­mo­nium est hoc et pot­est ad­ul­te­rii ac­cu­sa­ri, qui tu­tor vel cu­ra­tor fuit et in­tra vi­cen­si­mum sex­tum an­num du­xit uxo­rem non a pa­tre de­spon­sam vel de­sti­na­tam vel tes­ta­men­to de­no­mi­na­tam.

7Marcian. lib. X. Instit. Wenn [ein Vormund] seine Mündelin dem Senatsbeschluss zuwider zur Frau genommen hat, so findet der Begriff Ehe nicht statt, und es kann Der des Ehebruchs angeklagt werden, welcher Vormund oder Curator gewesen ist, und innerhalb des sechsundzwanzigsten Jahres [seine Mündelin], ohne dass sie ihm von ihrem Vater verlobt, oder dazu bestimmt, oder im Testamente dazu benannt worden, zur Frau genommen hat.

8In li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis Pa­pi­nia­ni Mar­cia­nus no­tat. In­ces­ti com­mu­ne cri­men ad­ver­sus duos si­mul in­ten­ta­ri pot­est.

8Im zweiten Buche „vom Ehebruch“ des Papinianus bemerkt Marcianus, dass das zwischen Zweien gemeinschaftliche Verbrechen der Blutschande wider Beide zugleich anhängig gemacht werden könne.

9Idem li­bro se­cun­do de ad­ul­te­ris. Qui do­mum suam, ut stu­prum ad­ul­te­rium­ve cum alie­na ma­tre fa­mi­lias vel cum mas­cu­lo fie­ret, sciens prae­bue­rit vel quaes­tum ex ad­ul­te­rio uxo­ris suae fe­ce­rit: cu­ius­cum­que sit con­di­cio­nis, qua­si ad­ul­ter pu­ni­tur. 1Ap­pel­la­tio­ne do­mus ha­bi­ta­tio­nem quo­que sig­ni­fi­ca­ri pa­lam est.

9Papin. lib. II. de Adulter. Wer sein Haus zur Schwächung oder einem Ehebruch mit einer fremden Hausmutter, oder einer Mannsperson wissentlich hergegeben, oder aus dem Ehebruch seiner Frau einen Gewinn gezogen hat, er sei welchen Standes da wolle, der wird als Ehebrecher gestraft. 1Unter der Benennung Haus wird natürlich auch die Wohnung verstanden.

10Ul­pia­nus li­bro quar­to de ad­ul­te­riis. Et si ami­ci quis do­mum prae­buis­set, te­ne­tur. 1Sed et si quis in agro bal­neo­ve stu­prum fie­ri prae­buis­set, com­pre­hen­di de­bet. 2Sed et si in do­mum ali­quam so­li­ti fue­rint con­ve­ni­re ad trac­tan­dum de ad­ul­te­rio, et­si eo lo­ci ni­hil fue­rit ad­mis­sum, ve­rum ta­men vi­de­tur is do­mum suam, ut stu­prum ad­ul­te­rium­ve com­mit­te­re­tur, prae­buis­se, quia si­ne col­lo­quio il­lo ad­ul­te­rium non com­mit­te­re­tur.

10Ulp. lib. IV. de Adulter. Auch wer seines Freundes Haus hergegeben, haftet ebenso. 1Ingleichen muss Der verstanden werden, wer Gelegenheit dazu gegeben, dass auf einem Acker oder in einem Bade eine Schwächung geschehe. 2Auch wenn welche wegen eines Ehebruchs zu unterhandeln in ein Haus zu kommen gepflegt, so wird, wenn auch daselbst nichts begangen worden, dennoch angenommen, dass [der Hausherr] sein Haus zur Begehung eines Ehebruchs oder einer Schwächung hergegeben habe, weil ohne jene Verabredung der Ehebruch nicht würde begangen worden sein.

11Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. Ma­ter au­tem fa­mi­lias sig­ni­fi­ca­tur non tan­tum nup­ta, sed et­iam vi­dua. 1Mu­lie­res quo­que hoc ca­pi­te le­gis, quod do­mum prae­bue­runt vel pro com­per­to stu­pro ali­quid ac­ce­pe­runt, te­nen­tur. 2Mu­lier, quae evi­tan­dae poe­nae ad­ul­te­rii gra­tia le­no­ci­nium fe­ce­rit aut ope­ras suas in scae­nam lo­ca­vit, ad­ul­te­rii ac­cu­sa­ri dam­na­ri­que ex se­na­tus con­sul­to pot­est.

11Papin. lib. II. de Adulter. Unter einer Hausmutter wird nicht blos eine Verheirathete, sondern auch eine Witwe verstanden. 1Auch Weiber haften aus diesem Hauptstück des Gesetzes, wenn sie ihr Haus hergegeben, oder für eine erfahrene Schwächung etwas erhalten haben. 2Diejenige Frau, die zur Vermeidung der Strafe des Ehebruchs Kupplerei55Quae igitur legum poenas in adulteras et stupri convictas timebant, lenocinium profitebantur ut in infamium ordinem relegatae sub legum cura non essent; Des. Herald. Obs. et Em. C. 33. (T. O. II. p. 1355.) s. auch Ram. del Manzano ad Leg. Jul. et Pap. Lib. II. c. 30. §. 4. (T. M. V. p. 222.) getrieben oder ihren Dienst zur Bühne verdungen hat, kann wegen Ehebruchs dem Senatsbeschluss zufolge dennoch angeklagt und verurtheilt werden.

12Idem li­bro sin­gu­la­ri de ad­ul­te­ris. Mi­les, qui cum ad­ul­te­ro uxo­ris suae pac­tus est, sol­vi sa­cra­men­to de­por­ta­ri­que de­bet. 1Mi­li­tem, qui so­ro­ris fi­liam in con­tu­ber­nio ha­buit, li­cet non in ma­tri­mo­nium, ad­ul­te­rii poe­na te­ne­ri rec­tius di­ce­tur. 2Ea, quae in­ter reas ad­ul­te­rii re­cep­ta es­set, ab­sens de­fen­di non pot­est. 3So­cer cum nu­rum ad­ul­te­rii ac­cu­sa­tu­rum se li­bel­lis prae­si­di da­tis tes­ta­tus fuis­set, ma­luit ac­cu­sa­tio­ne de­sis­te­re et lu­crum ex do­te ma­gis pe­te­re. quae­ri­tur, an hu­ius­mo­di com­men­tum eius ad­mit­ti ex­is­ti­mes. re­spon­dit: tur­pis­si­mo ex­em­plo is, qui nu­rum suam ac­cu­sa­re in­sti­tuis­set, post­ea de­sis­te­re ma­luit con­ten­tus lu­crum ex do­te re­ti­ne­re tam­quam cul­pa mu­lie­ris dir­emp­to ma­tri­mo­nio: qua­re non in­ique re­pel­le­tur, qui com­mo­dum do­tis vin­dic­tae do­mus suae prae­po­ne­re non eru­buit. 4Ad­ul­te­rii reum in­tra quin­que an­nos con­ti­nuos a die cri­mi­nis ad­mis­si de­func­ta quo­que mu­lie­re pos­tu­la­ri pos­se pa­lam est. 5Qui­dam ac­cu­sa­re vo­le­bat ad­ul­te­rii mu­lie­rem et pos­tu­la­bat, ne si­bi com­pu­ta­ren­tur dies, quos in cus­to­diam fe­cis­set: me hoc ad­mit­ten­te ex­sti­tit qui mi­hi con­tra­di­ce­ret. cu­ius opi­nio­nem an tu pro­bes, ro­go ma­tu­rius mi­hi scri­bas. re­spon­dit: opi­nio­nem tuam et ver­ba le­gis et sen­ten­tia ad­iu­vant, cui pla­cuit uti­les dies ac­cu­sa­to­ri com­pu­tan­dos es­se, id est qui­bus po­tuit ac­cu­sa­tio­nis sol­lem­nia im­ple­re. qua­re si­ne du­bio dies, qui­bus quis in cus­to­dia fuit, ex­tra com­pu­ta­tio­nem uti­lium die­rum ex­is­ti­man­ti ti­bi con­sti­tu­tos con­tra­di­ci non de­buit. 6Se­xa­gin­ta dies, qui ma­ri­to ac­cu­san­ti uti­les com­pu­tan­tur, fe­ria­tis quo­que die­bus, si mo­do fa­cul­ta­tem prae­si­dis ad­eun­di ac­cu­sa­tor ha­buit, nu­me­ra­ri cer­tum est, quon­iam de pla­no quo­que li­bel­lus da­ri pot­est. quod pri­vi­le­gium si amis­it, non pro­hi­be­tur in­tra alios quat­tuor men­ses que­rel­lam suam apud iu­di­cem de­fer­re. 7Quae­re­ba­tur, an iu­re ma­ri­ti pos­sit ac­cu­sa­re vir eam fe­mi­nam, quae, cum ei de­spon­sa fuis­set, alii in ma­tri­mo­nium a pa­tre fuis­set tra­di­ta. re­spon­dit: no­vam rem in­sti­tue­re hu­ius­mo­di ac­cu­sa­to­rem ex­is­ti­mo, qui ad­ul­te­rii cri­men ob­ice­re de­si­de­rat prop­ter hoc tan­tum, quod prio­ri si­bi de­spon­sa puel­la a pa­tre in ma­tri­mo­nium alii fue­rit tra­di­ta. 8De­func­to ma­ri­to ad­ul­te­rii rea mu­lier pos­tu­la­tur, 9quae prop­ter im­pu­be­rem fi­lium vult di­la­tio­nem ab ac­cu­sa­to­re im­pe­tra­re: an de­beat au­di­ri? re­spon­di: non vi­de­tur mi­hi con­fu­ge­re ea mu­lier ad ius­tam de­fen­sio­nem, quae ae­ta­tem fi­lii prae­ten­dit ad elu­den­dam le­gi­ti­mam ac­cu­sa­tio­nem: nam non uti­que cri­men ad­ul­te­rii, quod mu­lie­ri ob­ici­tur, in­fan­ti prae­iu­di­cat, cum pos­sit et il­la ad­ul­te­ra es­se et im­pu­bes de­func­tum pa­trem ha­buis­se. 10Vo­len­ti mi­hi ream ad­ul­te­rii pos­tu­la­re eam, quae post com­mis­sum ad­ul­te­rium in eo­dem ma­tri­mo­nio per­se­ve­ra­ve­rit, con­tra­dic­tum est. quae­ro, an ius­te re­spon­sum sit. re­spon­dit: igno­ra­re non de­buis­ti du­ran­te eo ma­tri­mo­nio, in quo ad­ul­te­rium di­ci­tur es­se com­mis­sum, non pos­se mu­lie­rem ream ad­ul­te­rii fie­ri: sed nec ad­ul­te­rum in­ter­im ac­cu­sa­ri pos­se. 11Li­cet ei mu­lier, qui in su­spi­cio­nem ad­ul­te­rii in­ci­dit, nup­sis­se di­ca­tur, non an­te ac­cu­sa­ri pot­erit, quam ad­ul­ter fue­rit con­vic­tus: alio­quin ad hoc vel ma­xi­me vi­ri con­fu­gient vo­len­tes be­ne con­cor­da­tum se­quens ma­tri­mo­nium dir­ime­re, ut di­cant cum ad­ul­te­ro mu­lie­rem nup­tias con­tra­xis­se. 12Mu­lier cum ab­sen­tem vi­rum au­dis­set vi­ta func­tum es­se, alii se iun­xit: mox ma­ri­tus re­ver­sus est. quae­ro, quid ad­ver­sus eam mu­lie­rem sta­tuen­dum sit. re­spon­dit tam iu­ris quam fac­ti quaes­tio­nem mo­ve­ri: nam si lon­go tem­po­re trans­ac­to si­ne ul­lius stu­pri pro­ba­tio­ne fal­sis ru­mo­ri­bus in­duc­ta, qua­si so­lu­ta prio­re vin­cu­lo, le­gi­ti­mis nup­tiis se­cun­dis iunc­ta est, quod ve­ri­si­mi­le est de­cep­tam eam fuis­se ni­hil vin­dic­ta dig­num vi­de­ri pot­est: quod si fic­ta ma­ri­ti mors ar­gu­men­tum fa­cien­dis nup­tiis pro­ba­bi­tur prae­sti­tis­se, cum hoc fac­to pu­di­ci­tia la­bo­re­tur, vin­di­ca­ri de­bet pro ad­mis­si cri­mi­nis qua­li­ta­te. 13Ream ad­ul­te­rii uxo­rem du­xi: eam dam­na­tam mox re­pu­dia­vi. quae­ro, an cau­sam di­sci­dii prae­sti­tis­se vi­deor. re­spon­dit: cum per le­gem Iu­liam hu­ius­mo­di uxo­rem re­ti­ne­re pro­hi­bea­ris, non vi­de­ri cau­sam te di­sci­dii prae­sti­tis­se pa­lam est. qua­re ita ius trac­ta­bi­tur qua­si cul­pa mu­lie­ris fac­to di­vor­tio.

12Idem lib. sing. de Adulter. Ein Soldat, der mit dem Ehebrecher seiner Frau sich verglichen hat, muss seines Eides entlassen und deportirt werden. 1Der Soldat, der seiner Schwester Tochter zur Schlafgenossin, wenn auch nicht zur ehelichen Frau gehabt, der muss, richtiger Annahme nach, mit der Strafe des Ehebruchs belegt werden. 2Die Frau, welche wegen Ehebruchs in Anklagestand versetzt worden, kann abwesend nicht vertheidigt werden. 3Ein Schwiegervater, der vor Zeugen erklärt hatte, dass er seine Schwiegertochter mittels Autrages an den Präsidenten des Ehebruchs anklagen wolle, zog es vor, von der Anklage abzustehen, und vielmehr den aus der Mitgift entspringenden Vortheil zu fodern. Es frägt sich: glaubst du, dass eine solche listige Handlungsweise zugelassen werden dürfe? — Antwort: wer zuerst seine Schwiegertochter anzuklagen begonnen, nachher aber davon absteht, zufrieden, den Vortheil aus der Mitgift zu ziehen, als sei die Ehe durch Schuld der Frau gestört worden, giebt ein erzschlechtes Beispiel; billigerweise wird Der daher abgewiesen werden, wer nicht erröthet ist, der Rache seines Hauses den Vortheil der Mitgift vorzuziehen. 4Es ist bekannt, dass der eines Ehebruchs Schuldige binnen fünf ununterbrochenen Jahren vom Tage der begangenen That an, auch nach dem Ableben der Frau belangt werden könne. 5„Jemand wollte eine Frau des Ehebruchs anklagen, und verlangte, dass ihm die Tage, wo er im Gefängniss gesessen, nicht gerechnet würden; als ich dies zuliess, trat Einer auf, welcher Widerspruch that; theilst du dessen Meinung? Ich bitte um schleunige Nachricht.“ — Ich habe geantwortet: Deine Meinung unterstützen sowohl die Worte als der Sinn des Gesetzes, welches sich dahin aussprach, dass dem Ankläger nur die zur Rechtsverfolgung dienlichen Tage berechnet werden sollen, d. h. diejenigen, an denen er die Förmlichkeiten der Anklage erfüllen konnte; deshalb kann deiner Meinung, dass diejenigen Tage, an denen Jemand im Gefangniss gewesen, ausser der Zahl der zur Rechtsverfolgung dienlichen Tage gelegen seien, nicht widersprochen werden. 6Sechzig Tage, die dem Ehemann als Ankläger mit Ueberspringung gerechnet werden, werden auch an den Ferientagen fortgezählt, vorausgesetzt, dass der Kläger die Möglichkeit für sich hatte, den Präsidenten anzugehen, weil demselben der Antrag ausserhalb des Tribunals überreicht werden kann; hat er dieses Vorrecht66Indem der Ehemann in dieser Zeit die Anklage allein erheben kann, und die übrigen Ankläger dies abwarten müssen. vorübergelassen, so steht ihm nichts im Wege, binnen anderweiten vier Monaten seine Beschwerde [noch] vor dem Richter anzubringen. 7Es entstand die Frage, ob ein Mann diejenige Frau vermöge ehemännlichen Rechtes anklagen könne, die, während sie ihm verlobt gewesen, von ihrem Vater einem Andern verheirathet worden wäre? — Ich ertheilte zur Antwort: ich glaube, dass ein Ankläger dieser Art etwas ganz Neues fodere, der das Verbrechen des Ehebruchs nur deswegen [einer Frau] vorzuwerfen verlangt, weil sie als Mädchen ihm früher verlobt, von ihrem Vater einem Andern zur Frau gegeben worden ist. 8Auch nach des Ehemannes Ableben kann eine Frau noch des Ehebruchs angeklagt werden. 9Darf diejenige Frau gehört werden, die ihres unmündigen Sohnes wegen vom Ankläger Aufschub verlangt? — Ich habe zur Antwort ertheilt: es scheint mir diejenige Frau zu keiner rechtmässigen Vertheidigung zu greifen, die zur Abwendung einer gesetzmässigen Anklage das Alter ihres Sohnes vorschüzt; denn das Verbrechen des Ehebruchs, welches der Frau vorgeworfen wird, schadet ihrem Kinde nicht durch Vorgreifen unbedingt, indem ja beides neben einander bestehen, d. h. die Frau eine Ehebrecherin sein und der Unmündige den Verstorbenen zum Vater Erben kann. 10„Als ich im Begriff stand, die Frau des Ehebruchs anzuklagen, die nach begangenem Ehebruch in derselben Ehe fortwährend geblieben war, ist mir widersprochen worden. Ich frage: ob richtig geantwortet worden ist?“ — Ich habe zum Gutachten ertheilt: es hätte dir nicht unbekannt sein sollen, dass, solange die Ehe fortdauert, in welcher der Ehebruch begangen sein soll, eine Frau des Ehebruchs nicht angeklagt werden kann, ebensowenig aber kann inzwischen der Ehebrecher angeklagt werden. 11Wenngleich angegeben wird, es habe eine Frau Den, der in den Verdacht des Ehebruchs gerathen, geheirathet, so wird sie doch nicht eher angeklagt werden können, als bis der Ehebrecher überführt worden ist; denn sonst würden hierzu die Männer rasch bei der Hand sein, wenn sie eine zweite in Eintracht geführt werdende Ehe stören wollen, und angeben, die Frau habe sich mit einem Ehebrecher verheirathet. 12„Eine Frau hatte gehört, dass ihr abwesender Ehemann mit Tode abgegangen sei, und sich mit einem andern verbunden; kurz darauf kehrte der Ehemann zurück. Ich frage: was ist gegen die Frau zu bestimmen?“ — Ich habe zur Antwort ertheilt: diese Frage sei sowohl thatsächlich als Rechtens; denn, sei ein langer Zeitraum ohne Beweis irgend eines Ehebruchs verflossen, und habe dann die Frau, durch einen Irrthum verleitet, als sei das Band der ersten Ehe gelöst, sich in einer zweiten rechtmässigen verbunden, so kann, weil es wahrscheinlich ist, dass sie betrogen worden sei, nichts der Rache würdig erscheinen; wird aber nachgewiesen, dass der eingebildete Tod des Ehemannes ein Beförderungsmittel der [zweiten] Ehe gewesen, so muss sie, da durch eine solche Handlung der Anstand verletzt wird, nach Maassgabe der Grösse des Verbrechens gestraft werden. 13Ich habe eine des Ehebruchs angeschuldigte Frau geheirathet, und kurz darnach, als sie verurtheilt worden, sie verstossen. Ich frage: ist anzunehmen, dass ich die Veranlassung zur Scheidung gegeben habe? — Antwort: da es dir durch das Julische Gesetz verboten ist, eine solche Frau zu behalten, so ist es klar, dass du nicht die Veranlassung zur Scheidung gegeben hast; die Sache wird daher aus dem rechtlichen Gesichtspunkte betrachtet, als sei die Scheidung durch Verschulden der Frau geschehen.

13Ul­pia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Haec ver­ba le­gis ‘ne quis post­hac stu­prum ad­ul­te­rium fa­ci­to sciens do­lo ma­lo’ et ad eum, qui sua­sit, et ad eum, qui stu­prum vel ad­ul­te­rium in­tu­lit, per­ti­nent.

13Ulp. lib. I. de Adulter. Die folgenden Worte des Gesetzes: es soll Niemand fernerhin wissentlich mit Arglist eine Schwächung oder einen Ehebruch begehen, betreffen sowohl den Ueberreder, als Den, der die Schwächung oder den Ehebruch begangen hat.

14Idem li­bro se­cun­do de ad­ul­te­ris. Si uxor non fue­rit in ad­ul­te­rio, con­cu­bi­na ta­men fuit, iu­re qui­dem ma­ri­ti ac­cu­sa­re eam non pot­erit, quae uxor non fuit, iu­re ta­men ex­tra­nei ac­cu­sa­tio­nem in­sti­tue­re non pro­hi­be­bi­tur, si mo­do ea sit, quae in con­cu­bi­na­tum se dan­do ma­tro­nae no­men non amis­it, ut pu­ta quae pa­tro­ni con­cu­bi­na fuit. 1Pla­ne si­ve ius­ta uxor fuit si­ve in­ius­ta, ac­cu­sa­tio­nem in­sti­tue­re vir pot­erit: nam et Sex­tus Cae­ci­lius ait, haec lex ad om­nia ma­tri­mo­nia per­ti­net, et il­lud Ho­me­ri­cum ad­fert: nec enim so­li, in­quit, atri­dae uxo­res suas amant. οὐ μόνοι φιλέουσ’ ἀλόχους μερόπων ἀνθρώπων Ἀτρεῖδαι. 2Sed et in ea uxo­re pot­est ma­ri­tus ad­ul­te­rium vin­di­ca­re, quae vol­ga­ris fue­rit, quam­vis, si vi­dua es­set, im­pu­ne in ea stu­prum com­mit­te­re­tur. 3Di­vi Se­ve­rus et An­to­ni­nus re­scrip­se­runt et­iam in spon­sa hoc idem vin­di­can­dum, quia ne­que ma­tri­mo­nium qua­le­cum­que nec spem ma­tri­mo­nii vio­la­re per­mit­ti­tur. 4Sed et si ea sit mu­lier, cum qua in­ces­tum com­mis­sum est, vel ea, quae, quam­vis uxo­ris ani­mo ha­be­re­tur, uxor ta­men es­se non pot­est, di­cen­dum est iu­re ma­ri­ti ac­cu­sa­re eam non pos­se, iu­re ex­tra­nei pos­se. 5Iu­dex ad­ul­te­rii an­te ocu­los ha­be­re de­bet in in­qui­re­re, an ma­ri­tus pu­di­ce vi­vens mu­lie­ri quo­que bo­nos mo­res co­len­di auc­tor fue­rit: per­in­iquum enim vi­de­tur es­se, ut pu­di­ci­tiam vir ab uxo­re ex­igat, quam ip­se non ex­hi­beat: quae res pot­est et vi­rum dam­na­re, non rem ob com­pen­sa­tio­nem mu­tui cri­mi­nis in­ter utros­que com­mu­ni­ca­re. 6Si quis uxo­rem suam ve­lit ac­cu­sa­re di­cat­que eam ad­ul­te­rium com­mi­sis­se an­te­quam si­bi nu­be­ret, iu­re vi­ri ac­cu­sa­tio­nem in­sti­tue­re non pot­erit, quia non, cum ei nup­ta est, ad­ul­te­rium com­mi­sit. quod et in con­cu­bi­na di­ci pot­est, quam uxo­rem quis post­ea ha­buit, vel in fi­lia fa­mi­lias, cu­ius con­iunc­tio­ni pa­ter post­ea con­ces­sit. 7Si quis pla­ne uxo­rem suam, cum apud hos­tes es­set, ad­ul­te­rium com­mi­sis­se ar­guat, be­ni­gnius di­ce­tur pos­se eum ac­cu­sa­re iu­re vi­ri: sed ita de­mum ad­ul­te­rium ma­ri­tus vin­di­ca­bit, si vim hos­tium pas­sa non est: ce­te­rum quae vim pa­ti­tur, non est in ea cau­sa, ut ad­ul­te­rii vel stu­pri dam­ne­tur. 8Si mi­nor duo­de­cim an­nis in do­mum de­duc­ta ad­ul­te­rium com­mi­se­rit, mox apud eum ae­ta­tem ex­ces­se­rit coe­pe­rit­que es­se uxor, non pot­erit iu­re vi­ri ac­cu­sa­ri ex eo ad­ul­te­rio, quod an­te ae­ta­tem nup­ta com­mi­sit, sed vel qua­si spon­sa pot­erit ac­cu­sa­ri ex re­scrip­to di­vi Se­ve­ri, quod su­pra re­la­tum est. 9Sed et si qua re­pu­dia­ta, mox re­duc­ta sit non qua­si eo­dem ma­tri­mo­nio du­ran­te, sed qua­si alio in­ter­po­si­to, vi­den­dum est, an ex de­lic­to, quod in prio­re ma­tri­mo­nio ad­mi­sit, ac­cu­sa­ri pos­sit. et pu­to non pos­se: ab­ole­vit enim prio­ris ma­tri­mo­nii de­lic­ta re­du­cen­do eam. 10Idem di­cen­dum est, si stu­pri ve­lit ac­cu­sa­re eam quam post­ea du­xit uxo­rem: se­ro enim ac­cu­sat mo­res, quos uxo­rem du­cen­do pro­ba­vit.

14Idem lib. II. de Adulter. Wenn keine Ehefrau, sondern eine Concubine einen Ehebruch begangen hat, so wird man sie zwar nicht vermöge ehemännlichen Rechtes anklagen können, da sie nicht Ehefrau war, allein vermöge des Rechts, das jedem Dritten zusteht, sie anzuklagen, ist kein Hinderniss vorhanden, vorausgesetzt, dass es eine solche Frauensperson gewesen, die dadurch, dass sie den Concubinat einging, den Namen einer Matrone nicht verlor, z. B. eine Freigelassene, die ihres Freilassers Concubine ward. 1Ob übrigens die Gattin eine rechtmässige oder eine unrechtmässige77S. Pet. Perennon. Animadv. l. I. c. 9. (T. O. I. 602.), Zimmerm R.Gesch. Bd. 1. S. 500. ff. gewesen, ist einerlei, der Mann wird Anklage erheben können; denn dieses Gesetz betrifft, wie Sextus Caecilius sagt, alle Ehen, und er führt dabei folgende Worte Homers an: Nicht die Atreiden allein von allen sterblichen Menschen Lieben die Gattinnen. 2Auch rücksichtlich derjenigen Ehefrau kann der Ehemann den Ehebruch rächen, die eine Hure gewesen, obwohl wenn sie Wittwe geworden, eine Schwächung ihrer ungestraft geschieht. 3Divus Severus und Divus Antoninus haben rescribirt, dass ebendasselbe auch von der Verlobten gelte, weil weder eine Ehe, sie sei von welcher Art da wolle, noch die Hoffnung auf eine Ehe verletzt werden darf. 4Selbst wenn die Gattin eine solche ist, mit der Blutschande begangen worden, oder eine solche, die man zwar in der Absicht, sie zur Gattin zu haben, hat, die aber nicht Ehefrau sein kann, gilt als Regel, dass man sie zwar nicht vermöge Rechtes als Ehemann, wohl aber zufolge des jedem Dritten zustehenden Rechtes anklagen könne. 5Der Richter in einer Untersuchung wegen Ehebruchs muss sein Augenmerk bei der Untersuchung darauf richten, ob der Ehemann selbst sittlich lebend dem moralischen Charakter seiner Frau mit einem guten Vorbilde vorangegangen ist? Denn es scheint höchst unbillig zu sein, dass der Mann zwar von der Frau solle Züchtigkeit verlangen können, aber selbst sie nicht zu befolgen nöthig habe; dieser Umstand kann auch zu des Mannes Verurtheilung Veranlassung geben, jedoch keineswegs zur gegenseitigen Aufhebung des Verbrechens zwischen Beiden. 6Wer seine Ehefrau anklagen will, und behauptet, sie habe einen Ehebruch begangen, bevor er sie geheirathet, der wird die Anklage nicht vermöge Rechtes als Ehemann erheben können, weil sie den Ehebruch nicht begangen hat, so lange sie an ihn verheirathet war. Dies gilt auch von einer Concubine, die Jemand nachher zur Frau genommen, oder von einer Haustochter, in deren eheliche Verbindung der Vater erst nachher gewilligt hat. 7Wer seine Frau eines Ehebruchs während der Zeit beschuldigt, dass er sich in feindlicher Gefangenschaft befunden, von dem lässt sich billiger behaupten, dass er sie vermöge seines Rechtes als Ehemann anklagen dürfe. Der Ehemann wird aber den Ehebruch nur dann rächen dürfen, wenn ihr nicht von den Feinden Gewalt angethan worden ist; die Frau nemlich, welcher Gewalt angethan worden, kann nicht wegen Schwächung oder Ehebruchs verurtheilt werden. 8Wenn eine Frauensperson unter zwölf Jahren heimgeführt88S. l. 9. D. de spons. Wenn eine Ehe mit einer Person unter zwölf Jahren eingegangen worden war, in Folge vorausgegangenen Verlöbnisses, so dauert dieses letztere Verhältniss fort, wenn sich die Braut auch in des Bräutigams Hause als Verehlichte befunden hat. Denn die volle rechtliche Ehe tritt erst mit den Jahren der Mannbarkeit des Weibes ein, wenn sie auch der Form nach früher geschlossen ist. worden, und einen Ehebruch begangen, kurz darauf aber bei ihrem [Manne] das gehörige Alter erreicht, und angefangen hat, Ehefrau zu sein, so wird sie wegen des Ehebruchs, den sie, bevor sie wirklich Ehefrau geworden, noch im jüngern Alter begangen, nicht vermöge ehemännlichen Rechts angeklagt werden können, wohl aber als Verlobte aus dem obenerwähnten Rescripte des Divus Severus. 9Ist aber eine Frau verstossen, jedoch kurz darnach wiederaufgenommen worden, so fragt sich, ob, als wenn dieselbe Ehe nicht fortdauere, sondern eine neue anfange, sie wegen des in erster Ehe begangenen Verbrechens angeklagt werden könne? — Ich glaube, nicht; denn dadurch, dass er die Frau wiederannahm, verwischte er die Vergehungen in der frühern Ehe. 10Das Nemliche ist Regel, wenn Jemand Diejenige wegen Schwächung anklagen will, die er nachher zur Frau genommen hat; denn er klagt den moralischen Lebenswandel zu spät an, dem er dadurch, dass er sie zur Frau nahm, seine Billigung ertheilte.

15Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. Is, cu­ius ope con­si­lio do­lo ma­lo fac­tum est, ut vir fe­mi­na­ve in ad­ul­te­rio de­pre­hen­si pe­cu­nia alia­ve qua pac­tio­ne se red­ime­rent, ea­dem poe­na dam­na­tur, quae con­sti­tu­ta est in eos, qui le­no­ci­nii cri­mi­ne dam­nan­tur. 1Si vir in­fa­man­dae uxo­ris suae cau­sa ad­ul­te­rum sub­ie­ce­rit, ut ip­se de­pre­hen­de­ret, et vir et mu­lier ad­ul­te­rii cri­mi­ne te­nen­tur ex se­na­tus con­sul­to de ea re fac­to. 2Ma­ri­to pri­mum, vel pa­tri eam fi­liam quam in po­tes­ta­te ha­bet, in­tra dies se­xa­gin­ta di­vor­tii ac­cu­sa­re per­mit­ti­tur nec ul­li alii in­tra id tem­pus agen­di po­tes­tas da­tur: ul­tra eos dies ne­utrius vo­lun­tas ex­spec­ta­tur. 3Iu­re ma­ri­ti qui ac­cu­sant, ca­lum­niae pe­ri­cu­lum non evi­tant.

15Scaevola lib. IV. Regul. Derjenige, durch dessen Hülfe, Rath und Arglist es geschehen ist, dass ein Mann und eine Frau im Ehebruch ergriffen worden, und durch Geld oder ein anderes Abkommen sich losgekauft haben, wird zu derselben Strafe verurtheilt, welche wider Diejenigen vorgeschrieben worden ist, die wegen Kupplerei verurtheilt werden. 1Wenn ein Mann, seine Frau zu infamiren, einen Ehebrecher selbst gestellt hat, um sie zu ergreifen, so haften in Folge des über einen solchen Fall abgefassten Senatsbeschlusses Beide, Mann und Frau, wegen des Verbrechens des Ehebruchs. 2Zuerst wird dem Ehemann, oder dem Vater in Ansehung der Tochter, die er in seiner Gewalt hat, die Anklage wegen Ehebruchs innerhalb sechzig Tagen gestattet, und keinem Andern innerhalb dieser Frist die Befugniss zur Anklage ertheilt; über jene Frist hinaus wird nicht weiter auf den Entschluss des Einen oder des Andern gewartet. 3Wer vermöge seines Rechtes als Ehemann anklagt, entgeht der Gefahr der wissentlich falschen Anklage nicht.

16Ul­pia­nus li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. Si ma­ri­tus sit in ma­gis­tra­tu, pot­est prae­ve­ni­ri a pa­tre: at­quin non opor­tet. et pu­tat Pom­po­nius de­be­re di­ci, quo­ad ma­ri­tus ma­gis­tra­tum ge­rit, pa­tris quo­que ac­cu­sa­tio­nem im­pe­dien­dam, ne prae­ri­pia­tur ma­ri­to ius, quod cum eo ae­qua­le ha­bet: igi­tur non ce­dent se­xa­gin­ta dies pa­tri, cum ac­cu­sa­re non pot­est. 1Le­gis Iu­liae de ad­ul­te­riis ca­pi­te sep­ti­mo ita ca­ve­tur: ‘ne quis in­ter reos re­fe­rat eum, qui tum si­ne de­trec­ta­tio­ne rei pu­bli­cae cau­sa ab­erit’: ne­que enim ae­quum vi­sum est ab­sen­tem rei pu­bli­cae cau­sa in­ter reos re­fer­ri, dum rei pu­bli­cae ope­ra­tur. 2Ne­ces­sa­rio ad­ici­tur ‘si­ne de­trec­ta­tio­ne’: ce­te­rum si quis evi­tan­di cri­mi­nis id egit, ut rei pu­bli­cae cau­sa ab­es­set, ni­hil il­li com­men­tum hoc pro­fi­ciat. 3Quod si quis prae­sens sit, vi­ce ta­men ab­sen­tis ha­be­tur (ut pu­ta qui in vi­gi­li­bus vel ur­ba­nis cas­tris mi­li­tat), di­cen­dum est de­fer­ri hunc pos­se: ne­que enim la­bo­ra­re ha­bet, ut se re­prae­sen­tet. 4Et ge­ne­ra­li­ter di­cen­dum est eo­rum de­mum ab­sen­tiam ex­cu­sa­tam es­se, qui in alia pro­vin­cia rei pu­bli­cae cau­sa ab­sunt, quam in ea in qua de­fe­run­tur. pro­in­de si quis in pro­vin­cia, in qua agit, ad­ul­te­rium com­mi­se­rit, ac­cu­sa­ri pot­erit, ni­si sit ea per­so­na, quae ad prae­si­dis co­gni­tio­nem non per­ti­net. 5Si ne­ga­ve­rint se pa­ter et ma­ri­tus ac­cu­sa­tu­ros in­tra diem se­xa­gen­si­mum, an sta­tim in­ci­piant tem­po­ra ex­tra­neo ce­de­re? et pri­mus Pom­po­nius pu­tat ad­mit­ti ad ac­cu­sa­tio­nem ex­tra­neum pos­se sta­tim at­que is­ti ne­ga­ve­rint. cui ad­sen­tien­dum pu­to: for­tius enim di­ci­tur eum, qui se ne­ga­ve­rit ac­tu­rum, post­ea non au­dien­dum. 6Lex Iu­lia de ad­ul­te­riis spe­cia­li­ter quos­dam ad­ul­te­rii ac­cu­sa­re pro­hi­bet, ut mi­no­rem an­nis vi­gin­ti quin­que: nec enim vi­sus est ido­neus ac­cu­sa­tor, qui non­dum ro­bus­tae ae­ta­tis est. quod ita ve­rum est, si non ma­tri­mo­nii sui in­iu­riam ex­equa­tur: ce­te­rum si suum ma­tri­mo­nium vin­di­ca­re ve­lit, quam­vis iu­re ex­tra­nei ad ac­cu­sa­tio­nem ve­niat, ta­men au­die­tur: nec enim ul­la prae­scrip­tio ob­ici­tur suam in­iu­riam vin­di­can­ti. sa­ne si iu­ve­na­li fa­ci­li­ta­te duc­tus vel et­iam fer­vo­re ae­ta­tis ac­cen­sus ad ac­cu­sa­tio­nem pro­si­lit, ac­cu­san­ti ei non fa­ci­le ca­lum­niae poe­na ir­ro­ga­bi­tur. mi­no­rem vi­gin­ti quin­que an­nis et­iam eum ac­ci­pi­mus, qui vi­cen­si­mum quin­tum an­num ae­ta­tis agit. 7Prae­scrip­tio­nes, quae ob­ici so­lent ac­cu­san­ti­bus ad­ul­te­rii, an­te so­lent trac­ta­ri, quam quis in­ter reos re­ci­pia­tur: ce­te­rum post­ea­quam se­mel re­cep­tus est, non pot­est prae­scrip­tio­nem ob­ice­re. 8Si in vi­dui­ta­te mu­lier per­se­ve­rat, in ac­cu­sa­to­ris est ar­bi­trio, a quo ve­lit in­ci­pe­re, utrum ab ad­ul­te­ro an ab ad­ul­te­ra. 9Si quis et ad­ul­te­rum et ad­ul­te­ram si­mul de­tu­lit, ni­hil agit pot­erit­que, qua­si ne­utrum de­tu­le­rit, rur­sus a quo ve­lit in­itium fa­ce­re, quia ni­hil agit pri­ma de­la­tio­ne.

16Ulp. lib. II. de Adulter. Wenn ein Ehemann in einem Staatsamte ist, kann ihm der Vater da zuvorkommen? — Dies darf nicht statthaben, und Pomponius glaubt, es müsse als Regel aufgestellt werden, dass, so lange der Mann im Amte ist, auch des Vaters Anklage verhindert werden müsse, damit nicht dem Manne sein Recht entzogen werde, was er mit ihm in ganz gleicher Art hat; es wird also dem Vater die sechzigtägige Frist nicht verstreichen, da er keine Anklage erheben kann. 1Im siebenten Capitel des Julischen Gesetzes über den Ehebruch heisst es so: Es soll Niemand Denjenigen in Anklagestand versetzen99Referre, s. Briss. wohl zu unterscheiden von deferre, s. Des. Herald. de rer. jud. auct. l. I. c. 9. (T. O. II. p. 1131.), der zu der Zeit, ohne dass ihn desfalls ein Vorwurf träfe, in Staatsgeschäften abwesend sein wird; denn es hat unbillig geschienen, den in Staatsgeschäften Abwesenden in Anklagestand zu versetzen, während er im Dienste des Staats beschäftigt ist. 2Sehr wesentlich ist der Zusatz, ohne dass ihn desfalls ein Vorwurf träfe; denn wer es zur Vermeidung der Untersuchung bewirkt hat, dass er in Staatsgeschäften abwesend war, dem nützt diese List nichts. 3Wer hingegen zwar anwesend ist, aber an Stelle eines Abwesenden gehalten wird, z. B. wer unter der städtischen Wache oder Garnison dient, der kann angeklagt werden, denn er braucht sich nicht weiter zu bemühen, um sich zu stellen. 4Es gilt hier als allgemeine Regel, dass nur die Abwesenheit Derer entschuldigt werde, die in Staatsgeschäften sich in einer andern Provinz befinden, als wo sie angeklagt werden. Wer daher in der Provinz, wo er sich aufhält, einen Ehebruch begangen hat, kann angeklagt werden, es müsste denn eine Person sein, die nicht unter der Gerichtsbarkeit des Präsidenten seht. 5Wenn Vater und Ehemann sich geweigert haben, innerhalb des sechzigsten Tages Anklage zu erheben, fängt dann der Fristlauf für Dritte sofort an? Pomponius war der Erste, welcher glaubte, dass ein Dritter dann sogleich zur Anklage gelassen werden könne, sobald jene sich geweigert haben. Ich glaube dem beistimmen zu müssen; denn richtiger ist es zu sagen, dass Der, welcher sich geweigert hat, Anklage zu erheben, nachher nicht weiter gehört werden dürfe. 6Das Julische Gesetz über den Ehebruch verbietet namentlich einigen Personen, des Ehebruchs wegen Anklage zu erheben, z. B. wer noch nicht fünfundzwanzig Jahre alt ist; denn wer noch nicht im kräftigen Alter steht, der erscheint als kein tauglicher Ankläger. Dies ist richtig, sobald er nicht die Beschimpfung seiner eigenen Ehe verfolgt; will er nemlich seine ehelichen Rechte rächen, so wird er dennoch gehört werden, wenn er auch nur vermöge des Rechtes eines Dritten zur Anklage schreiten kann; denn wer eine ihm selbst widerfahrene Beschimpfung rächen will, dem wird keine Einrede entgegengesetzt. Wer freilich in jugendlichem Leichtsinn, oder der Hitze seines Alters mit einer solchen Anklage aufgetreten ist, dem wird die Strafe wissentlich falscher Anklage so leicht nicht auferlegt werden. Als jünger denn fünfundzwanzig Jahr wird auch Der betrachtet, der im fünfundzwanzigsten Jahre steht. 7Die Einreden, welche den Anklägern wegen Ehebruchs entgegengestellt zu werden pflegen, werden in der Regel, bevor Jemand in Anklagestand versetzt wird, erörtert; sobald er aber einmal darin versetzt worden ist, kann er keine Einrede weiter entgegenstellen. 8Wenn eine Frau im Witwenstande bleibt, so beruht es in des Anklägers Belieben, mit wem er den Anfang machen will, ob mit dem Ehebrecher, oder der Ehebrecherin. 9Wer einen Ehebrecher und eine Ehebrecherin zugleich angeklagt hat, der handelt ungültig, und wird, als wenn er Keinen angeklagt habe, wiederum den Anfang machen können, mit wem er will, weil seine erste Anklage eine ungültige Handlung war.

17Ul­pia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Qui uxo­ri re­pu­dium mi­se­rit, post­ea de­nun­tia­re, ne Se­io nu­be­ret, et, si de­nun­tia­ve­rit, et ab ea in­ci­pe­re pot­est.

17Ulp. lib. I. de Adulter. Wer seiner Frau einen Scheidebrief geschickt hat, kann ihr Anzeige machen, dass sie den Sejus nicht heirathen möge, und wenn er dies gethan, so kann er bei ihr den Anfang machen.

18Idem li­bro se­cun­do ad le­gem Iu­liam de ad­ul­te­riis. De­nun­tias­se qua­li­ter ac­ci­pia­mus, utrum ad iu­di­cem an ve­ro sim­pli­ci­ter? ego, et­si non de­nun­tia­vit ad iu­di­cem, suf­fi­ce­re cre­do, si ad­ul­te­rii se ac­tu­rum de­nun­tia­ve­rit. 1Quid er­go, si non qui­dem de­nun­tia­vit, ve­rum li­bel­los ac­cu­sa­to­rios de­dit, an­te­quam nu­be­ret, ea­que, cum id co­gno­vis­set, nup­sit, vel igno­rans? pu­to non vi­de­ri ei de­nun­tia­tum: id­cir­co non pos­se ac­cu­sa­to­rem ab ea in­ci­pe­re. 2Quid er­go, si tan­tum de­nun­tia­vit, ne nu­be­ret, sed non ad­di­dit, qua­re, num rec­te nup­sis­se vi­dea­tur? sed me­lius est il­lud se­qui, ut eius de­nun­tia­tio vi­dea­tur elec­tio­nem ac­cu­sa­to­ri re­ser­va­re, qui cri­men de­nun­tia­vit. om­ni­no igi­tur si fe­cit ad­ul­te­rii cri­mi­nis com­me­mo­ra­tio­nem in de­nun­tia­tio­ne, et­si iu­di­cem non mons­tra­vit, ma­gis pu­ta­mus mu­lie­rem, qua­si de­nun­tia­tio­nem prae­ces­se­rit, pos­se ac­cu­sa­ri. 3Quid ta­men si spe­cia­li­ter, cum quo ad­ul­te­rium fe­ce­rit, de­nun­tia­tio­ni com­ple­xus est, mox ve­lit eam ex al­te­rius per­so­na ac­cu­sa­re? ma­gis est, ut non de­beat au­di­ri: ne­que enim cri­men quod de­nun­tia­vit ob­icit. 4Sed et si per pro­cu­ra­to­rem de­nun­tia­ve­rit, pu­to pos­se eum ac­cu­sa­tio­nem si ve­lit in­sti­tue­re suf­fi­ce­re­que pro­cu­ra­to­ris de­nun­tia­tio­nem. 5Er­go et si per ac­to­res de­nun­tia­ve­rit, id est per ser­vum do­mi­nus de­nun­tia­ve­rit, ra­ta erit de­nun­tia­tio. 6Quae­ri­tur, an alius ad­ul­te­ram, alius ad­ul­te­rum pos­tu­la­re pos­sit, ut, quam­vis ab eo­dem am­bo si­mul pos­tu­la­ri non pos­sint, a di­ver­sis ta­men sin­gu­li pos­sint. sed non ab re est hoc pro­ba­re di­ver­sos ac­cu­sa­to­res ad­mit­ti pos­se, dum, si an­te de­nun­tia­tio­nem nup­se­rit, prior mu­lier ac­cu­sa­ri non pos­sit. ex­spec­ta­bit igi­tur mu­lier sen­ten­tiam de ad­ul­te­ro la­tam: si ab­so­lu­tus fue­rit, mu­lier per eum vin­cet nec ul­tra ac­cu­sa­ri pot­est: si con­dem­na­tus fue­rit, mu­lier non est con­dem­na­ta, sed aget cau­sam suam, for­tas­sis et op­ti­ne­re vel gra­tia vel ius­ti­tia vel le­gis au­xi­lio pos­sit. quid enim, si ad­ul­ter in­imi­ci­tiis op­pres­sus est vel fal­sis ar­gu­men­tis tes­ti­bus­que sub­or­na­tis apud prae­si­dem gra­va­tus, qui aut no­luit aut non po­tuit pro­vo­ca­re, mu­lier ve­ro iu­di­cem re­li­gio­sum sor­ti­ta pu­di­ci­tiam suam de­fen­det? 7Sed si an­te­quam con­dem­ne­tur

18Idem lib. II. ad leg. Jul. de Adulter. Wie haben wir aber das Anzeigen zu verstehen? Muss es bei dem Richter geschehen, oder kann es auch einfach geschehen? Ich glaube, dass, wenn die Anzeige auch nicht bei dem Richter geschehen, es dennoch genüge, wenn er Anzeige gemacht, dass er wegen Ehebruchs Anklage erheben werde. 1Wie aber dann, wenn er zwar keine Anzeige gemacht, aber bevor sie sich wieder verheirathet, schriftliche Anklage eingereicht, und sie, nachdem sie es erfahren, oder ohne es erfahren zu haben, sich verheirathet hat? — Hier ist ihr, meiner Ansicht zufolge, keine Anzeige geschehen, und darum kann der Ankläger mit ihr nicht den Anfang machen. 2Wie ferner dann, wenn er zwar Anzeige gemacht, sie solle nicht heirathen, aber nicht hinzugesetzt hat, weshalb? Wird da angenommen, dass sie sich rechtmässig wieder verheirathet habe? Es ist hier richtiger, anzunehmen, dass seine Anzeige dem Ankläger die Wahl vorbehalte, sobald er das Verbrechen angezeigt hat. Sobald er also in der Anzeige des Verbrechens des Ehebruchs überhaupt Erwähnung gethan hat, so nehmen wir, auch wenn er den Richter nicht benennt hat, dennoch an, dass die Frau angeklagt werden könne, als sei eine Anzeige vorhergegangen. 3Wie aber, wenn er in der Anzeige Den, mit dem sie Ehebruch begangen habe, namhaft gemacht hat, und nachher sie des Ehebruchs mit einer andern Person anklagen will? Dann spricht mehr dafür, dass er nicht gehört werden dürfe, denn er wirft ihr dann ein anderes Verbrechen vor, als welches er angezeigt hat. 4Auch wenn er durch einen Geschäftsbesorger Anzeige gemacht hat, kann er, meiner Ansicht nach, Anklage erheben, sobald er will, und es reicht die Anzeige durch einen Geschäftsbesorger hin. 5Selbst wenn der Herr daher durch einen Verwalter Anzeige gemacht hat, d. h. durch seinen Sclaven, wird die Anzeige von rechtlicher Wirkung sein. 6Es ist die Frage, ob der Eine die Ehebrecherin, der Andere den Ehebrecher belangen kann, sodass also, wenngleich Zwei von Demselben nicht belangt werden können, doch jeder Einzelne von Verschiedenen belangt werden kann? Allein es liegt sehr nahe, es zu billigen, dass verschiedene Ankläger zugelassen werden können, nur dass die Frau, wenn sie vor geschehener Anzeige geheirathet hat, nicht zuerst angeklagt werden darf. Es wird also die Frau das über den Ehebrecher gefällt werdende Urtheil erwarten; ist er freigesprochen worden, so wird die Frau durch ihn siegen, und nicht weiter angeklagt werden können; ist er aber verurtheilt worden, so ist die Frau nicht auch verurtheilt, sondern kann ihre eigene Sache führen, auch vielleicht entweder durch Gunst, durch Gerechtigkeit oder die Hülfe des Gesetzes obsiegen. Denn wie z. B. wenn der [seinsollende] Ehebrecher durch Feindschaft unterdrückt, oder durch falsche Beweismittel und gedungene Zeugen beim Prätor in Verdacht gekommen ist, und nicht hat appelliren wollen oder können, die Frau aber einen gewissenhaften Richter erhalten hat, und ihre Keuschheit rechtfertigt? 7Wenn aber vor der Verurtheilung,

19Ma­cer li­bro pri­mo de pu­bli­cis iu­di­ciis. vel an­te­quam cum eo agi coe­pit,

19Macer lib. I. de publ. judic. oder bevor wider ihn Anklage erhoben worden,

20Ul­pia­nus li­bro se­cun­do ad le­gem Iu­liam de ad­ul­te­ris. ad­ul­ter diem suum ob­ie­rit, con­sti­tu­tum est et­iam mor­tuo ad­ul­te­ro si­ne prae­scrip­tio­ne mu­lie­rem pos­se ac­cu­sa­ri. 1Sed et si non mors, sed poe­na alia reum sub­tra­xe­rit, ad­huc di­ci­mus pos­se ad mu­lie­rem veniri. 2Si eo tem­po­re, quo eli­ge­ba­tur reus, ad­ul­te­ra nup­ta non fuit, quo au­tem ab­sol­va­tur, nup­ta in­ve­ni­tur: di­cen­dum est hanc ab­so­lu­to quo­que ad­ul­te­ro pos­se ac­cu­sa­ri, quia eo tem­po­re, quo ad­ul­ter eli­ge­ba­tur, nup­ta non fuit. 3Nup­ta non pot­est ac­cu­sa­ri, non tan­tum ab eo, qui ad­ul­te­rum ac­cu­sa­vit nec op­ti­nuit, sed nec ab alio qui­dem, si ad­ul­ter ab­so­lu­tus est. pro­in­de si per col­lu­sio­nem cum ad­ul­te­ro con­sti­tue­rit fue­rit­que ab­so­lu­tus, de­dit mu­lie­ri nup­tae ad­ver­sus om­nes se­cu­ri­ta­tem. pla­ne si nup­ta es­se de­sie­rit, ac­cu­sa­ri pot­erit: ne­que enim aliam lex tue­tur quam eam, quae nup­ta est, quam­diu nup­ta erit.

20Ulp. lib. II. ad leg. Jul. de Adulter. der Ehebrecher mit Tode abgegangen ist, so ist es gesetzliche Bestimmung, dass, auch wenn der Ehebrecher gestorben, die Frau doch ohne Einrede angeklagt werden könne. 1Ebenso kann man, wenn nicht der Tod, sondern eine andere Strafe den Angeschuldigten hinweggeführt hat, die Frau auch anklagen. 2Wenn die Ehebrecherin zu der Zeit, als der Angeschuldigte angegriffen ward, noch nicht wiederverheirathet war, aber zu der Zeit, wo er losgesprochen wird, verheirathet ist, so kann sie, auch wenn der Ehebrecher freigesprochen worden, dennoch angeklagt werden, weil sie zu der Zeit, wo der Ehebrecher angegriffen ward, noch nicht verheirathet war. 3Eine [anderweit] Verheirathete kann nicht blos von Dem nicht weiter angeklagt werden, der den Ehebrecher angeklagt und nicht Recht erhalten hat, sondern auch von keinem Andern, sobald der Ehebrecher freigesprochen worden ist. Wenn daher [der Ankläger] mit dem Ehebrecher in heimlichem Einverständniss gestanden hat, und dieser freigesprochen worden ist, so hat er dadurch der Frau volle Sicherheit wider Jedermann gegeben. Sobald sie freilich nicht mehr verheirathet ist, wird sie angeklagt werden können, denn das Gesetz schützt verheirathete Frauen nur, so lange sie verheirathet sind.

21Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Pa­tri da­tur ius oc­ci­den­di ad­ul­te­rum cum fi­lia quam in po­tes­ta­te ha­bet: ita­que ne­mo alius ex pa­tri­bus idem iu­re fa­ciet: sed nec fi­lius fa­mi­lias pa­ter:

21Papin. lib. I. de Adulter. Dem Vater wird das Recht gegeben, den Ehebrecher mit der Tochter zu tödten, wenn er Letztere in seiner Gewalt hat. Eine andere Person aus der Classe der Eltern wird dies daher nicht mit Recht thun, aber auch ebensowenig ein Haussohn als Vater.

22Ul­pia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­ris. (sic eve­niet, ut nec pa­ter nec avus pos­sint oc­ci­de­re) nec im­me­ri­to: in sua enim po­tes­ta­te non vi­de­tur ha­be­re, qui non est suae po­tes­ta­tis.

22Ulp. lib. I. de Adulter. Hieraus folgt, dass [alsdann] weder der Vater noch der Grossvater sie tödten kann. Und das mit Recht, denn wer nicht eigenen Rechtens ist, kann nicht so betrachtet werden, als habe er sie in seiner Gewalt.

23Pa­pi­nia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­ris. Nec in ea le­ge na­tu­ra­lis ab ad­op­ti­vo pa­ter se­pa­ra­tur. 1In ac­cu­sa­tio­nem vi­duae fi­liae non ha­bet pa­ter ius prae­ci­puum. 2Ius oc­ci­den­di pa­tri con­ce­di­tur do­mi suae, li­cet ibi fi­lia non ha­bi­tat, vel in do­mo ge­ne­ri: sed do­mus et pro do­mi­ci­lio ac­ci­pien­da est, ut in le­ge Cor­ne­lia de in­iu­riis. 3Sed qui oc­ci­de­re pot­est ad­ul­te­rum, mul­to ma­gis con­tu­me­lia pot­erit iu­re ad­fi­ce­re. 4Id­eo au­tem pa­tri, non ma­ri­to mu­lie­rem et om­nem ad­ul­te­rum re­mis­sum est oc­ci­de­re, quod ple­rum­que pie­tas pa­ter­ni no­mi­nis con­si­lium pro li­be­ris ca­pit: ce­te­rum ma­ri­ti ca­lor et im­pe­tus fa­ci­le de­cer­nen­tis fuit re­fre­nan­dus.

23Papin. lib. I. de Adulter. Es macht auch das Gesetz zwischen dem natürlichen und dem Adoptivvater keinen Unterschied. 1In Ansehung der Anklage seiner verwittweten Tochter hat der Vater keine bevorrechtete Befugniss. 2Das Recht der Tödtung steht dem Vater nur in seinem Hause zu, wenn auch die Tochter daselbst nicht wohnt, oder im Hause des Schwiegersohnes. Haus ist hier für Wohnung zu verstehen, wie im Cornelischen Gesetz über Injurien. 3Wer aber den Ehebrecher tödten kann, der wird umsomehr denselben mit allem Rechte einen Schimpf anthun können. 4Dem Vater und nicht dem Ehemann ist es aber darum erlaubt, die Tochter und jeden Ehebrecher zu tödten, weil meistens die natürliche Liebe des Vaters für die Kinder spricht1010Quod plerumque pietas paterni nominis consilium pro liberis capit., und im Uebrigen auch die Hitze und der Ungestüm des Ehemannes, der mit dem Entschluss rasch bei der Hand ist, gezügelt werden musste.

24Ul­pia­nus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Quod ait lex ‘in fi­lia ad­ul­te­rum de­pre­hen­de­rit’, non otio­sum vi­de­tur: vo­luit enim ita de­mum hanc po­tes­ta­tem pa­tri com­pe­te­re, si in ip­sa tur­pi­tu­di­ne fi­liam de ad­ul­te­rio de­pre­hen­dat. La­beo quo­que ita pro­bat, et Pom­po­nius scrip­sit in ip­sis re­bus ve­ne­ris de­pre­hen­sum oc­ci­di: et hoc est quod so­lo et dra­co di­cunt ἐν ἔργῳ. 1Suf­fi­cit pa­tri, si eo tem­po­re ha­beat in po­tes­ta­te, quo oc­ci­dit, non quo in ma­tri­mo­nio col­lo­ca­vit: fin­ge enim post­ea red­ac­tam in po­tes­ta­tem. 2Qua­re non, ubi­cum­que de­pre­hen­de­rit pa­ter, per­mit­ti­tur ei oc­ci­de­re, sed do­mi suae ge­ne­ri­ve sui tan­tum, il­la ra­tio red­di­tur, quod ma­io­rem in­iu­riam pu­ta­vit le­gis­la­tor, quod in do­mum pa­tris aut ma­ri­ti au­sa fue­rit fi­lia ad­ul­te­rum in­du­ce­re. 3Sed si pa­ter ali­bi ha­bi­tet, ha­beat au­tem et aliam do­mum, in qua non ha­bi­tet, de­pre­hen­sam il­lo fi­liam, ubi non ha­bi­tat, oc­ci­de­re non pot­erit. 4Quod ait lex ‘in con­ti­nen­ti fi­liam oc­ci­dat’, sic erit ac­ci­pien­dum, ne oc­ci­so ho­die ad­ul­te­ro re­ser­vet et post dies fi­liam oc­ci­dat, vel con­tra: de­bet enim pro­pe uno ic­tu et uno im­pe­tu utrum­que oc­ci­de­re, ae­qua­li ira ad­ver­sus utrum­que sump­ta. quod si non af­fec­ta­vit, sed, dum ad­ul­te­rum oc­ci­dit, pro­fu­git fi­lia et in­ter­po­si­tis ho­ris ad­pre­hen­sa est a pa­tre qui per­se­que­ba­tur, in con­ti­nen­ti vi­de­bi­tur oc­ci­dis­se.

24Ulp. lib. I. de Adulter. Die Worte des Gesetzes: Wenn er den Ehebrecher auf der Tochter ergriffen hat, stehen nicht müssig da; denn es wollte, dass diese Befugniss dem Vater nur dann zustehen solle, wenn er die Tochter mit dem Ehebrecher auf der Schandthat selbst betrifft. Auch ist Labeo der Meinung, und Pomponius schreibt es ebenfalls, dass [nur] der im Beischlaf selbst Ergriffene getödtet werden dürfe. Das ist es, was Solon und Draco nennen, ἐν ἔργῳ (auf der That). 1Es genügt übrigens, wenn er sie in dem Augenblick in seiner Gewalt hat, wo er sie tödtet, nicht wo er sie verheirathete; denn man denke nur an den Fall, dass sie nachher in seine Gewalt zurückgetreten sei. 2Es wird also dem Vater nicht überall, wo er sie ergriffen hat, gestattet, sie zu tödten, sondern nur in seinem Hause, oder in dem seines Schwiegersohnes; als Grund wird der Umstand angegeben, dass der Gesetzgeber es für eine grössere Injurie gehalten, dass die Tochter gewagt habe, den Ehebrecher in des Vaters oder Ehemannes Haus einzuführen. 3Wenn aber der Vater wo anders wohnt, und ein anderes Haus besitzt, worin er nicht wohnt, so wird er die da, wo er nicht wohnt, ergriffene Tochter nicht tödten können. 4Die Worte des Gesetzes: auf der Stelle seine Tochter tödte, sind so zu verstehen, dass er nicht heute den Ehebrecher tödte, und es sich vorbehalte und dann auch nach mehreren Tagen die Tochter tödte, oder umgekehrt; denn er muss Beide gewissermaassen mit einem Schlag und auf einmal tödten, in gleich grosser Entrüstung wider Beide. Hat er [die Flucht der Tochter] nicht begünstigt1111Affectavit. Glosse., sondern ist sie, während er den Ehebrecher tödtet, entflohen, und nach Verlauf mehrerer Stunden vom Vater ergriffen worden, da er sie verfolgte, so wird annommen, er habe sie auf der Stelle getödtet.

25Ma­cer li­bro pri­mo pu­bli­co­rum. Ma­ri­to quo­que ad­ul­te­rum uxo­ris suae oc­ci­de­re per­mit­ti­tur, sed non quem­li­bet, ut pa­tri: nam hac le­ge ca­ve­tur, ut li­ceat vi­ro de­pre­hen­sum do­mi suae (non et­iam so­ce­ri) in ad­ul­te­rio uxo­ris oc­ci­de­re eum, qui le­no fue­rit qui­ve ar­tem lu­di­cram an­te fe­ce­rit in scae­nam sal­tan­di can­tan­di­ve cau­sa prod­ie­rit iu­di­cio­ve pu­bli­co dam­na­tus ne­que in in­te­grum re­sti­tu­tus erit, qui­ve li­ber­tus eius ma­ri­ti uxo­ris­ve, pa­tris ma­tris, fi­lii fi­liae utrius eo­rum fue­rit (nec in­ter­est, pro­prius cu­ius eo­rum an cum alio com­mu­nis fue­rit) qui­ve ser­vus erit. 1Et prae­ci­pi­tur, ut is ma­ri­tus, qui ho­rum quem oc­ci­de­rit, uxo­rem si­ne mo­ra di­mit­tat. 2Ce­te­rum sui iu­ris an fi­lius fa­mi­lias sit ma­ri­tus, ni­hil in­ter­es­se a ple­ris­que dic­tum est. 3Il­lud in utro­que ex sen­ten­tia le­gis quae­ri­tur, an pa­tri ma­gis­tra­tum oc­ci­de­re li­ceat? item si fi­lia igno­mi­nio­sa sit aut uxor con­tra le­ges nup­ta, an id ius ni­hi­lo mi­nus pa­ter ma­ri­tus­ve ha­beat? et quid, si pa­ter ma­ri­tus le­no vel ali­qua igno­mi­nia no­ta­tus est? et rec­tius di­ce­tur eos ius oc­ci­den­di ha­be­re, qui iu­re pa­tris ma­ri­ti­ve ac­cu­sa­re pos­sunt.

25Macer lib. I. Publ. Auch dem Ehemann ist gestattet, den Ehebrecher seiner Frau zu tödten, aber nicht jeden, wie dem Vater. Denn es ist in diesem Gesetze vorgeschrieben worden, dass dem Manne den in seinem Hause, und nicht auch in dem des Schwiegersvaters, im Ehebruch mit seiner Frau Ergriffenen zu tödten [nur dann] erlaubt sei, wenn er ein Kuppler war, oder die Schauspielkunst betrieb, öffentlich als Tänzer oder Sänger auftrat, und in einem öffentlichen Verfahren verurtheilt worden ist, ohne in den vorigen Stand wiedereingesetzt zu sein, oder ein Freigelassener des Ehemannes, oder des Vaters der Ehefrau, deren Mutter, eines Sohnes oder Tochter Beider (ohne Unterschied, ob er Einem von ihnen allein gehört, oder mit einem Andern gemeinschaftlich), oder ein Sclave ist. 1Es ist übrigens Vorschrift, dass der Ehemann, der einen von diesen tödtet, seine Frau ohne Aufhalt fortschicke. 2Ob der Ehemann übrigens eigenen Rechtens oder ein Haussohn ist, darauf kommt nichts an, wie die Meisten sagen. 3Die Frage wird aber, was den Sinn des Gesetzes betrifft, in Betreff Beider erhoben, ob dem Vater erlaubt sei, einen Staatsbeamten zu erschlagen? ingleichen, ob, wenn die Tochter eine mit einem Makel behaftete Person, oder den Gesetzen zuwider verheirathet gewesen, Vater und Ehemann nichtsdestoweniger dieses Recht haben? und wie es endlich sich verhalte, wenn der Vater oder Ehemann ein Kuppler, oder mit irgend einem Schandfleck behaftet gewesen? Richtiger ist es hier zu sagen, dass Der das Recht habe, zu tödten, wer vermöge seines Rechtes als Vater oder Ehemann Anklage erheben könne.

26Ul­pia­nus li­bro se­cun­do ad le­gem Iu­liam de ad­ul­te­ris. Ca­pi­te quin­to le­gis Iu­liae ita ca­ve­tur, ut vi­ro ad­ul­te­rum in uxo­re sua de­pre­hen­sum, quem aut no­lit aut non li­ceat oc­ci­de­re, re­ti­ne­re ho­ras diur­nas noc­tur­nas­que con­ti­nuas non plus quam vi­gin­ti tes­tan­dae eius rei cau­sa si­ne frau­de sua iu­re li­ceat. 1Ego ar­bi­tror et­iam in pa­tre id ser­van­dum, quod in ma­ri­to ex­pres­sum est. 2Sed et si non in do­mo sua de­pre­hen­de­rit ma­ri­tus, pot­erit re­ti­ne­re. 3Sed se­mel re­mis­sus ad­ul­ter re­du­ci non pot­est. 4Quid er­go si eva­se­rit, an re­duc­tus cus­to­di­ri vi­gin­ti ho­ris pos­sit? et pu­tem hic ma­gis di­cen­dum re­duc­tum re­ti­ne­ri pos­se, tes­tan­dae rei gra­tia. 5Quod ad­ici­tur ‘tes­tan­dae eius rei gra­tia’, ad hoc per­ti­net, ut tes­tes in­du­cat tes­ti­mo­nio fu­tu­ros ac­cu­sa­to­ri de­pre­hen­sum reum in ad­ul­te­rio.

26Ulp. lib. II. ad leg. Jul. de Adulter. Im fünften Hauptstück des Julischen Gesetzes wird verordnet, dass dem Ehemann freistehen solle, den auf seiner Frau betroffenen Ehebrecher, den er entweder nicht tödten wolle, oder nicht tödten dürfe, zwanzig Stunden, Tag und Nacht fortlaufend gerechnet, um über den Fall Beweis aufnehmen zu lassen, ohne Gefahr und vermöge seines Rechts festzuhalten. 1Was vom Ehemann gesagt worden ist, gilt meiner Meinung nach auch vom Vater. 2Auch kann der Ehemann den nicht in seinem Hause ergriffenen [Ehebrecher] festhalten. 3Der einmal losgelasssene Ehebrecher kann nicht zurückgeholt werden. 4Wie nun, wenn er entwischt ist? Kann er da, wenn er eingeholt worden, zwanzig Stunden lang bewacht werden? Hier sollte ich allerdings glauben, dass er, wenn er zurückgeführt worden, zur Beweisaufnahme zwanzig Stunden festgehalten werden könne. 5Der Zusatz, um Beweis aufnehmen zu lassen, zeigt darauf hin, dass er Zeugen herbeirufe, um ihm als Ankläger künftig zu bezeugen, dass der Angeklagte im Ehebruch ergriffen worden sei.

27Idem li­bro ter­tio dis­pu­ta­tio­num. Con­stan­te ma­tri­mo­nio ab iis, qui ex­tra ma­ri­tum ad ac­cu­sa­tio­nem ad­mit­tun­tur, ac­cu­sa­ri mu­lier ad­ul­te­rii non pot­est: pro­ba­tam enim a ma­ri­to uxo­rem et quies­cens ma­tri­mo­nium non de­bet alius tur­ba­re at­que in­quie­ta­re, ni­si prius le­no­ci­nii ma­ri­tum ac­cu­sa­ve­rit. 1De­relic­tam ve­ro a ma­ri­to ac­cu­sa­tio­nem et­iam ab alio ex­ci­ta­ri uti­le est.

27Idem lib. III. Disput. In stehender Ehe kann eine Ehefrau von Dem, der ausser dem Mann zur Anklage zugelassen wird, des Ehebruchs nicht angeklagt werden; denn eine Frau, mit der der Mann zufrieden ist, und eine friedliche Ehe darf ein Anderer weder stören noch beunruhigen, sobald er nicht zuvor den Mann der Kupplerei angeklagt hat. 1Die von Ehemann liegengelassene Anklage kann aber von einem Andern allerdings mit Erfolg aufgenommen werden.

28Idem li­bro ter­tio de ad­ul­te­riis. Si pos­tu­la­ve­rit ac­cu­sa­tor, ut quaes­tio ha­bea­tur de ser­vo ad­ul­te­rii ac­cu­sa­to, si­ve vo­luit ip­se in­ter­es­se si­ve no­luit, iu­bent iu­di­ces eum ser­vum aes­ti­ma­ri, et ubi aes­ti­ma­ve­rint, tan­tam pe­cu­niam et al­te­rum tan­tum eum, qui no­men eius ser­vi de­tu­le­rit, ei ad quem ea res per­ti­net da­re iu­be­bunt. 1Sed di­spi­cia­mus, cui is­ta poe­na prae­stan­da sit, quia lex eum no­mi­na­vit ‘ad quem ea res per­ti­ne­bit’. igi­tur bo­nae fi­dei emp­to­rem, quam­vis ab eo eme­rit qui do­mi­nus non est, rec­te di­ce­mus eum es­se, ad quem ea res per­ti­net. 2Eum quo­que, qui pig­no­ri ac­ce­pit, ma­gis ad­mit­ti­mus in ea­dem cau­sa es­se, sci­li­cet quia in­ter­erat eius quaes­tio­nem non ha­be­ri. 3Sed et si usus fruc­tus in ser­vo alie­nus sit, in­ter do­mi­num et fruc­tua­rium di­vi­di de­bet aes­ti­ma­tio. 4Et si com­mu­nis plu­rium ser­vus erit, uti­que in­ter eos quo­que erit aes­ti­ma­tio di­vi­den­da. 5Si li­ber ho­mo, dum ser­vus ex­is­ti­ma­tur, tor­tus sit, quia et ip­se con­di­cio­nem suam igno­rat: ma­gis ad­mit­tit Cae­ci­lius ac­tio­nem uti­lem ip­si dan­dam ad­ver­sus eum, qui per ca­lum­niam ap­pe­tit, ne im­pu­ni­ta sit ca­lum­nia eius ob hoc, quod li­be­rum ho­mi­nem qua­si ser­vum de­du­xit in quaes­tio­nem. 6Ha­be­ri quaes­tio­nem lex iu­bet de ser­vis an­cil­lis­ve eius, de quo vel de qua quae­re­re­tur, pa­ren­tis­ve utrius­que eo­rum, si ea man­ci­pia ad usum ei a pa­ren­ti­bus da­ta sint. di­vus au­tem Ha­d­ria­nus Cor­ne­lio La­ti­nia­no re­scrip­sit et de ex­te­ris ser­vis quaes­tio­nem ha­be­ri. 7Quaes­tio­ni in­ter­es­se iu­ben­tur reus rea­ve et pa­tro­ni eo­rum et qui cri­men de­tu­le­rit, in­ter­ro­gan­di­que fa­cul­tas da­tur pa­tro­nis. 8De eo quo­que ser­vo, in quo usum fruc­tum reus ha­buit, ma­gis est, ut quaes­tio ha­be­ri pos­sit: li­cet enim ser­vus eius non fue­rit, in ser­vi­tu­te ta­men fuis­se vi­de­tur: nec tam pro­prie­ta­tis cau­sa ad quaes­tio­nem quam mi­nis­te­rii per­ti­net. 9Er­go et si bo­na fi­de ser­viat reo ser­vus alie­nus, ad­mit­tet quis in­ter­ro­ga­ri eum per quaes­tio­nem pos­se. 10Sed et si ser­vus sit, cui fi­dei­com­mis­sa li­ber­tas de­be­tur vel sta­tu­ta spe­ra­tur, tor­que­ri eum pos­se ma­gis est. 11Iu­bet lex eos ho­mi­nes, de qui­bus quaes­tio ita ha­bi­ta est, pu­bli­cos es­se: pro­in­de in com­mu­ni par­tem pu­bli­ca­mus: in pro­prio, cu­ius usus fruc­tus alie­nus est, nu­dam pro­prie­ta­tem: in quo tan­tum usum fruc­tum ha­buit reus, ma­gis est, ut per­cep­tio usus fruc­tus ad pu­bli­cum in­ci­piat per­ti­ne­re: alie­num ser­vum uti­que non pu­bli­ca­bi­mus. ra­tio au­tem pu­bli­can­do­rum ser­vo­rum ea est, ut si­ne ul­lo me­tu ve­rum di­cant et ne, dum ti­meant se in reo­rum po­tes­ta­tem re­gres­su­ros, ob­du­rent in quaes­tio­ne. 12Non ta­men prius pu­bli­can­tur, quam quaes­tio de il­lis ha­bi­ta fue­rit. 13Sed et si ne­ga­ve­rint, ni­hi­lo mi­nus pu­bli­can­tur: ra­tio enim ad­huc ea­dem est, ne, dum hi spe­rant se in po­tes­ta­tem do­mi­no­rum re­ver­su­ros si ne­ga­ve­rint, spe me­ri­ti col­lo­can­di in men­da­cio per­se­ve­rent. 14Sed et ser­vi ac­cu­sa­to­ris, si de his quaes­tio ha­bi­ta sit, pu­bli­can­tur: eius enim ser­vi ne men­tian­tur, me­ri­to a do­mi­nio eius re­ce­dunt. ex­tra­nei ve­ro non ha­bent cui gra­ti­fi­cen­tur. 15Si reus vel rea ab­so­lu­ti fue­rint, aes­ti­ma­ri per iu­di­ces lex dam­num vo­luit, si­ve mor­tui fue­rint, quan­tae pe­cu­niae an­te quaes­tio­nem fue­rint, si­ve vi­vent, quan­tae pe­cu­niae in his dam­num da­tum fue­rit fac­tum­ve es­set. 16No­tan­dum est, quod ca­pi­te qui­dem no­vo ca­ve­tur, si ser­vus ad­ul­te­rii ac­cu­se­tur et ac­cu­sa­tor quaes­tio­nem in eo ha­be­ri ve­lit, du­plum pre­tium do­mi­no prae­sta­ri lex iu­bet, at hic sim­plum.

28Idem lib. III. de Adulter. Wenn der Ankläger verlangt hat, dass ein des Ehebruchs angeklagter Sclave zur peinlichen Frage gezogen werden solle, so befehlen die Richter, er möge gegenwärtig sein wollen, oder nicht, den Sclaven zu taxiren, und wenn dies geschehen, werden sie dem Angeber des Sclaven den Befehl ertheilen, eine gleichhohe Summe und dann noch einmal so viel Dem, welchem der Sclave gehört, zu erlegen1212S. Joan. Matthaei Magni Rat. et Different. jur. civ. l. II. c. 9. (T. M. III. p. 307.. 1Wem wird aber diese Strafe erlegt, da das Gesetz Den namhaft macht, dem der Sclave gehört? — Ganz richtig sagen wir, dass auch der Käufer guten Glaubens, wenn er auch vom Nichteigenthümer gekauft hat, dennoch Derjenige sei, dem der Sclave gehört. 2Wer ferner einen Sclaven zum Unterpfande erhalten hat, den rechnen wir ebenfalls dazu, weil er ein Interesse daran haben wird, dass die peinliche Frage nicht statthabe. 3Auch wenn der Niessbrauch an dem Sclaven einem Andern gehört, muss die Taxe zwischen dem Herrn und dem Niessbraucher getheilt werden. 4Wenn ferner ein Sclave Mehreren gemeinschaftlich gehört, so muss die Taxe ebenfalls zwischen ihnen getheilt werden. 5Wenn ein Freier für einen Sclaven gehalten und torquirt wird, weil er sein Standesrecht selbst nicht kennt, so lässt es Caecilius zu, dass ihm eine analoge Klage wider Den ertheilt werde, der ihn wissentlich fälschlicherweise dazu gebracht hat, damit nicht die Chikane Dessen ungestraft bleibe, der einen freien Menschen wie einen Sclaven zur peinlichen Frage gebracht hat. 6Das Gesetz befiehlt die peinliche Frage über die Sclaven und Sclavinnen Dessen oder Deren, die in Untersuchung sind, oder der Eltern Beider, wenn ihnen dieselben von ihren Eltern zum Gebrauch übergeben worden seien. Divus Hadrianus hat aber an Cornelius Latinianus rescribirt, es können auch fremde Sclaven zur peinlichen Frage gezogen werden. 7Bei der peinlichen Frage wird die Gegenwart des Angeschuldigten oder der Angeschuldigten, des Freilassers derselben und Dessen, der das Verbrechen angegeben hat, erfodert, und den Freilassern die Befugniss, zu befragen, ertheilt. 8Auch derjenige Sclave, an dem ein Angeschuldigter den Niessbrauch gehabt hat, kann zur peinlichen Frage gezogen werden; denn wenn dieser auch nicht sein Sclave gewesen ist, so steht er doch in dessen Dienst, und bei der peinlichen Frage kommt es nicht blos auf die Eigenheit an, sondern vielmehr auf den Dienst. 9Auch wenn daher ein fremder Sclave dem Angeschuldigten im guten Glauben dient, kann man es zulässig finden, ihn peinlich zu vernehmen. 10Nicht minder kann der Sclave, dem die Freiheit fideicommissweise gewährt werden muss, oder dessen bedingte Freiheit zu erwarten steht, torquirt werden. 11Das Gesetz befiehlt, dass diejenigen Sclaven, welche dergestalt peinlich vernommen worden, öffentliche sein sollen. An einem uns1313Dem accusator u. accusatus, Glosse. gemeinschaftlich gehörigen [Sclaven] überlassen wir also dem Fiscus die Hälfte, an einem uns alleingehörigen, an dem aber der Niessbrauch einem Andern zusteht, die blosse Eigenheit; von dem Sclaven, an dem der Angeschuldigte blos den Niessbrauch gehabt hat, fängt der Genuss des Niessbrauchs an öffentlich zu werden; einen fremden [im guten Glauben dienenden] Sclaven überlassen wir aber dem Fiscus nicht. Der Grund, dass die Sclaven öffentliche werden, ist der, damit sie ohne alle Scheu die Wahrheit sagen, und nicht, aus Furcht in die Botmässigkeit der Angeschuldigten zurückzukehren, bei der peinlichen Frage hartnäckig bleiben. 12Sie werden jedoch nicht eher öffentliche, als bis sie wirklich peinlich vernommen worden sind. 13Uebrigens werden sie auch dann öffentlich, wenn sie verneinend ausgesagt haben; denn der Grund ist immer noch derselbe, damit sie nemlich nicht, in der Voraussetzung, unter die Botmässigkeit ihrer Herren zurückzukehren, wenn sie verneinend ausgesagt hätten, in der Hoffnung, sich ein Verdienst zu erwerben, bei der Lüge beharren. 14Auch des Anklägers Sclaven werden, wenn sie peinlich vernommen worden, öffenliche; auch diese nemlich müssen mit allem Rechte aus seiner Herrschaft treten, damit sie keine Lügen aussagen. Dritten gehörige Sclaven haben aber Keinen, den sie begünstigen sollten. 15Wenn ein Angeschuldigter oder eine Angeschuldigte freigesprochen worden sind, so wollte das Gesetz, solle durch die Richter der Schade geschätzt werden, [die Sclaven] mögen gestorben sein, und zwar dann so viel an Gelde, als sie vor der peinlichen Frage werth gewesen, oder leben, und dann so viel, als ihnen Schaden zugefügt oder geschehen ist. 16Es ist zu bemerken, dass im neunten Hauptstück vorgeschrieben ist, wenn ein Sclave des Ehebruchs angeklagt werde, und der Ankläger wolle, dass er peinlich vernommen werden solle, dem Herrn der doppelte Werth erlegt werde1414S. l. 27. pr. vorher., aber hier der einfache.

29Mar­cia­nus li­bro pri­mo de iu­di­ciis pu­bli­cis. Quod ex his cau­sis de­be­tur, per con­dic­tio­nem, quae ex le­ge de­scen­dit, pe­ti­tur.

29Marcian. lib. I. de judic. publ. Die aus Gründen dieser Art entstehenden Foderungen werden durch Condictionen, die aus dem Gesetz entspringen, klagbar gemacht.

30Ul­pia­nus li­bro quar­to de ad­ul­te­riis. Ma­ri­ti le­no­ci­nium lex co­er­cuit, qui de­pre­hen­sam uxo­rem in ad­ul­te­rio re­ti­nuit ad­ul­te­rum­que di­mi­sit: de­buit enim uxo­ri quo­que iras­ci, quae ma­tri­mo­nium eius vio­la­vit. tunc au­tem pu­nien­dus est ma­ri­tus, cum ex­cu­sa­re igno­ran­tiam suam non pot­est vel ad­um­bra­re pa­tien­tiam prae­tex­tu in­cre­di­bi­li­ta­tis: id­cir­co enim lex ita lo­cu­ta est ‘ad­ul­te­rum in do­mo de­pre­hen­sum di­mi­se­rit’, quod vo­lue­rit in ip­sa tur­pi­tu­di­ne pre­hen­den­tem ma­ri­tum co­er­ce­re. 1Quod ait lex, ad­ul­te­rii dam­na­tum si quis du­xe­rit uxo­rem, ea le­ge te­ne­ri, an et ad stu­prum re­fe­ra­tur, vi­dea­mus: quod ma­gis est. cer­te si ob aliam cau­sam ea le­ge sit con­dem­na­ta, im­pu­ne uxor du­ce­tur. 2Plec­ti­tur et qui pre­tium pro com­per­to stu­pro ac­ce­pe­rit: nec in­ter­est, utrum ma­ri­tus sit qui ac­ce­pe­rit an alius qui­li­bet: qui­cum­que enim ob con­scien­tiam stu­pri ac­ce­pit ali­quid, poe­na erit plec­ten­dus. ce­te­rum si gra­tis quis re­mi­sit, ad le­gem non per­ti­net. 3Qui quaes­tum ex ad­ul­te­rio uxo­ris suae fe­ce­rit, plec­ti­tur: nec enim me­dio­cri­ter de­li­quit, qui le­no­ci­nium in uxo­re ex­er­cuit. 4Quaes­tum au­tem ex ad­ul­te­rio uxo­ris fa­ce­re vi­de­tur, qui quid ac­ce­pit, ut ad­ul­te­re­tur uxor: si­ve enim sae­pius si­ve se­mel ac­ce­pit, non est ex­imen­dus: quaes­tum enim de ad­ul­te­rio uxo­ris fa­ce­re pro­prie il­le ex­is­ti­man­dus est, qui ali­quid ac­ce­pit, ut uxo­rem pa­te­re­tur ad­ul­te­ra­ri me­re­tri­cio quo­dam ge­ne­re. quod si pa­tia­tur uxo­rem de­lin­que­re non ob quaes­tum, sed neg­le­gen­tiam vel cul­pam vel quan­dam pa­tien­tiam vel ni­miam cre­du­li­ta­tem, ex­tra le­gem po­si­tus vi­de­tur. 5Sex men­suum haec fit se­pa­ra­tio, ut in nup­ta qui­dem ex die di­vor­tii sex men­ses com­pu­ten­tur, in vi­dua ve­ro ex die com­mis­si cri­mi­nis: quod sig­ni­fi­ca­ri vi­de­tur re­scrip­to ad Ter­tul­lum et Ma­xi­mum con­su­les. prae­ter­ea si ex die di­vor­tii se­xa­gin­ta dies sint, ex die ve­ro com­mis­si cri­mi­nis quin­quen­nium prae­ter­iit, de­buit di­ci nec mu­lie­rem pos­se ac­cu­sa­ri, ut, quod dan­tur sex men­ses uti­les, sic sit ac­ci­pien­dum, ne cri­men quin­quen­nio con­ti­nuo so­pi­tum ex­ci­te­tur. 6Hoc quin­quen­nium ob­ser­va­ri le­gis­la­tor vo­luit, si reo vel reae stu­prum ad­ul­te­rium vel le­no­ci­nium ob­icia­tur. quid er­go, si aliud cri­men sit quod ob­icia­tur, quod ex le­ge Iu­lia de­scen­dit, ut sunt qui do­mum suam stu­pri cau­sa prae­bue­runt et alii si­mi­les? et me­lius est di­ce­re om­ni­bus ad­mis­sis ex le­ge Iu­lia ve­nien­ti­bus quin­quen­nium es­se prae­sti­tu­tum. 7Quin­quen­nium au­tem ex eo die ac­ci­pien­dum est, ex quo quid ad­mis­sum est, et ad eum diem, quo quis pos­tu­la­tus pos­tu­la­ta­ve est, et non ad eum diem, quo iu­di­cium de ad­ul­te­riis ex­er­ce­tur. 8Hoc am­plius se­na­tus con­sul­to ad­iec­tum est, ut, si plu­res eun­dem pos­tu­la­ve­rint, eius, qui per­se­ve­ra­ve­rit reum ream­ve fa­ce­re, pos­tu­la­tio­nis dies pri­ma ex­iga­tur, sci­li­cet ut qui ac­cu­sat suos li­bel­los ac­cu­sa­to­rios ex­spec­tet, non alie­nos. 9Eum au­tem, qui per vim stu­prum in­tu­lit vel ma­ri vel fe­mi­nae, si­ne prae­fi­ni­tio­ne hu­ius tem­po­ris ac­cu­sa­ri pos­se du­bium non est, cum eum pu­bli­cam vim com­mit­te­re nul­la du­bi­ta­tio est.

30Ulp. lib. IV. de Adulter. Die Kuppelei des Ehemannes, der die im Ehebruch betroffene Frau behält und den Ehebrecher laufen lässt, wird durch das Gesetz bestraft; denn er muss gegen die Frau erzürnt werden, die seine Ehe befleckte. Bestraft muss der Mann dann werden, wenn er seine Unkunde nicht entschuldigen, oder seine Geduld unter dem Vorwande der Ungläubigkeit1515Duker. l. l. p. 422. nicht verbergen kann; denn deshalb hat das Gesetz sich so ausgedrückt: den in seinem Hause ergriffenen Ehebrecher entlassen hat, weil es [nur] den [den Ehebrecher] auf der That betreffenden Ehemann [für gedachten Fall] strafen wollte. 1Wenn das Gesetz sagt: wer eine wegen Ehebruchs verurtheilte Frau heirathe, hafte durch dieses Gesetz, so frägt es sich, ob dies auch auf die Schwächung zu beziehen sei? — Es scheint allerdings so; ist sie freilich wegen einer andern Ursache durch das Gesetz verurtheilt worden, so wird sie ungestraft zur Frau genommen werden können. 2Auch Der wird gestraft, wer Geld dafür erhalten, dass er einen Ehebruch erfahren hat. Es ist dabei einerlei, ob der Mann es erhalten habe, oder irgend ein Anderer, denn jeder wer wegen Mitwissenschaft einer Schwächung etwas erhalten hat, wird gestraft werden müssen. Wer aber freiwillig [die Anklage] erlassen hat, ist unter das Gesetz nicht begriffen. 3Wer aus dem Ehebruch seiner Frau einen Gewinn gezogen hat, wird gestraft; denn es ist kein geringes Verbrechen, wenn der Ehemann seine eigene Frau verkuppelt. 4Einen Gewinn aus dem Ehebruch seiner Frau zu ziehen, scheint Derjenige, wer dafür etwas empfing, dass seine Frau Ehebruch trieb; es ist einerlei, ob er einmal oder mehrmals etwas erhalten hat. Denn einen Gewinn aus dem Ehebruch seiner Frau scheint im eigentlichsten Sinne Derjenige zu ziehen, wer Etwas erhalten hat, um seine Frau Ehebruch treiben zu lassen, also gewissermaassen nach Art der Hurerei. Lässt er es nicht um Gewinns willen, sondern aus Sorglosigkeit zu, dass seine Frau verbrecherisch handele, oder aus Schuld oder einer gewissen Art von Geduld, oder zu grosser Ungläubigkeit1616Credulitas, eigentlich zu grosses Vertrauen gegen die Frau., so erscheint er nicht als unter das Gesetz begriffen. 5Es geschieht hier eine Abtheilung nach Monaten, und zwar also, dass in Ansehung einer [Wieder-]verheiratheten vom Tage der Ehescheidung an sechs Monate gerechnet werden, in Ansehung einer Wittwe aber vom Tage des begangenen Verbrechens. Dies scheint so in einem Rescripte an die Consuln Tertullus und Maximus angedeutet zu sein. Ausserdem, wenn aber vom Tage der Ehescheidung an sechzig Tage, und vom Tage der Verübung des Verbrechens fünf Jahre verflossen sind, so kann auch die Frau nicht angeklagt werden, sodass also, wenn sechs mit Ueberspringung zu rechnende Monate gegeben werden, dies so zu verstehen ist, dass ein durch Ablauf von fünf Jahren der Vergessenheit überlassenes Verbrechen nicht von Neuem wieder aufgeweckt werde1717D. h. die utiliter zu rechnenden 6 Monate dürfen nicht länger als fünf annos continuos währen. Glosse.. 6Diesen fünfjährigen Zeitraum wollte der Gesetzgeber alsdann beobachtet wissen, wenn dem oder der Angeschuldigten eine Schwächung, ein Ehebruch, oder eine Kuppelei vorgeworfen wird. Wie nun, wenn es ein anderes Verbrechen ist, welches vorgeworfen wird, das auch aus dem Julischen Gesetze seinen Ursprung nimmt, wie z. B. Der begeht, der sein Haus zu einer Schwächung hergegeben hat, und andere ähnliche? Richtiger ist es, zu sagen, dass für alle aus dem Julischen Gesetze entspringende Vergehungen der fünfjährige Zeitraum bestimmt sei. 7Der fünfjährige Zeitraum ist von dem Tage an zu verstehen, wo das Verbrechen begangen worden ist, und bis zu dem Tage, wo der Eine oder die Andere angeklagt worden ist, nicht aber bis zu dem Tage, wo das Verfahren über den Ehebruch eingeleitet wird. 8Ausserdem ist noch in dem Senatsbeschluss hinzugefügt worden, dass, wenn Mehrere Denselben angeklagt haben, für Den, der bei der Anklage des einen der Ehebrecher beharrt hat, auf den ersten Tag der Erhebung der Anklage Rücksicht genommen werde, und zwar dergestalt, dass der Ankläger sich nur nach seiner eigenen Anklageschrift richte, nicht nach der eines Andern. 9Wer eine Mannsperson oder eine Frau genothzüchtigt hat, kann ohne allen Zweifel, auch ohne dass die Bestimmung dieses Zeitraums statthätte, angeklagt werden, da es unstreitig ist, dass er eine öffentliche Gewaltthat verübe.

31Pau­lus li­bro pri­mo de ad­ul­te­riis. Pa­ter si­ne pe­ri­cu­lo ca­lum­niae non pot­est age­re. 1Se­xa­gin­ta dies a di­vor­tio nu­me­ran­tur: in die­bus au­tem se­xa­gin­ta et ip­se se­xa­gen­si­mus est.

31Paul. lib. I. de Adulter. Der Vater kann ohne [auch] in Gefahr zu gerathen, als wissentlich falscher Ankläger betrachtet zu werden, nicht klagen. 1Die Sechzig Tage werden von der Ehescheidung an gerechnet; zu den sechzig Tagen gehört aber auch der sechzigste selbst.

32Idem li­bro se­cun­do de ad­ul­te­riis. Quin­quen­nium non uti­le, sed con­ti­nuo nu­me­ran­dum est. quid er­go fiet, si prior mu­lier rea fac­ta sit et id­eo ad­ul­ter eo­dem tem­po­re reus fie­ri non po­tuit et diu trac­ta li­te quin­quen­nium trans­ie­rit? quid si is, qui in­tra quin­quen­nium quem pos­tu­la­ve­rat, non per­ege­rit aut prae­va­ri­ca­tus est et alius eun­dem re­pe­te­re ve­lit et quin­quen­nium trans­ac­tum sit? ae­quum est com­pu­ta­tio­ni quin­quen­nii ex­imi id tem­pus, quod per pos­tu­la­tio­nem prae­ce­den­tem con­sump­tum sit.

32Idem lib. II. de Adulter. Der fünfjährige Zeitraum wird nicht mit Ueberspringung, sondern fortlaufend gezählt. Wie ist es nun, wenn die Frau zuerst angeklagt worden, und deshalb der Ehebrecher zu derselben Zeit nicht hat angeklagt werden können, und das Verfahren in die Länge gezogen worden, und dadurch der fünfjährige Zeitraum verflossen ist? Wie dann, wenn Derjenige, welcher Jemanden binnen fünf Jahren angeklagt, und die Sache nicht zu Ende geführt oder prävaricirt hat, und sie ein Anderer wiederauffrischen will, der fünfjährige Zeitraum aber verflossen ist? — Es ist billig, dass von der Berechnung des fünfjährigen Zeitraums diejenige Zeit ausgenommen werde, welche durch die frühere Anklage weggenommen worden ist.

33Ma­cer li­bro pri­mo de pu­bli­cis iu­di­ciis. Ni­hil in­ter­est, ad­ul­te­ram fi­liam prius pa­ter oc­ci­de­rit an non, dum utrum­que oc­ci­dat: nam si al­te­rum oc­ci­dit, le­ge Cor­ne­lia reus erit. quod si al­te­ro oc­ci­so al­ter vul­ne­ra­tus fue­rit, ver­bis qui­dem le­gis non li­be­ra­tur: sed di­vus Mar­cus et Com­mo­dus re­scrip­se­runt im­pu­ni­ta­tem ei con­ce­di, quia, li­cet in­ter­emp­to ad­ul­te­ro mu­lier su­per­vi­xe­rit post tam gra­via vul­ne­ra, quae ei pa­ter in­fi­xe­rat, ma­gis fa­to quam vo­lun­ta­te eius ser­va­ta est: quia lex pa­rem in eos, qui de­pre­hen­si sunt, in­dig­na­tio­nem ex­igit et se­ve­ri­ta­tem re­qui­rit. 1Cum al­te­rum ex ad­ul­te­ris ele­ge­rit ma­ri­tus, al­te­rum non an­te ac­cu­sa­re pot­est, quam prius iu­di­cium fi­nie­tur, quia duos si­mul ab eo­dem ac­cu­sa­ri non li­cet. non ta­men pro­hi­be­tur ac­cu­sa­tor si­mul cum ad­ul­te­ro vel ad­ul­te­ra eum quo­que ac­cu­sa­re, qui do­mum suam prae­buit vel con­si­lio fuit, ut cri­men red­ime­re­tur.

33Macer lib. I. de publ. judic. Es ist einerlei, ob der Vater die ehebrecherische Tochter zuerst getödtet hat, oder nicht, sobald er nur Beide tödtet; denn wenn er nur Einen von Beiden tödtet, so wird er durch das Cornelische Gesetz als schuldig haften. Ist, nachdem der Eine getödtet, der Andere verwundet worden, so wird er zwar den Worten des Gesetzes nach nicht frei, allein Divus Marcus und Commodus haben rescribirt, dass ihm Straflosigkeit zu Theil werde, weil, wenn auch, sobald der Ehebrecher getödtet worden, das Weib die schweren Wunden überlebt, welche ihr der Vater geschlagen, sie mehr durch Zufall, als mit seinem Willen am Leben geblieben ist, indem das Gesetz eine gleich grosse Erbitterung gegen die Ergriffenen voraussetzt und Strenge zum Erforderniss macht. 1Wenn der Ehemann den einen von den Ehebrechern erwählt hat, so kann er den andern nicht eher anklagen, als bis das erste Verfahren geendigt ist, weil Zwei nicht auf ein Mal von Demselben angeklagt werden können. Das ist aber dem Ankläger unverwehrt, zugleich mit dem Ehebrecher oder der Ehebrecherin Den anzuklagen, der sein Haus hergegeben hat oder mit Rath half, das Verbrechen mit Geld abzumachen.

34Mar­cia­nus li­bro pri­mo de pu­bli­cis iu­di­ciis. Si quis ad­ul­te­rium a ser­vo suo com­mis­sum di­cat in eam, quam uxo­rem ha­buit, di­vus Pius re­scrip­sit ac­cu­sa­re po­tius mu­lie­rem eum de­be­re, quam in prae­iu­di­cium eius ser­vum suum tor­que­re. 1Si quis ad­ul­te­rum non di­mi­se­rit, sed re­ti­nue­rit, for­san fi­lium in no­ver­ca vel et­iam li­ber­tum vel ser­vum in uxo­re, ex sen­ten­tia le­gis te­ne­tur, quam­vis ver­bis non con­ti­ne­tur. quae au­tem re­ti­ne­tur, pu­ni­tur. sed si di­mis­sam re­du­xe­rit, ver­bis non te­ne­tur: sed ta­men di­cen­dum est, ut te­n­ea­tur, ne fraus fiat. 2Si uxor ex ad­ul­te­rio vi­ri prae­mium ac­ce­pe­rit, le­ge Iu­lia qua­si ad­ul­te­ra te­ne­tur.

34Marcian. lib. I. de publ. judic. Wenn Jemand angiebt, sein Sclave habe mit Der einen Ehebruch begangen, die er zur Frau gehabt, so, hat Divus Pius rescribirt, müsse er vielmehr die Frau anklagen, als durch die Tortur seines Sclaven ihr [durch] Vorgreifen in der Entscheidung [einen Nachtheil zufügen]. 1Wer einen Ehebrecher nicht fortgejagt, sondern bei sich behalten hat, etwa den Sohn mit der Stiefmutter, oder einen Freigelassenen oder Sclaven mit seiner Frau, der haftet nach dem Sinne des Gesetzes1818Als Kuppler., wenn auch nicht nach den Worten. Wird die Frau behalten, so kann sie gestraft werden1919Die Glosse verweist zur Erläuterung auf l. 26. in f. h. t.. Auch wenn er sie fortgejagt, aber wiederangenommen hat, haftet er zwar nicht durch die Worte, dennoch aber muss man darum behaupten, dass er hafte, damit kein Betrug geschehe. 2Wenn die Frau wegen Ehebruchs ihres Mannes einen Lohn erhalten hat, so haftet sie nach dem Julischen Gesetze als Ehebrecherin.

35Mo­des­ti­nus li­bro pri­mo re­gu­la­rum. Stu­prum com­mit­tit, qui li­be­ram mu­lie­rem con­sue­tu­di­nis cau­sa, non ma­tri­mo­nii con­ti­net, ex­cep­ta vi­de­li­cet con­cu­bi­na. 1Ad­ul­te­rium in nup­ta ad­mit­ti­tur: stu­prum in vi­dua vel vir­gi­ne vel pue­ro com­mit­ti­tur.

35Modestin. lib. I. Regul. Eine Schwächung begeht Derjenige, wer eine freie Frauensperson des vertraueten Umgangs, und nicht der Ehe wegen hält, ausgenommen nemlich Concubinen. 1Ein Ehebruch wird mit einer Verheiratheten begangen, eine Schwächung mit einer Wittwe, einer Jungfrau, oder einem Knaben.

36Idem li­bro oc­ta­vo re­gu­la­rum. Ac­cu­sa­tu­rus ad­ul­te­rii si quid cir­ca in­scrip­tio­nem er­ra­ve­rit, si tem­po­ra lar­gian­tur, emen­da­re non pro­hi­be­tur, ne cau­sa ab­olea­tur.

36Idem lib. VIII. Regul. Wer eine Anklage wegen Ehebruchs erheben will, und in Betreff der Anklageschrift einen Irrthum begangen hat, dem ist, wenn sonst die Zeit zureicht, seinen Irrthum zu verbessern, unbenommen, damit die Sache nicht erlösche.

37Pa­pi­nia­nus li­bro ter­tio quaes­tio­num. Si mi­nor an­nis ad­ul­te­rium com­mi­se­rit, le­ge Iu­lia te­ne­tur, quon­iam ta­le cri­men post pu­ber­ta­tem in­ci­pit.

37Papin. lib. III. Quaest. Wer unter zwanzig Jahre alt einen Ehebruch begangen hat, der haftet durch das Julische Gesetz, weil ein solches Verbrechen mit Beginn der Mündigkeit begangen werden kann.

38Idem li­bro quin­to quaes­tio­num. Fi­lium fa­mi­lias pu­bli­co iu­di­cio ad­ul­te­rium in uxo­rem si­ne vo­lun­ta­te pa­tris ar­gue­re con­sti­tu­tum est: vin­dic­tam enim pro­prii do­lo­ris con­se­qui­tur.

38Idem lib. V. Quaest. Es ist bestimmt worden, dass ein Haussohn seine Frau auch ohne Einwilligung seines Vaters in einem öffentlichen Verfahren des Ehebruchs beschuldigen kann; denn er verfolgt blos die Rache eigenen Schmerzes.

39Idem li­bro tri­gen­si­mo sex­to quaes­tio­num. Si ad­ul­te­rium cum in­ces­to com­mit­ta­tur, ut pu­ta cum pri­vi­gna nuru no­ver­ca, mu­lier si­mi­li­ter quo­que pu­nie­tur: id enim re­mo­to et­iam ad­ul­te­rio eve­ni­ret. 1Stu­prum in so­ro­ris fi­liam si com­mit­ta­tur, an ad­ul­te­rii poe­na suf­fi­ciat ma­ri, con­si­de­ran­dum est. oc­cur­rit, quod hic du­plex ad­mis­sum est, quia mul­tum in­ter­est, er­ro­re ma­tri­mo­nium il­li­ci­te con­tra­ha­tur an con­tu­ma­cia iu­ris et san­gui­nis con­tu­me­lia con­cur­rant. 2Qua­re mu­lier tunc de­mum eam poe­nam, quam ma­res, sus­ti­ne­bit, cum in­ces­tum iu­re gen­tium pro­hi­bi­tum ad­mi­se­rit: nam si so­la iu­ris nos­tri ob­ser­va­tio in­ter­ve­niet, mu­lier ab in­ces­ti cri­mi­ne erit ex­cu­sa­ta. 3Non­num­quam ta­men et in ma­ri­bus in­ces­ti cri­mi­na, quam­quam na­tu­ra gra­vio­ra sunt, hu­ma­nius quam ad­ul­te­rii trac­ta­ri so­lent: si mo­do in­ces­tum per ma­tri­mo­nium il­li­ci­tum con­trac­tum sit. 4Fra­tres de­ni­que im­pe­ra­to­res Clau­diae cri­men in­ces­ti prop­ter ae­ta­tem re­mi­se­runt, sed dis­tra­hi con­iunc­tio­nem il­li­ci­tam ius­se­runt, cum alias ad­ul­te­rii cri­men, quod pu­ber­ta­te de­lin­qui­tur, non ex­cu­se­tur ae­ta­te. nam et mu­lie­res in iu­re er­ran­tes in­ces­ti cri­mi­ne non te­ne­ri su­pra dic­tum est, cum in ad­ul­te­rio com­mis­so nul­lam ha­be­re pos­sint ex­cu­sa­tio­nem. 5Idem im­pe­ra­to­res re­scrip­se­runt post di­vor­tium, quod cum no­ver­ca bo­na fi­de pri­vi­gnus fe­ce­rit, non es­se cri­men ad­mit­ten­dum in­ces­ti. 6Idem Pol­lio­ni in haec ver­ba re­scrip­se­runt: ‘In­ces­tae nup­tiae con­fir­ma­ri non so­lent: et id­eo abs­ti­nen­ti ta­li ma­tri­mo­nio poe­nam prae­ter­iti de­lic­ti, si non­dum reus pos­tu­la­tus est, re­mit­ti­mus’. 7In­ces­tum au­tem, quod per il­li­ci­tam ma­tri­mo­nii con­iunc­tio­nem ad­mit­ti­tur, ex­cu­sa­ri so­let se­xu vel ae­ta­te vel et­iam pu­nien­di cor­rec­tio­ne, quae bo­na fi­de in­ter­ve­nit, uti­que si er­ror al­le­ge­tur, et fa­ci­lius, si ne­mo reum pos­tu­la­vit. 8Im­pe­ra­tor Mar­cus An­to­ni­nus et Com­mo­dus fi­lius re­scrip­se­runt: ‘Si ma­ri­tus uxo­rem in ad­ul­te­rio de­pre­hen­sam im­pe­tu trac­tus do­lo­ris in­ter­fe­ce­rit, non uti­que le­gis Cor­ne­liae de si­ca­riis poe­nam ex­ci­piet’. nam et di­vus Pius in haec ver­ba re­scrip­sit Apol­lo­nio: ‘Ei, qui uxo­rem suam in ad­ul­te­rio de­pre­hen­sam oc­ci­dis­se se non ne­gat, ul­ti­mum sup­pli­cium re­mit­ti pot­est, cum sit dif­fi­cil­li­mum ius­tum do­lo­rem tem­pe­ra­re et quia plus fe­ce­rit, quam quia vin­di­ca­re se non de­bue­rit, pu­nien­dus sit. suf­fi­ciet igi­tur, si hu­mi­lis lo­ci sit, in opus per­pe­tuum eum tra­di, si qui ho­nes­tior, in in­su­lam rele­ga­ri’. 9Li­ber­to pa­tro­ni fa­mam la­ces­se­re non fa­ci­le con­ce­di­tur: sed si iu­re ma­ri­ti ve­lit ad­ul­te­rii ac­cu­sa­re, per­mit­ten­dum est, quo­mo­do si atro­cem in­iu­riam pas­sus es­set. cer­te si pa­tro­num, qui sit ex eo nu­me­ro, qui de­pre­hen­sus ab alio in­ter­fi­ci pot­est, in ad­ul­te­rio uxo­ris de­pre­hen­de­rit, de­li­be­ran­dum est, an im­pu­ne pos­sit oc­ci­de­re. quod du­rum no­bis es­se vi­de­tur: nam cu­ius fa­mae, mul­to ma­gis vi­tae par­cen­dum est. 10Si quis in ho­no­re mi­nis­te­rio­ve pu­bli­co sit, reus qui­dem pos­tu­la­tur, sed dif­fer­tur eius ac­cu­sa­tio et cau­tio­nem iu­di­cio sis­ten­di cau­sa pro­mit­tit in fi­nem ho­no­ris. et hoc ita Ti­be­rius Cae­sar re­scrip­sit.

39Idem lib. XXXVI. Quaest. Wenn mit dem Ehebruch zugleich eine Blutschande begangen wird, z. B. mit der Stieftochter, Schwiegertochter, oder Stiefmutter, so wird das Weib ebenfalls gestraft2020Und nicht blos der Ehebrecher, wegen der Blutschande. werden, denn dies würde auch dann geschehen, wenn kein Ehebruch stattfände. 1Wenn gegen die Tochter der Schwester eine Schwächung verübt wird, genügt es da an der Strafe des Ehebruchs für den Mann? — Es kommt in Betracht, dass hier ein doppeltes Verbrechen vorhanden ist, weil es ein grosser Unterschied ist, ob eine Ehe unerlaubter Weise2121Hier kann nemlich auch eine Blutschande erfolgen, allein Unwissenheit kann entschuldigen (s. §. 2.); in dem gegebenen Fall muss man aber annehmen, dass das Doppel-Verbrechen mit Ueberzeugung begangen worden ist; s. Cujac. Comment. ad tit. de min. 25. ann. Opp. T. II. p. 176. eingegangen wird, oder Ungehorsam wider die Gesetze und Beschimpfung der Blutsverwandschaft zusammentreffen. 2Die Frau wird also nur dann dieselbe Strafe erleiden, wie die Mannsperson, wenn sie eine nach Völkerrecht verbotene Blutschande begangen hat; kommen dabei blos unsere Rechtsgebräuche zur Sprache, so wird die Frau von dem Verbrechen der Blutschande entschuldigt sein. 3Zuweilen pflegt aber auch das Verbrechen der Blutschande in Ansehung der Mannspersonen, wenn sie auch von Natur schwerer sind, gelinder als der Ehebruch behandelt zu werden, wenn nemlich die Blutschande durch eine unerlaubte Ehe begangen worden ist. 4So erliessen die Kaiserlichen Brüder der Claudia das Verbrechen der Blutschande wegen ihres Alters, befahlen aber die Trennung der unerlaubten Verbindung, obwohl sonst das Verbrechen des Ehebruchs, der nach erlangter Mündigkeit begangen worden, durch das Alter nicht entschuldigt wird; denn so ist oben gesagt worden, dass auch Weiber, die im Rechtsirrthum befangen sind, durch das Verbrechen der Blutschande nicht haften, dahingegen sie sich gegen den Ehebruch nicht entschuldigen können. 5Dieselben Kaiser haben rescribirt, wenn der Stiefsohn nach erfolgter Ehescheidung seiner Stiefmutter dieselbe in gutem Glauben geheirathet habe, so sei dies kein Verbrechen der Blutschande. 6Dieselben haben an Pollio folgendermaassen rescribirt: blutschänderische Ehen werden nicht bestätigt, wer also eine solche Ehe oder sie aufgiebt, dem werden wir, wenn er noch nicht angeklagt worden ist, die Strafe erlassen. 7Für die Blutschande, die durch eine unerlaubte eheliche Verbindung begangen wird, pflegt das Geschlecht oder das Alter zu entschuldigen, oder auch eine körperliche Züchtigung [zu büssen], wenn jene in guten Glauben geschah, vorausgesetzt, dass man sich auf einen Irrthum berufet, und zwar um so leichter, wenn kein Ankläger aufgetreten ist. 8Die Kaiser Marcus Antoninus und Commodus der Sohn rescribirten, wenn ein Mann seine im Ehebruch betroffene Frau in der Aufwallung seines Schmerzes ermordet habe, so werde ihn die Strafe des Cornelischen Gesetzes über die Mörder nicht treffen. Denn so rescribirte auch Divus Pius folgendermaassen an Appollonius: Wer geständig ist, seine im Ehebruch ergriffene Frau getödtet zu haben, dem kann die Todesstrafe erlassen werden, indem es sehr schwer ist, den gerechtesten Schmerz zu mässigen, und er muss vielmehr blos darum gestraft werden, weil er zu weit gegangen, als weil er Selbstrache nicht nehmen durfte; es wird also genügen, wenn er niedern Standes ist, ihn zur immerwährenden Strafarbeit zu verurtheilen, wenn höhern Standes, ihn auf eine Insel zu verweisen. 9Dem Freigelassenen wird nicht leicht gestattet, seines Freilassers guten Ruf anzutasten, allein wenn er vermöge ehemännlichen Rechts ihn des Ehebruchs anklagen will, so muss es ihm gestattet werden, als habe er eine schwere Injurie erlitten. Wenn er freilich den Freilasser, dafern er zu denen gehört, dass er von einem Andern ergriffen, getödtet werden könnte, im Ehebruch mit seiner Frau ergriffen hat, so wird es die Frage sein, ob er ihn ungestraft erschlagen dürfe? Es scheint uns dieses aber hart, denn Wessen Rufes man schonen muss, dessen Leben muss man um so mehr schonen. 10Wer in einer öffentlichen Würde oder Amte steht, der kann zwar angeklagt werden, allein dessen Anklage wird verschoben, und mittels Sicherheitsbestellung [seinerseits versprochen, sich vor Gericht nach Endschaft der Würde stellen zu wollen. So hat Tiberius Caesar rescribirt.

40Idem li­bro quin­to de­ci­mo re­spon­so­rum. Vim pas­sam mu­lie­rem sen­ten­tia prae­si­dis pro­vin­ciae con­ti­ne­ba­tur: in le­gem Iu­liam de ad­ul­te­riis non com­mi­sis­se re­spon­di, li­cet in­iu­riam suam pro­te­gen­dae pu­di­ci­tiae cau­sa con­fes­tim ma­ri­to re­nun­tia­ri pro­hi­buit. 1Nup­ta quo­que mu­lie­re, tam­et­si le­no­ci­nii vir prior non pos­tu­le­tur, ad­ul­te­rii cri­men con­tra ad­ul­te­rum ab ex­tra­rio pot­erit in­fer­ri. 2In ma­tri­mo­nio quo­que de­func­ta uxo­re vir iu­re ad­ul­te­rum in­ter reos re­ci­pi pos­tu­lat. 3Nup­ta, prius­quam ad­ul­ter dam­ne­tur, ad­ul­te­rii non pos­tu­la­tur, si nup­tias de­nun­tia­tio vel ad do­mum mu­lie­ris mis­sa non prae­ces­sit. 4Mu­lie­rem ob la­tro­num so­cie­ta­tem ex­ula­re ius­sam ci­tra poe­nae me­tum in ma­tri­mo­nio re­ti­ne­ri pos­se re­spon­di, quia non fue­rat ad­ul­te­rii dam­na­ta. 5Prae­scrip­tio­ne quin­que an­no­rum cri­men in­ces­ti con­iunc­tum ad­ul­te­rio non ex­clu­di­tur. 6Duos qui­dem ad­ul­te­rii, ma­rem et fe­mi­nam, prop­ter com­mu­ne cri­men si­mul non iu­re nec a vi­ro pos­tu­la­ri con­ve­nit. cum ta­men duo­bus de­nun­tia­tum fuis­set ab eo, qui post­ea de­sis­te­re vo­le­bat, ab­oli­tio­nem es­se ne­ces­sa­riam in utrius­que per­so­nam re­spon­di. 7In­ces­ti com­mu­ne cri­men ad­ver­sus duos si­mul in­ten­ta­ri pot­est. 8De ser­vis quaes­tio­nem in do­mi­nos in­ces­ti pos­tu­la­tos ita de­mum ha­ben­dam re­spon­di, si per ad­ul­te­rium in­ces­tum es­se con­trac­tum di­ca­tur.

40Papin. lib. XV. Respons. Die Strafe der Nothzüchtigung einer Frau ist dem richterlichen Ausspruch des Präsidenten überlassen. Wider das Julische Gesetz über Ehebruch hat sie nichts verbrochen, wenn sie auch, das ihr widerfahrene Unrecht sofort dem Manne zu entdecken, die Schamhaftigkeit abhielt. 1Auch wenn eine Frau [wieder] verheirathet ist, kann, wenn auch der Mann zuvor nicht der Kuppelei angeklagt worden, das Verbrechen des Ehebruchs wider den Ehebrecher von einem Dritten doch anhängig gemacht werden. 2Auch wenn die Frau in stehender Ehe gestorben ist, kann der Mann mit vollem Rechte verlangen, den Ehebrecher in Anklagestand zu versetzen. 3Wenn eine Frau sich [zum zweiten Mal] verheirathet hat, bevor der Ehebrecher verurtheilt worden ist, so kann sie nicht wegen Ehebruchs angeklagt werden, sobald nicht eine, auch nur der Frau ins Haus geschickte Anzeige der Verheirathung vorangegangen ist. 4Eine Frau, die wegen der Gemeinschaft mit Strassenräubern verbannt worden ist, kann, habe ich mich ausgesprochen, ohne Besorgniss vor Strafe in der Ehe behalten werden, weil sie nicht wegen Ehebruchs verurtheilt worden ist. 5Durch die Einrede [des Ablaufs] der fünfjährigen Frist wird das mit dem Ehebruch verbundene Verbrechen der Blutschande nicht ausgeschlossen. 6Beide, Manns- und Frauensperson, können wegen des zusammen begangenen Verbrechens des Ehebruchs rechtmässigerweise nicht einmal vom Ehemann [zugleich] angeklagt werden; wenn jedoch Beiden von Dem Anzeige geschehen, der nachher davon abstehen will, so, habe ich zum Gutachten ertheilt, ist in Ansehung Beider Abolition erforderlich. 7Das gemeinschaftliche Verbrechen der Blutschande kann wider Zwei auf einmal anhängig gemacht werden. 8Sclaven, habe ich mich ausgesprochen, dürfen wegen Blutschande, deren ihre Herren angeklagt worden, nur dann zur peinlichen Frage gezogen werden, wenn angegeben wird, dass durch Ehebruch eine Blutschande begangen worden sei.

41Pau­lus li­bro no­no de­ci­mo re­spon­so­rum. Quae­si­tum est, an ea, quam ma­ri­tus ad­ul­te­rii cri­mi­ne se ac­cu­sa­tu­rum mi­na­tus est nec quic­quam egit vel iu­re ma­ri­ti vel iu­re pu­bli­co, nu­be­re pos­sit ei, quem in ea reum ad­ul­te­rii de­sti­na­vit. Pau­lus re­spon­dit ni­hil im­pe­di­re, quo mi­nus ei, quem su­spec­tum ma­ri­tus ha­buit, ea de qua quae­ri­tur nu­be­re pos­sit. 1Item quae­ri­tur, an idem ma­ri­tus de­sti­tis­se vi­dea­tur vel le­no­ci­nium com­mi­sis­se, qui ean­dem re­du­xit uxo­rem. Pau­lus re­spon­dit eum, qui post cri­men ad­ul­te­ri in­ten­ta­tum ean­dem uxo­rem re­du­xit, de­sti­tis­se vi­de­ri et id­eo ex ea­dem le­ge post­ea ac­cu­san­di ei ius non su­per­es­se.

41Paul. lib. XIX. Respons. Es ist die Frage erhoben worden, ob diejenige Frau, welcher ihr Mann gedrohet, er wolle sie des Verbrechens des Ehebruchs anklagen, ohne jedoch etwas vermöge seines Rechts als Ehemann, oder öffentlichen Rechtes unternommen zu haben, Den heirathen könne, welchen er als des Ehebruchs mit ihr schuldig bezeichnet hat? Paulus hat geantwortet: es sei kein Hinderniss vorhanden, dass die Frau, wegen der Frage erhoben worden, Den heirathen könne, welchen der Mann in Verdacht gehabt. 1Ingleichen frägt sich: ob derselbe Mann [von seiner Anklage] abgestanden, oder [vielmehr] Kuppelei getrieben zu haben scheine, der dieselbe Frau wiederaufgenommen habe? Paulus hat geantwortet: wer nach geschehener Beschuldigung des Ehebruchs dieselbe Frau wiederaufgenommen habe, erscheine als davon abstehend, und darum habe er fernerhin kein Recht, aus demselben Gesetze Anklage zu erheben.

42Idem li­bro pri­mo sen­ten­tia­rum. In cri­mi­ne ad­ul­te­rii nul­la dan­da di­la­tio est, ni­si ut per­so­nae ex­hi­bean­tur, aut iu­dex ex qua­li­ta­te neg­otii mo­tus hoc cau­sa co­gni­ta per­mi­se­rit.

42Paul. lib. I. Sentent. Bei dem Verbrechen des Ehebruchs darf keine Frist ertheilt werden, ausser um Personen auszuliefern, oder wenn der Richter, durch die Beschaffenheit der Sache veranlasst, es nach Befinden gestattet hat.

43Try­pho­ni­nus li­bro se­cun­do dis­pu­ta­tio­num. Si is, qui ius anu­lo­rum im­pe­tra­vit, ad­ul­te­rium com­mi­sit in pa­tro­ni uxo­rem aut in pa­tro­nam suam, aut in eius ei­ve, cu­ius li­ber­tus pa­tris aut ma­tris, fi­lii fi­liae­ve fuit: an ut li­ber­tus pu­ni­ri de­beat? et si de­pre­hen­sus sit in ad­ul­te­rio, an im­pu­ne oc­ci­da­tur? et ma­gis pro­bo sub­icien­dum poe­nae li­ber­ti­no­rum, quon­iam le­ge Iu­lia de ad­ul­te­riis co­er­cen­dis ad tuen­da ma­tri­mo­nia pro li­ber­ti­nis eos ha­be­ri pla­cuit et de­te­rio­rem cau­sam per is­tud be­ne­fi­cium pa­tro­no­rum ha­be­ri non opor­tet.

43Tryphonin. lib. II. Disput. Wenn Derjenige, der das Recht der Ringe erhalten, mit seines Freilassers Frau einen Ehebruch begangen hat, oder mit seiner Freilasserin, oder der [Frau] dessen, oder der, deren Vaters, oder Mutter, Sohnes oder Tochter Freigelassener er war, darf er da wie ein Freigelassener gestraft, und wenn er im Ehebruch ergriffen worden, ungestraft getödtet werden? Ich bin mehr dafür, dass er der Strafe der Freigelassenen unterworfen werden müsse, weil durch das Julische Gesetz über Bestrafung des Ehebruchs zum Schutz der Ehen ihn für einen Freigelassenen zu halten beliebt worden, und nicht angenommen werden darf, dass durch jene Wohlthat die Gerechtsame der Freilasser beeinträchtigt werden.

44Gaius li­bro ter­tio ad le­gem duo­de­cim ta­bu­la­rum. Si ex le­ge re­pu­dium mis­sum non sit et id­cir­co mu­lier ad­huc nup­ta es­se vi­dea­tur, ta­men si quis eam uxo­rem du­xe­rit, ad­ul­ter non erit. id­que sal­vius Iu­lia­nus re­spon­dit, quia ad­ul­te­rium, in­quit, si­ne do­lo ma­lo non com­mit­ti­tur: quam­quam di­cen­dum, ne is, qui sci­ret eam ex le­ge re­pu­dia­tam non es­se, do­lo ma­lo com­mit­tat.

44Gaj. lib. III. ad leg. XII. Tab. Wenn kein Scheidebrief nach dem Gesetz geschickt worden ist, und deshalb die Frau noch als verheirathet erscheint, so wird dennoch Der, wer sie geheirathet hat, nicht Ehebrecher sein, und das hat Salvius Julianus zur Antwort ertheilt, weil der Ehebruch, sagt er, nicht ohne Arglist begangen werden kann; obwohl sich behaupten lässt, dass Derjenige, welcher weiss, dass sie nicht gesetzmässig durch Scheidebrief entlassen worden sei, nicht2222Die Glosse erwähnt eine Lesart ohne ne; mir ist eine handschriftliche oder gedruckte Auctorität nicht bekannt. mit Arglist handle.

45Pa­pi­nia­nus li­bro quar­to re­spon­so­rum. De­func­ta quo­que so­cru ge­ner in­ces­ti pos­tu­la­bi­tur, ut ad­ul­ter post mor­tem mu­lie­ris.

45Papin. lib. IV. Respons. Auch nach Ableben der Schwiegermutter kann der Schwiegersohn wegen Blutschande angeklagt werden, wie der Ehebrecher nach dem Tode der Frau.