Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 50 übersetzt von Treitschke (Titel 1–15) und Schneider (Titel 16/17)
Dig. L5,
De vacatione et excusatione munerum
Liber quinquagesimus
V.

De vacatione et excusatione munerum

(Von Befreiung und Entschuldigung von Aemtern und Leistungen.)

1Ul­pia­nus li­bro se­cun­do opi­nio­num. Om­nis ex­cu­sa­tio sua ae­qui­ta­te ni­ti­tur. sed si prae­ten­den­ti­bus ali­quod si­ne iu­di­ce cre­da­tur, aut pas­sim si­ne tem­po­ris prae­fi­ni­tio­ne, pro­ut cui­que li­bue­rit, per­mis­sum fue­rit se ex­cu­sa­re, non erunt, qui mu­ne­ra ne­ces­sa­ria in re­bus pu­bli­cis ob­eant. qua­re et qui li­be­ro­rum in­co­lu­mium iu­re a mu­ne­ri­bus ci­vi­li­bus si­bi vin­di­cant ex­cu­sa­tio­nem, ap­pel­la­tio­nem in­ter­po­ne­re de­bent: et qui tem­po­ra prae­fi­ni­ta in or­di­ne eius­mo­di ap­pel­la­tio­num per­agen­do non ser­va­ve­rint, me­ri­to prae­scrip­tio­ne re­pel­lun­tur. 1Qui ex­cu­sa­tio­ne ali­qua utun­tur, quo­tiens­cum­que crea­ti fue­rint, et­si iam an­te ab­so­lu­ti sunt, ne­ces­se ha­bent ap­pel­la­re. sed si per ca­lum­niam et sae­pius idem ad­ver­sa­rius ve­xan­di gra­tia eius, quem scit per­pe­tua va­ca­tio­ne sub­ni­xum, id fa­ce­re pro­ba­tus erit, sump­tus li­tis ex­em­plo de­cre­to­rum prin­ci­pa­lium prae­sta­re iu­bea­tur ei, quem si­ne cau­sa sae­pius in­quie­ta­vit. 2Qui in frau­dem or­di­nis in ho­no­ri­bus ge­ren­dis, cum in­ter eos ad pri­mos ho­no­res crea­ri pos­sint qui in ci­vi­ta­te mu­ne­ra­ban­tur, evi­tan­do­rum ma­io­rum one­rum gra­tia ad co­lo­nos prae­dio­rum se trans­tu­le­runt, ut mi­no­ri­bus sub­ician­tur, hanc ex­cu­sa­tio­nem si­bi non pa­ra­ve­runt. 3Quam­vis se­xa­gin­ta quin­que an­no­rum ali­quis sit et tres li­be­ros in­co­lu­mes ha­beat, a mu­ne­ri­bus ta­men ci­vi­li­bus prop­ter has cau­sas non li­be­ra­tur.

1Ulp. lib. II. Opin. Jeder Entschuldigungsgrund sützt sich für sich auf eine gewisse Billigkeit. Sollte aber den etwas Vorwendenden ohne Untersuchung (sine judice) geglaubt werden, oder insgemein, ohne Beschränkung hinsichtlich der Zeit, nach eines Jeden Belieben, sich zu entschuldigen erlaubt sein, so würde es zu Uebernahme der nöthigen Dienste für das Gemeinwesen an Leuten fehlen. Daher müssen Die, welche wegen lebendiger Kinder von bürgerlichen Leistungen entschuldigt zu sein behaupten, Appellation einwenden,11Um die Sache zur Kenntniss des Kaisers zu bringen. und wer die für den Rechtsgang solcher Appellationen festgesetzten Fristen nicht innehält, wird mit Recht wegen Versäumniss abgewiesen. 1Wer irgend eine Entschuldigung gebraucht, der muss, so oft er gewählt wird, wenn er auch schon früher freigesprochen worden, doch [wieder] appelliren; falls aber erwiesen wird, dass derselbe Gegner aus Schikane, um Einen, den er von einer fortdauernden Befreiung geschützt weiss, zu plagen, dieses wiederholt gethan habe, so muss er, nach dem Vorgang kaiserlicher Beschlüsse, zu Erstattung der Processkosten an Den, welchen er ohne Grund mehrmals beunruhigt hat, verurtheilt werden. 2Wer, zu Hintergehung des Raths (Decurionenstands), hinsichtlich der Uebernahme von Aemtern, da er zu den ersten Ehrenstellen, die es in der Stadt giebt, wählbar war, sich unter die Grundstückspachter begeben hat, um grössern Obliegenheiten auszuweichen und nur geringern sich zu unterziehen, dem kommt solche Entschuldigung nicht zu Statten. 3Wenn Jemand auch fünfundsechzig Jahr alt ist und drei lebendige Kinder hat, so ist er doch aus diesem Grunde von bürgerlichen Diensten nicht frei.22Nur der siebzigjährige, oder wer fünf Kinder hat, ist es. S. u. fr. 2. §. 1. h. t. fr. 3. de jure immun. (50. 6.)

2Idem li­bro ter­tio opi­nio­num. Sex­tum de­ci­mum ae­ta­tis an­num agen­tem ad mu­nus si­to­niae vo­ca­ri non opor­tet: sed si ni­hil pro­prie in pa­tria ser­va­tur de mi­no­ri­bus quo­que an­nis vi­gin­ti quin­que ad mu­ne­ra si­ve ho­no­res crean­di, ius­ta ae­tas ser­van­da est. 1Nu­me­rus li­be­ro­rum aut sep­tua­gin­ta an­no­rum ab ho­no­ri­bus aut mu­ne­ri­bus his co­hae­ren­ti­bus ex­cu­sa­tio­nem non prae­stat, sed a mu­ne­ri­bus tan­tum ci­vi­li­bus. 2Ad­op­ti­vi fi­lii in nu­me­rum non pro­fi­ciunt eo­rum li­be­ro­rum, qui ex­cu­sa­re pa­ren­tes so­lent. 3Qui ad mu­ne­ra vo­can­tur, vi­vo­rum se li­be­ro­rum nu­me­rum ha­be­re tem­po­re, quo prop­ter eos ex­cu­sa­ri de­si­de­rant, pro­ba­re de­bent: nu­me­rus enim li­be­ro­rum post­ea im­ple­tus sus­cep­tis ant­ea mu­ne­ri­bus non li­be­rat. 4Quae pa­tri­mo­nio­rum one­ra sunt, nu­me­ro li­be­ro­rum non ex­cu­san­tur. 5In­co­lu­mes li­be­ri, et­iam­si in po­tes­ta­te pa­tri suo de­sie­rint es­se, ex­cu­sa­tio­nem a mu­ne­ri­bus ci­vi­li­bus prae­stant. 6Mi­nus au­diens in­mu­ni­ta­tem ci­vi­lium mu­ne­rum non ha­bet. 7Quem ita se­nio et cor­po­ris in­be­cil­li­ta­te ve­xa­ri prae­ses anim­ad­ver­te­rit, ut mu­ne­ri per­fe­ren­dae pe­cu­niae non suf­fi­ciat, di­mit­tat et alium con­sti­tuat. 7aCor­po­ris de­bi­li­tas eo­rum mu­ne­rum ex­cu­sa­tio­nem prae­stat, quae tan­tum cor­po­re im­plen­da sunt. ce­te­rum quae con­si­lio pru­den­tis vi­ri vel pa­tri­mo­nio suf­fi­cien­tis in ho­mi­nes ob­iri pos­sunt, ni­si cer­tis et re­cep­tis pro­ba­bi­li­bus cau­sis non re­mit­tun­tur. 8Qui pue­ros pri­mas lit­te­ras do­cent, in­mu­ni­ta­tem a ci­vi­li­bus mu­ne­ri­bus non ha­bent: sed ne cui eo­rum id quod su­pra vi­res sit in­di­ca­tur, ad prae­si­dis re­li­gio­nem per­ti­net, si­ve in ci­vi­ta­ti­bus si­ve in vi­cis pri­mas lit­te­ras ma­gis­tri do­ceant.

2Idem lib. III. Opin. Ein Mensch, der im sechzehnten Jahre seines Alters steht, muss zu dem Dienste des Getreideeinkaufs (sitoniae) nicht berufen werden, wenn anders nicht [hierin] in seiner Vaterstadt ein eigenthümliches Herkommen gilt. Auch bei der Wahl noch nicht Fünfundzwanzigjähriger zu [bürgerlichen] Diensten oder Ehrenstellen33Zu solchen, deren sie fähig sind. Vgl. fr. 3. §. 10. de mun. et hon. 50. 4. muss auf ein angemessenes Alter gesehen werden.44Fr. 2. §. 1. de jure immun. 50. 6. 1Eine gewisse Anzahl von Kindern55Fünf. fr. 3. §. 12. de mun. et hon. oder siebzigjähriges Alter gewährt nicht von Ehrenstellen und den damit verbundenen Diensten, sondern blos von [gemeinen] bürgerlicher Diensten Entschuldigung.66Vgl. fr. 12. de mun. et hon. und fr. 8. §. 1. h. t. 2Adoptivkinder zählen nicht unter der Anzahl von Kindern, wodurch Eltern gemeiniglich entschuldigt sind. 3Wer zu [bürgerlichen] Diensten berufen wird, muss beweisen, dass er zu der Zeit, wo er deshalb Entschuldigung verlangt77D. h. zu der Zeit, wo die Arbeit angetreten worden ist, oder anzutreten gewesen wäre; Letzteres in dem Fall, wenn die Verrichtung solcher Leistungen zur rechten Zeit (wegen Abwesenheit u. dergl.) unterblieben ist und nun nachgefordert wird., die [erfoderliche] Anzahl lebendiger Kinder [gehabt] habe; denn die nachher erfüllte Zahl von Kindern befreit nicht von vorher schon übernommenen Leistungen. 4Dienste, welche das Vermögen angehn, können wegen Kinderzahl nicht abgelehnt werden.88Fr. 6. §. 4. de mun. et hon. 50. 4., fr. 10. h. t. 5Lebendige Kinder begründen, auch wenn sie nicht mehr in der Gewalt ihres Vaters stehen, [für diesen] eine Entschuldigung von bürgerlichen Leistungen. 6Ein Harthöriger hat keine Entschuldigung von bürgerlichen Leistungen. 7Wenn der Statthalter wahrnimmt, dass Jemand an Alterschwäche und körperlicher Hinfälligkeit dergestalt leidet, dass er der Verrichtung des Geldtragens nicht gewachsen ist, so soll er ihn entlassen und einen Andern anstellen. 7aKörperschwäche begründet eine Entschuldigung hinsichtlich derjenigen Dienste, die nur mit dem Körper verrichtet werden; hingegen die, welche durch kluge Ueberlegung oder durch ein für Ehrenstellen hinlängliches Vermögen erfüllt werden können, werden nicht anders als wegen gewisser herkömmlicher und gewichtiger Ursachen erlassen. 8Diejenigen, welche Kinder in den Anfangsgründen der Wissenschaften unterrichten, haben keine Befreiung von bürgerlichen Aemtern;99Nach einem Rescript des Kaisers M. Aurelius. fr. 11. §. 4. de mun. et exc. 50. 4. vgl. mit fr. ult. §. ult. eod. dass aber ihrer Keinem etwas über seine Kräfte Gehendes auferlegt werde, ist dem Gewissen des Statthalters überlassen, es mögen nun solche Lehrer in Städten oder in Dörfern die Anfangsgründe lehren.

3Scae­vo­la li­bro ter­tio re­gu­la­rum. His, qui na­ves ma­ri­nas fa­b­ri­ca­ve­runt et ad an­no­nam po­pu­li Ro­ma­ni prae­fue­rint non mi­no­res quin­qua­gin­ta mi­lium mo­dio­rum aut plu­res sin­gu­las non mi­no­res de­cem mi­lium mo­dio­rum, do­nec hae na­ves na­vi­gant aut aliae in ea­rum lo­cum, mu­ne­ris pu­bli­ci va­ca­tio prae­sta­tur ob na­vem. se­na­to­res au­tem hanc va­ca­tio­nem ha­be­re non pos­sunt, quod nec ha­be­re il­lis na­vem ex le­ge Iu­lia re­pe­tun­da­rum li­cet.

3Scaevola lib. II. Regul. Wer ein Seeschiff gebaut und zur Getreidezufuhr für das Volk von Rom hergegeben hat, das nicht unter funfzigtausend Scheffel (modii) hält, oder mehrere, deren jedes nicht unter zehntausend Scheffel fasst, dem ist, so lange solche Schiffe, oder andre an ihrer Stelle, auf der Fahrt sind, wegen derselben Befreiung von öffentlichen Diensten zugestanden. Senatoren aber können diese Freiheit nicht geniessen, weil ihnen nach dem Julischen Gesetz über Erpressungen (repetundarum) nicht einmal erlaubt ist, ein Schiff zu halten.1010Vgl. Cujac. Obs. Lib. VI. cap. 38.

4Ne­ra­tius li­bro pri­mo mem­bra­na­rum. Tem­pus va­ca­tio­nis, quod da­tur eis qui rei pu­bli­cae cau­sa afue­runt, non ex eo die nu­me­ran­dum est, quo quis ab­es­se de­siit, sed cum quo­dam la­xa­men­to iti­ne­ris: ne­que enim mi­nus ab­es­se rei pu­bli­cae cau­sa in­tel­le­gen­dus est, qui ad id neg­otium vel ab eo re­ver­ti­tur. si quis ta­men plus ius­to tem­po­ris aut iti­ne­re aut in alio lo­co com­mo­ra­tus con­sump­se­rit, ita ea in­ter­pre­tan­da erit, ut ex eo tem­po­re va­ca­tio­nis dies in­ci­piat ei ce­de­re, quo iter ex com­mo­do per­age­re po­tuis­set.

4Nerat. lib. I. Membran. Die Zeit der Befreiung, die Denjenigen bewilligt ist, welche in öffentlichen Angelegenheiten verreist gewesen sind,1111Fr. 12. h. t. ist nicht von dem Tage an zu rechnen, wo Einer nicht mehr an dem Orte dieser Geschäfte ist (abesse desiit), sondern mit einiger Nachsicht für die Reise; denn auch wer nach dem Orte seiner Geschäfte sich begiebt oder daher zurückkommt, gilt nicht minder als in öffentlichen Angelegenheiten verreist. Dafern aber Jemand mehr als die gebührliche Zeit auf der Reise oder mit dem Aufenthalt an einem andern Orte zugebracht hätte, so ist dies so zu verstehen, dass ihm die Zeit der Befreiung von dem Tage an laufe, wo er die Reise bequem vollendet haben konnte.

5Ma­cer li­bro se­cun­do de of­fi­cio prae­si­dis. A de­cu­rio­na­tu, quam­vis hic quo­que ho­nor est, ad alium ho­no­rem nul­lam va­ca­tio­nem tri­buen­dam Ul­pia­nus re­spon­dit.

5Macer lib. II. de off. Praes. Ulpianus hat begutachtet, dass wegen des Decurionats, obgleich derselbe auch eine Ehrenstelle (honor) ist, von einer andern Ehrenstelle keine Befreiung stattfindet.

6Pa­pi­nia­nus li­bro se­cun­do quaes­tio­num. Hi, qui mu­ne­ris pu­bli­ci va­ca­tio­nem ha­bent, ad ea, quae ex­tra or­di­nem im­pe­ran­tur, com­pel­li non so­lent.

6Papin. lib. II. Quaest. Wer Befreiung von öffentlichen Diensten geniesst, pflegt auch nicht zu Dingen, die ausser der Regel anbefohlen werden, herangezogen zu werden.

7Idem li­bro tri­gen­si­mo sex­to quaes­tio­num. A mu­ne­ri­bus, quae non pa­tri­mo­niis in­di­cun­tur, ve­te­r­a­ni post op­ti­mi nos­tri Se­ve­ri Au­gus­ti lit­te­ras per­pe­tuo ex­cu­san­tur.

7Idem lib. XXXVI. Quaest. Von bürgerlichen Diensten, die nicht auf das Vermögen gelegt werden1212Fr. 2. §. 1. de veteranis. 49. 18. fr. 10. h. t., sind ausgediente Soldaten, nach einem Briefe unsers trefflichen Fürsten, Kaisers Severus, für immer entschuldigt.

8Idem li­bro pri­mo re­spon­so­rum. In ho­no­ri­bus de­la­tis ne­que ma­ior an­nis sep­tua­gin­ta ne­que pa­ter nu­me­ro quin­que li­be­ro­rum ex­cu­sa­tur. sed in Asia sa­cer­do­tium pro­vin­ciae sus­ci­pe­re non co­gun­tur nu­me­ro li­be­ro­rum quin­que sub­ni­xi: quod op­ti­mus ma­xi­mus­que prin­ceps nos­ter Se­ve­rus Au­gus­tus de­cre­vit ac post­ea in ce­te­ris pro­vin­ciis ser­van­dum es­se con­sti­tuit. 1Non alios fis­ci vec­ti­ga­lium red­emp­to­res a mu­ne­ri­bus ci­vi­li­bus ac tu­te­lis ex­cu­sa­ri pla­cuit, quam eos, qui prae­sen­tes neg­otium ex­er­ce­rent. 2Va­ca­tio­num pri­vi­le­gia non spec­tant li­be­ros ve­te­ra­no­rum. 3Qui mu­ne­ris pu­bli­ci va­ca­tio­nem ha­bet, per ma­gis­tra­tus ex in­pro­vi­so col­la­tio­nes in­dic­tas rec­te re­cu­sat: eas ve­ro, quae e le­ge fiunt, re­cu­sa­re non de­bet. 4Phi­lo­so­phis, qui se fre­quen­tes at­que uti­les per ean­dem stu­dio­rum sec­tam con­ten­den­ti­bus prae­bent, tu­te­las, item mu­ne­ra sor­di­da cor­po­ra­lia re­mit­ti pla­cuit, non ea, quae sump­ti­bus ex­pe­diun­tur: et­enim ve­re phi­lo­so­phan­tes pe­cu­niam con­tem­nunt, cu­ius re­ti­nen­dae cu­pi­di­ne fic­tam ad­se­ve­ra­tio­nem de­te­gunt. 5Qui ma­xi­mos prin­ci­pes ap­pel­la­vit et cau­sam pro­priam ac­tu­rus Ro­mam pro­fec­tus est: quo­ad co­gni­tio fi­nem ac­ci­piat, ab ho­no­ri­bus et ci­vi­li­bus mu­ne­ri­bus apud suos ex­cu­sa­tur.

8Idem lib. I. Respons. Von Ehrenstellen, die ihm zukommen, ist weder ein mehr als Siebzigjähriger, noch ein Vater von fünf Kindern entschuldigt,1313Vgl. fr. 2. §. 1. h. t. doch werden in der Provinz Asien Diejenigen, welche die Zahl von fünf Kindern für sich haben, nicht gezwungen, das Priesteramt zu übernehmen; wie dieses unser vortrefflicher und grosser Fürst, Kaiser Severus, bestimmt und nachher auch in andern Provinzen zu beobachten verordnet hat. 1Es ist angenommen, dass nur diejenigen Pachter der Einkünfte des Fiscus von bürgerlichen Diensten und Vormundschaften entschuldigt sind, welche in Person das Geschäft führen. 2Die Befreiungsvorrechte gehen die Kinder der ausgedienten Soldaten nicht an. 3Wer Befreiung von öffentlichen Diensten gemiesst, kann Beisteuern, die von den Beamten unvermuthet umgelegt werden, mit Recht verweigern; nicht aber diejenigen, welche dem Gesetze zufolge aufgebracht werden. 4Den Philosophen, die sich fleissig und nützlicherweise Denjenigen widmen, welche in ihren wissenschaftlichen Bestrebungen derselben Secte folgen, werden angenommenermaassen Vormundschaften1414Fr. 6. §. 11. de excusat. 27. 1., auch körperliche Dienste niedriger Art erlassen, nicht aber Dienste, die in Geldaufwand bestehen; denn wahre Philosophen verachten das Geld; durch die Begierde, dieses zu behalten, verrathen sie, dass ihre Lehre erheuchelt ist. 5Wer an die grossmächtigen Fürsten appellirt hat und zu Führung seiner eigenen Sache nach Rom gereist ist, wird, bis die Erörterung der Sache beendigt ist, unter seinen Mitbürgern von Ehrenämtern und bürgerlichen Diensten entschuldigt.

9Pau­lus li­bro pri­mo re­spon­so­rum. Eos, qui Ro­mae pro­fi­ten­tur, pro­in­de in pa­tria sua ex­cu­sa­ri mu­ne­ri­bus opor­te­re, ac si in pa­tria sua pro­fi­te­ren­tur. 1Pau­lus re­spon­dit pri­vi­le­gium fru­men­ta­riis neg­otia­to­ri­bus con­ces­sum et­iam ad ho­no­res ex­cu­san­dos per­ti­ne­re.

9Paul. lib. I. Respons. Die zu Rom lehren (profitentur), müssen in ihrer Heimath ebenso gut von [bürgerlichen] Diensten ausgenommen werden, als ob sie in der Heimath lehrten. 1Paulus hat begutachtet: Das den Getreidehändlern zugestandene Vorrecht beziehe sich auch auf die Entschuldigung von Ehrenämtern.

10Idem li­bro pri­mo sen­ten­tia­rum. Ab his one­ri­bus, quae pos­ses­sio­ni­bus vel pa­tri­mo­nio in­di­cun­tur, nul­la pri­vi­le­gia prae­stant va­ca­tio­nem. 1Cor­pus men­su­ra­rum fru­men­ti iux­ta an­no­nam ur­bis ha­bet va­ca­tio­nem: in pro­vin­ciis non idem. 2An­ga­rio­rum prae­sta­tio et re­ci­pien­di hos­pi­tis ne­ces­si­tas et mi­li­ti et li­be­ra­lium ar­tium pro­fes­so­ri­bus in­ter ce­te­ra re­mis­sa sunt. 3Auc­tis post ap­pel­la­tio­nem me­dio tem­po­re fa­cul­ta­ti­bus pau­per­ta­tis op­ten­tu non ex­cu­san­tur. 4De­fen­so­res rei pu­bli­cae ab ho­no­ri­bus et mu­ne­ri­bus eo­dem tem­po­re va­cant.

10Idem lib. I. Sentent. Von solchen Lasten, die auf den [Grundbesitz] oder das Vermögen umgelegt werden, gewähren keine Vorrechte eine Befreiung. 1Der Verein der Getreidemesser bei der Kornzufuhr der Stadt [Rom] geniesst Befreiung; nicht so in den Provinzen. 2Die Stellung von Vorspann und die Obliegenheit, einen Gastfreund1515Der Gemeinde. aufzunehmen, ist sowohl den Soldaten als den Professoren der freien Künste und Wissenschaften, unter den andern Dingen, erlassen1616Nach Rescripten Vespasians und Hadrians. fr. 18. §. ult. de mun. et hon. 50. 4.. 3Wenn Jemand nach eingewendeter Appellation1717S. fr. 1. pr. u. §. 1. h. t. mittlerweile1818Bevor die kaiserliche Entschliessung erfolgt. einen Zuwachs seines Vermögens erhält, so dient ihm die vorgewendete Armuth nicht zur Entschuldigung. 4Die Vertreter (defensores) des Gemeinwesens sind zu derselben Zeit1919Während sie Syndicen der Stadt sind. Fr. 1. §. 2. de mun. et hon. 50. 4. von Ehrenämtern und [bürgerlichen] Diensten frei.

11Her­mo­ge­nia­nus li­bro pri­mo iu­ris epi­to­ma­rum. Sunt mu­ne­ra, quae rei pro­prie co­hae­rent, de qui­bus ne­que li­be­ri ne­que ae­tas nec me­ri­ta mi­li­tiae nec ul­lum aliud pri­vi­le­gium iu­re tri­buit ex­cu­sa­tio­nem: ut sit prae­dio­rum col­la­tio viae ster­nen­dae, an­ga­rio­rum­ve ex­hi­bitio, hos­pi­tis sus­ci­pien­di mu­nus (nam nec hu­ius quis­quam ex­cu­sa­tio­nem prae­ter eos, qui­bus prin­ci­pa­li be­ne­fi­cio con­ces­sum est, ha­bet) et si qua sunt prae­ter­ea alia hu­ius­mo­di.

11Hermogen. lib. I. jur. Epit. Es giebt Dienste, die eigentlich auf der Sache haften; von ihnen gewähren weder Kinder, noch Alter, noch ehemalige Kriegsdienste, noch irgend ein anderes Vorrecht eine rechtmässige Entschuldigung; wohin die Grundsteuer, die Wegpflasterung, die Vorspannstellung, die Last, einen Fremden aufzunehmen (denn auch hiervon hat Niemand Entschuldigung, ausser Die, welchen solche durch kaiserliche Vergünstigung bewilligt ist) und was dergleichen mehr ist.

12Pau­lus li­bro pri­mo sen­ten­tia­rum. Le­ga­to, qui pu­bli­cum neg­otium tui­tus sit, in­tra tem­po­ra va­ca­tio­nis prae­sti­tu­ta rur­sum eius­dem neg­otii de­fen­sio man­da­ri non pot­est. 1Com­ites prae­si­dum et pro­con­su­lum pro­cu­ra­to­rum­ve Cae­sa­ris a mu­ne­ri­bus vel ho­no­ri­bus et tu­te­lis va­cant.

12Paul. lib. I. Sentent. Einem Abgeordneten, der eine öffentliche Sache vertreten hat, kann während der bestimmten Zeit der Befreiung2020Fr. 4. h. t. die Führung (defensio) der nemlichen Sache nicht wieder übertragen werden. 1Die Beistände (comites) der Statthalter, Proconsuln und Procuratoren des Kaisers sind frei von [bürgerlichen] Diensten, oder Ehrenämtern und Vormundschaften.

13Ul­pia­nus li­bro vi­cen­si­mo ter­tio ad edic­tum. Prae­tor eos, quos­cum­que in­tel­le­git ope­ram da­re non pos­se ad iu­di­can­dum, pol­li­ce­tur se ex­cu­sa­tu­rum: for­te quod in per­pe­tuum quis ope­ram da­re non pot­est, quod in eam va­le­tu­di­nem in­ci­dit, ut cer­tum sit eum ci­vi­lia of­fi­cia sub­ire non pos­se: aut si alio mor­bo la­bo­ret, ut suis re­bus su­per­es­se non pos­sit: vel si quid sa­cer­do­tium nanc­ti sint, ut dis­ce­de­re ab eo si­ne re­li­gio­ne non pos­sint. nam et hi in per­pe­tuum ex­cu­san­tur. 1Duo ge­ne­ra tri­buen­dae mu­ne­ris pu­bli­ci va­ca­tio­nis sunt, unum ple­nius, cum et mi­li­tiae da­tur, aliud ex­iguius, cum nu­dam mu­ne­ris va­ca­tio­nem ac­ce­pe­rint. 2Qui au­tem non ha­bet ex­cu­sa­tio­nem, et­iam in­vi­tus iu­di­ca­re co­gi­tur. 3Si post cau­sam ac­tam coe­pe­rit se ex­cu­sa­re iu­dex, si qui­dem pri­vi­le­gio, quod ha­buit an­te­quam sus­ci­pe­ret iu­di­cium, ve­lit se ex­cu­sa­re, nec au­dien­dus est: se­mel enim ad­gnos­cen­do iu­di­cium re­nun­tiat ex­cu­sa­tio­ni. quod si post­ea ius­ta cau­sa in­ci­dit, ut iu­dex vel ad tem­pus ex­cu­se­tur, non de­bet in alium iu­di­cium trans­fer­ri, si cum cap­tio­ne id fu­tu­rum est al­ter­utrius. to­le­ra­bi­lius de­ni­que est in­ter­dum iu­di­cem qui se­mel co­gno­ve­rat tan­tis­per ex­spec­ta­re, quam iu­di­ci no­vo rem rur­sum iu­di­can­dam com­mit­te­re.

13Ulp. lib. XXIII. ad Ed. Der Prätor verspricht2121Im Edict. alle Die, bei welchen er erkennt, dass sie das Richter- [Geschwornen-] Amt nicht verwalten können, zu entschuldigen; weil vielleicht Jemand für immer dasselbe nicht zu verrichten vermag, wenn er in solche Krankheitsumstände verfällt, dass er gewiss keine bürgerlichen Aemter übernehmen kann, oder weil er an einer andern Krankheit leidet, weshalb er seinen Geschäften nicht vorstehen kann, oder wenn Jemand ein Priesteramt überkommen hat, das er Gewissens halber nicht verlassen kann; denn auch diese sind für immer entschuldigt. 1Es giebt zwei Arten der Befreiung von öffentlichen Diensten, eine umfassendere, welche sich auch auf den Kriegsdienst erstreckt, und eine beschränktere, wenn sie blos die Freiheit von [bürgerlichen] Diensten erhalten. 2Wer aber keine Entschuldigung hat, der muss auch wider seinen Willen Richter [Geschworner] werden. 3Wenn ein Richter [Geschworner] erst nach beendigtem Verfahren Entschuldigungen vorbringt, und zwar sich mit einem Vorrecht, das er schon vor Uebernahme des Richteramts gehabt hat, entschuldigen will, so ist er gar nicht zu hören; denn indem er einmal dieses Amt übernommen, hat er seiner Entschuldigung sich begeben; aber [auch] wenn später eine gegründete Ursache eintritt, die ihm, etwa auf eine Zeitlang, eine Entschuldigung verschafft, darf das Richteramt nicht auf einen Andern übertragen werden, sobald dies einer der beiden [Parteien] Nachtheil bringen würde; denn es ist erträglicher, dass der Richter, der einmal das Verfahren angehört hat, eine solche kurze Zeit sich gedulde, als dass die Sache einem neuen Richter zur nochmaligen Beurtheilung übergeben werde.

14Mo­des­ti­nus li­bro sep­ti­mo re­gu­la­rum. Ad ex­cu­sa­tio­nem mu­ne­rum de­func­tus fi­lius non pro­sit, prae­ter­quam in bel­lo amis­sus. 1Eo­dem tem­po­re idem duas cu­ras ope­ris non ad­mi­nis­tra­bit.

14Modestin. lib. VII. Regul. Ein verstorbener Sohn2222Fr. 2. §. 3. h. t. dient nicht zur Entschuldigung von [bürgerlichen] Diensten, er wäre denn im Krieg umgekommen. 1Zu derselben Zeit soll Einer zwei Besorgungen von Bauen nicht führen.