Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 47 übersetzt von Sintenis
Dig. XLVII9,
De incendio ruina naufragio rate nave expugnata
Liber quadragesimus septimus
IX.

De incendio ruina naufragio rate nave expugnata

(Von [dem bei einer] Feuersbrunst, Einsturz, Schiffbruch [oder einem] erstürmten Flosse oder Schiffe [Geraubten].)

1Ul­pia­nus li­bro quin­qua­gen­si­mo sex­to ad edic­tum. Prae­tor ait: ‘In eum, qui ex in­cen­dio rui­na nau­fra­gio ra­te na­ve ex­pug­na­ta quid ra­puis­se re­ce­pis­se do­lo ma­lo dam­ni­ve quid in his re­bus de­dis­se di­ce­tur: in qua­dru­plum in an­no, quo pri­mum de ea re ex­per­i­un­di po­tes­tas fue­rit, post an­num in sim­plum iu­di­cium da­bo. item in ser­vum et in fa­mi­liam iu­di­cium da­bo’. 1Hu­ius edic­ti uti­li­tas evi­dens et ius­tis­si­ma se­ve­ri­tas est, si qui­dem pu­bli­ce in­ter­est ni­hil ra­pi ex hu­ius­mo­di ca­si­bus. et quam­quam sint de his fa­ci­no­ri­bus et­iam cri­mi­num exe­cu­tio­nes, at­ta­men rec­te prae­tor fe­cit, qui fo­ren­ses quo­que ac­tio­nes cri­mi­ni­bus is­tis prae­po­suit. 2‘Ex in­cen­dio’ quem­ad­mo­dum ac­ci­pi­mus, utrum ex ip­so ig­ne an ve­ro ex eo lo­co, ubi in­cen­dium fit? et me­lius sic ac­ci­pie­tur prop­ter in­cen­dium, hoc est prop­ter tu­mul­tum in­cen­dii vel tre­pi­da­tio­nem in­cen­dii, ra­pit: quem­ad­mo­dum so­le­mus di­ce­re in bel­lo amis­sum, quod prop­ter cau­sam bel­li amit­ti­tur. pro­in­de si ex ad­ia­cen­ti­bus prae­diis, ubi in­cen­dium fie­bat, rap­tum quid sit, di­cen­dum sit edic­to lo­cum es­se, quia ve­rum est ex in­cen­dio ra­pi. 3Item rui­nae ap­pel­la­tio re­fer­tur ad id tem­pus, quo rui­na fit, non tan­tum si ex his quae rue­runt tu­le­rit quis, sed et­iam si ex ad­ia­cen­ti­bus. 4Si su­spi­cio fuit in­cen­dii vel rui­nae, in­cen­dium vel rui­na non fuit, vi­dea­mus, an hoc edic­tum lo­cum ha­beat. et ma­gis est, ne ha­beat, quia ne­que ex in­cen­dio ne­que ex rui­na quid rap­tum est. 5Item ait prae­tor: ‘si quid ex nau­fra­gio’. hic il­lud quae­ri­tur, utrum, si quis eo tem­po­re tu­le­rit, quo nau­fra­gium fit, an ve­ro et si alio tem­po­re, hoc est post nau­fra­gium­que: nam res ex nau­fra­gio et­iam hae di­cun­tur, quae in li­to­re post nau­fra­gium ia­cent. et ma­gis est, ut de eo tem­po­re.

1Ulp. lib. LVI. ad Ed. Der Prätor sagt: Wider Den, der von einer Feuersbrunst, einem Einsturz, Schiffbruch, oder erstürmten Flosse oder Schiffe Etwas geraubt, arglistig an sich genommen, oder einen Schaden dabei angerichtet haben soll, werde ich in dem Jahre von da an, sobald die Möglichkeit zur Klagenerhebung vorhanden war, eine Klage auf das Vierfache, nach Jahresfrist auf das Einfache ertheilen. Ingleichen werde ich gegen einen Sclaven und Gesinde die Klage ertheilen. 1Der Nutzen dieses Edicts ist einleuchtend und seine Strenge gerecht, indem es das öffentliche Beste interessirt, dass in diesen Fällen nichts geraubt werde. Wenngleich nun wegen dergleichen Schandthaten auch peinliche Untersuchungen stattfinden, so hat dennoch der Prätor Recht gethan, der für jene Verbrechen auch civilrechtliche Klagen begründete. 2Von einer Feuersbrunst, wie haben wir dies zu verstehen? Vom Feuer selbst, oder von der Stätte, wo der Brand ist? Richtiger versteht man dies von einem Raube bei Gelegenheit der Feuersbrunst, d. h. des Tumults oder der stattfindenden Besorgniss bei einer Feuersbrunst, gleichwie man Das im Kriege verloren benennt, zu dessen Verlust der Krieg die Veranlassung gewesen. Deshalb ist auch als Regel aufzustellen, dass, wenn aus den benachbarten Grundstücken [von dem], wo die Feuersbrunst statthatte, geraubt worden, dieses Edict auch statthabe, weil es in der That von einer Feuersbrunst geraubt worden ist. 3So wird auch die Benennung Einsturz auf diejenige Zeit bezogen, wo der Einsturz geschieht, und zwar nicht blos wenn Jemand etwas von Dem11d. h. von der Stelle, von den Ruinen., was eingestürzt ist, fortgetragen hat, sondern auch wenn von den anliegenden [Gebäuden]. 4Wenn blos die Besorgniss einer Feuersbrunst oder eines Einsturzes vorhanden war, aber weder die erste noch der letzte erfolgt ist, hat dann dieses Edict auch statt? Es spricht mehr für die Verneinung, weil dann weder von einer Feuersbrunst noch von einem Einsturz Etwas geraubt worden ist. 5Der Prätor sagt ferner: wenn Etwas von einem Schiffbruch. Hier ist es die Frage, ob, Jemand etwas zu der Zeit davongetragen, wo der Schiffbruch geschieht, oder aber auch zu einer andern Zeit, d. h. nach dem Schiffbruch? Denn Sachen aus einem Schiffbruch werden auch diejenigen genannt, die nach einem Schiffbruch an der Küste liegen. Und es spricht mehr dafür, dass nur zu zu jener Zeit,

2Gaj. lib. XXI. ad Ed. prov. und an der Stelle,

3Ul­pia­nus li­bro quin­qua­gen­si­mo sex­to ad edic­tum. quo nau­fra­gium fit vel fac­tum est, si quis ra­pue­rit, in­ci­dis­se in hoc edic­tum vi­dea­tur. qui au­tem rem in li­to­re ia­cen­tem, post­ea quam nau­fra­gium fac­tum est, abs­tu­lit, in ea con­di­cio­ne est, ut ma­gis fur sit quam hoc edic­to te­n­ea­tur, quem­ad­mo­dum is, qui quod de ve­hi­cu­lo ex­ci­dit tu­lit. nec ra­pe­re vi­de­tur, qui in li­to­re ia­cen­tem tol­lit. 1De­in­de ait prae­tor ‘ra­te na­vi ex­pug­na­ta’. ex­pug­na­re vi­de­tur, qui in ip­so qua­si proe­lio et pug­na ad­ver­sus na­vem et ra­tem ali­quid ra­pit, si­ve ex­pug­net si­ve prae­do­ni­bus ex­pug­nan­ti­bus ra­piat. 2La­beo scri­bit ae­quum fuis­se, ut, si­ve de do­mo si­ve in vil­la ex­pug­na­tis ali­quid ra­pia­tur, huic edic­to lo­cus sit: nec enim mi­nus in ma­ri quam in vil­la per la­trun­cu­los in­quie­ta­mur vel in­fes­ta­ri pos­su­mus. 3Non tan­tum au­tem qui ra­puit, ve­rum is quo­que, qui re­ce­pit ex cau­sis su­pra scrip­tis, te­ne­tur, quia re­cep­to­res non mi­nus de­lin­quunt quam ad­gres­so­res. sed enim ad­di­tum est ‘do­lo ma­lo’, quia non om­nis qui re­ci­pit sta­tim et­iam de­lin­quit, sed qui do­lo ma­lo re­ci­pit. quid enim, si igna­rus re­ci­pit? aut quid, si ad hoc re­ce­pit, ut cus­to­di­ret sal­va­que fa­ce­ret ei qui amis­se­rat? uti­que non de­bet te­ne­ri. 4Non so­lum au­tem qui ra­puit, sed et qui abs­tu­lit vel amo­vit vel dam­num de­dit vel re­ce­pit, hac ac­tio­ne te­ne­tur. 5Aliud es­se au­tem ra­pi, aliud amo­ve­ri pa­lam est, si qui­dem amo­ve­ri ali­quid et­iam si­ne vi pos­sit: ra­pi au­tem si­ne vi non pot­est. 6Qui eiec­ta na­ve quid ra­puit, hoc edic­to te­ne­tur. ‘eiec­ta’ hoc est quod Grae­ci aiunt ἐξεβράσθη. 7Quod ait prae­tor de dam­no da­to, ita de­mum lo­cum ha­bet, si do­lo dam­num da­tum sit: nam si do­lus ma­lus ab­sit, ces­sat edic­tum. quem­ad­mo­dum er­go pro­ce­dit, quod La­beo scri­bit, si de­fen­den­di mei cau­sa vi­ci­ni ae­di­fi­cium or­to in­cen­dio dis­si­pa­ve­rim, et meo no­mi­ne et fa­mi­liae iu­di­cium in me dan­dum? cum enim de­fen­den­da­rum mea­rum ae­dium cau­sa fe­ce­rim, uti­que do­lo ca­reo. pu­to igi­tur non es­se ve­rum, quod La­beo scri­bit. an ta­men le­ge Aqui­lia agi cum hoc pos­sit? et non pu­to agen­dum: nec enim in­iu­ria hoc fe­cit, qui se tue­ri vo­luit, cum alias non pos­set. et ita Cel­sus scri­bit. 8Se­na­tus con­sul­tum Clau­dia­nis tem­po­ri­bus fac­tum est, ut, si quis ex nau­fra­gio cla­vos vel unum ex his abs­tu­le­rit, om­nium re­rum no­mi­ne te­n­ea­tur. item alio se­na­tus con­sul­to ca­ve­tur eos, quo­rum frau­de aut con­si­lio nau­fra­gi sup­pres­si per vim fuis­sent, ne na­vi vel ibi pe­ri­cli­tan­ti­bus opi­tu­len­tur, le­gis Cor­ne­liae, quae de si­ca­riis la­ta est, poe­nis ad­fi­cien­dos: eos au­tem, qui quid ex mi­ser­ri­ma nau­fra­go­rum for­tu­na ra­puis­sent lu­cra­ti­ve fuis­sent do­lo ma­lo, in quan­tum edic­to prae­to­ris ac­tio da­re­tur, tan­tum et fis­co da­re de­be­re.

3Ulp. lib. LVI. ad Ed. wo der Schiffbruch geschieht, oder geschehen ist, wer Etwas raubt, diesem Edicte als verfallen betrachtet wird. Wer aber eine am Ufer liegende Sache, nachdem der Schiffbruch geschehen, fortgetragen hat, der ist vielmehr ein Dieb, als dass er durch dieses Edict gehalten würde, gerade wie Der, der etwas vom Wagen Gefallenes aufgehoben hat; auch kann Derjenige nicht als raubend betrachtet werden, der eine am Ufer liegende Sache aufgehoben hat. 1Nachher sagt der Prätor: von einem erstürmten Flosse oder Schiffe. Erstürmen heisst es von Dem, der gleichsam in einer Schlacht und einem Kampfe selbst wider ein Floss oder Schiff Etwas raubt, er mag es selbst erstürmen, oder es durch erstürmende Räuber rauben. 2Labeo sagt: es sei billig gewesen, dass dieses Edict auch zur Anwendung komme, wenn Etwas in einem erstürmenden Hause oder Landhause geraubt werde; denn man kann ja in seinem Landhause ebensowohl wie zur See durch Strassenräuber beunruhigt oder angefallen werden. 3Nicht blos aber, wer Etwas geraubt, sondern auch Der, wer Etwas an sich genommen hat, haftet aus den vorgedachten Ursachen, weil die Hehler so gut ein Verbrechen begehen, wie die Räuber. Es ist aber hinzugesetzt: arglistigerweise, weil nicht Jeder, wer Etwas an sich nimmt, verbrecherisch handelt, sondern wer es arglistig an sich nimmt. Denn wie, wenn er es an sich genommen, ohne davon zu wissen, oder wenn er es zu dem Ende an sich genommen, um es zu bewachen, und Demjenigen zu erhalten, der es verloren hatte? dann kann er keinen Falls haften. 4Es haftet übrigens durch diese Klage nicht blos der Räuber, sondern auch wer Etwas fortgetragen, entwendet, oder einen Schaden gestiftet, oder verhehlt hat. 5Es ist ein klarer Unterschied zwischen Rauben und Entfremden, indem Letzteres auch ohne Gewalt geschehen kann, Ersteres aber ohne Gewalt unmöglich ist. 6Wer Etwas aus einem gescheiterten Schiffe geraubt hat, der haftet durch dieses Edict. Gescheitert ist das, was die Griechen ἐξεβράσθη22S. Bynkershoek Obs. VI. 25. nennen. 7Was der Prätor vom gestifteten Schaden sagt, hat nur dann statt, wenn ein Schaden arglistigerweise gestifet worden ist; denn wenn Arglist fehlt, so fällt das Edict weg. Wie kann also Das, was Labeo sagt, zur Anwendung kommen: wenn ich bei einem entstandenen Brande, um mein Haus zu schützen, das Haus meines Nachbars eingerissen habe, so könne in meinem und meines Gesindes Namen Klage wider mich ertheilt werden? Wenn ich es nemlich zum Schutz meines Gebäudes gethan habe, so bin ich ganz ausser Arglist; ich halte daher die Behauptung des Labeo für unrichtig. Kann wider einen Solchen aber aus dem Aquilischen Gesetze Klage erhoben werden? Ich glaube nein, denn wer sich hat schützen wollen, der hat dies nicht aus Ungerechtigkeit gethan, da er ja nicht anders konnte; dies sagt Celsus. 8Es ist zu den Zeiten des Kaiser Claudius ein Senatsbeschluss errichtet worden, dass, wer von einem gescheiterten Schiffe die [beiden] Steuerruder oder eines fortgeschleppt habe, Namens aller [darauf befindlichen] Sachen hafte. So wird ferner durch einen andern Senatsbeschluss verordnet, dass Diejenigen, durch deren List oder Anschläge Schiffbrüchige gewaltsam festgehalten worden sind33S. u. Anm. zu l. 3. §. 4. ad L. C. de sicar., sodass sie dem Schiffe oder den darauf Bedroheten nicht helfen sollten, mit den Strafen des Cornelischen Gesetzes, welches über die Mörder erlassen worden, zu belegen seien, Diejenigen aber, die von den schiffbrüchigen Gütern Etwas geraubt, und arglistigerweise genommen haben, ebensoviel dem Fiscus zu geben schuldig sein sollen, auf wie hoch durch das Edict des Prätors Klage ertheilt würde.

4Pau­lus li­bro quin­qua­gen­si­mo quar­to ad edic­tum. Pe­dius pos­se et­iam di­ci ex nau­fra­gio ra­pe­re, qui, dum nau­fra­gium fiat, in il­la tre­pi­da­tio­ne ra­piat. 1Di­vus An­to­ni­nus de his, qui prae­dam ex nau­fra­gio di­ri­puis­sent, ita re­scrip­sit: ‘Quod de nau­fra­giis na­vis et ra­tis scrip­sis­ti mi­hi, eo per­ti­net, ut ex­plo­res, qua poe­na ad­fi­cien­dos eos pu­tem, qui di­ri­puis­se ali­qua ex il­lo pro­ban­tur. et fa­ci­le, ut opi­nor, con­sti­tui pot­est: nam plu­ri­mum in­ter­est, peritu­ra col­le­ge­rint an quae ser­va­ri pos­sint fla­gi­tio­se in­va­se­rint. id­eo­que si gra­vior prae­da vi ad­pe­ti­ta vi­de­bi­tur, li­be­ros qui­dem fus­ti­bus cae­sos in tri­en­nium rele­ga­bis aut, si sor­di­dio­res erunt, in opus pu­bli­cum eius­dem tem­po­ris da­bis: ser­vos fla­gel­lis cae­sos in me­tal­lum dam­na­bis. si non mag­nae pe­cu­niae res fue­rint, li­be­ros fus­ti­bus, ser­vos fla­gel­lis cae­sos di­mit­te­re poteris’. et om­ni­no ut in ce­te­ris, ita hu­ius­mo­di cau­sis ex per­so­na­rum con­di­cio­ne et re­rum qua­li­ta­te di­li­gen­ter sunt aes­ti­man­dae, ne quid aut du­rius aut re­mis­sius con­sti­tua­tur, quam cau­sa pos­tu­la­bit. 2Hae ac­tio­nes he­redi­bus dan­tur. in he­redes ea­te­nus dan­dae sunt, qua­te­nus ad eos per­ve­nit.

4Paul. lib. LIV. ad Ed. Pedius [sagt]: Man könne auch Denjenigen als Räuber von einem Schiffbruch benennen, der, bevor es zum Schiffbruch gekommen, während der stattfindenden Besorgniss raubt. 1Der Kaiser Antoninus hat über Diejenigen, die Beute aus einem Schiffe geraubt haben, so rescribirt: Was du Mir von schiffbrüchigen Schiffen und Flössen berichtet hast, läuft auf die Anfrage an Mich hinaus, mit welcher Strafe ich Diejenigen zu belegen meine, die Etwas daraus geraubt zu haben überführt werden. Dies lässt sich meinem Erachten nach leicht finden; denn es ist ein grosser Unterschied, ob sie Etwas eingesammelt haben, was verloren gegangen sein würde, oder schändlicherweise sich Dessen bemächtigt haben, was noch erhalten werden konnte. Ist nun der Fall von der Art, dass eine bedeutende Beute gewaltsamerweise gemacht worden ist, so wirst du die Freien, nachdem sie vorher mit körperlicher Züchtigung durch Ausprügeln belegt worden, auf drei Jahre verweisen, wenn es aber Menschen der ärmeren44Sordidior, s. Brisson. Classe sind, auf ebenso lange Zeit öffentliche Strafarbeit verrichten lassen, Sclaven aber nach vorheriger Auspeitschung zur Bergwerksarbeit verurtheilen; wenn hingegen der Gegenstand von unbedeutendem Werthe gewesen, so kannst du die Freien ausprügeln, und die Sclaven auspeitschen und dann laufen lassen. Wie überhaupt in allen andern, so auch in Fällen dieser Art, wird nach den Verhältnissen der Personen und den Umständen die Strafe sorgsam abgewogen, damit nichts härter oder gelinder bestimmt werde, als es die Sache erfodert. 2Es werden diese Klagen auch den Erben ertheilt, wider die Erben dürfen sie aber nur insofern ertheilt werden, als Etwas an sie gelangt ist.

5Gaius li­bro vi­cen­si­mo pri­mo ad edic­tum pro­vin­cia­le. Si quis ex nau­fra­gio vel ex in­cen­dio rui­na­ve ser­va­tam rem et alio lo­co po­si­tam sub­tra­xe­rit aut ra­pue­rit, fur­ti sci­li­cet aut alias vi bo­no­rum rap­to­rum iu­di­cio te­ne­tur, ma­xi­me si non in­tel­le­ge­bat ex nau­fra­gio vel in­cen­dio rui­na­ve eam es­se. ia­cen­tem quo­que rem ex nau­fra­gio, quae fluc­ti­bus ex­pul­sa sit, si quis abs­tu­le­rit, ple­ri­que idem pu­tant. quod ita ve­rum est, si ali­quod tem­pus post nau­fra­gium in­ter­ces­se­rit: alio­quin si in ip­so nau­fra­gii tem­po­re id ac­ci­de­rit, ni­hil in­ter­est, utrum ex ip­so ma­ri quis­que ra­piat an ex nau­fra­giis an ex li­to­re. de eo quo­que, quod ex ra­te na­ve ex­pug­na­ta rap­tum sit, ean­dem in­ter­pre­ta­tio­nem ad­hi­be­re de­be­mus.

5Gaj. lib. XXI. ad Ed. prov. Wer eine aus einer Feuersbrunst, einem Schiffbruche oder Einsturz gerettete, und wo anders hingestellte Sache entwendet, oder geraubt hat, der haftet wegen Diebstahls oder sonst durch die Klage wegen Raubes, namentlich wenn er nicht wusste, dass dieselbe aus einer Feuersbrunst, einem Schiffbruch oder Einsturz herrühre. Auch wenn Jemand eine nach einem Schiffbruch daliegende, von den Wogen herausgeworfene Sache fortgetragen hat, glauben die Meisten dasselbe. Dies ist unter der Bedingung richtig, wenn einige Zeit nach dem Schiffbruch bereits verflossen ist; wenn es aber zur Zeit des Schiffbruchs selbst geschah, so ist es einerlei, ob Jemand den Raub auf dem Meere, auf dem schiffbrüchigen Schiffe oder am Ufer begeht. Auch müssen wir ganz dieselbe Auslegung von dem aus einem erstürmten Flosse oder Schiffe Geraubten zulassen.

6Cal­lis­tra­tus li­bro pri­mo edic­ti mo­ni­to­rii. Ex­pug­na­tur na­vis, cum spo­lia­tur aut mer­gi­tur aut dis­sol­vi­tur aut per­tun­di­tur aut fu­nes eius prae­ci­dun­tur aut ve­la con­scin­dun­tur aut an­co­rae in­vo­lan­tur de ma­re.

6Callistrat. lib. I. Ed. mon. Ein Schiff wird dann erstürmt, wenn es ausgeplündert, oder versenkt, oder auseinandergenommen, oder leckgemacht, oder seine Taue gekappt, seine Segel zerrissen, oder seine Anker aus dem Meere gestohlen werden.

7Idem li­bro se­cun­do quaes­tio­num. Ne quid ex nau­fra­giis di­ri­pia­tur vel quis ex­tra­neus in­ter­ve­niat col­li­gen­dis eis, mul­ti­fa­riam pro­spec­tum est. nam et di­vus Ha­d­ria­nus edic­to prae­ce­pit, ut hi, qui iux­ta li­to­ra ma­ris pos­si­dent, sci­rent, si quan­do na­vis vel in­fic­ta vel frac­ta in­tra fi­nes agri cu­ius­que fue­rit, ne nau­fra­gia di­ri­piant, in ip­sos iu­di­cia prae­si­des his, qui res suas di­rep­tas que­run­tur, red­di­tu­ros, ut quid­quid pro­ba­ve­rint ad­emp­tum si­bi nau­fra­gio, id a pos­ses­so­ri­bus re­ci­piant. de his au­tem, quos di­ri­puis­se pro­ba­tum sit, prae­si­dem ut de la­tro­ni­bus gra­vem sen­ten­tiam di­ce­re. ut fa­ci­lior sit pro­ba­tio hu­ius­mo­di ad­mis­si, per­mi­sit his et quid­quid pas­sos se hu­ius­mo­di que­run­tur, ad­ire prae­fec­tos et ad eum tes­ta­ri reos­que pe­te­re, ut pro mo­do cul­pae vel vinc­ti vel sub fi­de­ius­so­ri­bus ad prae­si­dem re­mit­tan­tur. a do­mi­no quo­que pos­ses­sio­nis, in qua id ad­mis­sum di­ca­tur, sa­tis ac­ci­pi, ne co­gni­tio­ni de­sit, prae­ci­pi­tur. sed nec in­ter­ve­ni­re nau­fra­giis col­li­gen­dis aut mi­li­tem aut pri­va­tum aut li­ber­tum ser­vum­ve prin­ci­pis pla­ce­re si­bi ait se­na­tus.

7Idem lib. II. Quaest. Damit nichts von schiffbrüchigen Gütern geraubt werde, oder ein Dritter sich damit befasse, dieselben zu sammeln, ist vielfach vorgesehen worden. Denn so hat z. B. Divus Hadrianus verordnet, dass die Grundbesitzer längs der Seeküste wissen sollen, dass, wenn innerhalb der Grenzen ihrer Aecker ein Schiff gestrandet oder gescheitert sei, sie das schiffbrüchige Gut nicht rauben dürfen, und die Präsidenten wider sie Denen Klagen ertheilen sollen, welche sich beklagen, dass ihnen das Ihrige geraubt worden sei, sodass dieselben Alles, wovon sie nachweisen können, dass es ihnen beim Schiffbruch genommen worden, von den Besitzern zurückerhalten sollen: über Diejenigen, von denen nachgewiesen wird, dass sie geraubt haben, fälle der Präsident ein hartes Urtheil wie gegen Strassenräuber. Zur Erleichterung des Beweises solcher That, hat er Denen, welche sich beklagen, etwas der Art erlitten zu haben, gestattet, die Präfecten anzugehen, bei denselben in Gegenwart von Zeugen55Scip. Gentil. Parerg. ad Pand. l. I. c. 25. (T. O. IV. 1299.) ihre Sache anzubringen, und zu fodern, dass die Angeschuldigten nach Maassgabe ihrer Schuld entweder gefesselt oder gegen Bürgschaftsbestellung zum Präsidenten geführt werden. Auch wird dem Eigenthümer der Besitzung, wo die That als geschehen angegeben wird, Bürgschaft zu bestellen auferlegt, sich bei der Untersuchung miteinzufinden66S. Bynkershoek Obs. VIII. 25. §. 8.. Auch, sagt der Senat, könne er es nicht gutheissen, wenn sich Soldaten, oder Privatleute, Freigelassene oder Sclaven des Kaisers mit dem Sammeln schiffbrüchiger Güter befassen.

8Ne­ra­tius li­bro se­cun­do re­spon­so­rum. Ra­tis vi flu­mi­nis in agrum meum de­la­tae non ali­ter po­tes­ta­tem ti­bi fa­cien­dam, quam si de prae­terito quo­que dam­no mi­hi ca­vis­ses.

8Nerat. lib. II. Respons. An ein durch die Gewalt des Stromes auf meinen Acker geworfenes Floss darfst du nicht eher Hand anlegen, als wenn du mir auch wegen des in der Vergangenheit liegenden Schadens Sicherheit bestellt hast.

9Gaius li­bro quar­to ad le­gem duo­de­cim ta­bu­la­rum. Qui ae­des acer­vum­ve fru­men­ti iux­ta do­mum po­si­tum con­bus­se­rit, vinc­tus ver­be­ra­tus ig­ni ne­ca­ri iu­be­tur, si mo­do sciens pru­dens­que id com­mi­se­rit. si ve­ro ca­su, id est neg­le­gen­tia, aut no­xiam sar­ci­re iu­be­tur aut, si mi­nus ido­neus sit, le­vius cas­ti­ga­tur. ap­pel­la­tio­ne au­tem ae­dium om­nes spe­cies ae­di­fi­cii con­ti­nen­tur.

9Gaj. lib. IV. ad leg. XII. Tab. Wer ein Haus oder einen Getreidehaufen, der sich in der Nähe eines Wohnhauses befindet, abgebrennt hat, der soll gebunden77Ders. I. 21. (vinctus, verberatus.) u. Radulph. Forner., ausgeprügelt und mit dem Feuer zu Tode gestraft werden, sobald er es wissentlich und vorsätzlich gethan; wenn aber durch einen Zufall, d. h. durch Nachlässigkeit, so soll er entweder zum Schadenersatz angehalten, oder, wenn er dies nicht vermag, mit einer leichten Züchtigung belegt werden. Unter der Benennung Haus sind alle Arten von Gebäuden begriffen.

10Ul­pia­nus li­bro pri­mo opi­nio­num. Ne pis­ca­to­res noc­te lu­mi­ne os­ten­so fal­lant na­vi­gan­tes, qua­si in por­tum ali­quem de­la­tu­ri, eo­que mo­do in pe­ri­cu­lum na­ves et qui in eis sunt de­du­cant si­bi­que exe­cran­dam prae­dam pa­rent, prae­si­dis pro­vin­ciae re­li­gio­sa con­stan­tia ef­fi­ciat.

10Ulp. lib. I. Opin. Der Provinzialpräsident wird mit gewissenhaftester Sorgfalt darauf achten, dass die Fischer nicht bei Nacht durch Aufsteckung von Lichtern, als wollten sie den Hafen anzeigen, die Schiffer betrügen, und dadurch Schiffe und Mannschaft in Gefahr stürzen, um eine fluchwürdige Beute zu machen.

11Mar­cia­nus li­bro quar­to de­ci­mo in­sti­tu­tio­num. Si for­tui­to in­cen­dium fac­tum sit, ve­nia ind­iget, ni­si tam la­ta cul­pa fuit, ut lu­xu­ria aut do­lo sit pro­xi­ma.

11Marcian. lib. XIV. Instit. Wenn zufälligerweise eine Feuersbrunst entstanden ist, so wird natürlich Verzeihung erfolgen, es müsste denn die Schuld so gross sein, dass sie an Schwelgerei88Luxuria, s. Ant. August. Emend. l. IV. c. 11. (T. O. IV. 1540.) oder Arglist grenzt.

12Ul­pia­nus li­bro oc­ta­vo de of­fi­cio pro­con­su­lis. Li­ce­re uni­cui­que nau­fra­gium suum im­pu­ne col­li­ge­re con­stat: id­que im­pe­ra­tor An­to­ni­nus cum di­vo pa­tre suo re­scrip­sit. 1Qui da­ta ope­ra in ci­vi­ta­te in­cen­dium fe­ce­rint, si hu­mi­lio­re lo­co sint, bes­tiis ob­ici so­lent: si in ali­quo gra­du id fe­ce­rint, ca­pi­te pu­niun­tur aut cer­te in in­su­lam de­por­tan­tur.

12Ulp. lib. VIII. de off. proc. Dass Jedem freistehe, sein schiffbrüchiges Gut ungestraft wieder zu sammeln, ist bekannt, und es hat dies der Kaiser Antoninus mit seinem Vater rescribirt. 1Wer absichtlich in einer Stadt Feuer angelegt hat, der soll, wenn er aus niedern Ständen ist, den wilden Thieren vorgeworfen, wenn er aber einigen Rang99Aliquo gradu. Wiel. Lect. l. II. c. 14. Jurisprud. rest. p. 241. (praet. ad. Reinold.) hat, mit dem Tode bestraft, oder wenigstens auf eine Insel deportirt werden.