Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 50 übersetzt von Treitschke (Titel 1–15) und Schneider (Titel 16/17)
Dig. L14,
De proxeneticis
Liber quinquagesimus
XIV.

De proxeneticis

(Von Mäklerlöhnen.)

1Ul­pia­nus li­bro qua­dra­gen­si­mo se­cun­do ad Sa­binum. Pro­xe­ne­ti­ca iu­re li­ci­to pe­tun­tur.

1Ulp. lib. XLII. ad Sabin. Mäklerlöhne einzuklagen ist in Rechten verstattet.

2Idem li­bro tri­gen­si­mo pri­mo ad edic­tum. Si pro­xe­ne­ta in­ter­ve­ne­rit fa­cien­di no­mi­nis, ut mul­ti so­lent, vi­dea­mus an pos­sit qua­si man­da­tor te­ne­ri. et non pu­to te­ne­ri, quia hic mons­trat ma­gis no­men quam man­dat, tam­et­si lau­det no­men. idem di­co, et si ali­quid phi­lan­thro­pi no­mi­ne ac­ce­pe­rit: nec ex lo­ca­to con­duc­to erit ac­tio. pla­ne si do­lo et cal­li­di­ta­te cre­di­to­rum cir­cum­ve­ne­rit, de do­lo ac­tio­ne te­ne­bi­tur.

2Idem lib. XXXI. ad Ed. Wenn ein Mäkler die Abschliessung eines Darlehns vermittelt, wie viele pflegen, so ist zu untersuchen, ob er als Auftraggeber in Anspruch genommen werden könne? Und ich glaube nein, weil er vielmehr den Erborger nachweist, als einen Auftrag giebt, wenngleich er den Erborger lobt. Dasselbe sage ich auch dann, wenn er etwas als Belohnung empfangen hat, und man wird gegen ihn nicht die Miethklage anstellen können. Freilich wird er, wenn er den Gläubiger mit Arglist und Ränken hintergeht, durch die Gefährdeklage zu belangen sein.

3Idem li­bro oc­ta­vo de om­ni­bus tri­bu­na­li­bus. De pro­xe­ne­ti­co, quod et sor­di­dum, so­lent prae­si­des co­gnos­ce­re: sic ta­men, ut et in his mo­dus es­se de­beat et quan­ti­ta­tis et neg­otii, in quo ope­ru­la is­ta de­func­ti sunt et mi­nis­te­rium qua­le­qua­le ac­com­mo­da­ve­runt. fa­ci­lius quod Grae­ci ἑρμηνευτικὸν ap­pel­lant, pe­ti apud eos pot­erit, si quis for­te con­di­cio­nis vel ami­ci­tiae vel ad­ses­su­rae vel cu­ius al­te­rius hu­ius­ce­mo­di pro­xe­ne­ta fuit: sunt enim hu­ius­mo­di ho­mi­num (ut in tam mag­na ci­vi­ta­te) of­fi­ci­nae. est enim pro­xe­ne­ta­rum mo­dus, qui emp­tio­ni­bus ven­di­tio­ni­bus, com­mer­ciis, con­trac­ti­bus li­ci­tis uti­les non ad­eo im­pro­ba­bi­li mo­re se ex­hi­bent.

3Idem lib. VIII. de omn. Tribung. Ueber Mäklerlohn, was schmutzig ist, pflegen die Statthalter zu erkennen, doch so, dass auch hierin ein Maass gehalten werden muss, nach der Summe und dem Geschäft, in welchem sie [die Mäkler] diese kleine Mühwaltung getragen und irgend einen Dienst geleistet haben. Noch füglicher wird das, was die Griechen ἑρμηνευτικὸν11Dolmetscherlohn. nennen, bei ihnen eingeklagt werden können, wenn einer vielleicht eine Condition, eine freundschaftliche Verbindung, eine Assessur oder irgend etwas dergleichen verschafft hat. Denn es giebt in dieser so grossen Stadt Schreibstuben solcher Menschen. Es giebt nemlich eine bestimmte Zahl Mäkler, welche nach einer nicht eben zu misbilligenden Sitte bei Käufen, Verkäufen, Handelsgeschäften, [überhaupt] erlaubten Contracten gute Dienste leisten.