Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 48 übersetzt von Sintenis
Dig. XLVIII23,
De sententiam passis et restitutis
Liber quadragesimus octavus
XXIII.

De sententiam passis et restitutis

(Von Denen, die ein Erkenntniss erlitten und wieder in den vorigen Stand eingesetzt worden sind.)

1Ul­pia­nus li­bro tri­gen­si­mo oc­ta­vo ad edic­tum. Ad suc­ces­sio­nem li­ber­ti pa­tro­nus de­por­ta­tus et re­sti­tu­tus ad­mit­ti­tur. 1Sed si in me­tal­lum dam­na­tus re­sti­tua­tur, num­quid ser­vi­tus poe­nae ex­tin­guat ius pa­tro­na­tus et­iam post re­sti­tu­tio­nem? et ma­gis est, ut non ex­tin­guat ser­vi­tus ius pa­tro­na­tus.

1Ulp. lib. XXXVIII. ad Ed. Der Deportirte und wieder in den vorigen Stand eingesetzte Freilasser wird zur Beerbung des Freigelassenen zugelassen. 1Wenn er aber zu Bergwerksarbeit verurtheilt und wieder in den vorigen Stand eingesetzt worden ist, macht die Strafsclaverei das Freilasserrecht auch nach der Wiedereinsetzung noch erlöschen? Es spricht mehr dafür, dass die Sclaverei das Freilasserrecht nicht erlöschen mache.

2Idem li­bro quin­to opi­nio­num. Si de­por­ta­tus re­sti­tu­tus dig­ni­ta­tem qui­dem in­dul­gen­tia prin­ci­pis re­ci­pe­ra­vit, in sua au­tem om­nia bo­na non est re­sti­tu­tus, nec a cre­di­to­ri­bus nec pu­bli­co no­mi­ne con­ve­ni­ri pot­est. sed cum ei fa­cul­tas ob­la­ta es­set a prin­ci­pe bo­na quo­que sua re­ci­pe­ran­di, ma­lue­rit ea de­relin­que­re, ac­tio­ni­bus ex­ue­re se, qui­bus an­te sen­ten­tiam sub­iec­tus fue­rat, non pot­erit.

2Idem lib. V. Opin. Wenn der in den vorigen Stand wiedereingesetzte Deportirte zwar durch die Gnade des Kaisers seine Würde wiedererhalten hat, allein in sein gesammtes Vermögen nicht wiedereingesetzt worden ist, so kann er weder von seinen Gläubigern, noch im öffentlichen Namen belangt werden. Wenn ihm aber vom Kaiser die Befugniss angeboten worden ist, auch sein Vermögen zurückzunehmen, und er es lieber hat wollen im Stich lassen, so kann er sich den Klagen die vor dem Erkenntniss wider ihn stattfanden, nicht entschlagen.

3Pa­pi­nia­nus li­bro sex­to de­ci­mo re­spon­so­rum. In in­su­lam de­por­ta­ti bo­na fis­cus poe­na re­mis­sa re­ti­nuit: cre­di­to­res ex an­te ges­to non ha­be­re cum eo qui de­bi­tor quon­dam fuit ac­tio­nes con­sti­tit. quod si bo­na cum dig­ni­ta­tis re­sti­tu­tio­ne con­ces­sa re­ci­pe­ra­ve­rit, uti­les ac­tio­nes ne­ces­sa­riae non erunt, cum et di­rec­tae com­pe­tunt.

3Papin. lib. XVI. Respons. Der Fiscus behielt das Vermögen eines auf eine Insel Deportirten, nachdem ihm die Strafe erlassen worden war. Hier galt, dass die Gläubiger aus früher herrührenden Geschäften wider den einstigen Schuldner keine Klagen haben. Hat er hingegen mit der Wiedererlangung seiner Würde sein ihm zugestandenes Vermögen wiedererhalten, so werden keine analoge Klagen nöthig sein, da die unmittelbaren selbst zuständig sind.

4Pau­lus li­bro sep­ti­mo de­ci­mo quaes­tio­num. In me­tal­lum dam­na­ta mu­lier eum quem prius con­ce­pe­rat edi­dit, de­in­de a prin­ci­pe re­sti­tu­ta est. hu­ma­nius di­ce­tur et­iam co­gna­tio­nis iu­ra huic re­sti­tu­ta vi­de­ri.

4Paul. lib. XVII. Quaest. Eine zur Bergwerksarbeit verurtheilte Frau gebar ein [früher] empfangenes Kind; darauf ward sie vom Kaiser in den vorigen Stand wiedereingesetzt; humaner ist hier die Ansicht, dass auch die Verwandtschaftsrechte als ihr wieder hergestellt erscheinen.