Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 50 übersetzt von Treitschke (Titel 1–15) und Schneider (Titel 16/17)
Dig. L13,
De variis et extraordinariis cognitionibus et si iudex litem suam fecisse dicetur
Liber quinquagesimus
XIII.

De variis et extraordinariis cognitionibus et si iudex litem suam fecisse dicetur

(Von ausserordentlichen1 Untersuchungen und wenn ein Richter der Parteilichkeit beschuldigt wird.)

1Solchen, die, der Dringlichkeit wegen, allein und ohne Geschworne (judices) vorzunehmen und zu führen dem Prätor oder Statthalter durch das Edict oder durch kaiserliche Verordnung vorbehalten ist. S. Zimmern a. a. O. Th. III. S. 276. §. 88.

1Ul­pia­nus li­bro oc­ta­vo de om­ni­bus tri­bu­na­li­bus. Prae­ses pro­vin­ciae de mer­ce­di­bus ius di­ce­re so­let, sed prae­cep­to­ri­bus tan­tum stu­dio­rum li­be­ra­lium. li­be­ra­lia au­tem stu­dia ac­ci­pi­mus, quae Grae­ci ἐλευθέρια ap­pel­lant: rhe­to­res con­ti­ne­bun­tur, gram­ma­ti­ci, geo­me­trae. 1Me­di­co­rum quo­que ea­dem cau­sa est quae pro­fes­so­rum, ni­si quod ius­tior, cum hi sa­lu­tis ho­mi­num, il­li stu­dio­rum cu­ram agant: et id­eo his quo­que ex­tra or­di­nem ius di­ci de­bet. 2Sed et ob­ste­tri­cem au­diant, quae uti­que me­di­ci­nam ex­hi­be­re vi­de­tur. 3Me­di­cos for­tas­sis quis ac­ci­piet et­iam eos, qui ali­cu­ius par­tis cor­po­ris vel cer­ti do­lo­ris sa­ni­ta­tem pol­li­cen­tur: ut pu­ta si au­ri­cu­la­rius, si fis­tu­lae vel den­tium. non ta­men si in­can­ta­vit, si in­pre­ca­tus est, si, ut vul­ga­ri ver­bo im­pos­to­rum utar, si exor­ci­za­vit: non sunt is­ta me­di­ci­nae ge­ne­ra, tam­et­si sint, qui hos si­bi pro­fuis­se cum prae­di­ca­tio­ne ad­fir­ment. 4An et phi­lo­so­phi pro­fes­so­rum nu­me­ro sint? et non pu­tem, non quia non re­li­gio­sa res est, sed quia hoc pri­mum pro­fi­te­ri eos opor­tet mer­cen­na­riam ope­ram sper­ne­re. 5Pro­in­de ne iu­ris qui­dem ci­vi­lis pro­fes­so­ri­bus ius di­cent: est qui­dem res sanc­tis­si­ma ci­vi­lis sa­pien­tia, sed quae pre­tio num­ma­rio non sit aes­ti­man­da nec de­ho­nes­tan­da, dum in iu­di­cio ho­nor pe­ti­tur, qui in in­gres­su sa­cra­men­ti of­fer­ri de­buit. quae­dam enim tam­et­si ho­nes­te ac­ci­pian­tur, in­ho­nes­te ta­men pe­tun­tur. 6Lu­di quo­que lit­te­ra­rii ma­gis­tris li­cet non sint pro­fes­so­res, ta­men usur­pa­tum est, ut his quo­que ius di­ca­tur: iam et li­bra­riis et no­ta­riis et cal­cu­la­to­ri­bus si­ve ta­bu­la­riis. 7Sed ce­te­ra­rum ar­tium opi­fi­ci­bus si­ve ar­ti­fi­ci­bus, quae sunt ex­tra lit­te­ras vel no­tas po­si­tae, ne­qua­quam ex­tra or­di­nem ius di­ce­re prae­ses de­be­bit. 8Sed et si com­ites sa­la­rium pe­tant, idem iu­ris est, quod in pro­fes­so­ri­bus pla­cet. 9Sed et ad­ver­sus ip­sos om­nes co­gnos­ce­re prae­ses de­bet, quia ut ad­ver­sus ad­vo­ca­tos ad­ean­tur, di­vi fra­tres re­scrip­se­runt. 10In ho­no­ra­riis ad­vo­ca­to­rum ita ver­sa­ri iu­dex de­bet, ut pro mo­do li­tis pro­que ad­vo­ca­ti fa­cun­dia et fo­ri con­sue­tu­di­ne et iu­di­cii, in quo erat ac­tu­rus, aes­ti­ma­tio­nem ad­hi­beat, dum­mo­do li­ci­tum ho­no­ra­rium quan­ti­tas non egre­dia­tur: ita enim re­scrip­to im­pe­ra­to­ris nos­tri et pa­tris eius con­ti­ne­tur. ver­ba re­scrip­ti ita se ha­bent: ‘Si Iu­lius Ma­ter­nus, quem pa­tro­num cau­sae tuae es­se vo­luis­ti, fi­dem sus­cep­tam ex­hi­be­re pa­ra­tus est, eam dum­ta­xat pe­cu­niam, quae mo­dum le­gi­ti­mum egres­sa est, re­pe­te­re de­bes’. 11Ad­vo­ca­tos ac­ci­pe­re de­be­mus om­nes om­ni­no, qui cau­sis agen­dis quo­quo stu­dio ope­ran­tur: non ta­men qui pro trac­ta­tu, non ad­fu­tu­ri cau­sis, ac­ci­pe­re quid so­lent, ad­vo­ca­to­rum nu­me­ro erunt. 12Si cui cau­tum est ho­no­ra­rium vel si quis de li­te pac­tus est, vi­dea­mus, an pe­te­re pos­sit. et qui­dem de pac­tis ita est re­scrip­tum ab im­pe­ra­to­re nos­tro et di­vo pa­tre eius: ‘Li­tis cau­sa ma­lo mo­re pe­cu­niam ti­bi pro­mis­sam ip­se quo­que pro­fi­te­ris. sed hoc ita11Die Großausgabe fügt ius ein. est, si sus­pen­sa li­te so­cie­ta­tem fu­tu­ri emo­lu­men­ti cau­tio pol­li­ce­tur. si ve­ro post cau­sam ac­tam cau­ta est ho­no­ra­ria sum­ma, pe­ti pot­erit us­que ad pro­ba­bi­lem quan­ti­ta­tem, et­si no­mi­ne pal­ma­rii cau­tum sit: sic ta­men, ut com­pu­te­tur id quod da­tum est cum eo quod de­be­tur ne­utrum­que com­po­si­tum li­ci­tam quan­ti­ta­tem ex­ce­dat.’ li­ci­ta au­tem quan­ti­tas in­tel­le­gi­tur pro sin­gu­lis cau­sis us­que ad cen­tum au­reos. 13Di­vus Se­ve­rus ab he­redi­bus ad­vo­ca­ti mor­tuo eo pro­hi­buit mer­ce­dem re­pe­ti, quia per ip­sum non ste­te­rat, quo mi­nus cau­sam age­ret. 14Ad nu­tri­cia quo­que of­fi­cium prae­si­dis vel prae­to­ris de­ve­nit: nam­que nu­tri­ces ob ali­mo­niam in­fan­tium apud prae­si­des quod si­bi de­be­tur pe­tunt. sed nu­tri­cia eo us­que pro­du­ce­mus, quo­ad in­fan­tes ube­ri­bus alun­tur: ce­te­rum post haec ces­sant par­tes prae­to­ris vel prae­si­dis. 15Haec om­nia si apud prae­si­des pe­tan­tur, vi­dea­mus an de mu­tuis pe­ti­tio­ni­bus pos­sunt prae­si­des co­gnos­ce­re. et pu­tem de­be­re ad­mit­ti.

1Ulp. lib. VIII. de omnibus Tribun. Der Statthalter der Provinz pflegt über Löhne zu erkennen, aber nur für Lehrer freier Wissenschaften (studia liberalia.) Unter freien Wissenschaften versteht man aber diejenigen, welche die Griechen ἐλευθέρια μαθήματα heissen; dahin gehören Rhetoren, Grammatiker, Geometer. 1Auch die Aerzte haben denselben Anspruch wie die Professoren, ja noch gerechter, da sie für die Gesundheit, jene [nur] für den Unterricht der Menschen sorgen, und daher muss auch ihnen der ausserordentliche Rechtsweg gestattet werden. 2So soll man auch einer Hebamme, welche allerdings als Arzneikunde ausübend gelten muss, [auf diese Weise] Gehör geben. 3Als Aerzte könnte man vielleicht auch Diejenigen betrachten, welche die Heilung eines gewissen Theils des Körpers oder eines gewissen Schmerzes versprechen, z. B. für die Ohren, für Fisteln, für die Zähne. Nur nicht wenn ein solcher Zaubersänge oder Zaubersprüche angewendet, wenn er, dass ich den gewöhnlichen Ausdruck der Betrüger brauche, exorcisirt hat; denn das sind keine Arten ärztlicher Behandlung, obwohl es Leute giebt, die mit Lobeserhebungen behaupten, dass dergleichen Menschen ihnen geholfen haben. 4Ob auch die Philosophen unter die Professoren gerechnet werden? Ich glaube nein; nicht weil die Sache22Die Philosophie. irreligiös wäre, sondern weil sie vor allen dieses lehren (profiteri) müssen, Dienste für Lohn unter ihrer Würde zu halten. 5Daher hat man auch den Professoren des bürgerlichen Rechts [diesen] Rechtsweg nicht zu eröffnen; denn die Rechtskenntniss ist zwar eine sehr ehrwürdige Sache, aber von der Art, dass sie durch einen Geldpreis nicht geschätzt noch durch Einklagung des Ehrensolds, der beim Eintritt ins Heiligthum33Sacramentum; welches Wort in dieser Bedeutung wohl selten vorkommen möchte. hätte dargeboten werden sollen, vor Gericht, herabgewürdigt werden darf; denn Manches kann, wenn es gleich ehrbarerweise genommen werden mag, doch nicht mit Ehren gefodert werden. 6Lehrer in [Kinder-]Schulen sind zwar nicht Professoren; doch ist herkömmlich, dass auch diesen [auf diese Weise] Recht gesprochen wird; so auch jetzt den Bücherabschreibern, Notaren und Rechnungsführern oder Buchhaltern. 7Den Werkleuten oder Künstlern andrer Gewerbe aber, die mit Buchstaben und Schrift nichts zu thun haben, hat der Prätor keinesweges ausserordentlicherweise Recht zu sprechen. 8Auch wenn die Begleiter44Die wissenschaftlichen Männer, die zum Dienste eines Statthalters ihm in die Provinz gefolgt sind und bei ihm leben. Fr. 9. de off. praes. 1. 18. fr. 4. de off. assess. 1. 22. (comites) ihren Gehalt einklagen, gilt dasselbe, was bei den Professoren angenommen ist. 9Aber auch wider alle diese muss der Prator [eben so] erkennen. An wen aber man gegen Advocaten sich zu wenden hat, haben die kaiserlichen Brüder55S. o. Note 11. rescribirt. 10Wegen der Honorare der Advocaten muss der Richter so verfahren, dass er nach der Grösse des Rechtsstreits, nach der Beredsamkeit des Advocaten und nach dem Gerichtsbrauche, sowie [insbesondere] der Gewohnheit des Gerichts, vor welchem derselbe zu handeln hatte, eine Schätzung vornehme, doch so, dass der Betrag den des erlaubten Honorars nicht übersteige; denn dieses besagt ein Rescript unsers Kaisers66Caracalla. und seines Vaters. Die Worte desselben lauten folgendermaassen: Wenn Julius Maternus, den du zum Rechtsbeistand in deinem Processe erwählt hast, das [deshalb] ertheilte Versprechen zu erfüllen bereit ist, so darfst du nur so viel Geld, als über das gesetzliche Maass ansteigt, zurückfodern. 11Als Advocaten sind überhaupt alle Diejenigen zu betrachten, welche durch irgend eine Bemühung in Führung der Rechtssachen thätig sind, doch sind solche, die für eine schriftliche Ausführung etwas zu bekommen pflegen, nicht aber der Rechtsverhandlung selbst beiwohnen sollen, nicht unter die Advocaten zu rechnen. 12Wenn einem ein Honorar verschrieben (cautum) ist, oder einer für den Process sich etwas bedungen hat, kann er darauf klagen? Wegen der Verträge hat unser Kaiser und sein erlauchter Vater so rescribirt: Was du auch selbst bekennst, dass für einen Process dir Geld versprochen worden sei, ist ein Misbrauch. Dies ist aber von dem Fall zu verstehen, wenn in einer Verschreibung während anhängigen Processes Antheil am zukünftigen Gewinn versprochen wird; ist aber nach Führung des Processes eine Summe als Honorar verschrieben worden, so kann sie bis auf den zu billigenden Betrag eingeklagt werden, wenngleich sie als Siegespreis (palmarium) verschrieben ist, doch so dass das bereits Gezahlte und das Verschriebene zusammengerechnet werden und beide zusammen den erlaubten Betrag nicht übersteigen dürfen. Der erlaubte Betrag besteht aber in hundert Goldstücken für jeden Process. 13Kaiser Severus verbot nach dem Tode eines Advocaten, von seinen Erben den Lohn77Den vorausbezahlten, für den er, durch den Tod verhindert, nichts gethan hat. zurückzufodern, weil es nicht seine Schuld war, dass er den Process nicht geführt hatte. 14Auch auf Ammenlöhne erstreckt sich das Amt des Statthalters oder Prätors; nemlich Ammen klagen, was sie wegen Ernährung von Kindern zu fodern haben, vor dem Statthalter oder Prätor ein. Das Ammenlohn ist aber nur soweit auszudehnen, als die Kinder an der Brust genährt werden; nachher hingegen hat der Prätor oder Statthalter nichts mehr damit zu thun. 15Können nun bei allen diesen Dingen, wenn sie vor den Statthaltern eingeklagt werden, diese auch wegen der Gegenklagen erkennen? Ich halte dies für zulässig.

2Idem li­bro pri­mo opi­nio­num. De usu aquae, de ri­vis no­vis in­ci­vi­li­ter in­sti­tu­tis, item de equis alie­nis a scien­te pos­ses­sis fe­tu­que ea­rum, et de dam­no da­to per im­mis­sos in prae­dium suum uni­ver­sos ho­mi­nes eos, qui in plu­rium prae­dia dis­tri­bui de­bue­runt, si mo­do id non ex auc­to­ri­ta­te eius qui iu­be­re po­tuit fac­tum est, prae­si­dem pro­vin­ciae do­ce­ri opor­te­re re­spon­sum est, ut is se­cun­dum rei ae­qui­ta­tem et iu­ris­dic­tio­nis or­di­nem con­ve­nien­tem for­mam rei det.

2Ulp. lib. I. Opin. Ueber den Gebrauch von Wasser, über neue nachtheiligerweise (inciviliter) angelegte Gerinne (rivi), so auch über fremde Stuten, die Jemand wissentlich besitzt und deren Fohlen und über den Schaden, der dadurch entstanden, dass Leute, die in mehrere Güter hatten vertheilt werden sollen, sämmtlich in Ein Gut einquartirt worden sind, sobald dies nicht auf Anordnung Dessen, der es befehlen konnte, geschehen ist, muss, zufolge ertheilter Gutachten, dem Statthalter der Provinz Vortrag geschehen, damit derselbe nach Billigkeit und nach der Gerichtsverfassung der Sache die gebührende Maasse gebe.

3Idem li­bro quin­to opi­nio­num. Si me­di­cus, cui cu­ran­dos suos ocu­los qui eis la­bo­ra­bat com­mi­se­rat, pe­ri­cu­lum amit­ten­do­rum eo­rum per ad­ver­sa me­di­ca­men­ta in­fe­ren­do com­pu­lit, ut ei pos­ses­sio­nes suas con­tra fi­dem bo­nam ae­ger ven­de­ret: in­ci­vi­le fac­tum prae­ses pro­vin­ciae co­er­ceat rem­que re­sti­tui iu­beat.

3Ad Dig. 50,13,3Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. II, § 388, Note 15.Idem lib. V. Opin. Wenn der Arzt, dem ein Augenkranker seine Augen zur Heilung anvertraut hatte, denselben durch Anwendung entgegengesetzter Arzneien in Gefahr gesetzt hat, sie zu verlieren, und ihn so dazu getrieben hat, als Kranker seine Besitzungen auf eine der Redlichkeit widerstreitende Weise an ihn zu verkaufen, so soll der Statthalter der Provinz diese pflichtwidrige (incivile) Handlung ahnden und die Wiedererstattung der Sache anordnen.

4Pau­lus li­bro quar­to ad Plau­tium. Di­vus An­to­ni­nus Pius re­scrip­sit iu­ris stu­dio­sos, qui sa­la­ria pe­te­bant, haec ex­ige­re pos­se.

4Paul. lib. IV. ad Plaut. Kaiser Antoninus Pius hat rescribirt, dass Rechtsbeflissene,88S. Zimmern a. a. O. Th. I. S. 252. welche auf Salare klagen, dieselben zu fodern befugt seien.

5Cal­lis­tra­tus li­bro pri­mo de co­gni­tio­ni­bus. Co­gni­tio­num nu­me­rus cum ex va­riis cau­sis de­scen­dat, in ge­ne­ra di­vi­di fa­ci­le non pot­est, ni­si sum­ma­tim di­vi­da­tur. nu­me­rus er­go co­gni­tio­num in quat­tuor fe­re ge­ne­ra di­vi­di pot­est: aut enim de ho­no­ri­bus si­ve mu­ne­ri­bus ge­ren­dis agi­ta­tur, aut de re pe­cu­nia­ria dis­cep­ta­tur, aut de ex­is­ti­ma­tio­ne ali­cu­ius co­gnos­ci­tur, aut de ca­pi­ta­li cri­mi­ne quae­ri­tur. 1Ex­is­ti­ma­tio est dig­ni­ta­tis in­lae­sae sta­tus, le­gi­bus ac mo­ri­bus com­pro­ba­tus, qui ex de­lic­to nos­tro auc­to­ri­ta­te le­gum aut mi­nui­tur aut con­su­mi­tur. 2Mi­nui­tur ex­is­ti­ma­tio, quo­tiens ma­nen­te li­ber­ta­te cir­ca sta­tum dig­ni­ta­tis poe­na plec­ti­mur: sic­uti cum rele­ga­tur quis vel cum or­di­ne mo­ve­tur vel cum pro­hi­be­tur ho­no­ri­bus pu­bli­cis fun­gi vel cum ple­be­ius fus­ti­bus cae­di­tur vel in opus pu­bli­cum da­tur vel cum in eam cau­sam quis in­ci­dit, quae edic­to per­pe­tuo in­fa­miae cau­sa enu­me­ra­tur. 3Con­su­mi­tur ve­ro, quo­tiens mag­na ca­pi­tis mi­nutio in­ter­ve­nit, id est cum li­ber­tas ad­imi­tur: vel­uti cum aqua et ig­ni in­ter­di­ci­tur, quae in per­so­na de­por­ta­to­rum eve­nit, vel cum ple­be­ius in opus me­tal­li vel in me­tal­lum da­tur: ni­hil enim re­fert, nec di­ver­sa poe­na est ope­ris et me­tal­li, ni­si quod re­fu­gae ope­ris non mor­te, sed poe­na me­tal­li sub­iciun­tur.

5Callistrat. lib. I. de cognition. Die Cognitionen99Die ausserordentlichen Erörterungen mit rascherem Verfahren, wovon in diesem Titel die Rede ist. können, da sie auf verschiedene Ursachen sich gründen, nicht leicht in Classen getheilt werden, wenn man nicht blos obenhin eintheilt. Alle Cognitionen können nun ziemlich in vier Classen getheilt werden; es wird nemlich dabei entweder von Uebernahme der Ehrenstellen und [bürgerlichen] Dienste1010In den Municipien. gehandelt, oder um Geldangelegenheiten gestritten, oder über die Ehre eines Menschen Erörterung angestellt, oder wegen eines Capitalverbrechens Untersuchung geführt. 1Die Ehre (existimatio) ist der Zustand unverletzter Würde, welcher auf Gesetze und Sitten sich stützt, welcher aber durch ein Verbrechen den Gesetzen nach entweder geschmälert oder vernichtet wird. 2Geschmälert wird die Ehre, wenn man, unbeschadet der Freiheit, eine Strafe am Zustand seiner Würde leidet, wie wenn Jemand verwiesen, oder aus dem Rathe (Decurionenstande) gestossen, oder von Verwaltung öffentlicher Ehrenämter ausgeschlossen, oder wenn ein Unadelicher (plebejus) mit Stockschlägen oder Zwangsarbeit bestraft wird, oder wenn Jemand in eine solche Lage kommt, welche in dem bleibenden Edict1111S. Zimmern a. a. O. S. 119. als Ursache der Ehrlosigkeit angegeben ist.1212S. B. III. Tit. 2. 3Vernichtet wird die Ehre, so oft die grosse Capitisdeminution eintritt, das heisst, wenn Einem die Freiheit genommen wird, z. B. wenn er von Wasser und Feuer ausgeschlossen wird, was bei den Deportirten stattfindet, oder wenn ein Unadelicher zur Bergwerksarbeit oder in das Bergwerk1313D. h. unter diejenigen Sträflinge, die das Bergwerk nicht verliessen. verurtheilt wird; denn es ist da kein Unterschied und die Strafe der [Bergwerks]arbeit von der des Bergwerks nicht verschieden, ausser dass die von der Arbeit Entflohenen nicht zum Tode, sondern ins Bergwerk verurtheilt werden.

6Gaius li­bro ter­tio re­rum cot­ti­dia­na­rum si­ve au­reo­rum. Si iu­dex li­tem suam fe­ce­rit, non pro­prie ex ma­le­fi­cio ob­li­ga­tus vi­de­tur: sed quia ne­que ex con­trac­tu ob­li­ga­tus est et uti­que pec­cas­se ali­quid in­tel­le­gi­tur, li­cet per in­pru­den­tiam, id­eo vi­de­tur qua­si ex ma­le­fi­cio te­ne­ri in fac­tum ac­tio­ne, et in quan­tum de ea re ae­quum re­li­gio­ni iu­di­can­tis vi­sum fue­rit, poe­nam sus­ti­ne­bit.

6Gaj. lib. III. Rerum quotidian. sive Aureor. Wenn ein Richter parteiisch geurtheilt hat, so ist er nicht eigentlich als aus einem Verbrechen verbindlich zu betrachten; weil er aber auch aus keinem Contracte verpflichtet ist, und doch offenbar sich vergangen hat, wenn auch aus Unvorsichtigkeit, darum erscheint er gleichsam wegen Vergehens mit der Klage aus dem Geschehenen belangbar und muss Strafe leiden, so viel der Urtheilende nach seinem Gewissen für billig hält.