Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 48 übersetzt von Sintenis
Dig. XLVIII12,
De lege Iulia de annona
Liber quadragesimus octavus
XII.

De lege Iulia de annona

(Vom Julischen Gesetze über Vor- und Aufkauf1.)

1Annona, eigentlich Getreide, heisst hier soviel, als aller Lebensbedarf und Nahrungsmittel im Allgemeinen; indessen versteht man ja auch im Deutschen den obigen Ausdruck, für denn an allen dgl. Sachen, obschon man nur Kornaufkauf u. s. w. sagt. Tittmann a. a. O. §. 555.

1Mar­cia­nus li­bro se­cun­do in­sti­tu­tio­num. Con­sti­tit in­ter ser­vum et do­mi­num iu­di­cium, si an­no­nam pu­bli­cam frau­das­se di­cat do­mi­num.

1Marcian. lib. II. Inst. Zwischen Sclaven und Herrn findet ein Verfahren statt, wenn Ersterer angiebt, Letzterer habe in Ansehung des zum öffentlichen Gebrauch bestimmten Getreides eine verbrecherische Handlung begangen.

2Ul­pia­nus li­bro no­no de of­fi­cio pro­con­su­lis. Le­ge Iu­lia de an­no­na poe­na sta­tui­tur ad­ver­sus eum, qui con­tra an­no­nam fe­ce­rit so­cie­ta­tem­ve co­ie­rit, quo an­no­na ca­rior fiat. 1Ea­dem le­ge con­ti­ne­tur, ne quis na­vem nau­tam­ve re­ti­neat aut do­lo ma­lo fa­ciat, quo ma­gis de­ti­nea­tur: 2Et poe­na vi­gin­ti au­reo­rum sta­tui­tur.

2Ulp. lib. IX. de off. Procons. Durch das Julische Gesetz über den Vor- und Aufkauf wird wider Denjenigen eine Strafe verhängt, wer eine kornwucherliche Handlung begangen, und eine Gesellschaft eingegangen ist, um das Korn theurer zu machen. 1In demselben Gesetze ist gesagt, es solle Niemand ein Schiff oder einen Schiffer zurückhalten, oder arglistigerweise bewirken, dass dies geschehe. 2Und es wird eine Strafe von zwanzig Goldstücken bestimmt.

3Pa­pi­rius Ius­tus li­bro pri­mo de con­sti­tu­tio­ni­bus. Im­pe­ra­to­res An­to­ni­nus et Ve­rus Au­gus­ti in haec ver­ba re­scrip­se­runt: ‘mi­ni­me ae­quum est de­cu­rio­nes ci­vi­bus suis fru­men­tum vi­lius quam an­no­na ex­igit ven­de­re’. 1Item scrip­se­runt ius non es­se or­di­ni cu­ius­que ci­vi­ta­tis pre­tium gra­ni quod in­ve­ni­tur sta­tue­re. item in haec ver­ba re­scrip­se­runt: ‘Et­si non so­lent hoc ge­nus nun­tia­tio­nis mu­lie­res ex­er­ce­re, ta­men quia de­mons­tra­tu­ram te quae ad uti­li­ta­tem an­no­nae per­ti­nent pol­li­ce­ris, prae­fec­tum an­no­nae do­ce­re potes’.

3Papir. Just. lib. I. de Const. Die Kaiser Antoninus und Verus haben folgendermaassen rescribirt: Es ist unbillig, dass die Decurionen ihren Mitbürgern das Getreide unter dem Marktpreis verkaufen [sollen]22S. l. 8. ad Mun. annona ist hier der Marktpreis, s. Heinecc. Zus. ad Brisson. h. v.. 1Sie rescribirten ferner, es habe der Decurionenstand der Städte kein Recht, den Preis des Korns, welches zugeführt wird, zu bestimmen. Auch haben sie rescribirt: Wenngleich Weiber diese Art von Anzeigen in der Regel nicht zu machen pflegen, so kannst du dennoch dem Präfecten des Kornmarktes Anzeige machen, weil du versprichst, Beweise beibringen zu wollen, die zum Besten des Kornmarkts dienen.