Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 50 übersetzt von Treitschke (Titel 1–15) und Schneider (Titel 16/17)
Dig. L10,
De operibus publicis
Liber quinquagesimus
X.

De operibus publicis

(Von öffentlichen Bauen.)

1Ul­pia­nus li­bro se­cun­do opi­nio­num. Cu­ra­tor ope­rum crea­tus prae­scrip­tio­ne mo­tus ab ex­cu­sa­tio­ne per­fe­ren­da sic­uti ces­sa­tio­nis no­mi­ne, in qua quo­ad vi­vit mo­ra­tus est, he­redes suos ob­li­ga­tos re­li­quit, ita tem­po­ris, quod post mor­tem eius ces­sit, nul­lo one­re eos ob­strin­xit. 1Cu­ram ope­ris aquae duc­tus in alio iam mu­ne­re con­sti­tu­tus post­ea sus­ce­pe­rat. prae­pos­te­re vi­sus est pe­te­re ex­one­ra­ri prio­re utris­que iam im­pli­ci­tus, quan­do, si al­te­rum tan­tum sus­ti­ne­re eum opor­tuis­set, an­te pro­ba­bi­lius im­pe­tras­set prop­ter prius mu­nus a se­quen­ti ex­cu­sa­tio­nem.

1Ulp. lib. II. Opin. Wer zum Besorger (curator) öffentlicher Baue erwählt worden und mit einer dawider gebrauchten Entschuldigung wegen entgegenstehenden Einwands nicht durchgekommen ist, der hinterlässt seine Erben zwar wegen der Verzögerung, in der er bis zum Lebensende verharret hat, verantwortlich, nicht aber hat er ihnen wegen der Zeit, die nach seinem Tode verflossen ist, irgend eine Last aufgelegt. 1Jemand hatte, während er schon eine andere Verrichtung auf sich hatte, noch die Besorgung des Baues einer Wasserleitung übernommen. Seine dann angebrachte Bitte, ihn der frühern Verrichtung zu entledigen, wurde, da er in beiden schon begriffen war, für verkehrt geachtet, indem er, wenn ihm nur eine davon auf sich zu haben gebührt hätte, leichter vorher wegen des erstern Amtes Befreiung von dem zweiten erlangt haben würde.

2Idem li­bro ter­tio opi­nio­num. Qui li­be­ra­li­ta­te, non ne­ces­si­ta­te de­bi­ti, red­itus suos in­ter­im ad ope­ra fi­nien­da con­ces­sit, mu­ni­fi­cen­tiae suae fruc­tum de in­scrip­tio­ne no­mi­nis sui ope­ri­bus, si qua fe­ce­rit, ca­pe­re per in­vi­diam non pro­hi­be­tur. 1Cu­ra­to­res ope­rum cum red­emp­to­ri­bus neg­otium ha­bent, res pu­bli­ca au­tem cum his, quos ef­fi­cien­do ope­ri prae­sti­tuit. qua­te­nus er­go et quis et cui ob­stric­tus est, aes­ti­ma­tio prae­si­dis pro­vin­ciae est. 2Ne eius no­mi­ne, cu­ius li­be­ra­li­ta­te opus ex­struc­tum est, era­so alio­rum no­mi­na in­scri­ban­tur et prop­ter­ea re­vo­cen­tur si­mi­les ci­vium in pa­trias li­be­ra­li­ta­tes, prae­ses pro­vin­ciae auc­to­ri­ta­tem suam in­ter­po­nat.

2Idem lib. III. Opin. Wer aus gutem Willen, nicht aus Schuldverpflichtung, zu Vollendung öffentlicher Baue, auf die Zeit ihrer Dauer (interim) seine Einkünfte hergegeben hat, dem darf nicht aus Neid verwehrt werden, den Lohn seiner Freigebigkeit durch Anschreibung seines Namens an die von ihm errichteten Gebäude zu geniessen. 1Die Besorger der Baue halten sich an die Gedingeunternehmer derselben, das Gemeinwesen aber an Diejenigen, die es der Ausführung des Baues vorgesetzt hat; inwiefern also Jemand, und wer, und gegen wen er verbindlich sei, hat der Statthalter der Provinz zu ermessen. 2Der Statthalter der Provinz hat durch sein Ansehen zu verhüten, dass nicht der Name Dessen, durch dessen Freigebigkeit ein Bau aufgeführt worden ist, ausgelöscht und Anderer Namen dafür hingeschrieben, deshalb11Konnte eine solche Schenkung wegen dieser Art von Undankbarkeit widerrufen werden? Wohl nicht; sondern es sind wohl schon errichtete letzte Willensverordnungen anderer Bürger zum Besten des Gemeinwesens gemeint, welche durch diesen Undank abgeschreckt, dieselben zurücknehmen könnten. aber dergleichen Freigebigkeiten der Bürger gegen ihre Vaterstadt widerrufen werden.

3Ma­cer li­bro se­cun­do de of­fi­cio prae­si­dis. Opus no­vum pri­va­to et­iam si­ne prin­ci­pis auc­to­ri­ta­te fa­ce­re li­cet, prae­ter­quam si ad ae­mu­la­tio­nem al­te­rius ci­vi­ta­tis per­ti­neat vel ma­te­riam sed­itio­nis prae­beat vel cir­cum thea­trum vel am­phi­thea­trum sit. 1Pu­bli­co ve­ro sump­tu opus no­vum si­ne prin­ci­pis auc­to­ri­ta­te fie­ri non li­ce­re con­sti­tu­tio­ni­bus de­cla­ra­tur. 2In­scri­bi au­tem no­men ope­ri pu­bli­co al­te­rius quam prin­ci­pis aut eius, cu­ius pe­cu­nia id opus fac­tum sit, non li­cet.

3Macer lib. II. de off. Praes. Einen neuen Bau zu unternehmen ist einem Privatmann auch ohne Genehmigung des Fürsten erlaubt, ausser wenn derselbe auf Wetteifer mit einer andern Stadt berechnet ist, oder Anlass zum Aufruhr giebt, oder in der Nähe eines Theaters oder Amphitheaters stehen soll. 1Dass hingegen auf öffentliche Kosten ein Neubau ohne Genehmigung des Fürsten nicht unternommen werden darf, ist in [kaiserlichen] Verordnungen ausgesprochen. 2Den Namen eines Andern als des Fürsten, oder Dessen, von dessen Gelde ein Gebäude errichtet ist, auf dieses zu setzen, ist nicht erlaubt.

4Mo­des­ti­nus li­bro un­de­ci­mo pan­dec­ta­rum. Nec prae­si­dis qui­dem no­men li­ce­bit su­per­scri­be­re.

4Modestin. lib. XI. Pand. Auch nicht einmal der Name des Statthalters darf darauf gesetzt werden.

5Ul­pia­nus li­bro sin­gu­la­ri de of­fi­cio cu­ra­to­ris rei pu­bli­cae. Si le­ga­tum vel fi­dei­com­mis­sum fue­rit ad opus re­lic­tum, usu­rae quae et quan­do in­ci­piant de­be­ri, re­scrip­to di­vi Pii ita con­ti­ne­tur. ‘Si qui­dem dies non sit ab his, qui sta­tuas vel ima­gi­nes po­nen­das le­ga­ve­runt, prae­fi­ni­tus, a prae­si­de pro­vin­ciae tem­pus sta­tuen­dum est: et ni­si po­sue­rint he­redes, usu­ras le­vio­res in­tra sex men­ses, si mi­nus, sem­is­ses usu­ras rei pu­bli­cae pen­dant. si ve­ro dies da­tus est, pe­cu­niam de­po­nant in­tra diem, si aut non in­ve­ni­re se sta­tuas di­xe­rint aut lo­co con­tro­ver­siam fe­ce­rint: sem­is­ses pro­ti­nus pen­dant’. 1Fi­nes pu­bli­cos a pri­va­tis de­ti­ne­ri non opor­tet. cu­ra­bit igi­tur prae­ses pro­vin­ciae, si qui pu­bli­ci sunt, a pri­va­tis se­pa­ra­re et pu­bli­cos po­tius red­itus au­ge­re: si qua lo­ca pu­bli­ca vel ae­di­fi­cia in usus pri­va­to­rum in­ve­ne­rit, aes­ti­ma­re, utrum­ne vin­di­can­da in pu­bli­cum sint an vec­ti­gal eis sa­tius sit im­po­ni, et id, quod uti­lius rei pu­bli­cae in­tel­le­xe­rit, se­qui.

5Ulp. lib. sing. de off. curat. reipubl. Welche Zinsen und von wenn sie zu laufen anfangen, wenn ein Vermächtniss oder Fideicommiss zu einem Baue hinterlassen ist, enthält ein Rescript des Kaisers Pius folgendermaassen: Wenn von Denjenigen, welche zu Aufstellung von Statuen oder Bildern vermacht haben, keine Frist bestimmt worden ist, so muss der Statthalter der Provinz eine solche setzen, und wenn die Erben solche nicht aufstellen, so sollen sie während sechs Monaten geringere, widrigenfalls22Wenn sie auch in diesen sechs Monaten den Willen des Erblassers nicht erfüllen. aber ein halb Procent33Monatlich; also sechs Prozent. Zinsen dem Gemeinwesen erlegen. Ist aber eine Frist bestimmt, so sollen sie das Geld binnen dieser Frist niederlegen; würden sie auch vorgeben, die Bildsäulen nicht auftreiben zu können, oder wegen des Ortes Streit erheben, so sollen sie sofort ein halb Procent Zinsen entrichten. 1Die Grenzen einer Gemeinde dürfen nicht im Besitze von Privatpersonen sein. Der Statthalter der Provinz hat also dafür zu sorgen, dass die etwanigen Gemeindegrenzen von denen der Privatgrundstücke gesondert und die öffentlichen Einkünfte vielmehr vergrössert werden; auch wenn er Plätze oder Gebäude der Gemeinden in dem Gebrauche von Privatpersonen findet, zu erwägen, ob sie für die Gemeinde zurückzufodern seien, oder ob es besser sei, jenen eine Abgabe aufzulegen, und sodann Das, was er für die Gemeinde am nützlichsten findet, zu befolgen.

6Mo­des­ti­nus li­bro un­de­ci­mo pan­dec­ta­rum. De ope­ri­bus, quae in mu­ris vel por­tis vel re­bus pu­bli­cis fiunt, aut si mu­ri ex­struan­tur, di­vus Mar­cus re­scrip­sit prae­si­dem ad­itum con­su­le­re prin­ci­pem de­be­re.

6Modestin. lib. XI. Pand. In Bezug auf Baue, welche an [Stadt-]Mauern, Thoren und [andern] öffentlichen Dingen vorgenommen werden, sowie auf die Erbauung von Mauern, hat Kaiser Marcus rescribirt, dass ein Statthalter, der deshalb angegangen worden, bei dem Fürsten anfragen müsse.

7Cal­lis­tra­tus li­bro se­cun­do de co­gni­tio­ni­bus. Pe­cu­niam, quae in ope­ra no­va le­ga­ta est, po­tius in tu­te­lam eo­rum ope­rum quae sunt con­ver­ten­dam, quam ad in­choan­dum opus ero­gan­dam di­vus Pius re­scrip­sit: sci­li­cet si sa­tis ope­rum ci­vi­tas ha­beat et non fa­ci­le ad re­fi­cien­da ea pe­cu­nia in­ve­nia­tur. 1Si quis opus ab alio fac­tum ad­or­na­re mar­mo­ri­bus vel alio quo mo­do ex vo­lun­ta­te po­pu­li fac­tu­rum se pol­li­ci­tus sit, no­mi­nis pro­prii ti­tu­lo scri­ben­do: ma­nen­ti­bus prio­rum ti­tu­lis, qui ea ope­ra fe­cis­sent, id fie­ri de­be­re se­na­tus cen­suit. quod si pri­va­ti in ope­ra, quae pu­bli­ca pe­cu­nia fiant, ali­quam de suo ad­ie­ce­rint sum­mam, ita ti­tu­lo in­scrip­tio­nis uti eos de­be­re is­dem man­da­tis ca­ve­tur, ut quan­tam sum­mam con­tu­le­rint in id opus, in­scri­bant.

7Callistrat. lib. II. de cognition. Kaiser Pius hat rescribirt: Geld, welches zu Neubauen vermacht worden, müsse lieber zur Erhaltung der schon bestehenden Gebäude angewendet, als für den Anfang eines Baues ausgegeben werden, wenn nemlich die Stadt genug Gebäude hat und zu deren Ausbesserung nicht leicht Geld aufzutreiben ist. 1Wenn Jemand ein von einem Andern errichtetes Gebäude mit Marmor zu verzieren oder sonst Etwas nach den Willen des Volkes zu machen verheissen hat, doch so, dass sein Name daran geschrieben werde, so muss, dies hat der Senat beschlossen, solches so geschehen, dass die Inschriften der Namen der Uebrigen, die selbige Gebäude erbaut haben, stehen bleiben. Haben Privatleute zu Bauen, die auf öffentliche Kosten geschehen, aus ihren Mitteln eine Summe beigesteuert, so soll nach denselben Befehlen ihnen der Gebrauch der Inschrift insoweit zustehen, dass sie auf das Gebäude setzen können, welche Summen sie dazu beigetragen haben.