Corpus iurisprudentiae Romanae

Repertorium zu den Quellen des römischen Rechts

Digesta Iustiniani Augusti

Recognovit Mommsen (1870) et retractavit Krüger (1928)
Deutsche Übersetzung von Otto/Schilling/Sintenis (1830–1833)
Buch 47 übersetzt von Sintenis
Dig. XLVII19,
Expilatae hereditatis
Liber quadragesimus septimus
XIX.

Expilatae hereditatis

([Von1] der Ausplünderung der Erbschaft.)

1Man kann crimen, accusatio oder actio suppliren.

1Mar­cia­nus li­bro ter­tio in­sti­tu­tio­num. Si quis alie­nam he­redi­ta­tem ex­pi­la­ve­rit, ex­tra or­di­nem so­let co­er­ce­ri per ac­cu­sa­tio­nem ex­pi­la­tae he­redi­ta­tis, sic­ut et ora­tio­ne di­vi Mar­ci ca­ve­tur.

1Marcian. lib. III. Inst. Wer eine fremde Erbschaft ausgeplündert hat, wird ausserordentlicherweise durch die Anklage der ausgeplünderten Erbschaft bestraft, wie in der Rede des Divus Marcus vorgeschrieben wird.

2Ul­pia­nus li­bro no­no de of­fi­cio pro­con­su­lis. Si ex­pi­la­tae he­redi­ta­tis cri­men in­ten­da­tur, prae­ses pro­vin­ciae co­gni­tio­nem suam ac­com­mo­da­re de­bet: cum enim fur­ti agi non pot­est, so­lum su­per­est au­xi­lium prae­si­dis. 1Ap­pa­ret au­tem ex­pi­la­tae he­redi­ta­tis cri­men eo ca­su in­ten­di pos­se, quo ca­su fur­ti agi non pot­est, sci­li­cet an­te ad­itam he­redi­ta­tem, vel post ad­itam an­te­quam res ab he­rede pos­ses­sae sunt. nam in hunc ca­sum fur­ti ac­tio­nem non com­pe­te­re pa­lam est: quam­vis ad ex­hi­ben­dum agi pos­se, si qui vin­di­ca­tu­rus ex­hi­be­ri de­si­de­ret, pa­lam sit.

2Ulp. lib. IX. de off. Procons. Wenn [Jemandem] das Verbrechen der Ausplünderung einer Erbschaft Schuld gegeben wird, so muss der Provinzialpräsident dies zu seiner eigenen Erörterung und Entscheidung ziehen; denn da die Klage wegen Diebstahls nicht erhoben werden kann, so bleibt nichts als die Hülfe des Präsidenten übrig. 1Es erhellt also hieraus, dass das Verbrechen der Ausplünderung der Erbschaft in dem Fall zur Untersuchung gezogen werden könne, wenn die Diebstahlsklage nicht erhoben werden kann, nemlich vor dem Erbschaftsantritt, oder nachher, bevor die [betreffenden] Gegenstände vom Erben in Besitz genommen worden sind; denn es ist klar, dass für diesen Fall die Diebstahlsklage nicht zuständig sei, obwohl auf der andern Seite feststeht, dass Klage auf Auslieferung erhoben werden könne, wenn man in der Absicht, Eigenthumsklage zu erheben, die Auslieferung verlangt.

3Mar­cia­nus li­bro se­cun­do pu­bli­co­rum iu­di­cio­rum. Di­vus Se­ve­rus et An­to­ni­nus re­scrip­se­runt elec­tio­nem es­se, utrum quis ve­lit cri­men ex­pi­la­tae he­redi­ta­tis ex­tra or­di­nem apud prae­fec­tum ur­bi vel apud prae­si­des age­re an he­redi­ta­tem a pos­ses­so­ri­bus iu­re or­di­na­rio vin­di­ca­re.

3Marcian. lib. II. publ. judic. Divus Severus und Antoninus haben rescribirt: es stehe die Wahl zu, ob man das Verbrechen der Ausplünderung der Erbschaft ausserordentlicherweise vor dem Präfecten der Stadt Rom, oder den Provinzialpräsidenten zur Untersuchung ziehen, oder die Erbschaft von den Besitzern derselben im ordentlichen Wege Rechtens in Anspruch nehmen wolle.

4Pau­lus li­bro ter­tio re­spon­so­rum. Res he­redi­ta­rias om­nium he­redum fuis­se com­mu­nes, et id­eo eum, qui ex­pi­la­tae he­redi­ta­tis cri­men ob­icit et op­ti­nuit, et­iam co­he­redi pro­fuis­se vi­de­ri.

4Paul. lib. III. Respons. Es hat sich die Ansicht festgestellt, dass die Erbschaftssachen allen Erben gemeinschaftlich gehören, und darum Derjenige, wer das Verbrechen der Ausplünderung der Erbschaft Jemandem Schuld gegeben und obgesiegt hat, dadurch seinem Miterben ebenfalls einen Vortheil bereite.

5Her­mo­ge­nia­nus li­bro se­cun­do iu­ris epi­to­ma­rum. Uxor ex­pi­la­tae he­redi­ta­tis cri­mi­ne id­cir­co non ac­cu­sa­tur, quia nec fur­ti cum ea agi­tur.

5Hermogen. lib. II. jur. Epit. Die Ehefrau kann des Verbrechens der Ausplünderung der Erbschaft darum nicht angeklagt werden, weil wider sie auch nicht die Diebstahlsklage erhoben werden kann.

6Pau­lus li­bro pri­mo ad Ne­ra­tium. Si rem he­redi­ta­riam, igno­rans in ea cau­sa es­se, sub­ri­puis­ti, fur­tum te fa­ce­re re­spon­dit. Pau­lus: rei he­redi­ta­riae fur­tum non fit sic­ut nec eius, quae si­ne do­mi­no est, et ni­hil mu­tat ex­is­ti­ma­tio sub­ri­pien­tis.

6Paul. lib. I. ad Nerat. Wenn du eine Erbschaftssache gestohlen hast, ohne sie als solche zu kennen, so, sagt er, begehest du einen Diebstahl. Paulus: An einer Erbschaftssache geschieht kein Diebstahl, so wenig wie an einer herrenlosen, und der Glaube des Diebes ändert nichts.