Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 48 übersetzt von Sintenis
Dig. XLVIII4,
Ad legem Iuliam maiestatis
Liber quadragesimus octavus
IV.

Ad legem Iuliam maiestatis

(Zum Julischen Gesetz über die Majestät.)

1Ul­pia­nus li­bro sep­ti­mo de of­fi­cio pro­con­su­lis. Pro­xi­mum sa­c­ri­le­gio cri­men est, quod ma­ies­ta­tis di­ci­tur. 1Ma­ies­ta­tis au­tem cri­men il­lud est, quod ad­ver­sus po­pu­lum Ro­ma­num vel ad­ver­sus se­cu­ri­ta­tem eius com­mit­ti­tur. quo te­ne­tur is, cu­ius ope­ra do­lo ma­lo con­si­lium in­itum erit, quo ob­si­des in­ius­su prin­ci­pis in­ter­ci­de­rent: quo ar­ma­ti ho­mi­nes cum te­lis la­pi­di­bus­ve in ur­be sint con­ve­niant­ve ad­ver­sus rem pu­bli­cam, lo­ca­ve oc­cu­pen­tur vel tem­pla, quo­ve coe­tus con­ven­tus­ve fiat ho­mi­nes­ve ad sed­itio­nem con­vo­cen­tur: cu­ius­ve ope­ra con­si­lio ma­lo con­si­lium in­itum erit, quo quis ma­gis­tra­tus po­pu­li Ro­ma­ni qui­ve im­pe­rium po­tes­ta­tem­ve ha­bet oc­ci­da­tur: quo­ve quis con­tra rem pu­bli­cam ar­ma fe­rat: qui­ve hos­ti­bus po­pu­li Ro­ma­ni nun­tium lit­te­ras­ve mi­se­rit sig­num­ve de­de­rit fe­ce­rit­ve do­lo ma­lo, quo hos­tes po­pu­li Ro­ma­ni con­si­lio iu­ven­tur ad­ver­sus rem pu­bli­cam: qui­ve mi­li­tes sol­li­ci­ta­ve­rit con­ci­ta­ve­rit­ve, quo sed­itio tu­mul­tus­ve ad­ver­sus rem pu­bli­cam fiat:

1Ulp. lib. VII. de off. Procons. Dem Sacrilegium11S. l. 1. Cod. de crim. sacril. huic crimini obnoxii sunt, qui divinae legis sanctitatem aut nesciendo confundunt, aut negligendo violant. Duaren. versteht unter lex divina die Kaiserl. Constitutionen, Cujac. ad h. l. in Paratitl. aber Dei legem. Dem tritt Matthaeus de crim. p. 581. bei. Uebersetzen lässt sich der Ausdruck nicht. Gotteslästerung ist nur eine Species davon. Der allgemeine Ausdruck Religionsverbrechen möchte hier wohl nicht passend sein. Ich habe daher Sacrilegium behalten. Wohl zu unterscheiden ist sacrilegium in der Bedeutung Tempelraub. zunächst steht das Verbrechen, welches das Majestätsverbrechen genannt wird. 1Das Majestätsverbrechen ist aber dasjenige, welches wider das Römische Volk, oder dessen Sicherheit begangen wird. Es haftet dadurch Derjenige, durch dessen Bemühung und Arglist der Anschlag getroffen worden ist, dass Geisel ohne Befehl des Kaisers verloren gingen, dass Bewaffnete mit Waffen oder Steinen in der Stadt (Rom) seien, oder zu einem Angriff auf die Staatsverfassung sich versammeln, Plätze oder Tempel besetzt werden, Zusammenlauf und Versammlung entstehe, Menschen[massen] zum Aufruhr zusammengezogen werden, und durch dessen Bemühung, Absicht und Arglist der Anschlag gemacht wird, dass ein Staatsbeamter des Römischen Volkes, der Gewalt und Macht besitzt, ermordet werde, dass Jemand die Waffen wider die Staatsverfassung wende, oder den Feinden des Römischen Volkes einen Boten oder Brief geschickt, ein Zeichen gegeben, oder arglistigerweise es bewirkt hat, dass die Feinde des Römischen Volkes wider den Staat, mit Rath unterstützt wurden, wer Soldaten aufgereizt und aufsätzig gemacht hat, damit ein Aufruhr oder Tumult wider die Staatsverfassung entstehe.

2Idem li­bro oc­ta­vo dis­pu­ta­tio­num. qui­ve de pro­vin­cia, cum ei suc­ces­sum es­set, non dis­ces­sit: aut qui ex­er­ci­tum de­se­ruit vel pri­va­tus ad hos­tes per­fu­git: qui­ve sciens fal­sum con­scrip­sit vel re­ci­ta­ve­rit in ta­bu­lis pu­bli­cis: nam et hoc ca­pi­te pri­mo le­ge ma­ies­ta­tis enu­me­ra­tur.

2Idem lib. VIII. Disput. Wer aus der Provinz [als Statthalter], wenn ihm ein Nachfolger bestellt worden, nicht weichen will, wer die Armee verlässt, oder als Privatmann zu den Feinden übergeht, wer wissentlich in einer öffentlichen Urkunde etwas Falsches niedergeschrieben oder vorgelesen hat, denn auch dies wird im ersten Capitel des Gesetzes von der Majestät mit aufgezählt.

3Mar­cia­nus li­bro quar­to de­ci­mo in­sti­tu­tio­num. Lex duo­de­cim ta­bu­la­rum iu­bet eum, qui hos­tem con­ci­ta­ve­rit qui­ve ci­vem hos­ti tra­di­de­rit, ca­pi­te pu­ni­ri. lex au­tem Iu­lia ma­ies­ta­tis prae­ci­pit eum, qui ma­ies­ta­tem pu­bli­cam lae­se­rit, te­ne­ri: qua­lis est il­le, qui in bel­lis ces­se­rit aut ar­cem te­nue­rit aut cas­tra con­ces­se­rit. ea­dem le­ge te­ne­tur et qui in­ius­su prin­ci­pis bel­lum ges­se­rit di­lec­tum­ve ha­bue­rit ex­er­ci­tum com­pa­ra­ve­rit: qui­ve, cum ei in pro­vin­cia suc­ces­sum es­set, ex­er­ci­tum suc­ces­so­ri non tra­di­dit: qui­ve im­pe­rium ex­er­ci­tum­ve po­pu­li Ro­ma­ni de­se­rue­rit: qui­ve pri­va­tus pro po­tes­ta­te ma­gis­tra­tu­ve quid sciens do­lo ma­lo ges­se­rit: qui­ve quid eo­rum, quae su­pra scrip­ta sunt, fa­ce­re cu­ra­ve­rit:

3Marcian. lib. XIV. Inst. Das Zwölftafelgesetz gebietet, Den, der den Feind aufgereizt, oder einen Bürger dem Feinde übergeben hat, mit dem Tode zu bestrafen. Das Julische Gesetz über die Majestät verordnet, Der, welcher die öffentliche Majestät verletzt habe, hafte, dahin gehört Der, welcher im Kriege ausgerissen, oder eine Feste oder Lager verlassen hat.22Unser Text giebt diese verdorbene Stelle nach Hal., mir hat immer die Verbesserung des Nicol. Catharin. in Obs. et Conject. Lib. I. c. 6. ad h. l. sehr zugesagt, der so emendirt: qui in bellis cesserit, acie aut castris concesserit; concedere ist dann so viel als abire. In der That giebt weder die Vulg. noch die Flor. einen Sinn. Hal. Lesart ist offenbar eine Conjectur, und da die Catharinische besser ist, so stehe ich in der Wahl nicht an. Es sprechen auch die Basil. ὁ καταλιμπάνων ἀκρόπολιν dafür. S. auch Jens. p. 502. Durch dasselbe Gesetz haftet, wer ohne Befehl des Kaisers Krieg geführt, wer eine Aushebung von Soldaten gehalten, oder eine Armee angeworben, oder wer [als Provinzialpräsident], nachdem sein Nachfolger ernannt worden, demselben die Armee nicht übergeben hat, wer ein Generalkommando oder eine Armee des Römischen Volkes verlassen, und wer als Privatmann33S. Paganini Gaudendtii jurid. expos. Lib. II. c. 19. (T. O. III. p. 380.) je nach seinem Einfluss oder amtlichen Stellung etwas wissentlich arglistigerweise gethan, oder etwas von dem Vorgedachten durch Andere hat thun lassen,

4Scae­vo­la li­bro quar­to re­gu­la­rum. cu­ius­que do­lo ma­lo iu­re­iu­ran­do quis ad­ac­tus est, quo ad­ver­sus rem pu­bli­cam fa­ciat: cu­ius­ve do­lo ma­lo ex­er­ci­tus po­pu­li Ro­ma­ni in in­si­dias de­duc­tus hos­ti­bus­ve pro­di­tus erit: fac­tum­ve do­lo ma­lo cu­ius di­ci­tur, quo mi­nus hos­tes in po­tes­ta­tem po­pu­li Ro­ma­ni ve­niant: cu­ius­ve ope­ra do­lo ma­lo hos­tes po­pu­li Ro­ma­ni com­mea­tu ar­mis te­lis equis pe­cu­nia alia­ve qua re ad­iu­ti erunt: ut­ve ex ami­cis hos­tes po­pu­li Ro­ma­ni fiant: cu­ius­ve do­lo ma­lo fac­tum erit, quo rex ex­te­rae na­tio­nis po­pu­lo Ro­ma­no mi­nus ob­tem­pe­ret: cu­ius­ve ope­ra do­lo ma­lo fac­tum erit, quo ma­gis ob­si­des pe­cu­nia iu­men­ta hos­ti­bus po­pu­li Ro­ma­ni den­tur ad­ver­sus rem pu­bli­cam. item qui con­fes­sum in iu­di­cio reum et prop­ter hoc in vin­cu­la con­iec­tum emi­se­rit. 1Hoc cri­mi­ne li­be­ra­tus est a se­na­tu, qui sta­tuas im­pe­ra­to­ris re­pro­ba­tas con­fla­ve­rit.

4Scaevola lib. IV. Regul. oder durch wessen Arglist Jemand zu dem Eide genöthigt worden ist, gegen die Staatsverfassung etwas zu unternehmen, oder durch wessen Arglist eine Armee des Römischen Volkes in einen Hinterhalt geführt und den Feinden verrathen worden ist, durch wessen Arglist es als geschehen angegeben wird, dass Feinde nicht in die Gewalt des Römischen Volkes geriethen, durch wessen Bemühung und Arglist die Feinde des Römischen Volkes an Zufuhr, Schwertern, Waffen, Pferden und Geld oder irgend einen andern Gegenstand Unterstützung erhalten, dass, aus befreundeten [Nationen] des Römischen Volkes Feinde werden, und durch dessen Arglist es geschehen, dass der König eines fremden Volkes den Römern ungehorsam werde, oder auch, dass Geissel, Geld und Zugvieh den Feinden des Römischen Volkes [zum Gebrauch] gegen den Staat gegeben wurden, und endlich wer einen Angeschuldigten in einem Verfahren, welcher gestanden, und deshalb in Banden geworfen worden, hat entspringen lassen. 1Wer ohne Erlaubniss gemachte Statuen des Kaisers [aus Erz] eingeschmolzen hat, ist durch den Senat von diesem Verbrechen freigesprochen.

5Mar­cia­nus li­bro quin­to re­gu­la­rum. Non con­tra­hit cri­men ma­ies­ta­tis, qui sta­tuas Cae­sa­ris ve­tus­ta­te cor­rup­tas re­fi­cit. 1Nec qui la­pi­de iac­ta­to in­cer­to for­tui­to sta­tuam at­ti­ge­rit, cri­men ma­ies­ta­tis com­mi­sit: et ita Se­ve­rus et An­to­ni­nus Iu­lio Cas­sia­no re­scrip­se­runt. 2Idem Pon­tio re­scrip­sit non vi­de­ri con­tra ma­ies­ta­tem fie­ri ob ima­gi­nes Cae­sa­ris non­dum con­se­cra­tas ven­di­tas.

5Marcian. lib. V. Regul. Wer durch Alter verdorbene Statuen der Kaiser ausgebessert hat, begeht kein Majestätsverbrechen. 1Ebensowenig begeht der ein Majestätsverbrechen, wer aufs Gerathewohl einen Stein geworfen und damit die Statue getroffen hat; so haben Severus und Antoninus an Julius Cassianus rescribirt. 2Dieselben haben an Pontius rescribirt, durch den Verkauf von noch nicht geweiheten Statuen des Kaisers werde wider die Majestät nichts verbrochen.

6Ve­nu­leius Sa­tur­ni­nus li­bro se­cun­do de iu­di­ciis pu­bli­cis. Qui sta­tuas aut ima­gi­nes im­pe­ra­to­ris iam con­se­cra­tas con­fla­ve­rint aliud­ve quid si­mi­le ad­mi­se­rint, le­ge Iu­lia ma­ies­ta­tis te­nen­tur.

6Venulej. Saturnin. lib. II. de judic. publ. Wer bereits geweihete Statuen des Kaisers eingeschmolzen, oder etwas Anderes dergleichen gethan hat, haftet durch das Julische Gesetz über die Majestät.

7Mo­des­ti­nus li­bro duo­de­ci­mo pan­dec­ta­rum. Fa­mo­si, qui ius ac­cu­san­di non ha­bent, si­ne ul­la du­bi­ta­tio­ne ad­mit­tun­tur ad hanc ac­cu­sa­tio­nem. 1Sed et mi­li­tes, qui cau­sas alias de­fen­de­re non pos­sunt: nam qui pro pa­ce ex­cu­bant, ma­gis ma­gis­que ad hanc ac­cu­sa­tio­nem ad­mit­ten­di sunt. 2Ser­vi quo­que de­fe­ren­tes au­diun­tur et qui­dem do­mi­nos suos: et li­ber­ti pa­tro­nos. 3Hoc ta­men cri­men iu­di­ci­bus non in oc­ca­sio­ne ob prin­ci­pa­lis ma­ies­ta­tis ve­ne­ra­tio­nem ha­ben­dum est, sed in ve­ri­ta­te: nam et per­so­nam spec­tan­dam es­se, an po­tue­rit fa­ce­re, et an an­te quid fe­ce­rit et an co­gi­ta­ve­rit et an sa­nae men­tis fue­rit. nec lu­bri­cum lin­guae ad poe­nam fa­ci­le tra­hen­dum est: quam­quam enim te­me­ra­rii dig­ni poe­na sint, ta­men ut in­sa­nis il­lis par­cen­dum est, si non ta­le sit de­lic­tum, quod vel ex scrip­tu­ra le­gis de­scen­dit vel ad ex­em­plum le­gis vin­di­can­dum est. 4Cri­men ma­ies­ta­tis fac­to vel vio­la­tis sta­tuis vel ima­gi­ni­bus ma­xi­me ex­acer­ba­tur in mi­li­tes.

7Modestin. lib. XII. Pandect. Infamirte Personen, die kein Recht zur Anklage haben, werden ohne allen Zweifel zu dieser Anklage zugelassen. 1Auch Soldaten, die sonst für keine fremde Sache auftreten dürfen, denn wer für die Wohlfahrt wacht, muss um so mehr zu dieser Anklage zugelassen werden. 2Auch die Anzeigen der Sclaven werden gehört, und zwar sowohl wider ihre Herren, als die der Freigelassenen wider ihre Freilasser. 3Doch sollen die Richter dieses Verbrechen nicht als eine Gelegenheit betrachten, der Kaiserlichen Majestät zu schmeicheln,44In occasione(m) ob principal. majest. venerationem, s. Jos. Nerii Analect. Lib. II. c. 27. (T. O. II. p. 460.) sondern auf die Wahrheit achten; denn es muss sowohl auf die Person Rücksicht genommen werden, ob sie es habe thun können, als auch, ob sie vorher etwas [darauf Hindeutendes] gethan, ob sie daran gedacht, und ob sie verstandesmächtig gewesen sei. Auch darf ein raschentschlüpftes zweideutiges Wort nicht gleich zu dieser Strafe gezogen werden, denn wenngleich Verwegene dieser Strafe würdig sind, so muss ihrer doch als Wahnsinniger geschont werden, wenn nicht das Verbrechen von der Art ist, dass es entweder unter die Worte des Gesetzes mitbegriffen ist, oder nach Maassgabe des Gesetzes gestraft werden muss. 4Die Strafe, wenn ein Majestätsverbrechen begangen, z. B. etwa55Vel. Des. Herald. Obs. Lib. cap. 11. emendirt veluti; allein Otto in Praef. ad Thes. Vol. II. p. 28. weist nach, dass vel = puta sei. Best l. l. p. 253. macht sehr überflüssige Conjecturen. Das crimen der Flor. muss freilich mit unserm Text gegen crimine vertauscht werden, liesse sich aber, wenn man es darauf absähe, wohl auch erklären. Statuen oder Bilder [der Kaiser] verletzt worden sind, wird gegen Soldaten am meisten geschärft.

8Pa­pi­nia­nus li­bro ter­tio de­ci­mo re­spon­so­rum. In quaes­tio­ni­bus lae­sae ma­ies­ta­tis et­iam mu­lie­res au­diun­tur. con­iu­ra­tio­nem de­ni­que Ser­gii Ca­ti­li­nae Iu­lia mu­lier de­te­xit et Mar­cum Tul­lium con­su­lem in­di­cium eius in­stru­xit.

8Papin. lib. XIII. Resp. In Untersuchungen wegen verletzter Majestät werden auch Weiber gehört; so entdeckte ja die Fulvia die Verschwörung des Sergius Catilina, und unterrichtete den Consul Marcus Tullius durch ihre Anzeige.

9Her­mo­ge­nia­nus li­bro quin­to iu­ris epi­to­ma­rum. Eo­rum, qui ma­ies­ta­tis cri­mi­ne dam­na­ti sunt, li­ber­to­rum bo­na li­be­ris dam­na­to­rum con­ser­va­ri di­vus Se­ve­rus de­cre­vit et tunc de­mum fis­co vin­di­ca­ri, si ne­mo dam­na­ti li­be­ro­rum ex­is­tat.

9Hermogen. lib. V. jur. Epit. Der Kaiser Severus hat decretirt, dass das Vermögen der Freigelassenen der66Jens. h. l. p. 503. wegen Majestätsverbrechens Verurtheilten deren Kindern erhalten werden solle, und nur dann vom Fiscus in Beschlag genommen werde, wenn kein Kind der Verurtheilten auftrete.

10Idem li­bro sex­to iu­ris epi­to­ma­rum. Ma­ies­ta­tis cri­mi­ne ac­cu­sa­ri pot­est, cu­ius ope con­si­lio do­lo ma­lo pro­vin­cia vel ci­vi­tas hos­ti­bus pro­di­ta est.

10Idem lib. VI. jur Epit. Des Majestätsverbrechens kann Derjenige angeklagt werden, durch dessen Hülfe, Rath und Arglist eine Provinz oder Stadt dem Feinde verrathen worden ist.

11Ul­pia­nus li­bro oc­ta­vo dis­pu­ta­tio­num. Is, qui in rea­tu de­ce­dit, in­te­gri sta­tus de­ce­dit: ex­tin­gui­tur enim cri­men mor­ta­li­ta­te. ni­si for­te quis ma­ies­ta­tis reus fuit: nam hoc cri­mi­ne ni­si a suc­ces­so­ri­bus pur­ge­tur, he­redi­tas fis­co vin­di­ca­tur. pla­ne non quis­que le­gis Iu­liae ma­ies­ta­tis reus est, in ea­dem con­di­cio­ne est, sed qui per­duel­lio­nis reus est, hos­ti­li ani­mo ad­ver­sus rem pu­bli­cam vel prin­ci­pem ani­ma­tus: ce­te­rum si quis ex alia cau­sa le­gis Iu­liae ma­ies­ta­tis reus sit, mor­te cri­mi­ne li­be­ra­tur.

11Ulp. lib. VIII. Disput. Derjenige, wer als Angeschuldigter stirbt, stirbt ohne Gefährdung seines persönlichen Standesrechts; denn das Verbrechen erlischt durch den Tod, ausser wer des Majestätsverbrechens angeschuldigt gewesen ist; denn wenn er von diesem Verbrechen nicht durch seine Nachfolger gereinigt wird, so wird die Erbschaft dem Fiscus verfallen. Es trifft jedoch nicht jeden des Julischen Gesetzes über die Majestät Angeschuldigten die Strafe, sondern [nur den] wer, des Hochverraths angeschuldigt, wirklich feindselige Gesinnungen gegen die Staatsverfassung oder den Kaiser hegt; wer aus andern Gründen des Julischen Gesetzes über die Majestät angeschuldigt worden, wird durch den Tod von dem Verbrechen befreit.