Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 47 übersetzt von Sintenis
Dig. XLVII3,
De tigno iuncto
Liber quadragesimus septimus
III.

De tigno iuncto

(Vom verbauten Balken.)

1Ul­pia­nus li­bro tri­gen­si­mo sep­ti­mo ad edic­tum. Lex duo­de­cim ta­bu­la­rum ne­que sol­ve­re per­mit­tit tig­num fur­ti­vum ae­di­bus vel vi­neis iunc­tum ne­que vin­di­ca­re (quod pro­vi­den­ter lex ef­fe­cit, ne vel ae­di­fi­cia sub hoc prae­tex­tu di­ruan­tur vel vi­nea­rum cul­tu­ra tur­be­tur): sed in eum, qui con­vic­tus est iun­xis­se, in du­plum dat ac­tio­nem. 1Tig­ni au­tem ap­pel­la­tio­ne con­ti­ne­tur om­nis ma­te­ria, ex qua ae­di­fi­cium con­stet, vi­neae­que ne­ces­sa­ria. un­de qui­dam aiunt te­gu­lam quo­que et la­pi­dem et tes­tam ce­te­ra­que, si qua ae­di­fi­ciis sunt uti­lia (tig­na enim a te­gen­do dic­ta sunt), hoc am­plius et cal­cem et ha­re­nam tigno­rum ap­pel­la­tio­ne con­ti­ne­ri. sed et in vi­neis tig­ni ap­pel­la­tio­ne om­nia vi­neis ne­ces­sa­ria con­ti­nen­tur, ut pu­ta per­ti­cae pe­d­amen­ta. 2Sed et ad ex­hi­ben­dum dan­da est ac­tio: nec enim par­ci opor­tet ei, qui sciens alie­nam rem ae­di­fi­cio in­clu­sit vin­xit­ve: non enim sic eum con­ve­ni­mus qua­si pos­si­den­tem, sed ita, qua­si do­lo ma­lo fe­ce­rit, quo mi­nus pos­si­deat.

1Ad Dig. 47,3,1Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. I, § 188, Note 16.Ulp. lib. XXXVII. ad Ed. Das Zwölftafelgesetz gestattet weder die Herausnahme eines gestohlenen und in einem Hause oder Weinberge verbaueten Balkens, noch dessen Foderung mittels der Eigenthumsklage. Das Gesetz that dies mit wohlweiser Fürsicht, damit nicht Gebäude unter diesem Vorwande wieder müssen eingerissen, oder die Cultur der Weinberge gestört werden; allein wider den des Vorbauens Ueberführten ertheilt es eine Klage auf das Doppelte. 1Unter Balken (tignum) ist aber jedwedes Material begriffen, woraus ein Gebäude besteht, oder der zu einem Weinberge nothwendig ist. Daher sagen Einige, dass auch Ziegel, Steine und Backsteine11Testa, s. Cuj. Obs. IX. 26. und alles Uebrige, was sonst zu Gebäuden nützlich ist (denn das Wort tignum kommt von tegere (bedecken) her), also auch Kalk und Sand unter der Benennung Balken mit verstanden werde. Ebenso ist unter der Benennung Balken in Bezug auf Weinberge alles dazu Erforderliche begriffen, wie z. B. Latten22Perticae, s. l. 168. de v. s. (Weidengerten zum Anbinden? und Pfahle. 2Es muss aber auch die Klage auf Auslieferung ertheilt werden, denn es darf Derjenige nicht geschont werden, der wissentlich in ein Gebäude eine fremde Sache eingeschlossen und befestigt hat; man greift ihn nemlich nicht als Besitzer an, sondern als habe er es durch Arglist dahingebracht, dass er nicht mehr besitze.

2Idem li­bro qua­dra­gen­si­mo se­cun­do ad Sa­binum. Sed si pro­po­nas tig­ni fur­ti­vi no­mi­ne ae­di­bus iunc­ti ac­tum, de­li­be­ra­ri pot­erit, an ex­trin­se­cus sit rei vin­di­ca­tio. et es­se non du­bi­to.

2Ad Dig. 47,3,2Windscheid: Lehrbuch des Pandektenrechts, 7. Aufl. 1891, Bd. I, § 188, Note 16.Ulp. lib. XLII. ad Sabin. Wenn man aber den Fall annimmt, dass Namens eines in Gebäude verbauten gestohlenen Balkens geklagt worden sei, kann man da wohl Anstand nehmen, ob die Eigenthumsklage noch ausserdem zuständig sei? Ich zweifele gar nicht daran, dass sie es sei.