Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 49 übersetzt von Feust unter Redaction von Sintenis
Dig. XLIX13,
Si pendente appellatione mors intervenerit
Liber quadragesimus nonus
XIII.

Si pendente appellatione mors intervenerit

(Wenn während schwebender Berufung der Tod des [Appellanten] eingetreten.)

1Ma­cer li­bro se­cun­do de ap­pel­la­tio­ni­bus. Ap­pel­la­to­re de­func­to, si qui­dem si­ne he­rede, cu­ius­cum­que ge­ne­ris ap­pel­la­tio fuit, eva­nes­cit. quod si ap­pel­la­to­ri he­res ex­ti­te­rit, si qui­dem nul­lius al­te­rius in­ter­est cau­sas ap­pel­la­tio­nis red­di, co­gen­dus non est per­age­re ap­pel­la­tio­nem: si ve­ro fis­ci vel al­te­rius, con­tra quem ap­pel­la­tum est, in­ter­est, he­res cau­sas ap­pel­la­tio­nis red­de­re ne­ces­se ha­bet. nul­lius au­tem in­ter­est, vel­uti cum si­ne ad­emp­tio­ne bo­no­rum rele­ga­tus est. nam si ad­emp­tis bo­nis rele­ga­tus vel in in­su­lam de­por­ta­tus vel in me­tal­lum da­tus pro­vo­ca­tio­ne in­ter­po­si­ta de­ces­se­rit, im­pe­ra­tor nos­ter Ale­xan­der Plae­to­rio mi­li­ti ita re­scrip­sit: ‘Quam­vis pen­den­te ap­pel­la­tio­ne mor­te rei cri­men ex­tinc­tum sit, da­ta ta­men et­iam de par­te bo­no­rum eius sen­ten­tia pro­po­ni­tur, ad­ver­sus quam non ali­ter is, qui emo­lu­men­tum suc­ces­sio­nis ha­bet, op­ti­ne­re pot­est, quam si in red­den­dis cau­sis ap­pel­la­tio­nis in­iqui­ta­tem sen­ten­tiae de­te­xe­rit’. 1Tu­tor quo­que in neg­otio pu­pil­li ap­pel­la­tio­ne in­ter­po­si­ta si de­ces­se­rit, he­redem eius cau­sas ap­pel­la­tio­nis red­de­re ne­ces­se est, et­iam­si ra­tio­nes tu­te­lae he­res red­di­de­rit, quia suf­fi­cit mor­tis tem­po­re ad cau­sas ap­pel­la­tio­nis red­den­das ob­li­ga­tum fuis­se. sed di­vi Se­ve­rus et An­to­ni­nus re­scrip­se­runt non co­gen­dum tu­to­rem post ra­tio­nes red­di­tas cau­sas ap­pel­la­tio­num red­de­re.

1Macer lib. II. de Appellat. Ist der Appellant gestorben, und zwar ohne einen Erben zu hinterlassen, so erlischt die Appellation, von welcher Gattung auch dieselbe gewesen sein mag. Wenn der Appellant einen Erben hinterlassen und kein Anderer ein Interesse dabei hat, dass die Appellation ausgeführt werde, so kann derselbe nicht gezwungen werden, die Appellation fortzusetzen; hat aber der Fiscus oder ein Dritter ein Interesse, so muss der Erbe die Appellation durchführen. Es hat aber Keiner ein [solches] Interesse, wenn [Jemand] z. B. ohne Einziehung seines Vermögens verwiesen worden ist. Denn ist Jemand mit Einziehung seines Vermögens verwiesen, oder auf eine Insel deportirt, oder zu Bergwerksarbeit verurtheilt worden und nach Einwendung der Berufung gestorben, [von diesem Falle] hat unser Kaiser Alexander an den Soldaten Pletorius also rescribirt: „Obgleich während des Schwebens der Appellation durch den Tod des Angeklagten das Verbrechen erloschen ist, so ist doch hier das Urtheil auch über einen Theil seines Vermögens gefällt, und hiergegen kann Derjenige, welcher den Vortheil der Erbfolge hat,11D. h. der Erbe. nur alsdann obsiegen, wenn er durch Ausführung der Appellation die Unbilligkeit des Urtheils dargethan hat.“ 1Auch wenn ein Vormund, nachdem er in einer Rechtssache seines Mündels die Appellation eingewendet, gestorben ist, muss dessen Erbe die Appellationsbeschwerden ausführen, wenngleich der Erbe die Vormundschaftsrechnung [schon] abgelegt hat, weil es genügt, dass der [Erblasser] zur Zeit seines Todes zur Ausführung der Appellationsbeschwerden verpflichtet gewesen. Aber Divus Severus und Divus Antoninus haben rescribirt, nach Ablegung der Rechnung könne der Vormund nicht gezwungen werden, die Appellationsbeschwerden auszuführen.