Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 49 übersetzt von Feust unter Redaction von Sintenis
Dig. XLIX3,
Quis a quo appelletur
Liber quadragesimus nonus
III.

Quis a quo appelletur

(An wen von dem [Unterrichter] appellirt werden muss.)

1Ul­pia­nus li­bro pri­mo de ap­pel­la­tio­ni­bus. Quod di­ci­tur eum ap­pel­la­ri, qui de­dit iu­di­cem, sic ac­ci­pien­dum est, ut et suc­ces­sor eius pos­sit ap­pel­la­ri. pro­in­de et si prae­fec­tus ur­bi iu­di­cem de­de­rit vel prae­to­rio, ip­se erit pro­vo­can­dus, qui eum de­de­rit iu­di­cem. 1Ab eo, cui quis man­da­vit iu­ris­dic­tio­nem, non ip­se pro­vo­ca­bi­tur: nam ge­ne­ra­li­ter is erit pro­vo­can­dus ab eo cui man­da­ta est iu­ris­dic­tio, qui pro­vo­ca­re­tur ab eo qui man­da­vit iu­ris­dic­tio­nem.

1Ulp. lib. I. de Appellat. Die Rechtsregel, dass an Denjenigen die Berufung geht, welcher einen Richter bestellt hat, ist so zu verstehen, dass auch an dessen Nachfolger appellirt werden kann. Wenn demnach der Präfect der Stadt Rom oder der Praefectus Praetorio einen Richter bestellt hat, so muss auch an Denjenigen selbst appellirt werden, welcher diesen zum Richter bestellt hat. 1Von Demjenigen, welchem Jemand seine Gerichtsbarkeit übertragen hat, wird nicht an den [Uebertrager] appellirt werden; denn überhaupt wird von Dem, welchem eine Gerichtsbarkeit übertragen worden ist, an Denjenigen appellirt werden müssen, an welchen die Berufung von Dem gehen würde, der die Gerichtsbarkeit übertragen hat.

2Ve­nu­leius Sa­tur­ni­nus li­bro se­cun­do de of­fi­cio pro­con­su­lis. Ap­pel­la­ri a le­ga­tis pro­con­sul pot­est, et, si mul­tam di­xe­rit, pot­est de in­iqui­ta­te eius pro­con­sul co­gnos­ce­re et quod op­ti­mum pu­ta­ve­rit sta­tue­re.

2Venulej. Saturnin. lib. II. de off. Procons. Von den Legaten kann an den Proconsul appellirt werden, und wenn derselbe eine Strafe dictirt hat, so kann der Proconsul über seine Unbilligkeit Untersuchung anstellen, und was er für das Beste erachtet, anordnen.

3Mo­des­ti­nus li­bro oc­ta­vo re­gu­la­rum. Da­to iu­di­ce a ma­gis­tra­ti­bus po­pu­li Ro­ma­ni cu­ius­cum­que or­di­nis, et­iam­si ex auc­to­ri­ta­te prin­ci­pis li­cet no­mi­na­tim iu­di­cem de­cla­ran­tis de­de­rint, ip­si ta­men ma­gis­tra­tus ap­pel­la­bun­tur.

3Modestin. lib. VIII. Regul. Ist von Staatsbeamten des römischen Volks, von welchem Rang es immer sein mag, ein Richter bestellt worden, so wird dennoch, wenn dieselben gleich auf Befehl des Kaisers, und obschon dieser den Richter namentlich bezeichnete, den Richter bestellt haben, an die Staatsbeamten selbst appellirt werden müssen.